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GRIMMSTEIN Teil 5 (Kapitel 16-18)

Kriminalroman

von Joost Renders (Autor)

2016 0 Seiten

Leseprobe

 

Prolog

Gaston hat beschlossen, seine Ex-Freundin und Affäre Fiona Gronacher aufzusuchen. Die Starschauspielerin des edlen Stadttheaters hat gerade ihre Vorstellung beendet, freut sich auf ein paar spaßige Stunden mit Gaston, muss aber noch kurz zu einer Lesung. Gaston, von dessen problematischer Lage sie noch nicht viel mitbekommen hat, begleitet sie.

Chefinspektor Bschließmayr macht sich derweil mal wieder Gedanken über die Korruption und das falsche Spiel, das den Grimmsteiner Polizeiapparat im Griff hat. Indizien zufolge muss den falschen Polizisten, die den Gefangenentransport überfallen haben, aus dem Inneren des Präsidiums zugearbeitet worden sein. Diese Erkenntnis treibt ihn in eine Kneipe, wo Grimmsteiner Polizisten ihren Feierabend verbringen. Dort kann er trinken, zuhören und gucken.


Der Ort von Fiona Gronachers Lesung, ein hochherrschaftlicher Palais in der Altstadt, entpuppt sich als tückische Schlangengrube, bis zum Rand gefüllt mit Lokalprominenz. Zu allem Überfluss taucht dort Oberinspektor Szluderpacheru auf. Gaston muss sich vor ihm versteckt halten und wird Zeuge einer Auseinandersetzung zwischen der Veranstalterin des Events Natascha Kappelhoff und eines eher abgerissenen Typs namens Sztidi. Er macht ihr einige Vorwürfe, aber bevor Gaston herausbekommen kann, um was es geht, wird Sztidi von Szluderpacheru persönlich verprügelt und Gaston muss sich wieder unsichtbar machen.

Nachdem er Fiona beim versehentlichen Flirt mit dem sinistren Vize-Polizeipräsident Brunszlap erwischt hat, macht er ihr klar, dass er von diesem Ort verschwinden muss und gesteht ihr endlich den Mordverdacht gegen ihn. Fiona nimmt es mit Fassung und Humor und leiht ihm sofort etwas Geld. Dann ist da noch ein weiteres Problem: Vor dem Hinterausgang steht Szluderpacheru und raucht eine Zigarette. Aber Fiona regelt auch das, sie lenkt ihn ab und Gaston verschwindet. Allerdings hat Szluderpacheru Gaston fliehen sehen und verfolgt ihn. Gaston gelingt es, sich zu verstecken, sieht aber noch mal diesen Sztidi, der in Panik aus dem Palais flieht.

16

Hauptinspektor Bschließmayr, der oberste Ermittler der „Abteilung Entleibung“ fing an, sich wohlzufühlen. Er hatte die richtige Entscheidung getroffen, in die Kneipe zu gehen und sich sonst für den Abend aber auch gar nichts vorzunehmen. Seit Stunden saß er da, wie eine unverrückbare alte Unke und soff. Und weil sein Körper so schwer war, fiel er auch nicht so leicht vom Barhocker, wenn er das Gleichgewicht hielt. Und Gleichgewicht halten konnte Dr. Francisk Bschließmayr. Besoffen auf dem Barhocker sitzen und sich völlig unverkrampft und mit großer Leichtigkeit am Tresen festhalten, das konnte man mit jahrelangem Training lernen und Bschließmayr war noch nie vom Barhocker gefallen.

Obwohl die Umgebung laut war, war es für ihn ein stiller Abend gewesen. Er hatte einfach mit keinem gesprochen, außer mit der Thekenkraft natürlich. Aber auch da hatte er sich nur aufs Bestellen und Danke sagen beschränkt. Seine einzige Bewegung bestand darin, pinkeln zu gehen. Und das musste er nicht so oft, denn er hatte bewusst, eben auch deswegen, auf Bier, Wein und dergleichen verzichtet und sich nur auf Hochprozentiges in kleinen Dosen konzentriert. Sein Favorit war der „Heilige Sankt Isidor“, ein in Grimmstein beliebter Kräuterlikör aus dem Hochgebirge. Der ging runter wie Honig und wirkte besonders gut, wenn man zu viel Hirnkäse gegessen hatte, aber Bschließmayr mochte dieses Zeug sowieso nicht. Er glaubte, dass er als Kind zu viel davon bekommen hatte, darum war er auch so dick. Das war er nämlich schon seit seiner Kindheit und es war nicht weniger geworden, obwohl er ab der Pubertät bewusst dem Hirnkäse entsagt hatte. Vielleicht stimmte seine Theorie ja doch nicht und eigentlich war es auch egal. Genüsslich grunzend sah er sich um.

Die Kaschemme, in der er sich befand war eine richtige Bullenkneipe, hier hingen die ganzen Schergen und andere Bedienstete aus dem nahen Präsidium herum und gaben sich die Kante, dazu kamen noch die unzähligen Möchtegernspitzel, Denunzianten und andere zwielichtige Gestalten, die ihr Stück vom Recht-und-Ordnung-Kuchen abhaben wollten, aus welchen Gründen auch immer. Kurzum, ein Sammelsurium menschlicher Niedertracht. Bschließmayr liebte es, obwohl er die meisten der Kneipeninsassen verachtete. Aber das Schäbige war nun mal der Humus aus dem er sich nährte und da konnte er als Beobachter, Drübersteher und schließlich Festsetzer oder gar Einkerkerer nicht genug von kriegen. Und hier war es ihm möglich, zumindest für einen Moment den Fall Kappelhoff zu vergessen.

 

Gaston ärgerte sich. Er hatte die Gelegenheit verpasst, Fiona zu fragen, ob er mal kurz von ihrem Mobilteil Freibier anrufen könnte, damit er sicher war, wo der sich überhaupt befand. Allerdings war er sich zu achtzig Prozent sicher, dass sein Freund Freibier in einer ganz bestimmten Kneipe saß. In die ging er immer, wenn er Abendvorstellung hatte, sie lag nicht weit von dem schäbigen Theater, in dem Freibier den Kasper gab. Und soweit Gaston wusste, hatte Freibier Vorstellung gehabt, denn der hatte vor ein paar Tagen gejammert, dass er diese Woche oft abends vor den Pöbel musste.

Immerhin hatte Gaston noch eine Straßenbahn bekommen, die ihn zum ‚Theater an der Lippauer Allee‘ brachte, so hieß nämlich dieses Etablissement und so hieß auch die gleichnamige Haltestelle, die direkt vor dem Theater lag und die sich auf halbem Wege zwischen Altstadt und Schlucht der Nutzlosen befand. Von dort war es nur ein kurzer Weg zu humpeln und schon stand Gaston vor der Kneipe, in der Freibier seine Feierabendbiere hinunter stürzte, wenn die Theaterkantine schon zu war.

Gaston hatte Glück, Freibier war da. Allerdings saß er ausnahmsweise mal nicht an der Theke, sondern an einem Tisch in Begleitung einer Frau. Das löste bei Gaston zwar Neugierde aus, aber heute hatte er doch anderes im Kopf.

Freibier, der seinem Namen anscheinend mal wieder alle Ehre tat, hatte ihn schnell gesehen, denn er hatte einen sehr unruhigen Blick, der das Umherschweifen nicht lassen konnte.

„Da nahet ihr wieder, schwankende Gestalten!“, rief Freibier erfreut und Gaston hinkte auf den Tisch zu und setzte sich. Freibier hatte gut reden, wenn er andere als schwankende Gestalten bezeichnete. Er konnte noch so betrunken sein, er selbst neigte nie zum schwanken, er war klein, stämmig und alles an ihm war irgendwie viereckig. Äußerst solide geerdet, sowohl physisch, wie auch psychisch.

„Das ist mein Freund Gaston!“, stellte Freibier ihn der Frau vor. „Der modelt gerade bei Pflegeschülern.“

Die Frau nickte dezent lächelnd und Gaston befand, dass sie überhaupt nicht in diese Kneipe passte. Sie war zwar schlicht und einfach gekleidet, aber ihr ganzer Habitus verriet, dass sie eigentlich aus einem anderen Stall kam.

„Das ist Manu!“, rülpste Freibier.

„Manu?“
„Ja“, nickte die Frau.

‚Manu‘ passte ebenfalls überhaupt nicht. Gaston hatte den Namen ‚Manu‘ immer ultrabeschissen gefunden, so hießen billige Vorstadttussen, die sich in schlechtem Parfüm gewälzt hatten und ihre strammen Oberschenkel in Glitzerleggins zu zwängen pflegten. Diese ‚Manu‘ hier hatte allerdings trotz ihrer klassischen Schönheit eher etwas von einer blaustrümpfigen Intellektuellen.

‚Manu‘ schien seine Gedanken zu erraten und lächelte.

„Manuela Ferdinand!“, stellte sie sich etwas scheu, aber lächelnd vor. Wobei das Scheue keine Schüchternheit zu sein schien, es hatte eher etwas Distanziertes, so als wollte sie das peinliche Verhalten Freibiers wegbügeln und sich überhaupt hier ganz schnell aus der Affäre ziehen. Diese Manuela wirkte auch so, als sei sie gut im Wegbügeln. Und im ‚aus der Affäre ziehen‘ wahrscheinlich auch. Sie stand auf und lächelte Gaston noch mal kurz an.

„Nett, Sie kennengelernt zu haben, aber ich muss jetzt leider gehen!“

 

Seltsame Frau, dachte Gaston und nickte. Sie verabschiedete sich rasch von Freibier und ging. Gaston konnte nicht anders, er musste ihr nachsehen.

„Deine neue Flamme?“, fragte er, als sie draußen war. Allerdings hielt er das kaum für möglich.

„Nee“, bestätigte Freibier.
„Ist aber 'ne Hübsche!“

„Jap“, knurrte Freibier. „Aber vergiss es. In festen Händen und treu dazu.“

Alles klar , dachte Gaston, so sieht sie auch aus.

„Wo kommste her?“, wollte Freibier wissen.

„Kann ich bei dir übernachten?“, fragte Gaston direkt, anstatt auf Freibiers Frage einzugehen.
„Wieso? Was ist los?“, fragte Freibier mit ehrlicher Verwunderung. „Hast du deine Wohnung an Touristen untervermietet und wirst endlich reich?“

„Hast du nicht von der Sache mit Charlene gehört?“
„Natürlich, schlimme Sache!“, antwortete Freibier düster. „Hat wohl den Falschen abgeschleppt.“

„Nicht ganz.“

„Wie?“

„Die Bullen suchen mich als Mörder.“

„WAS?!“

Freibiers Mund stand sperrangelweit offen. Das hatte ihn jetzt wirklich getroffen. Er bekam keinen Ton heraus. Gaston fand, dass das jetzt der Moment war, endlich jemandem sein Herz auszuschütten und die ganze Geschichte zu erzählen.

 

Francisk Bschließmayr hatte diesen Abend genossen, obwohl er mutterseelenallein vor sich hin soff. Aber jetzt war es aus mit der Ruhe an der Theke. Ausgerechnet Inspektor Szluderpacheru war noch vorbeigekommen. Zwar schenkte er seinem Vorgesetzten keine Beachtung, aber Bschließmayr fühlte sich unangenehm gestört. Er hatte sich einfach mehr oder weniger neben ihm an der Theke niedergelassen, schien in Rage zu sein, stank penetrant nach Erbrochenem und hatte das Ohr eines jungen Polizisten, der öfter mal Frondienste für ihn leistete und sich geehrt fühlte, dass Szluderpacheru mit ihm soff, in Beschlag genommen. Ob er wollte oder nicht, Bschließmayr bekam jedes einzelne Wort mit.

„Die hat mir auf die Jacke gekotzt!“, geiferte Szluderpacheru „Eine original Benovici-Jacke! Kannste dir vorstellen, ja! Und die blöde Fotze kotzt mir einfach die Jacke voll. Die kann ich wegschmeißen. Dreihundert Eier! Weg! Vorher hatse in diesem Palais noch‘n Gedicht vorgetragen. Und dann kotzt sie mir auf die Jacke, ich fass es nicht.“
„Eine Bekannte?“, fragte der junge Polizist mitfühlend.

„Nee, eine Schauspielerin vom Stadttheater“, knurrte Szluderpacheru.

Details

Seiten
0
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783945298350
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v314309
Schlagworte
Kriminalroman Krimi Sex&Crime Crime Humor Humorvoller Krimi Polizei Grimmstein Serie Detektiv Privatdetektiv

Autor

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