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GRIMMSTEIN Teil 7 (Kapitel 23-25)

Kriminalroman

von Joost Renders (Autor)

2016 30 Seiten

Leseprobe

 

Prolog

Am nächsten Morgen veranlasst Chefinspektor Bschließmayr als erstes Fiona Gronachers Freilassung aus der Ausnüchterungszelle. Endlich mal eine Gelegenheit, den Bühnenstar näher kennenzulernen! Fiona belohnt ihn auch dafür mit einem der unterhaltsamsten Verhörgespräche, die der Chefinspektor in seiner langen Karriere je hatte.

Währenddessen weiß Gaston nicht so recht, wohin mit sich. In Freibiers Wohnung möchte er nicht alleine bleiben, in seine kann er nicht und in der Stadt herumhumpeln ist gefährlich. Trotzdem entscheidet er sich für letzteres. In der Straßenbahn trifft er wieder auf dieselben Kontrolleure, mit denen er sich schon am Vorabend einen Jux geleistet hat. Allerdings hat er diesmal keine Fahrkarte, kann aber fliehen und landet auf der Flucht in dem Weiterbildungsinstitut, wo er zurzeit als lebender Dummy tätig ist.

Bschließmayr passt Polizeipräsident Pratzel ab und fragt ihn, ob er sich noch mal die Akte Kappelhoff zur Brust genommen hat. Pratzel hat und er ist ebenfalls zu dem Schluss gekommen, dass das mit dem angeblichen Selbstmord Philip Kappelhoffs so eine Sache ist. Allerdings will er den Fall nicht noch mal neu aufrollen. Bschließmayr bekniet seinen Chef und der gibt ihm dann doch eine kleine Chance. Wenn er es schafft, einen Beweis für die Mordtheorie zu finden, wird der Fall neu aufgerollt.

Nachdem Gaston sich den Pflegeschülern zur Verfügung gestellt hat, erfährt er in der Pause, das Kopfgeld auf den flüchtigen Mörder Charlene Swobodas ausgesetzt wurde. Glücklicherweise wissen seine Mitschüler nicht, dass er der Gesuchte ist. Das Geld wollen sie schon haben. Vor allem eine gewisse Frau Golling ist ganz wild darauf, sich endlich einen neuen Kühlschrank leisten zu können. Um dieser Diskussion zu entgehen, blättert er in einem Heftchen und stößt dabei auf einen negativen Artikel über die Witwe Kappelhoff. Als er dann noch den Namen des Verfassers sieht, stutzt er sehr. „Arisztid Olt“. Wenn man diesen Namen und „Gaston Krott“ ausspricht, sind sie sich ähnlich. Jetzt weiß er, wer der Mann mit dem kalten Arsch ist. Und Arisztid ist natürlich „Sztidi“, der verkrachte Journalist.

Gaston beeilt sich, in Freibiers Theater zu kommen, landet aber erst mal im Rechtsberatungsbüro von Manuela Ferdinand. Dort soll er auf Freibier warten und lernt dabei die beiden Angestellten kennen. Vor allem Mandy Glücksvatter, eine ehemalige Supermarktkassiererin aus der Schlucht der Nutzlosen erweist sich als sehr hilfsbereit. Sie ordert einen neuen Gehstock für Gaston.

Bschließmayr hat seine Suche nach Beweisen mit einem Besuch bei der Witwe Kappelhoff begonnen, der er noch einige Fragen stellen möchte. Sie ist gerade im Begriff, aus der Dienstwohnung ihres verstorbenen Gatten auszuziehen, alles steht voller Kartons, an denen sich die stadteigenen Umzugshelfer zu schaffen machen.

Hier trifft er auf den Leiter dieser Umzugskolonne, einen gewissen Herrn Fotter. Der hat ein ungewöhnlich schiefes Gebiss und sehr schlechte Zähne.

23

 

Gaston und Freibier saßen auf der hintersten Bank in der Straßenbahn, die sie heim in die Schlucht der Nutzlosen fuhr. Freibier war wieder völlig in seinem Element, wahrscheinlich war er ausgekatert und die Probe war auch nicht so mies verlaufen, wie er befürchtet hatte. Die Nachricht, dass es sich bei dem Kaltarsch, wohl doch um Sztidi handelte, hatte ihn auch noch beflügelt. Endlich kamen sie voran!

„Ich werde nachher mal meine Kontakte in die Presselandschaft spielen lassen, ich wette, dass wir heute noch mit ihm zusammensitzen.“

Aber Gaston hörte gar nicht richtig zu. Freibier konnte sich schon denken warum. Schweigend starrte Gaston aus dem Fenster.

„Kannst du dir vorstellen, dass Charlene etwas mit diesem Typen hatte?“, fragte Gaston schließlich. „Der lag doch unterhalb ihres Niveaus!“

„Keine Ahnung“, warf Freibier lapidar ein und trank einen Schluck aus seiner Nachproben-Feierabend-Bierflasche. „Wenn sie einen sitzen hatte, war sie leicht rumzukriegen.“

Gaston hätte diese Anspielung liebend gerne überhört, aber so ganz ging es doch nicht. Die Vorstellung, dass sein Freund Freibier ebenfalls etwas mit Charlene hatte, amüsierte ihn nicht gerade. Allerding war ihm durchaus klar, dass es jetzt um Wichtigeres ging.

„Aber die müssen sich doch länger gekannt haben! Die bewegten sich doch in derselben Szene.“
Freibier schüttelte den Kopf.

„Sztidi ist, soweit ich weiß, noch nicht so lange hier. Kommt eigentlich von der Küste und war lange im Ausland.“
„Und warum kommt er dann ausgerechnet nach Grimmstein?“, fragte Gaston.

„Keine Ahnung“, antwortete Freibier. „Vielleicht war er pleite. Was gibt’s sonst für einen Grund herzukommen?“

„Wir müssen unbedingt Manuela anrufen“, fiel Gaston ein. Freibier nickte, kramte sein Handy hervor, gab Manuela ein und wartete.

„Mailbox!“, sagte er schließlich.

„Nee, lass!“, antwortete Gaston schnell. „Das bringt nix. Versuchen wir es später noch mal!“

„Hast du nett mit Mandy tratschen können?“, fragte Freibier.

„Das ist ja eine richtig Nette!“, stellte Gaston fest. „Im Gegensatz zu ihrer Kollegin.“
Freibier grinste.

„Die Kovacz war früher mal vom Gericht bestellte Betreuerin! Für die Leute, die nun gar nicht mehr klarkommen.“

„Da hat sie doch sicher gut zu tun gehabt!“, warf Gaston ein. „Ein Job mit Zukunft.“

„Richtig! Nur hat sie sich in einen ihrer Kunden verliebt und den sogar geheiratet.“

„Ich fürchte, den kenne ich. Der hat mich vorgestern noch mit Hirnkäse gefüttert.“

„Und das hast du überlebt?“, fragte Freibier feixend. „Der soll tierische Kräfte haben und ziemlich gewaltbereit sein! Ein richtiger Killer!“

„Sieh mal einer an! Zu mir war er aber immer freundlich!“

„Der hat sicher Mitleid mit Krüppeln!“
Freibier stand auf. Sie waren da. Gaston war froh, den Gehstock zu haben, da fiel das Aufstehen doch wieder wesentlich leichter.


Es war klar, dass sie Gastons Haus links liegen ließen und direkt auf Freibiers Haus zusteuerten. Gerade, als der Aufzug kam und sie ihn betreten wollten, kam ein Nachbar Freibiers mit einem Einkaufswagen, gefüllt mit einem Berg leerer Pfandflaschen heraus.

„Oha!“, staunte Freibier. „Bei dir bricht wohl heute der Wohlstand aus!“

„Das werden wir noch sehen!“, antwortete der Nachbar. „Wenn ja, sag ich Bescheid, wischt! Aber erst sollst du dich bei den Bullen melden!“
„Ich?“, fragte Freibier überrascht. „Wieso?“
„Keine Ahnung. Die haben bei dir geklingelt und weil du nicht aufgemacht hast, haben sie bei mir geklingelt, wischt!“

„Was wollten die?“

„In deine Wohnung. Ob ich 'nen Schlüssel hätte.“

„Das wird ja immer besser“, brummte Freibier.

„War da so ein großer Schlanker dabei?“, fragte Gaston. „Mit so einem ganz dünnen Bärtchen? Stinkt total nach schlechtem Rasierwasser.“
„Ob das Rasierwasser schlecht ist, weiß ich nicht“, antwortete der Nachbar. „Aber sonst stimmt die Beschreibung.“

Der Nachbar grüßte noch einmal fröhlich, dann schob er seine kostbare Fracht Richtung Ausgang.

„Scheiße“, brummte Gaston. „Hier sind wir auch nicht mehr sicher.“

„Ja, lass uns in eine Kneipe gehen!“, schlug Freibier vor.

 

Es hatte aufgehört zu schneien und kurz schien es sogar so, als würde die Sonne durch die dicke Wolkendecke durchbrechen, als Bschließmayr wieder auf dem Opernring stand. Die verzierten und verschnörkelten großbürgerlichen Paläste aus längst vergangenen Zeiten sahen gleich viel freundlicher aus. Bschließmayr betrat den fast parkähnlichen Grünstreifen in der Mitte der Straße und beschloss, die paar Schritte Richtung Präsidium zu Fuß zu gehen.

Diese fast freundliche Stimmung muss doch ausgenutzt werden!

Viel Neues hatte er bei seinem Besuch bei Natascha Kappelhoff nicht erfahren. Nur, dass sie gerade im Begriff war umzuziehen. Er fragte sich, ob sein Besuch sich überhaupt gelohnt hatte, außer dem erfreulichen Anblick der Kisten schleppenden Umzugshelfer.

Gut, sie blieb in Grimmstein, das war ihr gutes Recht. Auch wenn Bschließmayr es nicht verstand. Sie hatte doch in der Hauptstadt, wo sie ja herkam, viel mehr Möglichkeiten. Auch konnte er sich schwer vorstellen, dass sie in einer ihr mehr oder weniger fremden Stadt blieb, in der ihr Gatte kurz zuvor solch ein tragisches Ende gefunden hatte.

Nein, nein, er hatte vielleicht keine neuen Erkenntnisse erlangt, aber auch dieser Besuch hatte ihn wieder davon überzeugt, auf der richtigen Spur zu sein.

Diese Sache war oberfaul, aber diesmal waren sie zu weit gegangen und diesmal wollte Chefinspektor Bschließmayr sie damit nicht durchkommen lassen, die heimlichen Herrscher von Grimmstein. Dafür hatte er zu lange im Polizeipräsidium gesessen und ja, sich dieses Tun und Treiben aus sicherer Distanz angeguckt und nie wirklich etwas dagegen getan. Allerdings auch nicht dafür, wie so viele seiner Kollegen. Chefinspektor Francisk Bschließmayr hatte einfach NICHTS getan. Und nein, mit dieser Gewissheit wollte er nicht in Rente gehen!

 

Details

Seiten
30
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783945298374
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v314311
Schlagworte
Kriminalroman Krimi Sex&Crime Crime Humor Humorvoller Krimi Polizei Grimmstein Serie Detektiv Privatdetektiv

Autor

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    Joost Renders (Autor)

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