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GRIMMSTEIN Teil 8 (Kapitel 26-29)

Kriminalroman

von Joost Renders (Autor)

2016 30 Seiten

Leseprobe

 

Prolog

Gaston ist mit Freibier in die heimische Schlucht der Nutzlosen gefahren. Dort muss er sich aber zuerst unter einem Tisch verstecken, da Oberinspektor Szluderpacheru auftaucht. Szluderpacheru versucht, Freibier nach Gaston auszufragen, aber Freibier mauert gut. Der Oberinspektor verzieht sich unverrichteter Dinge, dafür scheint aber die Pflegeschülerin Frau Golling jetzt zu wissen, für wen das Kopfgeld ausgezahlt wird.

Nichtsdestotrotz suchen er und Freibier ein gemeinnütziges Sozialcafé auf, in dem sich der „Poet der kleinen Leute“ Albert Ibrahimse aufhält. Er soll ihnen den Kontakt zu Arisztid Olt klarmachen. Aber Ibrahimse befindet sich in einer fürchterlich depressiven Stimmung und möchte nicht von Nutzen sein. Als sie das Café wieder verlassen, fällt Freibier ein gewisser Toffmann ein, ein Freund von Olt, dessen Kontaktdaten er aber eben aus seiner Wohnung holen muss. Während Gaston auf Freibier wartet, wird er von Frau Golling und ihrem Mann, einem örtlichen Schläger, überwältigt und an die Polizei übergeben.

Chefinspektor Bschließmayrs Besuch bei Frau Kappelhoff hat ihm nicht viel Neues gebracht und den nötigen Beweis für den Mord an ihrem Ehemann schon gar nicht, aber Bschließmayr gibt nicht auf. Zurück im Polizeipräsidium sieht er, dass der Junge mit den traurigen Augen wieder eingefangen wurde und beobachtet von außen ein Verhör, das Szluderpacheru und Lerninspektor Kimmel mit ihm führen. Gaston Krott muss sich ausschließlich unnützer Frechheiten der beiden erwehren, solange bis Bschließmayr von außen eingreift und Disziplin anmahnt. Eine interessante Geschichte gibt es trotzdem. Einer der angeblichen Polizisten, die ihn auf dem Gefangenentransport befreiten, hatte ein auffällig schiefes Gebiss. Bschließmayr erinnert sich natürlich sofort an Herrn Fotter, den Leiter der städtischen Umzugskolonne und ist sich sicher, jetzt endlich eine Spur zu haben, die auf einen Zusammenhang der Mordfälle Kappelhoff und Swoboda hinweist. Außerdem bedeutet das auch eine Gefahr für Gaston Krott! Bschließmayr berichtet umgehend seinem einzigen Freund im Präsidium, dem alten Polizeiarzt Vincent M’Pese, von den neuesten Erkenntnissen, aber der macht sich in erster Linie Sorgen um ihn und auch seine Belastbarkeit. Außerdem soll Bschließmayr hinsichtlich des jungen Mannes mit dem Gehfehler aufpassen, nicht dass er da Beruf und Begehren durcheinander bringt. Letzteres sieht der Chefinspektor sogar ein.

Während Gaston in seiner Zelle schmort und dabei auf den Trichter kommt, dass er dank seiner Freunde gar nicht so allein ist, wie er dachte und plötzlich eine große Sehnsucht nach Fiona Gronacher verspürt, bekommt er Besuch von einem Polizisten, der ihm sagt, dass er gehen kann. Überrascht wird er einem alten Mann zugeführt, der sich als Rechtsanwalt zu erkennen gibt. Gaston ist sich zunächst nicht sicher, ob er wirklich frei oder ob das eine weitere Falle ist, aber als er sieht, dass Manuela Ferdinand auf ihn wartet, ist er sich sicher, dass es mit rechten Dingen zugeht.

Hier trifft er auf den Leiter dieser Umzugskolonne, einen gewissen Herrn Fotter. Der hat ein ungewöhnlich schiefes Gebiss und sehr schlechte Zähne.

26

„Wie: gerade entlassen?“

Bschließmayr konnte schwerlich fassen, was er da eben gehört hatte. Der oberste Schließer des Zellentrakts, bei dem er sich für ein außerordentliches Verhör von Gaston Krott anmelden wollte, bestätigte es ihm schwarz auf weiß. Unterschrieben von einem Dr. Kallweit. Irgendetwas klingelte bei Bschließmayr, als er diesen Namen las, aber es war etwas, das verdammt lange zurücklag.

Das war jetzt auch erst mal egal, Bschließmayr musste wissen, wohin Gaston Krott verschwunden war.

„Das weiß ich nicht“, sagte der Oberschließer. „Aber vielleicht erwischen Sie ihn noch, es ist noch nicht lange her, dass Krott abgeholt wurde, und dieser Dr. Kallweit war nicht so gut bei Fuß.“
„Gut“, nickte Bschließmayr. „Danke!“

Bschließmayr machte sich auf den Weg zurück, durch die langen Gänge und leider war er auch nicht mehr so gut zu Fuß, nun, gehen konnte er schon, nur sein Gewicht war ihm im Weg. Und schon bald geriet er schwer ins Schnaufen. Dazu kam ein latentes Schwindelgefühl. Eigentlich hätte er sich hinsetzen sollen, aber nein, er hatte etwas zu erledigen.

 

Gaston konnte sein Glück kaum fassen. Manuela Ferdinand schien sich aber nicht unbedingt mitzufreuen und wenn sie es doch tat, dann verbarg sie es hinter ihrer kühlen, undurchsichtigen Fassade. Gaston war abermals schwerstens fasziniert. Diese Frau hatte was! Er wusste nicht so recht, was er sagen sollte.

„Und wir können jetzt einfach so gehen?“
Manuela Ferdinand nickte.

„Vielen Dank! Das ist ja Wahnsinn!“

„Jetzt holen Sie aber erst mal ihre Siebensachen ab!“, entgegnete Manuela Ferdinand und nickte in Richtung Ausgabestelle. „Sonst kommen wir hier überhaupt nicht weiter!“

Gaston nickte.

„Ich warte draußen“, sagte Manuela Ferdinand leise, aber es klang wie eine Ansage, dass Gaston jetzt schnell seinen Kram erledigen und sich dann so schnell wie möglich nach draußen begeben sollte.

Gaston gehorchte und ging zur Ausgabestelle. Ihm war es egal, ob sich die grünäugige Polizistin hinter der Ab- und Ausgabestelle befand, die war nur interessant, solange er hier drin war, draußen galten andere Regeln. Aber sie war nicht da. Seine Sachen waren wohl schon bereitgelegt und während sie aus einem Regal genommen wurden, sah Gaston, wie Manuela Ferdinand dem alten Mann vor der Tür eine Flasche Schnaps oder etwas ähnliches in die Hand drückte.

Da soll mal einer schlau draus werden.

Sie schien sich bei ihm zu bedanken, er tätschelte ihr mit gichtgeplagten Fingern über eine Wange und wackelte schließlich davon.

Nachdem er seine Geldbörse mit Monatskarte und sein Handy wiederbekommen hatte, ging Gaston zu Manuela Ferdinand nach draußen. Wobei „draußen“ ein weiterer langer Gang war, aber immerhin nicht mehr im Gefangenentrakt, man konnte sich hier schon etwas freier fühlen.

„Vielen Dank!“, sagte Gaston und hätte Manuela Ferdinand am liebsten umarmt.

„Nichts zu danken.“
Gaston sah von ihr zu dem alten Mann, der sich langsam entfernte.

„Wer war das?“
„Mein alter Prof. Er praktiziert noch immer.“

„Also, Sie arbeiten quasi mit ihm zusammen.“

„Ja“, antwortete sie. „Er macht allerdings kaum noch was. Das Alter. Aber wie gesagt, offiziell praktiziert er noch. Das ist schon sehr nützlich.“
„Und was habe ich jetzt gekostet?“
„Gar nichts. Doktor Kallweit hat so viel Geld verdient, der braucht nichts mehr und es macht ihm Spaß!“

Gaston war fast ein wenig fassungslos. Was es nicht alles gibt!

„Wie haben Sie mich hier rausgekriegt?“, fragte Gaston, als er sich wieder gefangen hatte. Manuela Ferdinand sah ihn an und ihr Mund hatte plötzlich etwas ganz leicht Verächtliches. Gaston war sich aber sicher, dass das nicht gegen ihn ging.
„Die sollten mir einfach mal sagen, was für einen Beweis die gegen Sie haben!“, sagte Manuela Ferdinand schließlich und es klang glaubhaft.

„Und die haben keinen?“

„Nein. Und die Denunzierung von diesem Nachbarn gilt auch nicht.“

„Enno Jattrich?“

„Genau. Die hätten Sie überhaupt nicht festnehmen dürfen!“

Gaston sah sie fragend an. In ihrer letzten geäußerten Feststellung war sie ein wenig aus sich herausgegangen. Gaston lächelte, aber sie hatte wieder ihre undurchsichtige Miene aufgesetzt und reagierte nicht auf sein Lächeln.

„Kommen Sie!“, sagte sie ruhig. „Wir wollen uns hier nicht länger aufhalten als nötig.

 

Das hatte noch gefehlt, es ging ihm schon nicht gut und dann musste Bschließmayr auf dem Weg zum Ausgang des Zellentrakts Szluderpacheru begegnen. Der schien zu ahnen, was Bschließmayr vorhatte.

„Sie funken mir jetzt nicht wieder dazwischen, alter Mann!“, zischte Szluderpacheru schwer verärgert.

„Sagen Sie mal, wie reden Sie hier mit mir?“, empörte sich Bschließmayr.

„Genau, wie du es verdienst, du alte Ratte!“, flüsterte Szluderpacheru ultraaggressiv. „Ich lass mich doch von dir nicht vor Verdächtigen zum Klops machen! Geht’s noch?“

„Ich weiß nicht, was Sie von mir wollen, Herr Oberinspektor!“

Szluderpacheru trat plötzlich mit seinem Schuh sehr feste auf Bschließmayrs Fuß. Es tat ungeheuer weh, Bschließmayr hatte das Gefühl, seine Fußknochen würden ihm zersplittern. Szluderpacheru beugte sich so weit zu ihm hinunter, dass sein Gesicht nur noch ein paar Zentimeter von Bschließmayrs Gesicht entfernt war.

„Geh in dein Büro, alter Mann, hock dich da in deinen Sessel, furz ein bisschen vor dich hin und lass mich meinen Job machen! Sonst lasse ich gewisse Jungs hier mal auspacken!“

„Was für Jungs?“, fragte Bschließmayr leise und schmerzerfüllt.

„Das kannst du dir doch sicher denken!“, höhnte Szluderpacheru. „Glaubst du etwa, die lieben dich?“ Er grinste überheblich, klopfte Bschließmayr auf die Schulter und ging.

Bschließmayr stand da, schwankte, sein Fuß tat darüber hinaus unglaublich weh und er begann auf einmal, unglaublich zu schwitzen. Es brach ihm aus allen Poren hinaus und er hatte gerade kein Taschentuch zur Hand um es abzuwischen. Der Schmerz und die Panik vermischten sich zu einem Höllengebräu, er triefte, sein Atem ging immer schwerer und das Herz raste.

Er war zu alt für diesen Stress. Wenn er hier so stehenbliebe, würde er gleich umfallen. Darauf würden sie doch hier eh alle warten!

Er hatte keine Chance.

Da ihm plötzlich auch noch sehr schwindelig wurde, wankte er zur Wand, wo Bänke für Wartende standen. Er war froh, dass er es noch bis zu einer leeren geschafft hatte, ohne zusammenzubrechen. Wie ein nasser Sack ließ er sich auf die Bank plumpsen. Er sah sich um, so gut es ihm noch möglich war. Er war alleine auf diesem Gang und froh, dass niemand dieses Elend mitbekommen hatte. Aber gleichzeitig ärgerte er sich.

Er war ein altes, fettes und feiges Schwein, nicht mehr und nicht weniger! Es war zum Heulen!

Dann wurde ihm schwarz vor Augen.

 

Manuela Ferdinand hatte ihr Auto, ein Kleinwagen und ziemlich altes Modell, auf dem Dienstparkplatz der Polizeibeamten abgestellt, was sie natürlich eigentlich nicht durfte, aber anscheinend war ihr das egal. Was eher konträr zu dem Eindruck stand, dass sie übermäßig korrekt war. Gaston musste sich einmal mehr über sie wundern. Auf dem kurzen Weg zum Auto hatte sie kein Wort gesprochen, allerdings hätte Gaston schon zu gerne gewusst, wo es jetzt hinging, obwohl er sich das fast schon denken konnte. Er hatte sein Handy wieder angemacht und musste feststellen, dass eine Nummer, die er weder gespeichert hatte, noch überhaupt kannte, fünfmal bei ihm angerufen hatte. Er stieg ins Auto, betrachtete die Nummer und runzelte die Stirn.

„Irgendetwas Verdächtiges?“, fragte Manuela Ferdinand während sie den Zündschlüssel ins Schloss steckte.

„Irgendein Unbekannter hat mich ein paar Mal versucht zu erreichen. Aber er hat keine Nachricht hinterlassen.“

Gaston wollte auf die Rückruftaste drücken, als Manuela Ferdinands Hand sich darüber legte.

„Vorsicht, keine unbekannten Nummern zurückrufen!“

Sie sah ihn durchdringend an.

„Wir fahren jetzt sowieso erst mal ins Büro und da gucken wir uns die einmal näher an.“

Details

Seiten
30
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783945298381
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v314312
Schlagworte
Kriminalroman Krimi Sex&Crime Crime Humor Humorvoller Krimi Polizei Grimmstein Serie Detektiv Privatdetektiv

Autor

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    Joost Renders (Autor)

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