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24 Stille Nacht

von Ralph F. Wild (Autor:in)
2016 0 Seiten

Zusammenfassung

Lothar ist ein „Sonnenkind“, wurde er doch am 24. Dezember geboren – am Tag des Herrn. Doch sein Glück zerbricht jäh, als seine Eltern sich trennen und seine Mutter ihn daraufhin ins Internat schickt.
Nur sein Mitbewohner Thomas ist ihm dort ein Freund. Vom Direktor drangsaliert und missbraucht, verliert Lothar nicht nur seine kindliche Unschuld, sondern auch all seine Würde und Lebensfreude.
Szenenwechsel: Schon seit Jahren erschüttert die älteste Stauferstadt Schwäbisch Gmünd eine Mordserie, die ihren grausamen Höhepunkt immer an Heiligabend findet.
Kommissar Sigurd Weller beißt sich an diesem Fall die Zähne aus, und das kurz vor seiner Pensionierung. Wird er mit seinem jungen Kollegen Stefan Passlack und der aufgeweckten Polizeianwärterin Michaela Pelongrin, genannt Veggi, seinen letzten Fall aufklären können? Die sogenannten „Sonnenkinder“ bringen das Trio schon bald auf eine heiße Fährte.

Leseprobe

Impressum

E-Book Ausgabe Februar 2016

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© Originalausgabe 2015, einhorn-Verlag+Druck GmbH

© E-Book Ausgabe 2016
dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH

Made in Stuttgart with ♥

Alle Rechte vorbehalten

24 – Nächtliche Stille


ISBN 978-3-945298-50-3

Titel- und Covergestaltung: Evelyn Hirthammer, Susi Karl, Maja Schollmeyer

Lektorat: Michael Lohmann

Dies ist die digitale Veröffentlichung des 2015 im Einhorn-Verlag publizierten Krimis 24 – Stille Nacht (ISBN: 978-3-95747-025-6).

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Über dieses E-Book

Lothar ist ein »Sonnenkind«, wurde er doch am 24. Dezember geboren – am Tag des Herrn. Doch sein Glück zerbricht jäh, als seine Eltern sich trennen und seine Mutter ihn daraufhin ins Internat schickt. Nur sein Mitbewohner Thomas ist ihm dort ein Freund. Vom Direktor drangsaliert und missbraucht, verliert Lothar nicht nur seine kindliche Unschuld, sondern auch all seine Würde und Lebensfreude.

Szenenwechsel: Schon seit Jahren erschüttert die älteste Stauferstadt Schwäbisch Gmünd eine Mordserie, die ihren grausamen Höhepunkt immer an Heiligabend findet. Kommissar Sigurd Weller beißt sich an diesem Fall die Zähne aus – und das kurz vor seiner Pensionierung. Wird er mit seinem jungen Kollegen Stefan Passlack und der aufgeweckten Polizeianwärterin Michaela Pelongrin, genannt Veggi, seinen letzten Fall aufklären können? Die sogenannten »Sonnenkinder« bringen das Trio schon bald auf eine heiße Fährte.

Über den Autor

R.Wild_ebookRalph F. Wild, Jahrgang 1971, ist in Esslingen am Neckar geboren. Der ausgebildete Journalist machte sich zunächst einen Namen als Sportredakteur einer Lokalzeitung in Schwäbisch Gmünd. 2007 schlug er beruflich neue Wege ein und wechselte in die Automobilbranche, zum Audi-Partner WWG Autowelt. Parallel betätigt sich Ralph F. Wild aber weiterhin als freier Journalist und Moderator.

Der leidenschaftliche Autor ist ein Vielleser und hat seine Schreibe vor allem auf seinem großen Erfahrungsschatz aufgebaut. »Kein Buch hat es verdient, bevor nicht die letzte Seite gelesen ist, zur Seite gelegt zu werden.«, ist seine Devise.

Ralph F. Wild wohnt in Durlangen, ist seit zwölf Jahren mit seiner Frau Larissa verheiratet und hat drei Kinder.

Ralph F. Wild veröffentlicht bei
dp DIGITAL PUBLISHERS außerdem:

Realmord

ISBN: 978-3-94529-815-2

Zur Leseprobe

24 – Nächtliche Stille


Ralph F. Wild

10. August 2003

Die Flammen schlugen aus dem Häuserdach. Tobend, lodernd und voller Kraft. Die Hitze brannte auf den Hautpartien, die der feuerfeste Feuerwehranzug offen ließ. Michael Siegsdorf wollte nur eines: Helfen. Das Kommando an ihn und seine Kollegen lautete: »Holt die achtköpfige Familie dort raus!«

Für den routinierten Feuerwehrmann waren die Bilder kaum zu verarbeiten. Eltern, Großeltern, Kinder, alle hatten sie gemeinsam den Heiligabend miteinander verbringen wollen. Und dann war das Inferno ausgebrochen. Zwischen Plätzchengeruch und bunt verpackten Geschenken hatten sich die Flammen unaufhaltsam ihren Weg gesucht. Die Familie im dritten Stock des Hauses war völlig überrascht worden. Jeder Fluchtweg nach unten war abgeschnitten. Und die Flammen hatten kein Erbarmen; sie hatten in Windeseile Raum für Raum erobert, Zimmer für Zimmer, und hatten durch das Treppenhaus gelodert, wie durch einen Kamin vorangetrieben, nun waren sie auch im obersten Teil des Gebäudes, dem Dachstuhl, angekommen.

Siegsdorf lauschte, ob es ihm möglich war, trotz des Knackens des Feuers, trotz der knarzenden Balken, Hilferufe zu vernehmen. Doch kein Laut drang an seine Ohren. Die Hitze war unerträglich. Immer wieder fasste er sich an seine Unterarme, hatte den Eindruck, das Feuer würde direkt in ihm ausbrechen. Noch hatte das Wasser kaum Wirkung gezeigt. Zu brutal schien die Hitze, zu mächtig die Flammen.

Unter den Augen vieler Schaulustiger dauerte es Stunden, ehe die Feuerwehrmänner Herr der Lage waren. Zurück blieb nur ein verkohlter Altbau, dessen alte Mauern minütlich nach innen sanken und so alles unter sich begruben.

Die Erlebnisse an diesem Abend verfolgten Siegsdorf noch lange. Die kriminologische Untersuchung hatte das Schlimmste erst wirklich zutage gebracht – Wochen später! Die gesamte Familie war in den Flammen umgekommen. Für Siegsdorf und seine Kollegen war dieser Brand die fürchterlichste Niederlage ihres Lebens. Noch Monate später sah Siegsdorf in seinen Träumen das Feuer lodern und empfand die Flammen wie ein höhnisches Gelächter: »Du hast keine Chance!«

Als die Albträume kein Ende mehr nehmen wollten, zog er die Reißleine. Obwohl viele seiner Kameraden ihn umstimmen wollten, hängte er seinen Feuerwehranzug an den Nagel. Sein Abschied war still und leise. So erdrückend still wie seine künftigen Weihnachtsfeste. Das Drama der Familie hatte ihn gezeichnet. Eines Morgens schlug er die Zeitung auf: »Brandursache scheint geklärt! Familien wurden Opfer eines Anschlags!«

Ein Anschlag? Waren nicht alle davon ausgegangen, es wäre eine Verquickung unglücklicher Umstände gewesen? Der Klassiker an Heiligabend: ein brennender Weihnachtsbaum. Kerzen als Initialzündung? Beim Herunterfallen das dürre Bäumlein in Brand gesetzt? Und noch bevor es jemand bemerkte, hatte das komplette Zimmer gebrannt wie Zunder? So jedenfalls hatten die Beamten der Polizei vermutet. Außerdem waren in der Garage mehrere Kanister mit einer Benzinmischung entdeckt worden. Alles sprach dafür, dass die Familie einfach Pech gehabt hatte.

Doch nun waren die Vorzeichen andere. Was Siegsdorf erst beim Lesen des Artikels wahrnahm: Der Vater der Familie hatte Geburtstag gehabt: An Heiligabend. An dem Tag, an dem seine ganze Familie und er selbst ums Leben gekommen waren. Dramatisch genug. Doch nun sollte sich auch noch zeigen, dass sie alle Opfer eines Mordanschlags wurden?

Siegsdorf spürte, wie in ihm die gleiche Übelkeit wieder nach oben kam, wie damals, als er hilflos auf der Drehleiter gestanden und nach Rufen gelauscht hatte. Doch nichts als Stille hatte er vernommen.

Sommer 2003 – Bei Lola

Lola musste lachen. Kaum einen Freier hatte sie bislang erlebt, den sie mehr schätzte. Immer wenn Lothar bei ihr war, konnte sie lachen. Dass sie als Edelhure im Vergleich zu anderen gut angesehen war, wusste sie. Unter ihrem Szenenamen ›Lola‹ bediente sie nur die besser gestellten Kunden. Spaß an ihrem Job hatte sie nicht. Wer auch immer etwas anderes behauptete, den schaute sie nur fragend an. Spaß am Verkaufen des eigenen Körpers? Welcher Frau konnte das schon gefallen? Und für viele ihrer Freier empfand sie nur eines: Verachtung.

Mit Lothar war alles anders. Lola wusste, dass er sich nur wegen ihr so nannte. Auch wenn das Klischee der Nutte, die sich in einen ihrer Käufer verliebte, längst nicht zutraf, so sah sie in ihm mehr einen Freund als einen Freier. Denn er gab ihr nach dem Akt vor allem eines: Zeit zum Lachen, ein liebes Wort und Zeit, um sich zu erholen. Denn er war bereit, für die doppelte Zeit zu bezahlen – ohne daran zu denken, mit ihr »noch eine zweite Nummer zu schieben«, wie sie ihm bei ihrem ersten Treffen noch vorgehalten hatte. »Du bezahlst mich doppelt – also willst und kriegst du auch die doppelte Leistung!« Er hatte den Arm um sie gelegt und nur entgegnet: »Jetzt komm mal runter, vielleicht will ich mich einfach nur mit dir unterhalten!«

»Mach das mit deiner Frau – dafür bin ich nicht zuständig«, hatte sie geblafft. Und ihn damit verstört und gekränkt. »Wenn Du mit jemandem reden willst, dann geh zu deinem Therapeuten!«

Lothar hatte nur den Kopf geschüttelt, sich angezogen, ihr die vereinbarte doppelte Summe in die Hand gedrückt und war gegangen.

Schulterzuckend war Lola in ihrem Appartement geblieben. Er hatte ihr die kalte Schulter gezeigt. Und monatelang hatte sie nichts mehr von ihm gehört. Doch ihre Gedanken kamen immer wieder auf ihn. Vor allem dann, wenn wieder einmal ein Kunde sie nicht so behandelt hatte wie vereinbart. Gewalt? Das war für sie als hübsche Frau Mitte zwanzig nie ein Thema gewesen. Auch gegenüber ihren Freiern hatte sie von Anfang gezeigt, dass sie bestimmte, wo es lang ging. Bis vor einigen Jahren. Ein Kunde hatte sie bedrängt, war immer brutaler geworden, hatte sie gefesselt und sie bestialisch gequält. Erst Stunden später war sie von einer ihrer Kolleginnen gefunden worden. Blutüberströmt und mit blauen Flecken am ganzen Körper.

Je mehr sie über dieses Kapitel ihrer Vergangenheit nachdachte, desto mehr gingen ihre Gedanken zurück zu Lothar. An seinen liebevollen Umgang. Und an ihre dumme Art, ihn wegzustoßen. Aber zu ihr zu kommen, war ganz alleine seine Entscheidung. Sie war es doch selbst, die ihn beleidigt hatte. So erlebte sie Kunde um Kunde, und weiter hatte sie das Gefühl, dass alle sie ankotzten.

Eines Abends stand er plötzlich vor ihr.

Er lachte sie an. Herzlich und irgendwie schelmisch bittend: »Darf ich doppelt bezahlen?« Und bekam dennoch prompt die Antwort: »Kommt gar nicht in die Tüte!«

Auch Lola lachte, schnappte ihn an seinem Unterarm und führte ihn in ihr Schlafzimmer.

»Was willst du?«, sagte sie in einem freundlichen Ton. Und er entgegnete: »Was soll ich bei dir schon wollen?«

Erstaunt schaute sie auf und vernahm dabei deutlich sein spitzbübisches Grinsen.

»Mein Gott. Du bist so blöd«, sagte sie. »Du willst mich? Dann nimm mich! Oder ist noch etwas anderes?«

Lothar setzte sich neben Lola auf das kleine Plüschsofa. »So«, dachte er in dieser Sekunde, »genau so habe ich mir immer das Mobiliar eines Puffs vorgestellt.«

»Was ist?«, fragte sie.

»Können wir uns woanders hinsetzen, als auf diese Puffcouch?«

»Was erwartest du? Du bist in einem Puff ...«

»Das weiß ich, und trotzdem bin ich nicht nur aus diesem Grund hier bei dir! Vielleicht hast du dieses Mal Lust, dich zu unterhalten?«

Und so entwickelte sich über Monate hinweg eine Freundschaft, die in ihrem Milieu verschrien war: Freier liebt Nutte, Nutte liebt Freier! Der Ehrenkodex, nichts mit einem Kunden anzufangen, hatte auch für Lola über viele Jahre hinweg gegolten. Und dann war es plötzlich doch geschehen. Oder etwa doch nicht?

Es brauchte viele Wochen und viele Besuche Lothars, bis sie sich eingestand, dass sie ihn nicht wirklich liebte. Und er sie auch nicht.

Er hatte die Initiative übernommen: »Sei mir nicht böse. Aber Liebe ist es nicht, die ich für dich empfinde. Ich fühle mich zu dir hingezogen, bin gerne in deiner Nähe. Und ich liebe es, wenn du mir zuhörst. Aber lieben? Nein, das ist nicht das gleiche. Du bist für mich wie eine Schwester.«

Zunächst hatte Lothar erwartet, den Stuhl vor die Tür gestellt zu bekommen – wie bei seinem ersten Besuch. Doch etwas anderes geschah. »Ich bin froh, dass du den ersten Schritt gemacht hast. Denn mir geht es genauso. Können wir Freunde sein?«

Er lachte. Sie auch. Doch ganz wohl war es Lothar in der Situation nicht: »Also, Freunde ist recht und schön. Aber ab und zu mit dir schlafen möchte ich dann doch!«

Sie hätte sich wegschmeißen können vor Lachen: »Das hast du selbst in der Hand! Denn dafür musst du schließlich bezahlen. Also, solange du es dir leisten kannst ...«

Er nickte: »Dann ist ja alles geritzt! Ich glaube, so viel Geld kann ich noch aufbringen.«

»Und wenn es mal etwas knapper wird, mach ich dir schon einen Sonderpreis. Oder aber wir müssen die Leistungen ein wenig zurückfahren.«

Sie lachte jetzt schallend.

Und er lachte mit.

Dabei war es ihm viel wichtiger, mit ihr zu reden.

Über viele Monate hinweg traf sich Lothar mit Lola zum Spaß, zum Sex, zum Small Talk. Doch so richtig glücklich machte sie ihn nicht.

Sie schaute ihm nach einem ihrer Orgasmen tief in die Augen: »Lothar! Was ist los? Du bist in letzter Zeit so anders. So abwesend. Und du erzählst nichts mehr von dir!«

Er blickte ihr in die Augen. So gut kannte sie ihn also schon, so gut, dass er ihr nichts mehr vorspielen konnte. So gut, dass sie ihn durchschauen konnte. Sie war ihm ans Herzen gewachsen. Und das war gefährlich.

Er atmete tief, sog dabei den Rauch aus seiner Zigarette in seine Lungen, bis diese zu platzen schienen.

»Du fragst zu viel und ich antworte zu wenig«, sagte er kurz.

Dann stand er auf und griff nach seiner zu großen Jacke. Schon vor einiger Zeit war ihr aufgefallen, dass diese ihm nicht gehören konnte.

»Warum trägt du immer diese Jacke? Das ist doch bestimmt nicht deine eigene. Die ist mindestens drei Nummern zu groß!«

»Du durchschaust mich immer mehr. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ob ich wieder komme oder ob ich für immer weg bleibe.«

Sie schaute ihn böse an: »Willst du mir drohen? Das kannst du nicht. Du wirst immer wieder kommen, wirst dich niemals mehr von mir lösen können.« Ihre Stimme bebte und wurde von Sekunde zu Sekunde lauter.

»Du verdammtes Arschloch! Was treibst du für ein Spiel mit mir? Willst du, dass ich mit dir kaputt gehe?«

Sie nahm ein Kissen, rotes Plüsch, und schleuderte es auf ihn. Lothar duckte sich. Hinter ihm fiel eine kleine Glasvase zu Boden und zerschellte.

»Na super, toll hingekriegt.« Er bückte sich und begann, die Scherben aufzulesen.

Dann begann er zu reden: »Ich will dir nichts mehr vormachen. Und ich brauche dich und dein Ohr!«

Lola ließ sich auf die Couch fallen. Ihre Augen verfolgten jeden seiner Handgriffe. »Dann fang an!«, sagte sie mit leiser Stimme.

Und er begann zu reden – wann immer sie sich sahen.

Lola unterbrach ihn öfters in seinen Erzählungen. In ihrer kleinen Puffsuite, die den lieblichen Duft von Vanille verströmte, wären in dieser Zeit drei, vier oder fünf Freier ein- und ausgegangen – je nachdem, wie schnell sie es ihnen besorgen konnte und sie wieder verschwanden.

War er da, war die Tür verschlossen. Das rote Licht brannte, sodass es keiner der potenziellen Kunden wagte einzutreten.

Sie war beschäftigt.

Mit ihm und mit seiner Vergangenheit.

Lothar schenkte einer Nutte sein ganzes Vertrauen. Einer Frau, die ihren Körper verkaufte. Warum glaubte Lothar, bei ihr richtig zu sein? Genau bei ihr?

Sisi

Elisabeth Amalie Eugenie von Österreich-Ungarn war als Ehefrau von Franz Joseph I. ab 1854 Kaiserin von Österreich. Durch mehrere Filme im 20. Jahrhundert wurde sie posthum zu einem weltweiten Idol – zu Sisi. Geboren wurde sie am 24. Dezember 1837 in München und verstarb im Alter von 60 Jahren am 10. September 1898 in Genf, Schweiz. Im Jahr 2015 jährt sich ihr Geburtstag zum 178. Mal.

Rückblende: Bei Lola

Ich war zehn Jahre alt, als die Ehe meiner Eltern zerbrach. Die vergangenen Jahre waren zwar gekennzeichnet von vielen Streits, aber niemals hatte ich damit gerechnet, dass es bei meiner Mutter und meinem Vater tatsächlich einmal zur Trennung kommen würde. Nun saß ich da und wusste: Alles war vorbei!

Mein Vater hatte es mir gesagt, wie es seine Art gewesen war. »Micha, oder soll ich dich wie deine Freunde auch Lothar nennen? Du bist ein starker Junge! Liebe geht vorbei, kann vorbei gehen. Und so ist es zwischen deiner Mutter und mir. Wir lieben uns nicht mehr!«

Ich schaute meinen Vater an, als hätte mich ein Truck überfahren. Ich fühlte mich regelrecht zermalmt durch seine Worte.

»Und wo muss ich jetzt hin?«, fragte ich.

»Müssen? Du darfst es Dir aussuchen. Du kannst zu Mama gehen oder mit mir kommen. Aber ich möchte jetzt eine Entscheidung!«

Wie hätte ich innerhalb weniger Sekunden entscheiden können! Sie waren doch meine Eltern. Beide. Ich liebte sie. Und ich wollte mich nicht entscheiden.

Mein Vater stand vor mir mit den Händen in den Hüften und sagte: »Und? Wie hast du dich entschieden?«

»Papa, bitte! Überlegt es euch doch nochmal. Sollen wir nicht alle zusammen noch einmal in Urlaub fahren? Es war doch immer so schön. Egal, wo wir waren.«

Ich konnte meinen Vater lachen hören: »Schön? Mein Gott, Junge, bist du wirklich so naiv?«

Dieser Satz traf mich wie ein Schlag. Nein, ich konnte nicht mit meinem Vater gehen. Ganz gewiss nicht. Schon deshalb nicht, weil er sich in diesen Minuten so verhielt.

»Papa. Ich gehe zu Mama!«

Kaum hatte er meine Worte gehört, da zog er seine Schuhe an, schnappte sich seinen kleinen Koffer und ging mit den Worten: »Sag deiner Mutter, dass ich sie anrufe, wenn ich meine Kleider und die anderen Dinge hole.« Er zog die Tür hinter sich zu und war weg.

Mein Vater war weg.

Zehn Jahre lang war er immer, Abend für Abend, da gewesen. Und jetzt war er weg.

Ich spürte, wie meine Beine wegzusacken drohten. Es drehte sich alles in meinem Kopf. Jeder anderen Familie hatte ich so etwas zugetraut. Aber meiner eigenen? Alle waren neidisch auf uns. Mein Vater verdiente genug Geld, dass wir uns vieles leisten konnten, was für andere unerreichbar war. Wir fuhren häufig in Urlaub. Meine Eltern gingen abends weg. Gemeinsam, wie ich lange Zeit dachte. Alles schien perfekt. Vielleicht zu perfekt.

Doch rund sechs Wochen, bevor mein Vater mir die Neuigkeit eröffnete, kam ich von der Schule nach Hause und irgendwie war alles anders. In der Garderobe standen Schuhe, die ich noch nie gesehen hatte. Spitz und aus einem Leder, das irgendwie nach Krokodil aussah.

Ich lief ins Wohnzimmer und da war niemand. Ich rannte durch das Haus und rief immer wieder nach meiner Mutter. »Mama, wo bist du? Mama, bist du da?«

Dann hörte ich, als ich gerade in den Keller gelaufen war, die Haustüre ins Schloss fallen.

»Mama?«

»Ja«, kam es mir von oben entgegen.

»Wo warst du denn? Ich habe schon hundert Mal nach dir gerufen!«

»Ich war oben im Schlafzimmer und habe dich nicht gehört!«, sagte sie. Und ich sah, wie ihre Wangen erröteten.

»Ich habe die Haustüre gehört. War Papa da?«

»Nein, ich war gerade kurz draußen. Außer mir ist niemand da.«

Ich schaute in die Garderobe: Die auffälligen Schuhe waren weg.

»Mama, da war doch jemand. Ich habe doch diese Schuhe gesehen. Die aussahen wie ein Krokodil.«

»Welche Schuhe?« Sie traute sich nicht, mir in die Augen zu sehen.

»Na die, die hier gerade noch standen. Die standen noch nie da.«

Meine Mutter nahm mich am Arm und zog mich zu sich hin: »Du musst geträumt haben. Da waren keine anderen Schuhe als die, die immer hier stehen. Hast du Lust, mit mir eine Pizza essen zu gehen?«

Ich schaute sie staunend an: »Hast Du nicht gekocht?«

Solange ich denken konnte, war das Essen fertig, wenn ich von der Schule nach Hause kam. Es sei denn, meine Mutter war mal ein paar Tage krank. Dann aber hatte meine Oma gekocht.

Sie drehte sich weg: »Nein, heute nicht. Mir ist etwas dazwischen gekommen!«

Da erst fiel mir auf, wie verstrubbelt ihre Haare aussahen, sie war auch nicht wie sonst gekleidet.

»Ich ziehe mir kurz etwas anderes an. Und dann gehen wir deine Lieblingspizza essen, okay?«

Ich nickte.

Als wir vom Italiener nach Hause kamen, hatte ich vergessen, was passiert war. Ich war wieder Kind. Und glücklich bei meinen Eltern.

Heiligabend 2002

Als seine Kinder ihm das Zeichen dafür gegeben hatten, öffnete Georg die Augen und traute ihnen kaum auf den ersten Blick: Ein fast drei Meter hoher Christbaum stand in seiner strahlenden Pracht vor ihm. So schön, so echt, so rührend. »Alles Gute zum Geburtstag, Georg«, sagte seine Frau. Und küsste ihn zart.

Die beiden Kinder, die siebenjährige Michelle und der zwei Jahre jüngere Jan, sprangen auf ihn, stießen ihn aufs Sofa und balgten sich mit ihm. Als wieder ein wenig Ruhe eingekehrt war, sagte Michelle: »Papa, es muss so schön sein, an Heiligabend Geburtstag zu haben! Du bekommst morgens Geschenke und abends gleich nochmals. Etwas Schöneres kann es nicht geben!«

Ihr Vater lachte. »Naja, dafür bekomme ich das restliche Jahr über keine Geschenke. So wie ihr. Das ist doch auch schön, wenn es halbiert ist, oder?«

»Stimmt auch wieder«, sagte Jan und herzte seinen Papa. »Aber trotzdem, alles, alles Gute zum Geburtstag. Und heute Abend feiern wir beides. Weihnachten und Geburtstag.«

Georg musste lachen und zog seine Frau ebenso auf die Couch wie die beiden Kinder. »Wenn ihr wollt, dann gehen wir jetzt alle raus und bauen einen Schneemann. Nachdem es endlich mal wieder geklappt hat, dass wir weiße Weihnachten haben!«

Seine Frau lehnte ab und schickte ihn mit den Kindern nach draußen: »Ich muss kochen! Aber geht ruhig raus, dann habe ich wenigstens meine Ruhe.«

Für diesen Kommentar kassierte sie einen kleinen Klaps auf den Hintern, den sie mit einem empörten »Hey!« quittierte.

»Mach, dass du in die Küche kommst, wir sind draußen, Schatz!«

Als sich die drei in voller Montur aufmachten, den verschneiten Garten zu erobern, schmunzelte sie und sagte: »So wie ihr eingepackt seid, könnt ihr mir eine Postkarte senden, wenn ihr am Südpol angekommen seid!«

»Sollen wir einen großen Schneemann bauen? Oder drei kleine? Jeder seinen eigenen?«

»Nein, einen ganz großen«, schrie der kleine Jan. Und somit war die Entscheidung gefallen.

»Ich muss noch kurz einkaufen gehen, habe zwei, drei Sachen vergessen. Und die Brötchen muss ich auch noch holen«, rief sie ihrem Mann und den Kindern zu. Dann zog sie die Terrassentür hinter sich zu und ging durch die Tür.

Es waren drei Schüsse gewesen – kaum zu hören, unterdrückt durch einen Schalldämpfer. Georg kippte nach vorne und fiel auf die Vorderseite des gerade begonnenen Schneemanns. Das Blut, das aus der Wunde sprudelte, färbte den Schnee tief rot. Neben ihm lagen seine Kinder. Die Kugeln hatten beide in den Kopf getroffen.

Alle drei waren auf der Stelle tot gewesen.

Rückblende: Bei Lola

Ich war in meinem Leben noch nie so einsam, obwohl ich weiter zur Schule gehen musste und auch meine Freunde traf. Meine Eltern trennen sich?! Ich konnte es immer noch nicht glauben, dass mein Vater mich zwischen Tür und Angel damit konfrontiert hatte. Aber war meine Entscheidung richtig gewesen, bei meiner Mutter zu bleiben? Die Schuhe kamen mir wieder in den Sinn. Und das merkwürdige Verhalten meiner Mutter. Meine Eltern wollen sich trennen?! Unfassbar!

Als ich eines Tages von der Schule nach Hause kam, nahm mein Vater mich in den Arm. Er schaute mich an und sagte: »Du kannst dich jederzeit bei mir melden. Ich bin immer für dich da.« Damit ging er – aus unserem Haus, aus meinem Leben. Ich sah ihn nie wieder.

Während die Monate ins Land zogen, kapitulierte ich vor den schulischen Belastungen. Selbst in den Fächern, in denen ich einst zu den Besten gehört hatte, schwankten meine Noten zwischen einer Fünf und einer Sechs. Meine Versetzung in die nächste Stufe war nicht nur gefährdet, sie war geradezu utopisch.

Als ich an einem Nachmittag nach Hause kam, war ich wie vor den Kopf gestoßen: Die Schuhe standen wieder da. Ich brüllte nach meiner Mutter. »Mein Gott, warum brüllst du so?«, sagte sie, als sie zu mir gerannt kam.

Ich sagte kein Wort, blickte nur auf den Boden, auf die Schuhe, die vor mir standen. Sie nahm mich in den Arm und sagte: »Komm, ich muss dir jemanden vorstellen.«

Er! Er war aus meiner Sicht zwei Meter groß, einhundert Kilogramm schwer, Sportler durch und durch. Ein Modellathlet. So ganz anders als mein Vater.

»Hey«, sagte er und streckte mir die geballte Faust zu. Ich schaute nur auf seinen ausgestreckten Arm und die Hand. Ich blickte meine Mutter kurz an, dann machte ich auf dem Absatz kehrt und rannte in mein Zimmer. Knallte die Tür hinter mir zu. Dann drehte ich meine Musikanlage auf die maximale Lautstärke. Ich war nicht mehr auf dieser Welt. Und das war gut so.

Meine Mutter schickte mich am nächsten Tag nicht in die Schule: »Du bleibst heute zu Hause und sprichst mit mir darüber, was eigentlich mit dir los ist! Du glaubst doch nicht, dass ich mir von dir mein Leben versauen lasse?«

Ich saß geistesabwesend vor ihr, wollte weinen. Doch die Tränen waren versiegt. Vielmehr staute sich Wut in mir an. Ich sagte nur: »Warum hast du mich je geboren?«

In den Sommerferien konfrontierte sie mich mit einer Entscheidung, die sie gemeinsam mit Mike – so der Name meines, oh Gott, sie nannte ihn wirklich so!, Stiefvaters – getroffen hatte. »Wir werden das Haus verkaufen und nach Südspanien ziehen!«

Am Abend legte sich meine Mutter neben mich in mein Bett: »Ich weiß, Du hast wenig Verständnis für das, was dein Papa und ich getan haben und gerade tun. Aber es gibt Momente im Leben, in denen die Liebe nicht mehr funktioniert. Ich habe mich in Mike verliebt – und dein Vater weiß das. Und ich möchte mit ihm ein neues Leben aufbauen.«

Ich öffnete die Augen – sie erschrak. Hatte sie gedacht, dass ich schlafen würde? »Mama, und wo bleibe ich bei deinen Plänen? Bin ich nicht mehr dein Kind?«

»Für dich wird sich nichts ändern. Du wirst immer mein Sohn bleiben. Aber du musst beginnen, Mike zu akzeptieren. Er wird ein Teil unseres Lebens werden. Auch deines.«

»Mama!«, sagte ich leise, »waren es seine Schuhe, die ich damals gesehen habe?«

Sie drehte sich weg und setzte sich langsam auf, sodass ich ihr nicht mehr ins Gesicht schauen konnte.

Ich sah, wie sie nickte.

»Es tut mir leid.«

Dann stand sie langsam auf und zog die Tür hinter sich zu. Es fühlte sich für mich an, als hätte sie den Schlussstrich unter unsere Beziehung gezogen.

Weihnachten 2003

Es war ein harter Winter. Auf der Schwäbischen Alb fuhren die Schneepflüge im Minutentakt. Am Abend vor Weihnachten lagen Claudia und ihr Freund Antonio, ein kleiner, aus Rom stammender Italiener, auf dem Sofa in ihrer Wohnung und tranken eine Flasche Wein, während Eros Ramazotti aus den Lautsprechern schnulzte.

»Ich liebe seine Musik«, sagte sie leise in sein Ohr und fing an, ihn zu küssen.

»Hey, du sollst mich lieben, nicht den Eros!«

Sein italienischer Akzent war bis heute nicht zu überhören, dabei lebte Antonio schon so viele Jahre in Deutschland, dass er den Akzent längst hätte ablegen können. Er war gerne Italiener. Mit Leib und Seele und mit Mamma mia und allem, was dazu gehörte.

»Ich habe doch gesagt: Ich liebe seine Musik, nicht ihn«, sagte Claudia barsch und wich von ihm zurück.

Er grinste. »Eingeschappt?«

»Das heißt eingeschnappt, nicht eingeschappt!«

»Egal!«

»Noch zwei Stunden, dann hast du Geburtstag«, flüsterte er in ihr Ohr.

»Freust Du dich?«

Sie war wieder bester Laune: »Aber klar doch! Krieg ich auch ein Geschenk?«

»Bin ich nicht Geschenk genug?«, fragte Antonio und zwinkerte heftig mit dem linken Auge. Und schaute wie ein verstoßener Liebhaber, den keiner mehr haben wollte.

»Naja, ein bisschen mehr darf es schon sein«, sagte sie frech und stand vom Sofa auf.

»Du wirst schon sehen, lass dich doch einfach überraschen. Sollen wir nicht noch eine Flasche Wein aufmachen?«

»Du willst nur, dass ich Mitternacht nicht mehr erlebe und du dir mein Geschenk somit sparen kannst. Ich bin doch jetzt schon angedudelt.«

»Man wird nur einmal dreißig!«

Sie lallte ein wenig, aber wenn sie jemand gefragt hätte, dann hätte sie behauptet, sie sei fit und spüre nichts vom Alkohol. Antonio ging es nicht besser: Er kramte in den CDs und zog ein weiteres Mal Eros Ramazotti heraus. »Haben wir die schon gehört?«

»Meine Güte, du kriegst keinen Wein mehr. Natürlich haben wir die schon gehört!.«

Sie nahm ihm die CD aus der Hand und legte dafür einen Kuschelrock-Sampler ein.

Dann zog sie ihn vom Sofa hoch und begann, innig mit ihm zu tanzen. Er genoss es, ihren Körper zu spüren. Sie drehte sich rückseitig zu ihm und begann, sich mit ihrem Hintern an ihm zu reiben. Er griff mit den Armen um ihren Körper und schmiegte sich fest an sie.

»Ich liebe dich!«, sagte sie leise und küsste ihn über ihre Schulter hinweg auf den Mund.

Die Musik war so leise, dass sie durch das gekippte Fenster die Kirchturmglocke läuten hörten. Zwölf Mal. Heiligabend. Sie hatte Geburtstag. Ihr dreißigster!

Die linke Scheibe barst, danach die rechte. Es dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde. Beide sackten in sich zusammen. Ihr Blut verteilte sich auf dem weißen Teppich. Rot, klebrig, süß.

Es dauerte Wochen, bis sie gefunden wurden. Die Polizei fand außer den beiden Kugeln nichts. Keine Spuren. Nichts außer zersplittertem Glas und zwei leblosen Körpern, an deren Stirn ein kleines Einschussloch zu finden war. Die Rückseiten der Schädel waren weggesprengt worden. Sie hatten nicht den Hauch einer Chance.

Rückblende: Bei Lola

Meine Mutter bog mit ihrem Audi A6 in die Hofeinfahrt des Internats – ganz so als würde sie auf den Parkplatz eines Supermarktes fahren. Doch dieses Mal wollte sie nichts kaufen. Nein, sie wollte etwas loswerden: mich!

Mit Händen und Füßen hatte ich mich gewehrt, als sie mir gesagt hatte, sie werde mich in ein Internat bringen lassen. Dann müsse ich nicht mit ihr nach Spanien, hatte sie argumentiert. Das sei doch das Beste für uns alle. Ich werde eine exzellente Schulausbildung genießen und zudem könne ich in Deutschland bleiben. Und in den Ferien könne ich sie ja in Spanien besuchen und mit ihr und Mike einen super Urlaub verbringen. Und wenn ich in einigen Jahren mit dem Internat fertig sei, wäre in Spanien alles vorbereitet, so dass ich zu ihnen ziehen könne. Meine Mutter malte die Welt rosarot. Besonders ihre eigene.

Als sie mich ins Auto stecken wollten, hatte ich bewiesen, wie viel Kraft in einem Zehnjährigen steckt. Ich hatte mich gedreht und gewendet, hatte getreten, gebissen, geschlagen. Es dauerte fast dreißig Minuten, bis es ihnen gelang, mich auf die Rückbank zu verfrachten. Doch auch dann hatte ich nicht aufgegeben. Ich kletterte sofort wieder auf die Vordersitze und versuchte, über die Beifahrerseite wieder aus dem Auto zu kommen. Das Ganze ging so lange, bis mich ein harter Schlag an der Schläfe traf. Mike schüttelte seine Hand, die ihn sichtlich schmerzte. Ich sackte zusammen. Meine Mutter und Mike packten mich und setzten mich wieder auf die Rückbank. Sobald der Gurt angelegt war, startete sie den Motor. Ich war auf dem Weg in meine neue Heimat: das katholische Internat, gelegen auf der tiefsten, finstersten Alb.

Als wir aus dem Audi stiegen, wanderte mein Blick an der massiven Hausfront entlang: Das Internat war ein Bau, wie man ihn in den 70er Jahren verbrochen hatte. Ein Koloss aus Stahl und Zement. Angsteinflößend, erdrückend. Ohne Charme und Wärme.

»Schön hier, nicht wahr?«, flötete meine Mutter.

Was war hier schön? Kalte, karge Beleuchtung – nicht nur auf dem Parkplatz. Daneben lag ein Sportplatz. Er verdiente den Namen kaum; ihn überzog kein Rasen, sondern rote Asche. Die beiden Tore standen irgendwie schief, die Netze waren notdürftig geflickt und würden, da war ich mir sicher, mitsamt der Pfosten und Latte beim ersten etwas kräftigeren Schuss in sich zusammensacken. Ein verrosteter Gitterzaun umfasste den Platz wie einen Käfig.

Dahinter musste das Schlafgebäude liegen. Die Rollläden hingen zum Teil aus den Verankerungen und beim leichtesten Windstoß quietschten sie, als würde ein D-Zug die Bremsen ziehen. Der Trakt war jahrzehntelang nicht gestrichen worden. Unleserliche Graffiti zierten ihn in vergilbten Farben. Ein Bild tauchte vor meinem Gesichtsfeld auf: Eine blanke Faust mit nur drei Fingern, die aus der Wand zu kommen schien und nach jedem schlug, der sich dem Gemäuer näherte. Furchteinflößend heruntergekommen.

Ich sah mich nicht weiter um. Ich hatte genug gesehen, um zu wissen, dass ich hier nicht bleiben wollte.

Meine Mutter spürte meinen aufkommenden Widerstand und versetzte mir einen Stoß mit der Hand.

»Nun komm schon. Du wirst dich hier schnell wohlfühlen. Schließlich hast du lauter Kinder um dich herum und wirst ganz schnell Freunde finden. Da sind viele in deinem Alter. Zu Hause hältst du es doch auch kaum aus, wenn du nicht ständig mit den anderen herumhängst.«

Wie falsch ihre Einschätzung doch war!

Dass sie nicht gemerkt hatte, dass ich nur noch wenig Kontakt zu anderen hatte. Ich war längst ein Einzelgänger geworden.

Wir betraten das Internat. Was ich dort sah, stellte alles, was ich bisher gesehen hatte, in den Schatten. Noch nie zuvor hatte ich eine solch schäbige Schule gesehen. An den Wänden hatten sich Schüler verewigt. Ich konnte nur noch einzelne Passagen entziffern: ›Fuck you!‹ und ›Fuck the teacher!‹. Aber etwas damit anfangen, konnte ich nicht. Die Grafitti waren nur notdürftig überstrichen worden.

Sollte ich meine Strategie ändern? Meine Mutter bitten und sie anflehen, mich nicht hier zulassen? Doch das widerstrebte mir zutiefst. Warum sollte ich sie bitten, wenn ich wusste, dass ich von ihr keine Hilfe erwarten konnte? Sie wollte mich nur loshaben.

»Jetzt schau nicht so traurig und böse. Du bist und bleibst mein Junge, das weißt du doch, oder? Im Moment ist das aber die beste Lösung für uns.« Sie machte eine kurze Pause, die sich für mich anfühlte wie eine Ewigkeit. »Und für dich selbst!«

Wieder zog sie mich am Arm, hakte sich mit dem Ellbogen bei mir ein, nicht freundschaftlich, sondern so fest, dass ich nicht mehr entweichen konnte. »Wie Daumenschrauben«, dachte ich laut. Sie schaute mich an und schüttelte den Kopf.

Wir gingen zum Direktor der katholischen Schule. Er nahm uns mit in sein Büro und setzte sich an seinen Schreibtisch. Hinter ihm an der Wand prangte ein riesiges Kreuz. Er bekreuzigte sich, bevor er wieder Platz nahm.

»Mein Name ist Klaus Miezwiecz. Ich bin der Direktor dieser Schule. Schön, dass Sie sich für uns entschieden haben«, sagte er zu meiner Mutter, ohne mich auch nur eines Blickes zu würdigen. Wer hatte sich entschieden? Und für wen war diese Entscheidung gut? Am meisten für meine Mutter. Für sie bedeutete sie Freiheit.

Er stellte ihr die Schule vor, das Konzept der Züchtigung, das Gehorch-mir!-Prinzip, das Einfordern von Disziplin. Alles mit dem Ziel, den Kindern und Jugendlichen den Weg in das ach so böse Draußen zu erleichtern. »Nur so werden aus jungen Menschen Bürger unseres Landes, die man getrost auf ihre Mitmenschen loslassen kann.«

Meine Mutter nickte. Doch ich sah, dass ihre Ohren rot anliefen und sie nicht von dem überzeugt war, was der Direktor hier predigte.

Nach einer Weile wandte er sich zu mir: »So, du möchtest also zu uns kommen? Hast Du Dir deine Entscheidung reiflich überlegt?«

Ich hätte lachen und gleichzeitig heulen können, so grotesk war diese Frage. Ich brachte kein Wort über die Lippen.

»Na, du wirst schon noch reden, wenn du dich an alles hier gewöhnt hast.«

Ich schwor mir, für immer zu schweigen.

Meine Mutter schickte mich aus dem Raum, als es um, wie sie sagte, »die nackten Zahlen« ging. Ich lauschte an der Tür: Der Direktor zählte auf, was in den Leistungen enthalten war. Dann stieß mich seine Sekretärin von der Tür weg: »Na, mein Junge! Das geht aber nicht. Hier wird nicht gelauscht!« Sie zog mich an meinem linken Ohr weg von der Tür. Ich spürte, wie sich ihr Fingernagel unerbittlich in mein Ohrläppchen bohrte, traute mich aber nicht zu schreien. Sie setzte mich auf ein kleines Plüschsofa, das aussah, als hätten hier schon Hunderttausende vor mir Platz nehmen müssen. Es roch modrig. »So, hier bleibst du, bis der Herr Direktor und deine Mutter so weit sind.«

Ich schaute sie mir genau an, als sie sich auf ihre Schreibmaschine konzentrierte. Sie musste Mitte vierzig, dachte ich. Schlank, groß. Ihre Haare trug sie in einem Dutt. Auf ihrer Nase prangerte eine Lesebrille, die sie fast bis zur Nasenspitze nach vorne geschoben hatte. Sie trug eine graue Bluse, zugeknöpft bis zum Hals, und einen schwarzen Rock aus Kord, der über ihre Knie reichte.

»Was starrst du mich so an?«

Ich gab keine Antwort. Und dann nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und sagte: »Darf ich Sie etwas fragen, bitte?«

»Wenn jemand so freundlich fragt, natürlich. Was hast du auf dem Herzen?« Sie setzte ein Lächeln auf, das ich ihr niemals zugetraut hätte.

»Was erwartet mich hier?«

Sie antwortete nicht, denn sie spürte wohl, dass ich noch nicht fertig war. Dann sagte ich noch leiser als zuvor: »Ich habe Angst.«

Sie stand auf und kam auf mich zu.

»Also: Mein Name ist Beatrice. Wenn wir alleine sind, darfst du mich, wenn du magst, bei meinem Vornamen nennen. Im Beisein des Direktors bin ich für dich aber Frau Zeichner. Hast du das verstanden?«, fragte sie eindringlich.

Ich nickte.

War sie eine nette Frau, die auf meiner Seite stand, oder musste ich auch vor ihr Angst haben? Ich wusste es noch nicht.

»Du wirst also hier bei uns bleiben?«

Wieder nickte ich.

»Hier in unserem Internat gelten strenge Regeln. Das hast du sicher schon bemerkt.«

Ich nickte.

»Wenn du dich an diese hältst, dann wird es für dich ein spannendes, interessantes und erfülltes Leben. Doch wehe dir, du wirst bockig und meinst, du könntest den Erwachsenen auf der Nase herumtanzen.«

Plötzlich wurde ihre Stimme weich und sie setzte sich neben mich.

»Aber Angst brauchst du keine zu haben. Du wirst dich, wie alle anderen hier, schnell einleben und dann ist alles nur noch halb so schlimm. Angst ist wie eine Krankheit. Sie lähmt dich und nimmt dir den Atem. Du solltest vor allem und jedem Respekt haben. Aber Angst wird dir die Möglichkeiten nehmen, dich zu entfalten und ein ganz besonderer Schüler zu werden. Und der kannst du werden. Wenn du das beherzigst, dann wird dich Direktor Miezwiecz unter seine Fittiche nehmen. Und dann hast du Privilegien wie nur wenige andere an dieser Schule. Ich traue dir das zu.«

Und wiederum fragte ich mich: Konnte ich ihr vertrauen? Oder gehörte sie ebenfalls – wie der Direktor – zu denen, vor denen ich Angst haben musste? Oder Respekt, wie sie es nannte. Grübelnd saß ich auf dem Sofa, schaute Beatrice oder Frau Zeichner beim Arbeiten zu und vergrub meine Hände, in dem schon lange nicht mehr zarten Plüsch.

Dann öffnete sich die Tür. Die Stimme des Direktors drang aus dem Raum heraus.

Ich hörte noch, wie er zu meiner Mutter sagte: »Machen Sie sich keine Gedanken. Ihrem Sohn wird es hier gut gehen – wie den anderen 150 Kindern auch. Sie können getrost in ihre neue Heimat fahren und sich ganz Ihrem neuen Partner widmen. Eine neue Liebe braucht ja auch viel Zeit und gemeinsame Stunden. Sind wir doch mal ehrlich: Da stören doch Kinder oftmals nur!« Meine Mutter und er lachten.

Mir war zum Kotzen zumute.

Meine Mutter kam auf mich zu und nahm mich in den Arm. Ich blieb reglos stehen und ließ die Liebkosung über mich ergehen: »Da stören doch Kinder oftmals nur«, schoss es mir durch den Kopf.

Als meine Mutter vom Hof des Internats fuhr, blickte ich traurig unserem A6 hinterher. Vor einem Jahr noch in einer angeblich glücklichen Familie, stand ich nun alleingelassen im Schatten eines Betonklotzes. Ich spürte, gedankenverloren, wie ich dort stand, erst spät die Hand, die sich auf meine Schulter legte. Ich blickte sie an und erschrak. Die Hand war grob, furchige Rinnen liefen durch die trockene Haut und dunkle Flecken zeigten sich darauf. Als ich aufsah, sah ich in das Gesicht des Direktors.

»Mein Junge, warum bist du denn so schreckhaft? Komm mit mir«, sagte er. Dann zog er mich zurück in das Betongebäude. Und ich spürte den Druck auf meiner Schulter.

Ich war allein, ich war hier. Und doch nicht wirklich da. Meine Gedanken kreisten um mein vorheriges Leben, als ich im Bett des kleinen Zimmers lag, das ab sofort mein Reich sein sollte. Ein Raum mit einem schmalen Schreibtisch, einem Schrank, einem winzigen Waschbecken, dessen Griffe aussahen, als wären sie längst eingerostet. Mir fiel auf, dass noch ein zweites Bett im Raum stand. Ich war also doch nicht allein.

Eine Kammer. Ohne Fenster.

Mit einer Tür, die nach außen aufging, da ansonsten nicht alles Platz gefunden hätte. Ohne Farbe und mit schroffen Kanten an den Wänden. Ein Verputz, an dem man sich die Hände aufriss.

Ich lag immer noch auf dem Bett und starrte an die Decke. Das Bettzeug roch muffig. So als wäre es in den letzten zehn Jahren nicht gewechselt worden, als hätten sich die Milben so vermehrt, dass von den einstigen Federn nichts mehr übrig war. Ich starrte nach oben und sah die feinen Spinnweben, die sich von links nach rechts und zurück durch den gesamten Raum zogen. Die Fäden hoben sich ab von der dunklen Decke, die das Zimmer noch enger erscheinen ließ. Ich schreckte hoch, als ich ein Geräusch hörte.

Ich musste eingeschlafen sein.

Wie spät es wohl war?

Auf der kleinen Armbanduhr an meiner linken Hand konnte ich nichts erkennen. Meine Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit. Ich sah, dass sich unter der Decke des anderen Bettes etwas bewegte. Es sah aus wie ein kleines Knäuel, zusammengerollt wie ein Igel, der sich für den Winterschlaf bereit machte.

Ich flüsterte: »Wer bist du? Geht es dir gut?«

Das Knäuel bewegte sich nun hektisch. »Kannst du nicht sprechen?«

»Ich heiße Thomas!«

Unter dem Kissen lugte ein Gesicht hervor.

Ein Junge, vielleicht sieben, acht Jahre alt, noch kleiner als ich.

»Schön, dich kennenzulernen«, sagte ich und dachte mir: ›Mann, dem geht es ja noch schlechter als mir. Der ist ja noch jünger als ich.‹

»Geht es dir gut?«, wiederholte ich meine Frage.

Ich sah, wie er mit den Schultern zuckte.

»Ist es schon Nacht?«, fragte ich den Jungen.

»Ja, draußen ist es dunkel. Es ist kurz vor zehn!«

»Ich glaube, wir sind ab jetzt Zimmernachbarn. Ist das okay für dich?« Ich versuchte, ein Gespräch mit dem kleinen Jungen zu beginnen.

»Ich finde es schön, dass ich hier nicht mehr allein bin.«

»Wie lange bist du denn schon hier?«

»Zwei Jahre.«

»Warum denn das? Du bist doch noch so jung!«

Der Junge zögerte und ich hörte sein unterdrücktes Schniefen: »Meine Eltern sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen und dann hat mich meine Oma hierher gebracht. Es wäre die beste Lösung, hat sie gesagt. Sie konnte mich nicht bei sich aufnehmen. Ich wäre so gerne bei ihr geblieben. Aber mit fast achtzig wäre sie zu alt, um auf ein kleines Kind aufzupassen, hat sie damals gesagt. Inzwischen ist sie auch gestorben.«

Ich hielt inne. Ich spürte, dass er erst mal verschnaufen musste.

Dann sagte ich: »Und? War es die beste Lösung?«

Der Junge schwieg.

»Thomas?«, fragte ich.

Was hatte dieser Junge nur erleben müssen?

»Ja, naja, ich weiß es nicht. Ich kenne die anderen Lösungen ja nicht. Aber du wirst ja schon bald selbst sehen, was es heißt, hier zu sein.«

Damit drehte er sich zur Seite und zog die Decke über sein Gesicht.

»Thomas?«

»Ja.«

»Wollen wir Freunde sein? Magst du, dass wir hier alles gemeinsam machen?«

Ich merkte, wie der kleine Junge sich wieder zu mir drehte und die Decke ein Stück von seinem Gesicht zog, sodass nur seine Augen herausschauten.

Dann sagte er: »Ja, ich glaube, das wäre schön.«

Ich sagte Thomas, dass ich Michael heiße. Oder eben auch Lothar.

»Warum Lothar? Lothar finde ich lustig!«

»Ich weiß nicht genau, warum mich alle Lothar nennen. Das hat sich irgendwann mal so ergeben. Ich glaube wegen Lothar Matthäus. Den Fußballer, du weißt schon?«

»Nein, kenn ich nicht«, sagte Thomas und konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.

»Also, das ist ein richtig guter Kicker. Und ich war immer der beste Fußballer, und so kam ich zu dem Namen. Aber ist auch egal. Du kannst mich Michael nennen oder Lothar. Ganz egal.«

»Okay, ich sage Lothar, das ist lustig!«

Wir verbrachten in den nächsten Tagen jede freie Minute zusammen. Auch wenn wir verschiedene Klassen besuchten, versuchten wir zusammen zu sein: beim Essen, beim Sport nach der Schule und natürlich am Abend in unserem Zimmer, wenn das Einschließen anstand.

»Die nennen das wirklich Einschließen?«, fragte ich Thomas. »Einschließen? Wir sind doch nicht im Gefängnis.«

»Wo denn sonst? Hohe Gitter, Beton, ätzende Lehrer. Klar, du bist hier im Gefängnis!«

Thomas war für sein Alter reif. Viel weiter, als ich das von meinen Kumpels in meiner früheren Schule gewohnt war. Und doch fehlten sie mir.

Eines Nachts lag ich wach und weinte. Und das, obwohl ich mich in den letzten Monaten so weit von ihnen entfernt hatte. Thomas setzte sich an meine Bettkante und griff nach meiner Hand.

»Hey, was ist los?«

Er flüsterte.

Ich brachte kein Wort heraus. Ich weinte, wollte weinen.

»Kann ich dir helfen? Soll ich dir ein Glas Wasser holen?«

Ich brauchte ein paar Minuten, um mich zu beruhigen.

Ich schnaufte, wischte mir die Tränen mit dem Schlafanzugärmel aus dem Gesicht. »Mir fehlen meine Freunde – die aus meiner früheren Schule. Ich fühle mich so einsam.«

Thomas ließ meine Hand los: »Aber du hast doch jetzt mich!«

Ich setzte mich auf und sagte nur: »Weiß ich, danke! Ich bin froh, dass wir zusammen in diesem Zimmer sind. Und dass wir so gut miteinander auskommen. Aber sie waren die letzten Jahre meine Freunde. Wir haben so viel zusammen gemacht. Und jetzt wissen sie wahrscheinlich nicht einmal, dass ich hier bin. Wie soll ich mit Ihnen in Kontakt bleiben? Außerdem habe ich sie in den letzten Monaten wie den letzten Dreck behandelt.«

Thomas schaute mich mit seinen großen, blauen Augen an: »Dann schreib ihnen doch. Mach du den Anfang. Schreib einen Brief an jeden. Dann können sie dir auch zurückschreiben.«

Thomas hatte recht.

Warum war ich nicht selbst darauf gekommen?

»Bekommen wir unsere Post auch tatsächlich?«

»Ja, das schon ...«, sagte Thomas. Er unterbrach sich selbst.

»Was?«

»Du bekommst die Briefe. Aber du liest sie nicht als Erster. Der Direktor liest jeden Brief als Erster. Wenn sie oder du Schlechtes über die Schule schreiben, dann wirst du bestraft. Je mehr drin steht, desto härter die Strafe.«

Er drehte mir den Rücken zu und schob sein T-Shirt nach oben. Ich sah schwarze, vernarbte Striemen auf seinem Rücken.

»War er das?«

Thomas nickte.

»Dieses Arschloch!«

Ich wunderte mich selbst über dieses Wort, hatte ich doch sonst selten mit Ausdrücken um mich geworfen.

»Warum?«

Thomas antwortete nicht.

»Komm, sag schon?«

Er schüttelte den Kopf.

»Okay, du musst nicht. Aber wenn dir mal danach ist, dann leg einfach los. Jederzeit. Ich bin dein Freund.«

Plötzlich sagte er: »Ich habe nur gesagt, dass er den anderen Jungen nicht schlagen soll. Er hatte an seine Mutter geschrieben, dass es ihm nicht gut ginge und er von allen gemobbt werde. Auch von den Lehrern und vom Direktor.«

»Und dann?«

»Dann hat er mich gefragt, ob ich tatsächlich will, dass der Junge nicht geschlagen wird, obwohl er solch ein Verbrechen begangen hat? Und dann nahm er die Peitsche beiseite und sagte: Okay, wenn du das sagst.«

Thomas Augen begannen zu glitzern.

Die erste Träne rann ihm über die Wange. Er weinte immer heftiger.

»Ich wollte aufstehen und gehen, als mich seine Hand packte und er mir den Arm auf den Rücken drehte. Er schleuderte mich herum, sodass ich auf dem kleinen Tisch in seinem Büro auf dem Bauch lag. Er riss meinen Pullover nach oben und haute mit der Peitsche fünf-, sechs-, siebenmal auf mich ein. Dann sagte er: Das soll dir eine Lehre sein, dich für andere einzusetzen, die schlecht von unserer Schule sprechen. Dann schickte er mich weg!«

Thomas erzählte weiter, dass sich die Wunden entzündeten und er hohes Fieber bekam. »Ich dachte, ich muss jetzt sterben. Der Direktor holte einen Arzt, der natürlich fragte, was passiert sei. Er sagte ihm, dass ich von den anderen Kindern geschlagen worden sei. Ich traute mich nicht, ihm zu widersprechen. Und ich wusste auch nicht, ob ich nur geträumt hatte, was er gesagt hatte. Ich lag im Delirium und hatte mich entschieden: gegen das Leben, für den Tod.« Er senkte seinen Kopf auf meine Brust, sodass mich seine Locken in der Nase kitzelten.

Doch ich konnte nicht lachen. Ich war geschockt.

»Und du hast niemandem etwas davon erzählt?«

Er schüttelte den Kopf.

»Warum nicht?«

»Du bist der Erste. Er hat mir gedroht, dass es mir schlecht bekommen werde, wenn ich auch nur ein Sterbenswörtchen davon erzählen würde.«

Mein Gott, was hatte er nur schon alles erlebt. Und ich heulte wegen ein bisschen Heimweh.

Ich nahm ihn fest in den Arm: »Ab sofort werde ich da sein, wenn dir jemand etwas Böses tun will. Ich passe ab jetzt auf dich auf.«

Thomas sagte: »Danke, aber ...«

Ich schwieg.

Als er nicht weitersprach, fragte ich nach: »Was? Aber?«

»Du wirst keine Chance gegen ihn haben!«

Vermutlich hatte er recht.

Was sollte ich, mit meinen gerade mal zehn Jahren, gegen einen erwachsenen Mann ausrichten? Und noch dazu gegen den Direktor unseres Internats.

»Trotzdem, lass uns zusammenhalten! Dann können wir vieles besser ertragen.«

Nach dieser Devise lebten wir fortan.

Doch die Schläge, die Thomas erfahren hatte, waren nur die Spitze des Eisbergs. Das wurde mir immer klarer. Dieser Junge musste die Hölle auf Erden erlebt haben. Doch er redete nicht oft davon. Schon bald sollte ich ihn verstehen ...

Weihnachten 2004

Sie waren beide an Heiligabend geboren. Zwar lagen vier Jahre dazwischen. Dennoch waren beide das, was man gemeinhin als Christkind oder auch als Sonnenkind bezeichnet.

Und auch in diesem Jahr dauerte es nicht lange, bis sie im Bett landeten. Ausgelassener Sex, das war die richtige Einstimmung auf den Weihnachtsabend. Stefanie genoss diese Stunden wie nur wenige im Jahr.

»Du bist ein toller Liebhaber!«

»Jetzt erst bemerkt?«, sagte Fred.

»Nein, nein! Aber jedes Jahr an Weihnachten ist unser Sex etwas ganz Besonderes. Nicht zu vergleichen mit den anderen Malen.«

Er zog ihren nackten Körper wieder auf sich und sagte: »Dann lass uns nicht aufhören. Wir haben ja den ganzen Tag Zeit – oder hältst du es nicht aus, auf die Bescherung zu warten?«

Sie lachte: »Du wirst mir schon die schönste Bescherung bereiten, die ich mir wünschen kann. So oder so.«

Und so begannen sie, sich ein zweites Mal zu lieben. Dieses Mal bei geöffnetem Fenster – hatte Stefanie doch darauf bestanden, dass er die obligatorische Zigarette danach am offenen Fenster rauchte. »Dass du rauchst«, sagte sie vorwurfsvoll. Schließlich besaß er ein Fitness-Studio und war topfit.

»Tja, was soll’s?«, hatte er entgegnet.

Die Luft im Schlafzimmer nahm Restspuren des Rauches in sich auf und sorgte für eine nicht unangenehme, aber etwas verbrauchte Atmosphäre.

Stefanie setzte sich auf ihn und ließ sein Glied in sich gleiten. Sie stöhnte auf, als er sich langsam in ihr bewegte. Der Rhythmus wurde schneller und schneller, beide steigerten sich bis zur Ekstase.

Der dunkle Gewehrlauf schob den Vorhang leicht zur Seite. In der Nacht war der Schütze nicht zu erkennen. Er musste schwarz gekleidet sein.

Stefanie schrie ihre Lust hinaus, als sie ein weiteres Mal kam. Sie schwitzte so, dass sich Perlen auf ihrem Rücken bildeten. Die Perlen, die er immer als sein Lustglück empfand. Salzig und heiß.

Er nannte sie sein ›Gewinner-Baby‹. »Ich werde dir überall hin folgen. Ich muss nie wieder suchen. Du bist meine Erfüllung!«

Sie bäumte sich auf.

Höher und höher. Sie spürte die elektrisierende Wärme in ihrem Schoß. Kribbelnd und heiß. Als wollte die Welt zwischen ihren Beinen explodieren. Sie flog. Dem Himmel so nah. Um sie herum drehte sich alles schnell, laut, trommelnd.

Dann sackte sie zusammen. Sie lachte, als sie sich langsam von ihm rollte und auf die andere Seite des Bettes kullerte.

»Danke für die tollen Stunden«, sagte Fred. Seine Stimme klang leise, zart und friedlich. Mit ohrenbetäubendem Lärm knallte der erste Schuss durch die Nacht. Stefanie sah die Wunde, ein kleines Einschussloch in seiner Wange, aus der Blut tropfte. So als habe er sich beim Rasieren geschnitten. Doch dann fiel ihr Blick auf die andere Seite. Sie sah, dass dort nichts mehr war. Die Kugel hatte die gesamte linke Schädelhälfte weggerissen. Sein Ohr war nicht mehr zu erkennen. Gehirnmasse drang heraus. Wie die Gedärme eines Fisches.

Stefanie begann zu schreien. Laut, hysterisch, wie von Sinnen. Dann hallte der nächste Schuss. Sie hatte nichts gespürt, war einfach zusammengebrochen. Über ihrem Freund. Auch sie war sofort tot.

Rückblende: Bei Lola

Ich war seit drei Monaten im Internat und musste mir eingestehen: So schlimm, wie ich es erwartet hatte, war es gar nicht. Ich hatte als Zehnjähriger meinen eigenen Tagesablauf. Kaum einer, der sich außerhalb der Schule in mein Leben einmischte. Solange ich Disziplin zeigte und meine schulischen Leistungen stimmten, war alles gut. So gut es eben sein konnte.

Von meiner Mutter hatte ich die vergangenen sechs Wochen nicht ein Wort gehört. Von meinem Vater ganz zu schweigen. Er war nur noch ein Phantom. Hatte er existiert? War er zehn Jahre lang der, der mir jede Sorge nahm und mich durch mein Leben geleitete? Nein, ihn gab es nicht. Nicht mehr.

Als ich das letzte Mal mit meiner Mutter telefonierte, erzählte sie mir, wie schön es in Spanien sei. Und dass sie eine tolle Wohnung gefunden hätten. Leider nicht so groß, wie es ursprünglich geplant war »Mein Schatz, wir mussten uns für die entscheiden. Die ist so herrlich und wir blicken direkt aufs Meer. Aber das siehst du ja, wenn du uns besuchst!«

Und wann wird das jemals der Fall sein?, dachte ich mir, ohne es auszusprechen. Meine Mutter schwallte nur so drauf los. Ich hörte die Worte an mir vorbeiziehen: ›Strand – neues Auto – tolle Menschen – fremde Sprache.‹

Es interessierte mich nicht im Geringsten. Ich hörte gar nicht richtig zu. Mehr als »Ja, Mama! Ok, Mama!« gab ich nicht von mir. Und dann sagte sie einen Satz, der mich in die Realität zurückriss: »Du wirst ja verstehen, dass es schwierig ist, dass du in den Ferien zu uns kommst. Wir haben einfach zu wenig Platz. Aber wenn wir mal mehr Geld verdienen, dann mieten wir für dich ein eigenes Zimmer. Aber in diesem Jahr wird das noch nichts. Das können wir uns nicht leisten. Zumal dein Vater ja nur einen Teil deines Internats bezahlt. Das ist übrigens ganz schön teuer. Das verstehst du doch, oder? Du bist ja schon ein großer Junge.«

Ich spürte, wie mir die Tränen in die Augen stiegen. Ich konnte es kaum ertragen, meiner Mutter zuzuhören. Sie hatte mit mir abgeschlossen, dachte ich verbittert. Sie hat einfach einen Strich unter unsere Beziehung gezogen.

Ich wollte nicht mehr zuhören. Nie mehr.

Ich nahm mir ein Herz und sagte: »Mama, ich muss jetzt Schluss machen, ich muss in die Schule!«

Tagsüber fühlte ich mich im Internat sehr wohl. Ich hatte sogar so etwas wie eine Heimat gefunden. Und selbst mit unserem Direktor fand ich eine Basis, die schon fast freundschaftlich war. Nur in den Abendstunden kamen die Erinnerungen an alles, was gewesen war. An meine Jahre in einer intakten Familie. »Und jetzt? Papa? Wo bist du? Warum bist du nicht bei mir? Bei mir geblieben? Warum hast du mich abgeschoben – in dieses Scheißinternat? Wo ich nicht sein will, aber vielleicht hingehöre? Ich lag wach. Drehte mich in meinem Bett von der einen Seite zur anderen. Wenn sich meine Gedanken so im Kreis drehten, war an Schlaf nicht zu denken. Auch Thomas wachte dann regelmäßig auf. Kein Wunder, denn das Bett unter mir knarzte stark. Der Klang der kaputten Federn war die Melodie des Internats.

Thomas fragte: »Kannst du wieder nicht schlafen?«

Seine Augen waren nur halb geöffnet

»Ja, ich weiß auch nicht, was los ist!«

»Das ist dieser Müll hier. Dieses Internat, da kann keiner schlafen.«

Seine Worte beruhigten mich irgendwie. Plötzlich schlief ich ein und fiel in einen langen, unruhigen Schlaf.

Ich träumte davon, dass mein Direktor wie aus dem Nichts an meinem Bett stand.

Als ich am nächsten Morgen durch die Sirene aus dem Schlaf gerissen wurde, sah ich auf den Boden: Ich sah Abdrücke von Schuhen. Eines Erwachsenen. Noch frisch. Schmutzig.

Ich konnte mir keinen Reim darauf machen.

Weihnachten 2005

Der junge Pfarrer war stolz auf sein kleines, aber feines Gemäuer. Und er war dankbar, dass die Kirchenmitglieder seine moderne Art zu predigen angenommen hatten. Lag es nun an der kleinen, hübschen Kirche oder an ihm oder an beidem zusammen: Die Gottesdienste waren Sonntag für Sonntag bestens besucht. Leere Kirchenbänke? Ihm war diese Litanei fremd, die die katholische Kirche seit vielen Jahren anstimmte.

Dafür ging er in den Augen vieler unorthodoxe Wege. Vermied den Streit mit den Oberen nicht. Sollten sie doch schimpfen und meckern oder ihm drohen, wenn er wieder einmal nicht den Erwartungen entsprechen wollte.

Und so war es ihm ein Genuss, wenn er an einigen Sonntagen die gesamte Gemeinde in seine Kirche locken konnte – mit Gospelgesang oder auch mit Auftritten von Gefangenen des Gefängnisses ›Gotteszell‹ aus Schwäbisch Gmünd. Die berichteten, wie ihr Tagesablauf und ihre Beziehung zu Gott aussahen, wenn sie hinter den Gitterstäben hinausblickten in die freie Welt.

Pfarrer Eduard Meyer war es gewohnt, seinen eigenen Kopf zu haben. Nein, er wollte nicht so sein wie alle anderen. Und doch stand er Gott sehr nahe. Und er betete auch dafür, dass ihn die Vertreter der Kirche weiter schalten und walten lassen würden, wie er es sich wünschte.

Genossen hatte es Meyer, dass der Bischof sich an seine Seite gestellt hatte: »Sie sind eine Besonderheit. Zwar ist nicht alles nach meinem Geschmack, was Sie tun. Aber Sie füllen Ihre Kirche mit unkonventionellen Methoden. Vielleicht sollte sich so manch einer noch eine Scheibe von Ihnen abschneiden.«

Bischof Hansen sagte seinen Besuch für den zweiten Weihnachtsfeiertag zu. Meyer war angetan. Obwohl er am Heiligen Abend Geburtstag hatte, verbrachte er den ganzen Tag in der Kirche. Der Besuch des Bischofs erfüllte ihn schon vorab mit Stolz und Freude.

Meyer stieg den Kirchturm hinauf zu der Glocke, die aus dem 14. Jahrhundert stammte und die sein ganzer Stolz war. Als er an diesem Tag, den 24. Dezember 2005, oben, direkt neben der Glocke, stand, spürte er plötzlich wie aus dem Nichts die Hand an seinem Genick. Der Griff war kalt und hart. Und so fest, dass er spüren konnte, wie sich seine Halswirbel verschoben. Das Knacken drang in seine Gehörgänge: ein schier unerträglicher Schmerz.

Ihm wurde schwarz vor Augen. Panik machte sich in dem jungen Pfarrer breit. Was war das, was ihn da gepackt hatte? Er fühlte sich wie ein Kaninchen, das in den Fängen eines Habichts zappelte ... Die Hand ließ nicht los.

Dann spürte er den zweiten entschlossenen Griff an seinem linken Oberschenkel. Was, um Gottes willen, sollte das? Er hatte beten wollen. Der Welt danken. Für dieses Geschenk. Dass er diese Kirche leiten durfte. Dass Gott ihm den Weg freimachte für seine Ideen. Dass er ihn gewähren ließ – ohne Zorn auf seine neuen Methoden. Und er hatte im Geiste dem Bischof ein Dankesgebet schicken wollen. Dafür, dass er ihm den Besuch an Weihnachten zugesagt hatte.

Doch nun stand er im Schatten der Glocke. Und er spürte, wie ihn die beiden Hände nach oben hoben. Er konnte sich nicht wehren, er war von eher zierlicher Gestalt. Und so war es seinem Peiniger ein Leichtes, ihn anzuheben.

Jetzt aber erwachte der Kampfgeist des Pfarrers. Nein, so einfach wollte er es seinem Gegner nicht machen. Er stemmte sich gegen die Brüstung. Zappelte mit dem freien Bein. Hakte es an einem kleinen Vorsprung ein.

Doch es half nichts. Denn da war er, der Moment, den er mit aller Macht vermeiden wollte. Er verlor den Halt. Ein letzter kräftiger Schlag – dann lösten sich die Hände von ihm.

Und er fiel. Ein dumpfer Schlag. Dann war Stille.

Sein Mörder blickte von oben herab. Sah, wie das Blut den Asphalt rot färbte. Der Bischof würde ihn nicht mehr besuchen können. Meyer war tot. An seinem Geburtstag. Am Heiligen Abend.

Rückblende: Bei Lola

Die Zeit ging ins Land. Die Fußspuren, die ich einmal am frühen Morgen in meinem Zimmer gefunden hatte, gerieten in Vergessenheit. Ich hatte geträumt. Und wahrscheinlich hatte irgendwer am Tag zuvor mein Zimmer aufgesucht und vergessen, sich die Schuhe abzuputzen. Oder es waren doch meine eigenen Abdrücke. Mir war es auch egal. Scheißegal.

Der Dezember verflog. Wir hatten unseren Spaß bei Schneeballschlachten, Thomas und ich. Und daran, mächtige Schneemänner zu bauen.

»Der sieht aus wie mein Papa!«, flachste ich. Und wir bogen uns vor Lachen, als Thomas meinte, seiner habe große Ähnlichkeit mit unserem Direktor. Doch jedes Mal, wenn er von ihm sprach, spürte ich, dass etwas nicht stimmte. Ein ums andere Mal fing er dann zu zittern an. Und ich sah, wie die Freude aus seinem Gesicht wich.

An diesem Tage war es noch schlimmer als sonst. Thomas lehnte am dicken Bauch des Schneemanns und dessen linker Arm, ein kleiner Ast mit mindestens 25 Fingern, legte sich auf seinen Kopf. Die Mütze rutschte Thomas ins Gesicht. Ich konnte es nicht sehen, dann aber hörte ich das Schluchzen immer deutlicher. Ich setzte mich zu ihm, sodass auch über mir der Schneemann thronte, unser Direktor.

»Thomas, sag mir endlich, was ist mit dir?«

Er schüttelte nur den Kopf.

»Thomas, bitte! Wir sind Freunde. Du kannst mir alles erzählen.«

Wieder schüttelte er nur den Kopf.

So saßen wir minutenlang da, ohne ein Wort zu sprechen. Uns beiden wurde kalt und wir schmiegten uns immer dichter zusammen, wärmten uns, gaben uns Nähe und Geborgenheit.

Dann brach Thomas sein Schweigen: »Ich habe ihm mein Versprechen gegeben. Er bringt mich um.«

Schweigen.

»Wer? Der Direktor?«, fragte ich nach einer langen Pause.

Thomas hob langsam den Kopf und drehte sich zu mir herüber, sodass ich in seine Augen sehen konnte. Ich sah mein Spiegelbild.

»Was tut er dir an?«

Thomas weinte: »Alles, was du dir vorstellen kannst!«

Ich wusste, was er meinte. Und der Direktor drohte ihm, falls er anderen davon erzählen würde.

Wir saßen weiter unter unserem Schneemann. Ich brachte kein Wort mehr heraus. Ich musste weg. Weg von diesem Schneemann, der aussah wie unser Direktor. Weg von dieser Schule. Aber wo sollte ich hin? Außerdem konnte ich Thomas nicht allein lassen. Er war noch wehrloser als ich.

Ich musste bei ihm bleiben.

Ich ließ mich neben Thomas fallen und schlug mit dem Rücken so stark gegen den Schneemann, dass dessen Kopf nach hinten plumpste.

»Hey, schau mal. Ich habe den Direktor geköpft.«

Thomas schaute nach hinten – und prustete. Lachen und Weinen zur gleichen Zeit. Es steigerte sich in ein jammerndes Lachen.

Ich legte meinen Arm um ihn. Er fühlte sich völlig durchnässt und eiskalt an. »Hey, Großer, auf geht’s. Du brauchst ein warmes Bad. Oder zumindest eine Dusche.«

Ich half Thomas hoch.

Gemeinsam wankten wir zu den Baderäumen, in denen wir uns wuschen, duschten und unsere Zähne putzten. Wir nannten die Duschen Militär-Reiniger. Die harten Strahlen kneteten den Körper, gaben ihm Kraft zurück und machten munter. Aber sie verursachten auch Schmerzen. Als wir uns den Räumen näherten, bemerkten wir, dass das Licht innen brannte.

»Wer duscht denn da so spät noch? Oder hat einer vergessen das Licht auszumachen?«, fragte ich leise.

Er zuckte mit den Schultern, so gut es eben ging, durchgefroren wie er war.

»Komm, wir schauen«, sagte ich und schritt die Treppe nach oben. Doch Thomas hielt mich von hinten fest.

»Bleib da weg!« Immer lauter werdend wiederholte er denselben Satz.»Bleib da weg!« Wieder und wieder. Mich schauderte.

Doch das hielt mich nicht auf. Diese Duschen zogen mich magisch an.

Ich schlich hinein, raunte Thomas ein »Schscht« zu, und öffnete langsam die angelehnte, mit Milchglas versehene Tür zu den Waschräumen. Ich verhielt mich so leise, wie ich nur irgendwie konnte. Der Duschraum der Mädchen war dunkel. Das Licht und das Wasserrauschen kamen aus den Duschen der Jungs. Hörte ich richtig? War da die Stimme unseres Direktors? Oder bildete ich mir alles nur ein?

Ich schlich weiter. Meine Hand wanderte an der nassen Wand entlang.

Ich kam dem Lichtstrahl aus den Duschen immer näher. Und auch das Rauschen des Wassers wurde immer lauter.

Ich erreichte die Tür und blieb stehen. Mein Herz schlug so laut, dass es jedes Schlagzeugsolo hätte übertönen können.

Was sollte ich tun? Was würde ich sehen, wenn ich einen Blick hinter diese Türe wagte?

Mein Atmen konnte ich schier nicht mehr kontrollieren.

Ich atmete nicht mehr – ich schnaufte wie ein Walross.

Speichel lief mir aus dem Mund. Dann riss ich die Tür auf.

Weihnachten 2006

Als Maria gegen zehn Uhr die Haustür hinter sich zuwarf und auf das Auto ihres Freundes zulief, hatte sie ein schlechtes Gewissen. Ihre Eltern hatten sich wieder so viel Mühe gegeben! Die ganze Familie war versammelt. Das Essen war wieder delikat – war es nun Ente oder Gans an Heiligabend? Egal! Lecker war es allemal.

Ihre Eltern hatten ihr einen riesigen Gutschein gebastelt. Der repräsentierte ihr erstes eigenes Auto. Dabei war sie noch Schülerin. Maria wurde genau an diesem Heiligabend 18 Jahre alt.

»Ein eigenes Auto? Ihr spinnt!«, hatte sie gerufen.

Ein eigenes Auto?

Das bedeutete Unabhängigkeit. Und das bedeutete auch, dass sie ihren Freund, mit dem sie ein halbes Jahr zusammen war, häufiger sehen konnte. Und es stand auch nicht irgendeine schrottreife alte Karre auf dem Gutschein. Nein. Der Gutschein galt für einen neuen Fiat 500. Das Kultauto, das sie so liebte. Mit offenem Dach. ›Open Sky‹ nannte man das wohl. 101 PS. Auf dem Gutschein war ein Foto ihres Traumwagens aufgeklebt, denn der kleine Flitzer hätte nicht unter den Christbaum gepasst, witzelte ihr Vater.

Und so zog er sie nach draußen. Da stand er, tatsächlich. So wie sie sich ihr erstes Auto immer vorgestellt hatte. Klein, weiß, sportlich – und das Wichtigste – ihrer. Als sie ihrem Freund Frido das Auto zeigte, gab er neidlos zu: »Du hast die besten Eltern der Welt.«

Sie stolzierte auf ihren High Heels davon, in denen sie längst perfekt laufen konnte. Er schaute ihr nach. Was hatte er nur für einen Glücksgriff mit ihr getan!

»Komm. Wir müssen fahren. Die anderen warten längst. Und die Kneipen werden wie jedes Jahr an Weihnachten wieder aus allen Nähten platzen. Mal sehen, ob wir noch irgendwo reinkommen.«

Maria nickte und stieg auf den Beifahrersitz von Fridos Mercedes Coupé. Als sie sich schwungvoll niederlassen wollte, schrie er auf. »Halt! Langsam!«

Sie drehte sich um – und sah das Geschenk auf dem Sitz liegen.

»Ist das für mich?«, fragte Maria.

»Nein, für meine Freundin«, antwortete Frido.

Sie schlug ihm mit der Faust auf den Oberarm.

»Natürlich ist das für dich, alles Gute zum Geburtstag, mein Schatz. Und frohe Weihnachten.«

Sie ließ keine Sekunde verrinnen und riss das Geschenkpapier unsanft auf.

Sie traute ihren Augen nicht: »Du bist verrückt!«

Er nahm den goldenen Ring aus der Schatulle und steckte ihn ihr an den Finger der linken Hand. Zwei Brillanten blitzten. Dann hielt er seine eigene rechte Hand daneben. Er trug denselben Ring. Nur ohne Diamanten. »Darauf, dass wir für immer zusammen bleiben. Ich liebe dich!«

Was ist das für ein tolles Weihnachten!, dachte Maria.

Als sie wenige Minuten später die Kneipe ›Spielort‹ am Heilig-Kreuz-Münster erreicht hatten, schaute sie ehrfürchtig nach oben. Ihr stach die Größe und die schöne Beleuchtung ins Auge, die ein Künstler aus der Stauferstadt – so viel wusste sie darüber – realisiert hatte. Irgendwie bedrohlich. Schaurig schön. Eine Kirche, die sie in Gedanken ins Mittelalter entführte.

»Was ist?«, rief Frido. Er hatte keine Lust zu warten.

»Was ist, fragst du? Weihnachten. Und ich finde unser Münster schön.«

Dann rannte sie zu ihm und sie betraten gut gelaunt und beschwingt die Kneipe. Zigarettenqualm schlug ihnen entgegen, als sie die Tür öffneten. Man konnte kaum seine eigene Hand vor Augen sehen. Die Luft war verbraucht und die Menge, die sich in den kleinen Raum presste, hätte gereicht, um ein Fußballstadion zu füllen.

Doch das war eben Heiligabend.

All ihre Freunde rannten ihr förmlich nach. Sie war ein sehr beliebtes Mädchen. Nein, sie war heiß begehrt, auch wenn sie ihrem Freund immer treu war.

Doch Flirten musste erlaubt sein. Und das tat sie auch ausgiebig. Auch an diesem Abend. Frido sah ihr aus ein paar Metern Entfernung zu. Von einem Barhocker aus hatte er den besten Blick auf seine Freundin, die ausgelassen zu den Klängen von Bon Jovis ›You Gave Love A Bad Name!‹ tanzte.

Sie genoss es, im Mittelpunkt zu stehen. Frido lutschte an seinem Strohhalm und driftete in seinen Gedanken ab. Zu Momenten, in denen er mit ihr allein war. Wie sie sich auf ihm bewegte, als hätte sie mit ihren achtzehn Jahren niemals etwas anderes getan.

Maria spürte, dass die Männer die Augen nicht von ihrem makellosen Körper lassen konnten. Je mehr sie die Blicke spürte, desto aufreizender begann sie zu tanzen.

Frido grinste. Er kannte Maria bestens. Und er wusste: Er konnte sie lassen. Kein Grund zur Eifersucht. Und wie recht er hatte!

Es dauerte ein paar Lieder, dann schwang sie sich auf seinen Schoss und rieb sich an ihm. Umschwärmt von der Meute um sie herum. Sie küsste ihn innig, ehe sie sich wieder mit dem Hintern wackelnd, in die Mitte des Raums zurücktanzte.

Sie schaute über die Schulter, drehte sich um und ihre Augen trafen Fridos. Was war er doch für ein Glückspilz!

Sie war sein.

Plötzlich sah er, wie Blut über ihre Unterlippe lief. Sie verdrehte die Augen. Ihr schöner Körper schien nach vorne, dann nach hinten zu kippen. Sie spuckte Blut aus, hellrot. Dann kippte sie nach vorne. Frido konnte das Messer sehen, das bis zum Anschlag in ihrem Rücken steckte.

Wie durch dichten Nebel hörte er ihren Schrei, als sie zusammenbrach. War das alles ein böser Traum? Er sprang von seinem Barhocker auf und rannte zu ihr. Er nahm sie an der Seite und drehte sie behutsam herum.

Doch ihr Kopf kippte zur Seite wie ein Klappmesser. Er schaute in ihre Augen. Weit aufgerissen blickten sie ihn an. Beängstigend groß und leer. Wie die eines toten Fisches.

Frido rannte hinaus aus der Kneipe. Er musste ihn finden. Den Täter. Den Mörder seiner Freundin. Das Gmünder Heilig-Kreuz-Münster flackerte im blauen Licht des Polizei-Einsatzwagens.

Schaurig schön, dachte Frido. Um dann sofort wieder in die Realität zurückzukehren. Zwei Polizisten stürmten an ihm vorbei, hinein in den Qualm.

Frido drehte sich nochmals um, dann meinte er, einen Schatten zu sehen, der in der Kirche verschwand. Hatte er sich getäuscht?

Er stürmte auf den Haupteingang zu, er war verschlossen. Die Fantasie war wohl mit ihm durchgegangen.

Er brach vor dem Hauptportal zusammen und begann zu schreien. Hatte er es wirklich erreicht? War die Tür tatsächlich versperrt? Nein, er hatte sie nie berührt. So, wie er Maria niemals mehr berühren würde.

Aus seinen Schreien wurde ein ohrenbetäubendes Heulen. Unbändig, schrill, schließlich von Tränen erstickt. Er fiel in Ohnmacht. Sein Geist war überfordert. Er war nicht mehr Herr seiner Sinne. Er wollte nur noch Maria in den Tod folgen. Er wollte sterben. Am Fuße dieses wunderbaren Gebäudes, das die Parler vor Jahrhunderten geschaffen hatten.

Er erwachte im Krankenhaus: »Ist sie tot?«, fragte er den Pfleger. Der Pfleger schwieg. Vielmehr schien er sich auf all die Apparaturen zu konzentrieren, an die sie Frido angeschlossen hatten. Nichts hatte er mitbekommen. Nicht, wie ihn die Polizistin im Schatten des Münsters hatte liegen sehen. Nicht, wie er sich gewunden hatte, als steche ihm jemand einen Dolch in den Magen. Und ebenso wenig, wie sie ihn im Krankenwagen nach Mutlangen in die ›Stauferklinik‹ gebracht hatten.

Und jetzt war er hier. Er lauschte dem Piepsen und verfolgte auf dem gegenüberliegenden Bildschirm den Herzschlag. Seinen Herzschlag. Laut und rhythmisch. Beruhigend.

Der Pfleger sprach ihn wie aus dem Nichts an: »Wie geht es Ihnen?« Frido ließ sich Zeit mit seiner Antwort, fixierte weiterhin den schwarz-grünen Monitor und verfolgte, wie die Linie sich hob und senkte und von links nach rechts wanderte, ehe sie in die nächste Zeile sprang.

»Ist sie tot?«, fragte er erneut.

»Das kann ich Ihnen nicht beantworten.«

Der Pfleger vermied es, ihn direkt anzuschauen. So als wüsste er mehr, als er zugab.

»Ich hole den Stationsarzt!«

Frido bemerkte, dass er nicht allein auf dieser Station war. Im Bett neben ihm lag ein weiterer Patient. Schläuche ragten aus seiner Nase und aus seinem Mund. Neben ihm pumpte ein kleiner Apparat Sauerstoff in die Lungen, sodass sich sein Oberkörper hob und wieder senkte.

Auf und ab. Auf und ab.

Frido schätzte den Mann auf ungefähr Mitte vierzig. Sein Gesicht war fahl; seinem Körper schien jedes Leben abhanden gekommen zu sein. Ausgemergelt lag er in der eierschalenfarbenen Bettwäsche, wie es sie nur in Krankenhäusern gab. Die Organe schienen sofort zu versagen, würde man ihn von diesen Schläuchen und Sonden befreien. Mehr Toter als Lebender.

Dann öffnete sich die Tür und drei Ärzte und einige Pfleger kamen herein. »Schscht!«, gab der erste von sich. Der zweite, wohl der Stationsarzt, trat an die Infusion und spritzte eine gelbliche Flüssigkeit hinein, öffnete den kleinen Dosierer, sodass die Tropfen in seine Venen drangen.

Frido wurde schwummrig. Dann spürte er, wie sich seine Augen nach hinten wegdrehten und seine Stimme versagte. Es wurde wieder Nacht.

Erster Weihnachtsfeiertag 2006

Sigurd Weller kam an diesem Morgen zu spät ins Büro. Die Nacht war lang gewesen für den alten Kommissar. Er hatte seinen Ohren nicht getraut, als er von dem Mord in der Gmünder Kneipe ›Spielort‹ erfahren hatte. Von rund 200 Zeugen hatten er und seine Kollegen die Personalien aufgenommen und den Tatort abgesperrt. Als er dort ankam, war die Stimmung unter den Kollegen zuversichtlich – obwohl sie noch nichts gefunden hatten.

»Sigurd, altes Haus! Haben sie dich auch noch raus geklingelt. Mein Gott! Und das an Weihnachten«, hatte Stefan Passlack gesagt, der stellvertretende Leiter der Kripo in Schwäbisch Gmünd, als er den 65-Jährigen in die Kneipe kommen sah.

»Ja, Stefan, mir bleibt auch nichts erspart, und das kurz vor meiner Pensionierung!« Seit Monaten sprach Weller nur noch von dem Tag, an dem es endlich soweit war: Er wollte Rentner sein. Die vielen Jahre im Dienst hatten ihn gezeichnet. Mehr und mehr war er gestresst, je älter er wurde. »Was mich am meisten ankotzt, ist, dass sich meine Kinder kaum noch bei mir melden. Irgendwie bin ich einsam geworden, Stefan.«

Wellers Ehe war in die Brüche gegangen. Zu oft hatte er den Job über das Familienleben gestellt. Die Zeit war immer knapper geworden. Seine Kinder – ein Sohn, weit über dreißig, und eine Tochter, die das zweite Baby erwartete – hatte er meist nur schlafend gesehen. Morgens verließ er als Erster das Haus und war der Erste, der das Kommissariat betrat. Und abends sperrte er als Letzter ab und machte sich, meist mit einem Abstecher in sein Lieblings-Clubheim in der Gmünder Buchstraße, auf den zum Glück kurzen Nachhauseweg.

Seine Frau war mit einem jüngeren Mann durchgebrannt. Sie hatte ihm erklärt, dass er selbst schuld sei und dass sie einen Partner an ihrer Seite wolle, der auch ein wenig Zeit für sie aufwendete. Damals hatte er gelacht und von seinen Aufgaben und Pflichten als Kommissar gesprochen und auf das sichere Einkommen eines Beamten verwiesen.

»Martha, wenn du meinst, du musst deinen eigenen Weg gehen, dann geh! Ich werde dich nicht aufhalten!«

Mit diesen Worten hatte Weller, hart, wie er sein konnte, den Streit für beendet geklärt. Die Tränen und den Frust hatte er ihr nicht angesehen. Vielleicht wollte er es auch gar nicht, dachte er sich heute.

Längst hatte er sich dafür entschieden, das gemeinsame Haus zu verkaufen. Er hatte seine Frau ausgezahlt, wie es ihr von Rechtswegen zustand. Er selbst hatte sich von seiner Hälfte eine schöne Maisonette-Wohnung in der Innenstadt gekauft. So hatte er einen kürzeren Arbeitsweg und er musste sich nicht um lästige Arbeiten im Garten kümmern. Er hatte Sofia, einer jungen Frau aus Polen, den Haushalt übertragen.

Für ihn war es die optimale Lösung.

Wenn er morgens zur Arbeit ging, war sie noch nicht da. Und kehrte er abends zurück, waren Küche und Wohnung geputzt, ein warmes Essen wartete auf dem Herd, seine Wäsche war gewaschen und gebügelt.

Von seiner Frau hatte er seit Wochen nichts gehört – und das beruhigte ihn. Dieses Kapitel hatte er abgeschlossen. Ja, er gönnte es ihr, ihr neues Leben – ohne ihn. Er war manchmal sogar neidisch, wünschte sich selbst auch eine neue Partnerschaft. Aber das konnte nicht das Problem seiner Exfrau sein. Die Scheidung war fair über die Bühne gegangen. »Martha, wir hatten auch eine schöne Zeit zusammen. Vergiss das bitte nicht. Ich werde es nie vergessen.«

Und nun stand er seinem Kollegen Stefan gegenüber und musste tatsächlich nochmal in einer Mordserie ermitteln. »Stefan, ich habe keine Lust mehr darauf. Aber dieses junge Mädchen darf nicht umsonst gestorben sein. Wir müssen endlich einen Schlussstrich ziehen können unter diese Weihnachtsmorde!«

Stefan Passlack war erst seit einem halben Jahr in Schwäbisch Gmünd. Er arbeitete gerne mit Weller zusammen und dachte mit Schwermut an den baldigen Abschied des Chefs. Doch der junge Polizist wusste, dass die Pensionierung nur noch wenige Wochen entfernt war.

»Sigurd, siehst du da einen Zusammenhang? Das ist doch dieses Mal eine ganz andere Situation. Ich glaube nicht, dass da eine Verbindung besteht. Wenn man die zurückliegenden Fälle betrachtet, dann gab es bei den Morden in den vergangenen Jahren niemals Spuren. Es waren Morde aus heiterem Himmel sozusagen. Ohne dass auch nur eine einzige brauchbare Spur zu finden gewesen wäre. Hier aber ist die Konstellation eine andere: Der Mörder hatte sich unter die Leute gemischt. Er muss gar mit dem Opfer getanzt oder sich von hinten an sie herangeschlichen haben. Und ihr dann, im Beisein von Hunderten von Menschen, den Dolch so gezielt durch die Rippen gestoßen haben, dass sie sofort tot war. Den Dolch hatte er dabei zurück gelassen.«

»Wir hatten bislang noch nie eine Tatwaffe – zumindest bei den Fällen, in denen wir selbst ermittelt haben. Aber der Mord ist eben wieder an Heiligabend passiert. Ich glaube nicht an einen Trittbrettfahrer, der so leichtsinnig agiert«, sagte Weller.

Details

Seiten
0
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2016
ISBN (ePUB)
9783945298503
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2016 (Februar)

Autor

  • Ralph F. Wild (Autor:in)

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Titel: 24 Stille Nacht