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Abenteuer zu Dritt: Erotischer Roman, Erotik, Erotikroman

Band 2 der Secret Desires-Reihe

von Kathy Fox (Autor)

2016 0 Seiten

Leseprobe

Über dieses E-Book

Als Sonja bei ihrer Arbeit Börn kennenlernt, fühlt sie sich sofort zu ihm hingezogen. Dabei ist der verwegene Großstadtcowboy eigentlich gar nicht ihr Typ, außerdem ist er zehn Jahre jünger. Und Sonja sollte diese Gefühle nicht haben, denn sie hat einen Mann, der sie liebt, einen Sohn, der erfolgreich flügge geworden ist und einen Beruf, der sie erfüllt. Eigentlich wäre sie wunschlos glücklich, wenn es da nicht die fehlende Leidenschaft in ihrer Ehe gäbe. Peer schläft nur noch selten mit seiner Frau und wenn es etwas wilder zugeht, dann allein in Sonjas Fantasie ...
Und jetzt hat ausgerechnet Björn ein Auge auf sie geworfen. Wie lange kann Sonja ihm widerstehen? Und wird sie es wagen, seine geheimsten Wünsche zu erfüllen und ihre letzten Tabus zu brechen?

Impressum

Secret Desires

Erstausgabe Mai 2016

Copyright © 2020 Secret Desires, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Made in Stuttgart with ♥
Alle Rechte vorbehalten

E-Book-ISBN: 978-3-94529-889-3

Covergestaltung: Antoneta Wotringer
unter Verwendung von Motiven von
canstockphoto.com: © konradbak
Lektorat: Daniela Höhne

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

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Eins

Es dauert nur einen einzigen Augenblick, bis ich die Schmetterlinge im Bauch fühle, die ich schon viel zu lange schmerzlich vermisst habe. Meine Knie werden weich, als ich Peer ins Haus folge. Ich weiß, was gleich geschehen wird, und ich habe mir vorgenommen, jede Sekunde zu genießen. Viel zu lange schon habe ich verzichten müssen. Eine fiebrige Erwartung überkommt mich, als Peer die schwere Haustüre ins Schloss drückt, den Schlüssel hineinschiebt und gleich abschließt. »Oder willst du noch mal raus heute?«, fragt er mich mit rauer Stimme und einem Augenzwinkern.

Ich schüttele stumm den Kopf und gehe ins Wohnzimmer, während Peer in der Küche eine Flasche Wein entkorkt.

Peer trägt den neuen italienischen Anzug, ein modisches Designerhemd zu brandneuen Lederschuhen und hat die Haare frisch frisiert. Er sieht toll aus, mein Mann, denke ich stolz. Männern sagt man ja nach, sie hätten nur selten Geschmack, was Klamotten angeht. Peer schon, er achtet immer darauf, gut auszusehen und sich dem Anlass angemessen zu kleiden. Nun, einen Anlass haben wir heute Abend: Wir feiern unsere Liebe. Auch ich habe mich in Schale geworfen und trage ein figurbetontes schwarzes Kleid, das zwei Handbreit über dem Knie endet. Auch das Dekolletee ist nahezu provokant. Das Make-up ist heute ein wenig kräftiger als sonst, ich habe mir zum heutigen Abend Smokey Eyes gegönnt und wirke, sofern ich das beurteilen kann, verführerischer. Doch von meinem Geheimnis ahnt Peer noch nichts, denke ich mit roten Wangen.

Schnell zünde ich die Stumpenkerze auf dem Tisch an. Dazu leise Musik. Als Peer mit einer Flasche Domaine de Grangeneuve und zwei Gläsern im Türrahmen steht, habe ich Herzklopfen wie ein verliebter Teenager. Ich stehe an der großen Fensterfront, die in den Garten zeigt, und beobachte ihn, wie er uns den Wein einschenkt. Danach kommt er zu mir. Der Wein schimmert rubinrot in den Gläsern. Wir prosten uns zu, Peer schaut mir so tief in die Augen, wie er es schon lange nicht mehr getan hat. Ein Schauer rieselt über meinen Rücken. In seinem Blick liegen Sehnsucht und Verlangen.

»Auf uns«, sagt er leise.

»Auf uns«, wiederhole ich mit zitternder Stimme, dann nippe ich von meinem Wein. Ich bilde mir ein, Sauerkirschen, Blaubeeren und die würzige Note von Rosmarin zu schmecken.

Peer kommt näher, nimmt meine Hand, führt mich zum Sofa. Schweigend nimmt er mir das Glas ab und stellt es auf den Tisch. Dann legt er seine Arme um meine Taille und zieht mich dicht an sich. Er duftet wundervoll nach einem neuen Aftershave. Wie benebelt bin ich, als er seine Lippen auf meinen Mund senkt. Mein Körper steht unter Strom, immer wieder fühle ich diese wohligen Blitze, die von meinen Brüsten in den Schoß und wieder zurückzucken.

Als ich Peers Zunge spüre, öffne ich meine Lippen, nehme ihn in Empfang. Zunächst zögernd, fast schüchtern, küsst er mich. Seine Hände streifen über meinen Rücken, scheinen plötzlich überall zu sein. Sanft massiert er meinen Hintern durch den Stoff des Kleides. Ich möchte seine Hände auf meiner Haut fühlen, kann es kaum erwarten, ihn auszuziehen. Peer nestelt am Saum meines Kleides herum und zieht den Stoff hoch.

Wird er es gleich bemerken?

Ahnt er etwas von meinem kleinen Geheimnis?

Allein die Ungewissheit, wie er reagieren wird, wenn er bemerkt, dass ich keinen Slip trage, entlockt mir ein leises Stöhnen.

Wir waren heute Abend essen. Ganz romantisch, erst in einer Bar einen Drink genommen, später dann zum Candle-Light-Dinner zu unserem Lieblingsspanier. Schließe ich die Augen, sehe ich Peers markantes Gesicht im warmen Schein der flackernden Kerze im Restaurant. Ich habe ihn schon vor dem Essen scharfgemacht, habe den rechten Schuh ausgezogen und ihn mit dem Fuß unter dem Tisch um den Verstand gebracht. Deutlich konnte ich seine pulsierende Erektion durch den Stoff der Hose fühlen. Erst ist er zurückgezuckt; nachdem er sich umgeschaut und vergewissert hatte, dass niemand unser Treiben bemerkte, konnte er meine Zärtlichkeiten genießen. Sanft habe ich ihn mit den Zehen massiert, bin auf- und abgefahren an seiner Beule und beim Anblick seiner verliebten Augen glatt selbst feucht geworden, sosehr hat mich seine Erregung angemacht. Es war verrucht, verboten und unmoralisch, genau das, was uns schon lange fehlt. Mühsam nur hat er sein Stöhnen am Tisch unterdrücken können. Doch ich habe ihn nicht zum Höhepunkt kommen lassen. Habe mir das Beste für später aufgehoben, wollte seine Leidenschaft spüren.

Jetzt ist es also so weit. Nach dem Dinner hatte es Peer ziemlich eilig, nach Hause zu fahren.

Jetzt spüre ich seine Hände an meinem Po. Sie streifen über die Hüften abwärts, zum spitzenbesetzten Rand meiner halterlosen Nylons. Ich weiß, dass er meine Strümpfe liebt, habe mich extra in Schale geworfen, um ihn damit heute verführen zu können. Kurz lösen sich seine Lippen von meinem Mund, er schaut mich glücklich an.

»Du bist wunderschön«, raunt er mir zu und erzeugt alleine mit diesen Worten eine Gänsehaut. Er legt den Kopf an meine Schulter. Ich kann seinen heißen Atem an der Halsbeuge fühlen, dann knabbert er sanft an meiner Haut. Ich stehe längst in Flammen. Meine Hände gleiten durch sein dichtes Haar, ich lege den Kopf in den Nacken und lasse ihn gewähren, während seine Hände meine Beine liebkosen. Durch den hauchdünnen Stoff meiner Nylons erzeugt er dieses angenehme Kribbeln auf der Haut. Nun spreize ich die Beine ein wenig. Peer reagiert sofort und streicht über die Innenseiten meiner Schenkel aufwärts. Ich kann es kaum erwarten, seine Hand an meiner intimsten Stelle zu fühlen, strecke ihm meinen Schoß entgegen.

Als er bemerkt, dass ich kein Höschen trage, unterbricht er sein Spiel und lächelt mich an. »Da fehlt etwas«, flüstert er.

»Ich habe es nur für dich vergessen«, erwidere ich. Vorsichtig berührt er meine elektrisierte Vulva, zieht mit Leichtigkeit die Form meiner Schamlippen nach. Mit dem Daumen tupft er über meine Klit. Es braucht nur eine einzige Berührung, und ich keuche vor Lust, kann es kaum erwarten, ihn ganz zu spüren. Peer küsst meinen Hals, während er mich mit dem Mittelfinger verwöhnt. Spielerisch teilt er meine Schamlippen und gleitet in mein feuchtes Paradies. Langsam bewegt er den Finger in mir und reibt mit seinem Handballen über meine Perle.

»Du bist feucht«, raunt er mir ins Ohr.

Stumm nicke ich, schließe die Augen und lasse ihn gewähren. Jeden Winkel erkundet sein Finger in mir, ich spüre, wie meine Knie weich werden, und will ihn endlich ganz in mir. Sanft schiebe ich ihn fort. »Komm schon«, flüstere ich ihm zu und mache mich am Reißverschluss meines Kleides zu schaffen. Mit einem leisen Rascheln gleitet der leichte Stoff zu Boden.

Peer steht fasziniert vor mir und bewundert meine neuen, schwarzen Dessous. Das heißt, er bewundert meinen BH, meine Nylons und die neuen, schwarzglänzenden High Heels von Paul Green, die meine Beine so schön strecken.

»Du bist wunderschön«, kommt es über seine Lippen.

Anstatt ihm zu antworten, gehe ich vor ihm in die Knie, öffne geschickt den Reißverschluss und ziehe ihm die Hose über die Hüften. Meine Finger zittern vor Erregung, als ich ihm auch die Shorts herunterziehe. Sein Phallus springt mir entgegen. Hart und pochend steht er vor mir. Ich umgreife ihn, schiebe die Vorhaut behutsam vor und zurück. Peer stöhnt auf. Kurz unterbreche ich, schaue zu ihm auf. Sein Blick ist verklärt vor Lust. Gern gebe ich meinem Verlangen nach, ihn zu schmecken, und stülpe meine Lippen über seine Samtspitze. Mit der Zunge gleite ich über das kleine Bändchen zwischen Eichel und Schaft.

Mit einem Stöhnen legt er seine Hände auf meinen Kopf, fixiert ihn und penetriert meinen Mund. Ich lasse ihn gewähren, lasse dem Treiben seinen Lauf. Schnell kann ich den salzigen Geschmack seines Liebesnektars genießen. Als meine Zunge einen wilden Tanz beginnt, keucht er vor Lust. Sein Glied bäumt sich in meinem Mund auf, ich muss behutsam sein, möchte ich seine Lust noch in mir spüren, und ziehe mich zurück.

»Komm schon«, sage ich und nehme seine Hand. Schnell ziehe ich ihn zum Sofa, um mich rücklings darauf gleiten zu lassen. Ich winkle ein Bein an, um ihm zu zeigen, dass ich bereit bin für ihn.

Hastig streift Peer die Hosenbeine ab und zieht sich das Hemd über den Kopf, dann kommt er zu mir. Er geht in die Hocke, schiebt seine Hände unter meinen Po und legt den Kopf in meinen Schoß. Ich spüre seinen heißen Atem an meiner feuchten Pussy und hebe das Becken an. Peer lässt sich nicht lange bitten, bedeckt die Innenseiten meiner Schenkel mit Küssen und tastet sich immer höher, bis ich seine Zunge an meiner Klit fühle. Er saugt an der Perle, knabbert gefühlvoll und lässt seine Zunge in meiner Spalte verschwinden. Ich stöhne, als er mich leidenschaftlich küsst, und drücke seinen Kopf fester in meinen Leib. Sein raues, kantiges Kinn bringt mich um den Verstand. Ich bin süchtig nach seiner Zunge, immer schneller werden seine Bewegungen, er knabbert, küsst und saugt an meinen Schamlippen und umkreist meine Klitoris in einem wahren Hexentanz der Lust.

Gleichzeitig spüre ich einen Finger an meinem Hintereingang. Er wird doch nicht das letzte Tabu brechen in dieser Nacht?

Peers Finger kreist sanft, ohne einzudringen und ohne mir Schmerz zu bereiten. Er tut es so wundervoll, dass ich mich winde vor unerfüllten Begierden. Am liebsten würde ich ihn nun doch in mir fühlen, seinen Finger, wie er meinen Po liebkost. Ich recke mich ihm voll Verlangen entgegen.

Längst schon habe ich mich aufgegeben, bin wild entschlossen, mich treiben zu lassen von ihm. Er lässt mich keine Sekunde Luft holen, liebkost mich wie ein junger Gott und zögert auch nicht, als die Welle der Leidenschaft mich überrollt. Meine Brüste spannen wie verrückt, mein Unterleib droht zu explodieren vor Sehnsucht. Ich laufe aus vor Begierde, will ihn endlich ganz tief in mir spüren, doch Peer bringt mich mit der Zunge zum Orgasmus. Mit einem spitzen Schrei komme ich zum Höhepunkt, mein Körper bäumt sich auf, zuckt ekstatisch und scheint mir nicht mehr gehorchen zu wollen.

Ich schließe die Augen, schreie meine Lust heraus, befreie mich und stöhne zur Decke, dann sacke ich erschöpft zusammen. Kraftlos liege ich da. Mein Atem geht rasselnd, schwer heben und senken sich meine vollen Brüste.

Peer lässt nicht von mir ab. Er legt seine Hände auf die Körbchen meines BHs und befreit meine Brüste. Dann massiert er sie, zwirbelt meine erigierten Nippel und schon wieder stehe ich unter Strom, bäume mich auf unter seinen Berührungen. Bevor ich mich versehen kann, spüre ich seine Samtspitze an meinem Eingang.

Endlich kommt er zu mir!

Ich ziehe die Beine an, genieße jeden Millimeter seiner Männlichkeit. Langsam nur dringt er in mich ein.

Als ich die Augen öffne, bemerke ich, dass er mich anschaut. Fasziniert, lüstern und verliebt zugleich. Peer legt eine Hand um meinen Hals, fixiert meinen Hinterkopf, während er sich in mich schiebt. An der tiefsten Stelle angelangt, verharrt er. Sekundenlang liegen wir so da. Regungslos, angespannt und kurz vor einem Tornado der Lust.

Ich kann spüren, wie seine Männlichkeit in mir pulsiert, umklammere ihn mit meinem Liebesmuskel und beginne eine Massage. Lange hält Peer es nicht aus. Er stöhnt auf, dann bewegt er sich tief in mir, penetriert mich mit schwungvollen Stößen, gleitet aus mir heraus und lässt seinen Schaft über meine Vulva gleiten, bevor er erneut in mich eindringt. Diesmal hält er sich nicht zurück. Er bewegt sich immer schneller, vollführt Stöße, von denen mich jeder einzelne in den siebten Himmel zu lieben vermag.

Es gibt längst schon kein Zurück mehr. Er beugt sich zu mir und küsst meinen Hals, saugt daran, bevor ich seine Lippen auf meinem Mund spüre. Wir küssen uns leidenschaftlich, während er seiner Lust freien Lauf lässt. Im Gewitter der Leidenschaft fühle ich, wie er sich tief in meinem Schoß aufbäumt. Peer führt einige finale Stöße aus, dann wird auch er vom Höhepunkt überrollt. Zeitgleich lasse ich mich fallen, genieße seine feuchte Hitze tief in meinem Leib, spüre, wie er sich in mir entlädt. Mit einem langen Stöhnen sinkt er kraftlos auf mich. Ich schließe ihn in die Arme, kann sein Herz schlagen fühlen, streiche ihm durch das verschwitzte Haar und schlinge meine Beine fest um seine Hüften. Nie mehr will ich ihn loslassen, so sehr liebe ich ihn.

Zwei

Als ich erwache, liegt Peer neben mir. Leise schnarchend hat er sich auf die Seite gerollt. Im Schein des Mondlichts, das durch die offenstehenden Gardinen des Schlafzimmers einfällt, sehe ich seinen Rücken. Mein Herz rast immer noch. Was war das eben?

Ich spüre das Ziehen im Unterleib, kann es mir nicht erklären. Zaghaft fahren meine Hände unter die Bettdecke, suchen und finden den Weg in meinen Schoß. Unkontrolliert bäumt sich mein Unterleib auf, als ich meine Klitoris berühre. Ich bin immer noch feucht, spüre die Hitze zwischen meinen Beinen, die sich über die Innenseiten meiner Schenkel ausgebreitet hat. Sogar unter meinem Po hat sich ein nasser Fleck auf dem Laken gebildet.

Meine Kehle ist trocken, winzige Schweißperlen stehen auf meiner Stirn. Peer hat von alldem nichts mitbekommen. Langsam nur kehre ich in die Wirklichkeit zurück. Eine schwer zu beschreibende Kälte greift nach mir. Schmerzlich wird mir bewusst, dass ich eben einen erotischen Traum hatte. Im Schlaf muss ich zum Höhepunkt gekommen sein. Doch wie ist das möglich?

Ich starre zur Decke hinauf, die sich als graues Rechteck über mir vom Schwarz des Zimmers abhebt. Peer und ich hatten nach einem romantischen Abend leidenschaftlichen Sex. Gleich mehrfach bin ich zum Höhepunkt gekommen, war gefangen in meiner Lust und habe mich treiben lassen von meiner Fantasie.

Schmerzlich wird mir bewusst, dass es sich nur um einen Traum handelte. Schon lange haben wir keinen Sex mehr, keinen wirklich guten Sex, meine ich. Nachdenklich und enttäuscht zugleich rolle ich mich auf die Seite, um meinen Mann betrachten zu können. Vor zwei Jahren haben wir unsere Silberhochzeit gefeiert. Ein rauschendes Fest mit Freunden und Verwandten, die in uns das Traumpaar schlechthin gesehen haben. Viele unserer Weggefährten sind längst wieder geschieden oder leben noch zusammen, weil sie vieles miteinander verbindet – die gemeinsame Vergangenheit, das noch nicht abbezahlte Haus, Kinder, was auch immer. Nur leider keine Liebe mehr. Viele Paare in unserem Alter leben in einem Haushalt wie in einer Wohngemeinschaft. Sie leben nebeneinander her, ertragen sich und ihre Macken, im besten Falle tolerieren sie sich und kommen freundschaftlich miteinander aus, aber von Liebe ist bei vielen unserer Freunde schon lange nichts mehr zu spüren. Einige sind schlichtweg auch einfach nur zu faul, um sich nach der langen gemeinsamen Zeit voneinander scheiden zu lassen.

Ich seufze, bin versucht, meine Hand zu Peer auszustrecken. Doch ich will ihn nicht wecken, will ihn nicht zu dieser nachtschlafenden Zeit mit meinen Sorgen nerven. Er hat einen anstrengenden Job und muss morgen früh wieder raus. Peer trägt die Verantwortung für die IT-Abteilung einer großen Bank in Frankfurt. Dagegen erscheinen mir meine Ängste und Sorgen um das Wohl unserer Ehe nichtig und klein.

Ich lasse den bereits nach ihm ausgestreckten Arm sinken und verfalle in dumpfes Brüten. Ist es bei uns auch so, wie bei vielen anderen Paaren in unserem Alter? Leben wir nur nebeneinander her, weil es so bequem ist?

Viel zu sagen haben wir uns jedenfalls nicht mehr. Abends, wenn Peer aus dem Büro nach Hause kommt, ist er müde und schläft meistens schon auf dem Sofa beim Fernsehen ein, um sich zwei Stunden später im Halbschlaf ins Bett zu verkriechen. Auch an den Wochenenden unternehmen wir nicht mehr viel gemeinsam, so, wie wir es früher getan haben. Selten nur gehen wir ins Kino, in Ausnahmefällen hängt ein gemeinsames Abendessen dran. Wenn überhaupt, treffen wir Freunde. Weil es eine gesellschaftliche Verpflichtung ist, die wir wahrnehmen müssen, wenn wir nicht irgendwann im Alter ganz alleine dastehen wollen.

So sieht es Peer.

Mein Argument, dass man Freundschaften ständig pflegen muss, erträgt er murrend. Begleitet mich zu unseren Freunden, hat es aber meistens eilig, schnell wieder nach Hause zu kommen.

Es ist eine graue Tristesse, die sich bei uns eingeschlichen hat. Das alles wird mir jetzt schmerzlich bewusst. Will und kann ich das noch lange ertragen?

Mit dieser bewegenden Frage schlafe ich irgendwann in den Morgenstunden ein. Es ist ein tiefer, diesmal auch ein traumloser Schlaf, der mich übermannt.

Drei

In der Kita empfängt mich der übliche Trubel. Meine Schützlinge laufen wie aufgescheuchte Hühner herum, singen, lachen und rufen durcheinander. Gestresste Muttis fordern ihren Nachwuchs auf, sich beim Umziehen zu beeilen – viele von ihnen bringen die Kinder vor der Arbeit in die Kita, sind spät dran und schlecht gelaunt, wenn ihre lieben Kleinen nicht rundlaufen.

Ich empfinde den Trubel nicht als schlimm, der Job als Erzieherin ist für mich eine Berufung. So habe ich seit fast dreißig Jahren Spaß daran, die kleinen Menschen ein Stück weit ins Leben zu begleiten. Irgendwann habe ich die Leitung der Kita »Glücksmond« übernommen. Nun kümmere ich mich um die administrativen Aufgaben, plane das Personal, führe Elterngespräche und terminiere die Einsätze von Handwerkern. Doch dabei lasse ich es mir nicht nehmen, die Igelgruppe zu leiten. Gemeinsam mit unserer Langzeitpraktikantin Karen ist das gut zu handeln.

»Guten Morgen, Frau Bangert«, werde ich von Leo, einem vierjährigen Dreikäsehoch mit markanter Zahnlücke, begrüßt. Leo ist heute im Schlafanzug gekommen. »Warum hast du denn deinen Pyjama an?«, will ich von ihm wissen. »Möchtest du denn heute hier schlafen?«

Lisa, Leos Mutter, schüttelt verzweifelt den Kopf. »Er wollte sich einfach nicht anziehen lassen«, klagt sie mir ihr Leid. »Und nun ist er halt im Schlafanzug hier.«

Ich suche eine Lösung und nicke der Mutter aufmunternd zu. »Das regeln wir gleich, nicht wahr, Leo?«

Er steht einfach da und strahlt mich verliebt an. »Wenn ich groß bin, will ich dich heiraten, Frau Bangert.«

Ich lache. »Das dauert noch ein wenig.« Nachdem ich vor ihm in die Hocke gegangen bin, lege ich einen Arm um Leos Schulter. »Wenn du wirklich einmal Feuerwehrmann werden willst, so, wie du es mir immer sagst, dann musst du lernen, dich ganz schnell anzuziehen.«

»Das sagt Mama auch immer.«

Mama Lisa steht hinter dem Zwerg und nickt. Sie schaut nervös auf ihre Armbanduhr.

»So, Leo«, sage ich. »Dann darfst du schon mal in die Gruppe gehen, die Karen ist da und wartet schon auf dich. Vielleicht zeigt sie dir noch einmal das Feuerwehrbuch.«

Leo nickt, haucht seiner Mama einen feuchten Schmatzer auf den Mund, macht auf dem Absatz kehrt und stürmt in Richtung seines Gruppenraums.

»Wie Sie das immer so souverän machen«, staunt Lisa.

»Erfahrung und Routine«, lache ich und wünsche ihr einen angenehmen Tag. Leos Mama nickt nur, dann stürmt sie aus der Einrichtung, als wäre der Leibhaftige hinter ihr her.

Ich bahne mir den Weg durch die Kinder zu meinem Büro und treffe auf eine völlig aufgelöste Silke. Sie ist knapp zehn Jahre jünger, groß, schlank und dunkelhaarig – und wirkt an diesem Morgen sehr hilflos. Sie sitzt an meinem Arbeitsplatz und stiert auf den Monitor.

Nachdem ich die Tür ins Schloss gedrückt habe, bleibt der Kinderlärm ausgesperrt. Ich hole Luft und ziehe meine Jacke aus, um sie an den Garderobenhaken hinter der Tür zu hängen.

»Sonja, gut, dass du endlich kommst«, begrüßt Silke mich. Ihre Wangen glühen, sie ist völlig außer sich.

»Hier brennt der Baum!«

»Guten Morgen, liebe Silke.« Ich lasse mich von meiner Stellvertreterin nicht aus der Ruhe bringen. »Ist mir gar nicht aufgefallen«, sage ich ruhig. »Was ist denn so schlimm an diesem Morgen?«

»Die Doris ist krank heute, Maren auf einer Fortbildung, und Gundi kann nur bis elf.«

»Klingt nach Chaos«, sage ich leise und kaue auf der Unterlippe. Kurz denke ich nach und trete an den großen Personalplan an der Wand. »Dann übernehme ich heute die Igelgruppe und wechsele dann um elf zu den Märchenkindern.« Lächelnd drehe ich mich zu Silke um. Silke bläst sich eine widerspenstige Haarsträhne aus der Stirn, wirft einen Blick auf den Plan und nickt erleichtert. »Wenn du das so sagst, klingt es ganz einfach.« Sie wirkt erleichtert.

»Ist es auch – also einfach, meine ich.« Nun muss ich lachen. Ich mag Silke sehr, als Erzieherin ist sie ein Goldstück, sie ist beliebt bei den Kindern und deren Eltern, macht den Job schon fast zwanzig Jahre.

Nur ein Organisationstalent ist sie nicht gerade. Wenn etwas in der Planung nicht funktioniert, steht sie oft vor unlösbaren Aufgaben.

»Gut, dann gehe ich jetzt in meine Gruppe.«

»Mach das.« Ich nicke, setze mich an den Schreibtisch. Silke schaut mir zu, dann huscht sie aus dem Büro. Den Computer hat Silke schon hochgefahren. Schnell werfe ich einen Blick in die Mails. Nichts Dringendes, alles Dinge, um die ich mich später kümmern kann. Ein Blick auf die Uhr. Kurz vor acht Uhr. Höchste Zeit, Karen in der Gruppe zu unterstützen. Unsere Praktikantin ist seit sieben Uhr hier, um die ersten Kinder in Empfang zu nehmen. Ich stehe auf, umrunde den Schreibtisch und will die Tür gerade öffnen, als es klopft.

»Herein?«

Die Tür wird geöffnet, und ich stehe einem verwegen aussehenden Mann mit leuchtend blauen Augen, langen Haaren und Dreitagebart gegenüber. Ich atme tief ein. Er riecht gut. Männlich, keine Ahnung, was er benutzt, aber sein Duft betört mich auf der Stelle. Er trägt ein Kapuzenshirt zur Windjacke und eine modische Jeans zu Boots. Vom Stil her liegt er zwischen einem Surfertyp und einem Urban Cowboy.

»Frau Bangert?«, fragt er zögernd. Beim Klang seiner Stimme rieselt mir ein angenehmer Schauer den Rücken herunter.

Nicht stottern, nicht stammeln wie ein pubertierender Teenager, schreit alles in mir. Du bist eine erwachsene Frau im besten Alter, da wird dich dieser Cola-Mann doch nicht aus dem Gleichgewicht bringen! Mir wird heiß, und ich spüre, dass ich erröte. »Ja, richtig. Sonja Bangert. Was kann ich für Sie tun?«

Wir reichen uns die Hände. Als er mich berührt, durchzucken mich unzählige winzige Stromschläge. Angenehme Stromschläge, wohl bemerkt.

»Mein Name ist Mayer, Björn Mayer. Wir waren verabredet.«

Mir ist, als leide ich plötzlich an Demenz. In Gedanken gehe ich schnell meinen Terminkalender durch. Ich kann mich nicht daran erinnern, einen Handwerker oder so etwas bestellt zu haben. Und dieses Prachtexemplar von Weiberheld, das besser mit den Chippendales blankziehen sollte, anstatt eine alternde Kita-Leiterin in Verlegenheit zu bringen, steht einfach da und grinst.

»Alles klar?«, fragt er nun hilfsbereit. Das amüsierte Funkeln in seinen Augen bleibt mir nicht verborgen. Macht er sich etwa lustig über mich?   

»Natürlich ist alles klar, was denken Sie denn?«, erwidere ich trotzig und bin bemüht, meiner Stimme einen festen Klang zu geben. »Was kann ich für Sie tun, Herr …«

»Mayer«, hilft er mir auf die Sprünge. »Björn Mayer.« Er drückt die Bürotür ganz auf. Erst jetzt sehe ich, dass er ein kleines Mädchen an der Hand hält.

»Das ist die Sophie«, stellt er mir den kleinen Engel vor. Sophie schaut mit großen, ängstlichen Augen zu mir auf, dann versteckt sie sich hinter ihrem Papa. »Sie erinnern sich bestimmt an meine Tochter?«

»Natürlich«, lüge ich und sinniere, woher ich den Namen Mayer kenne. Dann fällt es mir tatsächlich wieder ein. Eine Lena Mayer hatte ihre Tochter vor den Ferien in der Einrichtung angemeldet. Obwohl wir eine lange Warteliste haben, konnte ich ihr den Betreuungsplatz für Sophie zusagen: Sie hatte sich damals gerade von ihrem Mann getrennt und war jetzt alleinerziehend.

Langsam dämmert es mir – der heiße Typ ist der Vater von Sophie, der Mann, von dem Lena sich getrennt hat.

Wie blöd muss man sein, um einen solchen Mann gehen zu lassen?, schießt es mir durch den Kopf. Mein Herz schlägt etwas schneller, es gelingt mir, den morgendlichen Kita-Wahnsinn auf dem Flur auszublenden. Ich spüre, dass meine Brustwarzen sich unter dem Stoff der Bluse aufrichten.     Mein Gott, hoffentlich bemerkt er nichts!

»Kommen Sie herein«, sage ich und mache eine einladende Geste. Lange kann ich mich nicht mit Björn Mayer unterhalten. Karen wartet schließlich schon in der Igelgruppe auf mich. Wir wollen gleich mit dem gemeinsamen Frühstück beginnen.

»Die Formalitäten habe ich mit Ihrer Frau …«

»Mit meiner zukünftigen Exfrau«, verbessert er mich schnell und lächelt mich warm an. Allein bei seinem Blick spüre ich schon die feuchte Hitze in meinem Unterleib.

Ich bin völlig durch den Wind, nicke, kichere blöde und gehe zum Schreibtisch zurück. »Natürlich«, nicke ich, »mit Ihrer künftigen Exfrau, bereits erledigt.« Ich sinke auf meinen Stuhl und hoffe, dass er nicht bemerkt, wie verlegen er mich macht.

Sonja, rufe ich mich zur Räson, du benimmst dich wie ein Teenager, das ist absolut albern.

Mehr aus Verlegenheit widme ich mich der kleinen Sophie.

»So«, sage ich mit einem Lächeln auf den Lippen. »Du bist also die Sophie. Wie alt bist du denn?«, frage ich, obwohl ich mir ihr Alter schon bei der Antragstellung der Mutter notiert habe.

»Vier«, antwortet der kleine Engel wahrheitsgemäß. »Und ich kann schon lesen und schreiben.«

»Wie schön«, freue ich mich. »Dann muss ich den anderen Kindern ja nicht immer die Geschichten vorlesen – das darfst du dann machen.«

Björn Mayer lächelt, diesmal ein wenig verlegen. »Ihre Mutter war da schon sehr ehrgeizig und hat ihr die ersten Buchstaben gezeigt.«

Nein, ich werde nicht sagen, dass wir das im Kindergarten nicht so gern sehen. Geschäftig suche ich die Mappe, in der sich Sophies Unterlagen befinden. Dann regeln wir die restlichen Formalitäten, und Sophies Vater verabschiedet sich von seinem Kind. Er drückt sie fest an sich und verspricht ihr, sie schon bald wieder abzuholen.

Zu meiner Verwunderung spielt sich in meinem Büro kein Heul-Drama ab. Viele Kinder beginnen an ihrem ersten Kindergartentag, zu weinen, sobald sich die Eltern verabschieden. Björn, ich nenne ihn im Geiste schon beim Vornamen, macht es richtig, er beschwört kein Drama herauf und verabschiedet sich nicht halb so überschwänglich wie es andere Eltern tun und damit ihr Kind ins große Ungewisse lassen. Nein, er macht das sehr gut, stelle ich zufrieden fest.

»Wir sehen uns«, sagt er dann an mich gewandt und nickt mir freundlich zu. Rasch verschwindet er aus dem Büro, ich kann meine ganze Aufmerksamkeit der kleinen Sophie widmen. Doch zuvor atme ich tief durch. Die alleinige Anwesenheit von Björn Mayer hat mich zum Schwitzen gebracht.

Was ist nur los mit mir?

Warum spielen die Hormone verrückt, wenn ich einen attraktiven Mann sehe? Komme ich in die Wechseljahre? Jetzt schon? Ich versuche meine Panik zu verdrängen, nehme Sophie an die Hand und führe sie in die Igelgruppe. Dann endlich beginnt für mich der Alltag.

Vier

Am frühen Abend, als ich nach Hause komme, erscheint mir das große Haus besonders leer. Ich weiß nicht, woran es liegt. Peer ist auf einer Geschäftsreise und kommt wohl erst spätabends zurück. Das ist wohl der Preis, den man bezahlen muss, wenn man in einer gehobenen Position ist und ein gutes Einkommen bezieht.

Ich setze mich auf die kleine Bank in unserem Flur und ziehe die Schuhe aus. Meine Füße brennen wie verrückt. Früher hat Peer mir abends immer die Füße massiert und eingecremt, ganz zärtlich und liebevoll. Das hat er schon lange nicht mehr getan. Heute bin ich der Part unserer Ehe, der sich um ihn sorgt, wenn er müde und gestresst aus dem Büro oder von einer Reise kommt. Ich verwöhne ihn mit seinem Lieblingsessen, stelle ihm ein eiskaltes Bier hin, kraule seinen Rücken und massiere seine verspannten Schultern, ich lasse ihm ein Bad ein und schaue mit ihm Fußball – wenn es sein muss.

Auch im Bett ist es schon lange so, dass ich alles mache, um ihn zu befriedigen. So liebt es Peer, wenn ich ihn mit dem Mund verwöhne. Mir gibt das nicht viel, aber ich mache es Peer zuliebe. Er hingegen ist beim Sex ein kleiner Egoist: Wenn es gut für mich läuft, küssen wir uns vorher, er verwöhnt mich mit dem Finger, bevor er in mich eindringt und nach wenigen Stößen schon zum Höhepunkt kommt. Nicht selten muss ich das, was er unvollendet lässt, mit meinen eigenen Fingern oder mit dem Duschkopf zu Ende bringen.

Ist das der Anfang vom Ende?

In diesem Augenblick wird mir schmerzlich bewusst, dass Peer mich im Gegenzug schon ewig nicht mehr verwöhnt hat, egal ob mit einem Lieblingsessen, mit einem Kinobesuch, einem spontanen Wochenend-Trip oder im Bett.

Ich verspüre das Bedürfnis, mit jemandem über mein Problem zu sprechen. Barfuß betrete ich die Küche und genieße die Kühle der Bodenfliesen. Nach einem enttäuschenden Blick in den Kühlschrank stelle ich fest, dass sich ein Einkauf nicht mehr auf die lange Bank schieben lässt. Seufzend greife ich zur Milchpackung, schraube sie auf und nehme einen tiefen Schluck. Den Milchbart wische ich mir mit den Handrücken fort, während ich mir Gedanken um das Abendessen mache.

Eilig schreibe ich eine Liste mit den Dingen, die ich unbedingt noch besorgen muss. Bevor ich noch einmal losfahre, mache ich mich frisch. Kindergartenarbeit ist Schwerstarbeit, nicht nur seelisch. Wenn man den ganzen Tag über mit den Zwergen springt, hüpft und läuft, ist man abends fertig.

Die Milch wandert zurück in den Kühlschrank, dann begebe ich mich hinauf ins erste Stockwerk. Nachdenklich bleibe ich am ehemaligen Kinderzimmer von Kai stehen. Seit seinem Auszug vor einem halben Jahr nutze ich es als Abstellkammer und als Bügelzimmer. Kai studiert Medizin in Gießen. Wenn überhaupt, dann kommt er nur am Wochenende nach Hause. Derzeit lebt er aber in einer kleinen WG am Rand von Gießen. Und wenn ich seine Andeutungen richtig verstanden habe, dann hat er wohl auch schon eine Freundin gefunden. Es fühlt sich seltsam an, wenn der Sohn flügge wird, doch das ist wohl der Lauf des Lebens.

Mit einem wehmütigen Lächeln auf den Lippen verschwinde ich im Bad. Hier entkleide ich mich. Die Bluse, meine Wäsche und die Hose verschwinden im Behälter für die Schmutzwäsche. Unbekleidet stehe ich vor dem großen Spiegel und betrachte mich. Nun, für Ende vierzig habe ich mich gut gehalten, finde ich. Nachdenklich schaue ich mir mein Gesicht an. Keine Marionettenfalten um den Mund, nur ein paar Lachfalten an den Augen. Damit kann ich leben. Ich streife mein schulterlanges blondes Haar nach hinten. Hals und Schultern sind straff, auch die Brüste. Sie sind mir ein wenig zu klein, gerade mal ein B-Körbchen füllen sie. Doch Peer hat früher immer beteuert, wie toll er meine kleinen Titties findet. Ob das immer noch so ist?

Wie zufällig berühre ich meine Nippel, die sofort unter Strom geraten. Die Knospen werden hart und stehen vor wie Kirschkerne. Ich spüre das Ziehen im Bauch, fühle winzige Blitze, die eine wohlige Wärme zwischen meine Beine schicken.

Erschrocken ziehe ich meine Hände zurück, fahre über meinen Bauch. Eine kleine Wölbung, die ich aber schnell in den Griff bekomme, wenn ich wieder ein wenig bewusster esse und ein wenig Sport treibe. Man muss eben gegen den Verfall ankämpfen, denke ich in einem Anflug von Selbstironie.

Meine Hüften sind gerundet, aber nicht fett, auch die Orangenhaut ist quasi nicht vorhanden. Ich betrachte meinen Schamhügel, der wie immer glatt rasiert ist. Kurz bin ich versucht, ihn zu berühren, sehne mich nach Zärtlichkeit und Erfüllung. Doch ich halte mich zurück.

Nachdem ich mit meiner Betrachtung zufrieden bin, springe ich unter die Dusche und drehe das Wasser auf. Die warmen Wasserstrahlen prickeln auf meiner Haut. Schnell reibe ich mich mit dem wohlduftenden Duschgel ein und seife mich ab. Keine fünf Minuten später steige ich erfrischt unter der Brause hervor, frottiere mich ab und betrete das angrenzende Schlafzimmer.

Schnell schlüpfe ich in einen neuen Slip und BH, greife mir ein bequemes Shirt aus dem Regal und ziehe eine Stretchjeans an, die meinen Hintern betont. Mit einem prüfenden Blick drehe ich mich vor dem Ankleidespiegel neben dem Bett. Mensch, mein Hintern kann sich wirklich noch sehen lassen, denke ich zufrieden, bevor ich wieder ins Bad verschwinde, um mein Haar zu bürsten und um frisches Make-up aufzulegen. Schließlich will ich nicht wie eine Leiche einkaufen gehen. Aber das muss ich nicht. Ohne es mir selbst immer wieder einzureden: Für mein Alter habe ich mich verdammt gut gehalten, und Peer könnte stolz auf mich sein. Punkt.

Fünf

Im Supermarkt erwische ich mich dabei, andere Typen anzulächeln. Was ist nur los mit mir? Mit einem angenehmen Kribbeln im Unterleib schiebe ich den Einkaufswagen unkonzentriert durch die Gänge, nehme das Warenangebot kaum wahr und schiele immer wieder zu den attraktiven Männern, die mir begegnen. Besonders die Exemplare in den schicken Anzügen haben es mir angetan. Ich find die irgendwie süß: Während sie im Job ihren Mann stehen und viel erreicht haben, stehen sie hier teils ratlos, ja sogar hilfesuchend herum und geistern völlig orientierungslos durch den Laden, immer wieder die Liste mit dem Warenangebot vergleichend.

In der Obst- und Gemüseabteilung stehe ich neben einem fast zwei Meter großen, dunkelhaarigen Enddreißiger, der ratlos vor den Kartoffeln steht. Unauffällig parke ich meinen Einkaufswagen neben ihm, betrachte ihn und spüre, wie mein Herz schneller schlägt.

Der Anzug ist nicht von der Stange, er sitzt perfekt und betont seinen muskulösen Oberkörper. Einen Ring kann ich an seiner Hand nicht sehen. Er ist zum Abschuss freigegeben, denke ich mir und fasse mir ein Herz.

»Kann ich Ihnen helfen?«, spreche ich ihn an und hoffe, dass er das Vibrieren in meiner Stimme nicht bemerkt.

Er schaut mich überrascht an und lächelt hilflos. »Ich fürchte, der Unterschied zwischen festkochenden und mehligen Kartoffeln ist mir nicht bekannt.«

Beim angenehm warmen Klang seiner Stimme richten sich die feinen Härchen auf meinen Unterarmen auf.

»Instinktiv würde ich die mehligen nicht wählen, es klingt irgendwie … unappetitlich, finden Sie nicht?«

Er lächelt mich frech an und scheint Spaß an unserem kleinen Flirt zu haben. 

»Das kommt darauf an, was Sie kochen wollen«, antworte ich und schenke ihm einen lasziven Augenaufschlag. So unauffällig wie möglich sauge ich die Luft ein und genieße den betörenden Duft seines Aftershaves.

»Die Bezeichnung hängt vom Anteil der Stärke in den Kartoffeln ab«, erkläre ich ihm geduldig. »Was wollen Sie denn kochen?«

Er schaut mich an wie eine Geisteskranke, sein eben noch weltmännisches Lächeln wird zu einer starren Maske. »Ähm … Kartoffeln will ich kochen«, sagt er irritiert.

Nun muss ich lachen. Er stimmt ein, das Eis ist gebrochen. Gerade noch mal die Kurve gekriegt, denke ich. »Festkochende Kartoffeln eignen sich für Pell- und Bratkartoffeln, aber auch für Kartoffelsalat und ein Gratin«, helfe ich ihm auf die Sprünge. »Mehlige Kartoffeln werden für Aufläufe, Püree oder Kartoffelsuppen verwendet.«

Jetzt nickt er verstehend, greift zu einem Netz mit festkochenden Kartoffeln. »Die scheinen mir die wahren Allround-Talente zu sein«, grinst er und wiegt sie mit der Hand. Jetzt betrachtet er mich mit offener Neugier. »Wie ist es mit Ihnen? Sind Sie auch ein Allround-Talent?«

»Wie bitte?« Ich bin verdutzt, dann folge ich seinem Blick. Er hat meinen Ehering entdeckt. »Ach so«, lache ich. »Nein, war nicht so gemeint, ich wollte wirklich nur helfen.«

Er grinst schief und nickt. »Kein Problem, ich bin für jede Hilfe dankbar«, sagt er und hebt die Hand mit dem Kartoffelnetz noch einmal hoch. »Danke also. Vielleicht wollen wir die Knollen zusammen zum Kochen bringen?«

Der raue Unterton in seiner Stimme bringt eine Saite in mir zum Klingen, die ich schon lange nicht mehr wahrgenommen habe. Ein Schauer rieselt meinen Rücken herunter. Ich spüre, wie mir das Blut bis unter die Haarspitzen schießt, und senke kurz den Blick. Allein die Vorstellung, mit diesem Mann in der Küche zu stehen und eine Mahlzeit zuzubereiten, bringt mich an den Rand des Wahnsinns. Schlaglichtartig tauchen Bilder vor meinem geistigen Auge auf. Ich sehe, wie wir uns noch in der Küche leidenschaftlich küssen und uns die Kleider vom Leib reißen, wie wir ausgebrannt vor Sehnsucht auf den Küchenboden sinken und uns auf der Stelle lieben.

Die Schmetterlinge im Bauch lassen sich nicht mehr ignorieren. Mir wird heiß, meine Brüste spannen und ich spüre, wie mein Slip feucht wird.

»Alles in Ordnung mit Ihnen?«, reißt mich seine warme Stimme aus den heißen Gedanken. Nun ist es an ihm, besorgt dreinzublicken.

Da sind wir wohl wieder ein wenig zu forsch gewesen, denke ich schuldbewusst. »Ich bin leider schon verplant«, sage ich schnell. »Aber danke für das Angebot!« Hastig schiebe ich meinen Wagen weiter und lasse ihn stehen. Fast körperlich spüre ich seine Blicke in meinem Rücken. Wahrscheinlich wird er mich jetzt für völlig verrückt halten. Ich werfe einen Blick auf die Armbanduhr. Es ist schon spät, und ich möchte zu Hause sein, wenn Peer kommt.

Sechs

Peer kommt nicht. Ich muss vor dem Fernseher eingeschlafen sein. In der Küche brennt das kleine Licht über der Arbeitsplatte, im Wohnzimmer ist der Flimmerkasten die einzige Lichtquelle. Ein einziges Glas Rotwein hat gereicht, um mich müde zu machen. Der Privatsender, den ich vor dem Einschlafen geschaut habe, sendet Werbung. Schrille, hektische Bilder blenden mich. Schlaftrunken greife ich zur Fernbedienung und schalte um. Auf einem anderen Sender läuft eine Naturreportage. Das ist erträglich, denke ich. Luftaufnahmen, blauer Himmel, die Kamera scheint über einen naturbelassenen Fluss zu fliegen. Eine sonore Stimme aus dem Off berichtet über die Eigenheiten Alaskas zur Winterzeit. Dann eine Blende. Ich sehe eine idyllische Schneelandschaft.

Langsam nur kehre ich in die Wirklichkeit zurück. Ein Blick zur Uhr verrät mir, dass es nach elf Uhr abends ist. Höchste Zeit für mich, ins Bett zu gehen. Ich schiebe die Wolldecke, unter der ich es mir gemütlich gemacht hatte, fort und richte mich auf. Auf dem Tisch liegt mein Handy. Ich werfe einen Blick auf das Display. Keine Nachricht von meinem Mann, kein Anruf in Abwesenheit, nichts.

Nun beginne ich, mir Sorgen zu machen.

Ob ich ihn anrufen soll?

Wenn er aber trotz später Stunde noch mit Kollegen zusammen ist, wirft es ein falsches Licht auf ihn. Ich will nicht, dass man hinter seinem Rücken plaudert und behauptet, er würde bei mir unter dem Pantoffel stehen. Also übe ich mich in Geduld. Peer ist ein freier Mann, er arbeitet viel, und ich vertraue ihm. Er ist nicht der Typ Mann, der sich eine Geliebte hält. Trotz dieser Überzeugung beschleicht mich ein flaues Gefühl, als ich aufstehe. Gähnend strecke ich mich, greife noch einmal zur Fernbedienung und schalte den großen Flatscreen ab. Im Dunkel schleiche ich aus dem Wohnzimmer. Kurz gehe ich in die Küche, trinke einen Schluck Wasser, dann schleppe ich mich müde nach oben ins Schlafzimmer. Schlaftrunken streife ich den kuscheligen Hausanzug ab und werfe ihn über den Stuhl neben dem Bett. Unter der Bettdecke wartet ein frisches Nachthemd auf mich. Gähnend schlüpfe ich in die weiche Baumwolle, werfe einen letzten Blick in den Spiegel. Ein wenig mädchenhaft sehe ich schon aus in dem Teil - es hat kurze Ärmel und einen V-Ausschnitt, eine verspielte Spitzenkante und das romantische Blumendesign. Doch ich mag es.

Kurz verschwinde ich im Bad, um mir die Zähne zu putzen, danach habe ich es eilig, endlich ins Bett zu kommen. Es fühlt sich einsam und leer an, ich vermisse Peer.

Ob er schon angerufen hat?

Eine Textnachricht geschickt hat?

Blöderweise liegt mein Smartphone noch unten im Wohnzimmer. Kurz überlege ich, es zu holen, verzichte aber darauf. Gähnend kuschele ich mich ein und lösche das Licht. Der Mond scheint durch die Gardinen des Fensters. Das Mobiliar wirkt bizarr und irgendwie surreal. Lange Schatten scheinen über den Boden zu kriechen. Ich rolle mich auf die Seite und ziehe die Bettdecke bis zum Kinn. Es dauert keine zwei Minuten, und ich falle in einen tiefen Schlaf. Doch lange weile ich nicht im Land der Träume. Ein Geräusch weckt mich. Mein Herz klopft mir bis zum Hals. Ich schlage die Augen auf und lausche in die Dunkelheit des Hauses. An das Alleinsein habe ich mich in den letzten Jahren schon gewöhnt, Angst habe ich eigentlich nicht. Doch in letzter Zeit liest man so viel von Einbruchsbanden. Sie kommen nachts, schlagen ein Fenster ein, rauben innerhalb weniger Minuten alles, was in der Kürze der Zeit greifbar ist und verschwinden dann über alle Berge. Einmal, daran erinnere ich mich, wurde ein alleinstehender Mann in seinem Haus angetroffen. Sie haben ihn mit einem Messer niedergestochen und völlig unbeeindruckt von dem Zwischenfall alles geraubt, was nicht niet- und nagelfest war.

Ein Schauer rieselt meinen Rücken herab, als ich das Geräusch zum zweiten Mal höre. Schnell bin ich mir sicher, dass das die Haustür gewesen ist.

Ist das Peer?

Ich halte die Luft an und lausche. Nein, Peer hätte abgeschlossen und die Panzerkette von innen vorgelegt. Nichts dergleichen kann ich hören, aber Schritte, die sich schnell nähern. Die Schritte kommen die Treppe herauf, verstummen sekundenlang, dann geht mein ungebetener Gast weiter.

Nun bekomme ich es doch mit der Angst zu tun. Warum, verdammt, liegt mein Handy im Wohnzimmer? Würde es jetzt, wie sonst üblich, neben mir auf dem Nachtschrank liegen, hätte ich schon längst die Polizei gerufen.

Mein Herz schlägt wie verrückt.

Die Schritte nähern sich.

Soll ich das Licht anschalten und den Einbrecher empfangen? Oder ist es besser, wenn ich mich schlafend stelle? Lassen sie mich dann in Ruhe?

Die Gedanken rasen durch meinen Kopf. Wie viele Frauen bereits vergewaltigt wurden, weil sie von Einbrechern überascht wurden, weiß ich nicht. Aber ich habe plötzlich Bilder im Kopf und bekomme Todesangst.

Bevor ich einen klaren Gedanken fassen kann, fliegt die Schlafzimmertür auf. Der Eindringling hat sie so energisch aufgestoßen, dass sie an die dahinterliegende Wand knallt und langsam zurückpendelt.

Ich schaue zur Tür. Ein greller Lichtschein fällt ins dunkle Schlafzimmer. Im Rahmen steht eine hochgewachsene Gestalt, regungslos, stumm.

Habe ich seit Ewigkeiten nicht mehr gebetet, so schicke ich jetzt ein Stoßgebet in den Himmel. Mein ganzer Körper zittert. So kann ich mich doch unmöglich schlafend stellen.

Der Einbrecher tritt näher. Ich kneife die Augen zu und versuche, ruhig zu atmen. Zwei Schritte, drei Schritte, dann muss er vor dem Bett stehen. Regungslos, so hat es den Anschein, steht er da und betrachtet mich. Zaghaft blinzele ich durch die Augenlider, sehe aber nichts als einen großen, bedrohlichen Schatten, der direkt neben dem Bett in die Höhe wächst.

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    Kathy Fox (Autor)

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Titel: Abenteuer zu Dritt: Erotischer Roman, Erotik, Erotikroman