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Schicksalsschmiede

von Alexandra Scherer (Autor)

2016 0 Seiten

Leseprobe

Kurz vorab

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

wie schön, dass du dich für diesen booksnack entschieden hast! Wir möchten dich auch gar nicht lange aufhalten, denn sicher hibbelst du der folgenden Kurzgeschichte schon voller Freude entgegen.

Vorab möchten wir aber ganz kurz die wichtigsten Merkmale einer Kurzgeschichte in Erinnerung rufen:

  1. Der Name ist Programm: Alle Kurzgeschichten haben ein gemeinsames Hauptmerkmal. Sie sind kurz.
  2. Kurz und knapp sind auch die Handlung und die erzählte Zeit (Zeitsprünge sind eher selten).
  3. Ganz nach dem Motto »Einleitungen werden total überbewertet« fallen Kurzgeschichten meist sofort mit der Tür ins Haus.
  4. Das zweite Motto lautet »Wer braucht schon ein Happy End?« Also bereite dich auf einen offenen Schluss und/oder eine Pointe am Ende der Geschichte vor. Das Geheimnis dahinter: Kurzgeschichten sollen dich zum Nachdenken anregen.
  5. Versuch deine Neugier zu zügeln, denn auch für die Beschreibung der Charaktere und Handlungsorte gilt »in der Kürze liegt die Würze«.
  6. Die Aussage des Textes ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Hier bist DU gefragt, um zwischen den Zeilen zu lesen und deine persönliche Botschaft aus der Geschichte zu ziehen.

Jetzt bist du gewappnet für unseren literarischen Snack. Und findest du nicht auch, dass man diesen gleich noch mehr genießen kann, wenn man weiß was drin ist?

 

Viel Spaß beim Booksnacken wünscht dir

Dein booksnack-Team

booksnacks

Über dieses E-Book

Knappe Diether vom Bergpass hat seinen Vater unter tragischen Umständen verloren und Ritter Falk hat einen Eid geleistet, Diether wohlbehalten zu dessen elterlichen Burg zu geleiten. Auf dem Weg dorthin rasten die zwei in der Schmiede von Wieland.
Seltsame Dinge geschehen dort und auch auf Burg Bergpass.
Ritter Falk sieht sich unversehens verwickelt in den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse.
Werden die ritterlichen Tugenden bestehen gegen die heidnischen Kräfte, die das Land in Bann halten?

Impressum

booksnacks

Erstausgabe November 2016

Copyright © 2020 booksnacks, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Made in Stuttgart with ♥
Alle Rechte vorbehalten

E-Book-ISBN: 978-3-96087-071-5

Covergestaltung: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
unter Verwendung eines Motivs von
fotolila.com: © Maksim Šmeljov
Korrektorat: Daniela Höhne

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

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Wenn der Wind von den Bergen her wehte, konnte man die Hammerschläge weithin hören. Gleichmäßige metallische Klänge verkündeten den Wanderern: „Hier ist ein Ort der Sicherheit!“

Seit undenklichen Zeiten wachte dort die Schmiede. Keiner wusste, was zuerst gewesen war: die Straße oder die Schmiede. Dort wurde im Feuer gereinigt und geformt – nicht nur Metall.

Ein Gebäude aus Stein, nach einer Seite offen, in der Mitte die Esse, in der das Feuer Tag und Nacht glühte. Daneben der Amboss.

 

***

 

Wieland Schmied stellte den Hinterhuf des Hengstes vorsichtig auf den Boden zurück.

„Das Tier braucht ein paar Tage Ruhe. Ihr hättet ihn nicht mehr reiten sollen, als er das Hufeisen verlor.“

„Was ich zu tun oder zu lassen habe, geht Dich nichts an, Schmied. Sorge dafür, dass der Klepper mich zu meinem Ziel bringt. Alles Weitere muss Dich nicht kümmern.“

Der hünenhafte Handwerksmeister betrachtete sein Gegenüber. Dessen Mundwinkel waren nach unten gezogen, die Augen blickten zornig und voller Wut in eine Welt, die es wagte, ihm Hindernisse in den Weg zu legen.

„Nun Herr, ich werde einige Zeit benötigen. Ich muss spezielle Eisen fertigen. Vor Morgen kann ich Euren Rappen nicht beschlagen.“

„Fauler Gesell! Wer ist Dein Lehnsherr? Ich werde Sorge tragen, dass er von Deiner Saumseligkeit gegenüber einem Höhergeborenen erfahren wird.“

„Ich bin frei und nur mir und meinem Gott verantwortlich. Wenn Ihr hier übernachten wollt, empfehle ich die Schenke“

Die Kinnmuskeln des Ritters traten kurz unter dem spärlichen Bart hervor. Er spuckte aus, bevor er kurz nickte. „So sei es. Junge, bring die Tiere in den Stall und versorge sie. Du kannst dann beim Rappen schlafen. Spute Dich!“

 

Damit drehte er sich um und verschwand in Richtung Schenke. Zurück blieb ein magerer Junge in zerrissener Kleidung, der ein struppiges Pony und ein staubiges Maultier am Zügel hielt. Es war schwer zu entscheiden, wer von den Dreien magerer war. Fest stand, dass man im Gesicht des Kindes frische und verblassende Zeichen von Schlägen sah.

Der Schmiedemeister betrachtete den Jungen eine Weile stumm, dann traf er eine Entscheidung. „Mein Lehrling zeigt Dir, wo der Stall ist. Er hilft Dir beim Versorgen der Tiere. Danach komm wieder her.“

In einer Ecke der großen Schmiedewerkstatt standen ein Tisch und zwei Bänke. Als der Junge zurückkam, saß der Hüne am Kopfende der Tafel. Auf dem Tisch ein würzig duftender Eintopf, frisches warmes Fladenbrot, ein großer Mostkrug, Becher und Schalen aus Holz. Links und rechts auf den Bänken warteten die Lehrlinge und Gesellen des Schmiedes darauf, das Mahl zu beginnen.

„Komm Junge, leiste uns Gesellschaft. Es ist genug für alle da. Hier, setz Dich, iss.“

Scheu neigte der so Eingeladene den Kopf zum Dank und zog einen hölzernen Löffel aus seiner Gürtelschlaufe. Hungrig löffelte er den Eintopf und biss genussvoll in einen Kanten Brot. Als seine Schüssel leer war, deutete ihm sein Gastgeber an, ruhig noch einmal zu schöpfen. Trotz des offensichtlichen Hungers aß der Knabe manierlich und zeigte eine gewisse höfische Sitte. Nach der dritten Portion schob er die leere Schüssel von sich. Nun hatte er Muße sich umzusehen, während der Schmied mit seinen Leuten die Arbeiten für den nächsten Tag besprach.

Ein Rabe saß, von dem Jungen unbemerkt, in einer Ecke des Raumes und beobachtete ihn stumm mit blinkenden Knopfaugen.

Der riesige Amboss, der im Zentrum der Schmiede stand, war seltsam zerkratzt an den Seiten. Müßig wunderte sich der Junge darüber, schien ansonsten alles Werkzeug sorgfältig gepflegt.

Er zuckte zusammen. Plötzlich krächzte der Rabe auf und flog quer durch den Raum, um sich auf der Schulter seines Herrn niederzulassen. Dies nahmen die Gesellen als Zeichen und verabschiedeten sich zur Nacht.

Langsam versank die Außenwelt in der Dämmerung, das Feuer in der Esse glühte, einzelne Flammen ließen die seltsamen Kratzer auf dem Amboss im Spiel von Licht und Schatten tanzen. Fast, als würden Runen entstehen und das Licht eine Geschichte auf dem harten Eisen schreiben.

„Nun, Junge, erzähl mir von Dir und Deinem Herrn. Wo kommt Ihr her? Wo geht es hin?“, forderte Wieland seinen Gast auf und fütterte währenddessen den Raben mit einem Brocken Fleisch, der noch vom Abendmahl übrig war.

„Ich bin Diether vom Bergpass und seit kurzem Knappe des edlen Ritters Falk von Greifenhorst. Mein Vater war Gieselmund vom Bergpass. Vor einigen Monaten, als wir im Namen des Königs unterwegs waren, erkrankte er plötzlich und starb innerhalb weniger Stunden.

Der Ritter Falk erbarmte sich meiner und nahm mich als Knappen auf. Der Rappe war meines Vaters Streitross. Bitte Herr, er wird doch wieder gesund? Der Hufschmied in der Ebene hatte meinen Herrn gewarnt, dass er neue Eisen benötigt. Ritter Falk meinte, bis zu unserem Ziel würde es noch reichen.“

Sanft kraulte der Schmied die Brust des Raben, der genüsslich die Augen schloss.

„Nun, der Rappe benötigt etwas Ruhe. Die Heilerin ist gerade bei ihm und versorgt seinen Fuß und bis wir dann morgen zum Beschlagen kommen … Wo liegt Euer Ziel?“

„Wir reiten zur Burg Bergpass. Ritter Falk will meiner Mutter persönlich vom Ableben meines Vaters berichten.“

„Die Burg ist noch einen Tagesritt entfernt. Mit ein wenig Glück wird der Rappe den Weg gut überstehen. Was ist aus dem Streitross des Ritters geworden?“

Der Junge kämpfte mit den Tränen. „Der Ritter ist gütig. Ich bin manchmal tollpatschig und als gerechter Herr züchtigt er mich, nur zu meinem Besten. Herr Falk mag es nicht, wenn ich zu viel mit Fremden rede. Verzeiht mir, Herr, wenn ich zu geschwätzig war. Ich bedanke mich für das Mahl. Erlaubt Ihr, dass ich zu dem Rappen gehe?“

Der Schmied sah der kleinen Gestalt nach, die in der Dunkelheit verschwand. Der Rabe raschelte mit den Flügeln und krächzte.

„Ja, mein Freund, ich denke, da könntest du Recht haben. Wir werden sehen. Aber nun, ab mit Dir. Es ist spät.”

 

***

 

Die Sonne stand hoch am Himmel, bevor Ritter Falk mit schwerem Kopf und schlechtem Atem in der Schmiede vorstellig wurde. Wieland stand am Amboss und formte mit kräftigen Schlägen ein heißes Eisen. Er schien den übelgelaunten Mann nicht zu bemerken, der bei jedem Hammerschlag schmerzhaft zusammenzuckte.

„Schmied! Bist Du immer noch nicht fertig mit dem Klepper? Was fällt Dir ein? Muss ich Dich erst mein Schwert spüren lassen?“

Der Hüne stützte sich auf den Stiel seines schweren Hammers, der auf dem großen Amboss ruhte.

„Ihr könnt es gern versuchen. Wir werden sehen, ob Euer Schwert gegen den Hammer bestehen kann, der es geformt hat. Ich schlage vor, Herr, Ihr verbringt den Tag in der Schenke und schlaft noch eine Nacht hier. Morgen in der Frühe werdet Ihr weiter reisen können, auf einem ausgeruhten und frisch beschlagenen Pferd. Seht Ihr den Schwarm Raben dort drüben am Berghang? Das bedeutet, dass in Kürze ein Sturm aufzieht. Ihr seid hier sicherer als auf freiem Feld.”

Wie zur Bestätigung war fernes Donnergrollen zu hören.

„Knappe!“, rief der Ritter zornig und als der Junge eilfertig zu ihm kam: „Wo hast Du Dich umgetrieben? Kaum kehre ich Dir den Rücken zu, legst Du Dich auf die faule Haut. Wenn wir hier schon festsitzen, kannst Du genauso gut die Waffen und die Rüstung ölen und polieren. Hinfort!“

Falk wandte sich wieder in Richtung Schenke, hielt kurz inne und sprach eine Warnung aus: „Habt Acht, Schmied! Der Junge ist verschlagen. Glaubt ihm nicht alles, was er erzählt. Am besten haltet Ihr euch alle von ihm fern!“

Diether blieb mit herabhängenden Schultern zurück und blickte dem Ritter unglücklich nach.

„Bring die Rüstung und die Waffen her. Meine Gesellen werden sie prüfen und ausbessern.“

Dankbar nickte der Junge und wenig später ertönte aus der Schmiede die fröhliche Musik mehrstimmigen Klopfens unterschiedlich großer Hämmer.

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    Alexandra Scherer (Autor)

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