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Die schöne Köchin Mathilda

(Kurzgeschichte, Krimi)

von Monika Detering (Autor)

2016 19 Seiten

Leseprobe

Über die Kurzgeschichte

Die schöne Köchin Mathilda besitzt ein Restaurant. Herr Heinemann sucht eine Köchin, und findet bei ihr die passenden Gerichte. Seine Frau kommt mit. Als Überraschung hat er einen Zwerg dabei und mit jedem Besuch werden es mehr. Die Zwerge haben Namen, bekommen ihr Essen wie Heinemanns.

Westfälische Küche kann Mathilda, das bestätigt auch Eduard, Ober und Helfer in allen Nöten. Gäste amüsieren sich, wenn Herr Heinemann sich mit den Zwergen unterhält. Mathilda nicht. Weder Heinemanns noch Eduard entpuppen sich als die, die sie zu sein vorgeben. Der siebte, der einzige lebendige Zwerg kann trotz eines raffinierten Plans nicht das tun, was er will.

Über die Autorin

detering fuer ebookMonika Detering wollte Schiffsjunge, Malerin oder Schriftstellerin werden. Die letzteren Wünsche waren den Eltern zu unseriös (vom ersten ahnte niemand etwas). Sie arbeitete viele Jahre als Puppenkünstlerin mit zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland wie Washington, Philadelphia und New York. Durch lange Aufenthalte an der Nordsee wurde das Meer ihr Sehnsuchtsort. Sie war als freie Journalistin tätig und entschied sich später für das belletristische Schreiben. Gemeinsam mit dem Autoren Horst-Dieter Radke erfand und schreibt sie die historische Krimiserie um Puff & Poggel, mit Blick in die 50er Jahre auf fiktive Ereignisse in Mülheim an der Ruhr. Als Gegenpol zum „Kriminellen“ veröffentlichen sie sommerleichte Inselromane. Neben dem gemeinsamen Schreiben publiziert jeder für sich Soloprojekte.

Monika Detering ist Mitglied bei den »Mörderischen Schwestern« und den »42erAutoren«.

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Impressum

Neuausgabe Januar 2017


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Copyright © 2016


Ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH

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Alle Rechte vorbehalten

Die schöne Köchin Mathilda


ISBN 978-3-96087-083-8

Titel- und Covergestaltung: Özer Grafik Design

Bildnachweis: YariK/fotolia.com

Korrektorat: Daniela Pusch

Die schöne Köchin Mathilda ist bereits 2012 im Verlag LEDA in der Anthologie Westfälisches Mordkompott erschienen.

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.


Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Buches sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Die schöne Köchin Mathilda



Monika Detering

1

Gutaussehende Köchin gesucht …

Diese Anzeige in den Ruhr Nachrichten machte ‚Mathildas Restaurant’ für kurze Zeit berühmt.

***

Erst vor Kurzem hatte Mathilda ihr winziges Restaurant eröffnet. Als sie in der Zeitung auf die Anzeige Gutaussehende Köchin gesucht … stieß, stutzte sie. Köchin für einen Privathaushalt in Bochum-Langendreer, Nähe Bahnhof. Wer so etwas will, kann auch gleich zu mir kommen, dachte sie. Ich sehe gut aus. Und meine Gerichte wie Dicke Bohnensuppe und Reibekuchen sind fantastisch. Nur wissen das nicht alle. Noch nicht. Ich rufe da jetzt an. Vielleicht bekomme ich dadurch neue Gäste.

»Hier Heinemann, wer ist da?«

»Sie suchen eine Köchin?« Den kurzen Satz modulierte Mathilda sorgfältig. »Drei Mal in der Woche?« Sie wusste, wie sehr es darauf ankam, die eigene Stimme wirken zu lassen. Ihre war etwas heiser und kam besonders gut bei Männern an.

»Wieso Köchin? Wer spricht bitte?«

»Mathilda Enghel mit ‚ha’ in der Mitte, Liebhaberin der westfälischen Küche und Restaurantbesitzerin. Sie haben da im Blatt eine Anzeige.«

»Ich? Augenblickchen.« Mathilda hörte, wie die Frau ‚Jupp’ brüllte. »Mein Mann ist wohl im Schrebergarten und liest seinen Gartenzwergen vor«, sagte Frau Heinemann jetzt in normaler Lautstärke. »Die Anzeige muss er aufgegeben haben. Wissen Sie, wenn wir uns streiten, koche ich nicht. Wir streiten oft. Sie verstehen?«

»Nicht unbedingt.«

»Haben Sie keinen Mann?«

»Ich habe ein Restaurant.«

»Der Jupp, der isst wahnsinnig gern und nun gibt es nichts. Seine doppelt belegte Kniften, also seine Butterbrote, die kann er sich nämlich selber schmieren. Aber die reichen ihm nicht mehr. Natürlich nicht. Nach sechs Wochen ist das für ihn schlimmer als mein konsequenter Liebesentzug.« Die Frau kicherte. Es klang irgendwie unanständig.

»Heißt das, Sie brauchen jetzt doch keine Köchin?«, fragte Mathilda.

»So würde ich das nicht sagen. Essen sollte er schon gut, der Jupp. Sie haben ein Restaurant? Und wo genau?«

»Das ist Mathildas Restaurant, mit 1a westfälischen Gerichten, liegt direkt am Ümminger See, das Häuschen ein Stück weit hinter dem Parkplatz. Am besten kommen Sie über die Straße Ümminger See …«

»Danke, danke, ich bin ja aus der Ecke. Westfälisch? Wir kommen. Det Jüppken hasst ja regelrecht Westfälisches, diese Gerichte mit dem ganzen Quabbelfleisch. Den hat man in der Kindheit zu lange mit Panhas, wissen Sie, mit diesem Blutkuchen, dieser Blutwurst, vollgestopft.«

Nach diesem Gespräch nickte Ilse Heinemann zufrieden. Ganz außerordentlich.

***

Zwei Tage lang hatten die ausgelösten Hammelkeulen in Buttermilchbeize gelegen. Jetzt glühten die Backöfen und Mathilda auch. Sechs Vorbestellungen lagen vor. Fünf Tische waren besetzt. Auch an den Wochenenden bot sie nur zwei, höchstens drei Gerichte an.

Eduard, ihr Kellner, ihr Mann für fast alles, überprüfte die Plundermilch und stellte Zimt und Zucker bereit. Mathilda strich das weißblonde, kurz geschnittene Haar aus der Stirn. Durch die Küchenklappe taxierte sie mit einem schnellen Blick die Gäste.

Eduard kam mit den Getränkebestellungen. »Tisch vier fragt nach dir. Guck mal.«

Eine große Frau mit dickem rotblondem Haar, hochgesteckt, im langen weißen Hemd. Neben ihr ein Schmalbrüstiger. Graue Locken wallten schulterlang. Eine lilafarbene Weste hielt ihn zugeknöpft. Der Mann sog derart seine Wangen ein, dass er ziemlich ausgehungert wirkte.

Die Frau stieß ihn an. »Lass das«, schien sie zu sagen, tätschelte seinen Arm und zwinkerte ihm zu.

Er machte weiter auf Hunger. Dadurch schoben sich seine Lippen nach vorn. Es war, als würde er die Luft küssen.

»Du heiliger Bimbam, ich ahne es, die Anzeige …«, sagte Mathilda zu Eduard, während sie das Fleisch behutsam in Scheiben schnitt. Sie begrüßte das Paar und gab ihrer Stimme einen kompetenten Klang. »Heute kann ich Ihnen Feldsalat, westfälischen Hammelbraten und frische Plundermilch anbieten. Alternativ habe ich Dicke Bohnensuppe im Angebot.«

Der Duft nach Speck und Fleisch, nach Gewürzen verteilte sich bedächtig, und die Gäste leckten sich die Lippen.

»Gottchen«, stöhnte der Lockige. »Westfälisch! Furchtbar. Mir wird schlecht.«

Die Frau strahlte. »Einmal Hammel. Und du, Jupp?«

»Haben Sie nichts anderes?«, jammerte er laut.

An den umliegenden Tischen stockten die Unterhaltungen. Die Sprachlosigkeit der Gäste schien Herrn Heinemann nicht zu stören, weil er in Mathildas tiefblaue Augen schaute. So als versuche er, sich an dem Blau, blau wie Kornblumen, satt zu essen.

Die Frau stieß ihren Mann mit dem Ellenbogen kräftig an. »Nun sag doch was, Jupp, Herrjemine.«

Erschrocken zuckte er zusammen. »Ach – Sie haben Plundermilch? Wie früher?« Ein angedeutetes Lächeln zuckte um seinen Mund. »Sie sind die Köchin?«

»Ja. Wer hat Ihnen meinen Laden empfohlen?«

»Meine Frau. Die weiß immer alles. Gestatten: Mein Name ist Heinemann.« Er nickte der Rotblonden zu. »In welchem Haus haben Sie vorher gearbeitet?«

»Nicht in Bochum.« Mathilda reichte Frau Heinemann die Hand. »Dann haben wir zwei wegen der Anzeige miteinander telefoniert? Und was möchte Ihr Mann nun? Eine Köchin für zu Hause? Oder was?«

»Und was möchte Ihr Mann nun?«, äffte er nach. »Warum fragen Sie mich nicht?«

Mathilda hatte keine Zeit für eine Unterhaltung.

Jupp Heinemann betrachtete sie wie ein Bild, betrachtete Mathilda, die angenehme einsachtundsechzig groß war, ein erdbeerrotes ärmelloses T-Shirt trug und eine dreiviertellange rote weite Hose, er sah sich diese Köchin an, die unverschämt leuchtete und ein unangebrachtes Kribbeln in ihm auslöste.

»Also, was darf ich Ihnen bringen?«

Jupp warf mit schwungvoller Bewegung sein Haar nach hinten. »Hammel.« Er seufzte unterwürfig.

»Zwei Menüs, Getränke haben Sie bestellt?« Das Paar nickte. Mathilda eilte in die Küche. Während Eduard am Tisch eins und zwei servierte, Zeit fand für gut gewürzten Klatsch, während Ilse Heinemann versonnen zu dem Kellner rüberblickte. Mathilda beobachtete durch die offene Küchenklappe, wie der Mann, dieser Jupp, sie nachdenklich anstarrte. Als wenn er etwas von mir wollte, ging es ihr durch den Kopf. Etwas später nahm sie seine Nachbestellung auf, bemerkte dabei, wie seine Frau Ilse missbilligend guckte. Mathilda kam auch zum Abräumen und fühlte sich erneut ziemlich von diesem Jupp beobachtet.

»Freut mich, dass es Ihnen geschmeckt hat«, sagte sie, ehe sie in der Küche verschwand. Eduard bot zum Abschluss einen Klaren an. Ilse winkte ab. Jupp hob das Glas und deklamierte: »Essen und Beischlaf sind die beiden großen Begierden des Mannes. Konfuzius.« Trank und schüttelte sich.

Ilse raschelte mit ihrer Handtasche. Eduard machte so eine Verbeugung, wie es in alten Filmen mit befrackten Obern zu sehen war.

»Da du meine Begierden nicht erfüllen willst, werde ich vielleicht doch zwei Mal die Woche in diesem Restaurant essen«, ergänzte Jupp sein Zitat.

»Zwei Mal die Woche? Soso. Sehr frei nach Luther. Komm, ich will nach Hause.«

2

Mathilda konnte so bezaubernd lächeln, dass niemand etwas anderes als herzliche Offenheit dahinter vermuten würde.

Dass ihre männlichen Gäste sie gern anschauten, war gut fürs Geschäft. Dass Jupp Heinemann schon zwei Tage später wieder kam, reservierte und sie intensiv musterte, freute sie zum einen und letzeres übersah sie. Hungrige Blicke kannte sie. Sie nickte zustimmend, als er fragte, ob er neben seiner Frau einen weiteren Gast mitbringen könne. »Ja, natürlich. Warum denn nicht?«

***

Auch der Restaurantkritiker Schiewe hatte sich angesagt. Sagte, er wolle ganz privat, eins ihrer Gerichte probieren. »Außerhalb jeder Bewertung. Wirklich!«

Mathilda glaubte ihm nicht. Sie hatte ihn einmal mit der ihr eigenen westfälischen Zurückhaltung spröde abblitzen lassen. So etwas vertrug kein Mann.

Der Besuch roch nach Stress. Es hatten sich auch Heinemanns angesagt. Deshalb vertagte Mathilda den Eintopf mit Stielmus und Mettwürsten auf morgen.

Und wegen dem Schiewe umwickelte Mathilda Ostsee-Steinbutt mit westfälischem Schinken. Dazu sollte es Bratkartoffeln geben und hellgoldenes Bochumer Fiege Pils.

Schiewe kam.

Heinemanns kamen auch.

Jupp entdeckte das Schild: ‚Reserviert’ und eilte darauf zu. Das ist mein Tisch!

Das Gleiche machte Schiewe.

Jupp war schneller und setzte eine besonders hohe Tüte auf einem Stuhl ab. Ilse kam hinterher.

»Der Tisch ist für mich reserviert«, blaffte Schiewe.

»Da irren Sie.«

Schiewe hielt einen Stuhl fest. Schnell setzte sich Frau Heinemann. Jupp tat es ihr nach. Der dritte wurde mit der Tüte belegt.

»Wenn Sie wüssten, wer ich bin«, raunzte Schiewe, und ließ sich auf den Stuhl neben der Tüte nieder. »Was haben Sie da drin? Was zu essen?« Schiewe lachte meckernd.

Jupps Arm legte sich über das Mitgebrachte.

Mathilda eilte herbei. »Lieber Herr Schiewe, fein, dass Sie kommen konnten. Am Fenster habe ich einen besonders schönen Platz für Sie reserviert. Dort können Sie auf den See schauen …«

Schiewe murrte. Selbst sein dünner langer Körper murrte. Als sie ihn zum Tisch führte, für ihn den Stuhl vorzog, flüsterte er: »Mein liebes Kochmäuschen, dich krieg ich noch!«

»Nie im Leben«, sagte Mathilda.

Schwiewes Mundwinkel kräuselten sich und endeten in einem bösen Lächeln. Eduard brachte frisch gezapftes Fiege Pils. »Geht auf Kosten des Hauses.«

»Das ist ja wohl das Mindeste! Und nehmen Sie das Glas wieder mit, ich hätte gern ein Fiege Alt.« Schiewe bestellte Steinbutt. »Wie immer das Fischchen auch schmecken mag.«

***

Auf dem Stuhl neben Jupp thronte ein Gartenzwerg. Er trug ein Schild um den prallen blau bemalten Bauch: Mein Bruder Willy. Ilse guckte gleichmütig. Jupp bestellte drei Mal Steinbutt.

Eduard verschwand nach einem »Sehr wohl, drei Steinbutt«, in der Küche.

Schiewe guckte belustigt. Andere starrten. Mathilda brachte das Essen. »Ihr Bruder?«

Autor

  • Monika Detering (Autor)

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