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Der Pfefferminzmann

Eine Booksnacks-Kurzgeschichte

von Dorit David (Autor)

2017 5 Seiten

Leseprobe

Kurz vorab

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

wie schön, dass du dich für diesen booksnack entschieden hast! Wir möchten dich auch gar nicht lange aufhalten, denn sicher hibbelst du der folgenden Kurzgeschichte schon voller Freude entgegen.

Vorab möchten wir aber ganz kurz die wichtigsten Merkmale einer Kurzgeschichte in Erinnerung rufen:

  1. Der Name ist Programm: Alle Kurzgeschichten haben ein gemeinsames Hauptmerkmal. Sie sind kurz.
  2. Kurz und knapp sind auch die Handlung und die erzählte Zeit (Zeitsprünge sind eher selten).
  3. Ganz nach dem Motto »Einleitungen werden total überbewertet« fallen Kurzgeschichten meist sofort mit der Tür ins Haus.
  4. Das zweite Motto lautet »Wer braucht schon ein Happy End?« Also bereite dich auf einen offenen Schluss und/oder eine Pointe am Ende der Geschichte vor. Das Geheimnis dahinter: Kurzgeschichten sollen dich zum Nachdenken anregen.
  5. Versuch deine Neugier zu zügeln, denn auch für die Beschreibung der Charaktere und Handlungsorte gilt »in der Kürze liegt die Würze«.
  6. Die Aussage des Textes ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Hier bist DU gefragt, um zwischen den Zeilen zu lesen und deine persönliche Botschaft aus der Geschichte zu ziehen.

Jetzt bist du gewappnet für unseren literarischen Snack. Und findest du nicht auch, dass man diesen gleich noch mehr genießen kann, wenn man weiß was drin ist?

 

Viel Spaß beim Booksnacken wünscht dir

Dein booksnack-Team

booksnacks

Über dieses E-Book

Ich bin so hundertprozentig lesbisch wie Frau es nur sein kann. Trotzdem lebe ich an der Seite eines Mannes. Paradox nicht? Ein Versprechen hat es nie gegeben. Für mich gibt's keine Garantie. Auch nicht auf Wunsch eines Einzelnen. Des Pfefferminzmannes.

Impressum

booksnacks

Erstausgabe Februar 2017

Copyright © 2020 booksnacks, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Made in Stuttgart with ♥
Alle Rechte vorbehalten

E-Book-ISBN: 978-3-96087-147-7

Covergestaltung: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
unter Verwendung eines Motivs von
fotolia.com: © Kirsty Pargeter
Korrektorat: Daniela Pusch

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

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Ich bin hundertprozentig lesbisch, wie Frau es nur sein kann. Trotzdem habe ich es nie gelebt. Paradox, oder?

Ich bin einfach noch nicht dazu gekommen. Dabei wusste ich von Anfang an Bescheid. Mir kam es nie in den Sinn, Männer begehrenswert zu finden. Ich wunderte mich schon als junges Mädchen, warum es sie gibt. Aber dann hätte ich mich eigentlich genauso wundern müssen, warum es Bäume gibt, und Kinder und Autos. Das alles waren Dinge, die mich nie sonderlich berührten. Sie sind einfach da und man kann mit ihnen und ihren Nützlich- oder Lästigkeiten leben. Und so lebte ich mit ihnen. Mit Bäumen, Autos und Männern.

 

Ich wohnte eine Zeitlang in einer Wohnung über den Dächern der Stadt. Mein Blick in den Himmel war ungestört. Davor belebte ich mit meiner Anwesenheit eine Parterrewohnung mit länglichem Küchenfenster, dessen spärliches Licht auch noch durch einen verlausten Baum gefiltert wurde. Die ganze Hausgemeinschaft solidarisiertem sich mit ihm, als ich vorschlug, ihn zu eliminieren. Also zog ich aus.

Auch auf Autos hatte ich verzichtet. Soweit es mir möglich war, bewerkstelligte ich alle Wege per Pedes, per Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Nur einmal in meinem Leben, ich war sehr jung, fiel ich einem doppelten Irrtum zum Opfer. Auto mit Mann. Beides liebte ich nicht und trotzdem verbrachten wir zu dritt ein geschlagenes halbes Jahr miteinander. Irgendwann wurde mir klar: ich liebte das Leben, dass dieser Mann führte, sonst nichts. Fahrender Künstler. Nachdem ich ihn verlassen hatte, schenkte meine Nachfolgerin ihm recht bald ein Kind, und noch eines und noch eines …

Ein weiterer Grund für mich, Abstand zu nehmen. Es war immer eindeutig, wofür mein Herz schlug: Weiber. Ich sah ausschließlich schönen Frauen hinterher. Ich stellte sie mir in meinen wildesten Fantasien vor und während der fahrende Künstler mit mir geschlafen hatte, sah ich, wenn ich die Augen geschlossen hielt, ausschließlich mich selbst oder meine beste Freundin aus seiner Perspektive.

Natürlich stellt sich die Frage, warum ich nicht mit einer Frau zusammen bin. Die Antwort ist schlicht und ergreifend: ich bin wirklich noch nicht dazu gekommen.

 

Der Pfefferminzmann ist mir dazwischen gerutscht. Klingt fast nach einem Bonbon.

 

Ich war Anfang zwanzig und weinte gerade einer blond-igeligen Frau hinterher, die nach Moschus roch und deren Duft drei Wochen lang an meiner Kleidung haftete, egal wie oft ich sie wusch. Wir wollten gerade die erste Nacht miteinander verbringen, der eine lange Anbahnungsphase vorausgeschlichen war, da stand sie plötzlich mittendrin auf, zog ihre warme Hand aus meinem Nacken, strich ein letztes Mal zärtlich über die Wölbung meines Bauches und sagte: „Weißt du was? So eine Freundin wie dich, habe ich mir immer gewünscht. Immer.“

„Ja, und?“, fragte ich aufgelöst.

„Du bist so furchtbar jung und ich möchte dich nicht verletzen.“

Dann drehte sie sich um und verletzte mich. Sie ging. Aber auch das ist noch immer nicht der Grund, weshalb ich unbeweibt lebe, denn nach wie vor schaue ich ihnen hinterher. Treibe mich auf Festivals umher, tanze ganze Queernächte durch bis ich tot umfalle.

Nach wie vor bemerken es ausschließlich meine Freundinnen, wenn ich von Männern angeflirtet werde. Ich nie. Ich stehe auf Frauen. Alle wissen es.

Auch der Pfefferminzmann.

Details

Seiten
5
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783960871477
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v353249
Schlagworte
Kurzgeschichte booksnack Short Story Kurzgeschichten Anthologie booksnacks Short Stories

Autor

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    Dorit David (Autor)

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