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Ritter Kuoni & Es war der Februar

Eine Booksnacks-Kurzgeschichte

von Thomas Kowa (Autor)

2017 4 Seiten

Leseprobe

Kurz vorab

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie schön, dass du dich für diesen booksnack entschieden hast! Ich möchte dich auch gar nicht lange aufhalten, denn sicher hibbelst du der folgenden Kurzgeschichte schon voller Freude entgegen.

Aber ich möchte dir vorab ganz kurz die wichtigsten Merkmale einer Kurzgeschichte in Erinnerung rufen:

  1. Der Name ist Programm: Alle Kurzgeschichten haben ein gemeinsames Hauptmerkmal. Sie sind kurz.
  2. Kurz und knapp sind auch die Handlung und die erzählte Zeit (Zeitsprünge sind eher selten).
  3. Ganz nach dem Motto »Einleitungen werden total überbewertet« fallen Kurzgeschichten meist sofort mit der Tür ins Haus.
  4. Das zweite Motto lautet »Wer braucht schon ein Happy End?« Also bereite dich auf einen offenen Schluss und/oder eine Pointe am Ende der Geschichte vor. Das Geheimnis dahinter: Kurzgeschichten sollen dich zum Nachdenken anregen.
  5. Versuch deine Neugier zu zügeln, denn auch für die Beschriebung der Charaktere und Handlungsorte gilt »in der Kürze liegt die Würze«.
  6. Die Aussage des Textes ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Hier bist DU gefragt, um zwischen den Zeilen zu lesen und deine persönliche Botschaft aus der Geschichte zu ziehen.

Jetzt bist du gewappnet für unseren literarischen Snack. Und findest du nicht auch, dass man diesen gleich noch mehr genießen kann, wenn man weiß was drin ist?

Viel Spaß beim Booksnacken wünscht dir

Stephanie Schönemann

Programmleitung dp DIGITAL PUBLISHERS

Über die Kurzgeschichte

Zwei knackige Kurzgeschichten darüber, wie man die Nachrichten einer Katze entziffert und warum in manchen Monaten einfach mehr Morde passieren als in anderen.

Impressum

Neusausgabe Februar 2017

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© Erstausgabe 2015, Ars Vivendi Verlag

© Neuausgabe 2017, booksnacks,
ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH

Made in Stuttgart with ♥

Alle Rechte vorbehalten

Ritter Kuoni
&
Es war der Februar


ISBN 978-3-96087-152-1

Titel- und Covergestaltung: Özer Grafik Design, Ruth Papacek

Bildnachweis: wongsalam77/fotolia.com

Korrektorat: Daniela Pusch

Es war der Februar ist erstmals 2015 im Krimikalender des Ars Vivendi Verlag erschienen.

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Buches sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Ritter Kuoni
&
Es war der Februar



Thomas Kowa

Ich bin neuerdings Revisor und seit längerem Mitglied im Berner Schriftsteller-Verband . Dieser hat 2014 eine Ausstellung mit Schlossgeschichten im Schloss Oberhofen am Thunersee veranstaltet, sowie eine Marathonlesung dazu. Das Schloss ist übrigens auch ohne Ausstellung jederzeit eine Reise wert, genau wie der Thunersee.

Jedenfalls durfte auch ich eine Geschichte beisteuern und bei der Lesung vortragen, wobei noch das Problem hinzukam, dass ich am selben Tag für ein anderes Buchprojekt nach Las Vegas fliegen musste und ich daher weder den Bus ab Oberhofen, noch den Zug ab Thun, noch das Flugzeug verpassen durfte. Hat am Ende sogar geklappt und vielleicht liest man ja auch irgendwann das, was ich dann in Las Vegas mit einem Kollegen verzapft habe.

Kuoni ist übrigens der größte Reiseveranstalter der Schweiz – so bekannt wie in Deutschland TUI – wobei es diesen Ritter Kuoni, über den ich schreibe, tatsächlich gab. Er hauste in der Bechburg in Oensingen im Kanton Solothurn und genau dort spielt auch meine Schlossgeschichte.

Ritter Kuoni

Hbg ahm cdx Xbgknxxfzxozmxs. Das stand auf dem Bildschirm meines Laptops. Ich hatte gerade noch gesehen, wie Mata Hari von der Tastatur gehuscht war.

Aber vielleicht erzähle ich besser die Geschichte von Anfang an. Ich war in die Bechburg nach Oensingen gerufen worden, angeblich belästigte hier irgendein Ritter Kuoni, den man vor hunderten von Jahren lebendig eingemauert hatte, nachts die Schlossgäste. Ob der Geist des Ritters Kuoni auch versuchte, den Gästen Pauschalreisen zu verkaufen, war mir leider nicht bekannt.

Und Mata Hari war nicht die Spionin oder gar deren Geist, sondern die Katze des Schlossherrn. Er hatte sie von einem Triple-Agenten erstanden und behauptete, die Katze könne schreiben. Stammte die krude Nachricht also von ihr? Falls ja, litt sie unter einer ausgeprägten Rechtschreibschwäche.

Oder war es doch jener Ritter Kuoni gewesen? Ich wollte diesem Mythos ein für alle Mal ein Ende bereiten. Denn ich hatte bisher noch jede übersinnliche Erscheinung als das entlarvt, was sie war: Mumpitz.

Jedenfalls bis gestern Nacht, bis zu dem Moment, in dem ich im Schloss geschätzte acht Poltergeister, vier kettenrasselnde Dämonen und zwei klagende Jungfern gehört hatte. Aber keinen Ritter Kuoni. Ich hätte das ja gerne aufgeklärt, aber bei dem Radau hatte ich mich nicht aus dem Zimmer getraut.

Ich bin eben nur ein Schreibtischtäter.

Also blickte ich wieder auf die Nachricht auf meinem Bildschirm.

Und dann auf Mata Hari, die unschuldig in der Tür stand.

Die Fähigkeiten von Tieren werden meist völlig unterschätzt. Dabei ist wissenschaftlich erwiesen, dass jeder Affe ein Aktiendepot erfolgreicher verwalten kann, als der bestbezahlte Analyst. Vielleicht verstehen wir ja deshalb nie, was uns die Katzen auf unseren Laptops schreiben, weil sie es verschlüsseln?

Wenn eine Katze das konnte, dann Mata Hari, schließlich war sie von einem Triple-Agenten ausgebildet worden.

Ich übertrug die Nachricht auf ein Blatt Papier. Hbg ahm cdx Xbgknxxfzxozmxs. Das sah verdächtig nach einer Caesar-Verschlüsselung aus, ein recht simples Prinzip, das – wie der Name verrät – schon Julius Caesar verwendet hatte. Man verschiebt bei der kodierten Nachricht einfach die Buchstaben des Alphabets, so dass beispielsweise aus ABC die Kombination BCD wird.

Ich probierte alle Möglichkeiten aus, doch sie ergaben nur Buchstabensalat. Bis zur letzten Verschiebung, bei der aus ABC schliesslich ZAB wurde. Ich schrieb den Satz auf: Ich bin dey Ychloyygaypanyt.

Ich war auf dem richtigen Weg! Aber was um alles in der Welt ist ein Ychloyygaypanyt? Ich versuchte es mit weiteren Dechiffrierungstechniken, nahm Zahlen hinzu, Umlaute, doch es blieb Kauderwelsch.

Ich rieb mir die Stirn. Was hatte der Schlossherr noch über Mata Hari erzählt?

Angeblich würde sie ständig Whiskas mit Whiskey verwechseln. Das liess nur zwei Schlüsse zu: Entweder sie war Alkoholikerin oder sie konnte Lesen. Allerdings mehr schlecht als recht, denn sie verwechselte offensichtlich A mit E und S mit Y.

Ich tauschte die Buchstaben auf dem Blatt zurück. ›Ich bin blieb mangels A, E, S oder Y so wie es war, aus ›dey‹ wurde ›das doch was wurde aus Yhloyygaypanyt?

Ich tauschte wieder A mit E und S mit Y und dann wurde mir klar, was Mata Hari mir hatte mitteilen wollen.

Der Fall war geklärt. Denn vor mir stand: »Ich bin das Schlossgespenst.«

Für den Ars Vivendi Krimikalender 2015 bekam ich die Anfrage, eine maximal einseitige Kurzgeschichte über den Monat Februar zu schreiben.

Details

Seiten
4
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783960871521
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v353250
Schlagworte
Kurzgeschichte booksnack Short Story Kurzgeschichten Anthologie booksnacks Short Stories

Autor

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    Thomas Kowa (Autor)

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