Lade Inhalt...

Requiem (Kurzgeschichte, Krimi)

von Thomas Kowa (Autor)

2017 0 Seiten

Leseprobe

Der Bonus-Booksnack

Liebe Leserin, lieber Leser,

für diesen booksnack haben wir uns etwas ganz Besonderes für dich ausgedacht:
Er enthält eine kleine Einführung in die Welt der Thriller-Trilogie um Kommissar Erik Lindberg und Thomas Kowas Thriller Remexan.
Neben der Kurzgeschichte Requiem, in der Kommissarin Carla Frey – bekannt aus Remexan  – eine tragende Rolle spielt, gibt es eine Menge Bonusmaterial:

  1. Eine Leseprobe aus Remexan, falls du neugierig auf die ganze Geschichte geworden bist.
  2. Eine Basel-Map mit den wichtigsten Orten aus Remexan.
  3. Steckbriefe zu den Hauptfiguren aus Remexan, die dir auch in Requiem wiederbegegnen.
  4. Original-Recherchefiles von Thomas Kowa zu Remexan.
  5. Und schließlich: Ein akustisches Cover des Songs »Enjoy The Silence« von Depeche Mode, gesungen von Erik Lindberg (aka Thomas Kowa), dem dieses Lied in Remexan viel bedeutet.

Viel Spaß beim Booksnacken wünscht dir

Stephanie Schönemann

Programmleitung dp DIGITAL PUBLISHERS

Vorwort

Meinen ersten Thriller Remexan habe ich im Jahr 2003 begonnen und bis zur Veröffentlichung 2016 unzählige Male überarbeitet, denn die ersten Versionen waren im Grunde eine Dokumentation meines Scheiterns. Mit jeder Version lernte ich aber mehr dazu, die Handlung wurde immer komplexer und irgendwann war ich dann endlich zufrieden. Doch es gab da noch einen Handlungsstrang, der mir zwar sehr gefiel, aber letztlich brachte er die Geschichte nicht voran. Also hab ich ihn schweren Herzens aber gemäß der Devise »Kill your darlings« gelöscht.

Doch digital löscht man ja nichts für immer. Als ich zusammen mit meinem Verlag die Idee für eine Remexan Editors Edition (die gibt es ab Juni 2017 von dp DIGITAL PUBLISHERS) entwickelt habe, kam mir das Textfragment in den Sinn und ich habe es wieder ausgegraben. Und es gefiel mir immer noch, vor allem, weil Carla Frey hier eine wichtige Rolle spielt, die in den Ermittlungen immer zu kurz kommt.

Also setzte ich mir das Ziel, aus dem Handlungsstrang um den Serienmörder Oliver Braun eine eigene Kurzgeschichte zu erschaffen.

Ob das gelungen ist oder nicht, kann man hier nachlesen.

Über die Kurzgeschichte

Der vierjährige Sohn eines arabischen Despoten wird in der Schweiz entführt. Am Dreirad des Jungen werden Blutspuren von einem Serienmörder gefunden: Oliver Braun, der einzige offene Fall, den die pensionierte Bundespolizistin Carla Frey hinterlassen hat. Oliver Braun ist seit vielen Jahren untergetaucht, die einzige Spur führt zu seiner altersschwachen Mutter. Und die alte Dame würde alles tun, um ihren einzigen Sohn zu schützen ...

Impressum

Logo150px

Erstausgabe April 2017

Copyright © 2017, booksnacks,
ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH

Made in Stuttgart with ♥

Alle Rechte vorbehalten

ISBN: 978-3-96087-199-6

Titel- und Covergestaltung: Özer Grafik Design, Friederike Müller
unter Verwendung eines Motivs von
© Omamamia/fotolia.com

Lektorat: Daniela Höhne

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Buches sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Thomas Kowa

Requiem



Die Kurzgeschichte zu REMEXAN

1. Leseprobe
Remexan – Der Mann ohne Schlaf

Oder lass es dir vorlesen:

Thomas Kowa liest aus REMEXAN

Remexan® <Kunstwort> das, –s, Warenzeichen der Firma GENEKNOV. Personalisiertes Psychopharmakon zur künstlichen Schlafverkürzung. Durch Einnahme des Arzneimittels wird die durchschnittliche Schlafdauer von acht Stunden auf ca. 60 Minuten reduziert.

1

Er schlug die Augen auf und sah nichts. Sein Kopf schmerzte, sein Gehirn war in einem Nebel gefangen, und bevor er feststellen konnte, wo er sich befand, nickte er wieder weg.

Nach einer Weile kam sein Bewusstsein wieder, kämpfte sich durch den dichten Nebel, orientierungslos. Schmerz war die einzige Empfindung. Sein Kopf, die Schulter, mehr spürte er nicht.

Er atmete ein, auch das tat weh. Etwas drang in seine Nase. Ein Geruch. Es roch nach Treibstoff. Diesel.

Hastig schnappte er nach Luft, er hustete, alles schien in Diesel getränkt. Es war stockdunkel, er spürte, dass er auf einem gepolsterten Sitz saß, dass seine Kleider an ihm klebten und nass waren.

Alles stank nach Treibstoff.

Hektisch blickte er sich um, doch er konnte immer noch nichts sehen, obwohl seine Augen geöffnet waren, obwohl sie brannten von den stechenden Ausdünstungen des Diesels. Er spürte einen handbreiten Gurt auf seine Brust drücken. Saß er in einem Auto?

Er schob seine Hände nach vorn, befühlte das nasse Leder eines Lenkrads. Er suchte rechts an der Lenksäule nach dem Schlüssel, doch der steckte nicht. Er wollte das Licht anschalten, vorne an der Konsole, drückte ein paar Knöpfe, nichts tat sich.

Er langte an den Dachhimmel, fand den Schalter für das Innenlicht, betätigte ihn, doch die Batterie des Autos schien leer. Alles war tot.

Der Dieselgeruch stach ihm wieder in die Nase. Er musste hier raus. Mit der Linken suchte er nach dem Türgriff, fand ihn, rüttelte daran, doch die Tür blieb geschlossen.

Er spannte den Gurt los, beugte sich nach rechts, um den Türgriff an der Beifahrerseite zu greifen und dann erst bemerkte er, dass jemand neben ihm saß.

2

Daniel C. Meyer jagte, weil er sich auf dieser Weise der Natur nahe fühlte. Die Natur brauchte Führung, brauchte eine ordnende Hand, so wie alles im Leben. Wer wollte schon, dass die ganze Welt nur aus Urwald bestand? Klar, es gab noch das Meer und ein paar Gletscher und Berge, aber dort lebte ja niemand.

Was der Mensch schön fand, war überwiegend Kulturlandschaft: Weinberge, Teeplantagen, Wiesen, Olivenhaine, bewirtete Wälder. Natürlich, manche fanden auch den Urwald schön, aber wie wollten sie ihn sehen, wenn nicht jemand wenigstens einen Pfad hindurch schlug?

Und wie sollte ein Wald überleben, wenn sich das Wild planlos vermehrte und alles an Rinde verspeiste, was in  seiner Reichweite lag?

Klar, die Natur kontrollierte sich selbst, manches Mal in ein paar Jahrzehnten, doch oft erst in Hunderten oder Tausenden von Jahren.

Doch der Mensch lebte jetzt und konnte nicht warten, bis die Natur eingriff. Deswegen war er gerne Jäger und hatte nicht den Ansatz eines schlechten Gewissens, wenn er einen Rehbock schoss, einen Hasen oder eine Gämse.

Fachmännisch, ohne unnötige Schmerzen für das Tier.

Trotzdem hatte die Jagd viele Feinde. Feinde, die er auch von seinem Beruf kannte. Bei der Führung eines Pharmaunternehmens lernte man schnell, wer für einen und wer gegen einen war.

Wer seine Argumente verstand, und wer sie nicht verstehen wollte.

Doch sollte er sich deswegen selbst beschränken, weil andere zu beschränkt waren? Nein, es war richtig was er tat, davon war Daniel C. Meyer überzeugt.

Trotz der Anfeindungen in letzter Zeit. Es ging ihm nicht um Geld, er hatte wahrlich genug verdient. Es ging ihm darum, etwas zu verändern. Und das konnte er jetzt noch mehr als zuvor.

Denn er war jetzt nicht mehr CEO eines One-Trick-Pony-Pharmaunternehmens, sondern Forschungschef bei Novartis, einem der größten Pharmakonzerne weltweit.

Wer hätte das gedacht, er, der damals in der siebten Klasse in Biologie mit einem Ungenügend abgespeist worden war. Dann hatte der Lehrer gewechselt und er seine Einstellung und endlich hatte er verstanden, wie das funktionierte mit der Natur und dem Menschen.

Meyer hörte ein Geräusch, legte sich flach auf den Boden, nahm sein Jagdgewehr, schaute durch das Zielfernrohr und scannte den Bereich vor sich. Zentimeter für Zentimeter.

Nichts bewegte sich, selbst die Luft schien stillzustehen.

Plötzlich raschelte es im vom Schnee bedeckten Laub, so als habe jemand einen kleinen Ast geworfen, nur ein paar Meter hinter ihm. Meyer blickte sich um, immer noch auf dem Boden liegend.

Da, vor ihm wieder ein Geräusch.

Er drehte den Kopf, schaute nach vorn; etwas bewegte sich, an mehreren Stellen, jetzt kam es wieder von hinten, er hob den Oberkörper, um besser sehen zu können und dann erst entdeckte er das Gewehr, das auf seine Brust gerichtet war.

Im nächsten Moment fiel ein Schuss.

3

Wieder der unerträgliche Dieselgestank, die Dunkelheit. Jemand saß neben ihm; er wollte etwas sagen, doch sein Mund gehorchte ihm nicht.

Er hustete, der Treibstoff brannte in den Augen.

Er strich über den Arm der Person auf dem Beifahrersitz, sie reagierte nicht. Ihre Haut war weich, nass vom Diesel, aber sie fühlte sich vertraut an.

Es war eine Frau. Er spürte ihre Haare, sie klebten unnatürlich, er führte die Hand zu ihrem Hals, befühlte die Kette, die sie angelegt hatte.

Etwas hing daran.

Ein Stein? Ein Amulett? Eine Figur?

Seine Hände zitterten zu sehr, um es zu erkennen.

Wieder versuchte er, etwas zu sagen, doch es fühlte sich an, als hätte er das Sprechen nie gelernt.

Wie lange brauchte man, um einen Wagen samt Insassen mit Diesel zu überschütten und diesen anzuzünden?

Drei, vier Minuten?

Auch wenn er nicht wusste, wann er aufgewacht war und wie lange er hier schon saß, es konnte nicht mehr lange dauern.

Vielleicht nur noch Sekunden.

Er rüttelte am Türgriff, suchte einen Türknopf, fand keinen. War die Doppelverriegelung aktiv? Man konnte diese Funktion von außen per Schlüssel aktivieren, um zu verhindern, dass jemand in das Auto eindringen konnte. Dazu gehörte auch, die Türgriffe zu deaktivieren, damit man an diesen durch einen Fensterspalt nicht per Draht ziehen konnte. Er lehnte sich zur Beifahrertür, auch diese war verschlossen. Und dann, plötzlich, als er über der Frau lehnte, die neben ihm saß, spürte er ihren Anhänger an seiner Schulter. Er fühlte sich vertraut an, die runde Form, der kalte Stein.

Es konnte keinen Zweifel mehr geben, wer neben ihm saß: Paula.

4

Natürlich hätte er Meyer einfach erschießen können, doch das wäre viel zu human gewesen. Nein, er musste sterben, wie auch die Tiere starben. Denn sonst würde seine Botschaft nicht verstanden werden.

Details

Seiten
0
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783960871996
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v358433
Schlagworte
requiem kurzgeschichte krimi

Autor

  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.

    Thomas Kowa (Autor)

Zurück

Titel: Requiem (Kurzgeschichte, Krimi)