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Forbidden Island – Lustvolle Begegnung (Erotischer Roman)

von Erin Buchanan (Autor)

2017 0 Seiten

Leseprobe

Über dieses E-Book

Seglerin Phoebe verliert ihr heißgeliebtes Boot durch die Explosion eines Gastanks. Ihr bester Freund Jamie und sie selbst können sich gerade noch auf eine karibische Insel retten, die dem Unternehmer Matteo als Winterresidenz dient. Phoebe fühlt sich magisch von dem schönen Mann angezogen, den eine mysteriöse Aura umgibt. Sein Anwesen ist kameraüberwacht und von einer hohen Mauer umgeben. Niemand kann es verlassen, denn das Tor ist stets verschlossen. Bald stellt sich heraus, dass Matteo etwas zu verbergen hat. Wird sein dunkles Geheimnis Phoebe zum Verhängnis?

Impressum

Secret Desires

Erstausgabe August 2017

Copyright © 2020 Secret Desires, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Made in Stuttgart with ♥
Alle Rechte vorbehalten

E-Book-ISBN: 978-3-96087-216-0

Covergestaltung: Antoneta Wotringer
unter Verwendung eines Motivs von
123RF.com: © Konrad Bak
Lektorat: Daniela Höhne

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

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Kapitel 1

„Na, Phoebe, freust du dich schon auf die nächsten Chartergäste?“, fragt mein bester Freund Jamie, der sich gerade am Steuer unserer Yacht Sunny Dreams befindet.

„Geschenkt“, erwidere ich lachend. „Ich liebe sie alle, das weißt du doch.“

Um ehrlich zu sein, bin ich bisweilen recht genervt von einigen der schwerreichen Touristen, die wir durch die Karibik schippern. Ihnen mangelt es mitunter an den einfachsten Umgangsformen, und sie verhalten sich, als gehöre ihnen die Welt. Jamie und mich behandeln sie oft wie ihre persönlichen Sklaven, was meine ohnehin schon recht karge Geduld auf eine harte Probe stellt.

„Bald ist das Boot abbezahlt“, sagt Jamie, als könne er in meinen Kopf schauen.

Der Gedanke an unsere Yacht zaubert ein Lächeln auf meine Lippen. „Dann können wir endlich mit den Preisen runtergehen und mit Individualisten reisen.“

Momentan sind wir allein, denn Jamie und ich haben uns eine kleine Auszeit genommen, um uns die Pracht der Karibik als reine Genießer zu Gemüte zu führen. Wir wollen an einer Bucht vor Anker gehen, die für ihr traumhaft klares Wasser bekannt ist und ein wenig schnorcheln. Morgen werden wir sie erreichen, worauf ich mich ebenso freue, wie auf den Strand mit dem reinweißen Sand.

Schon als kleines Kind war ich von Schiffen fasziniert. Meine Eltern besaßen ein Boot, auf dem wir jedes Jahr die Sommerferien verbrachten. Ich liebte den Geruch des Meeres, das Gefühl unendlicher Freiheit, wenn kein Land in Sicht ist. Das hat sich bis heute nicht geändert.

Mom und Dad wohnen noch immer in ihrem alten Haus in Strandnähe; von dort sind sie nicht wegzubekommen. Die beiden Lehrer sind nun im Ruhestand. In regelmäßigen Abständen fliege ich sie besuchen, denn Miami ist und bleibt meine Heimat, auch wenn es mich immer wieder in die Ferne zieht.

Auf der Segelschule lernte ich Jamie kennen. Damals war ich fasziniert von seiner Ausstrahlung, die mich an einen Freibeuter erinnerte. Mit seinem braungebrannten Gesicht und den verstrubbelten, halblangen blonden Haaren bot er ein Bild der Verwegenheit. Von der ersten Sekunde an verstanden wir uns gut, doch es war von Anfang an klar, dass es keine sexuelle Anziehung zwischen uns geben würde. Als uns Jahre später die Sunny Dreams zu einem Schnäppchenpreis angeboten wurde, schlugen wir sofort zu.

Seitdem schippern wir reiche Touristen durch die Karibik, bis das Boot abbezahlt ist. Unser Ziel, mit Abenteurern und Freigeistern zu reisen, verlieren wir dabei nie aus den Augen.

Mit verträumtem Blick lehne ich mich halb über die Reling und beobachte den atemberaubenden Sonnenuntergang, der den Himmel in bunten Farben brennen lässt. Statt das Farbenspiel zu bewundern, schließe ich die Lider, inhaliere tief den Geruch nach Meer und Freiheit.

Abwesend streiche ich mir durch meine kurzen, blonden Haare. Zusammen mit meiner kleinen Nase und meinen veilchenblauen Augen sehe ich aus wie das typische Klischee eines Blondchens. Zumindest ist meine Figur sportlich, was mich ein wenig über diese Tatsache hinwegtröstet.

Ob es auch an meinem Aussehen liegt, dass ich bisher nur Probleme mit Männern gehabt habe?, frage ich mich wie so oft. Wieso konnte ich mich zum Beispiel nicht einfach in Jamie verlieben? Er wäre der perfekte Partner; einfühlsam, sieht gut aus und hat genau meinen Humor. Jamie ist einfach ein richtig netter Kerl. Dummerweise stehe ich jedoch auf finstere Typen – die klassischen Bad Guys.

Inzwischen habe ich die Hoffnung aufgegeben, dass es einen Mann gibt, der mir an innerer Stärke zwar ebenbürtig ist, aber dennoch einen weichen Kern besitzt. Ich brauche einen Mann, der es mit mir aufnehmen kann. Trotz, oder vielleicht auch wegen, meines Äußeren, gebe ich mich nach außen hin gerne taff und übernehme das Kommando. Innerlich sehne ich mich nach einem Mann, der einfühlsam auf mich eingeht und mir, wenn nötig, trotzdem Paroli bieten kann. Manchmal muss man mir nämlich schon in den Hintern treten, wenn ich mal wieder mit dem Kopf durch die Wand will.

Jamie ist dafür viel zu nett. Er akzeptiert alle meine Macken mit einer Gelassenheit, die mich manchmal aufregt. Ihm würde es nie in den Sinn kommen, mir zu sagen, wenn ich zu weit gehe. Stattdessen schmunzelt er dann nachgiebig und geht mir eine Weile aus dem Weg. Dafür ist er mir immer ein Freund, würde mich nie im Stich lassen.

Ich seufze, bevor ich mir innerlich einen Ruck gebe. Was beschwere ich mich hier eigentlich? Immerhin lebe ich meinen Traum, indem ich mit der Sunny Dreams durch die Karibik segle. Den Duft der Freiheit immer in der Nase, kann ich tun und lassen, was ich will. Wer kann das schon von sich behaupten? Wenn ich dafür meine Träume verwirklichen kann, bin ich bereit, auf Männer zu verzichten.

 

***

 

Die Mittagshitze brennt sich durch meine Baseballkappe, als ich neugierig nach der Bucht Ausschau halte. Weit kann es nicht mehr sein.

Voller Vorfreude beobachte ich ein paar fliegende Fische bei ihren akrobatischen Übungen. Ich mache Jamie gerade darauf aufmerksam, als eine Explosion das Boot erschüttert.

In nicht einmal dem Bruchteil einer Sekunde herrscht das absolute Chaos. Aus der Kajüte schlagen Flammen. Ich renne zum Feuerlöscher, um festzustellen, dass Jamie bereits vor Ort ist. Er entsichert ihn, hält voll auf die Luke zum Unterdeck. Zunächst scheint es, als bekäme er das Feuer unter Kontrolle. Dann erschüttert eine weitere Explosion mein geliebtes Boot und ich weiß, jetzt ist alles aus.

„Aufs Beiboot!“, brülle ich aus vollem Hals.

Mit einem Fluchen wirft Jamie den Feuerlöscher beiseite, rennt zu den Rettungswesten. Ohne Federlesen werfe ich ihm eine zu und ziehe mir meine über. Eigentlich müsste ich jetzt von Bord springen, doch ich zögere, werfe einen letzten Blick auf das flammende Inferno. Meinem Baby steht eine Havarie bevor.

Die Sunny Dreams ist nicht mehr zu retten.

Mit ihr gehen meine Träume unter, schießt es mir durch den Kopf, bevor ich mit brennenden Augen ins Meer springe.

Jamie ist schneller. Er reicht mir eine Hand, zieht mich auf das Dinghi. Mit Tränen in den Augen hole ich ein Messer aus meiner Cargohose, um das Seil zu kappen, welches das kleine Schlauchboot und die Yacht miteinander verbindet. Derweil lässt Jamie den Motor an. Sobald das Beiboot frei ist, gibt er Gas. Langsam tuckern wir weg von meinem Lebenstraum. Mir blutet das Herz, meine Yacht alleine lassen zu müssen, doch mir bleibt keine Wahl. Ein Schluchzer bahnt sich seinen Weg. Ihn kann ich nicht unterdrücken, doch alle weiteren schlucke ich mühsam hinunter.

„Handbreit“, flüstere ich als letzten Abschiedsgruß, bevor mich der Schock übermannt.

Jamie übernimmt das Kommando. Geübt steuert er das Beiboot in Richtung einer Insel, die sich am Horizont abzeichnet. Obwohl ich weiß, dass es mir danach noch schlechter gehen wird, drehe ich mich zur Sunny Dreams um. Mit Tränen in den Augen sehe ich, wie der Bug untergeht. Viel zu schnell ist die Yacht komplett im Meer versunken.

Ich sitze reglos da und versuche, das Geschehene irgendwie zu verarbeiten. Meine Gedanken drehen sich im Kreis. Wird die Versicherung den Schaden übernehmen oder bin ich jetzt nicht nur arbeits-, sondern auch heimatlos? Was hat das Feuer verursacht? Bestimmt ist der kleine Gastank explodiert, den wir zum Kochen benötigen. Derlei geschieht zwar sehr selten, doch es kommt vor. Typisch, dass es ausgerechnet mein Baby erwischt. Ich schlucke schwer, dränge die aufsteigenden Tränen zurück. Mühsam reiße ich mich zusammen. Zunächst geht es ums nackte Überleben. Wie Jamies und meine Zukunft aussieht, werden wir später herausfinden.

Nach einer gefühlten Ewigkeit tuckert das Dinghi in eine kleine Bucht. Jamie stellt den Motor ab.

„Schaffst du es, mir zu helfen?“, fragt er.

Ich nicke nur.

Gemeinsam ziehen wir das kleine Boot heil an Land. Weit werden wir damit zwar nicht kommen, doch es ist ein beruhigendes Gefühl, auf See zumindest ein wenig mobil zu sein.

Erschöpft lasse ich mich neben Jamie in den Sand fallen. Ich bleibe einige Zeit liegen. Mein Gehirn fühlt sich an wie in Watte gepackt, und ich kann keinen klaren Gedanken fassen. Auch Jamie scheint es ähnlich zu ergehen, denn auch er schweigt. Wie zwei Leichen liegen wir nebeneinander im Sand, während die Sonne auf uns herabbrennt. Irgendwann fühle ich mich wieder in der Lage, zu sprechen.

„Wenn wir Pech haben, ist die Insel unbewohnt.“ Langsam richte ich mich auf und blicke mich zum ersten Mal bewusst um.

Das Wasser funkelt in der Sonne von Türkis bis Dunkelblau, bildet einen harmonischen Kontrast zum weißen, von Palmen gesäumten Sandstrand. Es fehlt nur noch eine Hängematte nebst Drink in einer halben Kokosnuss, um die Illusion eines Traumurlaubs perfekt zu machen.

„Wir sollten schleunigst zusehen, dass wir Trinkwasser finden“, sagt Jamie wie aufs Stichwort.

Ich nicke. Wir haben zwar ein kleines Überlebenspaket im Dinghi verstaut, doch weit werden wir damit nicht kommen. Wir sind uns einig, die kargen Vorräte für wirklich schlechte Zeiten aufzubewahren. Die bald kommen werden, da die Insel sehr wahrscheinlich unbewohnt ist. Nichts deutet bisher darauf hin, dass Menschenhand am Werk gewesen ist. Es gibt keinen Anlegesteg und ein Boot ist auch nirgends zu sehen.

Jamie und ich machen uns auf den Weg, die Insel zu erkunden. Indem wir eng nebeneinander gehen, fühle ich mich nicht ganz so schrecklich. Wenigstens bin ich hier nicht allein gestrandet.

Auf dem Sand verstreut liegen ein paar Seeigelschalen. Unter den Palmen erkenne ich überreife Mangos und Papayas. In die meisten hat irgendein Getier große Löcher hineingefressen. Über dem Meer kreischen Möwen.

„Wenn wir Pech haben, finden wir kein Wasser“, sagt Jamie mit einem Seufzen.

„Lass uns erst mal die Lage checken. In Panik verfallen können wir später immer noch. Zumindest gibt es hier Früchte, was ein gutes Zeichen für Süßwasservorkommen ist.“

Mir ist durchaus bewusst, wie schlimm unsere Situation ist. Mit dem Dinghi kommen wir auf keinen Fall zum Festland. Da die Yacht komplett zerstört ist, sind demnach auch alle Möglichkeiten ausgefallen, Hilfe zu holen. Selbst wenn ein Schiff nah genug an der Insel vorbeikommen sollte, muss es uns erst einmal gelingen, die Besatzung auf uns aufmerksam zu machen.

Langsam gehen wir durch einen Palmenhain. An dessen Ende erwartet uns dichtes Gestrüpp, bestehend aus hohen Sträuchern, durchsetzt von wildwachsenden Rosen. Ein schmaler Pfad führt hindurch.

„Es scheint hier größere Tiere zu geben“, sagt Jamie und deutet auf die Schneise.

„Hier kommen wir wenigstens durch“, antworte ich. Ungeduldig setze ich mich in Bewegung und winke ihm, mir zu folgen.

Eine Gruppe Papageien flattert kreischend auf, was mich dazu veranlasst, mich umzudrehen. Die Tiere schillern in bunten Farben. Trotz unserer misslichen Lage genieße ich kurz den Anblick dieser exotischen Pracht.

Um voranzukommen, muss ich immer wieder Äste beiseiteschieben. Schon bald sind meine bloßen Arme von den Dornen der Rosen ganz zerkratzt. Die saftigen Flüche Jamies verraten mir, dass es ihm genauso ergeht. Irgendwann lichten sich die Sträucher. Ich trete auf eine Lichtung und bleibe wie angewurzelt stehen.

Mit offenem Mund starre ich auf ein schmiedeeisernes Tor, das von einer hohen Mauer umgeben ist. Stacheldraht befindet sich darauf, was ziemlich paranoid anmutet. Wer sollte hier in der Einsamkeit schon einbrechen wollen? Doch das ist nicht die Ursache für meinen dämlichen Gesichtsausdruck.

Hinter dem Tor steht ein Mann Mitte dreißig, den ich nur als schön bezeichnen kann. Er mustert mich mit einem finsteren Gesichtsausdruck, der schon fast feindselig wirkt.

Kapitel 2

„Was wollt ihr hier?“, fragt der Mann auf Englisch mit italienischem Akzent. Seine Stimme ist tief und hätte ein angenehmes Timbre haben können, würde sie nicht so abweisend klingen. Er strahlt Trauer, Verzweiflung, aber auch Leidenschaft aus.

Endlich gelingt es mir, den Mund wieder zuzuklappen, obwohl ich von seinen ebenmäßigen Zügen, vollen Lippen und pechschwarzen Haaren mehr als fasziniert bin. Dazu kommt, dass er groß und überaus gut gebaut ist. Mein Blick wandert nach unten zu seinem Schritt. Ob er da auch so reich bestückt ist? Als ich merke, was ich da mache, schaue ich schnell weg. Einzig seine Nase ist ein wenig schief geraten, als hätte er sie sich einmal gebrochen. Es tut seiner Schönheit jedoch keinen Abbruch, sondern gibt ihm einen finsteren Touch. Er passt genau in mein Beuteschema. Schnell schüttle ich den Gedanken ab. Derlei kann ich momentan überhaupt nicht gebrauchen.

„Wir wollten fragen, ob es hier Kaffee und Kuchen gibt“, entgegne ich endlich schnippisch und gratuliere mir insgeheim zu meiner schlagfertigen Antwort. Ich lasse mich doch nicht von seinem Äußeren beeindrucken.

Ein Mundwinkel des Mannes zuckt ein wenig, bevor seine Miene wieder düster wird. „Dafür seid ihr recht weit gereist.“ Er drückt auf etwas, das ich nicht sehen kann. Sobald sich das Tor geöffnet hat, tritt der Mann hindurch.

Herausfordernd schaue ich ihm in die Augen. Seine Iris ist so dunkel, dass sie fast schwarz wirkt. Als sein Blick auf meinen trifft, zucke ich ein wenig zusammen. In diesen Augen könnte ich mich verlieren, stelle ich unwillkürlich fest. Bevor mir noch mehr unsinniges Zeug einfällt, trete ich rasch vor und halte ihm meine Rechte hin. Als der Mann sie ergreift, durchzuckt mich ein leichter Stromschlag. Ihm scheint es genauso zu ergehen, denn er lässt meine Hand abrupt los.

„Ich bin Phoebe McDougall“, sage ich mit einem schiefen Grinsen. Ohne Luft zu holen, stelle ich Jamie vor, indem ich auf ihn deute.

„Matteo“, sagt der Mann.

Mir fällt auf, dass er seinen Nachnamen nicht genannt hat. Bevor ich ihn darauf ansprechen kann, ergreift Jamie das Wort.

„Tut mir leid, dass wir einfach so auf Ihre Insel platzen“, sagt er. „Unsere Yacht hat Schiffbruch erlitten, und wir haben mit dem Beiboot die nächstgelegene Insel angesteuert.“

Matteo murmelt etwas in seinen nicht vorhandenen Bart. Dann scheint er sich einen Ruck zu geben. Er bietet uns die vertrauliche Anrede an, was mir nur fair erscheint. Schließlich hat er uns direkt auf diese Weise angesprochen.

„Dann bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als euch hineinzubitten“, sagt er und macht eine einladende Geste.

Ein kleines Stimmchen in mir flüstert, dass es mir sehr gut gefällt, mit diesem Mann mitzugehen. Mir bleibt keine Zeit, länger darüber nachzudenken, denn er und Jamie haben sich bereits in Bewegung gesetzt. Wenn ich nicht draußen vor dem Tor stehenbleiben will, sollte ich mich sputen. Ich eile den beiden hinterher. Sobald ich das Anwesen betreten habe, schließt sich das Tor wie von Geisterhand.

Kokosnusspalmen säumen den weißsandigen Weg bis zum Haus. Als ich hinaufschaue, um die Früchte zu bewundern, entdecke ich diverse Sicherheitskameras, die geschickt in den Palmen angebracht sind. Der Typ ist wirklich ganz schön paranoid, schießt es mir durch den Kopf. Vielleicht hat er Angst, jemand könnte ihm sein gutes Aussehen stehlen. Ich sinniere darüber, wie es wohl wäre, mit den Händen durch seine Haare zu wuscheln und die Muskeln an seinem Körper zu fühlen. Es gelingt mir erst, den Gedanken daran abzuschütteln, als mir ein weich-floraler Duft, vermengt mit einem fruchtig-blumigen, in die Nase steigt. Als ich mich umschaue, sehe ich sorgfältig gepflegte Hibiskusbüsche, die mit farbenfrohen Orchideen um einzigartige Pracht wetteifern.

Das Haus kommt in Sicht, eine weißgetünchte Luxusvilla mit vergoldeten Fensterläden, deren Größe ich nicht genau abschätzen kann. Matteo, wie auch immer sein Nachname lautet, muss stinkreich sein. Auch am Anwesen sind einige Überwachungskameras angebracht. Wegklauen wird uns hier schon mal niemand.

Am Eingangstor erwarten uns zwei Personen. Die eine ist eine etwa dreißigjährige schwarzhaarige Elfe, die Matteo in Sachen Schönheit in nichts nachsteht. Als wären ihre ebenmäßigen Züge nicht genug, erstrahlt ihre Haut in reinstem Alabaster. Ob diese Frau jemals in die Sonne geht? Neben ihr komme ich mir ganz schön robust vor.

Ein kräftiger Mann mit ebenfalls schwarzen Haaren steht neben Miss überirdischer Schönheit und hat einen Arm um ihre Schultern gelegt. Er muss ungefähr in ihrem Alter sein. Beide strahlen uns breit entgegen.

„Herzlich willkommen“, sagt die Elfe mit unüberhörbarem italienischem Akzent und streicht sich mit einer Hand durch die hüftlangen Locken.

„Wir freuen uns sehr, endlich einmal Gäste begrüßen zu dürfen“, ergänzt der sie flankierende Schrank von einem Mann.

Die beiden stellen sich als Lucia und Antonio vor. Sie gehen Matteo auf dem Anwesen zur Hand.

„Alleine wäre der arme Junge komplett aufgeschmissen“, sagt Lucia und grinst Matteo frech an.

Arm? Junge? Eine von uns beiden ist definitiv im falschen Film gelandet.

Jamie tritt neben mich, knufft mich in die Seite. „Da haben wir ja noch mal Schwein gehabt.“

„Das kannst du laut sagen.“ Ich ziehe die Stirn kraus, als ich daran denke, wie übel es für uns hätte enden können.

Von hier aus wird es uns möglich sein, Hilfe zu holen. Nicht mehr lange, und unser unfreiwilliger Gastgeber ist uns wieder los. Es versetzt mir einen leisen Stich, als ich daran denke. Ärgerlich über mich selbst, schüttle ich den Kopf. Ich finde diesen Mann noch nicht einmal sonderlich sympathisch. Wieso sollte es mir etwas ausmachen, so schnell wie möglich von ihm wegzukommen?

Lucia bittet uns mit herzlichen Worten hinein. In der riesigen Eingangshalle duftet es stark nach Orchideen. Als ich mich umsehe, entdecke ich den Grund dafür. Überall stehen goldfarbene Blumentöpfe mit Orchideen in allen Variationen.

Der Empfangsbereich ist ganz in Beige und Weiß gehalten. Die Blumen bilden interessante Farbtupfer. Eine große Wendeltreppe führt ins Obergeschoss. Mehrere Türen gehen von der Halle ab. Die Ausmaße lassen nur erahnen, wie groß die Immobilie wirklich ist. Auch hier gibt es eine Menge Überwachungskameras. Ich beschließe, Lucia zu einem geeigneten Zeitpunkt danach zu fragen. Sie scheint mir weitaus gesprächiger als der Besitzer.

Matteo hüllt sich nämlich seit seiner Begrüßung in Schweigen. Mich mit unergründlichem Blick musternd, steht er mit vor der Brust verschränkten Armen da. Eigentlich hätte ich mich aufgrund dessen unwohl fühlen müssen, doch seine Augen haben etwas, dem ich nicht widerstehen kann. Unwillkürlich frage ich mich, wie es wohl ist, in seinen starken Armen zu liegen, während er mich mit seinen schwarz schimmernden Augen ansieht. Ich lecke mir über die Lippen, die plötzlich ganz trocken sind, was natürlich am akuten Flüssigkeitsmangel liegen muss.

„Kommt, ich zeige euch eure Zimmer“, sagt Lucia in fröhlichem Tonfall und reißt mich damit aus meinen Überlegungen.

„Wenn ich mal kurz telefonieren darf, ist das vielleicht gar nicht nötig.“ Ich lächle sie an. „Wenn sich ein Boot in der Nähe befindet, seid ihr uns ganz schnell wieder los.“

„Ich fürchte, das wird nicht möglich sein.“ Es ist Matteo, der gesprochen hat.

Stirnrunzelnd schaue ich ihn an. „Wieso nicht? Es scheint doch ganz in deinem Sinne zu sein, dass wir schnell wieder abhauen. Uns stört das sicher nicht, oder, Jamie?“ Um Zustimmung heischend blicke ich ihn an.

Mein bester Freund nickt. „Wir haben bezüglich der Versicherung einiges zu klären. Je früher wir wieder in der Zivilisation sind, desto besser.“

„Du missverstehst mich.“ Matteo bedenkt mich erneut mit einem unergründlichen Blick.

„Wenn du keinen von uns an deine heiligen Geräte lassen willst, setz doch du den Notruf ab.“

„Selbst wenn ich das wollte, könnte ich es nicht.“ Matteo seufzt. „Wir haben hier keine Möglichkeit, mit der Außenwelt Kontakt aufzunehmen.“

Jamie schnaubt. „Das kann doch nicht euer Ernst sein!“

„Matteo hat recht“, sagt Antonio, der mit der freien Hand eingehend seine Fingernägel inspiziert. „Wir haben hier nicht mal ein Satellitentelefon.“

„Woher bekommt ihr dann eure Vorräte?“ Jamie klingt ungläubig, was ich ihm nicht verdenken kann.

„Und was macht ihr, wenn ihr einen Notfall habt?“, ergänze ich.

Kein Wort glaube ich den beiden. Hilfesuchend schaue ich zu Lucia, doch sie zuckt nur mit den Schultern und nickt leicht. Gibt es hier etwa tatsächlich keine Möglichkeit, zu telefonieren oder wenigstens zu morsen?

„Unsere Vorräte bekommen wir per Helikopter“, erklärt Matteo. „Alle paar Wochen fliegt er die Insel an.“

Nachdem er sich ein paarmal geräuspert hat, als müsse er Mut für seine nächsten Worte sammeln, sagt Antonio: „Zwei Wochen müsst ihr es hier schon aushalten.“

Jamie reißt die Augen weit auf. „Wir können unmöglich so lange bleiben!“

Lucia lacht ein glockenreines Lachen. „So schlimm ist es hier nun auch wieder nicht.“

Bevor ich dazu komme, etwas Versöhnliches zu sagen, bietet Lucia wieder an, uns unsere Zimmer zu zeigen.

„Ihr habt Glück im Unglück“, sagt Antonio mit einem Augenzwinkern. „Das hier war früher mal eine Luxusherberge für reiche Touristen. Es gibt also exklusiv ausgestattete Suiten.“

„Lasst uns auf die Zimmer gehen“, sagt Jamie. „Dort gibt es vielleicht einen Wasserhahn, wo ich meinen Durst löschen kann. Meine Zunge klebt schon am Gaumen.“

Lucia schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. „Wie konnte ich das vergessen!“, ruft sie. „Ihr müsst halb verdurstet sein.“ Sie wirft Matteo einen strafenden Blick zu. „Wobei du auch nicht ganz unschuldig bist. Ein guter Gastgeber hätte schon längst etwas zu trinken angeboten.“

Belustigt schaue ich von ihr zum Hausherrn. Matteo verzieht tatsächlich sein Gesicht zu einer Miene, die zerknirscht aussieht. Am liebsten hätte ich Lucia applaudiert. Sie dirigiert uns zu einer dunkelgrauen Sitzgruppe und bittet uns, Platz zu nehmen.

„Ich hole euch jetzt erst einmal etwas zu trinken. Wasser ist jetzt vermutlich das Beste.“

Kurz darauf halten wir jeder eine große Wasserflasche in der Hand. Jamie trinkt langsam und bedächtig. Ich bin weniger geduldig, weswegen mir ein undamenhaftes Rülpsen entfährt. Das lässt mich rot anlaufen, und ich bedecke meinen Mund mit einer Hand.

„Antonio, du gehst schon mal in die Küche“, sagt Lucia im Kommandoton. „Unsere Gäste müssen halb verhungert sein.“

Wie aufs Stichwort knurrt mein Magen leise. Um es zu unterdrücken, trinke ich einen weiteren, großen Schluck Wasser.

„Ich brauche vier geschnittene Zwiebeln und drei Zehen gepressten Knoblauch“, kommandiert Lucia weiter.

Der Hüne salutiert. „Sehr wohl, Madam.“ Mit schnellen Schritten durchquert er die Halle und verschwindet hinter einer Tür.

„Nehmt eure Flaschen mit aufs Zimmer“, sagt Lucia. Sie zeigt mit einem Finger auf Matteo. „Du bringst deine Gäste auf ihre Zimmer. Ich werde in der Küche gebraucht.“

„Aber ich weiß doch gar nicht, in welche.“ Matteo blickt verzweifelt drein, was mir ein Grinsen entlockt.

„Such einfach die schönsten aus“, sagt Lucia über die Schulter. Sie eilt bereits in Richtung Küche.

„Die schönsten“, brummt Matteo. „Woher soll ich wissen, welche das sind?“ Er breitet beide Arme zu einer hilflosen Geste aus. „Das gibt garantiert Ärger.“

Als wir vor meinem Zimmer stehen, strecken Matteo und ich gleichzeitig die Hand nach der Türklinke aus. Unsere Hände berühren sich. Mit einem verlegenen Lächeln ziehe ich die meine zurück. Matteo öffnet die Tür für mich, murmelt eine Verabschiedung.

Sekunden später stehe ich in einer liebevoll eingerichteten Suite. Nachdem ich alle Möbel von ihren Schutzbezügen befreit habe, kommt ihre ganze Pracht zum Vorschein. Sie sind alle weiß und glänzen durch filigrane Verzierungen. Die lachsfarbenen Wände harmonieren hervorragend. Dunkelgraue Kissen und andere Accessoires setzen Akzente. Hier werde ich mich wohlfühlen, das weiß ich sofort.

Als Matteo uns zu den Zimmern brachte, hat er erzählt, dass es hier insgesamt zwölf solcher Suiten gibt. Das ehemalige Luxushotel setzte eindeutig auf Klasse statt Masse. Drei der Suiten werden wohl Lucia, Antonio und Matteo bewohnen. Ich überlege, ob Lucia wohl mit einem der beiden liiert ist. Es sah nicht danach aus, doch ich bin nicht gerade versiert im Erkennen solcher Dinge. Es hat mich auch nicht zu interessieren. Daher schüttle ich den Gedanken ab, obwohl ich einen Stich der Eifersucht verspüre und widme mich dringlicheren Dingen. Ich muss nämlich mal ganz nötig aufs Klo.

Nachdem ich mich erleichtert habe, gehe ich auf den Balkon und fläze mich in einen Liegestuhl. Jetzt, da ich etwas zur Ruhe gekommen bin, schießen mir Tränen ob meines Verlusts in die Augen. Die Sunny Dreams war mein absoluter Traum. Sie bot mir ein Zuhause, war meine große Liebe, mein Leben. Nun stehe ich mit gerade mal dreißig Jahren vor dem Nichts. Wenn die Versicherung den Schaden nicht übernimmt, kann ich einpacken. Jamie und ich werden als Tauchlehrer arbeiten müssen oder, was für mich fast noch schlimmer wäre, auf einem Schiff anheuern. Nachdem ich jahrelang mein eigener Herr war, würde es mir das Herz brechen, in jemandes Dienst zu stehen und Befehle ausführen zu müssen.

Nicht umsonst habe ich alle Zelte hinter mir abgebrochen, meine Familie und meine Freunde verlassen. Der Freiheitsdrang in mir war bereits in meiner Kindheit stark vorhanden. Nie habe ich mich mit Puppen befasst, sondern am liebsten mit meinen diversen Kuscheltieren auf Booten Piratin gespielt. Meine beiden jüngeren Brüder litten wohl mitunter an meinen kreativen Spielideen. Stets waren sie die armen Kapitäne, welche ich als Freibeuter überfiel und nicht nur einmal an den Pfosten meines Bettes fesselte.

Bei der Erinnerung muss ich kurz schmunzeln, gibt sie mir doch ein kleines Stück wertvolle Vergangenheit zurück. Zu der meine heißgeliebte Yacht nun ebenfalls zählt. Wieso nur musste der dämliche Gastank explodieren? Jamie und ich haben so hart für unseren Traum gekämpft. Nun scheint es, als sei alles verloren. Was es auch sein wird, wenn die Versicherung nicht bezahlt.

Schniefend und schluchzend betrauere ich mein Schicksal, wodurch ich fast das Klopfen an der Tür überhöre.

„Herein!“, rufe ich. Geräuschvoll ziehe ich die Nase hoch, da ich kein Taschentuch zur Hand habe. Mit beiden Händen wische ich mir über die Augen und hoffe, mich dadurch in einen einigermaßen präsentablen Zustand zu versetzen.

Zum Glück ist es nur Jamie, der seinen Kopf ins Zimmer streckt. „Darf ich reinkommen?“

Ich nicke stumm.

Jamie tritt zu mir auf den Balkon. Mit einem Stöhnen lässt er sich in den zweiten Liegestuhl fallen. „Alles okay?“, fragt er und mustert mich besorgt.

Ein letztes Mal fahre ich mir mit dem Handrücken über die Augen. Dann zucke ich mit den Schultern. „Wie okay es eben sein kann, wenn ein Lebenstraum im wahrsten Sinne des Wortes untergegangen ist.“

Mit ausgestrecktem Arm tastet Jamie nach meiner Hand. Ich ergreife sie, drücke sie fest. Minutenlang sitzen wir so da, ohne etwas zu sagen. Es ist auch sein Traum, der baden gegangen ist.

„Die Versicherung wird schon für den Schaden aufkommen“, sagt er irgendwann leise. „Das muss sie einfach.“

„Was hältst du eigentlich von den vielen Überwachungskameras?“, wechsle ich das Thema, um mich abzulenken.

Jamie lacht. „Ziemlich unnütz hier in der Einöde. Aber Matteo ist halt ein komischer Kauz.“

Da er damit augenscheinlich keine Probleme hat, werde ich versuchen, ebenso souverän damit umzugehen. Obwohl mir bei dem Gedanken, auf Schritt und Tritt überwacht zu werden, schon ein wenig mulmig zumute ist.

Wieder klopft es an der Tür. Diesmal ist es Lucia, die uns zum Abendessen holen will. Sie trägt eine weiße Schürze mit roten Herzchen und sieht ganz bezaubernd darin aus. Jetzt erst merke ich, wie hungrig ich bin. Eifrig springe ich von meinem Liegestuhl auf, ziehe Jamie mit hoch.

Wir folgen Lucia wie Entenküken brav in den Speisesaal. Dort erwartet uns ein verführerischer Essensduft, der aus der Küche herüberweht. Wenn es so schmeckt, wie es riecht, bin ich eindeutig im Paradies gelandet.

Die Minestrone schmeckt himmlisch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie aus tiefgefrorenem oder Dosengemüse gemacht ist, die vom Versorgungshelikopter vor Wochen eingeflogen wurde. Auf meine Nachfrage hin gibt Lucia augenzwinkernd zu, das Gemüse frisch aus dem Garten geerntet zu haben.

Während ich hungrig die Minestrone in mich hineinlöffle, spüre ich, dass mich jemand beobachtet. Als ich aufschaue, blicke ich direkt in Matteos dunkle Augen. Wie schon am Tor ist es so, als würden sie mein Innerstes direkt in sich hineinziehen; als eine Art schwarzes Loch fungieren. Ich versuche, meinen Blick von ihm abzuwenden, doch es gelingt mir nicht. Es ist, als hätte er mich hypnotisiert. Die Härchen auf meinen Unterarmen stellen sich auf, und ein Schauder läuft über meinen Rücken. Doch es ist beileibe kein unangenehmes Gefühl. Verwirrt starre ich Matteo an und warte darauf, dass er als Erster wegschaut. Wobei ich mir gar nicht so sicher bin, ob ich das überhaupt will. Was wäre schlimm daran, bis in alle Ewigkeit hier zu sitzen und das unbeschreibliche Gefühl zu genießen, das Matteo in mir hervorruft? Dann siegt der Hunger, und ich wende meinen Blick gewaltsam von Matteo ab, um mich wieder meiner Suppe zu widmen.

 

***

 

Nach einem opulenten Drei-Gänge-Menü bittet uns Matteo zu einem Schlummertrunk in die Bibliothek. Lucia und Antonio entschuldigen sich, da sie morgen früh aufstehen müssen, um alles für ihre unerwarteten Gäste vorzubereiten.

Mit übervollem Bauch lasse ich mich in einen der bequem aussehenden Ledersessel sinken. Aus halb geschlossenen Augen bewundere ich die deckenhohen Regale voller Bücher. Hier könnte ich es einige Zeit aushalten, denn das einzige, was ich auf meiner Segelyacht vermisst habe, waren Berge von Büchern. Natürlich konnte ich nur einen Bruchteil meiner Lieblinge unterbringen, die jetzt alle verloren sind.

Matteo reicht mir einen Cognac. Wir prosten uns zu, bevor wir einen Schluck trinken. Der ungewohnte Alkohol steigt mir sofort zu Kopf, und ich verziehe das Gesicht.

„Was machst du eigentlich beruflich?“, fragt Jamie, der es sich mit ausgestreckten Beinen in seinem Sessel bequem gemacht hat.

„Ich bin Unternehmer“, erwidert Matteo ausweichend und lässt mit keiner Geste erkennen, ob ihm Jamies Frage unangenehm ist oder nicht.

„Und dann kannst du deine Geschäfte einfach mal so stehen und liegen lassen?“ Jamie zieht die Stirn kraus.

„Ganz genau. Die Wintermonate gehören mir allein.“

Anscheinend reagiert Matteo meinem besten Freund zu einsilbig, denn er bestürmt ihn mit weiteren Fragen. Schüchtern war Jamie noch nie. Wenn ihn etwas interessiert, fragt er einfach so lange, bis er auch das letzte Quäntchen Information aus seinem Gegenüber herausgequetscht hat.

Anfangs beantwortet Matteo alle Fragen, doch ich kann sehen, dass er langsam richtig genervt ist. Sein Blick wird immer finsterer, seine Antworten immer ausweichender.

„Was ist eigentlich mit den vielen Sicherheitskameras?“, fragt Jamie.

„Waren schon vorinstalliert.“ Matteo verzieht das Gesicht. „Noch jemand Cognac?“

Wir schütteln den Kopf.

„Dann würde ich sagen, der Abend ist hiermit beendet.“ Matteo nickt Jamie und mir zu, bevor er aufsteht. Nach einer gemurmelten Verabschiedung verlässt er den Raum.

Mit halboffenem Mund starre ich Jamie an. „Was war das denn jetzt?“, bringe ich schließlich heraus.

Er lacht. „Ich fürchte, ich habe unserem Gastgeber zu viele Fragen gestellt. Die nach den Kameras war ihm wohl eindeutig zu intim.“

Ich schnaube durch die Nase. „Wenn ihm das schon zu viel war, will ich gar nicht wissen, wie er reagiert, wenn du mal richtig aufdrehst.“

Jamie beugt sich zu mir, boxt mich freundschaftlich in die Seite. „Komm, lass uns auch schlafen gehen. Das war alles ein bisschen viel heute.“

Kapitel 3

Die nächsten drei Tage vergehen wie im Flug. Vor allem Lucia sorgt für so viel Abwechslung, dass ich kaum dazu komme, an meine Yacht zu denken. Sie schleppt uns in den Fitnessraum, wo ich auf dem Laufband meinen Frust herunterrenne. Als wir am Pool liegen, versorgt sie uns mit Lesestoff. Im hauseigenen Kino schauen wir abends Filme, während wir an einem Glas hervorragendem Rotwein nippen. Damit nicht genug, kocht sie auch noch wie eine Göttin. Wenn ich noch länger hierbleibe, werde ich auseinandergehen wie ein Hefezopf.

Matteo scheint sich mit unserer Anwesenheit abgefunden zu haben. Verschwunden ist sein mürrisches Auftreten und hat einem Benehmen Platz gemacht, das ich nur als charmant empfinden kann. Er unterhält Jamie und mich mit Anekdoten von seinen diversen Reisen, die in mir sofort Fernweh hervorrufen, und erzählt sogar Witze. Nur von seiner Familie spricht er nie. Zunächst kommt es mir ein wenig komisch vor, da Jamie und ich viel freigiebiger mit derlei Geschichten sind. Dann zucke ich innerlich mit den Achseln. Schließlich kennen wir uns kaum.

Zwischendurch schaut Matteo mit eindringlichem Blick von Jamie zu mir, als wolle er herausfinden, wie unsere Beziehung geartet ist. Wenn sich unsere Augen treffen, wird mir warm ums Herz. Der Mann gefällt mir besser, als mir lieb ist, muss ich mir widerwillig eingestehen.

 

***

 

Tags darauf schlage ich mir beim Frühstück den Bauch mit den besten Pfannkuchen voll, die ich jemals gegessen habe. Sie schmecken so himmlisch, dass ich mich überfresse. Jetzt muss dringend ein Verdauungsspaziergang her, wenn ich nicht platzen will.

Gemächlich schlendere ich über das Grundstück, bewundere die farbenprächtigen Blumen und lausche dem Gezeter der Papageien. Hier fühle ich mich so wohl, dass sogar der Gedanke an die Sunny Dreams in den Hintergrund tritt. Die Versicherung wird den Schaden schon übernehmen, sage ich mir.

„Kann ich kurz mit dir reden?“, fragt jemand hinter mir.

Erschrocken fahre ich zusammen. Als ich mich umdrehe, sehe ich, dass Matteo dicht hinter mir ist.

„Klar“, sage ich und lächle ihn an.

Sein schwarzglänzender Blick trifft mich, und ich erschaudere innerlich ob dessen Eindringlichkeit. Ich muss wirklich aufpassen, dass ich mich in diesen Augen nicht verliere. Gewaltsam wende ich mich ab, schaue scharf an Matteo vorbei.

„Ich … ähm …“ Matteo bricht ab.

Nun sehe ich doch wieder zu ihm, werde vom dunklen Glanz seiner Augen förmlich aufgesogen.

„Ja?“, bringe ich heraus und schlucke, weil sich meine Kehle plötzlich ganz trocken anfühlt.

„Was läuft eigentlich zwischen dir und Jamie?“, rattert Matteo mir wie eine Salve aus einer Maschinenpistole entgegen.

Ich fühle, wie meine Wangen rot anlaufen. Nun ist es an mir, herumzudrucksen, bis ich endlich herausbringe, dass wir nur gute Freunde sind.

Matteo strahlt mich an. „Das sind ganz hervorragende Neuigkeiten.“

In wenigen Schritten ist er bei mir, presst mich an sich. Erschrocken keuche ich auf. Matteo beugt sich zu mir herab, packt meine Haare und presst stürmisch seine Lippen auf die meinen. Im ersten Moment fühle ich mich wie schockgefrostet. Dann zerklirrt das Eis und wird ersetzt durch einen Vulkanausbruch der Erregung. Keine Sekunde denke ich darüber nach, Matteo abzuwehren, denn mein Gehirn läuft nur noch auf Sparflamme. Stattdessen erwidere ich leidenschaftlich seinen Kuss. Meine Gefühle haben eindeutig die Oberhand gewonnen. Nässe schießt in meinen Schoß, als Matteo mit seiner Zunge meine Lippen auseinanderzwingt und meinen Mund erobert. Normalerweise würde ich mir ein derartiges Verhalten nicht bieten lassen, doch Matteo hat eine so betörende Wirkung auf mich wie nie ein Mann zuvor. Bei ihm genieße ich sein forsches Vorgehen, kann nicht genug davon bekommen. Unter seinem Kuss schmelze ich dahin wie ein Schneemann in der Sonne. Meine Knie werden butterweich, drohen nachzugeben. Matteo hält mich sicher fest, sodass mir nichts geschehen kann.

„Das wollte ich bereits tun, als ich dich das erste Mal gesehen habe“, murmelt er gegen meine geschwollenen Lippen, und ich stöhne auf.

Während unsere Zungenspitzen ein interessantes Spiel beginnen, fährt Matteo mit einer Hand unter mein Poloshirt. Sanft streichelt er meinen Rücken, was mich dazu bringt, mich enger an ihn zu schmiegen. Langsam wandert seine Hand in Richtung Brust. Mit der anderen hält er immer noch meine Haare fest.

Um ihm leichter Zugriff zu meinen Brüsten zu gewähren, löse ich meinen Oberkörper ein wenig von ihm. Ich halte den Atem an, als Matteo federleicht die Umrandung meines Busens umfährt. Unsere Zungen halten wie auf Kommando inne, verharren im Mund des anderen. Ein Stöhnen entringt sich mir, als Matteo meine Brustspitzen berührt. Er drückt sie leicht, zwirbelt sie sanft hin und her. Aufs Höchste erregt, presse ich meinen Unterkörper an ihn, spüre sein hartes Geschlecht am Unterbauch. Ich dränge mich ihm entgegen und hoffe inbrünstig, dass er nicht aufhört.

Leider tut er wenig später genau das. Keuchend schiebt er mich von sich. „Tut mir leid“, sagt er leise. „Das hätte ich nicht tun dürfen.“

Nach diesen Worten dreht er sich um und geht schnellen Schrittes davon. Mich lässt er schwer atmend und völlig perplex zurück.

 

***

 

Den restlichen Tag über bin ich zu nichts zu gebrauchen. Ständig denke ich über das Geschehene nach. Wie hat es Matteo geschafft, dass ich mich derart nach ihm verzehre? Und warum um alles in der Welt hat er sich danach dafür entschuldigt, als hätte er einen schweren Fehler begangen? Wir haben nichts Unrechtes getan. Hat er etwa Frau und Kinder, die zu Hause auf ihn warten?

Abends wälze ich mich schlaflos im Bett hin und her. Meine Gedanken spielen Karussell, weigern sich, auch nur eine Sekunde Ruhe zu geben.

Nach einer durchwachten Nacht schlüpfe ich in meine Klamotten. Lucia wäscht sie jeden Abend, da ich natürlich keine Wechselsachen dabeihabe. Da ich gestern bereits duschen war, gebe ich mich mit einer Katzenwäsche zufrieden. Meinem Spiegelbild werfe ich vorsichtshalber nur einen flüchtigen Blick zu.

Hohläugig erscheine ich wenig später im Speisesaal. Jamie sitzt bereits da. Er hat einen großen Pott Kaffee vor sich, den ich sehnsüchtig beäuge. Als Jamie mich sieht, winkt er mir mit seinem Brötchen zu, ich solle mich zu ihm setzen. Mit einem Seufzer lasse ich mich auf den Stuhl neben ihm sinken.

„Was ist denn mit dir passiert?“, fragt er, sobald er mich richtig angeschaut hat. „Du siehst aus, als hättest du kein Auge zugetan.“

Ich murmle etwas von Trauer um meine Yacht. Zum Glück akzeptiert Jamie meine Erklärung und dringt nicht weiter in mich. Er muss nicht wissen, was ich gestern für Schweinereien mit Matteo getrieben habe.

Inzwischen bin ich stinksauer auf den Kerl, weil er mich zuerst scharf gemacht hat wie nie einer zuvor, um mich dann einfach stehenzulassen. Nicht einmal zu einem Wort der Erklärung hat er sich herabgelassen. Mit dem Mann habe ich definitiv noch ein Hühnchen zu rupfen.

Nach zwei leckeren Brötchen nebst riesigem Pott Kaffee mache ich mich auf die Suche nach Matteo. Der Mann ist mir eine Erklärung schuldig. Er kann mich doch nicht einfach heiß machen, um mich dann von sich zu stoßen. Wenn er meint, dass er so mit mir umspringen kann, hat er sich gewaltig geschnitten.

Bereits kurz darauf wird mir klar, dass ich Matteo nicht so einfach aufstöbern kann. Die Villa ist riesig, und ich kann schlecht einfach in jedes Zimmer hineinstürmen. Probehalber klopfe ich an eine Tür. Da ich keine Reaktion erhalte, drücke ich langsam die Klinke hinunter. Die Tür ist verschlossen. Mit gerunzelter Stirn wende ich mich ab. Wie es aussieht, muss ich warten, bis mir Matteo von selbst über den Weg läuft. Schade, denn gerade bin ich so schön wütend auf ihn.

Ich beschließe, mir ein wenig die Beine zu vertreten. Draußen herrscht strahlender Sonnenschein. Obwohl es erst 10 Uhr morgens ist, läuft mir binnen kürzester Zeit der Schweiß den Nacken hinab. Dankbar halte ich mein Gesicht der leichten Brise entgegen, die vom Meer herüberweht.

Direkt hinter dem Haus erstreckt sich ein Palmenhain, der etwas Schatten verspricht. Gesenkten Kopfes lenke ich meine Schritte in die entsprechende Richtung. Matteo schleicht sich wieder mal in meine Gedanken. Aus dem Kerl werde ich einfach nicht schlau. Etwas Geheimnisvolles umgibt ihn wie eine zweite Haut. Er muss ein überaus reicher und mächtiger Mann sein, wenn er es sich leisten kann, den Winter über von der Bildfläche zu verschwinden. Wer ihn wohl in seiner Abwesenheit vertritt?

Mitten in meine Überlegungen hinein stoße ich schmerzhaft mit jemandem zusammen. Erschrocken fahre ich zurück und sehe, dass es Matteo ist, der wohl ebenso in Gedanken versunken war wie ich. Während ich mir den Kopf reibe, schaue ich zu ihm hinauf.

„Tut mir leid“, sagt Matteo, der sich über den Arm fährt. „Hast du dir wehgetan?“

„Es geht schon“, wiegle ich ab, obwohl meine Stirn ganz schön zwiebelt. Hoffentlich bekomme ich keine Beule.

Ich verdränge den Gedanken, denn dies ist die Gelegenheit, Matteo gründlich meine Meinung zu geigen. Also hole ich tief Luft, um mit meiner Schimpftirade zu beginnen.

„Ich muss mich bei dir entschuldigen.“ Matteo lächelt mich an. Er wirkt verlegen. „Gestern Abend habe ich mich wie der letzte Idiot benommen.“

Damit nimmt er mir den Wind aus den Segeln. Geräuschvoll lasse ich die Luft aus meinen Lungen entweichen und weiß plötzlich nicht mehr, was ich sagen soll. Während ich noch überlege, steigt wieder Wut in mir hoch.

„Stimmt“, platzt es aus mir heraus, und ich funkle ihn an. „Was sollte das Ganze eigentlich?“

„Du bist zum Anbeißen süß, weißt du das eigentlich?“ Matteo hebt eine Hand, als wolle er mich berühren, lässt sie jedoch wieder sinken.

Ich kann nicht verhindern, dass mein Atem schneller geht, was an meiner sich hebenden und senkenden Brust deutlich sichtbar ist. Wie gern würde ich den Kuss von gestern Abend wiederholen. Ärgerlich über mich selbst schüttle ich den Kopf, als könne ich dadurch den Gedanken verscheuchen. Bevor ich noch etwas mache, was mir später leidtun wird, trete ich einen Schritt zurück.

„Machst du das mit allen Frauen?“ Aus halb zusammengekniffenen Augen starre ich ihn an.

„Was meinst du damit?“ Sein Blick scheint verständnislos, doch darauf falle ich nicht herein.

„Sie erst anmachen und dann fallenlassen wie eine heiße Kartoffel, was denn sonst?“

„So etwas würde ich niemals tun.“ Matteo schaut zu Boden.

„Nein, du doch nicht!“ Meine Stimme trieft vor Sarkasmus. Am liebsten hätte ich ihm für seine Lüge eine Ohrfeige versetzt.

„So war das wirklich nicht“, sagt er mit einem tiefen Seufzer. Dann strafft er die Schultern, als gebe er sich einen Ruck. „Es ist nur …“ Matteo bricht ab.

Sein Blick trifft mich, aus dem ich eindeutig Verzweiflung herauslesen kann. Wider Willen besänftigt es mich ein wenig, sodass ich mir eine saftige Erwiderung verkneife.

„Es tut mir schrecklich leid, aber ich kann es dir nicht erklären.“ Nach diesen Worten dreht Matteo sich um und stürmt davon.

Wieder lässt er mich unbefriedigt und voller Fragen zurück. Meine Wut ist allerdings aus unerfindlichen Gründen verraucht.

 

***

 

Beim Mittagessen glänzt Matteo durch Abwesenheit. In meinem Inneren streiten sich Erleichterung und Enttäuschung um die Oberhand. Bevor ich ein Gefühl zum Sieger küren kann, betritt Luisa mit einem Tablett den Speisesaal, von dem es himmlisch duftet.

Sie hat Hokifilet im Bananenblatt auf kreolische Art zubereitet. Das Gericht zergeht mir auf der Zunge, zündet eine Geschmacksexplosion aus Koriander, Chili, Banane und Mango. Ich kaue mit geschlossenen Augen, gebe kleine Laute der Verzückung von mir. Nachdem ich mir die letzte Gabel in den Mund geschoben habe, öffne ich die Augen mit einem traurigen Seufzer.

Lucia betrachtet mich mit amüsiertem Blick. „Möchtest du noch eine Portion?“, fragt sie.

Obwohl mein voller Magen drauf und dran ist, zu protestieren, nicke ich heftig. „Ein bisschen passt bestimmt noch rein.“

Die italienische Schönheit bringt mir noch einen gehäuften Teller, bevor sie sich mir gegenübersetzt, um ebenfalls etwas zu essen.

„Ist Matteo eigentlich verheiratet?“, platze ich mit vollem Mund heraus.

Ich lasse die Gabel fallen und presse meine Hand auf den Mund, als könne ich die Worte dadurch zurückdrängen.

„Ja“, sagt Lucia und lächelt mich an. „Matteos Frau ist allerdings in New York geblieben.“

Das Herz rutscht mir in die Hose. Trotz der Hitze wird mir eiskalt und meine Hände fangen an, zu zittern. Auf was für ein Arschloch bin ich da fast hereingefallen?, schießt es mir durch den Kopf. Hinter mir höre ich ein Keuchen. Als ich mich halb umwende, sehe ich, dass Matteo kreidebleich hinter mir steht. Ich bedenke ihn mit dem abfälligsten Blick, zu dem ich in der Lage bin. Matteo starrt kurz zurück, bevor er sich umdreht und schnellen Schrittes in Richtung Tür eilt. Die feige Ratte verlässt das sinkende Schiff.

Mir ist der Appetit vergangen. Ich schiebe meinen Teller von mir und stehe auf, um mir die Beine zu vertreten. Dabei werde ich lauthals meinen Frust herausbrüllen. Von Hiobsbotschaften habe ich definitiv genug. Jetzt brauche ich den Blick auf die unendliche Weite des Meeres. Am Strand werde ich aufs Wasser blicken, was mir hoffentlich den Kopf freipusten wird.

Wenig später stehe ich vor dem Tor zum Anwesen. Vergeblich rüttle ich daran, blicke mich suchend um, doch ich finde keinen Öffner. Wie um aller Welt hat Matteo es aufbekommen? Mir jedenfalls gelingt es nicht. Ich muss mir eingestehen, dass wir eingesperrt sind. Was hat das nun wieder zu bedeuten? Es schmeckt mir ganz und gar nicht, eine Gefangene zu sein.

Kapitel 4

Ich laufe das ganze Anwesen ab, doch ich finde keine Möglichkeit, es zu verlassen. Komplett mit hohem Sicherheitszaun eingezäunt, ähnelt das Grundstück eher einer Festung als einer ehemaligen Ferienanlage. Wut kriecht in mir hoch und ich stürme los, um Matteo zur Rede zu stellen.

Diesmal suche ich das ganze Haus ab, klopfe an jede Tür. Ohne eine Antwort abzuwarten, versuche ich, eine jede zu öffnen. Manche finde ich verschlossen vor und ich frage mich, was sich wohl dahinter verbirgt.

Matteo finde ich nicht. Ich will gerade aufgeben, als ich leise Stimmen vom Dachboden dringen höre. Was geht dort oben vor? Kurz kämpfe ich mit meinem schlechten Gewissen, doch die Neugier siegt. Ich sage mir, dass ich ja nur Matteo finden will. Leise schleiche ich die Holztreppe hinauf, lege mein Ohr an die halb geschlossene Luke.

„Wieso musstest du ihr von meiner Frau erzählen?“, höre ich Matteo fragen, der aufgebracht klingt.

„Ich konnte ja nicht ahnen, dass ich das geheim halten sollte!“ Auch Lucia klingt nicht gerade ruhig.

„Ist ja schon gut. Leider habe ich keine Ahnung, wie ich das Phoebe jetzt erklären soll.“

Da bin ich aber auch mal gespannt. Ich presse mir beide Hände vor den Mund, damit mir kein verräterischer Laut entschlüpft.

Lucia kichert. „Jedenfalls werde ich ohne deine Erlaubnis am besten gar nichts mehr sagen, um deine Angebetete nicht zu verschrecken.“

Als Antwort flucht Matteo etwas auf Italienisch. Rasche Schritte nähern sich der Luke. Jemand macht sich daran zu schaffen. Sie quietscht leicht, als sie angehoben wird.

Es ist höchste Zeit für mich, zu verschwinden. So leise und schnell wie möglich, husche ich die Treppe hinunter. Ich eile den Flur entlang und verschwinde um die nächste Ecke. Erst, als ich im Erdgeschoss angekommen bin, atme ich erleichtert auf.

Am liebsten hätte ich Matteo direkt mit dem eben Gehörten konfrontiert, doch etwas hält mich davon ab. Obwohl ich ihm gerade noch die Hölle heiß machen wollte, bekomme ich plötzlich Muffensausen. Ich beschließe, zunächst mit Jamie darüber zu reden. Wofür hat man schließlich einen besten Freund?

Nach einiger Suche finde ich ihn im Pool, wo er es sich mit einem Cocktail bequem gemacht hat. Sein weißblonder Schopf leuchtet mich bereits aus der Ferne an. Unter meiner Kleidung trage ich einen Bikini, weswegen ich aus meinen Klamotten schlüpfe, um mich zu ihm zu gesellen. Ich blicke mich nach allen Seiten um, doch die anderen sind nirgends zu sehen. In verschwörerischem Flüsterton berichte ich Jamie, was ich soeben erfahren habe. Auch, dass wir vom Gelände nicht herunterkommen, erzähle ich ihm. Je länger ich spreche, desto größer werden seine Augen.

„Im Ernst jetzt?“, fragt er, als ich geendet habe.

Ich nicke nur. Die Unterarme an den Poolrand gestützt, plansche ich mit den Füßen im Wasser. Es ist herrlich erfrischend und lenkt mich wider Willen von meiner sensationellen Entdeckung ab.

„Wir müssen ihn darauf ansprechen.“

„Spinnst du?“ Ich zeige Jamie den Vogel. „Wir können doch nicht zusammen zu ihm gehen und ihn nach seiner Ehefrau fragen.“

Er verdreht die Augen. „Das doch nicht. Ich meine die Sache mit dem verschlossenen Tor. Das geht gar nicht.“

Dem kann ich nur zustimmen. Zwei Wochen ohne Strand und Meer sind nicht auszuhalten. Daher beschließen wir, dass Jamie es beim Abendessen zur Sprache bringen wird.

Ob ich Matteo wegen seiner Frau zur Rede stellen werde, weiß ich noch nicht. Vielleicht ist es am besten, wenn ich mir diesen Mann direkt aus dem Kopf schlage. Klar, er ist heiß, aber auch problembelastet. Kein normaler Mensch verwandelt eine einsame Insel in eine Festung. Andererseits fühle ich mich schon sehr zu ihm hingezogen. Aufgebracht wühle ich mir mit beiden Händen durch die Haare. So wankelmütig bin ich doch sonst nicht!

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    Erin Buchanan (Autor)

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Titel: Forbidden Island – Lustvolle Begegnung (Erotischer Roman)