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Drei Dates mit Santa (Liebe, Chick-lit)

von Louis Saskia (Autor) Julia Bohndorf (Autor) Julia Lalena Stöcken (Autor) Marie Weißdorn (Autor)

2017 0 Seiten

Leseprobe

Über dieses E-Book

Die Übernahme des väterlichen Betriebs ist an sich schon eine große Sache, schließlich will man den Schlitten nicht im Schnee versenken. Wenn es sich dann jedoch um den Job von Santa Claus handelt und die Weihnachtsbriefe aus Deutschland unauffindbar sind, wird es wirklich kompliziert. Immerhin möchte CJ, als Weihnachtsmann auf Probe, keine Fehler machen. Da nützt es ihm auch nichts, das Merry, die Oberelfe der Werkstatt, zum besorgten Kontrollfreak mutiert und Amor ihn als seinen nächsten Klienten ins Visier nimmt. Für die Liebe hat CJ im Vorweihnachtsstress wirklich keine Zeit … und Noelle, die Weihnachten mehr verabscheut als Schneematsch, ist ohnehin die vollkommen Falsche für ihn. Oder?

Impressum

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Erstausgabe Dezember 2017

Copyright © 2017, dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Made in Stuttgart with ♥
Alle Rechte vorbehalten

ISBN: 978-3-96087-257-3
Taschenbuch-ISBN: 978-3-96087-560-4

Covergestaltung: Sarah Schemske
unter Verwendung von Motiven von
© kichigin19/fotolia.com, © Andrey_Kuzmin/shutterstock.com, © Feaspb/shutterstock.com und © Greenery/shutterstock.com
Lektorat: Janina Klinck

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

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Kapitel 1
Santa liebt dich

„Und bitte sehr, Frau Schmidt, Ihre Briefmarken.“

„Danke, Elly, du bist ein Schatz. Unsere eifrige, weihnachtliche Post-Elfe. Fehlt nur noch die rote Mütze!“

Konzentriert brachte Noelle ihre Mundwinkel dazu, sich ein Stück zu heben. Das hatte sie am Morgen noch vor dem Spiegel geübt. Vorsichtshalber. „Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend, Frau Schmidt.“

„Oh, den werde ich haben! Erst werde ich mit meinen Neffen Weihnachtskarten schreiben und dann machen wir den Weihnachtsmarkt unsicher. Punsch für die Kleinen, der Schuss für mich.“ Frau Schmidt lachte herzlich und winkte dann mit den soeben erstandenen Briefmarken. Die darauf abgebildeten Schneemänner grinsten höhnisch zu Elly hinüber. „Fröhliche Weihnachten!“

„Gleichfalls“, gab Elly zurück, lächelte weiter – und atmete erleichtert auf, als die Tür endlich zufiel. Ihr Blick wanderte an dem bis zur Decke reichenden, rot funkelnd geschmückten Weihnachtsbaum vorbei zu den aufgesprühten und schon wieder abblätternden Schneeflocken am Fenster, über den von der Decke hängenden Adventskranz, dessen drei brennende dicke Kerzen schon einen beachtlichen Haufen Wachs an den Boden verloren hatten, bis zu dem kleinen Kalender neben der Eingangstür. Der rote Kreis umrahmte die Achtzehn. Missmutig starrte Elly die zwei verräterischen Ziffern an. Warum konnte jetzt keine gute Fee auftauchen? Oder Hermine Granger? Hauptsache, irgendjemand brachte sie sieben Tage in die Zukunft. Dann wäre der ganze Mist endlich wieder vorbei.

Die rot leuchtenden Ziffern des Radios, das neben dem Kalender an der Wand hing, zeigten ihr, dass sie die Post in fünfzehn Minuten schließen konnte. Gott sei Dank.

Seufzend kam Elly hinter der Verkaufstheke hervor und schloss das angrenzende Lager auf. Wie immer war es teuflisch kalt hier hinten, ihren Chef interessierte die nicht richtig schließende Hintertür seit Jahren nicht. Warum auch? Immerhin fror sie sich hier sechs Tage die Woche den Allerwertesten ab, sobald die Temperaturen die Zehn auf dem Thermometer nur noch sehnsüchtig von unten anhimmelten – und nicht er.

Fröstelnd schlang Elly die Arme um den Körper, während sie an den Regalen entlangging. Päckchen und Pakete stapelten sich hier, bereit zur morgigen Abholung und allesamt versehen mit weihnachtlichen Aufklebern. Die gab es seit letztem Jahr kostenlos dazu, wenn man bei ihr ein Weihnachtsgeschenk verschickte. Merry Christmas oder Santa liebt dich stand auf den meisten von ihnen. Pah, Santa sollte sich um seinen eigenen Kram kümmern.

Am Ende des Lagers angekommen ergriff Noelle die Stange des hintersten Regals und zog es ein Stück nach vorn. Dahinter kam der alte Seesack ihres Vaters zum Vorschein, den sie hier vor drei Jahren zum ersten Mal platziert hatte. Sie zog ihn hervor und warf einen prüfenden Blick auf die darin liegenden Briefe. Etwa siebenhundert dürften es heute gewesen sein, eine fast schon verschwindend geringe Zahl im Vergleich zu den Montagen. Am Wochenende nahmen sich die meisten Eltern für die Wünsche ihrer Kinder mehr Zeit.

Kurz verharrte Noelles Finger nachdenklich, ja fast schon ein wenig wehmütig, auf den obersten Briefen. Weihnachtliche Familienzeit …

Die im Vorraum ertönende Türklingel ließ sie hochschrecken.

„Hallo? Ist noch jemand da?“

Schnell hievte sie den Seesack in die Mitte des Raumes. „Ich komme sofort!“ Mit geübten Handgriffen zog sie die in den Stoff eingenähte Leine zusammen und wand sie einmal um den wertvollen Inhalt. Dann schob sie das Regal an seinen Platz zurück und zog den Sack bis hinter die Tür.

„Guten Abend. Was kann ich für Sie tun, Herr Markt?“ Von den 523 Einwohnern Himmelpforts musste natürlich ausgerechnet einer der absoluten Weihnachtsfanatiker um diese Zeit hier auftauchen … Gut, zugegeben, die Chance, im Dezember auch nur eine Stunde lang mal nicht auf so jemanden zu treffen, war in Himmelpfort verschwindend gering. Es sei denn, man schloss sich zu Hause ein. Was genau genommen genau das war, was sie heute noch tun wollte. Einfach nach Hause, endlich ins Bett und ein weiteres Vierundzwanzigstel der grässlichsten Zeit des Jahres abhaken können.

„Fröhliche Weihnachten, Elly!“

Wenn sie diese Worte auch nur noch einmal zu hören bekam, würde hier heute eine Person weniger die Post verlassen.

„Was hätten Sie denn gern? Ich wollte eigentlich gleich zumachen“, erwiderte sie und klang dabei hoffentlich so freundlich, wie sie es sich vorstellte. Leider fiel ihr Blick in diesem Moment auf die Unmengen an Tannennadeln, die dieser verdammte Weihnachtsbaum auch heute wieder verloren hatte. Das war ihrem lieben Chef natürlich ebenfalls egal, die weihnachtliche Stimmung musste ja gewahrt werden. Elly macht das schon, Elly räumt den ganzen unsinnigen Mist weg und rettet damit vielleicht dem nächsten Kunden das Leben, der sonst – wie sie heute Morgen – auf dem elenden Grünzeug ausrutschen würde!

„Also, Elly, Sie kennen doch meine beiden Enkel. Tim und Tom haben am ersten Weihnachtsfeiertag Geburtstag, sechs werden die Kleinen dieses Jahr schon, ist das zu fassen?“

„Überhaupt nicht.“

„Ganz meine Meinung! Und wissen Sie, im letzten Jahr, da habe ich den Jungs ein Winterwunderland in unserem Garten gebaut, das war ein Anblick, das sag ich Ihnen. Rudolph hat den Schlitten gezogen, sogar einen Frosty hatten wir, obwohl man den hierzulande ja kaum kennt. Tim war ganz …“

„Entschuldigen Sie, Herr Markt, aber ich muss den Laden wirklich gleich schließen.“ Oder eher dieses elende Weihnachts-Gerede unterbrechen, bevor sie dem Drang, den blöden nadelnden Baum umzuwerfen, noch im Beisein des Kunden nachgab.

„Oh, aber Elly, es ist doch Weihnachten. Die Zeit der Liebe und der Familie!“

Und was war das jetzt bitte für ein Argument? „Das ist ja schön, aber für mich ist es gerade eher die Zeit der Arbeit. Oder eben nicht mehr, denn ich habe Feierabend.“ Zeit der Liebe, ha! Der war gut. Amor machte wahrscheinlich seit Jahren Ferien auf Mallorca, statt sich um ihr Liebesglück zu kümmern. Hm, wobei, vielleicht wäre er eher der Typ für Bali. Auf Mallorca würde er bei seinem Aussehen nicht mal ein Bier kriegen …

„Meine Güte, Elly, welcher Weihnachtself ist dir denn über die Leber gelaufen?“ Herr Markt strahlte sie an, als hätte er gerade den Witz des Jahrhunderts gemacht. „An Weihnachten soll man sich doch Zeit für seine Mitmenschen nehmen, man soll sich näher kennenlernen, sich miteinander freuen …“

„Wissen Sie, was mich jetzt wirklich freuen würde?“, unterbrach sie ihn und ballte unter dem Tresen die Hand zur Faust. „Mich würde es unheimlich glücklich machen, wenn Sie jetzt einfach diese Post verlassen und morgen wiederkommen könnten.“

Seine Augen wurden groß. „Aber ich wollte doch …“

„Und lassen Sie mich mit ihrem Weihnachts-Gerede in Ruhe! Ich kann es nicht mehr hören. Als gäbe es im Dezember gar nichts anderes mehr! Weihnachtsmarkt, Weihnachtslieder, Weihnachtsgeschenke, Weihnachtswahn, Weihnachtsgans, Weihnachts…schaf!“ Aufgebracht warf sie die Arme in die Luft. „Was auch immer!“

Herr Markt runzelte unsicher die Stirn, trat einen Schritt zurück und hob ebenfalls die Arme. „Mensch, Elly … Du scheinst einen wirklich schlechten Tag zu haben. Das tut mir leid. Dann komme ich einfach morgen noch einmal her, um das Sparkonto für meine Enkel zu eröffnen.“ Er erreichte die Tür, zog sie auf und winkte ihr noch einmal zu. „Vielleicht solltest du dir einen gemütlichen Abend machen, Weihn… ähm, ich meine, ganz normale Kekse essen und … ganz normale Musik hören. Bis morgen! Und fröhliche Weihnachten!“

Puuh. Ganz ruhig, Elly. Einatmen. Ausatmen. Du bist nicht fürs Gefängnis gemacht.

Sie holte die Leiter, löschte die Kerzen des Adventskranzes, fuhr die Computer runter, holte den Seesack aus dem Lager und schloss es hinter sich ab. Zum Glück hatte sie es nicht weit nach Hause, all diese Briefe durchs halbe Dorf zu schleppen, wäre ganz und gar nicht gut für ihren untrainierten Rücken.

Sie stellte den Seesack vor der Tür ab und ging noch einmal hinein, um das Licht und das Radio auszumachen, da gab dieses eine ganz besondere Melodie von sich. Zum x-ten Mal dudelte dieser ganz besondere Refrain vor sich hin. Last Christmas.

„Verdammt noch mal!“ Etwas zu heftig drückte Elly dem alten Ding den Saft ab und stapfte aufgebracht zur Tür zurück.

Sie steckte den Schlüssel in die Tasche, packte den Sack mit den Briefen mit beiden Händen und zog ihn die Straße hinab. Haus eins, Haus zwei, Haus drei – und schon war sie zu Hause.

„Was für ein Tag“, murmelte Elly, als sie sich die Schuhe von den Füßen streifte und ihre Tasche einfach zusammen mit dem Seesack im Flur neben der Haustür liegen ließ. Darum würde sie sich morgen kümmern. Sie ging in die Küche, setzte sich einen Tee auf – Kamille, bloß nichts mit Zimt! – und warf sich aufs Sofa. Jetzt einfach nur irgendeinen Krimi ansehen, in dem zur Abwechslung mal kein Weihnachtsmann umgebracht wurde. Wobei, vielleicht würde zumindest das ihre Laune heben …

Doch noch bevor sie den Fernseher einschalten konnte, klingelte ihr Handy. Seufzend zog sie es aus der Hosentasche und nahm, ohne auf den Namen zu achten, ab. „Sie sind verbunden mit dem Elefantenjagdverein Tötet was trötet, was kann ich für Sie tun?“

„Hallöchen, Elly-Belly, wie ich höre bist du mal wieder super drauf! Den Elefantenjagdverein hatten wir lange nicht mehr. Das Beerdigungsinstitut Flotte Schippe hat mir irgendwie besser gefallen.“

„Hey, Romi“, begrüßte sie ihre beste Freundin und musste zum ersten Mal an diesem Tag aufrichtig lächeln. Seit Romis Bruder Julian seine kleinere Schwester einmal mit einer solchen Telefonansage begrüßt hatte, war dies für Elly und Romi zur Tradition geworden. Erst nur, um Julian zu übertrumpfen, dann zur eigenen Kreativitätsförderung. „Du kennst das doch. War einfach alles ätzend heute.“

„Jaja, das böse Wort mit W, ich weiß.“

„Nein, viel schlimmer: fröhliche W!“

„Oh Gott, wie können sie es wagen?“

„Meine Rede.“

Romis herzliches Lachen ging in ein Kichern über. „Elly-Belly, was hältst du davon, wenn wir uns den Tag schöntrinken?“

„So, wie du dich anhörst, hast du damit längst angefangen.“

„Ach, die zwei Glühwein …“ Erwartungsvolle Stille.

„Nein, Romi, ich komme nicht mit auf den W‑Markt.“

„Och, komm schon, Elly!“ Quengeln konnte sie schon immer gut. „Sieh es nicht als dickes W. Sieh es als … Sammelstelle für Betrunkene.“

„Für betrunkene Touris.“

„Ist doch egal!“

Seufzend legte Elly den Kopf zurück auf die weichen blauen, unweihnachtlichen Kissen. „Ich bin total erledigt, Romi. Verzeih mir, ja? Ich will nur noch irgendeinen doofen Krimi sehen und dann schlafen gehen.“

„Na gut, Süße. Dann schau du dir an, wie der W‑Mann abgemurkst wird, und ich such mir für diese Winternacht meinen eigenen W‑Mann.“

„Ich wünsche dir ganz viel Erfolg dabei, der letzte ist immerhin schon eine Woche lang Geschichte.“

„Erinner mich bloß nicht daran! Der Bart war echt – mehr muss man dazu nicht sagen.“

„Absolut richtig. Aber hey, Romi, unser W‑Date steht doch noch, oder?“

„Natürlich, Elly. Dieses Jahr feiern nur wir zwei zusammen das große W, machen einen gemütlichen Abend zu Hause ohne Geschenke und lassen es uns so richtig gut gehen. Ich denke daran, einen Masseur zu bestellen.“

„Da wäre ich voll dabei.“

„Klasse. Wir reden morgen weiter, hier kommt ein potentieller Kandidat …“

„Ich drück dir die Daumen. Bis morgen.“

Gähnend griff Elly nach ihrem Tee und wollte gerade den Fernseher anstellen, als sich etwas in ihre Gedanken schlich. Und sich dort festsetzte.

Last Christmas …

Das nahm sie als Zeichen. Etwas zu heftig stellte sie die Teetasse zurück auf den Tisch und rauschte in Richtung Schlafzimmer. Mit diesem Ohrwurm konnte auch ein toter Santa den Abend nicht mehr retten.

Kapitel 2
Deutschland macht immer Probleme!

Es schneite.

Natürlich schneite es. Er hatte ja nicht schon genug zu tun, ohne dass er den Schlitten freischaufeln oder sich von den Elfen vorhalten lassen musste, er würde ihnen die Drecksarbeit andrehen. CJ spürte seinen Stresslevel steigen und wandte hastig das Gesicht vom Fenster ab, an dem Eiskristalle ihm die Sicht auf die verdammte Winterwunderlandschaft da draußen verschleierten. Er atmete tief durch. Niemand hatte behauptet, es würde einfach werden. Weihnachten war eben kein Zuckerschlecken. Also, nicht nur.

Ihm war bewusst gewesen, dass der Job seines Vaters herausfordernd und anstrengend war, und jetzt ging es schließlich in die heiße Phase – was wirklich ein ironischer Ausdruck war, wenn man bedachte, dass die Außentemperatur zurzeit minus achtunddreißig Grad betrug.

In sechs Tagen war Heiligabend, die Rentiere wurden unruhig, weil sie zu lange keinen Ausflug mehr unternommen hatten, die Elfen warteten nur darauf, dass er einen Fehler machte, und wo waren seine Eltern? Auf Bali, Strand statt Schnee genießen, Cocktails statt Milch schlürfen und Sonnen- statt Gefrierbrand riskieren.

Kein schlechter Deal, fand er, und einen Urlaub hatte sein Vater ohnehin bitter nötig gehabt. Vielleicht war es auch mal gut, den alten Herrn von all den Keksen fernzuhalten. Der Mann hatte einfach keine Selbstdisziplin. Etwas, das CJ hingegen perfektioniert hatte. Denn er wusste, welche Ausmaße seine genpoolbedingten Probleme sonst annehmen würden. Wortwörtlich.

Er betrachtete die Stapel an Briefen auf seinem Schreibtisch, die sich seit heute Morgen verhundertfacht hatten. Zischend stieß er die Luft aus. Er war siebenundzwanzig und hatte seit Jahren auf den Moment gewartet, in dem er seinem Vater endlich beweisen konnte, dass er bereit war, die Firma zu übernehmen. Dieser Moment war jetzt, und er würde ihn sich nicht durch so etwas Unbedeutendes wie fundierte Panik versauen lassen. Versagen war keine Option.

Er fuhr sich mit der Hand durch seine dunkelbraunen Haare, die ihm zu allen Seiten abstanden, und kratzte sich das stopplige Kinn. Sein Vater hatte vorgeschlagen, er solle sich seinen Bart wachsen lassen, so sei es schließlich Tradition. CJ hatte ihm ein unweihnachtliches Schnauben als Antwort gegeben und sich den Kommentar verkniffen, dass sich seit dreißig Jahren aus purer Faulheit den Bart nicht zu rasieren, noch lange keine Tradition war. Nur weil neumodische Kultfiguren wie Gandalf und Dumbledore weiße Rauschebärte trugen, machte es das noch lange nicht modisch wertvoll.

CJ griff nach dem ersten Stapel Briefe und fing an, die vorsortierten Nachrichten auf seinem extrabreiten Schreibtisch alphabetisch nach Ländern aufzureihen. So würde er sie später schneller ins System eingeben können. Das sollte die letzte Fuhre sein. Die anderen hunderttausend von heute waren bereits von Elfen bearbeitet und registriert worden. Aber die letzten Briefe des Jahres waren Chefsache. Waren es schon immer gewesen.

Er begann mit den Briefen aus Afghanistan, stapelte sie neben denen aus Ägypten, Äthiopien und Australien. Es folgten die von den Bahamas und aus Burundi. Dann sortierte er die relativ übersichtlichen Cs und Ds. Chile, China, die Cookinseln, Costa Rica. Dänemark, Dominica, Dominikanische Republik und … Moment.

Stirnrunzelnd fuhr er mit dem Zeigefinger die Briefreihe zurück und blieb auf der Stelle zwischen Dänemark und Dominica liegen. Man konnte vieles über ihn sagen: Angefangen damit, dass Klimmzüge auf seiner Prioritätenliste etwas zu hoch angesiedelt waren, bis dahin, dass er sein Leben vielleicht ein bisschen zu ernst nahm – aber dass er das Alphabet nicht beherrschte, war ihm noch nie vorgeworfen worden.

„Merry!“, rief er laut. „Merry, komm her!“

Er suchte mit dem Blick die anderen Briefstapel nach einem übersehenen D ab, doch er fand nichts dergleichen. Das durfte doch nicht wahr sein!

Sein linkes Augenlid fing an zu zucken, und eigentlich hätte er in diesem Moment einen Karton Spekulatius dringender gebraucht als den nächsten Atemzug, doch ein Zuckerschock würde niemandem helfen.

„Bin da. Was ist los, Temporärchef? Ich hoffe, es ist dringend, ich habe noch unheimlich viel zu tun.“

Eine kleine, vollkommen in Grün gekleidete Elfe mit einem roten Lockenkopf, der ihr noch vor einiger Zeit einen Platz auf dem Scheiterhaufen garantiert hätte, wuselte durch die offenstehende Tür. Der Rahmen war mit einer Unzahl an Mistel- und Tannenzweigen überladen, und wieder einmal wurde CJ daran erinnert, dass er unbedingt jemanden anweisen musste, den Mistel-Tannenzweig-Enthusiasmus zurückzuschrauben. Er hatte nicht vor, in nächster Zeit irgendwen zu küssen und er würde es sehr begrüßen, wenn seine Stirn nicht jedes Mal von den Tannennadeln zerkratzt würde, sobald er durch eine Tür ging. Aber wichtigere Dinge zuerst.

„Natürlich ist es dringend! Deswegen auch der dringliche Tonfall. Sind das alle Briefe?“ Er machte eine ausschweifende Armbewegung zu dem Schlachtfeld auf seinem Schreibtisch.

„Mhm.“ Merry runzelte angestrengt die Stirn, so als hätte er sie gefragt, was zuerst dagewesen sei: Der Weihnachtsmann oder die Coca Cola. „Ich glaube schon.“

„Du glaubst, oder du weißt?“, fragte er ungeduldig. „Ich glaube nämlich, dass ich demnächst an die Decke gehen werde, aber genau wissen kann ich das nicht. Für dich wäre es allerdings sehr wichtig, diesbezüglich Gewissheit zu haben.“

„Ich weiß, dass es alle Briefe sind“, sagte sie mit zusammengepressten Lippen, während sie das Kinn herausfordernd vorschob.

„Warum fehlen dann die aus Deutschland?“

Sie machte eine abwinkende Handbewegung. „Deutschland macht immer Probleme, das weiß doch jeder. Es ist nicht das erste Mal.“

Ungläubig stand er aus seinem Sessel auf. „Was meinst du damit? Wie viele Briefe fehlen denn noch?“

„Na, alle.“

Alle Briefe aus Deutschland fehlen und niemand denkt daran, mir Bescheid zu sagen?“

„So wichtig ist das nicht. Die kommen schon seit ein paar Jahren nicht mehr hier an. Santa kann sich doch nicht um alles kümmern.“

„Seit Jahren?“ CJ fühlte sich mittlerweile ziemlich dämlich, weil er zu nichts anderem in der Lage zu sein schien, als Merrys Worte zu wiederholen, aber sein Sprachzentrum wurde momentan von seinem Wutzentrum an seiner Funktion gehindert. „Seit Jahren? Und mein Vater hat nichts dagegen unternommen?“

Und da sagte man den Deutschen noch nach, sie seien pünktlich und überkorrekt! Die Klischees sollten definitiv noch mal überdacht werden.

„Wenn Deutschland die Briefe nicht weiterleitet, ist das deren Entscheidung. Wäre ja noch schöner, wenn wir die überall auf der Welt abholen müssten. Deutschland hält sich raus, weniger Arbeit für uns, und Santa akzeptiert die offensichtliche Entscheidung des Landes.“ Merry nickte bestätigend.

CJ schnaubte. Nein, Akzeptanz lag nicht in seiner Natur. Unter seiner Aufsicht wurde sich nicht rausgehalten. Jetzt war er der Boss, und jedes Kind, das einen Brief an ihn schrieb, hatte eine Antwort verdient. Deutschland würde da nicht aus der Reihe tanzen!

„Ich flieg hin“, sagte er und griff sich seinen Mantel. „Welche Poststelle ist für die Briefe an den Weihnachtsmann zuständig?“

„Himmelpfort in …“ Merry sah auf die Weltkarte an der rechten Bürowand, auf der alle Poststellen mit einem gelben Fähnchen markiert waren. „Da!“ Sie deutete auf den Norden von Brandenburg. „Ich wollte der Ursache auch schon auf den Grund gehen, denn wir haben bis vor drei Jahren immer Post von denen bekommen. Darf ich dieses Jahr gucken, was da los ist, CJ? Biiitte.“ Sie klimperte mit den Wimpern.

„Nein“, sagte er grimmig.

„Aber ich kann das! Ich will dir helfen, und weil ich das wirklich möchte, sage ich dir, dass die Post heute schon geschlossen hat und du dir den Weg sparen kannst, Chef.“

Er ließ seinen Mantel wieder fallen. „Nein, das mach ich selbst. Ich kann mir keine Fehler leisten. Ich werde direkt morgen früh vorbeischauen, sobald die Post aufmacht. Du kannst gehen.“ Er winkte sie raus, und die Elfe tat ihm den Gefallen.

Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Ein Land, das sich plötzlich entschlossen hatte, nicht mehr mit dem Weihnachtsmann zu kooperieren. Wer tat so etwas? Aber darum würde er sich schon kümmern – und sei es nur, um seinem Vater zu beweisen, dass er den Job nicht nur gut, sondern vielleicht noch einen Tick besser machte als er selbst. Sein alter Herr hatte mehr als deutlich gemacht, dass er unsicher war, ob CJ schon für die Art von Verantwortung bereit wäre. Hätte seine Mutter nicht auf den Urlaub bestanden, hätte er CJ nie freiwillig allein gelassen.

Seufzend stand er auf und strich sich sein rotes Hemd glatt. Er brauchte Zimtkaffee. Das würde eine lange Nacht werden.

Bedacht darauf, keinen der Briefstapel umzuwerfen, ging er um seinen Schreibtisch herum und durch die Tür. Automatisch zuckte er zusammen, als die Tannennadeln sich in seinem Haar verfingen und seine Stirn attackierten.

Dieser Ort war einfach nicht für Menschen gemacht, die doppelt so groß wie der Normalelf waren.

Er rieb sich mit den Fingern über seine gereizte Haut und verzog das Gesicht, als er hörte, dass schon wieder Last Christmas in der Werkstatt gespielt wurde.

CJ liebte Weihnachten. Liebte die Gerüche, das Gewusel, das Essen, den Umstand, dass Familien zusammenfanden und alles in eine weiche Schicht aus Schnee gehüllt wurde. Aber das hinderte ihn nicht daran, den nächsten Elfen, der Wham! einschaltete, in Geschenkpapier zu wickeln und an den Südpol zu schicken.

Er war gestresst, sein Geduldsfaden hatte die Länge seines kleinen Fingers und die Worte seines Vaters saßen ihm im Nacken. „Das ist deine Chance, zu zeigen, dass du für dieses Geschäft geeignet bist. Vermassle es nicht.“

Wenn sie alle hier nicht aufpassten, würde das dieses Jahr ein verdammt frostiges Weihnachten werden.

Kapitel 3
Perfect Match!

Konzentriert presste er die Lippen zusammen und ließ den Blick über das bunte Lichtermeer zu seinen Füßen gleiten. Der dumpfe Bass pochte rhythmisch durch seinen Körper und das dazugehörige Schnarren einer zu laut eingestellten Musikanlage schmerzte in seinen Ohren, während Glühweinausdünstungen wie Nebelschwaden von der Verkaufsbude über das Dach zu ihm hinaufstiegen und ihm die Augen verätzten. Amor verzog keine Miene.

Seine Klienten – beide volljährig – waren hier auf dem Marktplatz, deshalb hatte er Stellung auf dem Dach von Lottes Glühweinzauber bezogen. Deren Besitzerin, die eigentlich auf den wenig verkaufsfördernden Namen Ashley hörte, meinte, ihre ohnehin schon entrückte Kundschaft mit den Klängen durchgeschlagener Boxen in eine Art Trancezustand versetzen zu müssen.

Nach Amors Erfahrung – und er machte den Job schon eine Weile – ließen sich paarungsbereite Individuen der Spezies Mensch gerne an fragwürdigen Orten wie diesem nieder, um die große Liebe zu finden. Als hätten sie einen Einfluss darauf. Amor konnte das leichte Ziepen an seinem Mundwinkel nicht verhindern, aber schlagartig wurde sein Ausdruck wieder ernst. Er allein sorgte für die große Liebe.

Allerdings hegte er an diesem Abend die Hoffnung, die beiden letzten Klienten des heutigen Tages würden zu ihm kommen. Er war ziemlich erschöpft.

In der Adventszeit bekam Amor Tonnen von Aufträgen herein, weil sein Chef der Meinung war, es sei romantisch, sich an Weihnachten zu verlieben. Amor war es egal, Hauptsache, er bekam danach seinen Urlaub. Dieses Mal hatte er eine zweiwöchige Reise nach Bali geplant, der Trip nach Mallorca letztes Jahr war mehr als enttäuschend gewesen …

Ein leiser Signalton erklang und Amor zog das Smartphone aus der Tasche seines grau-weiß gemusterten Tarnanoraks.

Zielperson A nähert sich Ihrem Aufenthaltsort, stand auf dem Display. Ah, die Amor-App machte sich wieder einmal bezahlt. Vorbei waren die Zeiten, als er zwei Menschen erst hatte ausfindig machen und stundenlang observieren müssen, ehe er zum Schuss kam.

Amor tippte auf die kleine Karte und sofort vergrößerte sie sich, sodass er den blinkenden roten Punkt beobachten konnte, der sich aus nordwestlicher Richtung auf Lottes Glühweinzauber zubewegte. Erstaunlich schnell! Da schien jemand den Alkohol aber bitter nötig zu haben.

„Daten zu Zielperson A abrufen“, sagte er leise.

Zielperson A. Name: Romi. Alter: 25. Status: von Beziehungen enttäuscht. Bereit für die große Liebe: 87 Prozent“, antwortete die App mit monotoner Roboterstimme.

„Das genügt“, murmelte Amor. Er hatte schon mit weniger Bereitschaft gearbeitet. „Erkennungszeichen?“

Katzenohrwärmer.

„Verstanden.“

Amor machte einen Schritt Richtung Dachfirst und spähte nach unten. Mit dampfenden Tassen bewaffnete Menschen drängten sich an den schmalen Tresen der Verkaufsbude, während Ashley gegen die Musik anschrie. „Harald, wo bleibt das Klopapier? Wir haben keine Servietten mehr!“

Ungerührt ließ Amor seinen Blick weiterwandern. Am Rand der Masse lachender Menschengesichter tauchte ein stark gerötetes und augenscheinlich wütendes auf. Gekrönt wurde es von einem Haarreif, an dem sowohl zwei dicke pinke Ohrwärmer als auch zwei spitze Katzenohren befestigt waren.

„Lass mich in Ruhe!“, rief die junge Frau über die Schulter nach hinten.

„Zielperson A lokalisiert. Daten zu Zielperson B abrufen“, verlangte Amor.

Zielperson B. Name: Jan. Alter: 26. Status: angetrunken. Bereit für die große Liebe: 76 Prozent.

Er nickte beifällig. „Standortabfrage Zielperson B.“

Zielperson B nähert sich aus nordwestlicher Richtung. Geschwindigkeit beträgt rund 4 km/h. Sichtkontakt in fünf Sekunden. Vier, drei, zwei …

„Countdown abbrechen. Zielperson B bereits gesichtet.“

„Warte doch mal!“, rief ein Mann mit einer geschmacklos blinkenden Weihnachtsmütze auf dem Kopf und schob sich durch die Menschenmenge. Er bemühte sich, die Frau mit der nicht weniger grässlichen Kopfbedeckung einzuholen. „He!“

„Erstkontakt hat bereits stattgefunden“, stellte Amor fest und musterte die beiden Menschen kritisch. „Kompatibilität erneut prüfen.“ Er zielte mit dem Smartphone auf das zukünftige Paar.

Kompatibilität wird berechnet …“ Ein zweiter, hellerer Signalton erklang. „Perfect Match.

„Ausgezeichnet.“ Amor schob das Smartphone in seine Jackentasche und zog stattdessen die Handfeuerwaffe aus dem Holster – die Zeiten hatten sich geändert, er war ja auch kein kleiner fetter Junge mehr. Er entsicherte die Waffe.

In diesem Moment wirbelte die Frau herum, und ihr Verfolger rannte fast in sie hinein. Sie verzog grimmig den Mund und stieß ihm mit dem Zeigefinger gegen die Brust. „Ich hab dir doch gesagt, ich fahr nicht auf Weihnachtsmänner ab! Also, zieh Leine.“

Sofort riss der Mann sich die Mütze vom Kopf. „Hey, mein Kumpel feiert seinen Junggesellenabschied. Da verkleidet man sich eben.“

„Find ich blöd“, gab sie zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ergo bist du auch blöd.“

„Du kennst mich doch gar nicht!“

„Na und? Deswegen kann ich dich doch trotzdem blöd finden.“

Amor streckte die Waffe nach vorn und nahm die Zielpersonen ins Visier. Jeder Muskel seines Körpers spannte sich an, Schweiß prickelte über seine Haut und das Blut rauschte so laut in seinem Kopf, dass es sogar Ashleys Weihnachtsmarktbeschallung übertönte. An diesem Punkt seiner Auftragsarbeiten überkam ihn stets die Jagdlust. Er leckte sich die Lippen.

„Mann, bist du immer so eine Zicke? Ich wollte dich nur auf einen Glühwein einladen – dann eben nicht“, knurrte der Mann und setzte sich demonstrativ die Mütze auf. Farbenfroh blinkten die Sterne über seiner Stirn. Er wollte gerade kehrtmachen, als sich seine Miene schlagartig erhellte. Erneut führte er die Hand an seine Mütze.

Die junge Frau öffnete empört den Mund. „Wag es nicht!“

Ihr Gegenüber grinste und betätigte den kleinen Knopf am Bommel. Sofort erklang die penetrante Melodie von Jingle Bells.

Ihre Wangen verfärbten sich dunkelrot. „Du Idiot!“

Amor verengte die Augen. Ein kleines Stück noch. Die Ziele mussten Angesicht zu Angesicht in seiner Schusslinie stehen, damit er mit seiner magischen Patrone beide traf und sie sich gleichzeitig ineinander verliebten. Erregung durchflutete seine Venen und er sog scharf den Atem ein. Himmelpfort war der letzte Ort auf seiner Auftragsliste für dieses Jahr. Der letzte vor seinem wohlverdienten Urlaub. „Komm schon“, knirschte Amor.

Genau in dem Augenblick machte die weibliche Zielperson einen Satz auf den Mann zu und grabschte nach dessen Mütze, um sie ihm vom Kopf zu reißen.

Jetzt!

Amor feuerte ab, entspannte sich merklich und schaute dabei zu, wie die Ladung in Form eines schmalen roten Glitzerstreifens durch die Luft schoss, erst Zielperson A durchschlug und dann Zielperson B traf. Die beiden hielten mitten in ihrem Gerangel inne, als wären sie eingefroren, und starrten einander dümmlich an.

Amors linker Mundwinkel hob sich.

„Ich, äh …“, begann die Frau, machte einen Schritt rückwärts und senkte verlegen den Blick.

„Du …“ Der Mann kratzte sich an der Wange. „Soll ich dir nicht doch einen ausgeben?“ Schnell fügte er hinzu: „Ich nehm auch die Mütze ab.“

Die Frau sah auf und lächelte. „Ach, eigentlich ist sie doch ganz süß.“

Zufrieden steckte Amor den Revolver in das Holster und wischte sich imaginären Staub von den Handflächen. „Perfect Match!“

 


 

Kapitel 4
Der tragische Nussknackervorfall

Merry lehnte die Leiter an den Türrahmen des Büros und betrat die erste Stufe. Keiner traut mir etwas zu, nicht mal CJ. Aber zum Kontrollieren der blöden Mistelzweigkameras und der Tarntanne bin ich gut genug. Sie kraxelte wütend die Leiter empor und brachte sie dabei leicht zum Schwanken. Mit zwei geübten Handgriffen richtete sie die Kamerazweige aus. So oft, wie CJ mit seinen verwuschelten Haaren darin hängenblieb oder mit der Stirn daran entlangstreifte, wunderte es die Chefelfe ernsthaft, dass die Fichten- und Tannenzweige überhaupt noch Nadeln vorzuweisen hatten. So, das war's. Blödsinnige Aufgabe 99 von 100: erledigt. Sie stieg wieder nach unten und hakte diese Aufgabe auf ihrem von goldenem Lametta umrandeten Klemmbrett ab. Blieb nur noch der Anruf bei Santa, und die Checkliste wäre komplett. Merry trug die Leiter Richtung Haushaltsschrank neben der Holzspielzeugfertigungsmaschine und stellte im Vorbeigehen fest, dass seit nunmehr drei Stunden gebogene Schienenstücke für die Holzeisenbahn hergestellt wurden. Also änderte sie den Auftrag im System. Mehr Waggons brauchte das glückliche Kind von heute. Sie tippte auf Start und räumte die Leiter weg.

Merry gehörte seit über fünfzig Jahren in das Weihnachtselfenteam von Santa und hatte sich mühsam hochgearbeitet. Von der Sägespänekehrerin zur Näherin von Teddybären weiter zur Autorennbahntesterin und wenig später zur Teamleitung der Bilderbuchherstellung für Kleinkinder. Gerade einmal vier Weihnachten waren seit dem tragischen Nussknackervorfall vergangen, der sie zu Santa Clausʼ persönlicher Assistentin gemacht hatte. Sie liebte diesen Job, doch jedes Jahr aufs Neue fühlte sie sich unterfordert. Merry verstand nicht, weshalb man ihr lediglich die ach so wichtigen Überwachungskameras anvertraute oder das Auffüllen der Plätzchenteller in den Pausenräumen. Gut, sie verstand, warum diese zwei Aufgaben so wichtig waren. Hungrige Elfen wurden schnell grantig und suchten Streit, nichtsdestotrotz wäre ihr die Suche nach der verschwundenen Post eine mehr als willkommene Abwechslung gewesen. Und es wurmte sie, dass sogar der Temporärchef, den sie kannte, seit er in Windeln kackte und den Spekulatius noch püriert bekommen hatte, genau wie sein Vater war. Bloß keine Verantwortung abgeben und sich auf gar keinen Fall bei irgendeiner Chefsache helfen lassen. Pah, seit wann ist die Post Chefsache?

Die Elfe schüttelte verständnislos den Kopf und warf anschließend einen Blick auf die Uhr. Es war mitten in der Nacht, für einen Anruf beim Weihnachtsmann auf Bali aber trotzdem noch zu früh. Sie schlich durch die Hallen und überprüfte die Fertigungsstraßen im Nachtbetrieb. Im Vergleich zum Tagesgeschäft lief alles langsam und gesittet ab, ganz ohne das Gewusel von hunderten Elfen. Es roch nach Holz und Farbe, nach Leim und Maschinenfett, und über allem schwebte der Duft von Tannenharz und weihnachtlichen Gewürzen. Eine der Fertigungsanlagen spuckte in regelmäßigen Abständen bestückte Kaufmannsläden mit sämtlichem Zubehör aus. Eine weitere Maschine Baustellenfahrzeuge in Senfgelb für Kinder ab sechs Jahren, und auf der letzten in dieser Halle rutschten die Einzelteile von Dreirädern in den monströsen Auffangkorb.

Merry wollte CJ – und erst recht Santa – beeindrucken, sich ihren Platz als Oberelfe am Nordpol sichern, und am allermeisten wünschte sie sich die Rente für den Weihnachtsmann. Dieser Urlaub auf Bali sollte ihm zeigen, wie schön der Ruhestand sein würde. Welch eine willkommene Abwechslung Ausschlafen und reichlich Sonnenschein bei tropischen Temperaturen bedeutete, und dass er sich auf seinen Sohn – und sie – verlassen konnte, wenn er das Ruder übergab. Natürlich sollten ihn auch die Cocktails davon überzeugen. Obwohl die Elfe ahnte, dass Sex on the Beach, Bloody Mary oder Swimmingpool wohl in Strömen fließen müssten, bevor er zugeben würde, dass sie leckerer waren als Glühwein oder Eierpunsch. Und wenn er so weit war, dies zuzugeben, müsste er wohl noch ein paar Margaritas hinterherkippen, um das Familienunternehmen in die Hände der nächsten Generation zu geben. Der Chef war stur, genau wie CJ!

Merry schaltete das Licht in der Halle aus und lief durch das Techniklager. Hier war es kühl und ungemütlich, es roch gar nicht weihnachtlich und außerdem war diese Halle meist verwaist. Vollgestellt mit Regalen, die bis unter die Decke reichten, und vollgestopft mit Handys, Laptops und Spielekonsolen. Sie bezogen diese Geschenke von einem Großlieferanten – hier lagerten sie lediglich bis Weihnachten zwischen. An den Adventsmontagen kamen die Lieferungen, wurden eingeräumt und gestapelt. Das warʼs, mehr machte man mit diesem Elektronikzeug nicht. Die Elfe verzog angesäuert den Mund aufgrund der Menge an Schaltkreisen, Akkus und Platinen, die sie umgab und von denen rein gar nichts Handarbeit war – nicht mal die Aufkleber auf den Kartons.

Sie erreichte den Flur, von dem die Quartiere der Elfen abgingen, und betrat nach einem langen Tag endlich ihr Zimmer. Es war still, sobald man den Lärm der Fertigungsstraßen hinter sich ließ, und Merry atmete tief ein. Sie mochte die Stille, aber Hektik und Stress liebte sie abgöttisch. Und Weihnachtslichter, die liebte sie auch, weshalb es in ihrem gemütlichen Zimmer nur so davon wimmelte. Kleine gelbe Punkte flammten auf und erloschen sogleich wieder, nur um Sekunden später erneut zu erstrahlen. Sie legte das Klemmbrett auf die Kommode neben der Tür, streifte die roten Sicherheitsstiefel ab und schlüpfte in die plüschigen Hausschuhe. Vorsichtig löste sie die grüne Haarschleifenspange mit dem silbernen Glitzerstern in der Mitte, die ihre wilden Locken aus dem Gesicht hielt, und legte sie neben ihre Arbeitsliste. In die Ruhe und das goldene Glimmen mischte sich leises Glöckchengeklingel und rotes Licht pulsierte von ihrem Nachtschränkchen auf. Emsig lief sie durch den Raum, vorbei an dutzenden Kissen, die auf einem Flokatiteppich ruhten, einer weiteren Kommode, einem Sessel bis zum Bett. Dort angekommen drückte Merry auf die Schneekugel. Das Blinken und Klingeln endete abrupt und die kleine Putte darin schüttelte sich den Kunstschnee von der Unterhose. Wild mit den Flügeln schlagend positionierte sie sich schwebend in deren Mitte. Gebt dem kleinen dicken, geflügelten Kerlchen Pfeil und Bogen und er sieht aus wie Amor. Merry grinste bei diesem Vergleich, bis die Putte zu sprechen begann: „Hallo, Merry, Santa hier.“ Die Stimme der kleinen goldenen Engelsgestalt passte wie Schnee in die Sahara. Sie war nicht kindlich oder niedlich, sondern polterte wie eine Rentierherde über Kopfsteinpflaster. „Wir sind gut auf Bali gelandet und – was soll ich sagen? Es ist heiß. Heiß und sonnig. Ich glaube, ich habe mir schon die Nase verbrannt.“ Die Putte führte die winzige Hand zu ihrer Stupsnase und deutete darauf. „Aber egal. Was macht Junior? Kommt er zurecht? Hast du die Kameras nachjustiert? Vorhin hab ich nur den Türrahmen vom Büro gesehen. Schafft ihr das wirklich ohne mich? Soll ich nach Hause kommen? Melde dich so schnell du kannst! Santa Ende.“

Der kleine geflügelte Kerl verbeugte sich, schwebte auf den Schneekugelboden zu, legte sich auf die Seite und schloss die Augen. Merry drückte energisch auf die Glaskugel, die weißen Kunstkristalle stoben auf und wirbelten erneut um die Putte herum. „Nachricht für Santa“, sagte die Weihnachtselfe, und diesmal blinkte der Sockel grün auf. „Fröhliche Weihnachten, Santa“, flötete Merry besonders euphorisch. „CJ geht es prima, er ist sehr gewissenhaft und gründlich. Morgen früh fliegt er nach Himmelpfort, um die verschwundenen Briefe aus Deutschland zu suchen. Die Kameras habe ich vorhin neu ausgerichtet und alles läuft nach Plan. Das mit deiner Nase tut mir leid. Merry Ende.“

Der kleine dicke Engel wiederholte ihre Worte ebenfalls donnernd. Erneut drückte die Elfe auf die Schneekugel, die Putte wirbelte einmal wild um ihre eigene Achse und kam zum Schluss wieder auf dem Boden zum Ruhen.

Check! 100 von 100 erledigt. Merry lief zum Klemmbrett, hakte die Aufgabe ab und heftete das volle Blatt nach hinten, sodass der Zettel für den nächsten Tag obenauf lag. Sie trug den Ausflug zur Post, der ohne CJs Wissen stattfinden würde, in die Liste ein und freute sich diebisch, den Boss heimlich zu begleiten.

Kapitel 5
Ich fühle mich persönlich von Weihnachten angegriffen

Last Christmas … Verdammt noch mal. Ich hätte mir gestern doch einen sterbenden Weihnachtsmann ansehen sollen, vielleicht würde der blöde Ohrwurm dann verschwinden.

Mit voller Kraft hieb Noelle die Schneeschaufel in den sich vor ihr auftürmenden glitzrig-weißen Berg. Wie Puderzucker, rief Ashley schon seit Jahren jedes Mal, wenn sie ihre selbst gebaute Schneemaschine über dem Glühweinstand anwarf. Romi fuhr total auf diesen schlecht nachgemachten Schneeschauer vor Lottes Glühweinzauber ab, Noelle konnte darüber nur den Kopf schütteln. Puderzucker. Es hatte schon seinen Grund, dass sie ihre Waffeln seit Jahren lieber mit heißen Kirschen aß. Ihr Sommerdessert wollte sie sich nicht auch noch verderben lassen.

Schnaubend warf sie eine weitere Schippe voll glänzendem Eis-Schnee-Gemisch zur Seite, stützte sich auf den Stiel der Schaufel und betrachtete ihr Werk. Das sollte reichen. Wenn nicht der Weihnachtsmann persönlich in die Post wollte – oder irgendein anderer ungewöhnlich breiter Mann –, würde ihre Kundschaft den Weg zur Tür schon schaffen.

Vorsichtshalber verstreute sie noch etwas zusätzliches Salz auf dem von der Poststraße abführenden Weg, lehnte die Schneeschippe außen an die Wand und ging hinein. Zum Glück hatte sie schon vor einer Stunde als erstes die Heizung voll aufgedreht, bevor sie ihrer winterlichen Pflicht nachgekommen war. Der Verkaufsraum war von einer wohligen Wärme erfüllt und ließ die Reste des Schnees auf ihrer Mütze fast augenblicklich schmelzen, als sie diese abnahm und zusammen mit Schal und Handschuhen an die Garderobe hängte. Leuchtend pink stachen sie aus dem ewigen Rot, Grün und Gold heraus. Wunderbar unweihnachtlich.

Gerade hatte sie die über Nacht abgestorbenen Nadeln des Weihnachtsbaumes zusammengekehrt, da klingelte ihr Handy. Überrascht zog Elly es aus der Hosentasche und betrachtete den ihr angezeigten Namen. Wann um alles in der Welt war Romi das letzte Mal um fünf vor sieben am Morgen wach gewesen? Da stimmte doch etwas ganz gewaltig nicht!

„Krematorium Himmelpfort, Sie killen, wir grillen.“ Faszinierend, inzwischen musste sie über diese Sprüche kaum noch nachdenken. Allmählich verstand sie, wie manche Autoren ihre Bücher schrieben.

„Ellyyy!“

Ruckartig zog Noelle das Handy ein Stück von ihrem Ohr weg.

„Elly? Hallo? Hörst du mich?“

„Noch höre ich dich, aber wenn du weiter so schreist, bin ich gleich taub.“

„Sorry!“, schrie ihre beste Freundin schon wieder. Ein seltsames Rauschen klang im Hintergrund mit, ein Dröhnen und lautes Gerede.

„Wo um Himmels willen bist du, Romi?“, fragte Noelle und drehte geistesabwesend eine der Christbaumkugeln in der Hand. Eine Schande, dass Herr Jansen sie ersetzt hatte. Die alten, abgegriffenen aus den letzten Jahren hatten ihr besser gefallen. „Was ist da so laut?“

„Ich bin am Flughafen!“

„Am Flughafen?“ Beinahe hätte sie die Kugel heruntergerissen. „Was machst du bitte am Flughafen?“

„Na, wegfliegen! Ich … Jan, warte, ich muss noch … hey … Lass mich noch kurz telefonieren! Geh schon mal vor, aber nimm die Frauentoilette.“

Noelles Augen wurden immer größer. Warum kicherte Romi so? Mit wem sprach sie da? Und warum zum Teufel sollte dieser Jemand in die Frauentoilette gehen?! „Romi! Erklär mir jetzt sofort, was da bei dir abgeht! Wer ist Jan?“

Wieder dieses Kichern, dann ein Seufzen. „Ach, Elly. Ich kann es selbst noch nicht glauben. Wir haben uns einfach in die Augen gesehen und … puff! Als wären wir von Amors Pfeil getroffen worden. Er hat mir Glühwein ausgegeben und dann Eierpunsch und dann Waffeln mit Puderzucker und noch einen Glühwein … oder waren es zwei? Ich weiß nicht mehr …“

„Romi“, unterbrach Elly sie mühsam beherrscht. Das Seufzen allein hätte ihr schon Antwort genug sein müssen, doch sie wollte es nicht so recht glauben. „Du möchtest mir doch jetzt nicht sagen, dass du diesen Jan gestern auf dem W‑Markt kennengelernt hast und jetzt mit ihm in den Urlaub fliegst?“ Der nächste Flughafen war mit dem Auto zwei Stunden entfernt und Romis Schilderungen zufolge hoffte Elly wirklich, dass weder sie noch dieser Jan in der Nacht hinter einem Steuer gesessen hatte! Doch darum ging es hier auch gar nicht. Es war Romis erneutes Kichern, um das es ging. Ein Kichern, das verdammt viel über ihren derzeitigen Zustand preisgab.

„Elly, es tut mir wirklich, wirklich leid! Ich … ich konnte einfach nicht anders! Er ist so süß. Er ist so toll. Er sieht so gut aus, und damit meine ich nicht nur das Gesicht, nein, du müsstest mal seinen …“

„Zu viele Informationen!“, unterbrach Elly sie gerade noch rechtzeitig, kniff die Augen zusammen und fuhr sich mit der freien Hand über die Stirn. „Romi. Du … fliegst also weg, ja? Einfach so?“

„Einfach so!“, bestätigte ihre Freundin mit vor Begeisterung kreischender Stimme. „Ist das nicht verrückt? Weihnachten auf Bali! Die Idee kam uns total spontan, da können wir uns noch viel besser kennenlernen. Ich glaube wirklich, dass er der Richtige ist, Elly. So was hab ich noch nie gefühlt! Als hätten wir ein Perfect Match!“

Ein Perfect Match? Was sollte sie dagegen noch sagen?

„Okay, dann … wünsche ich euch beiden ganz viel Spaß auf Bali. Genieß es, Romi. Trink ein paar Cocktails für mich mit.“

„Danke, Elly. Nimm’s nicht zu schwer, ja? Ich weiß, wir wollten Weihnachten zusammen feiern, aber …“

„Nichts aber, Romi“, unterbrach Noelle sie sofort und stieß nun doch ein leises Seufzen aus. „Du hast seit der Schule nicht mehr so verknallt geklungen. Also, genieß es. Ich schaff das schon.“ Ein weiteres Jahr schreckliche Weihnachten würde sie auch noch überstehen.

„Danke, Süße. Ich melde mich, ja?“

„Mach das.“

Bevor Romi auflegte, hörte Elly noch ein deutliches: „Fang bloß nicht ohne mich an!“, dann brach die Verbindung ab.

Einen Moment lang stand sie einfach nur da, und die Stille der Post drohte sie zu verschlucken. Elly starrte auf den geschmückten Baum, ohne ihn zu sehen, lauschte auf das Ticken der Uhr, ohne es zu hören. Bloß der penetrante Geruch der Kiefernnadeln drang zu ihr durch.

Es hatte das erste wirklich schöne Weihnachten werden sollen. Das erste Weihnachten ohne … Weihnachten. Ohne alles, was sie mit dem Dezember, dem Schnee, dem Tannenduft verband. Ein Weihnachten ganz für sie allein.

Als der große Zeiger der Uhr mit einem Ruck auf die zwölf sprang, streckte Noelle kopfschüttelnd den Rücken durch. Sieben Uhr, Arbeitsbeginn. Schluss mit den trübsinnigen Gedanken. Was sie jetzt brauchte, waren wütende Gedanken!

„Verdammte Männer“, murmelte sie, griff nach dem Kehrblech und fegte die restlichen Nadeln darauf, um diese im Papierkorb zu entsorgen, bevor sie die Briefmarken auf der Theke zurechtlegte. „Verdammtes Bali, verdammte Cocktails, verdammte Tannen, verdammte …“

„Guten Morgen, Noelle!“

Abrupt verstummte sie und zwang sich ein Lächeln auf die Lippen. „Herr Jansen!“, erwiderte sie den Gruß ihres Chefs. „Sie hätte ich hier nicht erwartet.“

„Ach, ich bin auch gleich wieder weg“, erwiderte Herr Jansen leichthin und kam an ihre Theke heran, ohne die Mütze abzunehmen. „Ich weiß ja, dass du das Geschäft in der Weihnachtszeit super schmeißt. Obwohl ein Lächeln von Zeit zu Zeit nicht schaden könnte, Elly.“

Oh, hatte sie schon wieder aufgehört zu lächeln? Verdammt, das konnte sie doch besser!

„Außerdem wäre es schön, das Wort verdammt nicht mehr so oft aus deinem Mund zu hören. Das könnte eventuell die Weihnachtsstimmung trüben.“

Lächeln, Elly. Lächeln. „Natürlich, Herr Jansen. Ich werde mich bemühen.“

„Sehr schön. Und wo wir gerade bei der Weihnachtsstimmung sind …“ Ihr Chef griff in den Stoffbeutel, den er über der Schulter trug – bei dem Wetter vielleicht keine gute Wahl, aber was wusste sie schon –, und zog etwas daraus hervor. Noelles Augen weiteten sich. „Ich hätte gern, dass du deine Weihnachtsmütze nicht immer zu Hause vergisst. Glücklicherweise habe ich gerade noch eine dabei.“

„Glücklicherweise“, wiederholte sie starr und griff nach dem roten Stoff mit dem weißen Bommel. Leuchtende Sterne zierten den Rand, und sie meinte jetzt schon die dröhnende Melodie von Jingle Bells zu hören, die erklang, sobald man den Bommel drückte. Zumindest so lang, bis jemand mit einem Schuh darauf schlug. Mit einem hochhackigen Schuh. Das war zumindest ihre theoretische Überlegung, die nach Feierabend unbedingt eine praktische Umsetzung erforderte.

„So, das war’s auch schon. Ich wünsche dir einen schönen Tag, Elly, und viele Kunden natürlich. Schließlich ist das hier der deutsche Kontakt zum Weihnachtsmann, nicht wahr?“

Elly beschränkte sich auf ein mildes Lächeln, öffnete ein neues Dokument auf dem bereits eingeschalteten Computer und tippte irgendetwas auf der Tastatur, nur um beschäftigt zu wirken und ihrem Chef nicht nachsehen zu müssen.

„Bis morgen, Elly! Ach, und leg deinen Schal doch bitte ins Lager, ja? Das Pink ist nun wirklich nicht weihnachtlich.“

Eine der weißen, kleinen Beeren des über dem Eingang hängenden Mistelzweiges fiel zu Boden, als Herr Jansen die Tür hinter sich zufallen ließ.

Elly ballte eine Hand zur Faust und atmete tief ein. Dann entspannte sie ihre Finger und zog die Mütze auf den Kopf, die sie morgen natürlich wieder vergessen würde.

Missmutig starrte sie auf den Bildschirm des Computers. Ich fühle mich persönlich von Weihnachten angegriffen, stand dort in viel zu kleiner Schrift. Diese Worte verdienten es, hinausgeschrien zu werden, hinaus in die weite Welt! Okay, vielleicht nicht in die Welt. Vielleicht auch nicht geschrien. Aber zumindest in die Weiten dieser Post gemurmelt werden, das sollten sie, das sollten sie immer wieder und …

Doch Noelle kam nicht dazu, auch nur das erste Wort zu murmeln, denn in diesem Moment wurde die Tür ein weiteres Mal geöffnet. Erst glaubte sie schon, Herr Jansen hätte ihre Gedanken von draußen gehört und wäre noch einmal zurückgekommen, doch dem war nicht so.

Elly sah auf, blinzelte und unterdrückte ein Lachen, als sie ihren ersten Kunden an diesem Tag erblickte. Abgesehen von den auffälligen Kratzern an seiner Stirn – wahrscheinlich stand der Weihnachtsbaum einfach direkt neben seiner Hantelbank – war er durchaus attraktiv. Der weite rote Mantel, die dicken Stiefel und das tiefgrüne Oberteil machten diese Wirkung jedoch leider sofort zunichte. Den hätte Herr Jansen letztes Jahr mal als Promoter einstellen sollen. Vor ihr stand der perfekte Weihnachtself.

Kapitel 6
Deutsche Ingenieurskunst am Arsch

Der Mistelzweig schlug CJ ins Gesicht und genervt rieb er sich die Stirn. Er hatte gehofft, dass die Menschen dazu in der Lage wären, Türrahmen in vernünftigen Größen zu bauen, aber offenbar wurde er enttäuscht. Deutsche Ingenieurskunst am Arsch. Ein weiteres Klischee, das es aufzuräumen galt.

Sein Blick glitt durch den kleinen Verkaufsraum und er stellte überrascht fest, dass zwei Weihnachtsbäume in den Ecken standen, die vielleicht etwas zu enthusiastisch mit Lametta beworfen worden, aber doch ganz hübsch waren. Also dafür, dass Deutschland nicht mit dem Weihnachtsmann kooperieren wollte, schienen sie große Fans von seinem Einrichtungsstil zu sein. Der Postraum sah aus, als sei er direkt aus der Ikea-Weihnachtsedition entnommen worden, die sein Vater seit Jahrzehnten den Schweden schmackhaft zu machen versuchte. Das Einzige, was nicht ganz zu passen schien, war die Frau, die hinter dem Tresen stand. Sie trug zwar eine Weihnachtsmütze, die ihr fast über die Augen rutschte, aber ihr gezwungenes Lächeln glich eher dem einer bösen Stiefmutter als dem eines Elfen. Wenn jemand bei ihm mit diesem Ausdruck herumgelaufen wäre, hätte er ihn draußen in den Schnee geworfen, damit er seine Arbeitsmoral noch einmal überdachte.

Dennoch erwischte er sich dabei, wie er anfing zu lächeln. Sie war süß. Sie hatte dunkelbraune, glatte Haare und graue Augen, die ihn belustigt betrachteten. Was so witzig sein sollte, wusste er nicht, aber ja, damit konnte er arbeiten. Frauen, so hatte er in dem vergangenen Jahrzehnt gelernt, schienen seine Wünsche immer sehr viel ernster zu nehmen, als Männer es taten. Er musste sie nur anlächeln, und sofort waren sie sehr einsichtig und kooperationsfreudig.

Das würde ihm sicher in die Karten spielen. Sein Morgen war mehr als durchwachsen gewesen und er war in Eile. Eines seiner Rentiere, Dancer, hatte seinen Namen etwas zu ernst genommen und hatte entweder lernen wollen zu steppen oder einen plötzlichen Groll gegen seinen Futtertrog entwickelt. Jedenfalls würde CJ zu allem Überfluss noch am Abend einen neuen bauen müssen, denn die Elfen hatten ihm sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass das nicht in ihren Aufgabenbereich fiel.

Er atmete tief durch, ließ mit der Hand von seiner Stirn ab und trat auf den Verkaufstresen zu. Er hoffte, diese Angelegenheit schnell regeln zu können, damit er sich endlich den wichtigen Dingen in seinem Leben widmen konnte.

„Hallo“, sagte er und stützte sich mit seinen Händen auf dem Tresen ab. „Ich brauche Ihre Hilfe.“

Die Frau rückte ihre Weihnachtsmütze auf ihrer Stirn nach hinten, um ihn genervt von unten herauf ansehen zu können. Es war wohl zu viel verlangt, sie darum zu bitten, ihren Job zu machen.

„Man könnte fast meinen, dass ich nur hier stehe, um Menschen wie Ihnen behilflich zu sein.“

Wie konnte die Frau jetzt schon wütend auf ihn sein? Er hatte doch noch gar nicht angefangen zu schreien.

„Wieso?“, fragte er und verengte die Augen. „Kommen öfter Menschen herein, die Ihnen vorwerfen, ihren Job nicht richtig zu erledigen?“

Sie schnaubte und ihr Gesichtsausdruck wurde gleich noch ein bisschen düsterer. CJ hätte sie sofort als Sonnenfinsternis eingestellt. „Ja, ständig. Wie das nun mal bei der deutschen Post so ist, hier geht dauernd was verloren und das ärgert viele Kunden.“

„Was Sie nicht sagen. Wie es der Zufall so will, bin ich genau deswegen hier.“

„Ah, natürlich. Was war es denn bei Ihnen? Lassen Sie mich raten. Steroide. Nein, Bartöl! Sie legen doch bestimmt viel Wert auf Ihr gepflegtes Aussehen – und das nur auf natürliche Weise.“

Sie zwinkerte ihm gespielt gönnerhaft zu, nur um im nächsten Moment die Augen zu verdrehen und sich ihrem Computer zuzuwenden. Das Einzige, was noch gefehlt hätte, wäre der in die Höhe gereckte Mittelfinger gewesen.

Was ging denn jetzt ab? Es war so klar. Unter allen Frauen auf dieser Welt gelangte er an einen frustrierten Racheengel, der etwas gegen Hipster-Weihnachtsmänner hatte. Wenn er ausgesehen hätte wie sein Vater, wäre ihm das nicht passiert. Das hatte er davon, dass er bemüht war, seinen Cholesterinspiegel auf einer annehmbaren Höhe zu halten. „Natürlich lege ich Wert auf mein Äußeres. Sollten Sie vielleicht auch mal probieren. Wenn man mit Bartöl Ihren gepressten Gesichtsausdruck in ein charmantes Lächeln verwandeln kann, schenke ich Ihnen eine Flasche zu Weihnachten.“

Sie schnaubte, den Blick weiter auf den Computer gerichtet, während ihre Finger über die Tastatur tanzten. „Sie sind so gütig. Wobei kann ich Ihnen denn jetzt helfen?“

Ja, als Weihnachtsmann stand Güte nun einmal in der Jobbeschreibung. Es war nicht so, als hätte er da eine große Wahl gehabt. „Sie haben versäumt, Briefe an mich weiterzuleiten.“

„Ah.“ Unter offensichtlicher Anstrengung riss sie ihren Blick vom Bildschirm. „Ihnen ist aber bewusst, dass die Verteilung der Post von der örtlich zuständigen Stelle geregelt wird? Sie sind nicht von hier, ich habe also herzlich wenig mir Ihren Briefen zu tun.“

„Und ob sie das haben! Sie haben sich vor Jahrhunderten dazu verpflichtet, all meine Post direkt an mich weiterzuleiten. Damit hat die Verteilungsstelle überhaupt nichts am Hut. Nur nehmen Sie Ihre Pflichten ja offensichtlich nicht länger ernst.“

Ihre Finger, die weiter die Tastatur malträtiert hatten, hielten inne. „Vor … Jahrhunderten“, wiederholte sie hölzern.

Tat diese Frau jetzt absichtlich so, als hätte sie keine Ahnung, wovon er sprach? Spätestens jetzt hätte ihr doch klar sein müssen, wen sie hier vor sich hatte. Er war davon ausgegangen, dass die Post um ihre Pflicht wusste und ihre Angestellten über den heiligen Pakt, geschlossen zwischen der Gesamtheit des Postwesens und dem Weihnachtsmann, zur Überbringung schriftlicher Nachrichten unterrichtete. Wenn selbst die Schwüre, die Briefe unschuldiger Kinder an Santa zu leiten, gebrochen wurden, was hatte dann überhaupt noch einen Wert?

„Ich weiß auch nicht genau, wie lange mein Vater den Job jetzt schon macht“, sagte er ungeduldig. Warum hielt sich die Frau an solchen Kleinigkeiten auf? „So an die 500 Jahre müssten es schon sein.“

Die Postfee mit der schlechten Stimmung ließ nun endgültig von ihrem Computer ab. Sie stützte die Ellenbogen auf die Theke und lehnte sich mit zusammengepressten Lippen nach vorne. Versuchte sie ihn jetzt mit ihren vorgestreckten Brüsten zu besänftigen? Also bitte, er war keine sechzehn mehr. „500 Jahre, ja? Also dafür haben Sie sich wirklich gut gehalten. Meinen Respekt. Dieses Öl muss ja etwas ganz Besonderes sein.“

„Meine Güte, Sie sind ja wirklich besessen von diesem Öl. Das werde ich direkt als Geschenk für Sie auf meine Liste schreiben. Aber fürs Erste würde es mir sehr helfen, wenn Sie mir einfach meine diesjährigen Briefe aushändigen könnten, damit ich noch den verdammten Futtertrog für Dancer bauen kann! Ich hab wirklich nicht den ganzen Tag Zeit.“ Er hatte gehofft, mit diesem Gespräch seinen Stresslevel sinken und nicht in die Höhe schießen zu lassen!

Sie verdrehte die Augen und er konnte sie abfällig „Dancer …“ murmeln hören. Gegen Rentiere hatte sie also offenbar auch was. „Einen einzelnen Brief wiederzufinden ist so gut wie unmöglich, wenn er verloren ist“, sagte sie in einem sachlichen Ton, den er ihr fast nicht zugetraut hätte.

„Wie gut, dass es 300.000 Briefe sind“, knurrte er. „Die können kaum zu übersehen sein, sollte man meinen.“

Die Augen seines Gegenübers wurden groß. „Wie bitte?“

„Spreche ich irgendwie undeutlich? Wie inkompetent muss man sein, 300.000 Briefe einfach so zu verlieren?“

„Warum in Gottes Namen sollten Sie 300.000 Briefe bekommen?“ Die Postdame fing an, sich mit nervös fahrigen Bewegungen die Haare unter ihre Mütze zu stopfen. Misstrauisch legte CJ den Kopf schief.

Sie wusste, wovon er sprach.

Vielleicht tat sie dümmer, als sie wirklich war. „Ich bin eben ein wichtiger Mann“, sagte er trocken.

Er konnte sie schlucken sehen, bevor sie sich zu ihrer vollen Kleinheit aufrüstete und aufmüpfig ihr Kinn reckte. „Ich … bräuchte dann einmal Ihren Ausweis. Vielleicht … finde ich ja etwas unter Ihrem Namen.“

Ausweis? CJ war in seinem Leben noch nie nach seinem Ausweis gefragt worden. Er trank Eierpunsch, seit er zwölf war, und niemand hatte sich je um sein Alter oder seine Identität geschert. Alle wussten, wer er war! „Ich habe keinen Ausweis. Aber es wäre nett, wenn sie unter Santa Claus nachsehen könnten. Oder auch Weihnachtsmann, wenn die Leute sich hier nicht haben amerikanisieren lassen. Dinge, die ans Christkind adressiert sind, nehme ich allerdings auch. Sie wird es ja nie erfahren und seien wir ehrlich: Einen besonders guten Job macht Christy schon lange nicht mehr. Die Überbevölkerung ist einfach zu viel für sie, aber sie hat ja schließlich auch keine Elfen, die ihr helfen könnten.“ Das Christkind weigerte sich bis heute, dessen Ein‑Frau‑Firma zu expandieren. Aber CJ wollte sich nicht beschweren. Mehr Business für ihn. Er zuckte mit den Schultern. „Selbst schuld. Sie will sich einfach nicht helfen lassen.“

Die Augen der Postfee weiteten sich für einen Moment, bevor sie kurz lachte, den Kopf schüttelte und schließlich breit lächelte. „Aber natürlich, Santa Claus! Dass ich Sie nicht gleich erkannt habe. Entschuldigen Sie, aber dieses Jahr war Christy wohl schneller. Sie kam gestern vorbei und hat leider alle Briefe mitgenommen.“

Scheiße! War das vielleicht das Problem? Hatte Christy ihm Deutschland strittig gemacht?

„Sie haben ihr alle Briefe gegeben?“, fragte er ungläubig. „Selbst die, die an mich adressiert waren? Das ist verdammter Diebstahl und ich sollte Sie anzeigen! Sie können nicht einfach wahllos meine Briefe jemand anderem geben.“

Die Postfee brach in Gelächter aus, das CJ absolut nicht nachvollziehen konnte. „Sie sind echt gut. Hat mir meinen beschissenen Morgen versüßt, danke sehr.“ Sie seufzte laut auf. „Dann sagen Sie mir doch jetzt einfach, was ich wirklich für Sie tun kann. Ich stehe hier bedauerlicherweise nicht nur zum Spaß rum und habe noch einiges hinten im Lager …“

„Ich habe das Gefühl, Sie nehmen das Ganze nicht ernst. War Christy nun hier oder nicht?“ Er hatte wirklich keine Geduld für so einen Schwachsinn.

„Meine Güte, Sie haben recht. Ich hab wirklich keine Geduld für so einen Schwachsinn. Sagen Sie mir, was Sie wollen, oder gehen Sie!“

Es reichte. Sein Geduldsfaden hatte soeben das Ende erreicht.

 „Schwachsinn? Nennen sie das Glück von 300.000 Kindern etwa Schwachsinn?“

Er senkte seine Stimme und beugte sich näher zu ihr heran. „Hören Sie mir mal gut zu. Ich habe einen Job zu erledigen und den nehme ich nicht auf die leichte Schulter. Ich bin der amtierende Weihnachtsmann und Ihr Land ist das einzige, das seine Briefe nicht geschickt hat. Ich brauche diese Briefe, sonst weiß ich nicht, was ich den Kindern bringen soll – ich kann ja schlecht allen ein iPhone schenken. Wie unkreativ stünde ich denn dann bitte da? Also sagen Sie mir einfach, wo meine Briefe sind, dann bekommen wir beide kein Problem.“

Mit geöffnetem Mund starrte sie ihn an. „Also, noch mal langsam. Sie sind der Weihnachtsmann. Sie vermissen 300.000 Briefe aus Deutschland, vermuten diese hier bei mir und erwarten, dass ich sie Ihnen einfach aushändige, ohne dass Sie sich ausweisen können? Woher soll ich denn bitte wissen, was Sie mit den Briefen der Kinder anstellen wollen? Man hört ja von so einigen kranken Vorlieben, die …“

„Also haben Sie die Briefe?“, unterbrach er sie und neue Hoffnung keimte in ihm auf.

„Ähm …“

„Das deute ich als Ja. Warum haben Sie sie nicht weitergeschickt?“, fragte er verwirrt. „So wie vereinbart?“

Die Frau verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich habe mit niemandem etwas vereinbart.“

„Sie vielleicht nicht, aber diese Poststelle! Also, was genau ist Ihr Problem? All die Jahre läuft alles reibungslos und vor drei Jahren denken Sie sich plötzlich: Ach nee, pissen wir doch heute mal den Weihnachtsmann an und hören auf damit?“

„Pah. Wenn Ihnen erst nach drei Jahren auffällt, dass die Briefe fehlen, scheint ‚reibungslos‘ ja nicht der passende Ausdruck zu sein.“

„Ich hab damit nichts zu tun, mein Vater war derjenige, der das ignoriert hat. Aber Probleme zu ignorieren und Kekse zu essen liegt einfach nicht in meiner Natur. Aber das ist auch alles egal: Wenn Sie mir jetzt einfach endlich mein rechtmäßiges Eigentum aushändigen könnten …“

„Haben Sie einen Ausweis, der bestätigt, dass Sie die Briefe empfangen dürfen?“

„Nein.“

„Dann kann ich Ihnen die Briefe leider nicht aushändigen. Wenn Sie jetzt bitte meine Poststelle verlassen würden, da wäre ich Ihnen sehr verbunden.“

„Nein. Ich gehe nicht ohne die Briefe. Und wenn Sie mir nicht glauben, nur weil ich keine 300 Kilo wiege und mein Gesicht zu hübsch ist, um es hinter einem Rauschebart zu verstecken, dann leiten Sie die verdammten Teile doch einfach an meine Poststelle weiter – so wie alle anderen vor Ihnen es auch geschafft haben!"

Sie lächelte zuckrig, bevor sie flüsterte: „Nein.“

Ruckartig zog er seine Hände vom Tresen. „Es scheint mir, dass wir in eine Sackgasse geraten sind. Das gefällt mir nicht. Und Dinge, die mir nicht gefallen, sind meistens schlecht für alle in meiner Umgebung.“

„Vielleicht können Ihre Rentiere Ihnen aus dieser Sackgasse raushelfen. Die haben Sie hier doch bestimmt um die Ecke geparkt.“

Irritiert runzelte er die Stirn. „Natürlich steht mein Rentier nicht um die Ecke. Ich habe es im Wald angebunden. Ich bin doch kein Tierquäler und setze es den schlimmen Abgasen aus.“

„Entschuldigen Sie, aber hören Sie sich eigentlich selbst zu?“, fuhr sie ihn an, die Arme dramatisch in die Luft werfend. „Verlassen Sie sofort meine Post oder ich rufe die Polizei!“

Okay. Diese Frau war offensichtlich verrückt. Das hier hatte keinen Sinn. Er würde einfach nachts noch einmal wiederkommen und sich die Briefe holen. Sie würden hier ja wohl noch irgendwo herumliegen. Wirklich. Menschen. „Das hier ist noch nicht vorbei“, sagte er grimmig und deutete mit dem Zeigefinger auf sie. „Die Briefe gehören mir und ich werde eine durchgeknallte Posttante nicht das Weihnachten hunderttausender Kinder zerstören lassen.“ Er wandte sich zum Gehen.

„Ja, genau, die Kinder brauchen einen verrückten Möchtegern-Weihnachtsmann, um dieses ach so tolle Fest zu retten“, rief sie ihm hinterher und ihre Stimme triefte nur so vor Bitterkeit. „Viel Glück dabei.“

CJ hob die Augenbrauen und hielt im Schritt inne.

Hatte sie gerade Weihnachten beleidigt?

Kapitel 7
Krieger der Liebe

Amor schlitterte um die Kurve. Neuschnee spritzte auf und traf einige Passanten, die sich erschrocken umdrehten, doch sehen konnten sie nichts. Seine Tarnung war einfach brillant! Solange Amor es nicht wollte, würde ihn kein menschliches Wesen entdecken. Er trug schließlich nicht umsonst diesen Tarnanorak, abgesehen davon, dass er ihm einfach unglaublich gut stand.

Amor hastete den Bürgersteig entlang, schwenkte scharf nach links und rannte auf die Straße, ohne auf die Fahrzeuge zu achten. Ein Auto kam ihm gefährlich nahe, aber er wich geschickt aus und hielt auf die parkenden Fahrzeuge auf der anderen Straßenseite zu. Statt sich durch die Lücke zu schieben, rollte er sich geschmeidig über die Motorhaube des kleinen Fiat und landete auf den Füßen. Amor lächelte. Dann rannte er weiter.

Im Lauf zog er das Smartphone aus seiner Tasche und betrachtete das Display – zwei Punkte blinkten dicht beieinander auf. Sofort beschleunigte Amor das Tempo. Sein Herz klopfte ihm bis zum Hals, seine Lunge brannte.

Das war sein letzter Auftrag. Just in diesem Moment befanden sich beide Zielpersonen in unmittelbarer Nähe zueinander. Wenn er sich beeilte, konnte er sie erwischen und endlich in seinen wohlverdienten Urlaub aufbrechen. Amor sprang über eine vereiste Pfütze, die sich unter dem Fallrohr einer Regenrinne gebildet hatte.

Wie gerne wäre er jetzt geflogen! Seinen Berechnungen zufolge hätte ihm das eine Zeitersparnis von 2 Minuten und 43 Sekunden eingebracht. Amor knirschte mit den Zähnen. Um zu fliegen, müsste er seine Tarnkleidung ausziehen. Nicht, dass er sich für seinen Oberkörper schämte – durch das Training war sein Pectoralis Major inzwischen recht ausgeprägt –, aber er durfte sich vor den Menschen nicht mehr zeigen. Anordnung von ganz oben.

Plötzlich bemerkte Amor etwas aus den Augenwinkeln und blieb abrupt neben einem Schaufenster stehen. Hinter der Glasscheibe grinsten ihm höhnisch kleine Porzellanfiguren entgegen. Fette Knaben mit blondem Lockenkopf und einem dramatisch flatternden Stofffetzen auf Höhe der Hüfte waren auf verschiedenen Ebenen aufgereiht wie eine riesige Armee von Bogenschützen, die mit ihren lächerlich winzigen Pfeilen auf den Betrachter zielten. Amor verzog angewidert den Mund. Er wusste, dass er das sein sollte. Zwinkernder Amor, auf einem Bein hüpfender Amor, Amor mit Männerbrüsten – grimmiger Amor mit geladenen Handfeuerwaffen vor dem Fenster.

Ein Muskel zuckte an Amors Augenlid. Einmal! Ein einziges Mal vor mehr als tausend Jahren hatte er sich in seiner kindlichen Unbedarftheit den Menschen gezeigt und noch bis heute hing ihm das Image des fetten Jungen nach! Er wurde es einfach nicht los. Amor rümpfte die Nase. Obwohl er es nicht durfte, hatte er sich dennoch wiederholt den Menschen gezeigt – in der Hoffnung, sie würden endlich aufhören, sich über ihn lustig zu machen. Aber sie hatten ihn gar nicht für voll genommen, als er sich als Amor vorgestellt hatte. Aus unerfindlichen Gründen hatten sie ihn für einen abgedrehten Armeefreak gehalten. Nun, in gewisser Weise sah er sich ja selbst als Soldat. Als Krieger der Liebe. Er lächelte, aber eine eisige Windböe wischte ihm die Freude sofort aus dem Gesicht. Natürlich hatte die Chefetage spitzgekriegt, dass er die Regeln gebrochen hatte, und ihm prompt seinen Urlaub gestrichen. Seither versuchte Amor, sich nicht von diesen süßen Götzen provozieren zu lassen, so schwer es ihm auch fiel.

Der Signalton seiner App riss ihn aus den Gedanken.

Amor rannte zähneknirschend los und ließ das Bataillon winziger Liebeskrieger hinter sich zurück. Noch einmal würde er sich nicht den Urlaub streichen lassen!

„Datenabruf zu Zielperson A“, verlangte er im Lauf.

Zielperson A. Name: Elly. Alter: 25. Status: genervt. Bereit für die Große Liebe: 62 Prozent. Erkennungszeichen: Weihnachtsmannmütze mit Musikvorrichtung.“

„Datenabruf Zielperson B.“

Zielperson B. Name: CJ. Alter: 27. Status: optimistisch. Bereit für die Große Liebe: 91 Prozent. Erkennungszeichen: Stirnverletzung.“

Na, das fing ja gut an. Noch gar kein Paar und es gab bereits die ersten Handgreiflichkeiten.

Amor bog in die nächste Straße ein und lokalisierte das Gebäude, in dem sich die beiden Zielpersonen aufhalten sollten. Amor blieb stehen und verengte die Augen. Er scannte das Terrain, um sich im Kopf einen Lageplan möglicher Fluchtwege und Zugriffsoptionen zu skizzieren. Links neben der Poststelle befand sich eine Eiche, um die sich von der kahlen Krone bis hinunter zum dicken Stamm eine Sternenlichterkette wand. Im Moment war sie ausgeschaltet, genauso wie der Rest der weihnachtlichen Stadtbeleuchtung. Mehrere Müllcontainer standen in einer Gasse und vor dem Gebäude selbst eine Bank. Nirgendwo waren Menschen zu sehen.

Amor entschied sich kurzerhand für den Baum. Seinen Berechnungen zufolge müsste er bloß den dritten Ast von unten erreichen, um in einem Winkel von 23 Grad durch ein auf Kipp gestelltes Fenster das zukünftige Liebespaar anzuvisieren.

Amor schlich an den Häuserreihen entlang, näherte sich vorsichtig der Poststelle und beschrieb dann einen Bogen in Richtung Eiche. Plötzlich tauchten zwei Passanten auf, schwerbepackt mit einem Haufen ausgebeulter Plastiktüten. Reflexartig drückte sich Amor in den Schatten eines Lieferwagens, aber die Fußgänger sprachen lebhaft miteinander und bemerkten ihn dank seiner Tarnung gar nicht. Als sie um die Hausecke verschwanden, wirbelte Amor herum und hielt schnurstracks auf den Baum zu. Er stemmte seine Füße gegen die Eiche, als wollte er die gesamte Stammlänge hinauflaufen, aber nach drei Schritten stieß er sich ab und fiel in einen Rückwärtssalto. Geschickt landete er auf dem untersten Ast, der kaum unter seinem geringen Gewicht nachgab. Amor machte einen Satz und packte den nächsthöheren Ast mit den Händen. Schnee löste sich und platschte ihm ins Gesicht, aber er zuckte nicht einmal mit der Wimper. Er schwang sich wie ein Trapezkünstler – halt, nein! Wie ein Ninja, ja, dieser Vergleich gefiel ihm besser. Er schwang sich wie ein Ninja auf den dritten Ast. Mit einer geschmeidigen Bewegung richtete Amor sich auf und überprüfte erneut die Umgebung. Zufrieden stellte er fest, dass er noch immer allein war.

Dann spähte Amor durch das Fenster und sofort durchströmte ihn Erleichterung.

„Sichtkontakt“, flüsterte er zu sich selbst.

Beide Zielpersonen waren noch da. Er zog das Smartphone aus seiner Jackentasche und verkleinerte die Karte. „Kompatibilität berechnen“, sprach er leise ins Telefon.

Kompatibilität wird berechnet …“, wiederholte die App.

Ungeduldig wartete Amor auf den vertrauten Signalton. All seine Muskeln spannten sich an. Schweiß brach ihm unter den Armen aus.

„Nun mach schon!“

Kompatibilität berechnet. Perfect Match.“

Amor atmete aus. Gut. Er steckte das Smartphone weg und seine Finger legten sich wie von selbst um den Griff seiner Handfeuerwaffe. Amor zog sie aus dem Holster. Mabel war eine Spezialanfertigung für ihn. Sie lag gut in der Hand, war leicht und schnell einsatzbereit, trotzdem verfügte sie über ein großes Maß an Präzision – nicht zu vergleichen mit einem Scharfschützengewehr, aber das nutzte Amor bloß, wenn er keine Chance hatte, näher heranzukommen. Der Aufbau des Gewehrs kostete Zeit und Geduld – und er war ein Adrenalinjunkie! Mabel war bereits geladen. Amor schob den Sicherheitshebel in Laufrichtung nach vorn und zielte. Er musste genau durch den Spalt des Fensters treffen. Das Paar stand perfekt, da machte CJ einen Schritt vor. Vorsichtig korrigierte Amor einen Millimeter nach rechts.

Es war wichtig, dass der erste Schuss ein Treffer war. Rein theoretisch hätte Amor zwar eine zweite Patrone, aber die war nur für den Notfall gedacht. Zumal man sich nie ganz sicher sein konnte, ob ein Streifschuss nicht bereits genügte. Wenn ein Paar die doppelte Ladung Liebeszauber abbekam, konnte das zu einer regelrechten Obsession führen.

Nicht dass ihm das schon einmal passiert wäre. Oder zweimal.

Amor konzentrierte sich. Sein Urlaub war nur noch ein Schritt von ihm entfernt! Er blähte die Nasenflügel, stieß den Atem aus und … WUMM!

In genau diesem Moment traf ihn etwas Kaltes und Feuchtes im Gesicht und schleuderte seinen Kopf nach rechts.

Ein Schuss löste sich.

„Scheiße!“, entfuhr es Amor. Schnee tropfte auf seine Schulter. Augenblicklich schnellte sein Blick zu dem Paar zurück, die rote Glitzerspur schwebte noch in der Luft, aber die Ladung … hatte sie getroffen?

Panik erfasste Amor. Da hingen ein paar Glitzersterne an der roten Jacke des Mannes, aber verdammt, er war sich nicht sicher, ob er wirklich getroffen hatte.

Amor schob den Unterkiefer vor und bleckte seine Zähne. Er fuhr herum, dorthin, von wo aus der Schneeball auf ihn zugeflogen war. Mit finsterem Ausdruck maß er den Störenfried, ein kleines rothaariges Etwas, das sich Amor gerade zum Todfeind gemacht hatte. Er wischte sich mit dem Handrücken das Schmelzwasser von der Wange und donnerte: „Weißt du, was du da angerichtet hast, du blöde Nuss?“


 

Kapitel 8
Weil Rot heiß ist

Dieser verfluchte Weihnachtself würde heute noch für ihr erstes graues Haar sorgen. Und so uneitel sie auch war, das würde sie nicht zulassen.

Noch immer zuckrig lächelnd starrte sie ihn an, während er sich langsam wieder zu ihr umwandte. In ihrem Bauch rumorte es wie sonst nur nach einer ganzen Packung Spekulatius. Er sollte einfach verschwinden! Sie hatte doch gute Argumente angeführt, warum sie ihm die Briefe nicht geben konnte. Bei der Post ging nun mal ab und an was verloren!

„Was haben Sie gesagt?“

Der Weihnachtsmann – Gott, das klang sogar in ihren Gedanken einfach nur lächerlich! – sah sie stirnrunzelnd an und rieb sich die Seite. Die vielen Muskeln schienen ständige Massagen zu benötigen.

„Viel Glück dabei“, wiederholte sie etwas langsamer als zuvor und genoss den Anflug von Ärger, der sich dabei auf seinen Zügen ausbreitete.

„Nein, ich meine das andere. Als Sie Weihnachten beleidigt haben.“

Ah, Santi fühlte sich persönlich angegriffen. Elly kannte das Gefühl.

„Natürlich, Verzeihung. Warten Sie, wie hatte ich mich ausgedrückt?“ Scheinbar nachdenklich legte sie einen Finger an die roten Lippen. „Ah, richtig. Um dieses ach so tolle Fest zu retten, brauchen die Kinder bestimmt einen verrückten Möchtegern-Weihnachtsmann wie Sie.“

„Mhm.“ Seine Augenbrauen wanderten ein Stück weiter zusammen. Die zupfte er sich bestimmt regelmäßig, sonst würden sie sich bei seinem üppigen Haarwuchs schon längt berühren. „Das hatte ich befürchtet. Ich denke, Sie schulden Weihnachten eine Entschuldigung. Und mir auch, wenn ich darüber nachdenke …“

Ach was, er ließ sie sich bestimmt zupfen. Ja, da war Elly sicher. Jemand wie er würde so etwas nicht selbst machen …

„Hat Ihnen eigentlich schon einmal jemand gesagt, dass Ihre Haut aussieht wie das Weihnachtsporzellan meiner Mutter?“

Warum war es plötzlich so kalt an ihren Zähnen? Ach ja, ihre Kinnlade war weit heruntergeklappt. Schnell schloss sie den Mund und beschränkte sich darauf, ihn entgeistert anzustarren. „Bitte was?“ Urplötzlich überkam sie ein Hustenanfall, sie hob beide Hände vor den Mund und trat einen Schritt zurück. „Ich … nein. Noch mal von vorn.“ Nicht aus der Ruhe bringen lassen. Was dachte der Typ sich eigentlich? Über das Weihnachtsporzellan seiner Mutter wollte bestimmt niemand etwas wissen! Vor allem sie nicht. Wobei … nein, stopp, es ging um etwas anderes. „Ich … werde mich mit Sicherheit nicht entschuldigen. Weder bei Ihnen noch bei Weihnachten.“

So. Das war doch schlagfertig. Auf den Rest musste sie ja nicht eingehen.

Der sture Weihnachtself vor ihr schüttelte den Kopf und blinzelte ein paarmal zu oft. Fast, als wäre er selbst von seinen Worten irritiert. Was auch immer er eingeworfen hatte, bevor er sich in dieses Kostüm geschmissen hatte – ganz ehrlich, dieses grüne Shirt war doch mindestens zwei Nummern zu klein und der rote Mantel dafür viel zu groß –, er sollte weniger davon nehmen. Oder ihr zumindest etwas abgeben.

Bevor Elly diese Gedanken weiter ausführen konnte, drehte sie sich demonstrativ um und konzentrierte sich auf das hinter der Theke stehende Regal. Der Briefstapel dort lag nicht genau parallel zur Wand, das musste schleunigst berichtigt werden.

„Sie können unmöglich was gegen Weihnachten haben. Das ist, als würden Sie gegen Hundebabys sein!“, erklang seine Stimme hinter ihr.

Fahrig ließ Elly ihre Finger an ein paar Ordnern entlanggleiten und vertauschte zwei davon. „Ich war schon immer eher der Katzentyp.“

Ein lautes Schnauben ertönte.

„Was werfen Sie Weihnachten denn vor? Ist es Ihnen zu besinnlich? Zu gemütlich? Zu wunderbar? Zu viele Geschenke? Zu viel leckeres Essen? Und könnten Sie sich jetzt bitte umdrehen! Ihre Lippen sind wirklich wunderschön und ich möchte sie anstarren, während ich mit Ihnen rede.“

Na, den Gefallen würde sie ihm gern tun. Wütend fuhr sie herum und funkelte ihn an. „Was ich Weihnachten vorwerfe, geht Sie einen feuchten Schneehaufen an! Und in genau den werde ich Sie gleich befördern, wenn Sie sich diese bescheuerten Kommentare nicht verkneifen! Hey! Hier sind meine Augen!“

„Ich … was?“ Er sah von ihren Lippen auf. „Entschuldigung, ich … nee … was?“ Jetzt wirkte er vollends verwirrt, kratzte sich sogar am Kopf. Aha, vernünftig sprechen konnte er wohl auch schon nicht mehr. Das wurde ja immer besser.

„Was soll das heißen: Nee, was? Das zähle ich durchaus auch als bescheuerten Kommentar.“ Musternd ließ sie ihren Blick erneut an ihm hinabwandern. „Bescheuert passt ohnehin ganz gut zu Ihnen. Solche Arme versteckt man doch nicht in so einem schrecklichen Kostüm. Und was sollen die Kratzer auf der Stirn? Zu oft in den Weihnachtsbaum gelaufen?“

Eine seiner Augenbrauen flog in die Höhe. „Reden Sie von meinem Mantel? Es ist nun mal kalt am Nordpol.“

Nun war es an Elly, zu schnauben. „Ach. Wirklich? Ich dachte, die Pinguine würden da ihren Sommerurlaub verbringen.“

„Sie würden keinen Tag am Nordpol überleben und … darum geht es jetzt wirklich nicht.“

Stimmt, stellte Elly fest. Es schien ihm schon wieder um ihre Lippen zu gehen. „Sie als Gentleman könnten mir ja dabei helfen, dort den Tag zu überstehen. Unter Ihrem Mantel ist es bestimmt kuschlig warm.“ Hoppla. Hatte sie das wirklich gerade gesagt?

„Wenn ich Ihnen den Mantel gebe, könnten Sie sich ja überhaupt nicht mehr konzentrieren. So sehr, wie Sie gerade schon meine Bauchmuskeln anbeten.“

„Was?“ Blinzelnd sah sie ihm wieder in die Augen, konnte aber nicht verhindern, gleich darauf noch einmal auf seinen Bauch zu sehen. Verdammt, das Sixpack hätte auch Photoshop nicht besser hinbekommen. „Ähm …“ Worauf wollte sie noch hinaus? „Jedenfalls steht Weihnachten auf der Liste der tollsten Feste ganz weit unten. Gegen Karneval oder … Ostern kommt nichts an.“

Details

Seiten
0
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783960872573
ISBN (Buch)
9783960875604
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v378893
Schlagworte
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  • Louis Saskia (Autor)

  • Julia Bohndorf (Autor)

  • Julia Lalena Stöcken (Autor)

  • Marie Weißdorn (Autor)

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Titel: Drei Dates mit Santa (Liebe, Chick-lit)