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Magic Callboy (Erotik)

von Bettina Kiraly (Autor)

2018 0 Seiten

Leseprobe

Über dieses E-Book

Lisa steckt seit Jahren in einer langweiligen Beziehung zu Reinhard fest, der einige Jahre älter ist als sie. Als er versucht, wieder Schwung in ihre Liebe zu bringen, findet Lisa seine Ideen erst einmal ziemlich aufregend. Nach langem fühlt sie sich endlich wieder begehrt. Doch dann engagiert er einen Callboy und zeigt eine neue Seite von sich. Lisas Sicht auf ihn verändert sich unwiderruflich und die Nacht verläuft anders als geplant. Was sagt es über Lisas Beziehung aus, wenn ein Fremder ihre Bedürfnisse besser kennt als ihr langjähriger Freund?

Impressum

Secret_Desires_Grafik_Imprint

Erstausgabe Januar 2018

Copyright © 2018, Secret Desires, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Made in Stuttgart with ♥
Alle Rechte vorbehalten

ISBN: 978-3-96087-556-7

Covergestaltung: Antoneta Wotringer
unter Verwendung eines Motivs von
© prometeus/danstockphoto.de
Bildmaterial Innenteil: © VadimGuzhva/fotolia.de, © pauliekiefer/fotolia.de, © Antonioguillem/fotolia.de,
© georgerudy/fotolia.de und © LIGHTFIELD STUDIOS/fotolia.de
Lektorat: Daniela Höhne

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

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1. Kapitel

Samstag

Die Anweisung klingt, wie aus einem Sexspiel kopiert. Ob Reinhard extra eines dieser Sets mit erotischen Aufgaben gekauft hat? Er ist nicht der Typ Mann, der Einladungen in blumige Worte fasst oder ein Date überhaupt vorbereitet. Weshalb diese Mühe? Unser Jahrestag steht erst im Winter an. Keiner von uns feiert in nächster Zeit Geburtstag. Das hier muss ihm dennoch wichtig sein. Aber warum?

Zieh dir was Schönes an, lass die Unterwäsche weg und komm um sechs zu Marcos. Ich werde dich dort sehnsüchtig erwarten.

Steigt mir da sogar der Duft eines Parfums in die Nase? Damit hat er wirklich übertrieben. Weshalb hat er die Nachricht überhaupt notiert, statt mir die Worte einfach ins Gesicht zu sagen?

Ich lege das dicke Papier im Postkartenformat, auf dem mit Reinhards geradliniger Schrift zwei Sätze notiert sind, ungläubig auf den Küchentisch neben meinen Frühstücksteller. Im Augenblick entdecke ich nur seine von ersten grauen Strähnen durchzogenen Schläfen und das dunkle Haar hinter der Zeitung. „Diese Einladung ist wirklich sehr nett von dir“, beginne ich. „Gibt es etwas zu feiern?“

„Muss es einen Anlass geben, damit du mit mir ausgehst?“ Er legt mit gerunzelter Stirn die Zeitung weg.

„Nein, natürlich nicht. Tut mir leid, falls es so geklungen hat. Ich freue mich sehr auf unsere Verabredung. Wirklich.“

Er nickt. „Schön. Dann kannst du den Rest des Tages nutzen, dich darauf vorzubereiten.“

In meinem Magen beginnt es zu kribbeln. Reinhards kühl berechnender Tonfall gefällt mir nicht. So redet er nur, wenn er alles unter Kontrolle haben will. Das kann leider ausarten. „Was meinst du?“

„Ich habe dir ein Päckchen ins Badezimmer gestellt. Du wirst es schon herausfinden.“

Neuerlich dieses Kribbeln in meinem Bauch. „Ich verstehe nicht, warum du dir solche Mühe machst.“

„Wie bitte?!“ Die Kaffeetasse, aus der er gerade einen Schluck genommen hat, zittert in seiner Hand. Er stellt sie mit einem Klirren ab.

Oh nein, das habe ich völlig falsch formuliert. „Ich fühle mich wirklich geschmeichelt. Es ist furchtbar nett von dir, dich so ins Zeug zu legen …“

„Warum hinterfragst du dann meine Handlung?“ Sein Gesichtsausdruck wird wütend.

„Deine Einladung hat mich überrascht. Ich danke dir dafür, dass du dir so viele Gedanken gemacht hast. Es ist nur …“

„Warum muss ich mich dafür rechtfertigen, dir immer wieder zeigen zu wollen, wie wichtig du mir bist?“ Er steht auf und sieht mich beleidigt an.

Ich lächle beruhigend. Anscheinend versucht er, etwas vor mir zu verbergen. Sonst würde er wegen meiner Frage nicht so überreagieren. „Es tut mir leid. Du hast das eindeutig seit Langem geplant. Ich freue mich auf heute Abend.“

„Du solltest auch voller Vorfreude sein. Nach dem Abendessen werde ich dich verführen. Heute Abend wirst du deinen Orgasmus nicht vortäuschen müssen.“

Fassungslos starre ich ihn an. Die Zufriedenheit steht in sein Gesicht geschrieben. Dann wird ihm klar, was er da gerade gesagt hat. Sein Lächeln verschwindet.

„Wie kommst du auf die Idee, ich würde dir etwas vorspielen?“ Tja, leider bleibt mir meist nichts anderes übrig, weil Reinhard sich nicht gerade geschickt dabei anstellt, mich zum Höhepunkt zu bringen. Trotzdem würde mich interessieren, woher seine Erkenntnis plötzlich kommt, nachdem er sich all die Jahre für einen großartigen Liebhaber gehalten hat.

„Denkst du nicht, ich merke, wenn du mich belügst?“ Abweisend verschränkt er die Arme vor der Brust.

„Lüge ist so ein starkes Wort …“

„Es ist beleidigend, wenn du mir gegenüber nicht ehrlich bist.“

Ich unterdrücke ein Seufzen. Manchmal benimmt er sich wie ein trotziges Kind. Dann ist er mit seinen bald vierzig Jahren unvernünftiger als ich, obwohl ich gut zehn Jahre jünger bin. Wenn das nur das einzige Problem in unserer Beziehung wäre! Trotzdem steht eines außer Frage. „Ich liebe dich. Das ist alles, was zählt. Ich möchte für immer mit dir zusammen sein.“

„Trotzdem bin ich anscheinend nicht in der Lage, dich zu befriedigen. Zumindest behauptet das Jessica.“

Mit einem Mal wird mir schwindlig. Das kann nicht sein. Meine beste Freundin würde mir niemals derart in den Rücken fallen. Ich spüre, wie das Blut aus meinem Gesicht weicht. „Was soll das heißen?“

„Ich habe mich letztes Wochenende mit Manfred unterhalten. Er hat so etwas angedeutet.“

Gott, wie peinlich! Das wird ja immer schlimmer. Jessica weiß genau, dass ich Manfred nicht leiden kann. Hat sie dennoch weitererzählt, was ich ihr im Vertrauen gesagt habe? Hat sie ihrem Mann gegenüber tatsächlich ausgeplaudert, dass ich sexuell frustriert bin? Das werde ich ihr nicht verzeihen! Wut steigt in mir hoch.

„Warum redet ihr über mich?“, erkundige ich mich mit heißem Gesicht. „War das Fußballmatch so langweilig?“

„Jetzt werde nicht pampig! Ich bin froh, endlich die Wahrheit erfahren zu haben. Dank dir bin ich eine Lachnummer in unserem Freundeskreis. Aber das wird sich ändern. Du wirst keinen Grund mehr haben, dich zu beschweren.“

„Ich habe mich nicht beschwert.“ Trotz meiner Wut auf Jessica versuche ich, Reinhard zur Vernunft zu bringen. „Wir sind glücklich. Es fehlt uns an nichts.“

„Außer an Höhepunkten.“

In seinen Augen lese ich, wie verletzt er ist. Der erfolgreiche, selbstbewusste Architekt zweifelt wegen mir an sich. Ich stehe auf und schmiege mich an seine große, breite Brust. „So stimmt das nicht.“

„Das Gespräch mit Manfred hat mir etwas klargemacht. Wir sind zu bequem geworden. Wir haben unser Feuer verloren. Aber noch ist es nicht zu spät. Wir werden an unserer Beziehung arbeiten. Heute Abend beginnen wir damit.“

Ich gebe ihm recht. Doch der Sex ist nicht unser Hauptproblem. Wir unternehmen viel zu wenig gemeinsam. Im Laufe der Jahre haben sich unsere Prioritäten geändert. Manfred will eine Familie. Er drängt mich schon seit Langem, endlich mit ihm an einem Kind zu basteln und dann daheimzubleiben. Aber das ist nicht, was ich will. Ich will noch etwas erleben, meine Freiheit genießen, abenteuerlustig sein. Ob ich diesbezüglich heute auf meine Kosten kommen werde? „Einverstanden“, stimme ich zu. „Ein romantisches Abendessen, anregende Gespräche, …“

„… heißer Sex. Ich will, dass du die ganze Zeit daran denkst“, flüstert er mir ins Ohr. Seine Hände streichen über meinen Rücken, wärmen mich, wecken meine Sehnsucht nach Nähe. „Gleich nach dem Dessert fahren wir nach Hause, und ich gebe dir, was du brauchst.“

„Zu Hause? Wie wäre es, wenn du schon im Auto über mich herfällst?“

„Das ist es, was du dir wünschst?“, fragt er ungläubig, vielleicht sogar ein wenig erfreut.

Ich hebe den Kopf und sehe ihn an. „Ein wenig Abwechslung wird uns nicht schaden.“

„In Ordnung. Darüber werde ich mir Gedanken machen. Bestimmt fällt mir etwas ein. Notfalls recherchiere ich auch.“

Sein Eifer entlockt mir ein Lächeln. Er ist offensichtlich auf der Mission, Schwung in unsere Beziehung zu bringen. Und das wird er genauso korrekt und gewissenhaft durchziehen wie seinen Job im Architekturbüro. „Ich freue mich darauf.“

„Sehr schön.“ Er küsst mich auf die Nasenspitze. „Dann mache ich mich jetzt auf den Weg zur Arbeit. Wir treffen uns direkt im Restaurant. Viel Spaß bei den Vorbereitungen.“

Sein aufgeregtes Grinsen scheint mir übertrieben. Ich begleite ihn zur Wohnungstür und winke ihm nach. Schade, dass er heute an einem Samstag arbeiten muss. Ich selbst bin später noch mit einer Freundin verabredet. Jetzt gehe ich aber erst mal ins Badezimmer. Die Neugierde lässt mir keine Ruhe.

Das geheimnisvolle Päckchen, das er erwähnt hat, entpuppt sich als Geschenk im Schuhkartonformat. Es ist in rotes Seidenpapier gehüllt, das ich vorsichtig entferne. Das Knistern des Papiers klingt verheißungsvoll. Dann hebe ich neugierig den Deckel der Schachtel an.

Mir stockt der Atem. Ein teuer aussehendes Parfumfläschchen liegt darin. Doch das ist nicht, was meine Aufmerksamkeit fesselt. Auf der Tubenverpackung daneben steht Intimenthaarungscreme. Ich halte überrascht die Luft an. So etwas habe ich noch nie benutzt. Allein die Vorstellung fühlt sich befremdlich an. Bislang habe ich mich aufs Stutzen und Trimmen beschränkt. Handelt es sich um eine Fantasie von Reinhard, mich untenrum haarlos zu sehen? Soll ich es wirklich wagen?

Ich denke an die letzten Jahre. Die Langeweile, die Routine. Vielleicht ist es an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren. Und möglicherweise komme ich dann auch auf meine Kosten.

„Gefällt es dir hier?“, fragt Reinhard einige Stunden später.

Ich zupfe am Saum meines schwarzen Kleides und versuche, es tiefer zu schieben. Wie von ihm gewünscht, habe ich die Unterwäsche weggelassen. Nach kurzem Zögern habe ich heute Morgen auch den Beipackzettel der Enthaarungscreme gelesen und sie dann angewendet. Ich komme mir verwegen und sehr sexy vor. Trotzdem sind meine Beine überschlagen, damit ich nicht versehentlich zu viel zeige. Ich bin froh über die langen Tischtücher in dem edlen, italienischen Restaurant, die auf meinen Schoß reichen und unter denen ich meine Füße verstecken kann.

„Es ist toll hier“, antworte ich. Als ich auf meinem Stuhl etwas nach vorne rutsche, reiben meine Oberschenkel übereinander. Mir wird deutlich bewusst, dass ich keinen Slip trage. Mein Herzschlag beschleunigt sich, als Erregung in mir hochwallt. Mein Mund ist mit einem Mal ganz trocken.

„Hast du dich schon entschieden, was du essen willst?“

Die Karte halte ich schon seit mehreren Minuten in meiner Hand. Doch ich habe noch keinen Blick darauf geworfen. „Tut mir leid. Ich kann mich nicht konzentrieren“, gestehe ich leise.

Reinhard lacht auf. Seine braunen Augen strahlen. Er zwinkert mir zu. „Das höre ich gerne. Ich werde die Bestellung für dich übernehmen. Du kannst dich gerne weiter mit dem neuen Gefühl anfreunden.“

Wie stolz er wirkt, wie zufrieden. So habe ich ihn lange nicht mehr gesehen. Mein Blick wandert über sein Gesicht. Ich kenne jede Falte um seine Augen, die kleine, nahezu unsichtbare Narbe über seiner Oberlippe, die hellen Sommersprossen, die sich jetzt im Sommer auf seinen Wangen zeigen. Reinhard ist kein Mann, dessen Attraktivität einem den Atem raubt. Er ist gutaussehend, gepflegt und achtet auf seine Erscheinung. Sein schwarzes Haar hat er korrekt frisiert. Der Anzug sitzt perfekt. Der leichte Bauchansatz, den er sich vor ein paar Monaten zugelegt hat, stört das Gesamtbild nicht. Alles an ihm strahlt Zielstrebigkeit und Geradlinigkeit aus. Ich könnte es auch Langeweile nennen.

Der Kellner tritt an unseren Tisch. Ich bringe kein Wort heraus, als er nach meinen Wünschen fragt. Dabei weiß ich genau, was ich gerne hätte. Mein Körper hat sich erhitzt. In meinem Magen kribbelt es voller Vorfreude. Ich presse meine Oberschenkel zusammen, um sie am Zittern zu hindern. Ich will, dass Reinhard mich packt, mir gleich hier am Tisch das Kleid vom Körper reißt und meinen Körper mit Küssen bedeckt. Wie es sich wohl anfühlen wird, wenn seine Zunge über meinen jetzt haarlosen Venushügel leckt? Ich zerschmelze vor Begehren, kann mich kaum gedulden, dabei haben wir noch nicht einmal mit dem Essen begonnen.

Während Reinhard unsere Bestellung aufgibt, hänge ich meinen Gedanken nach. In der letzten Zeit habe ich meinen Freund nicht mehr als meinen Lover, sondern als einen Kumpel gesehen. Wir haben aneinander vorbeigelebt. Aber ich liebe ihn immer noch, weil er mir Sicherheit gibt. Am Anfang unserer Beziehung hat er mich oft in vornehme Läden ausgeführt, mit mir alle romantischen Ausflugsziele Wiens besucht. Ich fühlte mich von seinem weltmännischen, selbstsicheren Auftreten angezogen. Erst später habe ich bemerkt, dass seine Stärke und sein Selbstbewusstsein grenzenlos sind. Er ist der Meinung, jeder müsste sich seinen Wünschen unterordnen. Meine Sicht auf ihn hat sich dadurch verändert. Welche Frau lässt sich schon auf Dauer gerne sagen, was sie tun darf und was nicht? Ich möchte nicht dominiert werden. Aber diese Idee, die er mir heute präsentiert hat, so verrückt sie mir im ersten Moment auch erschienen ist, könnte unsere Beziehung neu definieren.

Erleichtert registriere ich, dass Reinhard auf eine Vorspeise verzichtet hat, als der Kellner einen Teller vor mir abstellt. Pasta mit Meeresfrüchten. Die habe ich früher wirklich gerne gegessen. Aber jetzt hätte ich lieber auf alles verzichtet. Trotzdem beginne ich zu essen.

Ich lächle und lasse es mir schmecken. Während Reinhard seine Lasagne in kleinen Bissen in seinen Mund steckt, beobachtet er mich. Schließlich tupft er sich mit der Serviette den Mund ab.

„Spreiz die Beine“, verlangt er mit rauer Stimme.

„Wie bitte?“ Ich verschlucke mich an einer Muschel.

Er hält meinen Blick fest und lässt die Serviette fallen. „Spreiz die Beine für mich.“

Mein Herz macht einen Sprung, während sich meine Wangen röten. Durch meinen Magen schießt ein Hitzepfeil. Ich kann die Augen nicht von seinem Gesicht abwenden. Dennoch bin ich mir der anderen Menschen im Raum überdeutlich bewusst. „Das geht doch nicht.“

„Heute Abend sage ich dir, was du zu tun hast.“

Dieser strenge Tonfall in seiner Stimme zieht mich in seinen Bann. So direkt ist er beim Thema Sex noch nie gewesen. Diese überraschende unbekannte Seite von ihm macht mich an. Gebannt umklammere ich das Besteck und lege meine Handballen auf der Tischplatte ab.

Langsam, ganz langsam stelle ich die Beine nebeneinander und öffne dann meine Schenkel. Es ist ein fremdes Gefühl. Nackt. Schutzlos. Gleichzeitig unglaublich aufregend. Erregend.

Reinhards Pupillen weiten sich. Dann beugt er sich nach unten, um seine Serviette aufzuheben. Er lässt sich verdammt viel Zeit, sie nach oben zu holen.

Meine Gedanken beginnen zu rasen. Meine Sinne spielen verrückt. Hat er die Tischdecke schon angehoben? Kann er überhaupt etwas erkennen? – Ist da ein Luftzug? War da ein Finger an meinem Knie? Sehnsüchtig öffne ich meine Beine noch weiter.

Das lange Tischtuch verhindert, dass die anderen Gäste in dem Restaurant mir unter das Kleid sehen können. Vermutlich zieht allerdings jeder den richtigen Schluss, wenn er zufällig zu uns herüberschaut. Dass ich meine Beine gespreizt habe, ist nicht zu übersehen. Es überrascht mich, wie sehr diese Tatsache mich anturnt.

Endlich erscheint Reinhards Kopf über der Tischplatte. Sein Gesicht ist gerötet. Seine Hände zittern, als er die Serviette neben sich legt. Während unsere Blicke sich treffen, kann ich sehen, dass seine Atmung sich beschleunigt hat.

„Bist du zufrieden?“, erkundige ich mich. Das Blut pulsiert spürbar in meinem Schoß. Ich will von Reinhard berührt werden.

„Ich wäre es, wenn ich mich nicht fast nur auf meine Vorstellungskraft beschränken müsste. Wenn wir das nächste Mal essen gehen, werde ich um Beleuchtung unter dem Tisch bitten. Aber ich bin mir sicher, du hast mein Geschenk angewendet“, sagt er und lässt eine Augenbraue hüpfen. Trotzdem wirkt er nicht wirklich, als wäre ihm zum Scherzen zumute.

„Oder du bringst eine Taschenlampe mit“, witzle ich.

Schweigend sieht er mich an. Sein Blick wandert von meinem Gesicht tiefer, heftet sich auf mein Dekolleté. Mein Brustkorb hebt und senkt sich schnell. Meine Brüste kribbeln. Ich glaube, seine Finger auf meiner Haut zu spüren, die sich in meinen Ausschnitt schieben. Das ist es, was ich will. Das ist, was ich brauche. Ahnt Reinhard, was in mir vorgeht?

Er leckt sich über die Lippen und meine Brustwarzen werden hart. Dort möchte ich seine Zunge fühlen. Ich bekomme fast keine Luft, so schmerzhaft pocht das Verlangen in mir.

Statt meinen unausgesprochenen Wunsch zu erfüllen, greift er nach dem Besteck und konzentriert sich wieder auf seinen Teller. Was zur Hölle …?

„Iss! Du willst deine Pasta doch nicht kalt werden lassen.“

Ich spieße mit meiner Gabel eine Muschel auf und stecke sie mir in den Mund, bevor mir klar wird, was ich da eigentlich tue. Will Reinhard heute tatsächlich seine neue Rolle durchziehen? Ich verzehre mich hier vor Sehnsucht und ihn lässt mein sexy Aufzug unbeeindruckt? Kommt nicht infrage!

„Da mir ohnehin furchtbar heiß ist, kann das Essen ruhig auskühlen. Ich fühle mich richtig erhitzt, obwohl ich so wenig anhabe.“ Meine leise Stimme macht hoffentlich keine Tischnachbarn neugierig. Ich lecke mir betont langsam über die Lippen und registriere zufrieden, dass Reinhards Blick der Bewegung meiner Zunge folgt. „Mir war nicht klar, dass ich nach der Anwendung deines Geschenks jeden Luftzug dermaßen intensiv spüren würde.“

Reinhard schluckt. Seine Pupillen weiten sich.

„Vorhin, als du die Serviette aufgehoben hast, dachte ich sogar erst, ich hätte eine Berührung gefühlt“, berichte ich weiter. „Das Streicheln eines Fingers von meinem Knie aufwärts, meinen Schenkel entlang, unter den Saum meines Kleides und dann …“

„Ja?“, fragt er nach, als ich verstumme.

Ich lache. „Und dann habe ich bemerkt, dass nur Luft meine erhitzte Haut entlanggestrichen ist. Das war richtig scharf. Aber lieber hätte ich deine Hand zwischen meinen Schenkeln gehabt.“

„Das wirst du heute noch. Gott, wenn du so weitermachst, dauert es nicht mehr lange.“

Mein Blick zeigt ihm hoffentlich, wie erregt ich bin. „Das hoffe ich doch sehr.“

Er scheint zu überlegen. Dann schiebt er seinen halbleeren Teller zur Seite. „Hast du noch Hunger?“, will er wissen.

Ich schüttle den Kopf. „Nicht auf etwas, das auf der Karte steht.“

Ein Muskel an seinem Kiefer zuckt. Sein Adamsapfel hüpft. Er findet meine Anspielungen eindeutig anregend.

Meine Schenkel reiben aneinander. Ich beschließe, noch einen draufzusetzen. „Aber ich weiß, woran ich gerne lecken würde.“ Um seine Fantasie weiter anzuregen, lasse ich meine Zungenspitze über meine Unterlippe gleiten.

Reinhard hebt den Arm, um den Kellner zu uns zu rufen. „Wir möchten zahlen“, meint er zu dem jungen Mann.

„Hat es Ihnen nicht geschmeckt?“, erkundigt der Kellner sich besorgt nach einem Blick auf unsere Teller. „Ich bringe Ihnen gern eine Alternative.“

„Nein. Es hat vorzüglich geschmeckt. Wir sind einfach nicht sonderlich hungrig.“

„Ganz wie Sie wünschen.“ Der arme Kerl scheint verwirrt. Er nimmt unser Geschirr und verschwindet kurz, um mit der Rechnung zurückzukehren.

Reinhard bezahlt, gibt ein für seine Begriffe großzügiges Trinkgeld und steht dann auf. Gentlemanlike bietet er mir seinen Arm.

Lächelnd hänge ich mich bei ihm ein. Wann hat Reinhard mich das letzte Mal so zuvorkommend behandelt? Genau das ist es, was ich in unserer Beziehung vermisst habe. Vielleicht machen wir heute den ersten Schritt in die richtige Richtung.

Auf dem Weg zum Parkhaus, in dem Reinhards Wagen steht, drücke ich mich an ihn. Schon nach wenigen Metern hält er an, und küsst mich hungrig. Seine Zunge gleitet zwischen meine Lippen, erobert meine Mundhöhle. Augenblicklich lösen sich die Knochen in meinem Körper in Nichts auf, und ich muss mich an ihm festklammern. Unter seinem Kuss werde ich zu einem willenlosen, zitternden Bündel. Immer wenn er mich küsst, wirkt er diesen magischen Zauber. Jetzt könnte man mir eine Hochschaubahn für Gartenzwerge in Italien verkaufen.

Als seine Hand zu meinem Po wandert und mit festem Druck darüberstreicht, keuche ich auf. Ich spüre auf meinem Oberschenkel seine Finger, die den Saum meines Kleides hochschieben. Gott, wie sehr ich mich danach sehne. Aber nicht so.

„Nicht mitten auf der Straße“, keuche ich, muss meine ganze Willenskraft aufbieten, um ihn zu stoppen und ihn vorwärts zu ziehen.

An diesem Abend bin ich mehr als ungeduldig. Reinhard muss sich nicht sonderlich anstrengen, damit es vor Verlangen zwischen meinen Schenkeln pocht. Die ganze Situation macht mich richtig heiß. Die Unterwäsche lasse ich sonst niemals weg. Bei jedem Schritt werde ich daran erinnert, wie wenig ich anhabe. Obwohl es nicht kalt ist, zeichnen sich meine harten Brustwarzen unter dem Kleid ab.

Ganz offensichtlich entdeckt Reinhard diese Tatsache auch, als wir die Garage betreten. Nachdem er das Parkticket bezahlt hat, dreht er sich zu mir um, küsst mich und lässt seinen Daumen über die empfindlichen Knospen reiben. Dann lässt er seine Hand in meinem Ausschnitt verschwinden. Seine Finger umfassen meine Brust.

Ich beiße mir auf die Lippe, um niemanden auf uns aufmerksam zu machen. Neuerlich entziehe ich mich ihm. „Wenn uns jemand beobachtet!“

„Du siehst so scharf aus heute Abend. Jeder Mann hat sich sofort gefragt, was sich unter deiner Kleidung verbirgt. Doch du hast nichts versteckt. Jeder weiß, was du zu bieten hast.“

Dieses Kompliment löst eine Vielzahl von Gefühlen in mir aus. Auch wenn ich mich geschmeichelt fühle, ist es mir unangenehm, dass Reinhard recht haben könnte.

Er zieht mich näher, zwirbelt meine Brustwarze zwischen Daumen und Zeigefinger. „Denk nicht darüber nach. Ich halte es nicht länger aus. Bis nach Hause schaffe ich es nicht mehr. Ich will dich. Jetzt. Hier. Ich will wissen, wie du dich anfühlst, so ganz unten ohne.“

„Dann lass uns zum Auto gehen.“ Schließlich kann ich seine Eile nachvollziehen. Ich will seine Hand auf mir spüren und herausfinden, ob sich etwas an meinen Empfindungen geändert hat.

Reinhard greift nach meiner Hand. Wir laufen den Gang zwischen den Autos entlang. Er hat seinen Wagen in einer Ecke geparkt. Die Rückbank ist nicht sonderlich gemütlich. Aber im Augenblick spielt das gar keine Rolle für mich.

Der Wagen auf dem Nebenparkplatz hat sich verdammt nahe an uns gestellt. Ich gehe um die Motorhaube unseres Autos herum, damit ich die hintere Tür öffnen kann.

Meine Hand liegt bereits auf dem Griff, doch Reinhard drängt mich vorwärts. Ich muss mich mit den Händen abstützen, damit ich nicht gegen die Mauer knalle. Erschrocken beginnt mein Herz zu rasen. „Was …?“

Er presst sich an meinen Rücken, legt seine Hände von hinten auf meine Brüste. „Nicht im Auto“, murmelt er an meinem Ohr. „Hier draußen.“

Ängstlich sehe ich mich um. Die Ecke, in der wir parken, befindet sich im Halbdunkel. Die nächste Kamera in der Garage ist etwas von uns weggedreht und erfasst uns bestimmt nicht. Das Autodach versteckt den größten Teil von uns. Trotzdem können wir jederzeit entdeckt werden.

Bevor ich ihm meine Zweifel mitteilen kann, spüre ich seine Lippen an meinem Nacken. Oh, das ist unfair. Er weiß genau, dass er mich damit verrückt machen kann.

Seine Zähne kratzen über meine Haut. Dann beginnt er, daran zu saugen. Seine Zunge streicht anschließend mit festem Druck über die Stelle. Währenddessen zieht er am Ausschnitt meines Kleides, bis meine Brüste bloßliegen und er sie massieren kann.

Ich drücke mich gegen die Wand, weil ich mich so schwach fühle. Als er seine harte Männlichkeit an meinem Po reibt, wimmere ich sehnsüchtig auf. Sein Saugen wird beinahe schmerzhaft intensiv.

Seine Lippen wandern und berühren mein Ohrläppchen. „Zeit für den Nachtisch. Du wolltest doch an etwas lecken.“

„Hier? Aber …“

„Niemand kann dich hinter dem Auto sehen.“ Er lässt mich los. „Also mach schon.“

Schwer atmend und mit zitternden Beinen drehe ich mich um. Reinhard öffnet bereits seine Hose. Ich gehe in die Hocke, streiche mit den Händen über die Beule in seinen Boxershorts.

Mit einem Stöhnen schiebt Reinhard seine Hose mitsamt seinen Shorts ein Stück nach unten, bis mir sein Schaft entgegenspringt. Ich lecke mir über die Lippen und beuge mich dann nach vorne, um ihn in den Mund zu nehmen. In mir wächst er weiter an.

Reinhards Stöhnen wird lauter. Ich sauge an ihm, entlasse ihn aus meinem Mund und schließe dann wieder meine Lippen um ihn. Als ich meine Zunge an die Unterseite seines Schaftes drücke, krallt er seine Hände in mein Haar. Zuerst hält er mich auf diese Art nur fest, doch je lauter er stöhnt, je stärker er zittert, umso schmerzhafter zieht er an meinen Haaren. Tränen treten in meine Augen.

Ich lasse von ihm ab, als es wirklich wehtut. „Du bist zu grob“, beschwere ich mich. Die hockende Position ist auch furchtbar unangenehm.

„Tut mir leid.“ Er greift nach meinen Oberarmen und zieht mich hoch. „Viel länger hätte ich es ohnehin nicht mehr ausgehalten. Du kannst das verdammt gut.“

Das Kompliment besänftigt mich etwas.

Während er mir das Kleid langsam hochschiebt, beugt er den Kopf und saugt an meinen Brüsten. Das Begehren sammelt sich in meiner Mitte. Das Kleid ist jetzt an meiner Hüfte gerafft. Ich spüre einen leichten Lufthauch an der Stelle, an der ich zu gerne berührt werden möchte. Wann erlöst Reinhard mich endlich?

Noch einmal leckt der mit der Zunge über die harten Knospen meiner Brustwarzen. Dann macht er einen Schritt zurück, um mich anzusehen.

Errötend erwarte ich sein Urteil.

Sein Gesichtsausdruck wird gierig. Als das Kleid nach unten zu rutschen droht, schüttelt er den Kopf. „Schieb es weiter nach oben, und halt es fest“, befiehlt er. „Stell dich ein wenig breitbeiniger hin.“

Ein kurzer Kontrollblick, ob sich jemand auf diesem Parkdeck aufhält. Ich mag diese Kälte in Reinhards Stimme nicht. Aber ich will endlich von ihm berührt werden. Also raffe ich das Kleid an meiner Taille und biete mich seinen Blicken dar.

„Lehn dich gegen das Auto.“ Neuerlich dieser unpersönliche Befehlston.

Und wieder folge ich seiner Aufforderung. Die Karosserie des Wagens fühlt sich kühl an meinem Hinterteil an. Meine Atmung geht schnell. Das Verlangen ist in meinem Inneren eingeschlossen, sucht nach einem Ventil. Ich zittere. Jede Faser meines Körpers sehnt sich nach mehr.

Reinhard tritt vor mich. Er drückt meinen Oberkörper zurück, bis ich unbequem auf dem Kofferraumdeckel liege. Sein Mund findet zu meinen Brüsten. Seine Zähne graben sich in die empfindlichen Knospen. Ich kann den Aufschrei nicht verhindern.

Endlich spüre ich seine Hand an meinem Oberschenkel. Er fasst mir zwischen die Beine. Reibt mich dort, wo ich seine Berührung schon die ganze Zeit ersehne. Ohne Vorwarnung stößt er mit einem Finger in mich.

„Da hat es wohl jemand nötig“, murmelt er zufrieden und richtet sich auf. „Du brauchst es offensichtlich ordentlich besorgt.“

Mein Mund ist trocken. Ich nicke. Ob er mich jetzt mit zärtlichen, geschickten Bewegungen zum Höhepunkt bringen wird? Zeigt er mir endlich, wie sehr ich ihm gefalle?

Reinhard zieht seinen Finger zurück. Er atmet schwer, keucht in mein Ohr. Plötzlich drängt sich seine Männlichkeit in mich. Ich bin so erregt, dass er keine Schwierigkeiten hat, zur Gänze in mich zu stoßen.

Nicht ganz das, was ich erhofft habe, aber auch nicht schlecht. Meine Scham fühlt sich empfindlicher an als sonst. Aber vielleicht hat mich das Warten auf diesen Moment einfach viel zu sehr angeheizt.

Reinhards Finger krallen sich in meine Taille, halten mich fest, damit er sein Tempo erhöhen kann. Ich schließe die Augen, um die Umgebung auszublenden und konzentriere mich ganz auf die wundervolle Reibung.

„Das gefällt dir, nicht wahr? Lass mich hören, wie sehr es dich scharf macht.“

Ich bin gerne laut. In letzter Zeit gab es nicht allzu viele Gelegenheiten, weil der Sex immer viel zu schnell vorbei war. Jetzt würde ich meine Lust gerne hinausschreien. Aber hier? In aller Öffentlichkeit? „Man könnte uns hören“, gebe ich zu bedenken.

„Genau das macht es doch so aufregend.“

Bin ich zu prüde? Eigentlich dachte ich, die Langeweile in unserem Sexleben wäre Reinhards Schuld. Ich sollte ihm entgegenkommen. Doch mehr als ein leises Stöhnen bringe ich auf Kommando nicht über meine Lippen.

Reinhard beugt den Kopf und saugt intensiv an meiner Brust. Gegen meinen Willen schreie ich laut auf.

„Gott, das ist so gut“, stöhnt Reinhard und stößt hart in mich. „Gleich komme ich.“

Viel zu schnell. Ich bin noch nicht so weit. Doch Reinhard macht keine Anstalten, sich um meine Erleichterung zu kümmern. Ich schiebe meine Hand zwischen unsere Körper und beginne mich zusätzlich zu stimulieren.

Reinhard spannt sich an. Als er zuckend kommt, erreiche auch ich den Höhepunkt.

„Ich liebe dich“, murmelt er und presst sich an mich.

Mein Innerstes ist noch in Aufruhr. Langsam ebbt mein Höhepunkt ab. „Ich dich auch.“

Der heutige Abend war ein Schritt in die richtige Richtung. Ab jetzt wird alles anders.

2. Kapitel

Sonntag

„Es war der Wahnsinn.“ Ich beuge mich näher zu Angelika. Auch wenn hier auf dem Weg vom Lift zum Kino nicht viele Leute unterwegs sind, möchte ich nicht, dass man uns belauscht. „Reinhard hat mich völlig überrascht. Diese neue Seite an ihm war ziemlich aufregend.“

Meine Freundin wirkt neugierig. Bis jetzt habe ich meine Geheimnisse Jessica anvertraut. Mit ihr habe ich besprochen, was mich beschäftigt und welche Sorgen mich plagen. Doch durch ihren Vertrauensbruch ist das nun nicht mehr möglich. Ich kann ihr nicht verzeihen, dass sie meine Unzufriedenheit im Bett ihrem Mann weitergetratscht hat. Angelika ist bislang in die Langeweile von meiner Beziehung mit Reinhard nicht eingeweiht gewesen. Aber auf deftige Geschichten springt die schlanke Blondine immer an.

„Wenn du mir nicht bald ein paar Details verrätst, platze ich“, meint sie auch tatsächlich.

„Unser Liebesleben ist inzwischen von vorne bis hinten durchgeplant. Spontanität hat da keinen Platz. Auch gestern hat Reinhard vorgesorgt. Aber seine Idee hat mich trotzdem unerwartet getroffen.“

„Jetzt sag schon, wie seine Überraschung ausgesehen hat!“

Ich bleibe stehen und lehne mich zu meiner Freundin, um ihr ins Ohr zu flüstern, welches Geschenk Reinhard mir überreicht hat.

„Hätte ich ihm gar nicht zugetraut, dass er auf sowas abfährt“, gesteht Angelika. „Trotzdem bin ich jetzt enttäuscht. Das alleine hat ausgereicht, damit du so richtig in Fahrt kommst? Anscheinend bist du ziemlich ausgehungert.“

„Zumindest habe ich immer noch jede Menge Feuer in mir, das nur darauf wartet, das Bett in Flammen aufgehen zu lassen. Aber dieses Mal hat es nicht das Bett entzündet, und deshalb war der gestrige Abend besonders heiß.“ Ich erzähle ihr von meinem sliplosen Abendessen und dem ungeduldigen Sex in der Parkgarage. Mein knapper Bericht reicht Angelika nicht. Immer wieder fragt sie nach Details, aber die gehen sie nun wirklich nichts an.

„Komm schon. Du weißt doch, dass ich selbst gerade auf dem Trockenen sitze. Manuel ist noch gut eine Woche bei diesem Seminar in Amerika. Sobald er wieder zu Hause ist, verlassen wir mindestens genauso lange das Bett nicht mehr. Aber in der Zwischenzeit müssen deine Abenteuer für uns zwei reichen.“

Ich muss lachen. Angelika ist in der Lage, Manuel ans Bett zu ketten, um das Versäumte nachzuholen. „Vorfreude macht das Ganze nur noch aufregender. Das kann ich dir versichern. Meine Erlebnisse brauchst du nicht, um dich abzulenken.“

„Wenn du mir nicht mehr Infos gibst, funktioniert das ohnehin nicht“, beschwert sich meine Freundin.

Wir bezahlen unsere Kinokarten, besorgen uns Popcorn und setzen uns bis zum Beginn des Films in eine ruhige Ecke. Mir sind die Blicke der Männer aufgefallen, die an der schlanken, hochgewachsenen Gestalt der Blondine neben mir hängen geblieben sind. Obwohl mir Reinhard immer wieder versichert, dass ich die schönste Frau dieser Welt für ihn bin, weiß ich, dass ich mich mit Angelika nicht vergleichen kann. Auf meine weiblichen Kurven fährt eine andere Art von Mann ab. Als ein Typ an uns vorbeischlendert, kann er sich nicht von Angelika abwenden und kracht deshalb ungebremst in ein Pärchen. Nach einem kurzen Wortgefecht verschwindet er.

„Wenn du dich dermaßen nach der Gesellschaft eines Mannes sehnst, könntest du einen der Kerle fragen, die dich ununterbrochen anstarren. Bestimmt wären sie mehr als erfreut, dir behilflich zu sein“, schlage ich mit einem Lachen in der Stimme vor.

„Nicht einen der Kerle will ich. Nur Manuel.“ Sie kneift die Augen zusammen. „Dir geht es doch ähnlich bei Reinhard. Oder hat sich das inzwischen geändert?“

„Natürlich nicht“, antworte ich rasch. Darüber muss ich keine Sekunde nachdenken. Ich habe mich für ihn entschieden. Treue ist mir dabei wichtig. Und auch wenn es nicht immer leicht fällt, wenn wir unsere Schwierigkeiten haben, halte ich an ihm fest. Ich bin niemand, der so schnell aufgibt.

Angelika nickt und stopft sich Popcorn in den rot geschminkten Mund. Als sie es mit einem Schluck aus dem riesigen Becher vor ihr runtergespült hat, lächelt sie mich an. „Ich freue mich, dass du dir heute Zeit für mich genommen hast. Meine Gedanken kreisen immer nur um Manuel. Obwohl wir uns erst vor zwei Monaten kennengelernt haben, weiß ich schon jetzt, dass er der eine ist. Ich habe Angst, ihm das versehentlich bei einem Telefonat zu verraten. Am liebsten würde ich ihn ständig anrufen. Doch damit würde ich ihn bestimmt verjagen. Deshalb kann ich jemanden zum Reden gerade gut brauchen.“

Muss junge Liebe schön sein! Habe ich mich auch einmal so gefühlt?

„Kannst du dich an Leon erinnern, mit dem ich vor Manuel zusammen war?“, wechselt Angelika abrupt das Thema.

Ich überlege nicht lange. „Der Sänger in der unbekannten Punkband. Ihr wart fast zwei Jahre zusammen, wenn mich nicht alles täuscht.“

„Genau. Mit ihm habe ich eine offene Beziehung geführt. Wenn Leon unterwegs war, habe ich mich mit anderen getroffen, und er hat mit seinen Groupies rumgemacht. Ihn habe ich nie so vermisst wie Manuel.“

„Kein Wunder. Schließlich habt ihr euch nie ganz gehört.“

Angelika lacht und schüttelt den Kopf. „Das war nur der Sex, den wir auch anderen geschenkt haben. Unsere Gedanken, unsere Träume, unsere Ziele haben wir geteilt. Es war ebenfalls Liebe. Zu dem Zeitpunkt habe ich mich für wahnsinnig fortschrittlich gehalten. Doch mit Manuel erscheint mir so ein Abkommen absurd.“

„Weil er der Richtige ist“, sage ich. „Es war gut, dich selbst näher kennenzulernen. Jetzt weißt du genau, was du willst. Und das ist dieser eine Mann. Ich hatte niemals eine wilde Phase, weil ich Reinhard kennengelernt habe, als ich zwanzig war.“

„Warum du dir so einen alten Knacker ausgesucht hast, verstehe ich ohnehin nicht.“

Unmut steigt in mir auf. Reinhard hat seine Fehler. Doch nach dem gestrigen Abend bin ich mir sicher, dass wir gemeinsam daran arbeiten werden. Wäre er ein unvernünftiger, junger Kerl wäre das nicht möglich. Seine Reife macht ihn für mich daher besonders anziehend. „Reinhard ist vielleicht gut zehn Jahre älter als ich. Aber nenn mir einen Mann, der in diesem Alter so heiß ist wie mein Freund.“

Ein ungläubiges Lachen ist die Antwort. „Liebe macht offensichtlich blind. Ich will ihn dir doch nicht madig machen. Schließlich ist Reinhard alles, was du dir wünschst.“

„Nun, ja. Natürlich ist er nicht perfekt. Aber nahe dran“, behaupte ich, auch wenn ich mir dessen letzte Woche noch nicht sicher war. Was ein Abend ausmachen kann!

Wir naschen von dem Popcorn und lächeln nur. Irgendwie hat sich ein Misston eingeschlichen. Schließlich erkundigt Angelika sich über meine Arbeit bei der Kinderärztin. Ich erzähle ihr von den witzigsten Kindernamen, die mir untergekommen sind. Ich berichte von dem Baby, das so stark Schluckauf hatte, dass ein anderes Kind im Wartezimmer ständig erschrocken ist. Das Lachen tut mir gut. Langsam hellt sich meine Stimmung wieder auf.

Angelika kann mit meinem Job nicht viel anfangen. Für sie wäre es ein Albtraum, schwanger zu werden. Neuerlich wandern meine Gedanken zu Reinhard. Sein Kinderwunsch ist verständlich, aber ich brauche noch Zeit, bevor ich eigene Exemplare der winzigen brabbelnden und sabbernden Kreaturen in die Welt setze. Doch irgendwann bin ich bestimmt so weit.

Kurz vor Vorstellungsbeginn machen wir uns auf den Weg in unseren Kinosaal. Angelika hängt sich bei mir ein. „Es freut mich, dass wir Zeit miteinander verbringen“, meint sie. „Normalerweise bist du mir gegenüber zugeknöpfter. Du tauschst dich lieber mit Jessica aus.“

Angelika sieht mich abwartend an. Sie hat keine Frage gestellt, aber die lese ich in ihren Augen. Schweigend nehme ich einen Schluck von meiner Cola und steige auf die Rolltreppe noch in die Zwischenetage, in der sich der Saal befindet, in dem unser Film läuft.

„Nicht, dass du mich falsch verstehst. Es ist toll, wenn sich unsere Freundschaft vertieft. Du kannst mit mir über alles reden.“

„Danke dir.“ Ihr Angebot lässt mich ganz still werden. Traurigkeit steigt in mir hoch. Es tut verdammt weh, dass Jessica mich im Stich gelassen hat.

„Alles gut bei dir?“ Angelika legt ihre Hand auf meine Schulter.

Ich schüttle den Kopf. Ich kann das noch nicht aussprechen. Nicht hier. Das Ende der Rolltreppe kommt so schnell, dass ich beinahe das Gleichgewicht verliere.

Angelika hält mich am Ellbogen fest und schiebt mich etwas zur Seite. „Ich weiß, ich bin nicht gerade eine taktvolle Person. Aber wenn du etwas loswerden willst, werde ich schweigen wie ein Grab.“

„Du kannst dir nicht vorstellen, wie gut es tut, das gerade jetzt zu hören. Ich komme darauf zurück. Bestimmt.“ Ich erwidere ihren Blick und schaffe ein schiefes Lächeln.

„Einverstanden. Und jetzt lass uns unseren Saal suchen, bevor der Film beginnt. Gut, dass wir uns doch für die Komödie statt der Schnulze entschieden haben. Sonst würden wir gleich beide heulen.“

3. Kapitel

Mittwoch

Ich habe einen anstrengenden Tag in der Praxis hinter mir. Es scheint, als hätte die Grippe in sämtlichen Kindergärten der Stadt gleichzeitig Einzug gehalten. Die Eltern haben mit ihren jammernden Kindern sogar im Gang zum Wartezimmer gestanden.

Als ich die Wohnungstür aufschließe, möchte ich eigentlich am liebsten bloß die Beine hochlegen und mich mit einem Buch ablenken. Doch Reinhard hat für heute Abend einen Kollegen eingeladen. Wenigstens muss ich nicht kochen. Da Mittwoch mein langer Tag ist, hat Reinhard Essen beim Caterer bestellt, das sein Assistent in Empfang genommen und in unseren Kühlschrank gestellt hat.

Bevor ich mich unter die Dusche stellen kann, muss ich also nur drei Auflaufformen in den Ofen stellen. Der Caterer hat genaue Anweisungen gegeben, was ich tun soll, um die Lebensmittel warm und köstlich auf den Tisch zu bekommen.

Noch eineinhalb Stunden, bevor der Besuch vor der Tür steht. Ich schlüpfe schnell aus meiner von Bakterien verseuchten Kleidung und springe unter die Dusche.

Zum Glück ist Reinhard noch nicht da, sodass ich das Wasser heiß auf meine Haut prasseln lassen kann. Er will es lieber kalt. Er steht auf Wasser sparen und gemeinsames Duschen. Natürlich verschwende ich ebenfalls nach Möglichkeit kein Wasser. Aber es wäre mir lieber, wenn er die Zeit in der Kabine nutzen würde, um mir wirklich nah zu sein. Warum verteilt nicht er einmal das Duschgel auf meiner Haut? Weshalb berührt er mich nicht? Wieso küsst er mich nicht? Stattdessen artet unsere gemeinsame Dusche immer in einen Streit um den Wärmeregler aus.

Ich greife nach dem Duschgel und reibe mich damit ein, bis es Bläschen auf meiner Haut bildet. Mit geschlossenen Augen lasse ich das Wasser über mein dem Strahl entgegengerecktes Gesicht laufen, während ich über meinen Körper streiche.

Zusätzlich zu dem ganzen Stress in der Praxis hatte ich heute auch ein unangenehmes Telefonat mit Jessica. Sie hat angerufen, um sich zu erkundigen, weshalb ich mich nicht bei ihr gemeldet und ein lange geplantes Treffen nur mit einer einzeiligen Nachricht abgesagt habe. Keine Ahnung, warum ich überhaupt abgehoben habe, nachdem ihr Name auf dem Display erschienen ist. Erst habe ich Ausflüchte gesucht, doch dann ist die Wahrheit aus mir herausgeplatzt. Ich sagte ihr, dass Reinhard mir vorgehalten hat, was ich ihr im Vertrauen erzählt habe.

Jessica versuchte sich herauszureden. Sie habe in einem Streit mit ihrem Mann angedeutet, sie wäre nicht die einzige Frau in einer längeren Partnerschaft, die den Sex nicht mehr so aufregend finden würde. Manfred habe sie bedrängt, bis ihr die Details herausgerutscht wären. Aber dieses ganze Blabla kann nicht entschuldigen, was sie unserer Freundschaft angetan hat.

Und das habe ich ihr auch mitgeteilt. Nicht durch die Blume, sondern mit sehr deutlichen Worten. Vielleicht bin ich irgendwann wieder in der Lage, normal mit ihr zu reden, aber verzeihen werde ich ihr nicht so schnell.

Jetzt hüllt mich Wasserdampf ein. Das heiße Wasser löst die Verspannungen in meinen Schultern. Langsam lässt der Druck, den ich verspüre, nach. Ich kann wieder freier atmen. Müde seufze ich. Wenn ich doch nur Zeit hätte, um den Tag in Ruhe zu verarbeiten!

Ich bin so in Gedanken, dass ich erschrecke, als die Kabinentür aufgerissen wird. Ein ängstlicher Laut kommt über meine Lippen, bis ich Reinhard erkenne. „Kannst du mich nicht vorwarnen?“, beschwere ich mich.

Er hat sich bereits entkleidet und steigt nun zu mir unter die Dusche. Sofort stellt er das Wasser kühler. Gänsehaut überzieht meinen Körper. Ich will mich an ihm vorbei aus der Kabine schieben, doch er hält mich fest.

„Nicht so schnell, Fräulein Lisa. Was machen Sie denn in meiner privaten Dusche?“

„Ähm … private Dusche?“, echoe ich. Zitternd greife ich nach dem Wasserregler und mache das Wasser etwas wärmer. Doch dank Reinhard bleibt es nicht lange bei der Temperatur.

Er sieht mich streng an. „Die private Dusche, die zu meinem Büro gehört, Fräulein Lisa. Sie können sich doch nicht einfach in die Privaträume Ihres Professors schleichen.“

Hat er einen Nervenzusammenbruch? Ist er bloß kurzzeitig verwirrt, oder sind das Anzeichen einer Erkrankung? „Alles in Ordnung bei dir?“, frage ich besorgt. „Hast du irgendwelche Schmerzen? Fühlst du dich verwirrt?“

Mit einem Seufzen verdreht er die Augen. „Bitte, Lisa. Bleib in der Rolle. Ich habe dir doch eine Nachricht geschrieben, dass ich ein kleines Spiel plane. Ein Rollenspiel.“

„Tut mir leid. Die habe ich nicht gelesen. Ist es wegen dem Besuch nachher? Was soll ich tun?“

„Sie, Fräulein Lisa, werden jetzt mir, Ihrem Deutschprofessor, mitteilen, warum Sie mich ständig verfolgen.“ Reinhard hält mich an den Oberarmen fest. „Die Regeln an dieser Uni sollten Ihnen bekannt sein. Eine Beziehung zwischen einem Professor und seiner Studentin ist verboten. Da können Sie sich noch so von mir angezogen fühlen.“

Autor

  • Bettina Kiraly (Autor)

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Titel: Magic Callboy (Erotik)