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Hot Neighbors (Erotik)

von Bettina Kiraly (Autor)

2018 0 Seiten

Leseprobe

Über dieses E-Book

Der neue Nachbar, der in die Wohnung neben Pippas zieht, ist ein echter optischer Leckerbissen. Schnell findet sie sich in erotischen Fantasien mit Leonard wieder. Als die Klimaanlage in seiner Wohnung sie in einer heißen Sommernacht zum Bleiben verlockt, kommt sie ihm auch tatsächlich näher. Auf die Frage, ob sie nach einer kürzlichen Trennung schon bereit für eine neue Beziehung ist, weiß sie keine Antwort. Leonard scheint sie besser kennenlernen zu wollen. Soll sie die Möglichkeit ergreifen, als er ihr die Erfüllung ihres geheimen Traumes von einer leidenschaftlichen Nacht mit zwei Männern ermöglicht?

Impressum

Secret_Desires_Grafik_Imprint

Erstausgabe Februar 2018

Copyright © 2018, Secret Desires, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Made in Stuttgart with ♥
Alle Rechte vorbehalten

ISBN: 978-3-96087-223-8

Covergestaltung: Antoneta Wotringer
unter Verwendung eines Motivs von
© Konrad Bak/123rf.com

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

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1. Kapitel

Freitagnachmittag

Fünfzehn Uhr und ich sitze allein zu Hause. Wie hat es nur so weit kommen können?

Seufzend trete ich ans Fenster und schaue in die Ferne. Von Weitem kann ich einen Teil des Riesenrads im Prater sehen. Trotz der Schwüle sind einige Wiener auf der Straße unterwegs. Die wissen den Feierabend zu genießen. Sie zu beobachten, frustriert mich.

Ich wünschte, ich hätte jemanden an meiner Seite, einen Freund, einen Partner, jemanden, der sich Gedanken um mich macht. Klar kann ich dafür sorgen, dass ich im Bett nichts vermissen muss. Schließlich braucht es keine Liebe, um Spaß mit einem Mann zu haben. Aber noch bin ich über die Sache mit Sven nicht hinweg. Sonst hätte ich schon die ein oder andere Idee, wie ich mich ablenken könnte. Der neue Nachbar, auf den ich heute einen Blick habe werfen dürfen, wäre eine Möglichkeit. Immer wieder muss ich an ihn denken. Die Fantasie, was dieser starke Mann mit mir anstellen dürfte, lässt mein Herz rasen. Bei der Hitze sollte ich das schnell abstellen.

Aus der Küche hole ich mir ein Glas Wasser und den Apfelstrudel, den ich mittags in der Bäckerei gekauft habe. Damit mache ich es mir jetzt auf der Couch bequem. Im Fernsehen läuft ein Wissensquiz. Ich habe den Ton abgestellt, weil ich die nervige Stimme des Moderators nicht ertrage.

Vielleicht hätte ich doch die Mädels auf dieser Tour ins Salzburger Land begleiten sollen. Maren und Tina haben schon seit Tagen von nichts anderem geredet. Aber hinter mir liegt eine anstrengende Woche. Jetzt in der Ferienzeit ist am Flughafen so verdammt viel los. Die Langstreckenflüge erlauben mir als Stewardess, fremde Länder zu bereisen, in die ich sonst nie kommen würde. Zeit für ein Privatleben bleibt mir allerdings nicht viel.

Dabei gäbe es noch einiges zu organisieren. An der Wand meines Wohnzimmers stapeln sich bereits die Umzugskartons. Dekoartikel, die ich etwas voreilig gekauft habe, verstellen mir den direkten Weg vom Esstisch zur Couch. Bin ich froh, wenn dieses Chaos beseitigt ist!

Ab Montag kann ich in meine neue Wohnung. Ich muss die Wände neu streichen, im Schlafzimmer einen Teppich verlegen lassen, den Einbau der Küche kontrollieren. Die meisten Möbel nehme ich mit, weshalb ich einen Freund gebeten habe, mir seinen SUV zu borgen. Die Kleiderkästen müssen hier abgebaut und drüben wieder aufgestellt werden, bevor ich meine Sachen wieder einräumen kann. Für all das habe ich mir extra die kommende Woche freigenommen. Das nächste Wochenende will ich schon in der neuen Wohnung verbringen.

Ich schaufle den Apfelstrudel in mich rein. Die Liste von Dingen, die mich erwarten, stresst mich. Und wenn ich gestresst bin, esse ich. Gott sei Dank habe ich mir bei meinem Job gute Nerven antrainiert, aber dieser Umzug liegt mir im Magen. Und dazu ist es auch noch unerträglich heiß. Ich trage bloß ein dünnes Hemdchen, und trotzdem läuft Schweiß meinen Rücken hinunter. Sven hat sein Versprechen, die Klimaanlage zu reparieren, nicht gehalten. Jetzt muss ich es allein ausbaden. Noch ein Punkt auf Svens Minusliste.

Hätte er mich nicht verlassen, könnte ich diese tolle Wohnung genießen, ohne ständig trübselig zu werden, wenn mich etwas an ihn erinnert. Ich muss hier weg, um nicht mehr an ihn denken zu müssen und wieder neu anfangen zu können. Nur wegen Sven fühle ich mich in meinen eigenen vier Wänden einsam. Er trägt überhaupt Schuld an vielen Dingen, die gerade in meinem Leben schieflaufen. Wegen unserer Trennung bin ich unkonzentrierter und leichter reizbar. Ich habe mir eine Rüge eingefangen, als ich einem aufdringlichen Fluggast mit harscheren Worten als notwendig klargemacht habe, dass sein Flirten unangebracht ist. Davor hätte ich einen Flug beinahe verpasst, weil ich verschlafen habe.

Es ist höchste Eisenbahn, dass ich die Kurve kriege. Sollte ich meinen Job verlieren, würde ich bald auf der Straße landen. Und sowas steht mir gar nicht.

Vielleicht nehme ich die Einladung des Piloten an, der mich schon seit Ewigkeiten um ein Date bittet. Als ich noch vergeben war, hat mich diese Hartnäckigkeit amüsiert. Aber möglicherweise wäre ein Verehrer, der ehrlich an mir interessiert ist, im Augenblick genau das Richtige für mich.

Auf dem Gang höre ich Stimmen. Ein Mann und eine Frau. Sie halten direkt bei meiner Tür an. Mit viel Schlüssel klimpern und lautem Lachen der Frau wird die Wohnung gegenüber geöffnet. Na, wenigstens mein neuer Nachbar scheint Spaß zu haben.

Dass der sich überhaupt schon traut, Besuch zu empfangen! Heute Vormittag habe ich beobachtet, wie er aus einem riesigen Umzugswagen unzählige Kisten und Möbel geschleppt hat. Wegen des Umzugswagens habe ich stechende Eifersucht empfunden. Für die Menge an Zeug ist er aus meiner Sicht allerdings zu bemitleiden. Er kann seine Wohnung unmöglich jetzt schon präsentabel hergerichtet haben. Ob seiner Begleitung das egal ist? Vielleicht wäre ich auch nicht sonderlich anspruchsvoll, wenn ich bei einem attraktiven Kerl wie ihm landen könnte.

Er entspricht genau meinem Beuteschema: schulterlanges hellbraunes Haar, muskulöse tätowierte Oberarme, stechende blaue Augen. Ein optischer Leckerbissen. Heute Morgen habe ich überlegt, wie schade es ist, dass ich bald wegziehe und deshalb keine nähere Bekanntschaft mit ihm schließen kann. Eine kurze Affäre wäre auch in meinem Sinn. Doch es scheint, als hätte er eine Freundin. Tja, Pech gehabt.

Ob seine Brust behaart ist? Trotz des engen Muskelshirts habe ich das aufgrund der Entfernung nicht erkennen können. Ich liebe bei meinen Kerlen Haare auf der Brust, solange es nicht überhandnimmt.

Die Beine in den kurzen Hosen waren stark gebräunt. Ein Sportler möglicherweise. Ich kann ihn mir nicht in einem Büro vorstellen.

In den Umzugskartons habe ich Bücher entdeckt. Gehören die seiner Freundin? Ich würde gern glauben, dass Lesen zu seinen Hobbys zählt. Nichts ist mehr sexy als ein muskulöser Kerl mit Herz und Hirn.

Vergiss das Herz, mahne ich mich. Das brauchst du schon gar nicht. Sein Hirn kann von Vorteil sein, wenn es darum geht, auf die Bedürfnisse einer Frau Rücksicht zu nehmen. Notfalls reicht aber auch der durchtrainierte Körper. Einer, der sich hart an mich presst.

Meine Brustwarzen beginnen zu kribbeln. Ich lasse meine Hand von meinem Bauch zu meinen Brüsten wandern, streiche mit dem Daumen leicht über eine Spitze, die sich sofort verhärtet. Wenn mir diesen Dienst doch bloß jemand anders erweisen würde!

Mit geschlossenen Augen stelle ich mir meinen neuen Nachbarn vor. Sein Blick ist begierig, als er sich zu mir beugt. Seine Lippen schließen sich über dem Stoff, unter dem sich meine Brustwarzen abzeichnen. Ja, das würde mir gefallen.

Hastig streife ich mir das Hemdchen über den Kopf. In meiner Fantasie drängt er mich zurück, bis ich liege. Seinen Mund direkt auf meiner Haut zu spüren, macht mich total an. Er saugt an meinen Brustspitzen, lässt seine Zungenspitze damit spielen. Begehrlich, wenig zaghaft. Der Kerl weiß, was er will.

Während er seine Zärtlichkeiten unterbricht und langsam sein Muskelshirt hochschiebt, werde ich meinen Slip los. Meine Augen heften sich auf die Haut, die er freilegt; der Stoff offenbart straffe Bauchmuskeln. Dann kommt eine behaarte Brust zum Vorschein, ganz wie ich sie mir vorgestellt habe.

Mein heißer Nachbar beugt sich wieder über mich und küsst mich auf den Hals. Seine Hände umfassen meine Brüste, liebkosen sie, bevor er neuerlich mit der Zunge über die harten Knöpfe streicht. Gleichzeitig legt er sich zu mir auf die Couch.

Sein Gewicht auf mir fühlt sich perfekt an. Sein Körper ist so schwer und so hart.

In der Stille der Wohnung kommt ein lautes Stöhnen über meine Lippen.

Er schiebt eine Hand zwischen meine Beine. Es handelt sich lediglich um eine federleichte Berührung, doch ich spüre die Explosion meiner Nervenenden bis in mein Innerstes. Seine Finger schweben über meiner Haut; ein neckisches, sanftes Werben.

Auf meiner Brust spüre ich seine freie Hand. Er massiert meinen Busen mit festem Griff, zieht an meinen Brustwarzen, dreht sie zwischen Daumen und Zeigefinger, sodass sich der süße Schmerz in Wellen in meinem Körper fortpflanzt.

Frustriert wimmere ich, weil die Berührung meines heißen Nachbarn an meiner intimsten Stelle im Gegensatz zu dem kräftigen Zwirbeln viel zu sanft ist. Gott, ich liebe dieses Necken. Einige Sekunden lang genieße ich die unterschiedlichen Liebkosungen, doch dann reicht es nicht mehr. Meine Mitte pocht sehnsüchtig. Ich packe seine Hand und presse sie fest an mich.

Der Mann auf mir lacht leise und bewegt einen Finger. Mit der Fingerkuppe dringt er dabei in mich ein.

Wieder stöhne ich laut, hebe ihm mein Becken entgegen, damit ich mehr von ihm spüre. Als Antwort zieht er sich zurück und kreist mit dem Daumen über meiner Klitoris. Die Muskeln in meinem Becken spannen sich an.

Die Reibung nimmt an Intensität zu. Während er mich weiter neckt, lässt er immer wieder seine Fingerspitze in mich gleiten. Ich will ihn ganz fühlen. Mein Herz pocht schnell, mein Atem kommt stoßweise und jede Faser meines Körpers ist angespannt und sehnt sich nach Erfüllung. Doch er lässt sich Zeit, um mich an die Grenze des Erträglichen zu bringen.

Bestimmt ahnt er, wie sehr ich mich nach ihm verzehre. Ich bin mir sicher, er kann erkennen, wie verrückt er mich macht.

„Jetzt“, bettle ich schließlich. Es scheint, als hätte der Raum sich unnatürlich aufgeheizt. Meine Haut glüht und Schweißtropfen perlen auf meiner Stirn. Ich bin seltsam fiebrig. „Jetzt!“

Zwei seiner Finger schieben sich endlich ganz in mich. Das Gefühl ist unwahrscheinlich intensiv. Mein Mund öffnet sich zu einem lautlosen Schrei. Er stößt zu, reibt sich dabei zusätzlich an meiner empfindlichsten Stelle und um das Vergnügen perfekt zu machen, beugt er den Kopf und saugt an meiner Brustwarze.

Alle Muskeln meines Körpers verkrampfen sich und überraschend schnell halte ich den Atem an. Ich bin ein gespannter Bogen, der darauf wartet, sämtliche Energie abzugeben. Ein paar weitere Bewegungen der Hand in und an mir, ein sanfter Biss in meine Brust und die Spannung entlädt sich in einem Feuerwerk meiner Sinne.

Mein Körper versucht ihn mit zuckenden Kontraktionen festzuhalten. Hinter meinen geschlossenen Augen leuchten Lichtblitze auf, Wärme breitet sich von meinem Magen aus, kühlt sich aber viel zu schnell wieder ab. Mir ist gleichzeitig heiß und kalt. Ich zittere, habe ein leises Surren im Ohr und ringe nach Luft. Schwindel erfasst mich, als die Couch sich unter mir dreht. Fast befürchte ich, die Besinnung zu verlieren.

Meine Finger umfassen immer noch meine Brust und meine Scham, als ich wieder zu mir komme. Mein Mund ist ausgetrocknet, sodass ich krampfhaft schlucke. Ich fröstle, obwohl das Zimmer sich nicht abgekühlt hat. So intensiv habe ich schon lange keinen Orgasmus mehr erlebt.

Grinsend öffne ich die Augen. Das Bild meines heißen Nachbarn verfolgt mich immer noch. Doch jetzt ist mein Begehren gestillt. Ich muss nicht mehr befürchten zu sabbern, wenn mir der nächste attraktive Mann über den Weg läuft. Und das Beste? Trotz kaputter Klimaanlage ist es mir gelungen, mich etwas abzukühlen.

Dieser Zustand wird leider nicht lange andauern.

2. Kapitel

Freitagnacht

Die Hitze bringt mich noch um. Die Bettdecke habe ich längst zu meinen Füßen zusammengeschoben. Als ich vor zwei Stunden schlafen gegangen bin, haben sich die Laken wunderbar kühl unter mir angefühlt. Nun allerdings scheinen sie förmlich zu glühen. Ich wälze mich stöhnend von einer Seite zur anderen. Dabei wäre ich so unsagbar müde. Der letzte Langstreckenflug sitzt mir noch in den Knochen. Aber ich kriege kein Auge zu.

Es ist kurz nach zwölf, und ich bin nicht mehr in der Lage, klar zu denken. Die kalte Dusche, die ich mir vor zehn Minuten gegönnt habe, hat alles nur noch schlimmer gemacht. Mein Trägerhemdchen ist völlig durchgeschwitzt. Ich will etwas Kaltes zu trinken. Aber keines meiner Getränke ist gekühlt, und ich hasse Leitungswasser noch mehr als warme Cola, die die Alternative zu Mineralwasser darstellt und die vorhin versehentlich in der Sonne gekocht hat.

Ich habe Sven damals bei unserem Einzug hier vorgeschlagen, dass wir einen Kühlschrank mit Eiswürfelbereiter kaufen sollten. In diesem Augenblick ärgere ich mich noch mehr, dass ich mir diese Idee von ihm habe ausreden lassen.

Ob es klug wäre, den Fernseher im Wohnzimmer einzuschalten? In meiner Stimmung regt mich das Programm bestimmt bloß auf. Ich hole mir ein Glas von dem körperwarmen Mineralwasser und schüttle mich beim ersten Schluck. Es war ein Fehler, nicht mehr allzu viele Lebensmittel in dieser Wohnung bunkern zu wollen.

Irgendwie muss ich die Wohnung abkühlen. Wenn ich die Fenster öffnen würde, käme nur warme Luft herein. Im Gang des Gebäudes läuft die Klimaanlage, aber damit kriege ich nicht einmal meinen Vorraum kälter. Wenn die Kühle nicht zu mir kommt, muss ich wohl zur Kühle.

Ich schlüpfe in ein luftiges Oberteil und ziehe mir knappe Shorts und Turnschuhe an. Dann stecke ich mir etwas Geld in die Hosentasche und schnappe meinen Wohnungsschlüssel. Nachdem ich meine Tür geöffnet habe, trete ich auf den Gang, der zum Treppenhaus führt.

Angenehme Kühle empfängt mich, streichelt mich zärtlich. Schnell ziehe ich die Tür hinter mir zu und genieße jeden Schritt, bis ich mit dem Lift nach unten fahre. Vor dem Gebäude raubt mir die Hitze beinahe den Atem. Ich eile die Straße runter zu dem Eckladen, der rund um die Uhr offen hat und kaufe mir eine Dose eiskalte Cola und ein Eis, das ich auf dem Heimweg verputze. Auch die Cola reicht nur bis zu meiner Wohnungstür, aber wenigstens bin ich für den Augenblick abgekühlt. Ich lehne mich an die Wand und lasse mich auf den Teppich nieder. Als ich zufrieden aufseufze, erschrecke ich über mich selbst. Bloß die Nachbarn nicht dazu bringen, nach draußen zu kommen!

Müde schließe ich die Augen. Vielleicht kann ich mich hier ein wenig ausruhen und später dann ins Bett kriechen. Nur ein ganz kleines bisschen hierbleiben, bis meine Körpertemperatur sich normalisiert hat.

Es ist wunderbar still. Alle Bewohner des Hauses scheinen zu schlafen. Hoffentlich kann ich das auch, wenn ich nachher in die Wohnung zurückkehre. Aber erst …

„Alles in Ordnung mit dir?“

Eine tiefe Stimme ertönt direkt neben meinem Ohr. Ich spüre Hände auf meinen Schultern, die mich sanft schütteln. Blinzelnd öffne ich die Augen.

Vor mir hockt mein Nachbar. Der heiße. Wo kommt denn der so plötzlich her? Verdammt! Bin ich etwa hier auf dem Gang eingeschlafen?

„Geht es dir gut?“, fragt er. Er klingt besorgt. Wie süß!

Ich räuspere mich. „Ja, klar.“

„Hast du dich aus deiner Wohnung ausgesperrt?“

„Nein.“ Der Haustürschlüssel liegt noch immer in meiner Hand. Während des Schlafs bin ich auf den Boden gerutscht. Der Teppich ist unangenehm rau unter meiner Wange. Wenn ich davon nicht munter geworden bin, muss ich wohl ziemlich weggetreten gewesen sein.

Mit steifen Knochen richte ich mich auf. Mein Nachbar hilft mir dabei, als hätte er Angst, ich würde wieder umkippen. Seine Augen sind mir zu nah. Es gelingt mir nicht, den Blick von ihm abzuwenden. Das Blau erinnert mich an Polareis.

„Und du bist sicher, dass dir nichts fehlt?“

Ganz schön neugierig der Typ. Ich sammle meine Gedanken. „Schlüssel und meine Kleidung sind noch da. Offensichtlich wurde mir nichts geklaut.“

Er lacht leise.

Der raue Ton jagt einen Schauer über meine Haut. Die Härchen auf meinem Arm stellen sich auf. „Was ist so witzig?“, blaffe ich, um über die Faszination hinwegzutäuschen, die seine Nähe in mir weckt.

„Du hast also alle deine Sachen, Schönheit. Aber was machst du hier draußen auf dem Gang?“ Sein Blick verlässt mein Gesicht und huscht tiefer, wandert kurz über meinen wenig bedeckten Körper. „In diesem Aufzug?“

Shit. Jetzt verschwindet sein Lächeln. Kommt er gerade auf blöde Gedanken? Überlegt er, wie er die Situation am besten für sich ausnutzen kann?

Die Besorgnis jagt meinen Puls in die Höhe. Adrenalin putscht mich auf. Wenn ich mich bloß nicht so neben der Spur fühlen würde! „Ich kann Karate!“

„Schön für dich.“ Neuerlich wirkt er von meinem Verhalten amüsiert.

Verärgert runzle ich die Stirn. „Und schlecht für dich. Also versuch gar nicht erst irgendeine Dummheit.“

Er lässt mich los, hebt beide Arme und streckt mir die Handinnenflächen entgehen. „Keine Sorge, Dornröschen. Ich werde dir nichts tun. Sobald ich sicher bin, dass es dir gut geht, hast du deine Ruhe.“

„Ich bin okay. Also kannst du mich hier sitzen lassen.“

„Du wohnst aber schon in diesem Haus, oder?“, will er wissen. „Du hast nicht nur einen Unterschlupf für die Nacht gesucht, weil du obdachlos bist?“

Spinnt er? „Das Oberteil hat fast hundert Euro gekostet. Denkst du wirklich, ich würde so viel Geld für so wenig Stoff ausgeben, wenn ich kein Dach über dem Kopf hätte?“

„Es ist wirklich ein sehr schönes Shirt. Tut mir leid, dass ich daraus nicht sofort die richtigen Schlüsse gezogen habe.“ Sein Mundwinkel zuckt.

Verdammt. Attraktiv, witzig und mitfühlend. Die Erinnerung an meine erotische Traumvision von ihm fällt mir wieder ein. Wie schade, dass ihn sich schon eine andere Frau geschnappt hat. Ich beschließe, mein Misstrauen ihm gegenüber abzulegen. Während ich mich hochrapple, versuche ich nicht zu tollpatschig zu wirken. Meine Füße sind mir nämlich eingeschlafen und nicht sicher, ob sie mich schon tragen wollen.

Mein Nachbar steht ebenfalls auf und streckt seine rechte Hand aus, damit ich mich bei ihm festhalten kann. Doch ich schüttle sie bloß. Seine Hand fühlt sich rau an. Ich mag das. „Jenni. Ich wohne genau gegenüber. Aber nicht mehr lange.“

„Leonard. Gerade erst eingezogen – und jetzt schon enttäuscht, so eine amüsante Nachbarin zu verlieren.“ Er schmunzelt.

„Normalerweise bin ich nicht dermaßen unterhaltsam“, gestehe ich und muss auch lächeln. Fast widerwillig lasse ich seine Hand los. „Hätte mich meine kaputte Klimaanlage nicht aus der Wohnung vertrieben, wäre ich jetzt schon brav im Bett. Aber du scheinst eine Nachteule zu sein.“

Er sieht an sich herunter. Seine Füße sind barfuß, aber er trägt eine kurze Hose und ein Muskelshirt. „Ich war gerade dabei, noch ein paar Kisten auszuräumen. Dann habe ich ein Poltern gehört und wollte nach dem Rechten sehen. Es klang, als wäre jemand zusammengebrochen. Ich hätte nicht erwartet, eine schlafende Schönheit vor meiner Tür zu finden.“

„Tut mir leid, falls ich dich gestört haben sollte. Da du aber schon mal hier bist, hätte ich eine Frage an dich. Du hast nicht zufällig Eiswürfel, die du mir borgen kannst?“

Leonard schüttelt den Kopf. „Mein Kühlschrank ist leer. Dafür funktioniert meine Klimaanlage. Ich könnte dir mein Sofa für den Rest der Nacht anbieten.“

„Das würde deine Freundin vermutlich nicht sonderlich witzig finden“, gebe ich zu bedenken.

„Ich habe keine Freundin, Dornröschen. Du störst niemanden.“

Aber zumindest hat er eine Frau in seiner Wohnung gehabt. Ist es ihm wirklich gelungen, in der kurzen Zeit von der Umzugspause bis zu seiner Rückkehr jemanden abzuschleppen? Bei seinem Aussehen sollte mich das nicht wundern. „Ist dein Besuch denn schon weg?“

Er wirkt irritiert. Rasch beginnt er allerdings zu grinsen. „Beobachtest du mich etwa?“

„Nein! Ich …“ Gott, ist das peinlich. „Ihr wart nicht gerade leise, als ihr nach Hause gekommen seid.“

„Dann entschuldige ich mich. Ich werde Valerie sagen, sie muss das nächste Mal leiser sein. Aber meine Schwester ist leider immer anstrengend gut gelaunt.“

Das Hochgefühl, welches mich bei seinen Worten durchströmt, ist unangebracht. Wenn er Interesse an mir zeigen würde, wäre ich dann überhaupt schon bereit, mich auf ihn einzulassen? Schließlich habe ich die Trennung von Sven noch nicht überwunden. Und bei meinem Job ist eine richtige Beziehung nicht gerade einfach.

Das Lächeln lässt seine wunderschönen Augen funkeln. Das intensive Blau hypnotisiert mich. Quatsch. Klar wäre ich bereit! Mehr als bereit!

„Wehe, du zwingst sie, ihre gute Laune zu unterdrücken“, tadle ich gespielt streng. „Die paar Tage, die ich noch in meiner Wohnung bin, werde ich einfach das Radio so laut laufen lassen, dass ich nicht mehr höre, was vor deiner Tür passiert.“

„Großartige Idee. Dann werden deine anderen Nachbarn dir bestimmt keine Träne nachweinen. Kommst du jetzt mit mir oder schmilzt du lieber in deiner Wohnung?“

„Du bist kein Serienmörder oder Vergewaltiger, oder doch?“

„Nicht heute. Also los, bevor wir die anderen wecken.“ Er dreht sich um und öffnet die Tür zu seiner Wohnung, die nur angelehnt war.

Nach kurzem Zögern folge ich ihm. Die Wohnung scheint genauso aufgeteilt zu sein wie meine. Der kleine Vorraum ist mit Schuhen vollgestellt. Möbel fehlen noch. Als ich hinter ihm das Wohnzimmer betrete, entdecke ich unzählige Kisten. Einige davon sind leer, manche halb ausgeräumt. Wenn Leonard nach einem System vorgeht, dann ist das für mich nicht erkennbar. Außer einem Sofa, einer Kommode, auf der ein Fernseher steht, einem Tisch und einem breiten, halb gefüllten Buchregal gibt es keine Einrichtung. Vermutlich wird sich daran auch nicht mehr viel ändern.

„Magst du vielleicht was trinken, Dornröschen? Ich müsste hier irgendwo noch eine Flasche Bier haben.“ Er verschiebt ein paar Kisten.

Als er sich nach vorne beugt, um dahinter nachzusehen, kann ich meinen Blick nicht von seinem Hintern abwenden. Das Muskelshirt mit dem weiten Armausschnitt zeigt mir kurz darauf eine durchtrainierte Brust. Obwohl es hier drinnen angenehm kühl ist, wird mir heiß.

„Nein, kein Alkohol. Danke“, meine ich hastig. „Ich sollte in meinem Zustand nichts zu mir nehmen, was meine Selbstkontrolle beeinflusst.“

„Geht es dir doch nicht gut?“, erkundigt er sich besorgt. Mit ein paar schnellen Schritten ist er bei mir. „Soll ich dich zum Arzt bringen?“

„Das ist nicht notwendig. Mir ist bloß ein wenig schwindelig. Die Hitze …“

Leonard greift nach meinem Arm und führt mich zur Couch. „Setz dich. Ich hole dir ein Glas Wasser. Vielleicht hast du einen Sonnenstich.“

Es ist nicht nett von mir, diese Situation auszunutzen. Doch ich bringe kein Wort über meine Lippen und beobachte, wie er nach nebenan geht. Seine Bewegungen sind kraftvoll. Ich mag, wie sich sein Hintern bei jedem Schritt in den kurzen Hosen bewegt. Sein Rücken wirkt verdammt breit. Bestimmt würde ich mich in seinen Armen sicher und geborgen fühlen.

Dass er so besorgt um mein Wohlergehen ist, finde ich süß. Er scheint ein netter Kerl zu sein. Einer, auf den man sich verlassen kann. Einer, der einem unter die Haut kriecht, wenn man nicht achtgibt. Doch im Augenblick legt er es eher darauf an, die Medaille als bester Nachbar zu erhalten. Mir wäre es lieber, er würde mit mir flirten. Ich will ihn. Bestimmt wäre es noch heißer, mit ihm zu schlafen, als ich es mir vorhin vorgestellt habe.

Würde ein zuvorkommender Pfadfinder eine Frau anmachen, die er für verwirrt und verletzlich hält? Ganz sicher hat er meine Befürchtung im Ohr, er könnte ein Serienkiller sein. Vermutlich denkt er, ich würde es falsch verstehen, wenn er sich mir gegenüber nicht wie ein vollendeter Gentleman verhält. Zeit zu testen, wie er reagiert, wenn ich deutlich mache, von ihm angetan zu sein.

Leonard kommt mit einem Glas Wasser zurück, das er mir reicht. Dann nimmt er neben mir auf dem Sofa Platz. Das Ding ist so schmal, dass außer uns niemand darauf sitzen könnte. Hat er denn niemals Besuch?

„Besser?“, fragt er, nachdem ich einen Schluck getrunken habe.

Ich nicke und lächle ihn an. „Ich habe mich gefangen. Was soll schon passieren, wenn sich so ein starker, gutaussehender Mann um mich kümmert?“

Seine Augen blitzen gut gelaunt. „An hübschen Frauen in Not kann ich nicht vorbeigehen, Dornröschen.“

„Stehst du auf Märchen?“ Sein Spitzname für mich ist eigentlich ganz süß.

„Die kenne ich nur aus meiner Kindheit. Den edlen Ritter spiele ich inzwischen selbst, wenn eine Prinzessin sich quasi vor meine Füße wirft.“

„Was Frauen sich heutzutage alles einfallen lassen müssen, um die Aufmerksamkeit eines noblen Helden auf sich zu ziehen …“ Ich seufze theatralisch.

„Du hast bestimmt kein Problem, das Interesse eines Kerls zu wecken. Aber ich fühle mich geschmeichelt, dass du dich für mich ins Zeug gelegt hast.“

Mit gequältem Gesichtsausdruck nicke ich. „Es war wirklich großer Aufwand nötig, damit ich zur richtigen Zeit vor deiner Tür liege. Und die Gefahr, in die ich mich dabei begeben habe! Stell dir vor, der falsche Ritter hätte mich vor dir gefunden. All die schöne Planung umsonst.“

„Dann hatten wir wohl beide Glück.“ Er grinst.

Ich mag seine charmante Flirterei. Mein Selbstvertrauen ist seit der Trennung von Sven ordentlich angeknackst. Noch ein paar Minuten mit Leonard und ich strotze wieder vor Selbstbewusstsein. „Sind die Bücher in deinem Regal nur Zierde?“, kehre ich zum ursprünglichen Thema zurück.

„Nein. Es handelt sich bloß nicht um Märchen. Jetzt lese ich lieber Krimis und Thriller.“

Das war zu erwarten. Hauptsache er steckt seine Nase überhaupt in Bücher. Ich sehe zum Regal hinüber. Bislang ist lediglich eine Reihe gefüllt. „Hast du viele Bücher? Oder sammelst du Trophäen auf den Regalbrettern?“

„Zwei Kisten sind voll mit Romanen, die ich immer wieder gerne lese. Aber es kommen auch ständig neue Bücher hinzu. Lass mich raten, du stehst mehr auf schnulzige Liebesgeschichten.“

Lachend schüttle ich den Kopf. „Lieber lese ich Romane über starke Frauen, die Spaß haben.“ Dann hebe ich eine Augenbraue und lasse meine Zunge über meinen Mundwinkel lecken. Nur kurz und mit einem spitzbübischen Grinsen. Es soll ja nicht zu einladend wirken.

„Dürfen starke Frauen sich nicht verlieben?“, erkundigt er sich.

Sein Blick nimmt mich gefangen. Während ich in seine Augen schaue, verschwindet der Rest des Raums aus meinen Gedanken. Ich bin ganz hypnotisiert von dem Blau seiner Pupillen. Obwohl wir beide uns nicht bewegen, scheint der Abstand zwischen uns zu schmelzen. Mein Mund wird ganz trocken und prickelt. Gott! Würde ich ihn gerne küssen!

„Klar. In erster Linie dürfen sie aber das tun, was sie wollen“, antworte ich endlich und streiche mein Haar zurück. Ich ziehe die Unterlippe ein, während ich an unanständige Dinge denke.

„Bist du denn eine starke Frau?“ Sein Gesichtsausdruck verändert sich. Kurz senkt er den Blick zu meinen Lippen. Dann leuchten seine Augen auf.

Zwischen uns sprühen die Funken, während wir uns weiterhin ansehen. Das Feuer könnte jederzeit auf uns überspringen. Auch wenn das ganz in meinem Sinne wäre, frage ich mich, ob es jetzt doch nicht etwas zu schnell geht. Egal. Man lebt nur einmal!

„Ich bin eine ausnehmend starke Frau“, bestätige ich.

„Schön zu hören.“ Obwohl ich ihm ein deutliches Zeichen gegeben habe, schweigt er danach. Er wendet den Blick nicht ab. Dennoch ist der Ausdruck in seinen Augen schwer zu deuten. Habe ich es übereilt?

„Erzähl mir etwas über dich“, bitte ich schließlich. „Was machst du beruflich?“

„Ich bin gelernter Tischler und arbeite ganz in der Nähe in einem kleinen Laden. Wohlhabende Leute mögen naturbelassene Einrichtung. Bei manchen Werkstücken muss ich gar nicht viel mit dem Holz machen, sondern nur das Optimum herausholen.“ Sein Blick wandert auffällig mein nacktes Bein hoch. „Ich habe ein Auge für perfekte Formen.“

In meinem Magen kribbelt es angenehm. Ich schicke ihm ein verführerisches Lächeln. „Daran hege ich keinen Zweifel. Bestimmt hast du sehr geschickte Hände. Wo kann ich mir denn deine Kunstwerke ansehen?“

„Du bist herzlich in mein Geschäft eingeladen. Aber du kannst hier schon mal einen Vorgeschmack haben. Auch meine Möbel habe ich selbst hergestellt.“

„Dann hoffe ich, dass der Rest irgendwo zwischengelagert ist“, feixe ich. Doch ich sehe mich aufmerksam um. Die Kommode und der Schrank wirken rustikal, aber edel. Und der Tisch mit der dicken, wenig behandelten Holzplatte und den gekreuzten Tischbeinen ist wirklich außergewöhnlich. Vermutlich könnte ich mir kein Teil davon leisten.

Er lacht und winkelt ein Knie an, um sich daraufzusetzen und sich mir zuzuwenden. „Es befinden sich noch einige Sachen in meiner alten Wohnung. Die werde ich vermutlich morgen noch holen, wenn mein Freund mir noch einmal den Umzugswagen seiner Firma besorgt.“

„Für das Riesending würde ich töten. In meinen Corsa passt einfach nichts rein. Bei dem Kleinbus, den ich mir ausgeliehen habe, sieht es nicht viel besser aus.“

„Mein Kumpel kommt die Tage vorbei. Du kannst ihn ja fragen, ob er dir den Umzugswagen borgt.“

Der Vorschlag klingt verdammt verlockend. „Ich weiß nicht“, zögere ich dennoch. „Glaubst du, er lässt eine Fremde damit fahren?“

„Du bist keine Fremde mehr. Wir kennen uns doch schon seit ein paar Minuten“, antwortet er mit einem Lachen. Seine Stimme wird tiefer, legt mehr Bedeutung in die Worte.

„Ernsthaft. Das könnte doch Probleme mit der Versicherung geben, wenn ich an dem Wagen etwas beschädige.“

„Wann würdest du ihn denn brauchen?“ Er legt einen Arm auf der Kopflehne des Sofas ab. Seine Fingerspitzen kommen mir dabei prickelnd nah.

Ich überlege nicht lange, ob ich ihm die Details anvertrauen kann. „Am Montag erhalte ich die Wohnungsschlüssel. Mitte der Woche sollte ich mit dem Renovieren fertig sein.“

„Perfekt. Dann sagst du mir Bescheid, wenn du soweit bist, und ich fahre dich mal an einem späten Nachmittag. Bestimmt kannst du einen Mann mit Muskeln brauchen, der dir Kisten schleppt.“

Ein kleiner Macho. Ich lächle. Das Spiel würde ich erst einmal mitspielen. „Ja, klar. Zu diesen starken Armen sage ich nicht nein.“ Mit den Fingerspitzen streiche ich einen dieser besagten Arme entlang.

Seine Pupillen weiten sich. „Dir steht auch der Rest von mir zur Verfügung, Dornröschen.“

Gott, ich könnte seine Hilfe beim Umzug wirklich gut gebrauchen. Aber meine Gedanken beschäftigen sich nicht mehr mit Kistenschleppen. Stattdessen sehe ich in diese tiefen, blauen Augen, fühle ein Kribbeln in meinem Magen und frage mich, ob es ihm ähnlich geht. Ich hoffe wirklich, dass sein Angebot genauso schmutzig ist, wie es klingt.

„Hast du wirklich nur deshalb vor deiner Tür gelegen, weil es dir in deiner Wohnung zu heiß war?“, erkundigt er sich leise. „Ich habe nicht den Eindruck, dass es dir schlecht geht. Aber wenn du Probleme hast, dann wäre das der richtige Zeitpunkt, um mir alles zu erzählen.“

„Ich bin weder verrückt noch sonderlich seltsam. Ich konnte einfach ohne Klimaanlage nicht einschlafen.“

Er nickt, scheint aber nicht ganz sicher, was er mit mir und der unleugbaren Anziehungskraft zwischen uns anfangen soll.

„Meinen Namen und meine Adresse kennst du bereits. Ich bin achtundzwanzig Jahre alt, arbeite als Flugbegleiterin, glaube an die Magie einer Begegnung und weiß Chancen zu nutzen, die sich mir bieten. Ohne große Forderungen zu stellen.“

„Eine selbstbewusste Frau also auch noch.“

Lächelnd nicke ich und denke an meine Fantasie von uns beiden. „Eine, die das Leben gerne genießt. Die Vorstellung, dass du mir Arbeit abnimmst, hat etwas sehr Stimulierendes.“ Ob er meinen wenig versteckten Hinweis versteht?

„Anstrengende Aufgaben würde ich dir nie zumuten.“ Sein Blick streift über meinen Körper. „Auch wenn Frau alles alleine schafft, sollte sie es nicht müssen. Es wäre mir als Gentleman ein Vergnügen, mich darum zu kümmern.“

„Ich sehe dich eher als Pfadfinder“, gestehe ich. Mein Mund ist trocken. „Hilfsbereit, stark und hoffentlich auch allzeit bereit.“

Als er sich über die Lippen leckt, beiße ich mir auf meine Unterlippe. Ich will seinen Mund auf mir spüren. Er scheint zumindest nicht abgeneigt zu sein.

„Bestimmt würde ich mich gut als Pfadfinder machen. Ich kann ganz schnell Feuer entfachen.“

„Ist das denn nicht gefährlich?“, frage ich atemlos. „Du kannst doch nicht kontrollieren, worauf die Flammen überspringen.“

„Genau das macht doch den Reiz aus. Soll ich es dir beweisen?“ Er lässt seine Augenbrauen hüpfen.

Damit hat er mich endgültig. Dieser schreckliche Anmachspruch verspricht Spaß. Auch beim Sex amüsiere ich mich gerne.

„Unbedingt. Und ich zeige dir meine Fähigkeiten. Mal sehen, ob es dir besser gelingt als mir.“ Ich schlüpfe aus meinen Schuhen, ziehe ein Bein auf das Sofa und strecke das andere aus, um mit den Zehen von seinem Knie langsam seinen Oberschenkel hochzustreichen.

Seine Atmung beschleunigt sich hörbar, als ich auf der Hälfte seines Schenkels innehalte.

Er lehnt sich zu mir und küsst mich endlich. Jetzt werde ich herausfinden, ob es mit ihm tatsächlich so heiß ist, wie ich es mir erträumt habe.

Seine Lippen fühlen sich unwahrscheinlich weich an. Da ist kein unnötiger Druck, keine Hektik. Einfach nur ein sanftes gegenseitiges Kennenlernen.

Leonard legt seine Hand auf mein Bein, das ich auf seinem Oberschenkel abgestellt habe und streckt es aus. Dabei streifen seine Finger meine Haut entlang. Ich stöhne leise an seinem Mund.

Er rückt näher an mich heran. Seine Zungenspitze leckt über meine Unterlippe. Ich halte die Luft an, öffne meinen Mund einen Spalt. Sehnsüchtig warte ich auf eine stürmische Eroberung oder zumindest ein Zeichen von Ungeduld. Doch stattdessen spüre ich seine Zunge lediglich ganz kurz an meiner Oberlippe. Als würde er mich kosten. Dann ist da fester Druck, mit dem er seine Lippen auf meine presst.

Das Begehren kribbelt in meinem Magen. Ich fahre mit den Fingern durch sein Haar, kralle mich an ihm fest, damit ich meine Zunge in seine Mundhöhle schieben kann. Er kommt mir entgegen. Sein Kuss wird hungrig.

Als er sich über mich beugt und seinen Arm um mich schlingt, rechne ich damit, dass wir meine Fantasie nachspielen könnten. Doch stattdessen drückt er mich an sich, hält mich fest und erhebt sich mit mir.

Erschrocken klammere ich mich an ihm fest. Ich habe Angst zu fallen. Leonard ist allerdings so stark, dass er mich problemlos halten kann.

„Hoffentlich bist du nicht schockiert, wenn ich nicht mit dir ins Schlafzimmer gehe“, flüstert er an meinen Lippen. „Das Bettzeug ist noch nicht überzogen. Der Weg dorthin wäre ohnehin viel zu weit.“

Meine Ansprüche sind nicht hoch. Trotzdem frage ich mich, warum wir dann nicht geblieben sind, wo wir waren. „Aber das Sofa …“

„Darauf haben wir keinen Platz. Für das, was ich mit dir vorhabe, brauche ich den Esstisch.“ Weitere Fragen erstickt er mit einem Kuss.

Er trägt mich in die Ecke, in der der Tisch steht. In seinen Armen habe ich das Gefühl, leicht wie eine Feder zu sein. Starke Männer machen mich schwach. Absurd, nicht wahr?

Meine Oberschenkel berühren das bearbeitete Holz, es fühlt sich angenehm kühl an. Leonard drückt mich zurück, bis mein Rücken auf dem Tisch liegt. Er schiebt mein Shirt hoch und sieht dabei auf mich nieder.

Der Stoff liegt unter meinen Brüsten. Im Augenblick ist mir egal, wie teuer das Ding war. Ich möchte, dass er das Oberteil mit seinen starken Händen in zwei Teile reißt und mich dann zärtlich streichelt. Kraft und Zartheit. Schon jetzt weiß ich, dass diese Kombination seine wahre Stärke ist.

Er hängt zwei Finger an der Seite meiner Shorts ein und zieht sie mitsamt meinem Slip langsam nach unten. Währenddessen halten seine Augen Blickkontakt. Eine stumme Bitte um Erlaubnis. Ich lecke mir über die trockenen Lippen und lächle ihn an. Ihm gegenüber fühle ich seltsamerweise keine Scham.

Meine Shorts fallen zu Boden, doch er macht keine Anstalten, mich wieder zu küssen. Mit ausgestrecktem Arm versuche ich ihn zu mir heranzuholen.

Mein heißer Nachbar schüttelt den Kopf und kniet sich vor dem Tisch zwischen mich. Sanft beißt er in meinen Oberschenkel. Seine Hände fahren meine Beine entlang und halten mich an der Taille fest, als ich mich aufrichten will. Dann stellt er meine Füße auf den zum Tisch gehörenden Stühlen links und rechts von ihm ab.

Seinen Atem an der Innenseite meiner Schenkel zu spüren, bringt mich zum Erzittern. Er drückt mir einen schnellen Kuss auf meinen Venushügel. Seine Zunge schießt vor und gleitet zwischen die Falten meiner Weiblichkeit. Er tanzt über meinen empfindlichsten Punkt und leckt eine Sekunde später über die zarte Haut darunter. Hitze breitet sich in meinem ganzen Körper aus.

Ich schreie auf, will ihn bitten, diese zärtliche Folter zu beenden, und gleichzeitig ist mir danach, ihn anzuflehen, das erotische Spiel fortzusetzen, bis meine Welt explodiert.

Seine Lippen kosten von mir, erregen mich, spielen mit mir. Meine Sehnsucht, ihn in mir zu spüren, wächst ins Unerträgliche an. Er drückt genau die richtigen Knöpfe, schafft es, immer genau das zu tun, was ich brauche. Es scheint, als würde er meine Bedürfnisse kennen. Wenige Sekunden, und ich bin ein zitterndes Bündel Sehnsucht.

Mein Körper spannt sich an, bereitet sich auf den Gipfel vor. Jetzt schon. Noch niemals hat mich ein Mann so schnell so sehr erregt. Wie geschickt er seine Zunge einzusetzen weiß! Eine leichte Vibration, und ich vergesse zu atmen. Ein sanftes Saugen, und ich starte meinen Höhenflug. Sein Name kommt als Seufzen über meine Lippen.

Ich fühle mich bis ins Innerste erschüttert. Das hier hat den Schutzwall um mein Herz schmelzen lassen. Ich muss vorsichtig sein, um diesem Mann nicht zu verfallen. Keine Forderungen. Das habe ich ihm versprochen.

Mein Körper scheint schwerelos zu schweben, unendlich langsam wieder auf den Boden der Tatsachen zu sinken. Doch lange darf dieser wundervolle Zustand nicht andauern, schließlich will ich Leonard nahe sein, ihn noch auf eine andere Art und Weise spüren.

Mein Verstand verarbeitet die Eindrücke träge. Als der Nebel sich hebt, spüre ich Leonard Lippen, die mir Küsse auf die Bauchdecke drücken.

Meinen Armen scheint die Kraft zu fehlen, als ich sie hebe und durch sein Haar streiche. Er sieht auf und lächelt verführerisch. Dieser Kerl ist so sexy.

Autor

  • Bettina Kiraly (Autor)

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Titel: Hot Neighbors (Erotik)