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Homebase fürs Herz (Chick Lit, Liebesroman)

von Saskia Louis (Autor)

2018 0 Seiten

Leseprobe

Über dieses E-Book

Cole Panther möchte eine Ehefrau finden.
Möglichst stressfrei, möglichst unkompliziert und möglichst schnell. Seine Zukünftige muss nur ein paar simple Kriterien erfüllen: Sie sollte aus gutem Hause stammen, niedrige Erwartungen an ein gemeinsames Leben stellen – und auf das Wörtchen Liebe verzichten können. Denn Emotionen sind anstrengend und Cole hat genug damit zu tun, seine entfremdete Familie zusammenzuhalten. Tatsächlich wäre es ihm lieber, wenn jemand die lästige Aufgabe, eine Lebenspartnerin zu finden, für ihn übernehmen könnte …

Savannah wird ihrem Boss keine Ehefrau suchen!
Ihr eigenes Privatleben ist schon stressig genug, da braucht sie nicht noch ein zweites, um das sie sich kümmern muss. Seit ihrer Kindheit ist sie auf der Suche nach einem Ort, an dem sie sich zu Hause fühlt, und sie hat keine Zeit, sich durch einen reichen Egomanen von ihrem Ziel ablenken zu lassen. Sie braucht jemanden, der ihr beibringt, zu vertrauen. Nicht etwa eine neue Aufgabe. Aber andererseits könnte es eine Menge Spaß machen, Cole Panthers Privatleben durcheinanderzubringen …

Jeder Band der Reihe ist in sich abgeschlossen und kann unabhängig voneinander gelesen werden.

Impressum

dp Verlag

Erstausgabe Mai 2018

Copyright © 2019 dp Verlag, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Made in Stuttgart with ♥
Alle Rechte vorbehalten

E-Book-ISBN: 978-3-96087-401-0
Taschenbuch-ISBN: 978-3-96087-402-7

Covergestaltung: Cornelius Schiffmann - Design, Illustration & Fotografie
unter Verwendung von Motiven von
shutterstock.com: © Alex Volot und © Eugene Onischenko
Lektorat: Astrid Rahlfs

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

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Für meine Lieblings-Julias:
Julia Bohndorf und Julia Lalena Stöcken.
Weil ihr süß seid. Bitte hört nie auf, zu schreiben!

Kapitel 1

Savannah Thomas war ein geduldiger Mensch.

Sie hielt es bis zu drei Stunden in Telefonwarteschlangen aus. Sie fädelte in Seelenruhe den dicksten Bindfaden durch das dünnste Nadelöhr. Sie hörte Mrs. Bernard, ihrer dementen Nachbarin, täglich bei derselben Geschichte zu. Sie erklärte Jake Braker, dem notorischen Womanizer der Delphies, immer wieder aufs Neue, wie man ein Kondom benutzte, aus Angst, er könne an einer Geschlechtskrankheit verrecken. Und erst letztens hatte sie ihre Q-tips gezählt und zu einem wackeligen Haus zusammengeklebt, als nichts Gutes im Fernsehen gekommen war.

Aber auch Savannah hatte Grenzen. Und eine davon war, wie es so wollte, eine Frau, die sich seit einer geschlagenen halben Stunde nicht abwimmeln ließ, sich anhörte, als habe sie ein weinendes Kind verschluckt und nicht einmal ihren Vornamen kannte!

„… und er sagte doch, dass er sich melden würde!“

„Tatsächlich.“ Savannah bohrte die Spitze ihres Bleistifts so fest in die Schreibtischplatte, dass sie darin stecken blieb.

„Ja!“ Das hysterische Schluchzen der Frau wurde lauter und Savannah sah sich dazu gezwungen, den Hörer von ihrem Ohr wegzuhalten.

„Ich meine, wir haben uns geküsst, ist das denn gar nichts wert?“

„Ich weiß nicht, kommt auf den Kuss an, würde ich sagen.“

„Er war spektakulär! Aber alles, was er mir gegeben hat, ist diese Nummer. Und da müssen Sie doch verstehen, wie mich das aus der Bahn wirft, wenn am anderen Ende eine Frau abhebt. Ich wusste ja nicht, dass Sie seine Assistentin sind.“

„Ich bin nicht seine Assistentin“, stellte Savannah klar und hörte sich dabei womöglich wie ein Hund an, dem sein Knochen weggenommen wurde. Tatsächlich hielt sie es auch nicht für ausgeschlossen, dass sie heute noch jemanden biss, denn Cole Panther hatte ihre Nummer an einen wildfremden Menschen weitergegeben! Schon wieder! Das war das vierte Mal diese Woche. Und es war erst Mittwoch!

„Aber Sie sagten doch, dass Sie für ihn arb-“

„Ja, ich arbeite in seiner Organisation, aber nicht als seine Assistentin“, erklärte sie abgehackt und riss den Bleistift mit Gewalt wieder aus dem Holz. Er brach entzwei und rollte in den Stapel Haftnotizzettel, der den größten Teil ihrer Arbeitsfläche bedeckte.

„Ach so.“ Eine kurze, nachdenkliche Stille folgte, bevor die Frau schniefend fragte: „Aber warum gibt er mir denn dann Ihre Nummer?“

Weil er ein verdammter Feigling ist, der sich nicht mit seinen billigen Verflossenen herumärgern will!

„Er muss wohl die hinteren Ziffern vertauscht haben.“

Hatte er nicht.

„Das ist mein Arbeitshandy.“

War es nicht.

„Und die Nummern der Delphies-Organisation unterscheiden sich nur in ihren letzten Zahlen.“

Taten sie nicht.

„Oh, also meinen Sie, es war ein Versehen?“

Um Gottes willen, nein! Cole Panther tat nie etwas aus Versehen. Denn das könnte ja Spaß machen – und Spaß zerknitterte seinen Anzug.

„Vielleicht könnten Sie mit ihm reden und meine Nummer weiterleiten?“

Savannah biss die Zähne zusammen und stand von ihrem Stuhl auf. „Oh ja, ich rede mit ihm“, versprach sie gepresst und stieß mit ihrer freien Hand die Bürotür auf.

„Das wäre wunderbar.“ Die Frau hatte aufgehört zu schluchzen, was Savannahs Ohren ungemein freute. „Ich würde ihn wirklich gerne wiedersehen. Er war so charmant.“

Mit welchem Cole Panther war die Frau nur ausgegangen? Es gab neunundneunzig Worte, mit denen Savannah Cole Panther beschrieben hätte. Charmant war keines davon. Aber das erste war Arsch und das zweite Loch.

„Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass er mich mag“, plapperte die Frau munter weiter.

Savannah verdrehte die Augen, während sie in langen Schritten die Distanz zum Fahrstuhl überwand, hineintrat und auf den Knopf für das oberste Stockwerk drückte. Auch das bezweifelte sie, denn Cole Panther mochte keine Menschen. Es war ihr schleierhaft, warum er überhaupt mit Frauen ausging, wo sie ihn doch allesamt nur zu nerven schienen.

Die Fahrstuhltüren schlossen sich und sie hoffte schon, dass die Verbindung abbrach, aber natürlich hatte sie selbst in der blechernen Büchse Empfang. Gott, sie hätte ja aufgelegt, aber sie war PR-Beraterin und die konnten es sich nicht leisten, einen schlechten Ruf zu haben.

„Er hat mir so viele Komplimente gemacht, den ganzen Abend über. Glauben Sie, er wird noch einmal mit mir ausgehen?“

Super. Genau die Frage, die Savannah nicht hatte hören wollen. Sie hätte die Frau anlügen können, aber sie brachte es einfach nicht übers Herz. Es war ja nicht ihre Schuld, dass Cole Panther ein kaltherziger Bastard war.

„Wissen Sie, ich würde mir nicht allzu große Hoffnungen machen. Mister Panther ist einfach sehr beschäftigt“, sagte Savannah und hatte Mühe dabei, ihre Zähne auseinanderzureißen. „Er … hat zurzeit mit einer schlimmen Geschlechtskrankheit zu kämpfen und erst letzte Woche Hämorriden entfernt bekommen. Nehmen Sie es ihm nicht übel. Er nimmt ständig Schmerzmittel und weiß einfach nicht mehr, was er tut. Er hat gestern sogar seine Haartransplantation vergessen, dabei steht der Termin seit Monaten fest. Ich fürchte, seine gesundheitlichen und beruflichen Verpflichtungen lassen eine Beziehung zurzeit einfach nicht zu.“

So, jetzt fühlte sie sich besser. Wenn Cole je wieder mit Miss Heulsuse sprach, würde sie in die Hölle kommen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass das passierte, lag ungefähr bei minus dreitausend Prozent. Savannah machte sich also keine Sorgen.

„Oh, aber warum meldet er sich dann bei einer Dating-Seite an?“

Dating-Seite?

Savannahs Kinnlade klappte herunter. Cole Panther bei einer Online-Partnervermittlung? Das passte ungefähr so gut wie … ein Haifisch in ein Goldfischglas, die Nazis auf die helle Seite des Mondes oder Donald Trump in einen Friseursalon.

„Ich hab‘ absolut keine Ahnung“, sagte Savannah wahrheitsgemäß. „Keinen blassen Schimmer.“

Mit einem Ping öffneten sich die Fahrstuhltüren. Savannah war so verdattert über die Information, die sie soeben erhalten hatte, dass sie sich mehrere Minuten lang nicht bewegte. Erst als die Türen sich bereits wieder schlossen und die Frau am Telefon Anstalten machte, das Gespräch fortzusetzen, erwachte sie wieder zum Leben.
Eine Dating-Seite – das erklärte einiges! Definitiv schon mal die Tatsache, dass sie in den letzten drei Tagen Anrufe von vier heulenden Frauen hatte entgegennehmen müssen, die ihr versicherten, dass Cole Panther die Liebe ihres Lebens sei. Wieso außerdem die halbe Organisation bei ihr durchklingelte, um Nachrichten für Panther Junior zu hinterlassen, war Savannah dennoch schleierhaft.

„Ja, na gut“, wiederholte Savannah, trat aus dem Fahrstuhl und wandte sich nach rechts, zu dem riesigen gläsernen Büro, das einen Ausblick auf das dahinterliegende Baseballstadion gab. „Sie entschuldigen mich, ich habe jetzt einen wichtigen Termin.“

„Oh, natürlich. Vielen Dank für Ihre Hilfe.“

Savannah antwortete nicht, sondern legte einfach auf. Sie beschleunigte ihren Schritt, froh darüber, dass sie ihre Schuhe heute ausnahmsweise mal anbehalten hatte. Mit der einen Hand stopfte sie das Handy in ihre Blazertasche, mit der anderen stieß sie ohne Ankündigung die Glastür auf. Sie war wohl etwas zu energisch gewesen, denn die Tür knallte mit einem zufriedenstellenden Klirren gegen die dahinterliegende Glaswand.

Cole Panther saß tief in den Chefsessel gelehnt, die langen Beine ausgestreckt, das Telefon an sein Ohr geklemmt, hinter seinem Schreibtisch. Seine hellblaue Krawatte saß makellos, die schwarzen Haare hielt er für vierhundert Dollar im Monat kurzgeschnitten – Gott bewahre, sie könnten seinen Hemdkragen beschmutzen! – und seinen Dreitagebart stutzte er auf eine respektable, gepflegte Länge. Mit der freien Hand machte er sich Notizen auf einem Block, der mittig auf dem ebenfalls gläsernen und penibel ordentlich gehaltenen Schreibtisch lag. Seine eisblauen Augen fixierten sie fragend, während er unbeirrt weiterredete.

„… drüber gesprochen, Miles. Ich habe das Budget selbst überprüft und bin bereit, bis zu zwei Millionen Dollar nach oben zu gehen. Weiter nicht.“

Savannah funkelte ihn an, überwand die restliche Distanz und schlug mit der Faust auf den Tisch.

Ja, sie wusste, dass Cole Panther ihr Vorgesetzter war.

Ja, sie wusste, dass er milliardenschwer war.

Ja, sie wusste, dass viele Leute Angst vor ihm hatten.

Aber sie wusste auch, dass Höflichkeit einen im Leben nicht weiterbrachte. Wenn man sich einschüchtern ließ und sich nicht verteidigte, dann war es schwer, aus dem Muster auszubrechen. Und sie würde sich nie wieder herumschubsen lassen.

„Ich bin nicht deine verdammte Assistentin!“, zischte sie.

Cole hob eine Augenbraue, zog ein Taschentuch aus seiner Anzugtasche hervor und wischte langsam den Fettfleck von seiner Arbeitsfläche, den Savannahs Faust dort hinterlassen hatte, während er gelassen in den Hörer sprach.

„Mich interessiert der Weg nicht. Mich interessieren Ergebnisse. Und wenn Sie mich diesmal enttäuschen, Miles, dann werde ich Sie vielleicht aus der Gleichung nehmen müssen. Es ist Ihr verdammter Job, den Preis auf eine respektable Größe zu drücken, die abschließenden Verhandlungen führe dann ich.“

Savannah riss ihm das Taschentuch aus der Hand und ließ es auf den Boden fallen.

„Ich bin nicht deine Assistentin!“, wiederholte sie laut. „Hast du mich verstanden? Würdest du also in Gottes Namen damit aufhören, deinen Freundinnen meine Telefonnummer zu geben?“

Cole hob einen Finger in ihr Gesicht und wandte seinen Kopf ab, während er weiter in den Hörer sprach.

„Sie hören mir jetzt mal zu! Es ist mir egal, wie viele Kinder Ihre Frau bekommen hat. Es ist mir egal, dass Sie sich Mühe geben. Ich will Jimmy Rodriguez und Sie sind dafür verantwortlich, dass ich ihn bekomme! Und wenn das nicht passiert, werde ich sehr ungehalten.“

„Cole“, sagte Savannah ernst und schlug seinen Finger weg.

Aus dem Finger wurde die ganze Hand und aus Savannahs anfänglichem Unmut wurde Wut.

„Cole!“, sagte sie lauter. „Ich möchte, dass du mir sofort versprichst, nie wieder meine Nummer an eines deiner Bimbos weiterzugeben! Und wenn du das Telefonat jetzt nicht beendest, werde ich deine Privatnummer auf Facebook posten.“

Cole Panther seufzte laut, ließ die Hand sinken und sagte ins Telefon: „Entschuldigen Sie mich, Miles, ich werde gerade von einer Frau angeschrien … nein, machen Sie sich eher um ihren Job Sorgen. Das mit den schreienden Frauen passiert mir öfter. Also – leiten Sie es einfach in die Wege.“

Er legte auf, faltete die Hände auf dem Schreibtisch und sah sie frostig an. „Ich hätte dir nie meinen Vornamen anbieten dürfen“, stellte er schließlich nachdenklich fest. „Offensichtlich lässt dich dieser Umstand vergessen, dass ich dein Boss bin.“

Savannah schnaubte und verschränkte die Arme. „Du hättest mir deinen Vornamen und deinen erstgeborenen Sohn anbieten müssen, für all das, was ich für dich tue – gleichwohl nichts davon in meinen Aufgabenbereich fällt.“

„Setz dich doch, Savannah“, sagte er ungerührt und deutete auf den Stuhl zu ihrer Rechten. „Ich habe das Gefühl, dass dieses Gespräch länger dauern wird.“

„Das muss es nicht, wenn du einfach meine Privatnummer aus deinem Speicher löschst – wie bist du da überhaupt drangekommen?“

„Sie steht in deiner Personalakte. Und warum sitzt du immer noch nicht?“

Sie ließ sich auf den Stuhl sinken und deutete mit dem Zeigefinger auf ihn. „Ich sage es jetzt zum letzten Mal: Ich bin nicht deine Assistentin, Cole!“

Cole runzelte die Stirn. „Wer ist es dann?“

„Keine Ahnung. Wo ist die Blondine, die bis gestern noch am Schreibtisch vor deinem Büro saß?“ Savannah wandte sich um und sah durch die Glastür auf den leeren Arbeitsplatz.

„Die habe ich gefeuert. Hing dauernd bei Facebook rum.“

„Nun, dann hast du keine Assistentin“, sagte Savannah schlicht.

„Richtig. Und aus genau diesem Grund brauche ich dich.“ Er sprach, als würde er einer Siebenjährigen erklären, dass es den Weihnachtsmann nicht gab.

Genervt presste Savannah die Lippen aufeinander. „Ich bin PR-Beraterin, keine Sekretärin.“

„Wenn ich mich nicht irre“, meinte er langsam und ließ die Fingerkuppen auf den Tisch tippen, „dann warst du die letzten Tage beides.“

„Ja, weil du einfach allen meine Telefonnummer gibst, meine private noch dazu! Aber das muss aufhören. Ich habe einen anderen Job. Dann musst du eben ohne Hilfe auskommen.“

„Aber ich bin der Chef der gesamten Organisation. Mir gehört das Team.“ Er tippte sich mit dem Zeigefinger ans Kinn. „Wie kann ich da keine Assistentin haben?“

„Weil du so unerträglich bist, dass du alle vergraulst!“, fuhr Savannah ihn an.

Das verleitete Cole doch tatsächlich zu einem Lächeln. „Weißt du eigentlich, wie oft ich jeden anderen schon dafür gefeuert hätte, wie du mit mir redest?“

Oh, bitte. Welch eine leere Drohung. Er konnte sie nicht feuern. Er wäre aufgeschmissen ohne sie! Sie war nun einmal die Beste und das wusste er.

Sie verdrehte die Augen und Coles Lächeln wurde breiter.

„Du erinnerst dich aber schon daran, dass ich deinen Gehaltscheck unterschreibe, oder?“, fragte er interessiert. „Du scheinst diesen Umstand in der letzten Woche erschreckend oft vergessen zu haben.“

„Ja, du hast recht. Du unterschreibst meinen Gehaltscheck. Den als PR-Beraterin, nicht als Assistentin!“

Seufzend lehnte Cole sich im Sessel zurück. „Aber du scheinst zusammen mit Sam die einzige kompetente Person in dieser Institution zu sein.“

„Na, dann frag doch Sam, ob er für dich mit deinen Betthäschen Schluss macht! Ich wette, das kann er ganz wunderbar.“

Cole schüttelte den Kopf. „Nein, er ist zu weich. Er kann den armen Frauen nicht das Herz brechen. Du hingegen …“

„Sag mal, was an den Worten Ich bin nicht deine Assistentin verstehst du nicht?“, fragte Savannah fassungslos. „Wie kann es sein, dass wir immer noch darüber diskutieren?“

Sie wusste ja, dass Cole Panther es gewöhnt war, seinen Willen zu bekommen. Dennoch musste er doch langsam dazulernen. Er arbeitete immerhin seit einem Jahr mit ihr zusammen und sollte sich außerdem noch daran erinnern können, was mit seinem Anzug geschehen war, als er sie gebeten hatte, ihn aus der Reinigung abzuholen. Savannah war geübt darin, sich gegen ältere, größere, stärkere, einflussreichere Menschen zu behaupten. Herrgott, sie hatte ihr ganzes Leben damit verbracht, sich gegen Menschen durchzusetzen, die sie von Ort zu Ort hatten schieben wollen. Und verdammt sei sie, sich von Cole Panthers Autorität überrollen zu lassen – die er zugegebenermaßen in Massen besaß. Alles an ihm war eindrucksvoll, kühl und berechnend. Nur, weil sie diesen Umstand ignorierte, hieß das noch lange nicht, dass sie sich dessen nicht bewusst war!

„In Ordnung. Reden wir darüber.“ Cole legte die Hände auf den Tisch und bedachte sie mit einem abschätzenden Blick. Die Art von Blick, die er aufsetzte, sobald er in Verhandlungen trat. Der Blick, der ihn zu einem der verdammt besten Anwälte der Stadt gemacht hatte, bevor er den Chefposten der Delphies, Philadelphias Baseballmannschaft, übernommen hatte. Der Blick, der keine Widerrede zuließ.

„Du sagst, ich unterschreibe nur deinen Gehaltscheck als PR-Beraterin – ich sage, fügen wir noch einen für dich als meine Assistentin hinzu.“

Savannah schnaubte. „Für kein Geld der Welt würde ich-“

„Ich gebe dir dreißigtausend Dollar für die nächsten zwei Monate.“

Savannah riss die Augen auf und fiel beinahe vom Stuhl. War das sein Ernst?

„Das ist mein voller Ernst“, sagte er, als hätte er ihre Gedanken gelesen.

Sie starrte ihn an, öffnete den Mund, schloss ihn wieder und stellte dann verblüfft fest: „Meine Güte, du bist ja richtig verzweifelt.“

Kapitel 2

Cole Panther war ein ungeduldiger Mensch.

Und ein kaltblütiges Arschloch.

Viele Menschen behaupteten, diese beiden Eigenschaften stünden in direktem Zusammenhang miteinander, aber Cole sah das anders. Die Ungeduld kam von Natur aus. Das kaltblütige Arschloch hatte er sich über die Jahre hinweg hart antrainiert. Seine Ungeduld begleitete ihn auf Schritt und Tritt, während er so frei war, zu behaupten, dass er das Arschloch ab und zu abstellte, wenn es die Situation verlangte. Und dies war eine dieser Situationen.
„Savannah.“ Geschäftsmäßig beugte er sich über den Tisch zu ihr vor und verschränkte seine Hände ineinander. Er würde bekommen, was er wollte. Denn so funktionierte sein Leben nun einmal.

„Du weißt es und ich weiß es: Du bist die Beste in dem, was du tust. Im Organisieren, im Überblick behalten, im Menschen jonglieren. Ich brauche deine Fähigkeiten.“

Savannah verengte ihre dunklen Augen und schürzte die Lippen. Ihre schwarzen Haare fielen ihr glatt über den Rücken und sie trug einen dieser Kugelschreiberröcke – nein, falscher Stift, Bleistiftröcke – zusammen mit einer roten Bluse, die mit ihrer karamellfarbenen Haut harmonierte, und einen schwarzen Blazer. Ja, man hätte Savannah mit einer hübschen, süßen Frau verwechseln können … würde sie nicht andauernd den fundamentalen Fehler begehen, ihren Mund zu öffnen.

„Komplimente stehen dir nicht, Cole“, sagte sie trocken. „Um ehrlich zu sein, machen sie mir ein wenig Angst.“

Wem sagte sie das? Er hatte sich bei jedem einzelnen Wort unwohl gefühlt. Cole war nicht dafür bekannt, Mitarbeiter zu loben. Er war dafür bekannt, Mitarbeiter als inkompetent zu beschimpfen. Er hielt es für wichtig, ehrlich zu sein, damit sie sich bessern konnten oder er eine rechtliche Grundlage dafür hatte, sie zu feuern.
Savannah Thomas war zwar nicht inkompetent, aber seine Geduld strapazierte sie dennoch. Er kannte keine, ausnahmslos keine Frau, die mit ihm sprach wie sie es tat. Es war fast, als hätte sie keine Angst vor ihm. Und das war äußerst irritierend. Denn von der Angst seiner Untergebenen profitierte er. Doch egal, was für Blicke er ihr zuwarf, egal wie oft er mit der Kündigung drohte – sie hielt ihr Kinn gereckt und ihren Mittelfinger meistens direkt mit.

Und er respektierte sie dafür. Savannah wusste, was sie wollte und nahm es sich. Das war eine denkbar gute Eigenschaft, denn wenn man es nicht tat, würde man von dieser Welt überrollt werden, bevor man das Wort Arschloch formulieren konnte. Außerdem amüsierte sie ihn. Manchmal.
Zurzeit jedoch nervte sie. Er hatte einen Haufen Telefonate zu führen und wäre ihr sehr dankbar, wenn sie einfach sein Geld nähme und täte, was er von ihr verlangte.

„Es sind nur zwei Monate, Savannah“, sagte er gelassen. „Nach dieser Zeit kannst du zurück in deinen normalen Job gehen. Außerdem wärst du nicht meine Assistentin, du wärst Koordinatorin meines Privatlebens.“

„Mhm. Für mich hört sich das so an, als würde ich deinen Babysitter spielen“, stellte sie mit gerunzelter Stirn fest.

„Genau genommen wärst du Babysitter meiner Dates“, korrigierte er sie. Es war besser, wenn sie ihre Aufgabenbereiche so gut wie möglich kannte. „Alles, was du wissen musst, ist, dass ich heiraten will und vorhabe, in den nächsten zwei Monaten die dazu passende Frau zu finden.“ Denn das ließ ihm ein Jahr Zeit, sie kennenzulernen und zu heiraten, sodass er vor seinem fünfunddreißigsten Geburtstag eine Ehefrau vorzuweisen hatte. „Ich habe mich bei einer Website angemeldet und wenn ich ehrlich bin, habe ich einfach nicht den Nerv, die dort herumlungernden verlorenen Existenzen von den guten Frauen zu trennen. Und schon gar nicht, die Dates zu organisieren und das Follow-up-Gespräch zu führen.“

„Das Follow-up-Gespräch zu führen?“, wiederholte Savannah und ein Lächeln huschte über ihr Gesicht.

Warum lächelte sie? An der Suche nach einer Ehefrau war absolut nichts witzig! Es war so unglaublich stressig und zeitraubend, dass Cole Savannah auch eine Million Dollar gegeben hätte, wenn sie ihm die Aufgabe nur vereinfachte. Wenn er darüber nachdachte, dann war es gut, dass sie das nicht wusste, denn sie würde ihm jeden einzelnen Cent aus der Tasche ziehen.

„Follow-up-Gespräch – ich fasse es nicht.“ Jetzt grinste Savannah noch breiter und schüttelte den Kopf. „Ich hätte dich nicht für einen Romantiker gehalten, Cole.“

Er schnaubte. Schön, dass sie die ganze Situation amüsant fand. „Natürlich bin ich ein Romantiker, ich besitze zwei Kerzen“, sagte er trocken. „Also, du würdest die Frauen aussuchen, die du für passend hältst, arrangierst die Dates und wimmelst sie, wenn nötig, ab.“

„Nun, nicht dass sich das nicht nach einem absoluten Traumjob anhört, denn wer möchte nicht den ganzen Tag mit weinerlichen Frauen konfrontiert werden, die denken, du seist ein Gott“, sagte Savannah überschwänglich, „aber gibt es nicht professionelle Partnervermittler, die dich nur allzu gerne unter Vertrag nehmen und dir das Geld aus der Tasche ziehen würden?“

Ja, natürlich. Aber Cole hatte nicht vor, sich mit einer Frau herumzuschlagen, die ihn Fragebögen ausfüllen und seine Hobbys erläutern ließ. Schlimm genug, dass er so etwas im Internet hatte machen müssen.

Hobbys. Wer zum Teufel hatte Zeit für Hobbys? Und was verriet seine Lieblingsfarbe dem Computer darüber, wie seine Traumfrau auszusehen hatte? Abgesehen davon, dass das Ding Schwarz partout nicht hatte annehmen wollen. Außerdem funktionierten Maschinen besser als Menschen. Cole vertraute darauf, dass der Computer die perfekte Frau für seine Zwecke ausspucken und ihm vor die Füße werfen würde. Die Dating- Plattform war für High-Profile Klienten ausgelegt und kostete ihn achthundert Dollar im Monat. Dafür könnte er sich eine neue Krawatte kaufen. Und er mochte Krawatten. Sie hatte also verdammt noch mal gut zu sein!

„Eine Partnervermittlerin steht nicht zur Debatte“, stellte er klar. „Ich möchte dich für diese Aufgabe.“

„Aber warum?“, fragte sie perplex.

Er zuckte mit den Achseln. „Du kennst meinen Terminkalender und weißt, welche Gespräche du verschieben oder ausfallen lassen kannst. Du hast den Überblick darüber, welche Frauen meinem Presse-Image guttun würden und welche nicht. Und du bist die einzige Frau, die ich kenne, die mir ihre ehrliche Meinung verrät.“ Abgesehen vielleicht von seiner Schwester. „Und das brauche ich, um eine passende Ehefrau zu finden.“

„Aha.“ Savannah sah nicht überzeugt aus. Ihr Blick glitt nachdenklich über seine Züge, so als könne sie dort seine gemeinen Hintergedanken finden.

Aber er hatte keine. Savannah nervte, ja, doch sie war klug, ehrlich und eine Frau. Sie war die perfekte Kandidatin, seine Suche zu erleichtern.

„Weißt du“, sagte sie langsam, „zumindest eigenständig in die Wüste schicken könntest du deine Dates.“

„Ja, das könnte ich“, bestätigte er. „Aber das werde ich nicht. Denn ich habe nicht die Nerven und schon gar nicht die Zeit dazu. Ich würde die armen Mädchen wahrscheinlich auch total verschrecken, sodass sie für ihr Leben gezeichnet wären und womöglich nie wieder lieben könnten. Du hingegen: Du hast Nerven aus Stahl! Du hältst sogar dieses absurde Gespräch aus – und das qualifiziert dich ungemein für den Job.“

Sie schnaubte. „Es ist kein Job! Es ist eine Zumutung!“
„Eine gutbezahlte Zumutung“, erinnerte er sie. „Also, bist du einverstanden?“

„Wieso habe ich nur das Gefühl, dass ich mit einem Ja einen Pakt mit dem Teufel eingehen würde?“

Cole lachte leise. Sie war Realistin. Das gefiel ihm.

„Ich bin nicht an deiner Seele interessiert, Savannah. Nur an deinen organisatorischen Fähigkeiten.“

Sie stand auf und strich ihren Rock glatt. „Ich überlege es mir“, sagte sie und wandte ihm den Rücken zu. „Ich habe die Ahnung, dass meine Bezahlung bis morgen noch um fünftausend Dollar ansteigen wird. Außerdem hast du in zwei Stunden einen Pressetermin mit Coach Thompson, in dem ihr über eure gemeinsamen Strategien für die kommende Saison redet. Einkäufe, Verkäufe, bla, bla.“

Gemeinsame Strategien? Cole hatte Probleme mit dem Wort gemeinsam.

Savannah stieß die Tür auf und wandte sich noch einmal zu ihm um. „Da du sicherlich Probleme mit dem Wort gemeinsam hast“, sagte sie, „will ich, dass ihr beide euch eine halbe Stunde vorher in meinem Büro einfindet, damit ihr eure Geschichten aufeinander abstimmen könnt. Und außerdem hat die Frau von der SportsIn wieder angerufen. Sie möchte unbedingt ein persönliches Interview mit dir – und ein, zwei Kinder sicherlich auch.“

Cole verzog das Gesicht. „Hast du ihr gesagt, dass …“

„… du keine Interviews gibst? Ja, habe ich. Sie war nicht glücklich.“

Na, so mochte er Reporterinnen am liebsten.

Cole verabscheute die Presse. Er war mit ihr groß, aber nie warm geworden. Und seit sie seine Schwester praktisch dazu gezwungen hatte, den Staat zu verlassen, konnte er guten Gewissens sagen, dass er jedem Menschen mit Mikrofon und Kamera aus dem Weg ging – zu dessen eigenem Schutz.

„Ach, und du hast drei Einladungen zu diversen Benefizveranstaltungen bekommen, alle von gemeinnützigen Organisationen, denen du eine Menge Geld spendest. Möchtest du hingehen?“

Als ob sie seine Antwort nicht bereits kannte. „Nein, danke.“

„Natürlich nicht, denn du spendest ja nur dein Geld, nicht etwa dein Mitgefühl.“

Genauso war es. Cole hatte es mit dem Mitgefühl versucht und dadurch fast seine Anwaltslizenz verloren. Seitdem hielt er es für klüger, sich nicht mehr persönlich mit Menschen, denen es schlechtging, zu befassen. Er konnte auch helfen, ohne dass es ihm den Schlaf raubte.

„Danke, Savannah. Auch dafür, dass du den Job annehmen wirst.“

Sie schnaubte, schüttelte den Kopf und ging aus der Tür.

Lächelnd lehnte sich Cole in seinem Stuhl zurück und verschränkte die Hände in seinem Nacken. Ja, sie würde ihm helfen. Denn Cole bekam seinen Willen. Immer. Jetzt brauchte er nur noch eine hübsche Ehefrau, die sich mit diesem Umstand abfand und seinem Image nicht schadete. Dann hätte er all die Ziele, die er sich bis zu seinem fünfunddreißigsten Geburtstag gesteckt hatte, erreicht.

Cole war nicht der Meinung, dass man verheiratet sein musste, um glücklich zu sein. Im Gegenteil: Meistens hatte eine Hochzeit eher die umgekehrte Wirkung. Aber das galt nur für die Menschen, die aus Liebe heirateten. Cole machte sich nichts vor: Er war nicht für die Liebe geschaffen. Weder seine Arbeitszeiten, noch sein möglicherweise ein wenig abgestumpftes Herz ließen das zu. Abgesehen davon, dass er nicht an die wahre Liebe, oder wie die ganzen Schmonzetten es auch bezeichnen mochten, glaubte. Liebe war nichts weiter als ein hübsches Wort, das Menschen benutzten, um ihrem Partner leichter ein schlechtes Gewissen einreden zu können. Cole glaubte an sexuelle Anziehung, er war sogar ein Fan von sexueller Anziehung – und er hatte eine Reihe an Ex-Freundinnen, die das bestätigen konnten –, aber er machte immer wieder den Fehler, sich irgendwann mit den Frauen zu unterhalten, mit denen er schlief. Und meine Güte: Es gab so viele dumme, langweilige Menschen da draußen!

Jetzt galt es nur noch, einen zu finden, der ihn nicht ständig nervte, ihm zu nah auf die Pelle rückte oder belehren wollte, sodass er den Rest seines Lebens mit diesem Menschen verbringen konnte.
Er seufzte. Er musste einfach darauf vertrauen, dass Savannah genauso eine Person fand. Irgendeine süße, weiche Frau mit guten Tischmanieren, einer annehmbaren Bildung, einem hübschen Aussehen und keinen allzu großen Erwartungen an eine Ehe. Wie schwer konnte das schon sein?

Sein Telefon klingelte und froh um die Unterbrechung seiner stressigen Gedanken, hob Cole ab.

„Panther“, meldete er sich.

„Na Cole, wie läuft die Brautschau?“

Seufzend ließ Cole sich in seinen Stuhl zurücksinken. Er hatte nur einer Person von seiner Entscheidung zu heiraten erzählt – und das war sein bester Freund. Im Nachhinein war das vielleicht nicht die schlaueste Wahl gewesen. Das hatte Cole jedoch erst bemerkt, als Logan ihn bereits ausgelacht und als trauriges Geschöpf bezeichnet hatte. Aber mit irgendwem hatte er diese wichtige Entscheidung teilen müssen und eine Person, die sich zurzeit eintausendzweihundert Kilometer entfernt in Chicago befand, war ihm naheliegend erschienen. Logan konnte ihm seine Idee nicht offensiv ausreden und außerdem nicht von der Presse in eine Falle gelockt werden. Dass Cole es seiner Familie erzählte, hatte ohnehin nie zur Debatte gestanden. Er wusste genau, wie die einzelnen Familienmitglieder auf seine Ankündigung reagiert hätten – und auf das daraus resultierende Drama konnte er verzichten.

Sein Vater würde seine Entscheidung enthusiastisch bejahen und ihm erklären, dass er sich schon vor Jahren eine Frau hätte suchen sollen, die ihn auf Geschäftsessen begleiten konnte. Seine Mutter hätte Zweifel, würde sie aber nie aussprechen und weiterhin ihren Urlaub in den Hamptons genießen, den sie seit sieben Monaten nahm. Seine Brüder würden ihm grinsend erklären, dass keine Frau bei gesundem Menschenverstand sich auf eine Ehe mit ihm einlassen würde – wo Cole ihnen leider Recht geben musste – und seine Schwester würde sich gar nicht äußern, denn sie ignorierte seine Anrufe. Aber darum würde er sich später kümmern.

„Dir auch einen guten Tag, Logan“, sagte er langsam und wechselte die Hand, in der er das Telefon hielt. „Alles okay bei dir?“

„Ich kann mich nicht beklagen“, stellte sein Freund zufrieden fest. „Das Wetter ist zwar scheiße, aber wenigstens habe ich nicht entschieden, mich für die Ewigkeit zu binden.“

„Es ist der logische nächste Schritt in meinem Leben“, erklärte Cole, wandte sich mit seinem Sessel um und musterte das leere Baseballfeld, das sich unter ihm erstreckte. Es war Anfang Januar und die Saison würde erst in ein paar Monaten beginnen.

„Weißt du, genau das ist das Problem an der Sache“, erklärte Logan. „Du stehst auf Logik – aber das Leben tut es nicht. Und die Liebe schon gar nicht.“

Cole schnaubte. Liebe, witzig. „Seit wann bist du denn Verfechter der Liebe geworden? Du kannst das Wort monogam doch noch nicht einmal buchstabieren.“

„Was hat denn Liebe mit Monogamie zu tun?“, fragte Logan irritiert. „Ich liebe eben alle Frauen und möchte keine vernachlässigen.“

Jap. Um über Beziehungen zu sprechen, war Logan der absolut richtige Gesprächspartner. Cole kannte ihn noch aus der Highschool – und schon damals hatte er seine Freundinnen wie andere Socken gewechselt. Dann hätte Cole ja auch gleich mit Jake reden können!

„Jaja, du bist der heilige Samariter, der alle verletzten Frauen vom Wegesrand aufgabelt“, sagte er trocken. „Schon verstanden. Weswegen rufst du an?“

„Weil du mir eine kryptische E-Mail geschrieben hast, in der du um sofortigen Rückruf bittest.“

Ach ja, richtig. Die ganze Frau-fürs-Leben-finden-Sache hatte Cole kurzerhand seine weiteren Pläne fürs nächste Jahr vergessen lassen. „Was machst du nächsten Frühling?“, wollte er wissen.

Für einen kurzen Moment herrschte Stille, bevor Logan verwirrt fragte: „Du bittest mich um sofortigen Rückruf, weil du zusammen mit mir Urlaub machen willst?“

Cole musste grinsen. „So gerne ich auch zweisame Stunden mit dir zusammen auf Mauritius verbringen würde, es geht um Geschäftliches. Hast du für nächsten Frühling einen Auftrag? Sagen wir von Februar bis Ende April?“

„Ich habe diverse Anfragen, aber noch nirgendwo zugesagt. Das Geschäft läuft gut. Wieso fragst du?“

„Weil das Organisations- und Clubhouse aus dem letzten Loch pfeift und ich einen guten Bauunternehmer brauche, der diesen Umstand ändert.“

„Ah, und da hast du an mich gedacht? Mir brennt das Herz. Du willst doch nur eine Ausrede, um mich endlich eine Zeit lang in Philadelphia halten zu können.“

„Jaja, ich verzehre mich nach dir“, sagte Cole trocken. „Kannst du jetzt, oder nicht?“

„Möchtest du das Haus abreißen?“

„Nein, nur grunderneuern. Einige Wände herausschlagen, vielleicht ein kleiner Anbau.“

„Schade“, sagte Logan enttäuscht. „Ich liebe es, Häuser abzureißen.“

Ja, noch mehr als Frauen. „Hör mal, ich weiß, du hattest nie vor, nach Philadelphia zurückzukehren, aber es wäre nur für ein paar Monate und du tätest mir einen riesigen Gefallen damit. Ich habe wirklich keinen Nerv, mir den Pitch von einem inkompetenten Unternehmen nach dem anderen anzuhören. Du würdest mir eine Menge Stress ersparen.“

Logan seufzte schwer. „Kommst du mir jetzt damit, dass ich dir immer noch einen Gefallen dafür schulde, dass du deinem Vater damals erzählt hast, du wärst es gewesen, der die viertausend Dollar teure Vase umgestoßen hat?“

„Oh, daran habe ich gar nicht gedacht“, sagte Cole überrascht. „Aber ja, guter Punkt.“

Logan schnaubte. „Schön. Du zahlst gut. Als ob ich da Nein sagen könnte.“

Ja, genau. Logan brauchte dringend noch ein wenig mehr Geld. Damit er sich einen dritten Indoor-Pool kaufen konnte.

„Das höre ich doch gerne.“ Eine Sorge weniger. „Also, kann ich dir einen Zeitplan, den Umriss des Gebäudes und meine ungefähren Vorstellungen zukommen lassen und du erstellst mir bis nächste Woche ein Angebot?“

„Da hat es aber jemand eilig.“

„Zeit ist Geld.“

„Nein. Geld ist Geld. Und ich will viel davon. Ich bin teuer, Cole.“

Ja, eine Gemeinsamkeit, die sie beide verband. „Schick mir einfach einen Kostenvoranschlag und ich werde ihn prüfen.“

„Alles klar. Du hast mir übrigens immer noch nicht gesagt, wie die Brautschau läuft.“

Super. Waren sie etwa wieder bei diesem Thema?

„Es verläuft schleppend“, erklärte Cole wahrheitsgemäß. „Ich habe es mir einfacher vorgestellt, die perfekte Frau zu finden.“ Sein Blick fiel auf eine kleine Gestalt, die auf den grünen Teil des Spielfelds joggte. Savannah. Sie hatte in den letzten Wochen öfter ihre Runden auf dem zurzeit unbenutzten Platz gedreht. Immer wenn sie gegen Stress ankämpfen musste. Cole ging davon aus, dass er besagter Stress war. Ein Lächeln breitete sich auf seinen Zügen aus.

„Mann, Mann, Mann“, sagte Logan auf der anderen Seite. „Du hast den Bezug zur Realität auch völlig verloren, oder? Nur weil du reich bist und die Frauen sich dir an den Hals werfen, heißt das nicht, dass du es einfacher damit hast, eine fürs Leben zu finden.“

Aber warum denn nicht?

„Es wird bald alles simpler werden“, versprach Cole. „Ich stelle eine Assistentin ein, die mein Liebesleben koordiniert.“

„Heiß.“

Mhm. War Savannah heiß? Er dachte an die Nimm mich-Schuhe, die sie andauernd trug, an die dunklen Haare und Augen. Ja, er schätzte, sie konnte mit heiß betitelt werden – solange sie ihren Mund geschlossen hielt. Aber Cole fing grundsätzlich nie etwas mit seinen Untergebenen an. Das brachte nichts als Ärger. Deswegen hatte er nie allzu viele Gedanken an das Aussehen seiner PR-Beraterin verschwendet. Bei der Vorstellung von Savannahs Gesichtsausdruck, den sie bei dem Wort Untergebenen bekommen würde, musste er lächeln.

„Jap, sie wird das Ganze für mich vereinfachen.“ Und vielleicht etwas unterhaltsamer machen.

„Bist du sicher, dass du dir da nichts vormachst?“ Logan klang nicht überzeugt. „Noch eine weitere Frau in die Gleichung zu nehmen, kommt mir nicht wie ein guter Plan vor.“

Nun, wenn er das so sagte … Cole fixierte erneut Savannah, die mittlerweile zu kleinen Sprints übergegangen war. Meine Güte, sie musste ja einen denkbar schlechten Tag haben. Jetzt fing sie auch noch an, Hampelmänner zu machen. Sein Lächeln wurde breiter. Ja, Savannah würde seine Suche definitiv amüsanter machen.

„Ich bin mir sicher“, sagte er überzeugt. „Mit ihrem Organisationstalent habe ich in wenigen Wochen die richtige Frau für mich gefunden.“

Und er betete, dass das stimmte. Er hatte seit zwei Monaten keinen Sex mehr gehabt und sich vorgenommen, dass die nächste Frau, mit der er schlief, seine zukünftige Ehefrau sein würde. Wie hatte er nur vergessen können, dass er ein ungeduldiges, kaltblütiges Arschloch war – und diese Tatsache sich ohne Sex definitiv nicht zum Besseren wenden würde?

Kapitel 3

Nachdem Savannah ihre Wut auf Cole Panther eine halbe Stunde lang mit Sprints und Muskeltraining auf dem Baseballfeld abreagiert hatte, duschte sie und ging dann zurück in ihr Büro. Jake Braker, selbsternannter Skandal-Spieler der Delphies, hatte sich zu Weihachten einen Dreier mit zwei Playmates geschenkt – und der Zeitung die dazu passenden Fotos. Das war nun schon eine Woche her, aber die Medien zerrissen sich noch immer das Maul darüber und es wurde Zeit, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Das verhielt sich jedoch schwierig, wenn der schuldige Spieler nicht einsah, dass sein ausschweifendes Privatleben dem Mannschaftsimage schadete.

Savannah ordnete gerade die Artikel, die in der letzten Woche über Jake veröffentlicht worden waren, als es an der Tür klopfte.

„Tritt ein, wenn du nicht Cole Panther bist“, rief sie und im nächsten Moment steckte Sam Parker, ihr PR-Kollege, den Kopf ins Büro.

„Savannah, redest du mit Jake über den Dreier?“

Savannah schnaubte. Das fehlte ihr gerade noch. „Warum ich? Rede du mit ihm!“

„Ich möchte aber nicht“, sagte er schlicht. „Ich habe schon so viel mit Jake über sein unangemessenes Sexleben geredet, dass ich mir wie sein Therapeut vorkomme. Er hat Angst vor dir, das könntest du zu deinem Vorteil nutzen. Sag ihm, er soll die Hosen anbehalten, sonst versohlst du seinen Hintern.“

„Wenn ich ihm das so sage, Sam, könnte er mich wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz anzeigen.“

„Mit dem Risiko wirst du wohl leben müssen. Außerdem hat Jason Collins einen Rassismus-Vorwurf am Hals, es würde nicht schaden, wenn er demnächst mal in Ryans Armen abgelichtet wird“, fuhr Sam fort.

„Jason ist nicht rassistisch. Er ist nur ein Arsch.“

„Mir brauchst du das nicht zu sagen“, stellte Sam fest. „Sag das dem farbigen Reporter, dem Jason den Mittelfinger gezeigt und das Mikro aus der Hand geschlagen hat.“

„Schön“, seufzte Savannah und machte sich zwei Notizen auf einem Post-it Zettel. Die Liste ihrer Aufgaben wurde immer länger. Sam würde die nächsten Wochen mit den Vorbereitungen für das Trainingscamp und das Mannschaftsbowlen verbringen. Der Rest würde ihr zufallen. Sie sollte Cole absagen. Sie hatte keine Zeit, auch noch seine Probleme zu lösen.

„Gibt es sonst noch was?“

„Ja, hast du Cole schon gefragt, ob er am Mannschaftsbowlen teilnimmt? Der Herr Eigentümer sollte sich endlich mit all seinen Spielern ablichten lassen. Das würde unserer Publicity ganz guttun.“

Savannah seufzte schwer. „Ich werde fragen, aber er wird nicht zusagen.“ Denn Cole war allergisch gegen jegliche Mannschaftsaktivitäten oder einfach generell Dinge, die zu viel Spaß machen könnten.

„Tu einfach dein Bestes. Ich geh‘ jetzt nach Hause und bin dann morgen den ganzen Tag nicht zu erreichen. Chloe zwingt mich dazu, mein Handy im Kühlschrank zu lassen, während wir auf Wohnungssuche gehen – sonst bricht sie in mein Büro ein und schreddert alle meine Akten. Ich glaube, sie hat es nicht ernst gemeint, aber … ich will kein Risiko eingehen.“

Chloe war Sams Freundin, die, nachdem Sam sie zehntausendmal darum gebeten hatte, endlich zugestimmt hatte, mit ihm zusammenzuziehen. Außerdem war Chloe die einzige Person, die ihn zu irgendetwas zwingen oder überreden konnte. Ihre Macht war groß.

„Du bist so ein Pantoffelheld“, meinte Savannah kopfschüttelnd.

„Na, du brauchst ja auch keine Angst zu haben. Dein Büro sieht aus, als wäre Chloe schon hier gewesen“, schnaubte Sam und wollte die Tür schon schließen, als ein zweiter Kopf im Türrahmen erschein.

„Hey, Cara“, sagte Sam, nickte Savannah zu und ließ die rothaarige Frau in Savannahs Büro, bevor er die Tür hinter ihr schloss.

„Hey“, sagte Savannah lächelnd und warf die Artikel über Jake auf ihren Tisch, der mit so viel Papierkram, Stiften und Notizzetteln überhäuft war, dass man das Holz darunter kaum noch erkennen konnte. „Ich hatte erst in ein paar Stunden mit dir gerechnet.“

Cara Turner, Catering-Beauftragte der Delphies und mittlerweile Savannahs beste Freundin, seufzte schwer und ließ sich in den Stuhl ihr gegenüber sinken. „Ich habe heute Abend einen Auftrag bei einer Charity-Gala und werde morgen damit verbringen, für Samstag zu packen, da dachte ich, hole ich mir mein Geld jetzt schon.“

Savannah nickte und kramte nach dem Scheck, der noch für die von Cara gecaterte Silvesterfeier der Delphies ausstand. „Bist du nervös?“

Cara würde Samstag für ein paar Tage zusammen mit ihrem Sohn und ihrem Ex, Tyler, Vater ihres Kindes, auf ein Familientreffen nach Florida reisen. Tyler Brady war Spieler der Delphies und Savannah kannte ihn. Sie trafen sich des Öfteren im Fitnessraum der Organisation. Wenn sie ehrlich war, dann mochte sie ihn. Er war ein netter Kerl – was jedoch nichts daran änderte, dass Cara und er leichte Kommunikationsschwierigkeiten hatten. Savannah meinte genau zu wissen, woran das lag, aber es war nicht ihre Aufgabe, ihrer Freundin die Augen zu öffnen. Noch nicht.

„Klar bin ich nervös“, meinte Cara schnaubend. „Aber Danny freut sich unglaublich und Ty und ich kommen im Moment gut zurecht, also … es wird schon schiefgehen.“ Sie kaute auf ihrer Unterlippe herum und Savannah wartete geduldig darauf, dass sie noch etwas sagte. Denn das würde sie.

„Es ist nicht wichtig, wie ich aussehe, oder?“, fragte Cara wenige Momente später.

Überrascht beugte sich Savannah in ihrem Stuhl nach vorne und betrachtete irritiert Caras Pullover und ihre ausgewaschene Jeans. „Was?“

Ihre Freundin hatte sich nie mit schicken Klamotten oder gar hohen Schuhen anfreunden können. Aber das war auch gar nicht nötig. Mit ihrem kurvigen Körper und den roten Haaren müsste Cara schon einen Kartoffelsack tragen, damit Männer sich nicht nach ihr umsahen. Sie war die Einzige, der das nicht bewusst war.

„Es ist egal, wie ich aussehe“, wiederholte Cara. „Oder?“

„Ähm … ein wenig Kontext wäre jetzt von Vorteil, denke ich.“

„Für das Familientreffen.“ Cara seufzte und strich sich fahrig ein paar rote Strähnen aus der Stirn. „Ich sollte mir nicht so einen großen Kopf darum machen, wie ich aussehe. Nur weil Ty dabei ist. Er ist mir nicht wichtig. Warum sollte ich hübsch sein wollen? Ich habe ein sehr erfolgreiches Business und ein Kind, um das ich mich kümmern muss. Es sollte mir egal sein.“

„Cara, Süße“, sagte Savannah sanft. „Du bist Mutter – nicht tot. Es ist vollkommen normal, dass du gut aussehen willst. Selbst wenn Ty dir egal ist. Ich möchte mich einmal kurz zitieren: Ein Kind zu haben, bedeutet nicht, dass du dein Privatleben aufgeben musst. Und ich sag‘ dir seit Monaten, dass du anfangen solltest, dich mit Männern zu treffen. Ich spiel‘ auch den Babysitter.“

„Ich kann nicht daten! Ich weiß gar nicht mehr, worüber man mit einem Mann redet.“

„Über alles, worüber du auch mit mir redest“, erklärte Savannah, auch wenn sie zugeben musste, dass es bei ihr selbst eine Ewigkeit her war, dass sie ausgegangen war. Aber sie hatte im Moment einfach keine Geduld dazu, sich auch noch einen Mann zu suchen. „Und du siehst wunderbar aus“, fügte sie nach einer kurzen Pause hinzu. „Du bist schön und erfolgreich und jeder Mann könnte glücklich sein, dich als Gesprächspartnerin zu gewinnen.“

Cara lächelte matt. „Danke. Aber mich mit Männern zu treffen, steht nicht weit oben auf meiner To-do-Liste.“

Das sollte es aber. Sie hatte die letzten sechs Jahre ein Kind großgezogen und ein erfolgreiches Business aufgebaut. Sie verdiente einen liebevollen Mann, der sie liebte und auf Händen trug.

„Ich sag‘ dir was.“ Savannah faltete ihre Hände auf dem Tisch und sah sie ernst an. „Mit einem Mann auszugehen, wird dein nachträglicher Jahresvorsatz. Silvester liegt noch nicht weit zurück“, schlug Savannah vor und überreichte Cara den Umschlag mit dem Scheck.

Cara verzog das Gesicht und entzog ihr das Papier. „Ich überlege mir das mit dem Mann“, sagte sie und wiegte ihren Kopf von der einen Seite zur anderen.

„Nicht überlegen, machen“, orderte Savannah. „Wenn du anfängst nachzudenken, ist alles verloren.“

„Ich kann das Nachdenken nicht einfach so abschalten.“

„Dafür hat der liebe Gott den Alkohol erfunden“, belehrte Savannah sie. „Für uns arme, intellektuelle Frauen, die nicht aufhören können, jedes Wort auf die Goldwaage zu legen.“

Cara verdrehte die Augen, lachte aber.

„Schön. Wenn ich nach dem Familienurlaub des Grauens meinen Vorsatz angehen soll, dann musst du aber auch deinen angehen.“ Herausfordernd hob sie die Augenbrauen in Savannahs Richtung. „Ich weiß, dass du einen hast, auch wenn du mir nicht verraten willst, welcher das ist. Du wolltest den geheimnisvollen Grund, warum du nach Philadelphia gezogen bist, aus dem Weg schaffen. Wieso genau bist du eigentlich hergekommen?“

Savannah öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Sie sog ihre Unterlippe ein, spuckte sie wieder aus und seufzte schließlich tief.

Sie hatte niemandem erzählt, weshalb sie eigentlich nach Philadelphia gezogen war. Entgegen der Annahme aller hatte sie Boston nicht des Jobs wegen verlassen. Nein, sie hatte einen Plan gehabt – und seine Umsetzung immer wieder vor sich hergeschoben.

„Ich denke drüber nach“, murmelte sie schließlich. So, wie sie das vergangene Jahr über darüber nachgedacht hatte.

„Über was denkst du nach? Was ist es, das du hier unbedingt tun musst?“

„Ich erzähle es dir ein anderes Mal“, versprach Savannah und spürte, wie ihr das Blut ins Gesicht floss.

Cara sah sie mitfühlend an, kam um den Schreibtisch herum und umarmte sie fest.

„Jeder hat sein Päckchen zu tragen“, murmelte sie. „Und Freunde sind dafür da, die Last zu erleichtern.“

„Ich weiß.“

„Nein, das weißt du nicht“, meinte Cara, löste sich von ihr und sah sie ernst an. „Du redest nicht über deine Probleme. Mit niemandem, nicht einmal mit mir. Aber du kannst es lernen.“

Savannah lachte, auch wenn ihr nicht danach zumute war.

„Deal. Ich lerne, anderen zu vertrauen und du verträgst dich mit Ty und gehst auf ein Date, sobald du aus dem Urlaub zurück bist.“

Cara verzog das Gesicht. „Das ist ein Scheiß-Deal. Du führst wirklich eine harte Verhandlung.“

Ja, Savannah hatte bei dem Besten gelernt.

„Wir können die Einzelheiten der Abmachung ja Samstag früh erörtern“, meinte sie lächelnd. „Das Pfannkuchenfrühstück steht noch?“

Cara nickte. „Ja. Aber ich werde nichts unterschreiben!“

Das würden sie dann ja sehen.

 

Savannahs Wohnung lag keine drei Straßen vom Stadion entfernt. Und dennoch war der Weg zu lang, um ihn in Zwölf- Zentimeter-High Heels zurückzulegen, weswegen sie meistens ein zweites Paar Schuhe mit sich trug. Der Himmel war bereits tiefschwarz und nur mit vereinzelten Sternen gespickt, als sie endlich ihre Handtasche nahm und das Büro verließ. Sie war zumeist die Letzte, die ging. Mit Ausnahme vielleicht von Cole. Savannah fand nicht, dass sie das zu einem Workaholic machte. Sie hatte schlichtweg nichts Besseres zu tun. Sie hatte kein aufregendes Hobby – und wer hatte bitte die Zeit dafür? –, sie hatte keinen Freund, keine Kinder und kein Haustier. Stattdessen hatte sie eine unnormal große Sammlung an Teesorten, ein Miniaturhaus aus Q-tips und ein Faible für kitschige Liebesfilme. Das mochte sich traurig anhören, aber sie war nicht unglücklich. Sie schätzte ihr stetes und sicheres Leben. Denn sie wusste aus Erfahrung, dass nicht jedem dieses Glück vergönnt war. Wollte sie gerne heiraten und Kinder bekommen? Vielleicht. Hielt sie es für wahrscheinlich, dass sie sich verliebte und mit ihrem Prinzen in den Sonnenuntergang ritt? Nein.

Savannah glaubte an die Liebe. Sie war davon überzeugt, dass es Menschen gab, die füreinander geschaffen waren. Aber es fiel ihr schwer, das für sich selbst zu sehen. Sie trug zu viele Altlasten mit sich herum. Sie war eine menschliche Mülldeponie und ziemlich sicher, dass sie nicht dazu in der Lage war, ehrlich und tief zu lieben. Denn es hatte ihr nie jemand beigebracht und sie wusste nicht, wo und wie sie es lernen konnte.

Etwas außer Atem erreichte sie ihren Apartmentblock und, während sie mit der einen Hand die Haustür aufschloss, trug sie in der anderen die High Heels, die sie partout nicht in ihre Handtasche hatte stopfen können, ohne zu riskieren, das Display ihres Handys zu zerstören.

Savannah wohnte im ersten Stock, und als sie schließlich den Flur zu ihrer Wohnung betrat, stand da eine kleine, etwas verloren wirkende Gestalt vor ihrer Tür. Savannahs Herz wurde schwer. Mrs. Bernard war dement und eigentlich kümmerte sich eine Vollzeitpflegekraft um sie, weil sie sich partout weigerte, ins Heim zu gehen. Doch die Pflegekraft war bemerkenswert unaufmerksam und die alte Dame schaffte es immer wieder, sich aus der Wohnung zu stehlen – nur um dann zu vergessen, was sie hatte tun wollen oder wo ihr Zuhause war.

Savannah setzte ein Lächeln auf und hob die Hand zum Gruß, als die grauhaarige Frau, deren Gesicht mehr Linien zeichneten als ein kariertes Blatt, zu ihr aufblickte.

„Oh, Miss Gordon“, grüßte sie Savannah freudig.

Savannah gab sich nicht die Mühe, die alte Dame zu korrigieren. Sie würde ihren richtigen Nachnamen ja doch wieder vergessen. „Hallo, Mrs. Bernard. Na, haben Sie einen kleinen Spaziergang unternommen?“

Die Frau nickte. „Ja, aber jetzt passt der Schlüssel nicht mehr in meine Wohnungstür“, sagte sie sichtlich verwirrt und deutete auf den Eingang vor sich. „Seit fast fünfzig Jahren wohne ich hier und das ist mir noch nie passiert.“

„Es tut mir leid, Mrs. Bernard, aber das hier ist meine Wohnung. Ihre ist die gegenüber, erinnern Sie sich?“ Savannah ließ ihre Tasche und Schuhe auf den Boden sinken, legte einen Arm um ihre Nachbarin und drehte sie zu ihrer eigenen Wohnungstür. „Sie wohnen in der Nummer 18.“

„Oh, mein Sohn hat am 18. Juli Geburtstag. Er ist ein stattlicher Mann, kennen Sie ihn?“

„Ja, ich bin ihm bereits begegnet.“ Savannah lächelte und klingelte bei Mrs. Bernard an der Tür. Die Pflegerin würde wohl noch drinnen sein.

„Er ist Anwalt“, sagte Mrs. Bernard stolz. „Genauso wie mein Enkel. Sie sind wirklich wunderbar. Vergessen nie meinen Geburtstag.“

Anwalt. Was hatten denn alle Leute nur immer mit Anwälten? So besonders waren die nun echt nicht. Cole war schließlich auch einer.

„Sie haben wirklich eine tolle Familie“, bestätigte Savannah und nahm Schritte hinter der Tür wahr.

„Ja.“ Mrs. Bernard lächelte so glücklich zu ihr hinauf, dass ein Fremder nie damit gerechnet hätte, dass sie ab und an die Kloschüssel mit dem Wäschekorb verwechselte und ihre dreckigen Unterhosen in die Kanalisation spülte.

„Familie ist das Wichtigste, finden Sie nicht auch?“, fragte sie. „Wenn man von Menschen umgeben ist, die einen lieben, kann man nicht viel falsch machen. Als ich meinen Harry kennengelernt habe, habe ich meinen Eltern noch am selben Tag erzählt, dass ich den Mann fürs Leben gefunden habe. Wir waren Tretboot fahren, als er mir den Antrag gemacht hat, und ich Tollpatsch habe meinen Ring ins Wasser fallen lassen. Aber Harry hat es sich nicht nehmen lassen, ihm sofort hinterherzuspringen. Echte Männer machen sich für die Frau, die sie lieben, nämlich nass!“

Savannahs Mundwinkel zuckten und sie war froh, dass in diesem Moment die Tür aufging. Sie war sich nicht sicher, ob sie einen Mann haben wollte, der sich nass machte.

„Mrs. Bernard, wie sind Sie denn wieder entwischt?“, fragte die verdutzte Pflegerin, sobald sie die Situation erfasst hatte. „Danke sehr, Miss Thomas. Ich weiß nicht, was ich ohne Sie machen würde.“

„Kein Problem“, meinte Savannah kopfschüttelnd.

Mrs. Bernard interessierte sich nicht für die Konversation. Stattdessen sah sie Savannah interessiert an. „Sind Sie verheiratet?“

Jeden Tag dieselbe deprimierende Frage. „Nein, Mrs. Bernard“, gab Savannah zu. „Bin ich nicht.“

„Mhm.“ Die alte Dame betrachtete sie unzufrieden. „Sie sind hübsch genug. Sie sollten sich einen Mann angeln. Und wenn Sie ihn gefunden haben, sagen Sie frühzeitig Ihren Eltern Bescheid, damit Sie nicht aus allen Wolken fallen. Meine waren trotz Vorwarnung überrascht.“

Das war nichts, womit sich Savannah würde herumschlagen müssen.

„Das werde ich tun“, sagte sie dennoch, bevor sie Mrs. Bernard in die Obhut ihrer Pflegerin gab und sich zu ihrer eigenen Haustür umwandte.

Seufzend schulterte sie ihre Tasche, klaubte die Schuhe vom Boden und öffnete ihre Wohnung. Savannah verdiente genug Geld, um sich ein größeres Apartment leisten zu können. Aber mehr Platz würde nur bedeuten, dass sie sich noch einsamer fühlte. Und wer brauchte das?

Sie hatte eine gemütliche Wohnküche, ein geräumiges Schlafzimmer und ein Badezimmer, das beides, Dusche und Badewanne, beherbergte. Das war mehr als genug und immer noch bei Weitem größer als viele der Wohnungen, die sie sich beizeiten mit vier Pflegegeschwistern geteilt hatte.

Savannah hängte ihre Jacke an die Garderobe, die eine Ecke des Wohnbereichs zierte, stellte ihre Schuhe darunter und lief in die Küche, um sich eine ihrer vierunddreißig Teesorten auszusuchen. Cara hatte einmal bemerkt, dass sie sich kleidete wie ein Supermodel, aber lebte wie ein altes Hausmütterchen. Vielleicht war da etwas Wahres dran. Aber Savannahs Äußeres diente nun einmal einem größeren Zweck – es verlangte nach Autorität, Respekt und Distanz – während ihre Wohnung nur dafür diente, sich wohlzufühlen. Wenn sie freie Wahl hätte, würde sie weder Bleistiftrock noch High Heels tragen. Aber die Gesellschaft ließ ihr keine Wahl. Sie war eine Geschäftsfrau und die hatten sich nun einmal zu kleiden, wie sie es tat und zu verhalten, wie es die Branche verlangte, sonst würde sie von der Welt verschluckt und wieder ausgespuckt werden.

Routiniert stellte sie den Wasserkocher an, bevor sie in ihr Schlafzimmer ging, um ihren Arbeitsdress durch Jogginghose und weites T-Shirt zu ersetzen. Während ihr Tee zog, stellte sie den Rest Chinanudeln von gestern in die Mikrowelle und schaltete den Fernseher an. Ihr Blick fiel auf das Haus aus Q-tips, das sie danebengestellt hatte. Stöhnend legte sie den Kopf in den Nacken. Okay, das war vielleicht doch eine Art Armutsbescheinigung und zum ersten Mal seit langem hatte Savannah das Bedürfnis, nicht alleine zu sein. Sie hatte nicht viele Freunde. Sie hatte Arbeitskollegen, mehrere lockere Bekannte, zwei gute Freundinnen, die sie noch aus Boston kannte und mit denen sie allwöchentlich schrieb oder telefonierte, und Cara. Die Köchin schien auf wundersame Weise immer zu wissen, was Savannah gerade beschäftigte. Vielleicht war das der Grund, warum sie innerhalb des letzten Jahres zu ihrer besten Freundin geworden war. Das und die Tatsache, dass Savannah ein Stück von sich selbst in ihr gesehen hatte. Ein Stück von ihrer Unsicherheit, ein Stück von ihrer erzwungenen Selbstständigkeit und ein Stück von ihrer zeitweiligen Einsamkeit. Aber Cara konnte sie nicht anrufen, weil die ja das Essen für irgendeine Charity Gala vorbereitete.

Normalerweise machte es Savannah nichts aus, nur eine Handvoll Menschen zu haben, denen sie vertraute oder von ihrem Leben erzählte. Sie behielt ihre Vergangenheit ohnehin lieber für sich. Das war kein Thema, das man schnell mal mit einer Flasche Wein auf dem Tisch erörterte. Aber heute …

Familie ist das Wichtigste, finden Sie nicht auch?

Die Mikrowelle gab einen hellen Ton von sich und Savannah zuckte zusammen. Über sich selbst den Kopf schüttelnd, warf sie den Teebeutel in den Mülleimer und holte das heiße Essen aus dem Gerät, um sich damit auf die Couch zu fläzen.

Vielleicht wurde es Zeit, überlegte sie. Cara hatte vollkommen recht. Sie war nicht aus einer Laune heraus nach Philadelphia gezogen. Sie hatte einen Plan verfolgt, den sie sich bis heute noch nicht getraut hatte umzusetzen.

Seit fast zwei Jahren lebte sie jetzt hier … und seit fast zwei Jahren rannte sie vor der Wahrheit davon. Sie hatte Angst. So unglaubliche Angst, dass sie nachts schweißgebadet aufwachte und nicht mehr einschlafen konnte. Es war leicht, nach außen hin stark zu sein, das hatte sie über die letzten einunddreißig Jahre hinweg perfektioniert. Es war schwerer, sich seine Schwächen einzugestehen. Alles, was Savannah sich in ihrem Leben gewünscht hatte, war ein Zuhause. Und sie war nach Philadelphia gezogen, um es zu finden – nur bis jetzt zu feige gewesen, es zu suchen.

Aber sie trat auf der Stelle, seit Jahren schon. Sie musste wissen, wo sie herkam, um zu lernen, wo sie hinwollte – und wie es der Zufall so wollte, hatte sie schon monatelang darüber nachgedacht, Cole um Hilfe zu bitten. Und jetzt endlich hatte sie ihn in einer Position, in der er ihrer Bitte ohne weitere Nachfrage nachkommen würde.

Sie steckte ihre Gabel in die Chinanudeln und nahm einen Bissen.

Sie würde ihm dabei helfen, seine perfekte Frau zu finden – und er würde ihr dabei helfen, ihre Familie zu finden. Sie hoffte nur, dass sie eine hatte.

Manchmal wünschte sich Cole, einfach keine Familie zu haben. In letzter Zeit häufiger als manchmal. Man durfte ihn nicht falsch verstehen, er liebte seine Familie, auch wenn jedes Mitglied auf seine eigene Art eine Herausforderung war, die Cole am liebsten nicht bezwingen würde. Aber als der Älteste von Vieren, fühlte er sich für diverse Dinge verantwortlich. Vielleicht hatte das damit zu tun, dass er schon immer derjenige gewesen war, der wusste, wie man am besten mit ihrem strengen und unterkühlten Vater umging. Vielleicht, weil es schon immer seine Aufgabe gewesen war, auf seine Geschwister achtzugeben, wann immer es seine Eltern versäumt hatten. Er wusste es nicht – aber es war erschöpfend. Doch er war unfähig, dieses Verantwortungsgefühl abzuschütteln und bei Gott, er hatte es versucht. Aber wenn er es nicht tat … dann würde es niemand anderes tun.

Wenn er seinen jüngsten Bruder Callum nicht daran erinnerte, ab und an seine Wohnung zu verlassen und seinen Algorithmus oder seine Drohne, oder woran immer er auch gerade arbeitete, stehen zu lassen, dann wäre der wahrscheinlich längst verhungert und unfähig, eine vernünftige Unterhaltung zu führen. Wenn er Cooper, den mittleren Bruder, nicht alle paar Wochen zu einem Treffen zwingen würde, wer würde dann sichergehen, dass er sich nicht bei einem seiner Fallschirmsprünge oder Flugmanöver umbringen würde? Und wenn er Callie, Coopers Zwillings- und Coles einzige Schwester, nicht dazu brachte, endlich nach Hause zu kommen … wer würde dann dafür sorgen, dass es ihr gut ging?

Also ja, er liebte seine Familie. Aber sie war verdammt noch mal anstrengend. Denn Cole war mittlerweile ein gewisses Maß an Respekt gewohnt … was seinen Brüdern scheißegal war.

„Na, Cole, hast du was Schlechtes gegessen oder warum ziehst du schon wieder ein Gesicht, als hätte jemand in dein Sushi gespuckt?“

„Halt die Klappe, Coop, und lass mich rein. Ist Cal schon da?“

Cooper grinste, nickte und trat beiseite. „So kennen und lieben wir unseren Cole – ein Sonnenschein, der den Raum erhellt.“

„Ist Cole da und verbreitet wieder schlechte Laune?“, kam eine Stimme aus Coops Wohnzimmer. „Und dafür habe ich mein Projekt, das das Leben Hunderter verschönern wird, alleingelassen?“

„Wenn du das Leben der Menschen verschönern willst, zieh dir einfach einen Sack über den Kopf, Cal“, schlug Coop schnaubend vor und schloss die Tür hinter seinem Bruder.

„Wir haben dasselbe Gesicht, Süßer, also hör auf, dich selbst zu beleidigen!“, kam es zurück.

„Können wir uns einfach darauf einigen, dass ich der Schönste von uns bin?“, schlug Cole vor. „Und ich hoffe, du hast Bier da, ich brauche was zu trinken.“

Coop sah ihn mitleidig an und klopfte ihm auf die Schulter. „Du warst der erste Pfannkuchen, Cole. Jeder weiß, dass der erste Pfannkuchen der Hässlichste ist. Und deswegen hast du das Bier nötiger als wir alle.“

Er verschwand in der Küche zu seiner Linken, während Cole sich nach rechts wandte, um den letzten Pfannkuchen zu begrüßen.

Insgeheim musste er Callum recht geben. Blaue Augen und schwarze Haare waren nun einmal das Panther-Familienerbe, um das niemand herumgekommen war. Sie drei sahen sich so ähnlich, dass es sinnlos war, ihr Aussehen gegenseitig zu beleidigen – was sie alle nicht davon abhielt, es dennoch zu tun.

Callum saß mit einem Bier in der Hand auf der breiten Ledercouch in Coopers geräumigen Wohnzimmer und stand grinsend auf, als er Cole erblickte. Er trug ein T-Shirt mit einem Ladebalken darauf und schob sich seine Brille höher auf die Nase, bevor er Cole eine brüderliche Umarmung und einen heftigen Schlag auf den Rücken gab.

„Du siehst wirklich gestresst aus“, stellte er fröhlich fest. „Hängt Dad immer noch bei dir auf der Arbeit rum und kontrolliert jeden deiner Schritte?“

Ja, aber deswegen war er nicht gestresst. „Mit Dad komm‘ ich klar, aber danke fürs warme Hallo“, meinte Cole, zog sich seine Anzugjacke aus, warf sie über die Lehne und ließ sich neben seinen Bruder in das Polster sinken. „Du siehst aus, als hättest du die letzten drei Nächte nicht geschlafen.“

„Nun, das habe ich ja auch nicht“, sagte Cal und prostete ihm zu. „Und natürlich kommst du mit Dad klar. Du bist ja auch sein goldener Junge … bis auf den einen Ausrutscher, über den wir uns übrigens alle in dieser Familie gefreut haben.“ Er tätschelte Cole die Schulter. „Hat dich ein bisschen menschlicher gemacht. Wir hatten zwischendurch Angst, dass du deine Seele dem Teufel verkauft hast.“

Ja, sein kleiner Ausrutscher riesigen Ausmaßes, wie Callum nur zu genau wusste. Aber mehr Mitgefühl als den Schultertätschler würde Cole von Cal nicht bekommen – Gott sei Dank.

„Meiner Seele geht es gut, danke“, murmelte Cole und nahm das Bier entgegen, das der gerade hereingekommene Coop ihm reichte.

„Reden wir über Coles legendären Ausraster?“, wollte er neugierig wissen und nahm im Sessel ihnen gegenüber Platz. „Der ist doch ein alter Hase. Fast anderthalb Jahre her, oder nicht? Wir sollten lieber über die neuesten Entwicklungen in Coles Leben reden …“ Coops Grinsen wurde breiter und Cole wurde unwohl zumute. Er konnte doch nicht …

„Was für neue Entwicklungen?“, wollte Callum verwirrt wissen. „Ich dachte, wir beide hätten uns letztens noch darauf geeinigt, dass Coles Leben langweilig ist?“

„Das wird sich möglicherweise bald ändern“, versprach Coop und legte eine Hand auf seine Brust. „Denn unser süßer Cole hat vor zu heiraten!“

Ach du Scheiße.

„Was? Wen?“, fragte Cal verdattert. „Welche Frau wäre lebensmüde genug?“

Stöhnend legte Cole seinen Kopf über die Lehne und schloss die Augen. Alles, was jetzt noch kam, würde er nicht mitansehen wollen. Um das Hören würde er wohl nicht herumkommen.

„Oh, er hat noch keine Frau. Aber er hat vor, sie in den nächsten drei Monaten zu finden“, erklärte Coop neunmalklug. „Er hat sich auf einer Elite-Dating-Seite angemeldet und alles.“

Cal brach in Gelächter aus „Ist das dein Ernst, Cole?“

„Woher zum Teufel weißt du das überhaupt?“, fragte Cole und richtete sich auf. Wo war sein Bier?

„Von Callie“, erklärte sein Bruder grinsend. „Ich soll dir von ihr ausrichten, dass sie gerne Fotos von deinen Bewerberinnen hätte. Ich übrigens auch.“

„Du hast Kontakt zu Callie?“, fragte Cole fassungslos. Er versuchte seit Wochen, sie zu erreichen! Erfolglos.

„Natürlich habe ich Kontakt zu ihr. Was für ein schlechter Bruder wäre ich, wenn es anders wäre?“, fragte er scheinheilig.

Cole schnaubte und leerte sein Bier in drei Zügen. Es war so klar: Wenn irgendjemand wusste, wie es Callie ging oder was sie tat, dann war es Coop. Er beteuerte immer noch, dass Zwillinge übersinnliche Fähigkeiten hatten und er spürte, wenn es ihr schlecht ging.

„Aber woher weiß sie es?“, fragte er weiter. Mit dem Callie-Problem würde er sich nachher beschäftigen. „Ich habe es nur einer Person erzählt!“

Cooper winkte ab. „Sie hat es von Logan. Hat ihn wegen irgendeiner rechtlichen Frage angerufen, keine Ahnung, auf jeden Fall –“

„Sie hat Logan wegen einer rechtlichen Frage angerufen?“, explodierte Cole und knallte seine Bierflasche auf den Tisch. „Der Clown hat drei Semester Jura studiert, bevor er alles hingeschmissen hat, um im Dreck zu spielen! Ich bin verdammter Anwalt! Warum kommt sie nicht zu mir?“

Coop verzog das Gesicht. „Sie will nicht mit dir reden, weil sie der Überzeugung ist, dass Dad dich auf sie angesetzt hat – bin ich übrigens auch. Akzeptier es einfach, Cole. Sie will deine Hilfe nicht. Sie will es allein schaffen. Aber ihr geht es gut und sie hat dich trotzdem lieb, wenn dir das hilft.“

Nein, verdammt, tat es nicht! Ja, ihr Vater hatte mehrfach angedeutet, dass er Callie gerne zurück in Philadelphia wissen würde. Aber das war nicht der Grund, warum Cole sie hier haben wollte. So wie es für ihn Zeit wurde, zu heiraten, war es für sie Zeit, ihre Vergangenheit zu vergessen und nach Hause zurückzukehren.

„Sie ist so ein Dickkopf“, murmelte er kopfschüttelnd.

„Na, von wem hat sie sich das bloß abgeguckt?“, überlegte Cal gespielt nachdenklich. „Und könnten wir jetzt noch einmal zu der Tatsache zurückkehren, dass du dich ewig binden und dein Leben wegschmeißen willst?“

„Nein, können wir nicht“, sagte Cole abgehackt. „Mein Liebesleben geht euch nichts an.“

Schnaubend erhob sich Cooper und nahm Coles leeres Bier vom Tisch. „Liebesleben! Als ob eine Hochzeit, in der du der Bräutigam bist, irgendetwas mit Liebe zu tun hätte. Sag mir nur, dass du es nicht für Dad tust, der Rest ist mir egal.“

Ungläubig sah Cole ihn an. „Glaubst du ernsthaft, ich würde heiraten, nur damit Dad zufrieden ist?“

„Ja“, sagte Coop, ohne mit der Wimper zu zucken. „Du bist nicht umsonst sein goldener Junge.“

Ja, es hatte seinen Grund, warum Cole seinem Vater eine Menge recht machte. Aber der war nicht, dass er ihn beeindrucken oder die Worte Ich bin stolz auf dich hören wollte. Er wusste schon seit Jahrzehnten, dass das unmöglich war. Nein, er war der goldene Junge, weil einer diese Rolle hatte übernehmen müssen – damit Clint Panther von seinen anderen Kindern abließ. Damit Coop, Callie und Cal machen konnten, was sie wollten, denn Cole war ja da, um den Rest abzufangen. Aber er würde sich hüten, seinen Geschwistern genau das zu sagen. Er hatte seinen Weg vor langer Zeit gewählt und keine Sekunde lang bereut. Er war zufrieden mit seinem Leben. Er liebte seinen Job, er liebte die Herausforderung. Es war alles so, wie es sein sollte.

„Ich will heiraten, weil ich lange genug meinen Spaß hatte und es Zeit wird, sesshaft zu werden.“

Cooper hob eine Augenbraue und schüttelte den Kopf. „Na, das ist natürlich der viel bessere Grund. Wenn es Zeit wird“, murmelte er und verließ das Wohnzimmer, wahrscheinlich, um Cole noch ein Bier zu holen.

Cole sah ihm nach, bevor er den Blick senkte. Er wusste, dass Cooper nur das Beste für ihn wollte und er nach dem Motto Morgen könnten wir alle tot sein lebte und das aus gutem Grund. Cooper würde wohl nur heiraten, wenn er damit den Weltfrieden herbeiführen könnte – und selbst dann würde er es nur sehr ungerne tun. Aber Cole war schlichtweg anders gepolt.

Seufzend fuhr er sich durch die Haare, bevor er mit der Faust über seine Stirn rieb.

„Möchtest du noch irgendetwas loswerden?“, fragte er dann an Cal gewandt.

Callum schüttelte den Kopf und ausnahmsweise wurde sein Gesicht mal ernst. „Coop weiß, dass du uns Dad vom Hals hältst“, murmelte er. „Er weiß es. Aber Davids Todestag rückt näher und er braucht Callie, um damit umzugehen … was er ihr natürlich nicht sagt, weil es ihr gerade so gut geht. Und da ist es einfacher für ihn, ein Arsch zu sein.“

Cole starrte seinen Bruder an und nickte langsam. Dafür, dass Cal mehr Zeit mit Computern und Technik als mit Menschen verbrachte, hatte er verdammt noch mal gruselig akkurate Einsichten in die menschliche Psyche.

„Also“, schloss Cal. „Wenn du heiraten möchtest …“ Er stieß zischend Luft aus. „Dann heirate, Alter.“

Wieder nickte Cole – als hätte er sich das ausreden lassen – bevor er nachdenklich wissen wollte: „Callum, weißt du, wo Callie wohnt?“

„Keine Ahnung. Irgendwo an der Westküste. Sie gibt ihre Adresse nicht raus.“

Richtig …

„Mhm.“ Cole blickte auf. „Hast du nicht gerade eine Drohne an der Westküste?“

Callum legte laut lachend den Kopf in den Nacken. „Du willst Callie eine Drohne auf den Hals hetzen?“

Wenn er musste, ja.

„Du weißt genauso gut wie ich, dass es Zeit für sie wird, nach Hause zu kommen. Sie läuft seit mehr als zehn Jahren weg und am anderen Ende Amerikas können wir ihr nicht helfen. Außerdem ist sie die Einzige, die Coop davon abhalten kann, sich irgendwann doch noch aus Versehen umzubringen.“

Callum seufzte, zog sich die Brille von der Nase und putzte sie mit Hilfe seines T-Shirt Saums.

„Cole, ich bin voll auf deiner Seite. Aber sie wird nicht zurückkommen, nur weil wir es ihr befehlen. Es muss ihre Entscheidung sein.“

Cole schloss die Augen. Er wusste, dass Cal recht hatte. Aber … was, wenn sie die falsche traf?

Kapitel 4

„Okay, ich mache es“, sagte Savannah und stützte ihre Hände auf Coles Schreibtisch. „Allerdings habe ich einige Bedingungen.“

Ihr Boss sah von seinem Computer auf und blickte irritiert zu ihr hoch. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dich hereingebeten zu haben, Savannah.“

„Das solltest du wirklich mal untersuchen lassen“, stellte sie besorgt fest und ließ sich in den Stuhl hinter ihr fallen. „All diese Erinnerungslücken sind besorgniserregend.“

Diesen Kommentar würdigte Cole mit einem zufriedenstellenden Schnauben.

„Schön, verhandeln wir“, sagte er, lehnte sich in seinem Stuhl zurück und verschränkte die Hände in seinem Nacken. Er hatte seine Anzugjacke ausgezogen und der weiße Stoff seines Hemdes spannte sich über seinen Bizeps. Savannah war es schleierhaft, wie er bei seinem Arbeitspensum noch die Zeit dazu finden konnte, die Stemmbank zu drücken, gab aber zu, dass sie sich schon mehr als einmal gefragt hatte, was sich unter seinen wirklich unprofessionell engen Hemden verbarg. Sie würde ihn nicht wie den Sixpack-Typen einschätzen. Eher wie den durchtrainierten, aber nicht zu aufgepumpten …

„Savannah?“

Sie schreckte auf und blinzelte sich ihre Gedanken aus dem Kopf.

„Ja, verhandeln“, bestätigte sie. „Das hört sich gut an.“

„Schön“, sagte er langsam und sein Blick huschte kurz an seinem Hemd hinab, so als fürchtete er, er habe dort einen Fleck. Nope. Kein Fleck. Savannah hatte lediglich seine Brustmuskeln angestarrt.

„Also“, fuhr Cole fort. „Ich bin bereit, zehntausend Dollar hochzugehen, aber dafür erwarte ich, dass du mich auf meine Dates begleitest und mich rettest, falls es schlecht laufen sollte. Ich habe nicht vor, meine Zeit mit Kandidatinnen zu verschwenden, von denen ich nach fünf Minuten weiß, dass sie die absolut Falschen sind.“

„Ich soll also nicht nur dein Liebesleben organisieren, sondern auch noch deine Anstandsdame spielen?“, fasste sie zusammen.

Cole sah sie düster an. „Mir würden direkt tausend andere Formulierungen einfallen, die du hättest verwenden können, aber ja … im Groben stimmt das wohl. Wir machen ein Zeichen aus und du rufst mich unter dem Vorwand eines Notfalls oder Sonstigem an, sobald ich es dir gebe.“

Savannah seufzte. Dieser Job nahm immer anstrengendere Dimensionen an, aber sie musste Cole zumindest etwas entgegenkommen, damit er ihren Bedingungen zustimmte. „Also, abgesehen davon, dass ein Gentleman sein Handy bei einem Date natürlich ausschalten würde … in Ordnung. Ich wohne deinen Dates bei und erlöse dich, falls die Frau zu aufdringlich oder uninteressant wird – aber ich will mehr als die zehntausend Euro dafür.“

Cole verengte die Augen. „Höher als zwölftausendfünfhundert gehe ich nicht.“

„Ich spreche nicht von mehr Geld“, stellte sie klar. „Ich will …“ Sie holte tief Luft und strich fahrig mit den Fingern über den rauen Stoff ihres Rockes. „… die Nummer eines guten Privatdetektives.“

Coles Augenbrauen schossen in die Höhe. Verwundert sah er sie an. Damit hatte er offensichtlich nicht gerechnet.

„Du warst Anwalt und hast die richtigen Kontakte“, fuhr Savannah fort, während sie spürte, wie Blut in ihr Gesicht stieg. „Ich will den besten Privatdetektiv, den du kennst, und ich will ihn sobald wie möglich. Außerdem darfst du nicht fragen, wofür ich ihn brauche. Das ist meine Bedingung und die ist nicht verhandelbar.“

Sie reckte ihr Kinn, während Cole langsam die Arme sinken ließ, bevor er fragte: „Wofür brauchst du einen Privatdetektiv?“

„Ich habe gerade gesagt, dass du nicht danach fragen darfst!“

„Ich habe noch nichts unterschrieben, also, wofür brauchst du ihn?“

Sie presste die Lippen zusammen. „Geht dich nichts an.“

„Ein untreuer Freund?“

Sie schnaubte. „Ich habe keinen Freund und wenn ich einen hätte, würde der sich nicht trauen fremdzugehen.“

„Mhm.“ Cole legte den Kopf schief und musterte sie interessiert. „Vermisste Katze?“

„Das Einzige, das ich vermisse, ist ein Stock, aber wo der steckt, habe ich schon herausgefunden.“

Coles Mundwinkel zuckten. „Wofür brauchst du den Privatdetektiv, Savannah?“

„Und ich wiederhole“, sagte sie laut und deutlich, „das geht dich nichts an. Also, hast du jetzt Kontakt zu jemanden, der was von seinem Job versteht?“

„Ich habe Kontakte zu hunderten guten Ermittlern. Und wenn du mir verrätst, wofür du ihn brauchst, bezahle ich ihn dir sogar.“

„Ich passe“, sagte sie achselzuckend. „Also: Willst du mich jetzt als Anstandsdame oder nicht?“

„Seit wann bist du so mysteriös?“, wollte Cole ehrlich verwundert wissen und der Blick seiner eisblauen Augen war so eindringlich, dass Savannah gerne wegsehen wollte – aber sie riss sich zusammen.

„Ich war schon immer mysteriös, du hast nur nie richtig hingeguckt. Also, willst du …“

„Ich setzte noch heute Abend einen Vertrag auf“, unterbrach Cole sie. „Und du kriegst deine Nummer. Wenn du noch heute anfängst.“

Dass Cole noch heute den Vertrag schreiben würde, wunderte Savannah nicht. Er stand auf Verträge. Es würde sie nicht überraschen, wenn er abends mit einem ins Bett ging. Dass er die Frage, wofür sie einen Privatdetektiv brauchte, einfach so fallen ließ, überraschte Savannah jedoch schon. Es passte nicht zu ihm, dass er nicht versuchte, ihr seinen Willen aufzudrängen. Aber darum konnte sie sich später sorgen.

„Womit soll ich heute anfangen?“, hakte sie nach.

„Ich gebe dir meine Zugangsdaten zu dem Dating Portal und du überprüfst mein Profil und durchkämmst die Anfragen, die ich bekommen habe, nach möglichen Bewerberinnen.“

Durchkämmen. Ganz schön optimistisch. Außerdem fragte Savannah sich, ob Cole wusste, dass er von seiner zukünftigen Ehefrau wie von einer Anwärterin auf einen wichtigen Job sprach.

„Ich weiß nicht, auf welche Art von Frau du stehst“, stellte Savannah fest. „Nach welchen Kriterien soll ich dir deine Bewerberinnen zusammenstellen?“

Cole dachte kurz über diese Frage nach, dann zuckte er die Achseln. „Arbeite erst mal nach deinem Bauchgefühl. Nach deinem ersten Versuch kann ich deine Auswahl dann detailliert kritisieren. Ich denke, dir wird sehr schnell klarwerden, wonach ich suche.“

Yeah. Endlich würde sie herausfinden, wie Cole Panthers Traumfrau aussah! Nun konnte sie in Ruhe sterben.

„In Ordnung.“ Savannah nickte. „Aber bevor ich anfange …“ Sie faltete die Hände auf dem Tisch. „Darf ich dir eine persönliche Frage stellen?“

„Ich weiß nicht“, sagte Cole nachdenklich. „Eine Minute meiner privaten Zeit ist hundert Dollar wert. Gib mir hundert Dollar und du darfst loslegen.“

„Tja, eine meiner Denkanstöße allein ist schon hundertfünfzig Dollar wert“, belehrte ihn Savannah. „Du schuldest mir also fünfzig. Die kannst du mir gerne überweisen. Also: Warum willst du dich verkuppeln lassen?“

„Mir wurde versichert, dass alle Angestellten der Delphies intelligent sind, aber ich kann es dir gerne noch einmal langsam und deutlich erklären: Ich will eine Frau finden.“

Sie verdrehte die Augen. „Das ist mir bewusst. Aber warum gehst du nicht einfach in eine Bar und findest dort eine? Ich meine, du bist nicht hässlich. Das sollte doch nicht so schwer sein.“

Cole hob eine Augenbraue. „Ich bin nicht hässlich? Herzlichen Dank, das werde ich meinem Steckbrief hinzufügen. Millionär und nicht hässlich. Darauf sollten die Frauen fliegen.“

Ja, das würden sie.

„Also? Warum suchst du dir nicht selbst irgendeine Frau?“

„Savannah, ich bin ein Panther.“

Sie grinste. „So behaart bist du gar nicht.“

„Amüsant“, bemerkte er trocken. „Was ich sagen will, ist: Ich bin der Sohn von Clint Panther. Ich habe einen Namen. Und die Frau, die ich heirate, muss diesem Namen gerecht werden. Ich suche also nicht irgendeine Frau. Ich suche die ultimative, perfekte Frau. Eine Frau mit Klasse, makellosem Aussehen und großem Herzen. Eine Frau, die begabt im Smalltalk ist, gute Partys organisieren kann, aber gleichzeitig so emanzipiert ist, dass jeder sie als Vorbild sieht. Nicht zu vergessen eine Frau, die sich nicht jeden Tag nach meiner Aufmerksamkeit und einer Liebesbekundung verzehrt.“

Na, viel Glück dabei! Eine Frau, die seiner Beschreibung entsprach, existierte nicht.

„Du hast ja wirklich sehr genaue Vorstellungen“, sagte Savannah und verengte die Augen. „Und diese Frau …“ Sie beugte sich nach vorne über den Schreibtisch und stützte ihre Ellenbogen darauf ab. „Ist die auch deine Traumfrau? Also ist das, was du gerade beschrieben hast, perfekt für dich oder nur für die Gesellschaft, beziehungsweise deine Familie?“

„Beides“, sagte er, ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken. „Die Familie macht den Menschen, Savannah. Und ich bin nun einmal … ein Panther.“

Savannah presste ihre Lippen aufeinander und zog sich abrupt wieder zurück. Die Familie macht den Menschen.

„Das ist Schwachsinn“, flüsterte sie. „Das ist der größte Schwachsinn, den ich je gehört habe. Und meine demente Nachbarin wollte mir heute Morgen erzählen, dass sie gestern Nacht den Weihnachtsmann auf dem Dach des Nachbarn gesehen hat.“

Sie wusste nicht, warum die Worte sie gerade so wütend machten, weil sie aus Coles Mund kamen. Aber Savannah fiel es schwer, nicht aufzustehen und ihn anzuschreien. Er meinte es nicht persönlich. Es war sicher nicht seine Intention gewesen, sie zu beleidigen und dennoch hatte er es getan.

„Der Mensch macht sich selbst zu dem, was er ist“, sagte sie, bemüht ruhig. „Durch jede Entscheidung, die er trifft. Durch jede Hürde, die er überwindet. Durch jeden Schicksalsschlag, den er wegsteckt. Du bist Cole Panther. Schön für dich.“ Ruckartig schob sie ihren Stuhl zurück und stand auf.

„Aber Panther ist nichts weiter als ein Name, Cole. Ein Name, der dir und den Medien und ein paar Frauen, die nach einem Stück Ruhm greifen wollen, vielleicht etwas bedeutet. Aber den Frauen, nach denen du Ausschau halten solltest, könnte dein Name egaler nicht sein.“

Sie schluckte und schüttelte den Kopf. Es war irrelevant. Es war seine Entscheidung. Er musste mit der Frau leben, die er sich aussuchte. Savannah atmete tief durch und zwang sich zu einem Lächeln.

„Aber warum sollte dir meine Meinung wichtig sein, nicht wahr?“ Sie hob die Hand und wandte sich um, bevor sie „Schick mir deine Zugangsdaten per Mail“ sagte und aus der Tür fegte.

 

Savannah brauchte eine halbe Stunde auf dem Laufband und zehn Liegestütze – na gut, fünf, zu mehr war sie nicht in der Lage – um sich abzuregen und anschließend dämlich vorzukommen. Immer, wenn Cole Panther sie nervte, aufregte, nervös oder wütend machte, musste sie erst einmal Sport machen. Für ihre körperliche Gesundheit war Cole also äußerst gut. Für ihre seelische … darüber blieb zu diskutieren übrig. Zumindest war sie allein im privaten Fitnessraum der Delphies, weil die Mannschaft im Moment nicht im Training war.

Während Savannah hastig duschte, dämmerte ihr, dass sie maßlos überreagiert hatte. Cole hatte nicht wissen können, dass Familie und Herkunft ein sensibles Thema für sie waren. Sie hatte sich nur automatisch selbst mit seiner Aufzählung der perfekten Frau verglichen – und auf ganzer Länge versagt. Und das hatte ihre Wut noch ein wenig mehr angestachelt. Kopfschüttelnd föhnte sie ihre Haare und blies sich die absurden Gedanken aus dem Kopf. Sie würde sich bei ihm entschuldigen müssen. Es war eine Sache, seine eigene Meinung zu vertreten. Eine andere dagegen, seinen Boss als schwachsinnig zu bezeichnen. Gleichwohl sie das, wenn sie darüber nachdachte, schon zu mehreren Anlässen getan hatte.

Sobald sie jedoch ihren Computer hochgefahren, Coles Zugangsdaten auf Highsociety-Love.com eingegeben und aufgehört hatte, über den Domainnamen zu lachen, vergaß sie ihren guten Vorsatz sofort. Sie brauchte nur einen Blick auf sein Profil zu werfen, um zu wissen, dass eine Menge Arbeit – und so viel Spaß – vor ihr lagen. Sie druckte Coles Antworten auf dem Fragebogen der Website aus und verbrachte die nächsten Stunden damit, sie zu studieren und Änderungen vorzunehmen. Als sie schließlich auf die vierunddreißig Anfragen von möglichen Ehepartnerinnen klickte und durch die ersten Profile scrollte, konnte sie nur noch ungläubig den Kopf schütteln. Meine Güte! Gott sei Dank hatte Cole sie zu Rate gezogen. Denn dieser Mann brauchte wirklich Hilfe.

 

Ich war schon immer mysteriös, du hast nur nie richtig hingeguckt.

Cole kratzte sich mit dem Zeigefinger an der Schläfe und seine Mundwinkel zuckten. Der Satz war in seinem Kopf hängengeblieben wie ein Kind am Schaufenster eines Süßigkeitenladens. Er hatte die vergangenen Stunden damit verbracht, den Vertrag aufzusetzen, sich Gedanken um den besten Privatdetektiv zu machen, den er kannte, und ein paar vielversprechende Infielder anzusehen, mit denen er plante, den diesjährigen Kader der Delphies zu erweitern. Aber seine Gedanken kreisten immer wieder um diesen einen Satz, denn … Sie hatte recht – jetzt, wo er darüber nachdachte.

Er kannte Savannah seit einem Jahr und wusste nichts über sie. Klar, sie war seine Angestellte, er hatte sich nicht für ihr Privatleben zu interessieren, aber er konnte nicht umhin, sich zu fragen, was Savannah außerhalb der Arbeit für eine Person war. Und was der Grund für ihre vollkommen überzogene Reaktion zu seiner Ankündigung war, er brauche eine Frau, die seinem Namen gerecht wurde. Sie war darüber so aufgebracht gewesen, dass Cole für einen Moment das absurde Verlangen gehabt hatte, ihr über den Kopf zu streicheln und zu versichern, dass er es nicht so gemeint hatte. Seine Reaktion war noch beängstigender als ihre – denn verdammt, er hatte es ernst gemeint und er war kein Mann, der die Wahrheit verschleierte, nur damit jemand anderes sich besser fühlte. Wenn er eines in seiner Kindheit gelernt hatte, dann war es, dass sein Name mit einem Haufen Verpflichtungen einherging. Und die Frau, die er heiratete, musste sich dessen bewusst und dem gewachsen sein.

Aber warum sollte dir meine Meinung wichtig sein, nicht wahr?

Meine Güte, was tat Savannah in seinem Kopf?! Sie hatte da nichts zu suchen. Hätte er ihr etwa sagen sollen, dass sie falsch lag? Dass ihm ihre Meinung wichtig war? Dass das doch der Grund war, warum er sie für dieses Projekt hatte haben wollen? Savannah war ehrlich und direkt. Und diese Art von Mensch war spärlich gesät, gerade für Männer seines Ranges und seiner Position. Die meisten Menschen versuchten, es ihm recht zu machen oder ihm in den Arsch zu kriechen, anstatt ihm mit ernstem Gesicht zu erklären, dass er sich gerade wie ein Arschloch benahm und sein Arschloch-Barometer für heute schon den Höchststand erreicht hatte.

Nicht so jedoch Savannah. Sie schien nicht nur keine Angst vor ihm zu haben, sie schien auch überhaupt nichts von ihm zu wollen. Keine persönlichen Gefallen, keine Zustimmung, keine Erlaubnis. Noch viel faszinierender war, sie schien sie auch nicht zu brauchen – von niemandem. Sie fragte nicht nach Hilfe, sie tat etwas nach ihrem eigenen Ermessen und setzte ihn vor vollendete, aber unglaublich zufriedenstellende Tatsachen, sodass er sich, wenn er sie an einer Aufgabe wusste, um nichts Sorgen machen musste. Und das war eine ganz neue Erfahrung für ihn. Eine Erfahrung, die er mochte. Eine Erfahrung, über die er jetzt schon viel zu lange nachdachte.

Cole stöhnte leise und griff nach der Post, die ihm sein neuer Sekretär auf den Schreibtisch gelegt hatte. Diverse Einladungen zu verschiedenen Galas und Benefizveranstaltungen ragten aus den Briefen heraus. Er hasste es, wenn seine neuen Assistenten nicht wussten, dass sie die vorher auszusortieren hatten. Der Neue würde sich wohl nicht lange halten.

Er überflog die Absender der Briefe, stapelte Din A4 Umschläge, die höchstwahrscheinlich Verträge enthielten, zu seiner Rechten und warf die Einladungen in den Müll – bis er an einem Namen hängen blieb – Rita Montgomery.

Stirnrunzelnd riss er den Umschlag auf und starrte auf das rote, schwere Leinenpapier, das dort hinausfiel.

Sexual Assault Awareness Gala stand in großen goldenen Lettern darauf. Es war die jährliche Veranstaltung, die auf die Vielzahl der sexuellen Übergriffe in Amerika aufmerksam machen sollte. Cole öffnete die Karte. Neben dem Datum, der Zeit und dem Ort, an dem die Gala stattfinden sollte, stand noch eine handschriftliche Notiz darin.

Danke für alles. Ich würde mich freuen, wenn Sie kommen. Rita.

Er starrte die Worte an und ließ die Karte auf den Schreibtisch fallen. Sie dankte ihm. Dabei hatte er doch überhaupt nichts tun können. Für einen Moment fuhr er mit den Fingern über die goldenen Lettern, bevor er den Brief zu den anderen in den Mülleimer warf. Er würde nicht hingehen. Er brauchte keine Erinnerung daran, dass die Welt ungerecht war. Das wusste er auch so.

Es klopfte und er zuckte zusammen.

Abrupt blickte er auf und war überrascht, Savannah vor seiner Tür stehen zu sehen – denn normalerweise kündigte sie sich nicht an.

Sie wartete nicht auf eine Antwort, sondern trat ein. Ein Stapel Papier, aus dem lauter bunte Haftnotizzettel ragten, lag in ihren Händen.

Die Glastür schwang hinter ihr zu und mit ernstem Gesicht blieb sie vor seinem Schreibtisch stehen, bevor sie feierlich sagte: „Du hast das unsympathischste Dating Profil, das mir je untergekommen ist.“

Hatte er gerade noch behauptet, dass er ihre Direktheit mochte?

Cole ließ von seiner Post ab und fuhr sich seufzend mit beiden Händen durch die Haare. Wenigstens sah sie nicht mehr wütend aus.

„Ich weiß nicht, was du hast“, meinte er achselzuckend. „Ich kriege genug Anfragen.“

„Ja, weil du reich und gutaussehend bist“, klärte Savannah ihn auf. „Aber willst du eine Frau heiraten, die dich nur deswegen möchte?“

Er hatte das vage Gefühl, dass Ja hier die falsche Antwort war. „Möchte ich nicht …?“, sagte er langsam und hoffte, dass es nicht zu sehr nach einer Frage klang. Savannahs Gesichtsausdruck nach zu urteilen, hatte er versagt – was ihn irgendwie dazu veranlasste, zu grinsen. „Savannah, schau mich nicht so an.“

„Wie schaue ich dich denn an?“

„Als wäre ich der reinste Chauvinist.“

„Und das bist du nicht?“, fragte sie ungläubig.

Na ja … nicht der reinste.

„Natürlich sind mir der Charakter und die Intentionen der Frau wichtiger als das Aussehen“, erklärte er.

„Aber?“, forderte sie sofort.

Ein träges Lächeln breitete sich auf seinen Zügen aus. „Aber es sieht so süß aus, wenn du dich über mich aufregst“, sagte er unschuldig.

Savannah blickte ihn düster an und ihre dunklen Augen erinnerten Cole an die Tore zur Hölle. Wenn die Hölle so hübsch war wie ihre Tore, würde er sich dort vielleicht gar nicht so unwohl fühlen.

„Schön, was ist falsch mit meinem Profil?“, fragte er als Friedensangebot.

Savannah, die Lippen immer noch zusammengepresst, schüttelte nur den Kopf.

„Was ist nicht falsch mit deinem Profil?“, stellte sie die Gegenfrage. „Fangen wir doch mit dem Offensichtlichsten an: deinem Profilbild.“

Das überraschte Cole. Das Bild war das Einzige, bei dem er sich sicher gewesen war.

„Es ist ein gutes Bild“, sagte er verwirrt.

„Es ist dasselbe Bild wie auf unserer Homepage.“

„Was ist falsch daran?“

„Du lächelst nicht.“

„Und?“

„Und trägst Anzug und Krawatte.“

Keines ihrer Worte ergab einen Sinn. „Ich weiß. Ich kenne das Foto.“

„Cole, du willst eine Frau finden, keinen Job“, sagte Savannah langsam, so als erklärte sie ihm, dass ein Mensch fünf und nicht drei Finger habe. „Auf einem Dating Profil wäre vielleicht ein etwas lässigeres Foto angebracht.“

„Aber ich bin nicht lässig“, sagte er irritiert. Allein das Wort bereitete ihm bereits eine Gänsehaut. Faulpelze waren lässig.

Savannah lachte. „Na, das brauchen wir den guten Frauen ja nicht gleich unter die Nase zu reiben.“

Cole seufzte. Frauen wollten wirklich merkwürdige Dinge. Lässige Männer, die auf einem Foto lächelten? Was waren das für Prioritäten?

„Schön“, sagte er schnaubend. „Ich mache ein neues Foto. Was ist noch falsch?“

„Nun, dein Auswahlprofil zum Beispiel“, fuhr Savannah fort. „Du nimmst Frauen von zwanzig bis neunundzwanzig? Wer bist du? Hugh Hefner? Kein Wunder, dass dir bis jetzt noch keine gefallen hat. Du hast wahrscheinlich nur Kindergartenkinder gedatet, die mit dir über Justin Bieber reden wollten.“

Cole zuckte mit den Achseln. Damit lag sie gar nicht so falsch. Die Frauen, die er bis jetzt getroffen hatte, waren allesamt etwas oberflächlich gewesen. Für zehn Minuten war das ja ganz amüsant, aber nach dem dritten Instagram ist das neue Facebook-Kommentar wurde es schon etwas anstrengend. Schön, er gab zu, dass er das Alter seiner zukünftigen Ehefrau möglicherweise noch etwas nach oben setzen sollte. Es war nur …

„Ab einem gewissen Alter wollen Frauen nun einmal Kinder bekommen. Frauen ab dreißig werden anstrengend.“

Savannah blinzelte, ihren Mund leicht geöffnet.

„Ich bin einunddreißig.“

„Ich weiß“, meinte Cole vielsagend.

Savannah zeigte ihm den Mittelfinger.

Er lachte. „Schön, setz das Ganze auf … dreiunddreißig.“

„Sechsunddreißig“, korrigierte Savannah ihn.

„Sollte das nicht meine Entscheidung sein?“

„Nein“, sagte sie schlicht.

Ungläubig sah er sie an.

Sie hob ihre freie Hand abwehrend in die Höhe. „Du hast mich angestellt. Ich nehme meine Aufgabe sehr ernst, ich weiß, was ich tue. Willst du jetzt eine passende Frau finden oder dich nach einem Monat und sechs Tagen wieder trennen?“

Er runzelte die Stirn. „Die Zahl klingt sehr spezifisch.“

„Ich habe grob überschlagen, wie schnell es dich langweilen wird, mit nur einer Frau zu schlafen.“

„An welchen wissenschaftlichen Erkenntnissen hast du dich denn da orientiert?“

„Ich habe die Zeit genommen, die ich selbst brauche, bis ich mich langweile – und sechs Tage für deine ehrlichen Bemühungen hinzugefügt.“

Augenblicklich blitzte ein Bild von einer überhaupt nicht gelangweilten Savannah bei ihren Bemühungen in Coles Kopf auf.

Er blinzelte und sein Blick huschte über ihre schwarzen High Heels, ihre Beine, den engen Rock … er schloss die Augen.

Zwei Monate ohne Sex waren zu lang. Wirklich zu lang.

Mühsam öffnete er seine Lider wieder und starrte auf eine irritiert wirkende Savannah. Sie hatte ihre Lippen mit rotem Zeug vollgemalt. Waren ihre Lippen immer so rot? Wieso war ihm das noch nie aufgefallen?

Großer Gott … warum fiel es ihm überhaupt jetzt auf?

„Ich brauche etwas zu essen“, murmelte er kopfschüttelnd, erhob sich und zog sich seine Anzugjacke über. Ein Drink würde ihm auch nicht schaden.

„Gute Idee“, sagte Savannah nickend. Dank ihrer High Heels war sie nur einen halben Kopf kleiner als er. „Den Rest meiner Verbesserungsliste abzuarbeiten, könnte etwas dauern.“

Das hatte er befürchtet. Kein Wunder, dass sein Kopf schon automatisch versuchte, sich mit dem Anblick ihren Lippen abzulenken. Cole umrundete den Schreibtisch, lief durch den Raum und hielt ihr die Tür auf.

Er konnte sie „Wenigstens hast du Manieren“ murmeln hören, bevor sie vor ihm in den Flur huschte.

Kapitel 5

„Wie kommt es eigentlich, dass ich nichts Persönliches über dich weiß?“, wollte Cole wissen, als sie sich im Restaurant um die Ecke an den Tisch gesetzt und der Kellner ihnen Wasser und Speisekarte gebracht hatte.

Die Frage überraschte Savannah so sehr, dass sie sich an ihrem Getränk verschluckte und anfing zu husten. Es war möglich, dass dieser Satz das Persönlichste war, das sie jemals ausgetauscht hatten.

„Wie zum Teufel kommst du denn jetzt darauf?“, fragte sie und hielt sich die Faust vor den Mund, um ihr Gegenüber vor möglichen Spucketröpfchen zu bewahren.

Cole öffnete die Speisekarte, doch sein Blick lag weiterhin auf ihr. „Na ja, du hast meinen Steckbrief auf dieser schwachsinnigen Dating-Seite gelesen und jetzt besteht ein Informationsungleichgewicht. Ich habe mich gefragt, warum das so ist. Warum weiß ich nichts über dich?“

Savannah lachte. Laut. Sie legte den Kopf in den Nacken und hätte sie wieder Wasser im Mund gehabt, wäre sie nun wohl erstickt. Aber das wäre es wert gewesen. Cole war wirklich ein Spaßvogel.

„Also, erstens“, sagte sie außer Atem und schnappte immer noch lachend nach Luft, „der Steckbrief auf der schwachsinnigen Datingseite war in etwa so informativ wie eine Dokumentation über Flusen. Nur noch ein wenig uninteressanter. Zweitens: Dass wir hier zusammen an einem Tisch sitzen und Wasser trinken, ist das Intimste, dass ich dich je habe tun sehen. Drittens: Wenn ich dir etwas erzähle, was nicht mit Verkaufszahlen oder Marketingskandalen oder der nächsten Pressekonferenz zu tun hat, bist du in etwa so aufmerksam wie ein toter Goldfisch ohne Augen und Ohren. Viertens: Natürlich weißt du nichts über mich, Cole! Du interessierst dich nicht für deine Angestellten. Du gehst zu keinem Teamtreffen, du kennst die Namen der Ehefrauen der Spieler nicht, du boykottierst die gemeinsamen Pressekonferenzen, also … warum überrascht dich das?“

Cole, der sie aufmerksam betrachtet hatte und die Karte nun zurück auf den Tisch sinken ließ, kratzte sich das stoppelige Kinn, die Augen zu konzentrierten Schlitzen verengt.

„Du magst Tee“, sagte er schließlich leise. „Ich weiß, dass du Tee magst. Und dein Schreibtisch aussieht, als hättest du deinen toten Hamster dort vergraben. Und du trägst jeden Tag High Heels, ziehst sie jedoch aus, sobald du an deinem Schreibtisch sitzt. Warte, da war noch irgendetwas … du bist Post-it Fanatikerin. Jap. Du tötest mit deinen Post-its ganze Regenwälder.“

Wenn sie ehrlich war, war das mehr, als Savannah ihm je zugetraut hätte. Deshalb hob sie angemessen beeindruckt die Augenbrauen.

„Okay, ich ändere meine Aussage. Du bist so aufmerksam wie ein Goldfisch mit Ohren und Augen.“

Cole lächelte und Savannah konnte nicht anders, als sein Lächeln zu erwidern. Cole war sehr sparsam mit seinem Lächeln. Fast so, als würde ihm nur eine begrenzte Anzahl pro Tag zur Verfügung stehen. Aber wenn er lächelte … er würde sich vor Anfragen nicht mehr retten können, sobald er sein Profilbild geändert hatte.

Der Kellner kam in ihre Richtung und beinahe abwesend hielt Cole einen Zeigefinger in die Höhe. Der Bedienstete schaltete sofort und zog sich wieder zurück.

Faszinierend. Wie konnte man mit einem Finger so viel Autorität ausstrahlen?

„Was ist schlimm daran, dass ich die Namen der Ehefrauen der Spieler nicht kenne?“, wollte er wissen, die Hände auf dem Tisch verschränkt.

„Nichts“, meinte Savannah schulterzuckend. „Aber es würde dir nicht schaden, eine etwas persönlichere Beziehung zu deinen Spielern aufzubauen. Dann hätten sie vielleicht nicht alle eine so unglaubliche Angst davor, jeden Moment von dir gefeuert zu werden. Sie sind alle etwas angespannt, seit du die Zügel in die Hand genommen hast. Du arbeitest sehr viel enger mit dem Teammanager und den Trainern zusammen als es dein Vater getan hat und dennoch bist du für die Spieler ein Phantom. Du führst Änderungen durch, die sie alle betreffen – eine Menge davon – und ich könnte mir vorstellen, dass es die Teamdynamik und das Vertrauen in ihre Zukunft und deine Kompetenz stärken könnte, wenn sie den Mann hinter den Entscheidungen kennenlernen würden.“

Cole blickte sie steinern an. Etwas in seinem Blick hatte sich geändert. Er hatte das Lächeln verloren.

„Du willst, dass ich mich mehr in die Mannschaft involviere“, fasste er zusammen.

Sie nickte. „Nun ja, du könntest zumindest mal zu einer der Teamaktivitäten kommen, die Coach Thompson andauernd organisiert. Dann wärst du wenigstens nicht mehr so unnahbar.

In ein paar Monaten zum Beispiel will er zum Bowling einladen. Du bist ein Mann. Du bewirfst doch sicherlich gerne Plastikfiguren mit schweren Bällen.“

Cole schüttelte kaum merklich den Kopf und beugte sich im nächsten Moment über den Tisch.

„Savannah.“ Seine Stimme war leise und so eindringlich tief geworden, dass sich Savannahs Nackenhaare aufstellten. „Glaubst du, es macht mir Spaß, Leute zu feuern?“

Na ja, wenn sie ehrlich war …

„Jaja, ich bin ein kaltblütiges Arschloch, geschenkt“, meinte er schnaubend. „Ich lese Zeitung, ich weiß, was über mich gesagt wird und Sam bricht es sicher das Herz, dass ich ihm seinen Posten ablaufe. Aber ich bin ein Arschloch, weil es mein Job ist, eines zu sein. Es ist meine Aufgabe, diese Mannschaft so effizient und erfolgreich wie möglich zu führen. Und das kann ich nicht, wenn ich einen Spieler nicht verkaufe, weil ich ihn mag. Ich war sechs Jahre lang als Anwalt tätig und glaub mir, wenn ich dir sage: Je weniger emotional involviert du in deine Arbeit bist, desto besser. Denn wenn du anfängst, für deine Klienten und nicht nur für deinen Fall zu kämpfen …“ Er lachte trocken und senkte seinen Blick. „Also nein. Ich feuere nicht gerne Leute. Aber ich werde es weiterhin ohne schlechtes Gewissen tun, wenn sie ihren Job nicht vernünftig erledigen. Und ich werde nicht anfangen, mich mit den Spielern anzufreunden, nur weil du es netter von mir fändest. Ist das soweit klar?“

Sein Blick fand erneut ihren und das Blau seiner Augen war so kalt und klar, dass Savannah meinte, einen eisigen Luftzug ihren Rücken hinablaufen zu spüren.

War er das möglicherweise mal gewesen? Zu emotional in seine Fälle involviert? Im Moment schien das schwer vorstellbar. Cole war immer so distanziert. So als könne ihn nichts berühren – keine Gefühle, keine Sorgen, keine Finger. Savannah erwischte sich bei dem Gedanken, ihre Hand nach seinem Gesicht auszustrecken. Nur um es auszuprobieren.

„Okay“, sagte sie, räusperte sich und richtete sich in ihrem Stuhl auf. „Ich denke trotzdem, du könntest …“

„Werde ich aber nicht“, sagte Cole abgehackt und verschwand im nächsten Moment hinter seiner Speisekarte. Damit war dieses Gesprächsthema wohl beendet.

Die nächste halbe Stunde verbrachten sie damit, ihre Gerichte zu wählen und sich über die Kaderänderungen der Mannschaft diese Saison sowie über die dafür notwendigen Pressemeldungen zu unterhalten. Erst als ihr Essen gebracht wurde und Cole seinen ersten Bissen genommen hatte, lenkte er das Thema auf den eigentlichen Grund, warum sie hier waren: den Stapel Papier, den Savannah vorsorglich neben sich gelegt hatte und dessen Post-it-Zettel die Spaghetti auf ihrem Teller berührten.

„Okay, leg los. Optimiere meinen Steckbrief, damit er die perfekte Ehefrau anlockt.“

„Bist du sicher, dass du das jetzt besprechen willst?“, hakte Savannah vorsichtig nach. „Es könnte deinen Appetit verderben.“

„Ich esse ein gegrilltes Käsesandwich. Nichts kann ein gegrilltes Käsesandwich verderben.“

Interessante Philosophie. Sie fragte sich, ob er immer noch so denken würde, wenn sie ihre Cola darüber goss. Na, sie würde ihn gleich noch genug aufregen, vielleicht sollte sie ihre Cola besser trinken.

„Okay.“ Savannah nahm einen Schluck und drehte die Nudeln in ihren Löffel. „Ich muss erst einmal eine essenzielle Frage stellen. Auf die Frage, warum du dich bei dem Dating Portal angemeldet hast, hast du geantwortet: Ich will heiraten. Und auch wenn viele Frauen das als positives Zeichen sehen werden, werden sich die anderen, klügeren Frauen die Frage stellen: Warum willst du heiraten?“

Cole zuckte die Achseln. „Es wird Zeit.“

Savannah ließ die Gabel sinken und legte eine Hand auf ihre Brust, bevor sie atemlos sagte: „Oh mein Gott! Ich wäre doch gerade tatsächlich beinahe in Ohnmacht gefallen. So romantisch war das.“

Cole schien sich nicht im Mindesten angegriffen zu fühlen. Er winkte lediglich ab und meinte: „Es geht mir nicht um Romantik.“

„Oh glaub mir, dass ist jeder Frau, die du triffst, klar.“

„Umso besser. Sie sollen das richtige Bild von einer Ehe mit mir bekommen.“

„Das da wäre …?“, fragte Savannah vorsichtig. Sie hatte Angst vor der Antwort. Sie fürchtete, sie könnte sie dazu verleiten, ihren Boss zu vermöbeln.

„Ich heirate nicht aus konventionellen Gründen. Ich heirate, weil es mir das Leben vereinfacht.“

Jap, ihre Hand fing an zu zucken.

„Ich will eine Frau finden, weil ich auf die fünfunddreißig zugehe und es dann immer besser aussieht, wenn man verheiratet ist.“

„Inwiefern besser?“, wollte Savannah wissen, ihre Fäuste fest auf den Tisch gepresst. Sie wollte die Cola nicht mehr über sein Sandwich gießen. Sie wollte sie in sein Gesicht schütten.

„In der Gesellschaft, im Job, in der Familie. Such es dir aus.“

Nein, danke.

„Und warum wartest du nicht darauf, bis du dich verliebst? So wie es alle anderen Leute auch tun?“, wollte sie wissen.

Cole sah sie an und ein Lächeln zog an seinen Mundwinkeln. „Es wird dir nicht gefallen, was ich dazu zu sagen habe.“

Oh, davon war sie überzeugt.

„Versuch es.“

„Nun, ich warte nicht auf die große Liebe, weil ich dieses Konzept für die größte Lüge neben dem Weihnachtsmann halte.“

Ihr Mund öffnete sich und sie war froh, noch nicht mit dem Essen begonnen zu haben. „Was? Die Liebe?“

„Die große Liebe“, korrigierte er sie. „Ich halte das für Schwachsinn. Es gibt kein Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Liebe ist ein überbewertetes Konzept. Klar, Menschen können Chemie haben und ihre Hormone zwingen ihnen das Gefühl auf, sie wären verliebt. Aber es gibt so etwas wie den Richtigen nicht. Und ganz ehrlich: Wenn es die Gesellschaft nicht als verwerflich ansehen und ich bei jedem Geschäftsessen gefragt werden würde, ob ich meine Frau mitnehmen wolle, würde ich wahrscheinlich einfach nie heiraten.“

Mit großen Augen und offenstehendem Mund starrte sie ihn an. Sie hatte ja geahnt, dass es schlimm um ihm stand, aber das hier …?

„Was für ein Riesen-Zyniker bist du denn, bitte?“

Er schnaubte und aß seelenruhig weiter. „Willst du mir jetzt erzählen, dass du an den Blödsinn glaubst?“

„Es ist kein Blödsinn und natürlich glaube ich daran!“, fuhr sie entrüstet auf. „Es gibt für jeden Menschen da draußen die passende Person. Die eine besondere Person, die seinem Leben einen völlig neuen Sinn gibt. Die eine besondere Person, die …“

„Oh bitte, mir kommen die Tränen.“

„Was ist mit deinen Eltern?“, versuchte Savannah es weiter und begann jetzt doch wieder zu essen. Sie musste sich für dieses Gespräch stärken. „Die sind schon seit Ewigkeiten zusammen.“ Ja, sie hatte sich womöglich über die Panthers informiert, als sie sich für den Job beworben hatte.

Cole nickte. „Ja, aber sie sind absolut falsch füreinander. Es hat seinen Grund, dass meine Mutter Dreiviertel des Jahres in den Hamptons verbringt. Ich bezweifle auch, dass sie sich auf irgendeiner Ebene noch lieben. Sie respektieren sich und das genügt.“

Ungläubig schüttelte Savannah den Kopf. Er konnte das nicht ernsthaft denken! Das war inakzeptabel.

„Das ist einfach nur traurig, Cole. Du musst doch daran glauben, dass irgendeines dieser Mädchen, mit denen du dich triffst, die Richtige ist!“

„Oh, das glaube ich. Die Richtige für meine Zwecke. Ich glaube fest daran, dass ich diese Frau finden kann. Aber die Richtige für mich? Die Liebe meines Lebens? Nicht so sehr.“ Er hob die Schultern, so als hätte er gerade bemerkt, dass er vergessen hatte, den Müll rauszubringen.

Savannah steckte sich eine Gabel Spaghetti in den Mund und ihr fiel es schwer, zu kauen. Cole Panther suchte eine Frau. Aus all den falschen Gründen. Und somit konnte er nur jemanden Unpassendes für sich finden! Er brauchte keine Frau, die immer lieb lächelte und seine Geschäftsfreunde unterhielt. Er brauchte eine Frau, die ihm zeigte, dass Liebe verdammt noch mal real war!

Aber wer war sie, darüber zu urteilen? Wenigstens suchte er. Das war mehr als sie tat.

Sie schluckte ihre Pasta herunter und nickte. „Schön. Also hätten wir jetzt etabliert, dass du nicht an die Liebe glaubst und ein Schwachkopf bist. Machen wir weiter.“ Sie zog ihre Notizen zu sich heran.

„Bei Was sind Ihre Schwächen hast du Ich habe keine Frau hingeschrieben. Aber das zählt nicht als Charakterschwäche und wenn du jetzt sagst, du hast keine, schreibe ich gleich fünf für dich auf.“

Coles Mundwinkel zuckten und er schien kurz zu überlegen, bevor er sagte: „Es ist vielleicht nicht ganz ab vom Schuss zu sagen, dass ich morgens schwer aus dem Bett komme, ungeduldig und beizeiten etwas distanziert, unnahbar und ein Arschloch bin.“

Savannah prustete. „Wir nehmen das mit dem Schwer-aus-dem-Bett-Kommen und der Ungeduld. Du musst deine größte Schwäche ja nicht gleich auf den Präsentierteller legen.“

Sie notierte sich die Antworten und ging zur nächsten Spalte über.

„Was sind hingegen deine drei besten Eigenschaften?“

Cole runzelte die Stirn. „Ich erinnere mich spezifisch daran, diese Frage beantwortet zu haben.“

„Ja, und keine Frau interessiert es, dass dein Zahlengedächtnis atemberaubend ist, du immer pünktlich und unschlagbar in Verhandlungen bist. Das sind keine Eigenschaften! Das sind Fähigkeiten.“

Stöhnend legte Cole seinen Kopf in den Nacken. „Warum wollen Frauen das überhaupt wissen? Lass sie doch selbst herausfinden, was meine guten Eigenschaften sind.“

Savannah presste die Lippen aufeinander, um nicht anzufangen zu lachen.

„Okay, ich schreibe verlässlich, humorvoll – denn deine Vorstellung hier ist zum Schreien komisch – und redegewandt auf. Kommen wir zu deinen Hobbys …“

Cole öffnete den Mund, doch Savannah unterbrach ihn sofort.

„Jaja, ich verstehe das“, sagte sie. „Wer hat Zeit für Hobbys? Aber dann schreib wenigstens hin, dass du gerne … keine Ahnung. Was machst du denn gerne? Das Feld leer zu lassen, lässt dich wie einen Workaholic wirken.“

„Ich bin ein Workaholic!“

Nein, das konnte nicht sein. Denn das würde sie ja gezwungenermaßen auch zu einem machen.

„Es muss doch irgendetwas geben, das du gerne tust“, lenkte sie ab. „Abgesehen davon, Verträge aufzusetzen.“

Savannah nahm einen Schluck Cola, während ihr Gegenüber angestrengt die Stirn runzelte, bevor er sich ein weiteres Stück seines Sandwiches in den Mund schob und schließlich fragte: „Ist Sex eine legitime Antwort?“

Savannah verschluckte sich und spuckte Cola über ihre Spaghetti.

Cole grinste sie an. „Alles okay da drüben?“

Tränen stiegen ihr in die Augen und sie nickte hustend. „Alles klar“, röchelte sie. „Und nein, das ist keine legitime Antwort.“

„Aber ich schlafe gerne mit Frauen. Und ich bin gut darin. Klassifiziert sich das nicht als Hobby?“

Und ich bin gut darin. Die Worte hallten in Savannahs Kopf wider.

Gott, warum fiel es ihr nur so leicht, ihm zu glauben? Er sah einfach aus wie … und sein Körper … und sein anzügliches Lächeln …

„Ich glaube nicht, dass es der richtige Weg ist, eine Ehefrau zu finden, wenn du herumposaunst, dass du gerne mit Frauen schläfst.“

Das schien Cole zu verstehen. „Damit könntest du recht haben. Wir kommen später auf diese Frage zurück.“

Die nächste halbe Stunde verbrachte Savannah damit, sich entweder davon abzuhalten, den Kopf zu schütteln oder laut zu lachen. Es gab keine einzige Frage, die Cole für wichtig, für in irgendeiner Form relevant hielt. Keine Frage, bei der er nicht laut aufstöhnte und sie praktisch darum bat, sich einfach eine Antwort auszudenken.

Am Ende hatten sie einen ausgefüllten Fragebogen vorzuweisen, hinter dem nie jemand den zynischen und pragmatischen Mann vermuten würde, der jetzt gerade vor Savannah saß. Und das war gut so. Denn so würden sich wenigstens noch ein paar Frauen bewerben, die keine Goldgräberinnen waren.

Cole zahlte wie selbstverständlich die Rechnung ihres Essens – und Savannah wehrte sich nicht dagegen, dies war schließlich so etwas wie ein Meeting gewesen und … Herrgott, der Kerl war Millionär.

Cole reichte ihr, sobald er aufstand, einen kleinen Papierzettel. „Hier“, sagte er. „Die Nummer von Rob Golson, bester Privatdetektiv, den ich kenne. Ich habe dich außerdem angekündigt, er erwartet deinen Anruf.“

„Oh.“ Savannah nahm den Zettel entgegen und starrte die Nummer an. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass Cole so schnell sein würde.

„Ähm, danke“, sagte sie verlegen und steckte ihn in ihre Handtasche, die augenblicklich zehn Kilo schwerer zu wiegen schien. „Das werde ich tun.“

Sie spürte Coles neugierigen Blick auf ihrem Gesicht, doch er fragte nicht erneut nach ihren Hintergründen. Gut so.

„Außerdem möchte ich, dass du mir für morgen Abend zwei Dates vereinbarst. Du hast ja jetzt einen ungefähren Überblick darüber, wonach ich suche. Sag beiden Damen, dass ich nur eine Stunde ihrer Zeit benötige und setze die Termine dicht hintereinander, ich möchte nicht unnötig viel Zeit verschwenden.“

Er richtete seinen Hemdkragen, rückte seine Krawatte gerade und deutete ausladend zur Tür. Savannah folgte seiner Geste, und als sie an die frische Winterluft trat, dachte sie, dass Cole vielleicht recht hatte.

Er war kein Arschloch. Er war schlichtweg ein Vollidiot mit vollkommen verquerem Weltbild. Aber daran konnten sie arbeiten.

Kapitel 6

Cole war kein Morgenmensch und das hatte mehrere Gründe.

Erstens: Er ging spät schlafen.

Zweitens: Er war über die Jahre hinweg immun gegenüber Kaffee geworden, trank ihn aber trotzdem wie andere Wasser. Drittens: Er hasste es, morgens ins Büro zu kommen, nur um zu sehen, dass sich ein Problem nach dem anderen auf seinem Schreibtisch stapelte, das es über den Tag hinweg zu lösen galt. Viertens: Er brauchte kein Viertens, er hasste den Morgen, vor allem, wenn er um sechs Uhr früh beginnen musste!

Das Einzige, was diese abscheuliche Tageszeit noch verschlimmern konnte, war sein Vater, der ihn bereits im Büro erwartete und ungeduldig auf seine Armbanduhr sah.

Cole seufzte innerlich. Es war acht nach sieben. Er durfte acht Minuten zu spät kommen. Er war der verdammte Boss! Aber Clint Panther hatte Probleme damit, seinen Posten zur Gänze abzugeben, gleichwohl er das System meistens sich selbst überlassen hatte. Cole kannte seinen Vater. Er wusste, wie er tickte. Er kannte seine Vorstellungen von Moral und Geschäftssinn. Es stand außer Frage, dass Clint Panther ein guter Geschäftsmann war. Ein hervorragender sogar.

Aber ein guter Vater? Nicht wirklich. Auch wenn er sich in letzter Zeit Mühe gab, gleichwohl Cooper, Callum und Callie das nicht erkannten.

„Dad“, sagte Cole und nickte seinem Vater zu. Das war Begrüßung genug. Clint Partner umarmte Leute nie. Er tat es einfach nicht. Cole hatte bei seinem Abschluss der Harvard Law einen Schulterklopfer von ihm bekommen – und über diesen historischen Moment redeten seine Geschwister noch heute.

„Cole, du bist spät“, sagte er und deutete unnötigerweise mit seinem Zeigefinger auf die Armbanduhr.

„Ich hatte regen Verkehr.“ Und keine Lust aufzustehen. Cole arbeitete hart und arbeitete lang – aber er zog den Abend lieber nach hinten in die Länge, als den Tag früh zu beginnen. Das hatte Panther Senior noch nie verstehen können.

Er ging an seinem Vater vorbei, öffnete die Tür zum Büro und schritt zu seinem Schreibtisch. Clint folgte ihm.

„Ich habe gestern Abend noch von Parker die groben Zahlen für die kommende Saison erhalten“, sagte Clint und allein der bemüht ruhige Ton, den Cole aus der Stimme seines Vaters heraushörte, bedeutete ihm, dass er mit den Zahlen nicht zufrieden war.

„Die Summe, die du bereit bist, für den Transfer von Rodriguez zu bezahlen, ist unerhört hoch!“, kam er direkt zum Punkt. „Das hätte ich nie so abgesegnet.“

Cole zuckte die Schultern, ließ sich auf seinen Schreibtischstuhl sinken und schaltete den Computer ein. „Er ist es wert.“

„Du könntest für das Geld noch zwei Rookie-Pitcher kaufen!“, bellte Clint Panther.

Kopfschüttelnd zog Cole seine Tastatur heran. „Wir haben gute Rookies. Gerade Pitcher. Wir haben Cade Siegel und Jason Collins. Sie werden in ein paar Jahren an Luke Carter heranreichen, wenn nicht sogar besser sein.“

„Man kann nie genug Pitcher haben!“

„Dad, wann haben die Delphies das letzte Mal die World Series gewonnen?“, wollte Cole wissen und ging den Stapel von wichtigen Neuigkeiten durch, den sein Sekretär ihm jeden Morgen auf den Tisch zu legen hatte.

„Ich weiß es nicht genau, wieso ist das wichtig?“

„Es war vor fünfzehn Jahren. Vor fünfzehn langen Jahren! Und ich habe vor, das dieses Jahr zu ändern. Aber dafür brauche ich Jimmy Rodriguez, den verdammt besten Schlagmann der Liga – und er ist nun einmal teuer. Aber jeden Dollar wert.“

Cole öffnete einen schmalen, weißen Brief, der als Betreff Jake Brakers Vertrag angegeben hatte. Jake Braker war Third Baseman der Delphies und der verdammt beste noch dazu. Abgesehen davon kannte Cole ihn schon ewig, aber es war besser, dass die Spieler dies nicht wussten. Sonst würden sie ihm noch eine Sonderbehandlung des Sechsundzwanzigjährigen vorwerfen. Cole überflog die Zeilen, während sein Vater seine Tirade darüber, dass jetzt nicht die Zeit war, Geld voreilig einzusetzen, fortführte.

Cole hörte nicht richtig zu. Er war am letzten Absatz des Briefes angekommen und verzog das Gesicht. Shit. Das Schreiben war von Jakes Agenten und machte Cole nicht glücklich. Das konnte nicht sein Ernst sein!

„… Frage ist doch, ob Rodriguez Fans ins Stadion bringen wird“, sagte Clint gerade, als Cole seine Aufmerksamkeit gezwungenermaßen wieder auf ihn lenkte. „Und das sehe ich einfach nicht. Er ist gut, keine Frage, aber –“

„Dad“, unterbrach Cole ihn und ließ den Brief achtlos auf den restlichen Papierkram fallen. Sein Vater musste gehen. Cole hatte Arbeit zu erledigen.

„Ich weiß deine Ansichten zu schätzen, aber es ist mein Job. Ich mache ihn mittlerweile länger als ein Jahr und ich habe von dem Besten gelernt.“ Er warf seinem Vater einen vielsagenden Blick zu. „Also, könntest du mir in dem Bereich einfach vertrauen?“

Der Mund seines Vaters hatte sich zu einer dünnen Linie geformt. Ein schlechtes Zeichen und Cole wusste bereits, was jetzt kommen würde.

„Du weißt genauso gut wie ich, dass ich dir die Mannschaft erst zu deinem fünfunddreißigsten Geburtstag überlassen wollte“, bellte sein Vater. „Die neuen Entwicklungen deines Arbeitsverhältnisses hatten mich dazu gezwungen, den Zeitplan anzuziehen.“

Ja, und er wurde nicht müde, Cole daran zu erinnern. Als wüsste er nicht, dass er seine Anwaltslizenz verloren hätte, wenn sein Vater nicht derjenige wäre, der er nun einmal war.

„Dad“, sagte Cole und lächelte. Nicht dass sein Vater auf Lächeln positiv reagierte, aber so fiel es Cole leichter, einen höflichen Ton zu bewahren – und der war bei Clint Panther von essenzieller Wichtigkeit. „Ich habe Scheiße gebaut, du hast mir geholfen, ich bin dir dankbar. Das weißt du. Aber du hast mir beigebracht, dass es wichtig ist, auf den eigenen Instinkt zu vertrauen. Und mein Instinkt sagt mir, dass wir mit Rodriguez den beschissenen Pokal gewinnen werden.“

„Mhm.“ Offenbar besänftigt darüber, dass Cole ja doch nur nach seinen Anweisungen handelte, nickte Clint. „In Ordnung. Wenn du das mit den Coaches besprochen hast …“

„Habe ich“, versicherte ihm Cole und hoffte, dass sein Vater nicht bemerkte, wie er in seiner Hand Jakes Brief zerknüllte. Ja, er wusste, wie er am besten mit seinem Vater umging. Was nicht hieß, dass es einfach für ihn war.

„Gut. Was ist mit deiner Schwester, hast du sie schon erreicht?“

„Nein, sie will nicht mit mir reden.“

Deinetwegen.

„Hast du …“

„Coop gefragt? Habe ich. Er hat mir gesagt, dass sie mich absichtlich ignoriert.“

„Ach so.“ Clints Augenbrauen zogen sich zusammen und Coles Herz wurde eine Spur schwerer. Er wusste, dass sein Vater sich schuldig fühlte, weil er bei Callies Erziehung deutlich mehr verpasst hatte als bei den Jungs. Aber Clint war es schon immer sehr viel schwerer gefallen, mit seiner Tochter umzugehen, die so anders war als seine Söhne – das wusste Cole und das wusste Callie. Aber ändern tat das nichts.

Clint räusperte sich. „Geht es ihr gut?“

„Coop meint ja.“

Schweigend sahen die beiden sich an und vielleicht dachte sein Vater dasselbe wie er. Dass niemand je wusste, was in Callie vor sich ging – mit Ausnahme von Coop. Doch der war nicht da gewesen, als damals alles den Bach heruntergegangen war, und keiner der anderen hatte es kommen sehen.

„Ich werde sie zurückholen“, versprach Cole leise. „Sie wird nach Hause kommen.“

Clint nickte knapp. „Lass mich nur mit deinem Bruder reden. Ich will Callie ein Angebot machen und auf ihn hört sie.“

Ja, aber ob Coop auf seinen Vater hörte?

„Danke, Cole.“ Panther Senior hob kurz die Hand, bevor er hinzufügte: „Und jetzt geh an die Arbeit“, und aus dem Büro verschwand.

Cole sah ihm für einen Moment nach und blickte dann auf den zerknüllten Brief unter seiner Faust. Dies würde ein anstrengender Tag werden. Dabei zählte er die zwei Dates, die Savannah ihm heute Abend organisiert hatte, noch gar nicht dazu.

„Ich liebe deine Pancakes. Liebe, liebe, liebe sie“, stöhnte Savannah und ließ sich das letzte Stück des süßlichen Teiges auf ihrer Zunge zergehen.

„Oh Gott, nicht du auch noch“, sagte Cara entrüstet und zog ihr den Teller weg. „Ich bin eine Spitzenköchin und alles, was mein Sohn von mir will, sind meine Pancakes! Das ist degradierend.“

„Ich mag auch deinen Bacon …“, sagte Savannah versöhnlich.

Cara schnaubte. „Das ist nicht hilfreich!“

Als hätte ihr Sohn gehört, dass sie über ihn redeten, steckte Danny sein kleines, rundes Gesicht in die Küche. Er war fünf und sah mit seinen braunen Augen und braunen Haaren aus wie ein Miniaturklon seines Vaters. Zumindest behauptete Cara das immer.

„Mom, wo ist mein Pyjama mit den Rennautos drauf?“, wollte er wissen und verzog unzufrieden sein Gesicht.

„Den habe ich schon in den Koffer gepackt, Peanut“, sagte Cara lächelnd.

„Okay, denn ich muss üben.“ Danny nickte ernst und Savannahs Herz schmolz zu einer Pfütze aus Schokopudding.

„Dannys Kindergartengruppe veranstaltet bald ein Seifenkistenrennen“, erklärte Cara Savannah schmunzelnd. „Wenn er seinen Rennauto-Pyjama trägt, kann er logischerweise auch im Traum üben.“

Savannahs Mundwinkel wollten sich selbstständig machen, doch sie kämpfte dagegen an.

„Das ist ein guter Plan“, bestätigte sie und entlockte Danny somit ein strahlendes Milchzahnlächeln.

„Ja, ich werde der Schnellste und Beste sein. Dad sagt, er baut die beste Kiste aus Seifen von allen.“

Es war eindeutig, dass Danny von dem Können seines Vaters überzeugt war, und für einen kurzen Augenblick meinte Savannah einen wehmütigen Blick auf Caras Gesicht zu entdecken. Doch der Ausdruck war so schnell wieder verschwunden, dass sie sich ihn auch hätte einbilden können.

„Ich bin mir sicher, dass dein Dad einen hervorragenden Job machen wird“, bestätigte Cara und zerzauste Dannys Haare. „Außerdem wird er bald hier sein, also geh nach oben und putz deine Zähne, okay? Und dann packen wir zusammen all die Schaufeln ein, die du unbedingt mitnehmen willst.“

Das Leuchten auf Dannys Gesicht wurde gleich noch ein wenig heller. „Ja“, sagte er wild nickend. „Und dann esse ich noch mehr Pancakes.“

„Na, darüber reden wir dann noch“, sagte Cara lächelnd und gab ihm einen Kuss auf die Wange. „Ich hab‘ dich lieb, Peanut.“

Danny lächelte breit. „Ich hab‘ dich lieber.“

„Ich hab‘ dich lieber als Schokoladenpudding“, sagte Cara ernst.

Er prustete. „Ich hab‘ dich lieber als Fußball.“

„Ich hab‘ dich lieber als meine Küche.“

Ihr Sohn sah angemessen beeindruckt aus, bevor er flüsterte: „Ich hab‘ dich lieber als alles.“

Cara seufzte gespielt enttäuscht. „Also, dagegen kann ich nicht ankommen. Du hast gewonnen.“

Savannah musste lächeln, als Danny mit einem Triumphschrei aus der Küche rannte, die Arme über den Kopf ausgestreckt. Egal, wie lange es her war, dass Cara sich mit einem Mann getroffen hatte, sie würde nie allein sein. Sie hatte Danny. Ihre Familie. Denn Mrs. Bernard hatte recht: Die Familie war nun einmal das Wichtigste.

Bei diesem Gedanken wurde Savannahs Hals eng. Sie vermisste das Gefühl, zu jemandem zu gehören – auch wenn sie es noch nie empfunden hatte. Sie wollte Menschen vertrauen und sich auf sie verlassen. Aber noch nie hatte ihr jemand Anlass dazu gegeben, das für ein gutes Vorhaben zu halten.

„Also, ich habe darüber nachgedacht“, riss Cara sie aus ihren Gedanken. „Und du hast recht: Ich sollte mein Privatleben ausbauen. Das ist mein Jahresvorsatz und sobald ich aus dem Urlaub zurück bin, werde ich ihn angehen. Und du wirst mir dabei helfen.“ Sie richtete warnend einen Zeigefinger auf Savannah. „Denn du bist schuld, dass ich mich plötzlich nach etwas mehr Aufregung sehne. Mein Leben sollte aus mehr bestehen als aus Ninjas, Legoburgen und Joghurtresten, die ich vom Boden wischen muss.“

Savannah räusperte sich, um den Kloß loszuwerden, der ihr immer noch auf Herz und Lunge drückte. „Schön. Diese Verantwortung nehme ich gerne auf mich. Was ist dein erster Schritt?“

„Nächste Woche Samstag gehen wir was trinken“, sagte Cara bestimmt. Sie hatte offenbar schon näher darüber nachgedacht. „Ich werde auch noch ein paar der anderen Mädels fragen, ob sie mitkommen wollen – und dann werden wir Cocktails trinken und mir einen Mann suchen, mit dem ich auf ein Date gehen kann.“

„Okay.“ Savannah nickte. „Hört sich nach einem bombensicheren Plan an.“

„Sehe ich auch so“, sagte Cara selbstzufrieden. „Also blockierst du den Samstag?“

„Ja, ich …“ Erst jetzt fiel Savannah auf, dass Cole möglicherweise von ihr erwartete, dass sie ihre Wochenenden freihielt, damit sie auch dort Babysitter für seine Dates spielen konnte.

„Was, du?“, fragte Cara vorsichtig. „Du musst mitkommen! Es war deine Idee, dass ich anfange, wieder auszugehen.“

„Ja, ich weiß, natürlich bin ich da“, sagte Savannah und winkte ab. „Es könnte nur sein, dass ich an dem Abend schon verplant bin. Aber das werde ich dann verschieben.“

„Was hast du denn möglicherweise vor?“, fragte Cara verwundert. Eigentlich sollte Savannah sich beleidigt fühlen, weil ihre Freundin sich so überrascht anhörte, aber wenn sie ehrlich war, dann fand sie es selbst etwas merkwürdig, dass sie an einem Samstagabend so etwas wie eine Verabredung haben könnte. Auch wenn sie arbeitsbedingt war.

„Oh, ich muss vielleicht auf ein Date“, sagte Savannah und winkte ab.

Cara bekam große Augen. „Ein Date? Und du erzählst mir nichts?“, fragte sie ungläubig. „Mit wem?“

„Cole Panther.“

„Du gehst auf ein Date mit Cole Panther?!“ Caras Stimme war mehrere Oktaven in die Höhe gerutscht und ihr Mund stand so weit offen, dass Savannah ihre Faust dort hätte hineinstopfen können.

„Oh nein!“ Sie bemerkte zu spät, wie sich das hatte anhören müssen. „Nein, nein. Ich begleite Cole auf ein Date, das er mit einer anderen Frau hat“, korrigierte sie sich hastig. „Aber für nächsten Samstag ist noch nichts fest geplant, deswegen kann ich den Termin auf jeden Fall für dich freihalten.“

Mehrere Fragezeichen bildeten sich auf Caras Gesicht. „Ich verstehe kein Wort. Was soll das heißen? Treffen die reichen Leute von heute sich nicht mehr allein mit ihren Dates? Falls ihnen der Gesprächsstoff ausgeht oder sie kurz ans Telefon müssen?“

Savannah lachte und streckte ihre Beine unter dem Tisch aus. „So ähnlich …“, meinte sie, bevor sie Cara kurz den Job erklärte, den sie für die nächsten drei Monate einnehmen würde.

Cara lauschte ihr kopfschüttelnd. Je genauer Savannah ihren Job erläuterte, desto mehr verengte ihre beste Freundin die Augen.

„Das heißt, Cole will heiraten, weil es seinem Image guttun würde?“, schloss Cara, als Savannah mit ihrer Geschichte geendet hatte. Sie sah alles andere als überzeugt von diesem Plan aus. Nun, da waren sie schon zwei.

„So in etwa.“

„Und du willst ihm dabei helfen, den größten Fehler seines Lebens zu begehen?“

„Jap und vierzigtausend Dollar kriege ich auch noch dafür.“

„Hmh.“ Cara schien beeindruckt. „Wenigstens zahlt er dann wortwörtlich für seine Dummheiten. Es wundert mich fast, dass er sich nicht einfach eine Frau kauft.“

„Ich glaube, er möchte, dass seine Ehefrau Englisch spricht“, mutmaßte Savannah. Aber sicher war sie sich nicht.

„Es ist ärgerlich, oder?“, überlegte Cara und nippte an ihrem Tee.

„Was?“

„Cole ist ein intelligenter, gutaussehender und wie ich von dir höre, humorvoller Typ. Auch wenn ich das bis heute nicht glauben kann. Aber vielleicht verstehe ich seinen Humor nicht, weil er mir eine solche Angst einjagt. Egal – auf jeden Fall verlieren die guten Frauen ihn nun an eine billige Goldgräberin, die vernünftig mit Messer und Gabel umgehen kann. Dabei wäre er ein solcher Fang. Das ist eine echte Verschwendung, findest du nicht?“

Savannah runzelte die Stirn und dachte über Caras Worte nach. So hatte sie das Ganze noch gar nicht gesehen. War Cole ein guter Fang? Klar, er sah gut aus. Er hatte Geld. Er war nett, wenn er gerade kein Arschloch war. Man konnte sich gut mit ihm unterhalten. Er war intelligent und wie Savannah gestern gelernt hatte, gar nicht so unaufmerksam wie von ihr angenommen.

Ich schlafe gerne mit Frauen. Und ich bin gut darin.

Röte kroch Savannahs Wangen hinauf, als ihr kurzzeitig wirklich unangebrachte Bilder von ihrem Boss in den Kopf sprangen. Sie räusperte sich. „Ich schätze schon. Es ist traurig für die guten Frauen. Irgendwie. Aber wenn er nicht darauf warten will, sich zu verlieben?“

Cara winkte ab. „Ach, die Männer wissen doch gar nicht, was sie wollen. Schau dir die ganzen Baseballer an. Tönen groß rum, dass sie für immer allein bleiben werden und sie ihr Singleleben genießen. Und jetzt? Luke trägt den Namen Ehemann und hat das erste Kind auf dem Weg. Dex versucht immer noch erfolglos, Kaylie dazu zu überreden, ihn endlich zu heiraten. Sam, der Eisklotz, ist zu einer verliebten Pfütze geschmolzen und Ryan küsst den Boden unter Grace‘ Füßen.“

Savannah schmunzelte, denn es stimmte. „Was ist mit Jake?“

„Ausnahmen bestätigen die Regel“, meinte Cara schulterzuckend. „Alles, was ich sagen will, ist: Man muss den Männern nur einen kleinen Schubs in die richtige Richtung geben.“

Savannah bezweifelte, dass man Cole auch nur einen Millimeter weit in eine Richtung bewegen konnte, in die er partout nicht wollte. Wahrscheinlicher war es, dass er allen Männern glaubhaft verklickerte, dass sie sofort mit ihren Frauen Schluss machen sollten. Der Mann konnte einfach so verdammt überzeugend sein. Savannah hatte ihn bereits verhandeln sehen und er war verdammt noch mal beeindruckend. Er konnte wahrscheinlich jede noch so intelligente Frau dazu überreden, dass es eine wunderbare Idee war, ihn zu heiraten und die Liebe ohnehin ein veraltetes Konzept war.

„Aber lass uns über dich sprechen“, wechselte Cara abrupt das Thema. „Ich werde anfangen, mit Männern auszugehen – was tust du, um deinen mysteriösen Neujahrsvorsatz umzusetzen? Und was genau ist dieser Vorsatz überhaupt?“

Savannah schluckte und dachte an die Telefonnummer in ihrer Handtasche, die ein Loch durch das Leder brannte. Sie wollte schon abwinken und erklären, dass es nicht so wichtig sei, als sie noch einmal innehielt.

Familie ist das Wichtigste, finden Sie nicht auch?

Sie schloss die Augen und atmete tief durch. Es war ungewohnt für sie, aber … sie wollte darüber reden. Sie musste darüber reden. Und mit wem besser, als mit Cara, der einzigen Familie, die sie je gehabt hatte. Ihre Freundin hatte recht. Es wurde Zeit, dass sie lernte, jemandem vollkommen zu vertrauen. Und Cara würde sie nicht enttäuschen.

„Ich habe mir an Silvester vorgenommen, endlich meine leiblichen Eltern zu finden“, sagte sie hastig. „Das Einzige, was ich weiß, ist, dass ich in Philadelphia geboren wurde, weswegen ich hergezogen bin, um meine Suche zu starten. Aber dann hatte ich einen neuen Job, eine neue Stadt … und zu große Angst, um es je zu tun. Aber jetzt habe ich einen Privatdetektiv und werde sie suchen, um zu sehen, was sie für Menschen sind und sie zu fragen, warum sie mich abgegeben haben. Bei meiner Mutter fange ich an.“

Sie verstummte, ihren Blick auf Cara gerichtet, die perplex zurückstarrte. Savannah wusste warum. So viele persönliche Informationen auf einmal hatte sie noch nie von sich preisgegeben.

Im nächsten Moment veränderte sich Caras Blick, und auf einmal lag so viel Mitgefühl darin, dass Savannah gerne weggesehen hätte.

„Du wurdest adoptiert?“, fragte Cara leise, beinahe vorsichtig.

Müde lächelnd schüttelte Savannah den Kopf. „Nein, ich wurde nicht adoptiert. Ich wurde von Pflegefamilie zu Pflegefamilie geschifft, bis ich alt genug war, meine eigenen Entscheidungen zu treffen.“

„Das hast du mir nie erzählt“, flüsterte ihre Freundin und ihre Augen glänzten verdächtig.

Savannahs Kehle wurde eng. „Schau mich nicht so an, Cara“, bat sie.

Mitleid war das Letzte, was sie wollte. Sie war gut zurechtgekommen. Sie brauchte keine Hilfe. Sie wusste, dass sie alles allein schaffen konnte. War das denn nichts wert?

Sie mochte vielleicht keine Eltern haben, die ihr zum Collegeabschluss gratuliert hatten oder ihr erzählt hatten, wie stolz sie waren. Sie hatte vielleicht keinen Vater, der sie bei ihrer Hochzeit zum Altar führen würde oder eine Mutter, die sie anrufen konnte, wenn sie in ihrem Leben nicht weiterwusste. Aber das wollte sie doch auch gar nicht. Sie bildete sich nicht ein, dass sie ihre Eltern fand und sie plötzlich zu der Familie wurden, die sie sich als Kind so sehnsüchtig gewünscht hatte. Alles, was sie wollte, war zu wissen, wo sie herkam. Damit sie endlich herausfand, wo sie hinwollte.

Sie musste es wissen. Warum sie nicht gewollt worden war. Warum ihre Eltern sich dazu nicht in der Lage gefühlt hatten, ein Kind großzuziehen. Das war alles. Dann konnte sie damit abschließen und mit ihrem Leben weitermachen. Dann konnte sie ihr Zuhause suchen und glücklich werden. Sie brauchte nur den einen Abschluss.

„Cara“, flüsterte sie eindringlich, als ihre Freundin nicht damit aufhören wollte, sie mit geweiteten Augen anzustarren. „Es ist okay. Mir geht es gut. Es ist eine Ewigkeit her. Es war keine schöne Art aufzuwachsen, aber ich bin doch trotzdem ganz vernünftig geworden, oder nicht? Das Endergebnis zählt. Der Weg ist nicht wichtig.“

„Oh Savannah“, sagte Cara kopfschüttelnd und im nächsten Moment war sie um den Tisch herumgelaufen und hatte sie fest in die Arme geschlossen. „Natürlich ist der Weg wichtig“, flüsterte sie. „Der Weg macht dich zu dem, der du bist. Und du bist wunderbar. Und nur, weil ich dir Mitgefühl dafür entgegenbringe, dass deine Kindheit so schwer war, heißt das nicht, dass ich dich für schwach halte – ganz im Gegenteil. Du bist die stärkste Frau, die ich kenne und trotzdem werde ich dich zu diesem Privatdetektiv begleiten, wenn du das möchtest.“

Savannahs Augen brannten gleich noch ein wenig mehr, als sie Caras Umarmung erwiderte. Die Komplimente ließen sie sich unwohl fühlen, denn sie war keineswegs stark, aber sie sagte nichts dazu. Alles, was sie hervorbrachte, war ein leises: „Danke.“

„Jederzeit“, flüsterte Cara zurück und drückte sie noch fester an sich. „Du bist für mich da, ich bin für dich da. So machen das Menschen, die sich lieben.“

Savannahs Mundwinkel zuckten. Das hatte sie noch nicht gewusst. Aber es war ein schönes Gefühl.

Kapitel 7

„Das ist das Restaurant, das du ausgesucht hast?“

„Ja.“

„Es sieht nicht gerade edel aus.“

„Das ist es auch nicht. Ich sagte dir, dass viele Frauen sich wohler fühlen, wenn das erste Date an einem Ort mit etwas lockererem Ambiente stattfindet.“

Außerdem hatte Savannah nach einem Restaurant gesucht, in dem sie flache Schuhe und Jeans anziehen konnte. Ihre Füße taten weh und sie hatte es sich zur Regel gemacht, das Wochenende stets ohne High Heels zu verbringen. Und diese Regel würde sie für Cole Panther nicht brechen.

Der Besitzer der Delphies trug Anzug und Krawatte – und Savannah konnte sich nicht daran erinnern, ihn jemals in etwas anderem gesehen zu haben. Aber es stand ihm, warum also sollte er etwas daran ändern? Womöglich verlor er in Jeans und T-Shirt ja auch plötzlich an Attraktivität und trug deshalb nie etwas anderes als diese eng geschnittenen Anzüge und maßgeschneiderten Hemden.

Aber selbst wenn Cole an Attraktivität verlor, wäre er immer noch heißer als ein Berg entzündeter Kohlen. Und das war nicht Savannahs Meinung, das war eine Tatsache, die ganz Amerika mehrfach im People Magazine anerkannt hatte.

Cole hielt ihr die Tür auf, und warme Luft schlug Savannah entgegen. Das italienische Restaurant, in dem sie die nächsten Stunden verbringen würden, war in warmen Rot- und Erdtönen gehalten. Hölzerne, rustikal wirkende Tische und Stühle standen zu ihrer Linken, während sie auf die ausladende Bar direkt neben der Tür zusteuerten. Leise Jazzmusik drang aus großen schwarzen Lautsprechern, die in den Ecken des gut gefüllten Restaurants standen, und Savannah nickte dem Barkeeper zu. Er kannte sie bereits. Sie ging öfter hierher. Genau genommen immer, wenn sie unter der Woche keine Lust hatte zu kochen und schnell etwas essen wollte. Und sie hatte meistens keine Lust.

„Hey, Savannah“, murmelte der schlaksige blonde Mann, den sie als Trevor kannte. „Jetzt schon freitags hier? Was verschafft uns die Ehre?“

„Geschäfte, Trev“, erwiderte sie lächelnd und wandte sich wieder Cole zu, der den Barkeeper stirnrunzelnd musterte. „Also, ich werde hier sitzen, was trinken und dich bei deinem Date beobachten. Wenn die Frau furchtbar ist, bestellst du einen Appletini und ich weiß, dass etwas nicht stimmt.“

„Ich würde nie einen Appletini bestellen“, sagte Cole verwirrt.

„Deswegen weiß ich dann ja auch, dass du gerettet werden musst.“

„Ach so.“ Cole nickte. „Gut.“

Für Savannah hörte sich das Ganze nach Stalking Stufe vier an, aber wenn Cole es gut fand …

„Schön, dann haben wir ja alles geklärt. Ich habe dir einen Platz in Sichtweite reserviert.“ Sie deutete zu einem nahe stehenden Tisch für zwei. „Und die erste Kandidatin sollte in …“ Sie griff nach Coles Arm und blickte auf seine goldene Rolex. „… acht Minuten hier sein. Noch Fragen?“

„Ja“, sagte Cole langsam und sah skeptisch auf ihre Finger auf seiner Haut. „Wie heißen die Frauen, die ich hier treffe?“

Savannah ließ seine Hand los und seufzte schwer, während sie aus ihrem Stoffmantel schlüpfte und ihn auf einen der Barhocker legte. „Gina Stevens und Joan Keller. Ich habe dir die Namen heute Mittag gesagt.“

„Du hast mir heute Mittag auch gesagt, was du zum Frühstück hattest, denkst du, das weiß ich auch noch?“

„Es waren Pancakes! Und ich habe dir ungefähr eine halbe Stunde lang von ihnen vorgeschwärmt.“

„Und alles, was ich gehört habe, war Ich hatte heute Morgen ein unglaubliches Frühstück … und dann ein statisches Rauschen.“

Sie verdrehte die Augen. „Wenn du mit allen Frauen umgehst wie mit mir, dann ist es kein Wunder, dass du noch nicht verheiratet bist.“

„Und wenn du mit all deinen Chefs umgehst, wie mit mir, dann würde es mich nicht überraschen, wenn du öfter gefeuert würdest als eine Silvesterrakete, außerdem –“ Er brach ab. Sein Blick war auf ihrem Oberteil gelandet, das neu zum Vorschein gekommen war. „Was hast du da überhaupt an?“

Überrascht reckte Savannah das Kinn. „Was?“

„Was du da anhast“, wiederholte Cole, während seine Aufmerksamkeit ihren Körper hinunterglitt. Sein eisblauer Blick war so intensiv, dass Savannah meinte, ihn auf ihrer Haut zu spüren.

„Das ist meine Freizeitkleidung“, sagte sie perplex.

„Und in deiner Freizeit zeigst du deine Brüste?“

Savannah starrte in ihren Ausschnitt hinunter. Gut, das Tanktop war vielleicht etwas knapp und die Spitze, die ihren BH verdeckte, machte einen unglaublich schlechten Job. Aber das war sicherlich kein Grund für Cole, sie anzusehen, als stünde sie an einer schäbigen Straßenecke, um neue Freier zu gewinnen.

„Na wann soll ich sie denn sonst zeigen?“, wollte sie angriffslustig wissen und verschränkte die Arme. Ungünstigerweise schob diese Geste ihre Brüste gleich noch ein wenig höher.

„Keine Ahnung. Was weiß ich, welche Zeiten Frauen präferieren, um ihre Brüste zu zeigen. Aber du bist hier, um zu arbeiten, nicht um einen Kerl aufzureißen.“

„Vielleicht bin ich ja für beides hier“, sagte sie vage. „Solange ich meinen Job erledige, kann es dir doch egal sein.“

Cole runzelte die Stirn, denn offenbar sah er das anders, aber anstatt ihr zu widersprechen, stellte er lediglich verwundert fest: „Du bist so klein. Seit wann bist du so klein? Mir ist nie aufgefallen, wie klein du bist.“

Natürlich nicht! Sie trug sonst ja auch Zwölf-Zentimeter-Absätze, gerade damit niemand merkte, wie klein sie war und sie deswegen womöglich nicht ernstnahm. Und wenn er keine blöde einsneunzig groß wäre, dann würde das auch gar nicht so auffallen.

„Warum reden wir eigentlich über mich?“, wollte Savannah genervt wissen.

 

Weil ich nicht aussehe, als hätte ich es mal wieder dringend nötig, flachgelegt zu werden, dachte Cole.

Ja, ihm war bewusst gewesen, dass Savannah nicht hässlich war. Aber im Büro wirkte sie immer so professionell und distanziert, sodass kein Kerl auf die Idee kommen würde, sie anzumachen. Hier jedoch, in Jeans und Haltertop, wirkte sie wie eine Frau, die den Barmann mit nur einem Lächeln dazu überreden könnte, jetzt sofort mit ihr in einer Besenkammer zu verschwinden und dreckige Dinge zu tun. Und das gefiel Cole nicht. Überhaupt nicht. Das … lenkte ab.

„Cole Panther?“, fragte eine Stimme hinter ihm, während er drauf und dran war, Savannah nach Hause zu schicken und dazu zu zwingen, sich umzuziehen.

Er wandte sich um und stand einer großen Blondine mit schüchternem Lächeln gegenüber.

„Ja?“, sagte er und blickte sie irritiert an.

„Hey, ich bin Gina Stevens, ich glaube, wir sind verabredet.“

Ach richtig, er war für ein Date hier. Nicht um über Sex mit seiner Angestellten nachzudenken. Nicht dass er das getan hätte.

Meine Güte, zwei Monate Abstinenz waren wirklich zu lang. Dümmste Idee seit der Erfindung von Reality-TV. Er würde das ändern müssen.

Er beachtete Savannah nicht weiter, schließlich sollte es nicht so wirken, als würden sie sich kennen und erwiderte das Lächeln seiner neuen Bekanntschaft.

„Richtig. Sehr nett, Sie kennenzulernen. Wollen wir uns setzen?“

Cole wusste nach drei Minuten, dass er die ihm gegenübersitzende Frau nicht wiedersehen wollte. Aber ihm war klar, was Savannah sagen würde, wenn er ihr nach nur fünf Minuten das Zeichen dafür gab, dieses Date abzubrechen, also blieb er, wo er war und lauschte der Blondine dabei, wie sie darüber redete, wie sehr sie die Arbeit mit benachteiligten Kindern liebte.

Er musste es Savannah lassen: Sie hatte jemanden ausgesucht, die hübsch, gebildet und keine Goldgräberin war. Im Grunde genommen war Gina Stevens eine hervorragende Heiratskandidatin. Wäre sie nicht so unglaublich … zerbrechlich.

Cole brauchte eine Frau, die er anschreien oder mit einem kalten Blick bedenken konnte, ohne dass sie direkt anfing zu heulen. Nicht dass er plante, seine Ehefrau übermäßig oft anzuschreien, aber er kannte sich und wenn ihn Dinge aufregten, neigte er dazu, ab und an etwas laut oder sehr kühl zu werden. Und Gina Stevens war so still und süß, dass sie keinen seiner Ausbrüche seelisch überleben würde.

Dennoch lächelte Cole, fragte nach ihren Interessen und gab sich redlich Mühe dabei, seine eigenen Anekdoten auf einer langweiligen und politisch korrekten Ebene zu halten. Er hatte nämlich das Gefühl, dass Gina ihn bei einem falschen Wort ansehen könnte, als hätte er gerade Bambi erschossen.

Zeitgleich entging ihm jedoch keineswegs, was seine liebe Angestellte an der Bar trieb, und eine essenzielle Frage stellte sich ihm: Wie konnte es sein, dass er derjenige mit dem Date war, aber es von seinem Standpunkt aus so wirkte, als hätte Savannah weitaus mehr Spaß als er? Dabei trank sie nicht einmal. Sie unterhielt sich lediglich mit dem Barkeeper, der unmöglich derart witzig sein konnte, dass Savannah so oft lachen musste, wie sie es tat. Mehrfach versuchte jemand, sich neben sie zu setzen, aber immer wieder lehnte sie ab. Zumindest hielten die Kerle sich nie lang.

Es war merkwürdig, aber es war, als strahle Savannah heute Abend eine vollkommen andere Energie aus als bei der Arbeit. Im Job war sie immer so verschlossen, effizient und respekteinflößend. Aber hier, im Restaurant, wirkte sie zugänglich, fröhlich und locker und mehrfach stellte sich Cole die Frage, ob sie sich auf der Arbeit absichtlich härter gab, damit sie von ihren männlichen Mitarbeitern nicht überrannt wurde. Es schien zumindest so.

Interessant. Was wusste er noch nicht über sie?

Als die Stunde seines ersten Dates abgelaufen war, erhob er sich und geleitete Gina zur Tür, an der er sie mit einem sanften Kuss auf die Wange und dem Versprechen, sich bald bei ihr zu melden, verabschiedete.

Sobald er sich zur Bar wandte, begegnete er Savannahs neugierigem Blick.

„Und?“, fragte sie.

„Ich mochte sie nicht“, sagte er gelassen und ließ sich auf den Hocker neben ihrem nieder.

Ungläubig sah sie ihn an. „Wenn du sie doch nicht mochtest, warum verabschiedest du sie dann so putzig mit einem Kuss auf die Wange?“

„Ich war höflich.“

„Das kannst du?“, fragte sie misstrauisch.

Er schnaubte. „Nur weil du mir nie Anlass gibst, höflich zu sein, bedeutet das nicht, dass ich keine Manieren habe. Im Hause Panther haben wir die Manieren mit der Muttermilch inhaliert. Ich wusste, was eine Fischgabel war, bevor ich bis drei zählen konnte.“

„Ein bisschen zu detailliert beschrieben aber … mhm.“ Savannah wirkte ehrlich beeindruckt. „Interessant. Was hat dir an ihr nicht gefallen? Sie war doch zuckersüß.“

„Ja, zu süß“, bestätigte er und sein Blick sank auf ihre Lippen, die sie immer wieder zwischen ihre Zähne einsog. Sie waren farblos. Heute Morgen waren sie noch rot gewesen. Wie konnte es sein, dass sie sich abgeschminkt, aus ihren hohen Schuhen gestiegen und den engen Rock durch eine Jeans ausgetauscht hatte und noch nie so verdammt sexy ausgesehen hatte? Und was war los mit seinem Kopf, dass der heute offenbar an nichts anderes denken konnte? Cole wollte heiraten, nicht anfangen, über die Frau zu fantasieren, die ihn verkuppeln sollte! Er hatte sich Savannah doch sonst nie nackt vorgestellt. Na gut, fast nie. Er war nun einmal ein Mann und er hatte Augen im Kopf. Aber dennoch: Was war anders?

„Zu süß?“, wiederholte Savannah nachdenklich. „Okay, das werde ich deinem Frauenprofil hinzufügen. Ich frage mich nur, wie du wohl jemanden vom ersten Date verabschiedest, den du magst. Egal, die Nächste sollte definitiv nicht zu süß sein, sie ist Psychologiestudentin und ihr Hobby ist Geräteturnen.“ Sie grinste. „Wenn sich das nicht mal nach einem feuchten Männertraum anhört.“

Zu feuchten Männerträumen wollte Cole sich in genau diesem Moment lieber nicht äußern und er war froh, als sein nächstes Date zur Tür hereinschneite.

 

Cole war charmant.

Unglaublich, aber wahr: Cole Panther war charmant!

Savannah beobachtete ihn nun schon eine ganze Weile über die Spiegel, die hinter der Bar hingen, und mit jedem verstreichenden Moment wurde der Mann zu einem größeren Mysterium. Sie konnte den knallharten Geschäftsmann, den sie aus dem Büro kannte, einfach nicht mit dem Mann vereinbaren, der Joan Keller den Stuhl zurückzog und aufmerksam dafür sorgte, dass sie immer genug Wasser in ihrem Glas hatte. Cole hörte zu, hielt seinen sonst so distanziert-kühlen Blick lauwarm und ab und zu, wenn er nicht aufpasste, verzog sich sein Mund zu einem dieser Lächeln, das Frauen vergessen ließ, dass sie nicht direkt beim ersten Date mit ihm in die Kiste springen sollten. Es war faszinierend und zermürbend zugleich, zu wissen, dass dieser Mann Mitarbeiter feuerte, ohne mit der Wimper zu zucken, und gestandene Agenten zum Weinen bringen konnte – und gleichzeitig dazu fähig war, Joan Keller anzusehen, als wäre sie das interessanteste, liebenswerteste Geschöpf, das er jemals das Glück gehabt hatte kennenzulernen.

Die Frage, die blieb, war: Welche der beiden Seiten spielte er?

Er konnte unmöglich Arschloch und Traumschwiegersohn in sich vereinen. Das wäre einfach unfair, denn es würde bedeuten, dass er nicht nur die Frauen anzog, die auf einen Bad Boy standen, sondern auch die weiblichen Wesen, die einen Ehemann suchten, der ihnen liebevoll über die Haare strich, wenn sie krank waren.

Savannah beschäftigte sich immer noch mit dieser Frage, als Cole auch sein zweites Date verabschiedete und zu ihr an die Bar schlenderte. Dies sah Savannah als eindeutiges Zeichen dafür, dass der Arbeitsteil dieses Abends für sie vorbei war und das feierte sie damit, bei Trevor einen Tequilashot und eine Weißweinschorle zu bestellen. Nach der Arbeit durfte sie trinken. Auch wenn der heutige Abend eine Zeitverschwendung gewesen war, weil Cole ihre Dienste gar nicht in Anspruch genommen hatte.

Er ließ sich neben sie auf einen Hocker fallen und bedeutete Trev, ihm ein Bier zu zapfen, bevor er trocken sagte: „Das war mal eine Zeitverschwendung.“

Ihre Rede!

„Hattest du an der Zweiten auch etwas auszusetzen?“, wollte Savannah wissen, während sie ihre Getränke entgegennahm.

„Sie hat unglaublich viel Parfüm benutzt und war etwas zu sehr von sich selbst überzeugt.“

„Ja, sowas kann niemand leiden“, sagte sie und warf ihm einen vielsagenden Blick zu.

Cole bedankte sich für diesen Hinweis lediglich mit einem knappen Lächeln.

„Nächstes Mal werde ich dir erlauben, die Dates frühzeitig abzubrechen. Heute wollte ich noch testen, ob es sinnvoll ist, die Frauen über den ersten Eindruck hinaus kennenzulernen.“

„Ich Glückspilz.“

„Schön, dass dir der Job so zusagt“, bemerkte er und prostete ihr mit dem Bier zu. „Aber sei freundlich zu den beiden, wenn sie dich anrufen und fragen, warum ich mich nicht melde, in Ordnung? Sie waren beide durchaus nett.“

Savannah musterte ihn eine Weile – seinen ernsten Blick und die erwartungsvoll gehobenen Augenbrauen. Dann wandte sie sich kopfschüttelnd ab.

„Du bist ein wirklich faszinierender Mensch, Cole Panther“, murmelte sie, warf ihren Kopf in den Nacken und leerte den Tequilashot. Zitrone und Salz wurden überbewertet.

„Du hörst dich an wie jeder Zeitungsartikel, der jemals über mich verfasst wurde“, meinte Cole trocken. „Und ich verstehe bis heute nicht, was so interessant an mir sein soll. Überragend aussehende Millionäre gibt es doch wie Sand am Meer.“

Savannah schnaubte und warf ihm einen misstrauischen Seitenblick zu. Jap, er trug genau das selbstgefällige Lächeln, das sie von ihm erwartet hatte.

„Verrat mir nur eins“, forderte sie. „Was ist anstrengender: Das Arschloch zu spielen oder den charmanten Frauenhelden?“

Cole schwieg und … oh mein Gott, dachte er etwa ernsthaft über diese Frage nach?!

„Ich würde sagen, dass beides meine Nerven strapaziert, aber mir das Arschloch grundsätzlich leichter fällt“, stellte er schließlich sachlich fest. Es war Savannah unmöglich, festzustellen, ob er das ernst meinte oder sich gerade über sie lustig machte. Sie entschied sich für Letzteres. Das war einfacher zu akzeptieren.

„Ich muss es dir lassen“, sagte sie und prostete ihm mit der Weißweinschorle zu. „Ich hätte dir nicht zugetraut, dass du so charmant sein kannst. Ich hatte ehrlich gesagt befürchtet, dass die Frauen verängstigt aus dem Raum rennen würden.“

Cole verengte die Augen, seine Iris nun eher dunkel anstatt eisblau.

„Deine Vorstellung von meiner Person schmeichelt mir, Savannah.“

Ihre Mundwinkel zuckten. „Darf ich dich daran erinnern, dass du dafür bekannt bist, deine Sekretärinnen am ersten Tag zum Weinen zu bringen?“

„Dafür werde ich mich nicht entschuldigen. Ich habe nun einmal keine Geduld mit inkompetenten Leuten. Wenn meine Assistenten tun würden, was ich von ihnen verlange, dann müsste ich sie auch nicht anschreien.“

Da war was Wahres dran. Und dennoch: „Du kannst trotzdem manchmal … etwas intensiv sein“, stellte Savannah fest.

Cole starrte sie an und sein Blick glitt forschend über ihr Gesicht, bevor er sagte: „Dich habe ich noch nie zum Weinen gebracht.“

Sie lachte laut auf. Das wäre ja noch schöner!

„Ja, aber ich weiß ja auch, dass du zwar gerne bellst, aber nie beißt. Außerdem fällt es mir oft schwer, dich ernst zu nehmen. Andere sind da nicht so glücklich wie ich.“

„Na wunderbar.“ Cole nahm einen Schluck von seinem Bier, bevor er das Glas in seinen Händen drehte. Er war sich heute Abend so oft mit den Händen durch seine schwarzen Haare gefahren, dass sie von seinem Kopf abstanden und ihn hätten albern aussehen lassen sollen. Und trotzdem strahlte er noch immer einen unterschwelligen, düsteren Sex-Appeal aus, den Savannah sich nicht erklären konnte. Natürlich, da war einerseits seine intensive, grüblerische, kühle Art, die Frauen dazu einlud, seine seelischen Tiefen ergründen zu wollen, aber gleichzeitig musste Savannah daran denken, wie freundlich er zu seinen Dates gewesen war … aber er konnte unmöglich so charmant sein, dass Frauen anfingen, ihn regelrecht zu stalken!

Sie seufzte laut auf. „Okay, verrate mir dein Geheimnis.“

Überrascht ließ Cole das Glas in seiner Hand zum Stillstand kommen. „Mein Familiengeheimnis? Das Geheimnis meines Erfolgs? Das Geheimnis, wie ich Frauen im Bett zum Betteln bringe?“

Ja, die hörten sich alle interessant an, aber wenn Savannah wählen musste …

„Das Geheimnis, wie du Frauen dazu bringst, zu denken, du seist der liebenswürdige, charmante und verträumte Kerl, den sie mir immer wieder am Telefon beschreiben.“

Cole zog einen Mundwinkel nach oben und ein diebisches Lächeln erschien auf seinen Zügen.

„Wieso fällt es dir so schwer zu glauben, dass ich ein umwerfender Gentleman sein kann, dem die Frauen seufzend hinterherlechzen?“

„Weil ich dich kenne!“ Gleichwohl sie allmählich daran zweifelte, dass das stimmte.

„Ah, Savannah.“

Das Lächeln breitete sich gefährlich schnell auf seinem Gesicht aus, sodass Savannahs Herz nervös in ihren Hals sprang.

„So unterschiedlich Frauen auch sind, im Grunde ihres Herzens wollen sie alle dasselbe.“

„Was da wäre?“

Cole fuhr mit seinem Zeigefinger am Rand seines Bierglases entlang. „Ich verrate dir jetzt doch nicht, zu welchen Ergebnissen ich nach zwanzig Jahren eingängigen Studiums des schöneren Geschlechts gekommen bin. Alles, was du wissen musst, ist, dass ich jede Frau, egal wo, egal wann, dazu bringen kann, mich für den atemberaubendsten Mann zu halten, der ihr je untergekommen ist.“

Großer Gott, es war ein Wunder, dass sein Ego ihn noch nicht längst zerquetscht hatte.

„Du bist ein riesengroßer Dummschwätzer“, informierte sie ihn und richtete den Zeigefinger auf seine Brust. „Und ich kauf’ es dir nicht ab. Du kannst nicht wirklich so charmant sein, wie alle armen, gestörten, dir verfallenen Frauen dich zeichnen.“

„Ich bin das und noch so viel mehr“, versprach Cole ihr grinsend.

„Beweise es“, forderte Savannah ihn heraus und schob ihr halb geleertes Glas von sich. „Sei charmant. Zu mir.“

Cole prustete. „Sicher nicht.“

„Warum nicht? Du sagtest: Egal welche Frau, egal wann, egal wo.“

„Ja, aber bei dir ist es was anderes. Du willst mich nicht anziehend finden, weil du mich für einen arroganten Egomanen hältst, der die Liebe besudelt, indem er nicht an sie glaubt. Du hältst es für deine weibliche Pflicht, mich nicht als potenziellen Partner in Betracht zu ziehen, gleichwohl du dich sexuell zu mir hingezogen fühlst.“

Das hatte er beängstigend akkurat zusammengefasst.

„Du leidest an Wahnvorstellungen“, sagte sie schnaubend. „Aber schön, wenn du dich nicht traust ...“

„Ja, ich bin nun einmal ein Feigling“, gab er schulterzuckend zu, lächelte sie an und ließ seinen Blick dann ihren Hals hinunter zu ihrem Dekolleté wandern.

„Ist die Kette neu?“ Er nickte zu dem Anhänger, der auf ihrem Schlüsselbein auflag.

Irritiert folgte sie seinem Blick zu der kleinen silbernen Faust, die an einem dünnen Lederband baumelte.

„Ähm nein, die habe ich vor Ewigkeiten von einer Freundin geschenkt bekommen.“

Cole nickte nachdenklich und studierte das kleine Objekt eingängig.

„Hübsch“, bemerkte er, bevor er die Hand hob und mit den rauen Fingerspitzen über das Silber auf ihrer Haut fuhr. „Was bedeutet sie?“

Eine Gänsehaut zog sich Savannahs Nacken hinauf und sie räusperte sich. „Sie soll mich daran erinnern, nie aufzuhören zu kämpfen. Die Freundin hat sie mir geschenkt, als ich in Harvard angenommen wurde.“

„Du warst in Harvard?“ Beeindruckt hob er die Augenbrauen, bevor er seine Hand neben ihre auf den Tresen sinken ließ. Sein kleiner Finger berührte sacht ihren. „Und ich dachte immer, Harvard nimmt absichtlich keine hübschen Frauen an, damit deutlich wird, dass ihnen wirklich nur der Intellekt wichtig ist.“

Savannah lachte, wollte schon etwas erwidern – und riss im nächsten Moment mit geweiteten Augen den Blick nach oben. „Oh mein Gott“, stieß sie aus. „Du bist gut!“

Er zuckte mit den Schultern und hob mit der Hand, die Sekunden zuvor noch wenige Millimeter von Savannahs entfernt gelegen hatte, sein Bier an die Lippen. „Ich hab‘ es dir gesagt.“

Ja, das hatte er. Und Savannah konnte seine flüchtige Berührung noch immer auf ihrer Haut spüren.

„Und warum musstest du daran erinnert werden, zu kämpfen?“, fragte er, während Savannah versuchte, gewaltsam ihre Gänsehaut niederzuringen.

Böser Körper! Sehr böser Körper!

Sie verdrehte die Augen. „Ich habe es verstanden, Cole. Du kannst unglaublich charmant sein, wenn du nur willst. Du kannst aufhören, Interesse zu heucheln.“

Cole seufzte leise, bevor er sein Bier leerte und sich vollkommen zu ihr umwandte, den Ellenbogen auf dem Tresen abgestützt. „Savannah“, sagte er feierlich. „Lass es dir nicht zu Kopf steigen, aber eines der angenehmsten Dinge an dir ist, dass ich dir absolut nichts vormachen muss. Weil du sowieso jeden Bullshit durchschaust, den ich dir auftische. Also: Für welchen Kampf steht die Faust?“

Sie verengte misstrauisch die Augen und eigentlich wollte sie es ihm nicht erzählen … aber der Tequila wärmte ihren Magen und irgendwie waren sie doch miteinander befreundet, oder nicht?

„Schön, wenn du es gerne wissen willst: Der Anhänger steht für den Kampf um das Leben, das ich mir wünsche. Das Leben, das ich verdiene – nicht das Leben, das mir zugeteilt wurde. Die Kette erinnert mich daran, darauf zu scheißen, wie ich aufgewachsen bin, auch wenn ich es nicht vergessen kann. Sie erinnert mich daran, dass es egal ist, was die Menschen über mich denken und ich alles erreichen kann, was ich mir erträumt habe. Solange ich nur an mich glaube.“

Sie blickte Cole herausfordernd an und erwartete fast, dass er anfing zu lachen. Doch sie wurde enttäuscht. Sein Blick hätte ernster nicht sein können.

„Du sagst das so, als wäre das albern“, stellte er fest, die Augenbrauen tief ins Gesicht gezogen. „Dir das zu wünschen.“

Röte floss in Savannahs Wangen und sie senkte hastig den Blick. Denn er hatte recht. Sie hatte eine lange Zeit geglaubt, dass es genau so war. Weil ihr beigebracht wurde, so zu denken.

„Nein, es ist nicht albern“, sagte sie schnell. „Aber ich habe eine Zeit gebraucht, um daran zu glauben, dass ich ein solches Leben verdiene.“

Stille senkte sich über sie. Eine viel zu ausdrucksstarke Stille für diesen so locker begonnenen Abend und als Savannah langsam ihr Kinn hob, bemerkte sie, dass Cole den Blick keineswegs abgewandt hatte – ganz im Gegenteil. Wenn es möglich war, war er sogar noch intensiver geworden. Tausend Fragen spiegelten sich in seinen Augen wider – doch er stellte keine einzige von ihnen. Vielleicht, weil er wusste, dass er keine Antworten bekommen würde.

Als Cole an diesem Abend sein Loft betrat, in dem er seit drei Jahren wohnte und noch immer keine Bilder aufgehängt hatte, kreisten seine Gedanken noch immer um seine PR-Beraterin. Denn er wusste, was anders an Savannah war – nichts.

Er hatte sie lediglich nie als eine Person außerhalb der Arbeit, in einer anderen Rolle als die seiner Angestellten betrachtet. Er hatte sie nie einfach nur als Frau betrachtet und er war sich verdammt noch mal nicht sicher, ob es eine gute Idee war, jetzt damit anzufangen.

Kapitel 8

Normale Menschen hatten samstags frei. Aber normale Menschen hatten auch ein Privatleben und mussten keine Frau für ihren Boss finden. Da Savannah definitiv in die zweite Kategorie fiel, stand sie am nächsten Morgen um neun auf dem Parkplatz der Delphies und wünschte, sie wäre nur ein paar Minuten früher oder später gekommen. Denn dann hätte sie nicht sehen müssen, was sie nun sah.

Jake stand da, keine drei Meter weiter an ein Quad gelehnt, von dem Savannah fürchtete, dass es ihm gehörte, und war schwer damit beschäftigt, eine plastikbrüstige Blondine zu küssen, die Töne von sich gab, die nie jemand hören müssen sollte. Der Baseman war so damit beschäftigt, dem armen Mädchen ihren Sauerstoff zu rauben, dass er nichts um sich herum wahrzunehmen schien. Noch nicht einmal, dass ein paar Sekunden später Sam Parker auf den Parkplatz fuhr und sich zu Savannah gesellte.

„Hey, Savannah“, sagte er, seinen Blick ebenfalls auf Jakes Vorstellung gerichtet. „Wie geht’s? Du hast dich nicht zufällig bereits mit Jake über seinen Dreier oder die Mediengefahr von öffentlichem Sex unterhalten?“

„Mir geht es gut und nein“, sagte Savannah abwesend, während Jakes Hände an fragliche Stellen vordrangen. „Dazu bin ich noch nicht gekommen. Ich weiß auch nicht, ob jetzt der richtige Moment dafür ist. Wie war die Wohnungssuche? Habt ihr was Schönes gefunden?“

„Ja. Wir haben mehrere Objekte zur Auswahl. Als ich dann jedoch den Fernseher angemacht und gesehen habe, dass es eine Prügelei zwischen Jared Williams und unserem goldenen Jungen hier gab, hat mir das irgendwie die Laune verdorben“, sagte er und nickte zu Jake.

„Ernsthaft? Davon habe ich gar nichts mitbekommen.“ Der goldene Junge hob seine blonde Bekanntschaft gerade auf den Sitz des Quads, um dort weiter mit ihr rumzumachen.

„Worum ging es bei der Prügelei?“, fragte Savannah und verzog das Gesicht, als die Blondine hoch und falsch kicherte. „Hast du dich darum gekümmert?“

„Ich habe keine Ahnung, wahrscheinlich haben sie sich um irgendeine Frau gestritten. Ist mir auch egal. Ich konnte gegen den Medienrummel nicht angehen. Was für ein Statement hätte ich denn auch geben sollen? Jake dreht im Moment einfach am Rad und ich will, dass es aufhört. Ich dachte, er hätte sich langsam eingependelt, aber in den letzten Wochen … oh Gott, das sieht ungesund aus.“

Die Blondine hatte aufgehört zu kichern und wieder begonnen, Jake zu küssen. Feucht und enthusiastisch. Savannah wünschte, sie würde das lassen.

„Es sieht aus, als würde sie seine Mandeln suchen.“

„Und ich glaube, sie findet sie“, sagte Sam und legte den Kopf schräg.

Savannah nickte. „Ist es merkwürdig, dass er da gerade öffentlich mit einem halbnackten Mädchen rummacht, und alles, worüber ich nachdenken kann, ist, dass er auf keinen Fall Quad fahren sollte, weil er seinen Zehn Millionen Dollar-Schlagarm verletzen könnte, und wir ohne Jake nicht in die World Series einziehen werden?“

„Nein, das ist nicht merkwürdig. Das ist dein Job. Und ich denke das Gleiche.“

Das war beruhigend.

„Was tust du überhaupt hier? Ich dachte, Chloe hätte dir verboten, samstags zu arbeiten.“

Chloe verstand keinen Spaß, wenn es um die Einhaltung von Sams Arbeitszeiten ging.

„Hat sie. Aber sie war freundlich genug, heute eine Ausnahme zu machen, damit ich die Post abarbeiten kann, die gestern reinkam … ah endlich, Jake ist fertig.“

Der Baseman löste sich von seiner Eroberung und wechselte grinsend ein paar Worte mit ihr, bevor er sie vom Quad hob. Sie warf ihm eine Kusshand zu, schlenderte zu einem Auto ein paar Meter entfernt, stieg ein und brauste vom Parkplatz. Erst als man den Motor nicht mehr hören konnte, wandte Jake sich ihnen zu. Er hatte sie also sehr wohl registriert.

„Na, wer möchte mir zuerst damit auf den Sack gehen, dass ich mich mit zu vielen Frauen treffe?“

Savannahs Hand schoss in die Höhe. „Oh, darf ich?“

Sam grinste und Jake schnaubte, doch sie achtete nicht auf ihn.

„Pass auf. Wir machen das so: Wenn du den Namen deiner Bekannten kennst, werde ich nichts sagen“, versprach sie.

Jake verengte die Augen und kratzte sich am Kopf.

„Keine Ahnung, Julia vielleicht? Aber sie mag Baseball und Bier. Das sind zwei Qualitäten, die ich an Frauen sehr zu schätzen weiß.“

Julia vielleicht war mehr als Savannah erwartet hatte, also entschloss sie, es fallen zu lassen – und stattdessen auf sein Quad zu sprechen zu kommen.

„Seit wann fährst du Todesmaschinen, Jake?“, wollte sie wissen und deutete auf den monströsen Vierräder. „Hältst du das für eine gute Idee, dein Verletzungsrisiko noch zu steigern, wo du doch jeden Tag damit rechnen musst, dass dich eine deiner Verflossenen mit dem Auto überfährt?“

Jake blieb unbeeindruckt.

„Savannah“, sagte er gelassen. „Ich respektiere deine Meinung größtenteils, weil ich große Angst vor dir habe, aber was Frauen und Autos angeht, hast du schlichtweg keine Ahnung.“

„Und wenn ich dir sage, dass das Quad eine blöde Idee ist, hörst du dann darauf?“, wollte Sam interessiert wissen.

„Nein“, war die schlichte Antwort. „Weil du beruflicher Spielverderber bist und du alles, was ich tue, für eine blöde Idee hältst.“

„Ja“, gab Sam zu. „Weil nichts von dem, was du tust, mich vom Gegenteil überzeugt.“

„Dem kann ich nur widersprechen. Ich habe heute Morgen ein Steak gefrühstückt und das war eine wunderbare Idee“, sagte Jake, zog den Schlüssel von seinem Quad und ließ ihn in seine Jeanstasche gleiten. „Und jetzt entschuldigt mich, ich habe ein Date mit dem Oberboss – und außerdem habe ich keinen Bock auf euch.“ Er salutierte und verschwand im nächsten Moment in Richtung des Delphie-Komplexes.

Sam und Savannah wechselten einen Blick.

„Weißt du eigentlich, woher Cole und Jake sich kennen?“, wollte ihr Kollege wissen, während sie dem Baseman gemächlich folgten.

„Nein, keine Ahnung“, gab sie zu.

„Okay. Wenn der Boss es dir nicht erzählt hat, dann weiß es keiner.“

Sie schnaubte. „Warum das denn?“

„Weil du die Einzige bist, mit der Cole über mehr als die Kartenverkäufe und die nächste Pressekonferenz redet.“

„Schwachsinn.“

Sam hob eine Augenbraue und hielt ihr die Tür zum Bürogebäude auf. „Savannah, ist dir noch nicht aufgefallen, dass alle Spieler, die etwas vom Oberboss wollen, zu dir und nicht zu mir kommen?“

„Doch klar, aber ich bin auch einfach so viel umgänglicher als du.“

Sams Mundwinkel zuckten. „Ja, aber das ist nicht der Grund. Sie kommen zu dir, weil sie wissen, dass du die Chancen, dass sie ihren Willen bekommen, beträchtlich vergrößerst – weil Panther Junior dich mag. Und das kann kein anderes Mitglied der Organisation von sich behaupten.“

Savannahs Wangen wurden heiß und das lag natürlich an den Treppenstufen, die sie emporklommen, nicht etwa an Sams Worten.

„Das ist Blödsinn. Cole mag dich auch.“

„Nein. Er respektiert mich, weil er weiß, dass ich hart arbeite und einen guten Job mache. Aber mögen … nein.“

Sie gingen zusammen zu ihren nebeneinanderliegenden Büros und Sam nickte ihr zu, bevor er in seinem verschwand. Savannah ließ ihre Handtasche auf den überfüllten Schreibtisch fallen, zog ihre High Heels aus und setzte sich auf ihren Bürostuhl. Mit ihren neuen Erkenntnissen darüber, nach was für einer Frau Cole suchte, wollte sie für nächste Woche sechs neue Dates vereinbaren. Aber bevor sie sich mit dem Privatleben ihres Bosses auseinandersetzen konnte, musste sie noch etwas anderes tun.

Sie griff nach ihrer Tasche und zog den Zettel mit der Telefonnummer des Privatdetektivs daraus hervor. Zeit, ihre Angst zu vergessen.

 

Sind das wirklich Cole Panthers Haare? Lesen Sie alles über seine mutmaßliche Haartransplantation auf S. 8.

Cole schüttelte den Kopf und warf die Zeitschrift in den Mülleimer. Wie kam die Presse auf einen solchen Blödsinn? Demnächst würden sie ihm noch Hämorriden andichten!

Es klopfte an der Tür und als er den Blick hob, erkannte er Jake Braker durch das Glas. Cole war beeindruckt. Fast hatte er damit gerechnet, dass Jake nicht auftauchen würde. Andererseits war der junge Spieler nicht dumm. Er wusste, dass er früher oder später mit ihm würde reden müssen.

Er winkte ihn herein. „Hey, Jacky-Boy. Setz dich.“

„Halt die Klappe, Collie“, begrüßte Jake ihn und ließ sich auf den Stuhl ihm gegenüber fallen. Neben Savannah war er mit einer der Einzigen in der Organisation, die Cole nicht mit Ehrfurcht begegneten. Was daran liegen könnte, dass sie sich seit mehr als zwanzig Jahren kannten und Jake Cole in zu vielen, nicht ehrenhaften Situationen gesehen hatte.

„Sag mir einfach, warum ich hier bin, damit ich wieder nach Hause kann. Ich muss Schlaf nachholen.“

„Als ob du nicht wüsstest, warum du hier bist“, sagte Cole schnaubend und klatschte das zerknitterte Dokument, das er von Jakes Agenten bekommen hatte, vor ihn auf den Tisch. „Ist das dein Ernst?“

Jake beugte sich über das Papier und studierte es. „Das Schreiben hat einen Briefkopf, eine aussagekräftige Überschrift und alles. Sieht ernst aus, wenn du mich fragst.“

Details

Seiten
0
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783960874010
ISBN (Buch)
9783960874027
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v421543
Schlagworte
London-Legend-s boston-berserk-s Chick-lit-liebe-s-frauen-roman-ce-tik United-States-Ameri-ka-ca lustig-humor-voll Sport-s-Roman-ce Bad-Boy

Autor

  • Saskia Louis (Autor)

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Titel: Homebase fürs Herz (Chick Lit, Liebesroman)