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Traue niemals Mr. Right (Chick Lit, Liebe)

von Bettina Kiraly (Autor)

2018 0 Seiten

Leseprobe

Du bist spitze!

Ja, wirklich: DU. Es ist toll, Leser wie dich zu haben, die neue Formate wie unsere Love Shots ausprobieren.

Wir – das sind heute Katherine Collins, Anne Gard, Dorothea Stiller, Bettina Kiraly, Jessie Weber, Daniela Blum, Evelyn Boyd, Anna Donig, Susanne Halbeisen, Nadin Hardwiger, Mariella Heyd, Lara Kalenborn, Natascha Kribbeler, Saskia Louis, Lisa McAbbey, Dolores Mey, Annell Ritter, Linne van Sythen und Jennifer Wellen – haben uns viele Gedanken um unsere Leser gemacht.

Wir wollten etwas schaffen, das dir mehr Zeit zum Lesen gibt oder die Zeit, die du hast, noch mehr versüßt.

Versüßt mit schöner Literatur und Geschichten, die fürs Herz geschrieben sind. Wir schreiben „Bücher mit Herz“ und bei unserer Romance Alliance spielt die Liebe eine zentrale Rolle.

Mit unseren Love Shots wird dein „Unterwegssein“ (ob zur Arbeit, in die Uni oder mit der Bahn oder dem Bus) pure Unterhaltung. Wir schicken dein Herz mit unseren Geschichten auf Reisen – in andere Welten oder andere Zeiten. Mit einem Love Shot als Begleitung soll jeder deiner Wege, jede Fahrt zum Abenteuer werden. Lass dich von uns verführen.

Viel Spaß wünschen dir

Katherine, Anne, Dorothea, Bettina, Jessie, Daniela, Evelyn, Anna, Susanne, Nadin, Mariella, Lara, Natascha, Saskia, Lisa, Dolores, Annell, Linne und Jennifer

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Über dieses E-Book

Maxime und ihre besten Freundinnen fliegen für ein Wochenende nach Frankfurt. Maxime macht sich nach der Ankunft sofort auf die Suche nach dem zauberhaft schönen Kleid, das sie vor drei Jahren hier entdeckt hat. In diesem perfekten roten Kleid – so ist sie überzeugt – wird sie ihren Traummann treffen. Tatsächlich scheint der Kauf des Kleides seine magische Wirkung sofort zu entfalten, als sie auf dem Rückweg zum Hotel verläuft und von einem attraktiven Mann auf einem Mofa gerettet wird …

Impressum

Erstausgabe Mai 2018

Copyright © 2018, Love Birds, ein Imprint der
dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Made in Stuttgart with ♥
Alle Rechte vorbehalten

ISBN: 978-396-087-371-6

Covergestaltung: © Annadel Hogen
unter Verwendung von Motiven von
© AS Inc/shutterstock.com und © sepavone/depositphotos.com,
Lektorat: Astrid Rahlfs

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Unser gesamtes Verlagsprogramm findest du hier

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1. Kapitel

Sommer 2015

Diese Reise würde mein Leben verändern. Dessen war ich mir hundertprozentig sicher. Wenn wir nach diesem Wochenende zurück nach Wien kämen, würde sich mein Schicksal zum Positiven wenden. Ich würde endlich meiner großen Liebe begegnen. Ich wusste es tief in meinem Herzen.

Nun saß ich im Flieger nach Frankfurt und hatte den schlechtesten Sitzplatz in diesem Flugzeug erwischt. Es waren nur mittlere Sitzplätze zwischen Fensterplatz und Gangsitz frei gewesen. Meine Freundin und Kollegin Barbara saß eine Reihe vor mir, Emma zwei Reihen weiter hinten. Und ich hatte das sagenhafte Glück, auch noch bei den Sitznachbarn den Joker gezogen zu haben.

Links von mir machte sich eine Frau breiter, als sie eigentlich war. Von der ersten Sekunde an hatte ich ihren Ellenbogen in den Rippen. Sie rutschte ständig auf ihrem Po hin und her, sodass ich das Gefühl hatte, ein Duracell-Häschen säße neben mir. Ich kam gar nicht richtig zur Ruhe, weil die Frau das Tischchen vor sich herunterklappte und irgendwelches Zeug aus ihrer Tasche kramte. Da wurden ein Stift und ein Block hervorgeholt, der auf den Boden fiel, als sie Unterlagen danebenschob. Anscheinend wollte sie sich auf einen geschäftlichen Termin vorbereiten. Für Mäppchen und Block war der Klapptisch aber einfach zu klein. Fast sehnsüchtig linste sie auf meinen. Überlegte sie, den auch in Beschlag zu nehmen? Das konnte sie sich abschminken!

Ich wandte mich rasch zur anderen Seite. Wenn ich aus dem Fenster sah, würde sie es hoffentlich nicht wagen, mich danach zu fragen. Um nach draußen sehen zu können, musste ich direkt an der Nase des Mannes rechts von mir vorbeiblicken. Ärgerlicherweise empfand er das als Aufforderung, mir seine Aufmerksamkeit zu schenken.

„Ein wunderschöner Tag zum Fliegen“, bemerkte er.

Ich lächelte ihn nur unverbindlich an, antwortete aber nicht.

„Gleich durchbrechen wir die Wolkendecke“, fuhr er ungerührt fort, „dann ist der tolle Ausblick leider verschwunden.“

Na, den Smalltalk hatte er ja super drauf. Solange er mir keine konkrete Frage stellte, musste ich ihm wenigstens nicht antworten.

Eigentlich wirkte er ganz schnuckelig. Er hatte dunkelbraune, kurze Haare, ein kantiges Gesicht und braune, tiefliegende Augen, weshalb man ihm den gefährlichen Bad Boy abgenommen hätte, wäre dieses übertrieben gutgelaunte Lächeln nicht gewesen. Er trug einen schwarzen Anzug und ein hellgraues Hemd. Elegant, aber gleichzeitig modisch. Das stand ihm gut. Dieser nette, gutaussehende Geschäftsmann würde eine Frau bestimmt sehr glücklich machen können. Mich allerdings nicht. Er war mir viel zu gesetzt. Er hätte mir nicht einmal gefallen, wäre er nicht zur falschen Zeit in meinem Leben aufgetaucht.

Nach diesem Wochenende würde ich mich auf die Suche nach Mr. Right begeben. Schließlich wartete ich schon lange genug sehnsüchtig darauf, dass mein Ritter in strahlender Rüstung mich endlich fand. Ich würde die Sache selbst in die Hand nehmen, sobald ich ES besorgt hatte.

ES. Das perfekte Kleid. Das Kleidungsstück, das meine Fantasie seit Jahren beflügelte und das mir endlich den Royal Flash im Liebespoker bescheren würde. Meine Freundinnen erklärten mich jedes Mal für verrückt, wenn ich davon redete, aber für mich war es ein Zeichen, dass es uns an diesem Wochenende wieder nach Frankfurt verschlug.

Ich musste nur noch den richtigen Laden finden. Mit etwas Glück hatten sie das Kleid noch vorrätig und es würde mir passen. In meinem Traumkleid würde mich niemand übersehen. Und dann konnte er kommen. Mein Traummann.

„Fliegen Sie öfter?“, fragte der Fremde vom Nebensitz.

Ganz schön hartnäckig. Ich zuckte lächelnd mit den Schultern. Wenn er dachte, ich würde ihn nicht verstehen, gab er vielleicht auf.

„Sind Sie geschäftlich nach Frankfurt unterwegs?“, bohrte er weiter nach.

Noch einmal lächelte ich höflich und deutete auf mein Ohr. Fiel der Groschen jetzt?

Barbara drehte sich zu mir um. „Alles klar hier hinten? Hast du die Zunge verschluckt, Maxime?“

Damit war meine Muttersprache kein Rätsel mehr. Ich räusperte mich. „Frosch im Hals.“

Ich ignorierte dabei ihr freches Grinsen. Innerlich seufzend wandte ich mich meinem Sitznachbarn zu. „Meine Freundinnen und ich machen einen Lehrgang in Frankfurt.“

„Maxime. Ein außergewöhnlicher Name.“

Wenn er mit einem „für eine außergewöhnliche Frau“ oder ähnlichem Schwachsinn fortfuhr, würde ich ihm eine Szene machen.

„Stammen Ihre Eltern aus Frankreich?“

Die Frage ließ ich ihm durchgehen.

„Nein. Mein Vater hatte bloß ein Faible für das Theatralische.“

Und für die Tänzerin aus dem Stripklub nicht weit von der elterlichen Wohnung entfernt. Für seine Inspiration bei der Namensgebung hatte er meine Mutter kurz darauf verlassen.

Trotzdem glaubte ich immer noch an die große Liebe. Mein Vater hatte sie schließlich auch gefunden. Bloß nicht bei meiner Mutter.

„Ging er gerne ins Theater?“

Neugierig beugte sich meine andere Sitznachbarin näher heran und rammte mir dabei den Ellenbogen in die Rippen. „‘Tschuldigung“, nuschelte die Frau, ohne ihr Starren zu unterbrechen.

Gab es nichts Spannenderes in diesem Flugzeug?

Ich rollte mit den Augen. „Die Aufführungen, die er sich angesehen hat, waren künstlerisch nicht sonderlich wertvoll.“

Vielleicht sollte ich die Kopfhörer aus der Tasche vor meinem Sitz fischen. Filme wurden auf diesem Kurzflug natürlich nicht gezeigt. Möglicherweise fand ich einen Radiosender, der brauchbare Musik spielte.

Gerade als ich feststellte, dass keine Kopfhörer vorhanden waren, erschien die Flugbegleiterin neben uns.

„Was darf ich Ihnen anbieten?“, fragte sie meine ellenbogenrammende Nachbarin.

„Darf ich Sie zu einem Drink einladen?“, erkundigte der Fremde sich bei mir. „Mein Name ist übrigens Tim.“

„Das Getränk ist gratis, Tim.“ Ich hob eine Augenbraue.

„Es dürfen ruhig auch mehrere sein. Heute habe ich meine Spendierhosen an“, fuhr er ungeniert fort.

Gegen meinen Willen bemerkte ich, wie sich meine Mundwinkel nach oben zogen. Schnell zwang ich mich wieder zu einem ernsten Gesichtsausdruck.

„Ich trinke nicht.“

„Nichts für Sie?“, wollte die Stewardess wissen.

„Doch, ein Wasser. Danke.“

Aus der Reihe vor uns war Gelächter zu hören. Ich wusste genau, dass es sich um Barbara handelte. Die hätte sich längst an Tim herangemacht. Naja, vielleicht wäre er ihr auch zu langweilig.

Tim bestellte einen Kaffee. „Vielleicht möchten Sie heute Abend ein Glas Wasser mit mir trinken? Ich habe auch morgen Mittag Zeit, wenn Ihnen das besser passt, oder …“

„Stopp“, unterbrach ich ihn. „Sie sind ein netter Kerl, Tim. Ihr Humor spricht für Sie. Aber leider haben Sie ein furchtbar schlechtes Timing. Ich bin nur ein Wochenende lang in Frankfurt und im Augenblick nicht auf der Suche nach einem Date. Noch nicht.“

„Wann ändert sich das denn?“, fragte er geradezu penetrant.

„Sobald der magische Fummel, auf den sie fixiert ist, ihren Traummann herbeigezaubert hat“, feixte Barbara von vorne.

„Halt dich da raus!“, zischte ich.

Kichernd setzte Barbara sich wieder vernünftig hin. Ich konnte hören, wie sie ein Glas Sekt bestellte und verdrehte die Augen. Sie hatte bislang noch kein Verständnis für meine Pläne gezeigt und würde es auch in Zukunft nicht tun. Am liebsten hätte sie mich mit irgendeinem Kerl gesehen, weil sie glaubte, ich hätte zu wenig Spaß im Leben. Dabei ging es mir um viel mehr. Ich war endlich bereit für den großen Paukenschlag, das weltverändernde Erdbeben, die absolute Erschütterung meines Herzens, die große Liebe. Warum sollte ich mich noch länger mit weniger zufriedengeben?

„Ich verstehe nur Bahnhof“, gestand Tim.

„Das muss sich auch nicht ändern. Ich lasse Sie jetzt einfach Ihren Kaffee genießen, lehne mich zurück und schließe die Augen.“

Die Frau auf meiner anderen Seite gab ein missbilligendes Geräusch von sich. Anscheinend hatte sie auf eine gute Geschichte auf diesem Flug gehofft, die sie daheim weitererzählen konnte. Bei mir würde sie nicht fündig werden.

„Das ist wirklich schade.“ Tims Stimme klang immer noch höflich. „Sie haben wunderschöne Augen.“

War das denn zu fassen?

„Danke für dieses Kompliment. Meine Antwort lautet trotzdem Nein.“

„Wenn sie nicht will, können Sie gerne mich einladen“, schlug meine Sitznachbarin vor. „Ich verspreche, nicht nur Wasser zu trinken.“

Tim räusperte sich. „Sehr freundlich, dass Sie einspringen möchten. Aber das wird hoffentlich nicht notwendig sein. Wohnen Sie in Wien, Maxime?“

Mein Brummen sollte er auffassen, wie er wollte.

„Sie haben angedeutet, Sie könnten Ihre Meinung zu Dates nach diesem Wochenende ändern. Ich fliege morgen Abend zurück. Warum geben Sie mir nicht Ihre Nummer …“

„So klappt das nicht, Tim. Vergessen Sie, was immer Sie sich erhoffen. Bei mir können Sie nicht landen.“

„Warum sind Sie davon so überzeugt?“

Dieser Typ wusste nicht, wann es genug war. Vielleicht wurde ich ihn los, wenn ich ihm mein Geheimnis erzählte. „Ich hatte da diesen Traum. Darin habe ich Mr. Right kennengelernt. Aber die Umstände waren ganz anders. Darum wird das nichts mit uns beiden.“

Er hob eine Augenbraue. „Weil du es geträumt hast?“ Wie nebenbei wechselte er in eine vertraulichere Anrede.

Ich nickte und runzelte die Stirn. „Waren wir nicht gerade noch beim Sie?“

„Wir erfahren gerade so viel Interessantes übereinander. Da dachte ich, das wäre für dich in Ordnung. Aber wenn es dich stört, kehre ich wieder zum Sie zurück.“

„Mit deiner Aufdringlichkeit hast du mir deine schlechten Manieren ohnehin schon bewiesen. Also setzen wir das auf die Liste der Dinge, die gegen dich sprechen, und belassen es dabei.“

„Schön. Zurück zu unserer Diskussion. Bevor die Umstände nicht diesem Traum entsprechen, verabredest du dich nicht?“

Neuerlich bestätigte ich das mit einem Nicken.

„Und wenn das nicht funktioniert?“

Blinzelnd runzelte ich die Stirn. „Wieso sollte es nicht funktionieren?“

„Wenn dieses Kleidungsstück die Welt nicht in ein rosa Regenbogenland verwandelt? Was machst du dann? Könnte es nicht passieren, dass du dich ärgerst, das Date mit mir abgelehnt zu haben?“

„Definitiv“, mischte sich meine linke Sitznachbarin ein und rammte mir schon wieder den Ellenbogen in die Rippen.

„Nö. Ich stelle mir meinen Traummann etwas anders vor als dich“, sagte ich ungeniert.

„Nicht so interessiert?“, erkundigte er sich mit einem Lachen in der Stimme.

„Nicht so glattgebügelt“, antwortete ich wenig nett. Sollte er doch versuchen, mich zu provozieren.

„Kann es sein, dass du ziemlich überzogene Ansprüche an den Mann stellst, der dich dann auch ertragen muss?“

Ich riss die Augen auf. „Jeder Mann, dem ich einmal mein Herz schenke, kann sich glücklich schätzen! Schließlich bin ich klug, witzig und charmant.“

„Und du hast viel zu hohe Erwartungen. Vergiss nicht, Mr. Right das auch gleich zu sagen. Er muss es mit einer Traumvorstellung aufnehmen können. Dessen sollte er sich besser von Anfang an bewusst sein.“

Ach, sollte Tim mich ruhig aufziehen. Er hatte ja keine Ahnung! Beim Richtigen würden keine langen Erklärungen notwendig sein. Es ergäbe sich alles von selbst. Ich müsste ihn nur ansehen, ein Lächeln - und plötzlich wäre alles zwischen uns klar.

Nicht so wie bei Tim. Ich warf ihm einen finsteren Blick zu. Seine Augen blitzten amüsiert. Auf einmal wirkte er gar nicht mehr so brav wie noch zuvor. Er genoss es tatsächlich, sich über mich lustig zu machen!

„Du verstehst Frauen offensichtlich überhaupt nicht“, blaffte ich. „Kein Wunder, dass du keine Freundin hast. Du hältst uns für hoffnungslose Romantikerinnen? Genau das sind wir tief in unserem Herzen! Ich bin stolz darauf, mir das noch immer bewahrt zu haben. Also verschwende deine flachen Sprüche nicht an mich. Bestimmt wartet irgendwo da draußen eine ebenso desillusionierte Seele auf dich, wie du eine bist.“

„Oder hier drinnen“, flötete meine Sitznachbarin.

Diesmal landete mein Ellenbogen in ihrer Seite. Jetzt verging ihr hoffentlich endlich ihr dämliches Grinsen. Was sollte überhaupt diese sinnlose Flirterei? Sie war viel älter als Tim.

„Eigentlich finde ich es ziemlich romantisch, hier über den Wolken eine wildfremde Frau um ein Date zu bitten. Möglicherweise bin ich beim Flirten nicht allzu geschickt. Aber wenn du mir eine Chance gegeben hättest, wäre das der perfekte Anfang einer Liebesgeschichte gewesen. Sowas erzählt man Freunden doch gerne über das erste Kennenlernen.“

„Kann man sehen, wie man will.“ Es ärgerte mich, dass er irgendwie recht hatte. Unsere Begegnung gäbe eine gute Kennenlerngeschichte ab. Deswegen sollte er trotzdem nicht hoffen, ich würde doch noch mit ihm ausgehen.

„Es passt einfach nicht zu meinen Vorstellungen“, erklärte ich. „Tut mir leid.“

„Zu schade. Mit dir wäre mir bestimmt nicht langweilig geworden.“ Er lachte. „Möglicherweise hatte ich aber auch Glück. Bei den Anstrengungen, deinen übertriebenen Erwartungen gerecht zu werden, hätte ich mir vermutlich das Rückgrat verrenkt. Und ich bin eigentlich sehr stolz darauf, eines zu besitzen.“

Ich hatte es ja gewusst. Er knickte ein, tat so, als wäre es ihm egal, eine Abfuhr kassiert zu haben. Er legte sich gar nicht richtig ins Zeug.

„Wie schon erwähnt, ich habe heute Abend noch nichts vor“, erinnerte uns die Frau neben mir.

„Tut mir leid. Mein Herz ist gerade gebrochen worden. Für eine andere Frau bin ich noch nicht bereit.“ Tim seufzte theatralisch.

„Soll ich Ihnen meine Nummer geben, falls der Herzschmerz doch schneller verfliegen sollte als gedacht?“

„Er hat es jetzt wirklich kapiert, glauben Sie mir!“, fauchte ich ungehalten. „Sie sind noch zu haben und dringend auf der Suche nach einem Date. Wenn ich bedenke, wie still es in den Reihen um uns geworden ist, haben das auch die übrigen Fluggäste gehört. Hat zufällig einer von Ihnen Lust, diese interessante Dame näher kennenzulernen?“

Bestimmt hätte man in der folgenden Stille eine Stecknadel fallen hören können.

Die Frau neben mir wurde puterrot, verschränkte die Arme vor der Brust und starrte reglos geradeaus. Tim schnalzte missbilligend mit der Zunge. Und mir wurde klar, übers Ziel hinausgeschossen zu sein.

„Tut mir leid.“ Ich versuchte die Aufmerksamkeit meiner Sitznachbarin zurückzuerhalten. „Das war nicht nett von mir. Vielleicht finden Sie ja auch bald Ihren Traummann, so wie ich es werde.“

Neben mir schnaubte Tim.

„Aber der ist es ohnehin nicht“, fuhr ich mit einem Blick auf ihn fort. „Der wüsste Sie gar nicht zu schätzen.“

Der Mann auf dem Sitz schräg gegenüber beugte sich über den Gang.

„Entschuldigung. Ich habe mitbekommen, worüber Sie sich unterhalten haben. Also ich würde mich freuen, wenn ich heute beim Abendessen Gesellschaft hätte. Vielleicht könnten Sie sich ja vorstellen, mich zu begleiten.“

Das Gesicht meiner Sitznachbarin wurde noch dunkler, doch der Ausdruck in ihren Augen änderte sich sofort. Sie schien den Mann zu mustern. Ich tat es ihr nach. Nicht unbedingt schlecht aussehend. Ungefähr in ihrem Alter, gepflegt, ein nettes Lächeln. Hoffentlich nahm sie die Einladung an. Sie könnte es schlimmer treffen. Und ich müsste kein schlechtes Gewissen mehr haben.

„Sehr gerne.“ Sie schaffte es, eine freundliche Miene aufzusetzen. Da sie sich ihrem neuen Bekannten zuwandte, hatte ich endlich mehr Platz auf meinem Sitz. „Erzählen Sie mir ein bisschen was über sich?“

Zufrieden lächelnd lehnte ich mich zurück. „Siehst du? So leicht kann es sein.“

„Du erwartest aber hoffentlich nicht, dass das bei deinem Traummann genauso funktioniert? Dann müsste dich jemand zuerst ähnlich tief demütigen.“

Mit seiner Stichelei erreichte er bei mir gar nichts.

„Es tut mir leid, dein Ego angekratzt zu haben. Leider kommt dein Charme so gar nicht bei mir an. Aber ich frage gerne rum, ob jemand anderes hier darauf anspringt. Ich scheine Talent auf diesem Gebiet zu haben.“

Er lachte. „Eine tolle Rolle hast du dir ausgesucht. Du tust so tough und von oben herab, damit niemand dir zu nahe kommt. Wie gut, dass ich nach deinen Kommentaren vorher von deinem weichen Kern weiß. Ich suche mir meine Traumfrau schon alleine. Sie hat bestimmt viel weniger Schichten als du.“

„Selbstbewusst und überheblich und auch noch eine Zwiebel. Ich hatte ein völlig falsches Selbstbild von mir. Danke, dass du mich aufgeklärt hast. Ich werde den Rest des Fluges lieber genießen, ohne noch weiter von dir zurechtgewiesen zu werden.“

Dass Männer es auch immer in den falschen Hals bekamen, wenn man von ihren Sprüchen nicht sofort angetan war.

„Kein Problem. Hauptsache du weißt, was du willst.“

Ja, das tat ich. Sehr genau sogar. Er war es ganz bestimmt nicht. Deshalb legte ich den Kopf zurück und schloss die Augen.

Meine Sitznachbarin unterhielt sich noch immer angeregt mit ihrem Date. Die beiden gaben eigentlich ein ganz süßes Paar ab. Wie ich in ihrer Kennenlerngeschichte wohl abschneiden würde?

Barbara lachte auf dem Sitz vor mir leise vor sich hin. Keine Ahnung, ob sie lediglich mein Gespräch mit Tim so erheiterte oder ob sie bereits angeschäkert war.

Und Tim? Der blieb ruhig. Ich meinte zu spüren, wie die Verärgerung in Wellen in ihm hochstieg. Erst langsam wurde mir bewusst, was gerade passiert war und was ich alles von mir gegeben hatte.

So aggressiv war ich sonst nie. Unter Umständen hatte ich überreagiert. Möglicherweise hatte ich seine Unhöflichkeit sogar provoziert. Aber ich durfte dennoch nicht einknicken und mich entschuldigen, ihm vielleicht sogar zustimmen. Er hatte sich über meinen Traum lustig gemacht. Den Rest hatte er sich selbst zuzuschreiben. Mit ihm hatte ich definitiv nichts verpasst.

Ich würde Mr. Right schon noch kennenlernen. Bald. Ich brauchte nur das richtige Kleid dafür.

 

2. Kapitel

„Auf unvergessliche Tage in Frankfurt!“ Barbara hob das Glas mit Sekt und prostete uns zu.

Emma auf dem Barhocker neben ihr zog die Nase kraus. „Du hättest nicht schon im Flieger zu trinken beginnen sollen. Wir wurden nicht nach Frankfurt geschickt, um Spaß zu haben.“

Ich machte mir keine Sorgen darüber, dass Emma jede Sekunde Vergnügen im Keim ersticken würde. Meine Kollegin war im Augenblick bloß mitgenommen vom Flug. Eigentlich fuhr sie lieber mit der Bahn, aber Barbara und mir wäre die Fahrt zu lange gewesen.

„Ist dir immer noch schlecht?“, fragte ich Emma leise.

„Es geht schon. Der Schwindel lässt langsam wieder nach. Aber Alkohol trinke ich lieber trotzdem noch nicht.“

„Dann feiere wenigstens du mit mir, Maxime“, bat mich Barbara. Sie hob bereits die Hand, um den Barkeeper der Hotelbar zu uns zu winken.

„Normalerweise gerne. Aber den ersten Drink genehmige ich mir heute Abend, wenn der erste Kurstag zu Ende ist. Bestimmt wird das ein aufregender Abend. Drei Hammerfrauen wie wir beim technischen Lehrgang der Glasindustrie! Die Männer werden sich gar nicht mehr einkriegen.“ Und wenn ich Glück hätte, befände sich mehr als ein attraktives Exemplar von Mann darunter, damit wir uns um den Kerl nicht schlagen müssten.

Barbara kicherte. „Vermutlich haben wir nicht allzu viel Konkurrenz.“

„Das kannst du annehmen. Doch erst heißt es, ein paar Stunden Fachsimpelei zu ertragen.“ Ich warf einen Blick auf meine Armbanduhr. „Und in gut zwei Stunden geht es schon los. Wir hätten schon gestern anreisen sollen.“

„Dann hätten wir umsonst einen Urlaubstag verschenkt“, gab Emma zu bedenken und kletterte von ihrem Barhocker. Durch ihre geringe Körpergröße von lediglich einem Meter fünfzig war das gar nicht mal so leicht. „Ich werde jetzt mit dem Auspacken beginnen und mich noch ein wenig ausruhen. Wer kommt mit?“

Barbara schüttelte den Kopf. „Der Barkeeper fühlt sich sonst ganz einsam.“ Sie zwinkerte dem jungen Mann zu, der daraufhin rot anlief.

„Ich werde zumindest meinen Koffer in mein Zimmer schaffen“, verkündete ich und stand auf. „Die Zeit bis zum Kursbeginn möchte ich für die Jagd nach dem roten Kleid nutzen.“

Barbara seufzte. „Jetzt geht das schon wieder los! Du hast den Fetzen vor drei Jahren in dem Schaufenster gesehen. Vermutlich gibt es den Laden gar nicht mehr. Selbst schuld, dass du nicht gleich zugeschlagen hast.“

„Aber es ist mein absolutes Traumkleid! Genau der richtige Rotton, um aufzufallen, aber nicht nuttig auszusehen. Die ideale Rocklänge, um als Cocktailkleid und Partykleid durchzugehen. Der perfekte Schnitt, um meine Kurven in Szene zu setzen. Dieses Kleid ist mein Schicksal. Ich war damals nur nicht sofort bereit, es zu erkennen. So sehr ich mich auch angestrengt habe, ich konnte es nicht vergessen. Kein anderes Kleidungsstück kann diesem Traum das Wasser reichen …“

„… und ich werde erst glücklich werden, wenn ich es mein Eigen nennen darf“, vollendeten Barbara und Emma unisono meinen Satz.

„Das haben wir inzwischen oft genug gehört“, beschwerte sich Barbara.

„Ihr versteht das nicht. In diesem Kleid werde ich meinen Traummann kennenlernen!“

„Der Typ im Flugzeug war es aber scheinbar doch nicht“, erinnerte mich Emma. „Ich habe nur die Hälfte mitbekommen. Aber er schien ganz angetan von dir.“

„Der falsche Mann. Der falsche Zeitpunkt“, beharrte ich.

Sie setzte einen mütterlichen Gesichtsausdruck auf. „Schau mal. Wenn du den Richtigen finden willst, solltest du dich vielleicht nicht nur mit Barbara in Kneipen …“

„Nein, stopp“, unterbrach Barbara. „Sie braucht Bars, viel mehr Bars. Und sie sollte endlich zeigen, was sie zu bieten hat. Ein kürzerer Rock, ein tieferes Dekolleté, auffälligere Schminke. Sonst wird das nie was.“

„In dem roten Stofftraum bringe ich jeden Kerl dazu, sich nach mir umzudrehen“, schwärmte ich. „Damit finde ich den Richtigen. Ganz ohne diese Zaubertricks.“

„Genau. Lass dir von Barbara nichts einreden.“ Emma nickte zufrieden. „Eine echte Lady erobert einen Mann mit ihren inneren Werten.“

„Lady“, kicherte Barbara und verschluckte sich beinahe an ihrem Sekt. „In welchem Jahrhundert wurdest du denn eingefroren?“

„Und von welchem Callgirl hast du deine weisen Tipps?“, giftete Emma zurück.

Zeit, die zwei zu trennen, bevor sie sich in die Haare gerieten.

„Ich danke euch beiden für eure Ratschläge. Am besten hältst du dich bis zum Abend von weiterem Alkohol fern“, schlug ich Barbara vor. Es gelang mir, das halbleere Glas Sekt aus ihrem Klammergriff zu befreien und dem Barkeeper zuzuschieben. „Und du, Emma, ruhst dich etwas aus, damit du nichts von dem spannenden Vortrag verpasst.“

„Willst du wirklich noch nach diesem geheimnisvollen Kleid suchen? Ist schon ziemlich spät.“ Emma hob ihren Koffer hoch und sah mich erwartungsvoll an.

„Das Wochenende wird wie im Flug vergehen. Wer weiß, ob ich mich nochmal loseisen kann.“

„Dann mach dich sofort auf die Suche nach dem Ding, damit du und deine maßlose Enttäuschung darüber, den Laden geschlossen vorzufinden, rechtzeitig zum Beginn des Lehrgangs zurück seid.“

Barbaras Stirn zierten Falten, obwohl sie doch sonst immer so darauf bedacht war, tadellos auszusehen. Der von mir abrupt durchgeführte Alkoholentzug schien sie aus dem Gleichgewicht gebracht zu haben.

Ich sah zu meinem Koffer. „Den kann ich doch nicht hier stehen lassen.“

„Darum kümmere ich mich“, versprach Emma. „Also husch.“

Schnell wandte ich mich um, bevor sie es sich anders überlegte, und winkte meinen Kolleginnen, die zufällig auch meine besten Freundinnen waren, zu. „Bis später. Wünscht mir Glück.“

Denn dass ich eine gehörige Portion Glück brauchte, um sowohl das Geschäft, als auch das Kleid, und das dann noch in meiner Größe, zu finden, war mir bei aller blinden Begeisterung klar.

 

***

 

Die Enttäuschung ließ mich die Stirn runzeln. Auch in dieser Gasse befand sich der Laden nicht. Es war nicht gerade hilfreich, dass ich nur wenige Erinnerungen an die Umgebung hatte. Vorhin hatte ich eine Frau angesprochen und mich erkundigt, ob sie mir den Weg zu einem Bekleidungsgeschäft weisen könne, in dessen Schaufenster vor Ewigkeiten ein rotes Kleid ausgestellt gewesen war und das in der Nähe der Töngesgasse lag. Der Blick der Fremden hatte mir klar gemacht, besser nicht noch weitere Leute anzusprechen. Ob die Frau wohl tatsächlich überlegt hatte, dass ich besser im Irrenhaus abgeliefert werden solle?

Ich ging zurück in die Töngesgasse und versuchte mein Glück in der nächsten Querstraße. Auch hier schien mir alles fremd und unbekannt. Vermutlich handelte es sich nicht um die richtige Gasse, trotzdem ging ich noch ein paar Schritte weiter.

Nach fünf Minuten war ich davon überzeugt, hier meine Zeit zu verschwenden. Die Häuser ragten viel zu hoch neben mir auf. Das Pflaster unter meinen Füßen fühlte sich nicht vertraut an. Deshalb drehte ich um.

Die nächste Straße, die nächsten Fassadenfronten. Wieder nicht die richtige Umgebung. In der Töngesgasse lief ich erst ein paar Schritte in die eine, dann in die andere Richtung und blieb dann ratlos stehen.

Es hatte keinen Sinn, weiter kopflos durch die Gegend zu stolpern. Ich vergeudete bloß meine Zeit. Drei Jahre Schwärmerei für nichts!

Eine junge Frau trat auf mich zu. Sie trug eine weiße Bluse mit schwarzer Krawatte sowie eine Schürze und hatte gerade noch in der Tür eines Kaffeehauses auf Kundschaft gewartet. „Alles in Ordnung bei Ihnen? Kann ich Ihnen vielleicht helfen?“

„Ich fürchte, mir ist nicht mehr zu helfen“, antwortete ich düster. Dann schaffte ich ein Lächeln.

„Tut mir leid. Sie müssen mich für verwirrt halten. Ich glaube, ich bin schon fünf Mal bei Ihnen vorbeigelaufen.“

„Was suchen Sie denn? Nachdem ich schon lange hier arbeite, kenne ich mich gut aus.“

„Vor drei Jahren habe ich ein rotes Kleid in einer Auslage gesehen. Ich weiß nicht mehr, wie der Laden hieß und habe mir die Adresse nicht gemerkt.“

Die Kellnerin lächelte. „Ich höre einen österreichischen Dialekt. Sie sind doch nicht extra für dieses Kleid nach Deutschland gekommen?“

Ich schüttelte den Kopf. „Es hat sich nur die Möglichkeit ergeben, es endlich zu besorgen. Auch wenn es verrückt klingt: Mit diesem Kleid werde ich meinen Traummann finden. Ich will es unbedingt haben.“

„Ein Kleidungsstück kann nicht verhindern, von Kerlen enttäuscht zu werden, aber ich weiß, worauf Sie hinauswollen. Versuchen Sie Ihr Glück vielleicht in dieser Richtung. Am Liebfrauenberg führt eine Gasse nach links. Dort gibt es schon seit Jahren eine kleine Boutique, in der es hübsche Sachen gibt.“

Sie irrte sich, wenn sie dachte, das perfekte Kleid würde für mich keinen Unterschied bei der Suche nach dem richtigen Mann machen. Für ihren Tipp war ich ihr jedoch dankbar.

Details

Seiten
0
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783960873716
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v424083
Schlagworte
Frankfurt Traum-mann große Liebe One-Night-Stand Liebe-s-abenteuer Wochenend-trip Chick-lit-liebe-s-frauen-roman-tik-ce

Autor

  • Bettina Kiraly (Autor)

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