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Auf den Wogen der Liebe (Liebe, Historisch)

von Marie Caroline Bonnet (Autor)

2018 0 Seiten

Leseprobe

Über dieses E-Book

Frankreich im Jahr 1687: Die Kaufmannstochter Adelais ist begeistert von dem Bräutigam, den ihr Vater für sie bestimmt hat. Arthur ist jung, reich und gut aussehend – scheinbar der perfekte Ehemann. Dass Adelais' geliebter Bruder Luc ihn nicht leiden kann, verdrängt sie erfolgreich.

Voller Vorfreude macht sich Adelais gemeinsam mit Arthur und Luc auf die Reise nach Bordeaux, um im Haus ihrer zukünftigen Schwiegereltern die Verlobung zu feiern. Auf dem Schiff dorthin kommt es jedoch zu einem Zwischenfall, der die junge Frau an Arthurs Charakter zweifeln lässt. Und dann ist da auch noch Paul, ihr mutiger Retter, der Adelais nicht mehr aus dem Kopf geht …

Impressum

dp Verlag

Erstausgabe Juni 2018

Copyright © 2020 dp Verlag, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Made in Stuttgart with ♥
Alle Rechte vorbehalten

E-Book-ISBN: 978-3-96087-386-0

Covergestaltung: Rose & Chili Design
unter Verwendung von Motiven von
periodimages.com: © Mary Chronis, VJ Dunraven Productions
shutterstock.com: © Elenarts, © Serge Ka
Lektorat: Astrid Rahlfs

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

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dp Verlag

1

»Mon père m’a donné un mari,

il me l’a donné si petit,

que je l’ai perdu dans mon lit, …«

»Adelais!«

Die junge Frau kümmerte sich nicht um den wütenden Zwischenruf ihrer Mutter. Wenn Adelais Lavie sang, war sie in einer eigenen Welt. Ihre Stimme klang hell und glockenrein, und sie tanzte durch den Salon, dass ihre langen, hellbraunen Haare flogen.

»… j’pris la chandelle et le cherchis,

mon dieu, quel homm’, qu’il est petit!«

Unsanft fühlte sich Adelais am Arm gepackt. Sie wurde herumgerissen, stolperte über ihre eigenen Füße und fiel aus vollem Halse lachend auf das Sofa.

»Wirklich, Adelais.« Madame Lavie stand vor ihrer Tochter, die Hände in die Hüften gestützt, und blickte ärgerlich auf sie hinab. »Du bist ganz rot im Gesicht! Und dann singst du auch noch Schmählieder auf deinen künftigen Gemahl. Unmöglich!«

»Aber Frau Mutter, ich kenne doch meinen Zukünftigen noch gar nicht. Wie könnte ich ihn schmähen? Ich fand das Lied nur passend, schließlich hat mir Herr Vater den Bräutigam ausgesucht.« Adelais kicherte. »Ich hoffe nur, dass er nicht wirklich so klein ist, dass er in meinem Bett verloren geht.« Sie griff in die Gebäckschale auf dem Tisch und schob sich ein Küchlein in den Mund.

»Wenn du so weiter isst, wird jeder Mann hinter dir verloren gehen. Und nun begib dich auf dein Zimmer, damit dir Marie das Haar aufstecken kann.«

Adelais’ frohe Stimmung war verflogen. Das Gebäck in ihrem Mund schmeckte plötzlich nicht mehr süß, sondern nach verletztem Stolz und schlechtem Gewissen. Mühsam würgte sie es hinunter.

Sobald sie jedoch in ihrem Zimmer vor dem Spiegel saß und ihre Magd Marie begann, ihr die glatten Strähnen zu Löckchen aufzudrehen und hochzustecken, kehrte die erwartungsvolle Fröhlichkeit zurück.

»Denk dir, Marie, heute lerne ich den Mann kennen, an dessen Seite ich mein Leben verbringen werde! Ein Weinhändler ist er, ist das nicht aufregend?«

»Ist es das, Mademoiselle?« Die Magd zwinkerte ihr im Spiegel zu. »Ich selbst finde nichts Besonderes daran. Ich habe als junges Mädchen für einen gearbeitet. Er war ein Händler wie jeder andere.«

»Aber mein zukünftiger Gatte ist gewiss nicht wie jeder andere!« Adelais lachte auf. »Er muss doch etwas Besonderes sein, sonst hätte ihn mein Herr Papa nicht für seine einzige Tochter ausgesucht.«

Maries Blick im Spiegel zeigte Adelais deutlich, dass die Magd Zweifel hegte. Auch sie selbst war sich längst nicht sicher, dass ihr Vater das Wohl seines Kindes über die geschäftlichen Interessen stellte. Die Verbindung mit den Cléments aus Bordeaux würde ihm viel Geld ersparen, da man den Transport ihrer Fässer und seiner Tuchballen kostengünstig gemeinsam durchführen konnte. Dennoch hoffte sie, dass der Mann, den er für sie erwählt hatte, ihm in anderer Hinsicht ebenfalls zusagte. Wie auch immer – sie würde sich ohnehin mit dem Ehemann zufriedengeben müssen, der für sie bestimmt war. Es fiel ihr zwar zuweilen schwer, ihre Zunge im Zaum zu halten und ihre Gefühle zu verbergen. Im Grunde aber verhielt sie sich, wie es sich für eine wohlerzogene junge Dame geziemte. Die Rolle des Rebellen in der Familie hatte ihr Bruder Luc inne. Sie war die brave Tochter, die selten widersprach, die glücklich war, wenn sie singen durfte und etwas Leckeres zum Essen bekam. Solange ein Mann gut zu ihr war, war ihr alles andere gleich.

Obwohl sie nichts dagegen hätte, wenn er hübsch wäre – ganz gewiss nicht!

Als ihre Frisur vollendet war, die Locken aufgetürmt und mit Bändern geschmückt, hielt ihr Marie das Korsett hin. »Seid Ihr bereit?«

Adelais seufzte. »Um ehrlich zu sein – nein. Aber Frau Mutter wird mich ohne das fürchterliche Ding nicht aus dem Haus lassen.«

Ergeben hob sie die Hände, ließ sich aus dem Kleid helfen und das Korsett anlegen. Sie zog den Bauch ein, und Marie tat ihr Bestes, die üppigen Rundungen in Form zu pressen. Als es geschafft war, waren sie beide atemlos und rot im Gesicht.

»Wenn ich erst einmal verheiratet bin und in meinem eigenen Haushalt lebe, werde ich nie wieder so etwas tragen, das schwöre ich!«, rief Adelais und schnappte nach Luft.

»Dann werde ich all Eure Kleider ändern müssen, Mademoiselle.« Marie lächelte und hielt ihr das Festgewand hin. »Aber das mache ich gern für Euch.«

»Danke, Marie.« Adelais schlüpfte vorsichtig mit dem frisierten Kopf unter die dunkelroten Stoffmassen und wartete, bis die Magd alles zurechtgerückt und verschnürt hatte. Dann betrachtete sie sich im Spiegel, nickte zufrieden und sagte: »Ich bin froh, dass du mit in mein neues Zuhause kommst. Bordeaux soll eine aufregende Stadt sein! Ach, es ist anfangs gewiss furchtbar ungewohnt, als Ehefrau zu leben. Aber ich freue mich so! Ich möchte viele Kinder haben, und ich werde sie wie verrückt lieben und schrecklich verwöhnen. Den ganzen Tag werde ich Kleider für sie nähen, ihre Haare kämmen und Lieder mit ihnen singen …«

»Da bin ich sicher«, erklang die strenge Stimme ihrer Mutter und störte Adelais’ wunderbare Zukunftsvorstellungen. »Doch über diese Dinge kannst du ein anderes Mal nachdenken. Heute darfst du nicht zu spät kommen, sonst wird es nichts mit den schönen Träumen. Kein Mann schätzt eine unpünktliche Frau.«

Wenn mein Gatte mich schätzt, wird es ihm gleich sein, ob ich einmal zu spät gekommen bin, dachte Adelais. Sie schwieg jedoch und folgte ihrer Mutter die Treppe hinunter. Dort warteten bereits ihr Vater und ihr Bruder Luc, Ersterer in seiner feinsten Ausgehkleidung, Letzterer hatte immerhin ein helles Hemd und saubere Schuhe übergezogen.

Luc lächelte sie an und bot ihr seinen Arm. »Du siehst wunderschön aus, Schwesterchen. Ich hoffe, der Kerl ist es wert.«

»Lucien! Sei froh, dass sich endlich eine angesehene Familie für deine Schwester interessiert. Alt genug ist sie ja.« Die Mutter zupfte ein letztes Mal an ihrem Kleid. »Und pass auf, dass sie sich nicht so vollstopft.«

2

Das Stadthaus des Weinhändlers lag nur wenige Straßen entfernt, sodass die Kutsche schon nach kurzer Zeit davor anhielt. Es war ein warmer Abend und Adelais, unter den Stoffmassen ihres Kleides, schwitzte bereits, ehe sie die endlosen Treppenstufen ins zweite Geschoss erklommen hatte. Ihr Bruder zog sie mit sich, so gut er konnte, doch als sie oben ankam, schnaufte Adelais ganz und gar nicht damenhaft. Das Korsett ließ ihr einfach nicht genug Luft zum Atmen! Sie hätte sich gewünscht, einige Augenblicke verschnaufen zu dürfen, aber ihr Vater drängte sie in den Salon.

Zum Glück waren erst wenige Gäste angekommen. Verstohlen wischte sie sich mit dem Ärmel über die feuchte Stirn und betrachtete die Männer und Frauen, die in kleinen Grüppchen beieinanderstanden und sich unterhielten. War einer der Herren dort ihr Zukünftiger? Sie wusste nichts über ihn außer seinem Namen: Arthur Clément.

Wie oft hatte sie diese Worte abends vor dem Einschlafen geflüstert, seit sie von den Plänen ihres Vaters erfahren hatte. Ebenso hatte sie ausprobiert, wie sie sich bald nennen durfte: Adelais Clément. Das klang doch wundervoll! Ihr wurde noch heißer vor lauter Aufregung. Rasch zog sie ihren Fächer aus dem Ärmel und wedelte sich Luft zu. Als eine Dienerin mit einem Tablett Häppchen vorbeikam, ergriff sie eines und stopfte es sich in den Mund.

»Adelais!«, ertönte umgehend der mahnende Ausruf ihres Vaters. »Lucien, du solltest doch … ah, Messieurs Clément!« Wie ausgewechselt wandte sich ihr Vater zwei Herren zu, die eben auf ihn zukamen. Sein Tonfall wurde anbiedernd. Adelais verzog das Gesicht, doch da wurde ihr bewusst, was ihr Vater soeben gesagt hatte.

Clément?

Adelais kaute schneller und schluckte das Häppchen gerade noch rechtzeitig herunter, bevor ihr Vater sie an beiden Oberarmen packte und vor sich schob. »Dies ist meine Tochter Adelais.«

Sie meinte, ihr Herz müsse auf der Stelle stehenbleiben. Sie sah sich einem jungen Mann gegenüber, dessen Aussehen jeder Frau die Sprache verschlagen hätte. Auf den Älteren achtete sie nicht. Sie konnte ihren Blick nicht von dem ebenmäßigen Gesicht und der schlanken, hochgewachsenen Gestalt desjenigen abwenden, der ihr Zukünftiger sein musste. Sein offenes Haar fiel ihm über die Schultern und glänzte tiefschwarz, ebenso wie die Augen, die sie durchdringend musterten. Sie fühlte, wie ihr die Hitze ins Gesicht schoss. Da stieß ihr Vater sie unsanft mit dem Ellbogen in die Seite.

»Adelais!«, zischte er. »Willst du die Herren wohl begrüßen!« Er wandte sich an die Cléments. »Es tut mir leid, Messieurs. Meine Tochter ist ein wenig nervös.«

Adelais fühlte sich, als sei ihr Kopf vollkommen leer. Ihr wollte einfach nicht einfallen, was man zur Begrüßung sagte und wie man sich verhielt. So knickste sie mit weichen Knien, schaffte es kaum, sich wieder aufzurichten, und stammelte: »Sehr … erfreut.«

Dann presste sie die Lippen aufeinander und wollte beschämt den Blick senken, doch sie konnte ihre Augen nicht von denen ihres Gegenübers lösen. Diese hatten sich zu Schlitzen verengt und blickten nicht besonders freundlich. Verwirrt stellte Adelais fest, dass auch der schmale, gerade Mund nicht lächelte, sondern sich ein Mundwinkel zu einem höhnischen Ausdruck verzogen hatte. Oh, sie war so eine dumme Gans! Ihr zukünftiger Gemahl musste annehmen, ihr Vater wolle ihm ein einfältiges Ding als Eheweib andrehen, das nicht mehr als zwei zusammenhängende Worte herausbrachte! Sie musste sich beeilen, diesen Eindruck wieder zu zerstören. Also straffte sie die Schultern, zwang sich zu einem Lächeln und sagte: »Ich bin tatsächlich sehr aufgeregt, Messieurs Clément. Und es ist unglaublich heiß heute Abend, findet Ihr nicht? Wenn dieser Sommer nicht der wärmste ist, den ich je erlebt habe, dann weiß …«

Diesmal war es ihr Bruder, der sie in die Seite stieß und so zum Verstummen brachte.

»Du plapperst, Schwesterchen«, raunte er ihr ins Ohr, lachte leise und trat vor. »Messieurs, es freut mich, Euch kennenzulernen. Lucien Lavie, Stellvertreter meines Vaters im Tuchhandel Lavie.« Er deutete eine knappe Verbeugung vor dem älteren Clément an, dann trat er dem anderen Mann gegenüber. »Ihr müsst Arthur sein, der zukünftige Gemahl meiner Schwester.«

Stolz auf ihren jüngeren Bruder wallte in Adelais auf. Er ging so unbekümmert mit den Herren um, stand dort so vollkommen selbstsicher, als sei er ein erfahrener Geschäftsmann und nicht der zwanzigjährige Tunichtgut, den ihr Vater in ihm sah. Er war ebenso hochgewachsen wie der junge Clément und nicht minder gut aussehend mit seinen strahlend blauen Augen und dem hellbraunen Haar, das er zum Zopf gebunden trug. Adelais wusste, dass sie sich vom Gesicht her ähnelten, doch sie fühlte sich viel plumper in einem Körper, der im Gegensatz zu seinem zur Fülle neigte und nur durch das Korsett in seinen schlanken Formen gehalten wurde. Und nun sollte sich ein so schöner Mann wie Arthur Clément für sie begeistern? Das war wohl zu viel verlangt.

Aber hätte er sie nicht weniger abfällig mustern können? Zwar war er auf Luc eingegangen und hatte ihm auch geantwortet und ein knappes Lächeln aufgelegt, doch der Blick aus den schwarzen Augen lag immer noch auf ihr. Und er war keinen Deut freundlicher geworden.

Adelais fühlte Übelkeit in sich aufsteigen. Sie winkte einer Dienerin, die ein Tablett mit Weingläsern trug, ergriff eins davon und stürzte den Inhalt hinunter. Lieber noch hätte sie etwas gegessen, doch das war kaum möglich, so eingeschnürt, wie sie war.

Inzwischen waren zahlreiche weitere Gäste eingetroffen und nach einer kurzen Begrüßungsrede des Gastgebers spielten zwei Violinisten zum Tanz auf. Diesmal war es Arthur, der einen Stoß von seinem Vater erhielt. Er trat vor sie und bot ihr seinen Arm. Erleichtert ergriff Adelais ihn. Wenn sie auch zu dumm für eine gepflegte Unterhaltung war tanzen konnte sie! Die Bewegungen kamen so natürlich zu ihr wie die Töne, wenn sie sang. Am Arm ihres Zukünftigen fühlte sie sich leicht und beschwingt. Auch er war ein guter Tänzer, und sie harmonierten vom ersten Augenblick an. Adelais wünschte, die Musik würde niemals aufhören zu spielen, so glücklich machte es sie, mit Arthur durch den Saal zu schweben. Als die letzten Töne verklungen waren, strahlte sie den jungen Mann an.

»War das nicht großartig? Ich liebe es, mit Euch zu tanzen!«

Da lächelte auch Arthur sie zum ersten Mal an diesem Abend an, und sein Blick traf sie mitten ins Herz. Er war ganz anders als zuvor, viel wärmer, beinahe liebevoll. Das bildete sie sich gewiss nicht ein!

Jetzt führte er sie zurück zu ihrer Familie und seinem Vater. Luc sah sie prüfend an, und sie konnte nicht anders, als auch ihn anzustrahlen. Sie glaubte, nie wieder damit aufhören zu können. Ihr Bruder verzog das Gesicht, dann sagte er: »Wir haben inzwischen einiges besprochen. Die Herren kommen morgen zum Abendessen zu uns, um die Einzelheiten zu klären.« Klang Lucs Tonfall säuerlich, oder kam es ihr nur so vor? »Wir gehen jetzt.«

»Schon?«, platzte sie heraus, womit sie sich einen bösen Blick ihres Bruders einfing.

Also verabschiedete sie sich widerwillig von den Herren Clément und stieg in die wartende Kutsche. Kaum saß sie darin, war ihre schlechte Laune vergangen. Bereits am folgenden Tage würde sie Arthur wiedersehen. Er war schöner, als sie sich ihn in ihren kühnsten Träumen vorgestellt hatte, und mit ihm zu tanzen war ein einziges Wohlgefühl gewesen. Sie konnte nicht an sich halten und begann zu singen.

»Mon père m’a donné un mari …«

»Adelais!«, riefen Luc und ihr Vater wie aus einem Munde, gleichermaßen empört. Adelais aber lachte nur und sang weiter. Sie war glücklich.

3

Endlich hatte Adelais mit Maries Hilfe das unbequeme Festgewand abgelegt und lag im Nachtkleid in ihrem Bett. Der Schlaf wollte sich jedoch nicht einstellen. Immer wieder sah sie das Gesicht ihres Zukünftigen vor sich, fühlte sich in seinen Armen liegen und hörte die Violinenmusik. Sie vermochte kaum, ihre Füße stillzuhalten, am liebsten wäre sie aufgesprungen und singend durchs Zimmer getanzt. Doch es war schon spät und das Haus still. Adelais wälzte sich hin und her, bis ihr endlich klar wurde, warum sie in Wahrheit nicht schlafen konnte. Sie hatte an diesem Abend nichts außer dem einen Häppchen gegessen! Da erst merkte sie, wie hungrig sie war.

Leise stand sie auf und schlich an Marie vorbei, die im Vorraum ihres Zimmers schlief, und ebenso am Schlafgemach ihrer Mutter. Die nackten Füße verursachten auf den Holzdielen kaum Geräusche. Sie huschte die Treppe hinab und machte sich auf den Weg in die Küche. Die Tür war nur angelehnt und der Schein des Herdfeuers drang auf den Flur hinaus.

Da vernahm sie die leisen Stimmen ihres Vaters und ihres Bruders. Zuerst ärgerte sie sich nur, dass ihr der unbemerkte Weg zu den Essensresten des Tages verwehrt war, doch dann hörte sie, dass über sie gesprochen wurde. Sie hielt den Atem an und lauschte.

»Aber Lucien, das bildest du dir nur ein. Du liebst deine Schwester und willst sie nicht teilen.«

»Das ist nicht der Grund, Herr Vater. Dieser Kerl ist einfach nicht gut für Adelais!«

Luc bemühte sich, seine Stimme zu dämpfen, dennoch war seine Aufregung deutlich zu erkennen. Adelais wusste nicht, ob sie ihm böse sein oder ihn dafür lieben sollte, dass er sich gegen ihren Zukünftigen aussprach.

»Wie willst du das wissen? Du hast doch gesehen, wie sie getanzt haben. Deine Schwester ist glücklich.«

»Natürlich ist sie das! Sie ist zweiundzwanzig, und Ihr und Frau Mutter gebt ihr das Gefühl, dass es höchste Zeit für eine Heirat ist.«

»Das ist es auch, für sie ebenso wie für dich, Lucien!«

Adelais hörte ihren Bruder schnauben und wusste genau, wie sein Gesicht in diesem Augenblick aussah. So wie immer, wenn das Gespräch auf seine Zukunft kam.

»Ich werde mich schon noch verheiraten, macht Euch keine Sorgen. Aber Adelais …«

»Schluss jetzt, Junge. Arthur Clément ist durchaus eine gute Partie.«

»Ist nicht vielmehr sein Vater mit all dem Geld und den Schiffen die gute Partie für Euch?«

Adelais fuhr zusammen, als es plötzlich krachte. Ihr Vater musste mit der Faust auf den Holztisch geschlagen haben.

»Lucien! Es ist in unseren Kreisen nicht verwerflich, bei der Verbindung der Kinder auf geschäftliche Interessen zu achten.«

»Das ist mir bewusst. Dennoch sollte das Glück Eurer Tochter Euch nicht gleichgültig sein. Was soll sie mit einem Kerl wie Clément? Er wird ihr ihre Fröhlichkeit nehmen.«

»Wie kommst du darauf, Lucien?«

»Habt Ihr nicht gesehen, wie er sie gemustert hat?«

»Und hast du nicht gesehen, wie sie ihn angestarrt hat? Deine Schwester ist begeistert von ihm.«

»Von seinem Äußeren vielleicht.«

»Viel mehr hat sie von ihm doch noch gar nicht kennengelernt.«

»Aber das wird sie, nicht wahr? Und ich sage Euch, dieser Kerl ist nicht der Richtige für Adelais. Er hat kalte Augen.«

Ihr Vater lachte auf. »Ist das dein Ernst, Lucien? Mach dich nicht lächerlich.«

»Er hat sie gemustert, als wäre sie ein Möbelstück, das ihm nicht ausreichend hübsch ist.«

»Deine Schwester ist eine schöne Frau aus einer angesehenen Familie. Es gibt nichts an ihr auszusetzen.«

»Das weiß ich. Trotzdem scheint sie ihm nicht gut genug zu sein. Entweder ist er ein kalter Fisch oder er liebt eine andere.«

Die Worte ihres Bruders trafen Adelais mitten ins Herz. Plötzlich war jeglicher Hunger vergangen. Sie hörte, wie ein Stuhl über den Boden geschoben wurde.

»Wie dem auch sei«, sagte ihr Vater. »Wir sollten jetzt schlafen gehen. Es wird sich alles fügen.«

Schnell lief Adelais die Treppe hinauf, um nicht beim Lauschen erwischt zu werden. Sie schlich in ihr Bett zurück und zog die Decke über sich.

Hatte ihr Bruder recht? Liebte ihr Zukünftiger eine andere und wurde von seinem Vater zur Ehe mit ihr gezwungen? Ein kalter Fisch, wie Luc gesagt hatte, konnte er nicht sein. So jemand vermochte doch nicht zu tanzen wie ein König! Die schöne Erinnerung an ihren gemeinsamen Tanz wollte sich jedoch nicht einstellen. Immer wieder sah sie die schwarzen Augen vor sich, wie abfällig sie sie zu Beginn des Abends gemustert hatten. War ihr Ausdruck später tatsächlich freundlich gewesen oder hatte sie sich von Arthurs Lächeln blenden lassen?

Jetzt war sie wirklich böse auf Luc! Wie konnte er diese Zweifel in ihr säen? Er hatte kein Recht, ihr das Glück madig zu machen, nur weil er vergeblich auf der Suche nach der wahren Liebe war!

Mit diesen Gedanken schlief Adelais endlich ein, doch es wurde eine unruhige Nacht voller wirrer Träume. Sie war froh, als sie erwachte und es bereits Morgen war. Sie rief Marie zu sich. Die Magd schaute ihrer Herrin prüfend ins Gesicht.

»Seid Ihr immer noch so glücklich wie gestern Abend, oder hat die Nacht andere Gefühle zutage gefördert?«

»Warum fragst du das, Marie?«

»Weil Ihr ausseht, als hättet Ihr nicht gut geschlafen, Mademoiselle.«

Nur Marie durfte es wagen, so mit ihrer Herrin zu sprechen. Sie wusste genau, dass sie für Adelais mehr eine Freundin als eine Dienerin war. Und allein aus diesem Grunde antwortete Adelais ihr auch.

»Ach, Marie. Ja, ich hatte eine schlechte Nacht. Aber nun ist ein neuer Tag, und bereits heute Abend werde ich meinen Zukünftigen wiedersehen.«

»Ich bin sehr gespannt auf den jungen Mann.« Marie lächelte hintergründig. »Nach allem, was Ihr mir gestern bei Eurer Rückkehr vom Fest über ihn berichtet habt. Hoffentlich werde ich nicht geblendet von seiner Schönheit!«

»Hör doch auf, mich zu necken! Du wirst schon sehen, wie gut aussehend Monsieur Clément ist.«

»Dann hoffen wir, dass die Stunden bis zu seinem Erscheinen wie im Fluge vergehen.« Marie zwinkerte Adelais zu.

Maries Hoffnung erfüllte sich nicht. Der Tag verging quälend langsam. Adelais konnte sich auf keine Tätigkeit konzentrieren, warf sowohl ihr Buch als auch ihre Stickerei nach kurzer Zeit fort, stand immer wieder auf und lief unruhig in ihrem Zimmer auf und ab. Als Adelais glaubte, es nicht länger aushalten zu können, erschien Marie mit einem Gewand über dem Arm.

»Ist es endlich Zeit zum Umkleiden? Welches Kleid bringst du mir, Marie?«

Die Dienerin hielt es ihrer Herrin hin.

»Oh, es ist fertig? Wie schön!«

»Ich habe heute die letzten Stiche getan.« Marie lächelte und strich mit der Hand über den hellblauen Stoff mit den feinen violetten Blumenstickereien. »Ich hoffe, es steht Euch so gut, wie ich es mir beim Zeichnen vorgestellt habe.«

»Das wird es zweifellos. Du bist eine Künstlerin, Marie. Du solltest in einer der großen Schneidereien arbeiten und Gewänder entwerfen. Ich habe kein Recht, dich als Dienstmagd zu beschäftigen!«

Marie lächelte. »Niemand stellt eine Magd als Zeichnerin ein, Mademoiselle. Und anderer Leute Entwürfe zu nähen, ist ganz gewiss nicht mein Traum. Mein Platz ist hier bei Euch.«

»Und bald mit mir in Bordeaux!« Adelais strahlte. »Ich bin so gespannt, was Herr Vater und Monsieur Clément heute Abend besprechen. Vielleicht verlobe ich mich schon in Kürze!«

Sie schlüpfte aus ihrem Alltagskleid und stellte sich nackt mit erhobenen Armen vor Marie. Die grinste.

»Erst das Korsett, Mademoiselle.«

Adelais ließ die Arme sinken. »Ist das wirklich nötig?«

»Leider ja. Es ist ein halbes Jahr her, dass ich Euch für das Gewand vermessen habe.«

»Dabei habe ich mich so bemüht, wenig zu essen.« Adelais verzog das Gesicht. »Wenn nur nicht alles so lecker wäre.«

Marie lachte leise. »Ihr habt eine wohlgeformte Figur. Sorgt Euch nicht. Wir müssen das Korsett auch gar nicht fest schnüren.«

»Dann ist es ja gut.« Adelais ließ die Prozedur über sich ergehen. Als sie das Kleid angezogen hatte, betrachtete sie sich im Spiegel. »Es ist wirklich wunderschön, dieser zarte Farbton und die Stickereien … Ich hoffe, es wird Arthur gefallen.«

»Gewiss«, sagte Marie. Adelais bemerkte, dass sich die Magd um einen zuversichtlichen Tonfall bemühen musste.

Was war nur los mit ihr – und mit Luc? Warum zweifelten die beiden daran, dass sich Arthur Clément ernstlich für sie begeistern würde? Trauten sie ihr etwa nicht zu, einen Mann für sich einzunehmen?

Adelais spürte, wie ihre Kehle eng wurde, doch sie schluckte das ungute Gefühl herunter. Sie würden schon alle noch sehen, wie gut sich ihr Bräutigam und sie verstanden!

4

Adelais musste an sich halten, um nicht ihre Fingernägel abzukauen. Sie setzte sich auf ihre Hände und wartete zitternd darauf, dass es an der Tür klopfte. Als es endlich so weit war, sprang sie so hastig auf, dass ihr Stuhl polternd umkippte.

»Adelais!« Der Tonfall ihrer Mutter war sogar noch eine Spur strenger als sonst. Mühsam bückte sich Adelais in dem starren Korsett hinunter, um den Stuhl aufzustellen. Kaum stand sie wieder aufrecht, betraten die Herren Clément den Salon.

Nun erst bemerkte Adelais, wie ähnlich sich Vater und Sohn in den gleichen dunkelbraunen Hosen und Westen und mit den weißen, engen Kragen sahen. Steif begrüßten sie ihre Mutter und danach auch sie. Sie lächelte Arthur strahlend an, in der Hoffnung, in seinen Augen dieselbe Wärme zu entdecken wie nach ihrem Tanz. Leider musterte er sie nur kühl und nickte ihr zu.

Er ist ein kalter Fisch.

Sie schüttelte den Kopf, um Lucs Worte zu vertreiben.

»Stimmt etwas nicht, Mademoiselle Lavie?«, fragte der ältere Clément und zog die Stirn in Falten.

»Oh – nein, Monsieur. Herzlich willkommen in unserem Hause.«

Sie wies auf die Plätze am Tisch, die den Besuchern zugedacht waren, und ließ sich ebenfalls auf ihren Stuhl fallen. Sie fühlte sich schon jetzt so ermattet, als habe der Abend bereits Stunden gedauert. Endlich setzten sich auch ihre Eltern und Luc zu ihnen, und die Herren vertieften sich in ein Gespräch über den Weinhandel.

Adelais beobachtete ihren Zukünftigen. Er hatte wenig Eigenes zu der Konversation beizutragen, dafür stimmte er seinem Vater in allem zu, was dieser sagte. Und dabei sah er unverschämt gut aus! Adelais erwischte sich, wie sie darüber nachdachte, wie er wohl ohne die steife Kleidung aussah …

Bald trugen die Mägde die Speisen auf, große Platten mit Braten und Gemüse, knuspriges Brot und dunkle Soße. Adelais häufte ihren Teller voll. Sie wusste zwar, dass es Menschen gab, die vor lauter Unruhe nicht essen konnten. Bei ihr verhielt es sich allerdings anders. Sie nahm sich von allem reichlich und genoss das wohlschmeckende Mahl. Als sie einmal aufsah, bemerkte sie den tadelnden Blick des älteren Clément. Irritiert ließ sie das Besteck sinken. Hatte der Herr etwas dagegen, dass es seiner zukünftigen Schwiegertochter schmeckte? Sollte ihre Mutter etwa damit recht behalten, dass es nicht schicklich war, gut zu essen? Adelais wunderte sich. Es gab gewiss Männer, die magere Mädchen den wohlgerundeten vorzogen, doch sicherlich war dies auch andersherum der Fall! Ihr Vater hatte wohl nicht ausgerechnet einen Ehemann für sie ausgesucht, dem dürre Frauen gefielen? Andererseits dürften die Herren kaum ihre Maße diskutiert haben, als sie sich über eine Verbindung zwischen Arthur und ihr verständigt hatten …

Zögerlich aß sie weiter. Schließlich hatte sie am Vortag nur wenig gegessen, und das Frühstück war auf Bestreben ihrer Mutter ebenfalls spärlich ausgefallen.

Nachdem die Teller abgeräumt waren, hoffte Adelais, dass sich das Gespräch nun endlich ihr und ihrer Zukunft zuwenden würde. Sie konnte es kaum noch ertragen, dass die ganze Zeit nur über Wein und Tuch gesprochen wurde. Dafür waren die Herren schließlich nicht gekommen!

Plötzlich fühlte sie die Blicke aller Anwesenden auf sich gerichtet. Sie sah Arthur an. Sein Gesichtsausdruck wirkte verschlossen. Sie wünschte sich so sehr, er würde sie endlich anlächeln. Als er es tat, erreichte das Lächeln nur seine Mundwinkel, nicht aber seine Augen.

Adelais spürte, wie ihre Zweifel wuchsen. Sollte ihr Bruder doch recht behalten? Sie brannte darauf, mit Arthur allein zu sein und herauszufinden, warum er sich so kühl verhielt. Vielleicht war es nur der Anwesenheit der Väter geschuldet, und wenn sie allein waren, wäre er ein vollkommen anderer Mensch. Sie klammerte sich an diese Hoffnung.

»Dann wollen wir zu den Formalitäten kommen. Adelais, verlass bitte den Raum.«

»Ich soll gehen? Aber warum?«, platzte sie heraus. Sie konnte nichts dagegen tun; sie trug ihr Herz wieder einmal auf der Zunge. »Es geht doch um mich, nicht wahr?«

»Adelais!« Die Stimmen ihres Vaters und ihrer Mutter verbanden sich zu einem einzigen Tadel.

Luc dagegen lachte leise. Er stand auf, zog seine Schwester vom Stuhl hoch und flüsterte ihr ins Ohr: »Geh ruhig. Ich bin doch hier.« Er führte sie zur Tür, durch die ihre Mutter bereits verschwunden war.

»Aber warum darf er bleiben?«, wisperte sie zurück und wies mit dem Kopf in Arthurs Richtung.

»Weil er ein Mann ist, Dummerchen. Mir gefällt es auch nicht, aber so ist das nun mal.«

Er küsste sie auf die Wange, schob sie aus der Tür und schloss diese bis auf einen winzigen Spalt. Adelais sah sich um. Ihre Mutter verschwand eben am oberen Treppenabsatz, und auch sonst war niemand in der Halle. Sie stellte sich nah an den Türspalt und lauschte.

»Einige Fragen müsst Ihr mir noch beantworten, Monsieur Lavie.« Die Stimme des älteren Clément klang so kühl, als spräche er mit seinem Schneider über die Qualität eines Stoffes. Adelais hoffte, dass ihr Zukünftiger nicht allzu viel von seinem Vater hatte. »Ganz jung ist Eure Tochter mit ihren zweiundzwanzig Jahren ja nicht mehr. Warum ist sie bisher unverheiratet?«

Adelais hörte, wie ihr Vater verlegen hüstelte, und sie hätte ihm am liebsten einen Tritt versetzt. Er brauchte nicht so zögerlich zu sein! Es gab schließlich gute Gründe dafür, dass sie noch ledig war.

»Meine Gemahlin«, hob er an und räusperte sich erneut, »ist von schwacher Gesundheit. Sie benötigte Adelais, um ihr zur Hand zu gehen. Und auch ich habe häufig auf meine Tochter als Begleitung zurückgegriffen, wenn es um gesellschaftliche Verpflichtungen ging. Nun jedoch habe ich entschieden, dass es so nicht weitergehen kann. Wir müssen es Adelais ermöglichen, ihre eigene Familie zu gründen, ehe …« Er brach ab, doch jeder im Raum – und Adelais vor der Tür – hörte die unausgesprochenen Worte.

Ehe es zu spät ist.

Sie fühlte, wie ihr die Tränen kamen. Wenigstens in dieser Situation hätte ihr Vater für sie eintreten müssen! Stattdessen tat er, als sei sie bereits eine alte Jungfer.

»Meine Schwester ist eine schöne Frau. Es gibt einige Herren, die um sie werben. Und sie ist genau im richtigen Alter für eine Verbindung, wenn nicht gar noch zu jung! Nur weil andere Familien ihre Mädchen so schnell wie möglich loswerden wollen, …«

»Lucien! Ich bitte dich!«

»Ist ja gut«, hörte Adelais ihren Bruder murmeln, und ihr Herz flog ihm zu. Auf ihn konnte sie sich immer verlassen, das hatte er wieder einmal bewiesen.

»Hübsch ist sie in der Tat«, sagte der ältere Clément, ohne auf Lucs weitere Ausführungen einzugehen, »obwohl sie zur Fülligkeit zu neigen scheint. Doch das stört meinen Sohn wenig. Nicht wahr, Arthur?«

Adelais konnte sich das Schulterzucken des jungen Clément bildlich vorstellen, und ein bitterer Geschmack verbreitete sich in ihrem Mund. So gut er aussah: Viel Rückgrat schien ihr Zukünftiger nicht zu besitzen. Und zu sagen hatte er offenbar auch nichts. Stumm wie ein Fisch, dachte sie und erschauderte. Kalt und schweigsam. Sie würde sich alle Mühe geben müssen, ihn aufzutauen. Vielleicht gelang es ihr, sobald er dem Einfluss seines Vaters entronnen war.

»Kommen wir also zum Abschluss der Verhandlungen. Bleibt es bei der besprochenen Höhe der Mitgift?«

»Selbstverständlich!«, versicherte ihr Vater eilig. Er schien sie wirklich dringend aus dem Hause haben zu wollen. Adelais verdrehte die Augen.

»Gut. Ungeachtet des Alters des Fräuleins ist die geschäftliche Verbindung zwischen uns nicht zu unterschätzen. Durch den gemeinsamen Transport unserer Waren werden wir beide viel Geld einsparen. Ihr werdet darüber hinaus natürlich die Verpflegung Eurer Tochter sparen, was ein erheblicher Posten in Eurer Kasse sein dürfte!« Der ältere Clément lachte schallend.

Adelais ballte die Fäuste.

»Monsieur!«, rief Luc aus, und sie hörte seine kaum verhohlene Wut. »Macht Euch bitte nicht über meine Schwester lustig!«

»Schon gut, Junge, schon gut. Ein Scherz unter Männern muss doch erlaubt sein.« Er lachte noch einmal auf, klang dabei jedoch mehr gequält als amüsiert. »Nun denn, Lavie. Ich schlage Folgendes vor: Wir reisen in zwei Tagen heim. Ihr und Eure Tochter werdet uns begleiten. In Bordeaux wird sich meine Gemahlin Adelais anschauen, dann erst unterzeichnen wir die Papiere. Immerhin werden wir alle im selben Haus leben, und ich kann mir kaum etwas Schlimmeres vorstellen als unentwegtes Gezeter, weil Schwiegermutter und -tochter nicht miteinander auskommen.«

»Adelais ist sehr umgänglich! Sie werden sich gewiss gut vertragen.« Ihr Vater klang, als preise er ein schimmliges Brot an. Adelais konnte nur noch mit dem Kopf schütteln. Zu allem Überfluss hatte sie soeben erfahren, dass sie im Hause der Eltern leben würden. So hatte sie keine Chance, Arthur ihrem Einfluss zu entziehen.

Details

Seiten
0
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783960873860
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v426514
Schlagworte
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    Marie Caroline Bonnet (Autor)

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Titel: Auf den Wogen der Liebe (Liebe, Historisch)