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Strandbegegnung (Kurzgeschichte, Liebe)

von Horst-Dieter Radke (Autor)

2018 0 Seiten

Leseprobe

Kurz vorab

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie schön, dass du dich für diesen booksnack entschieden hast! Ich möchte dich auch gar nicht lange aufhalten, denn sicher hibbelst du der folgenden Kurzgeschichte schon voller Freude entgegen.

Aber ich möchte dir vorab ganz kurz die wichtigsten Merkmale einer Kurzgeschichte in Erinnerung rufen:

  1. Der Name ist Programm: Alle Kurzgeschichten haben ein gemeinsames Hauptmerkmal. Sie sind kurz.
  2. Kurz und knapp sind auch die Handlung und die erzählte Zeit (Zeitsprünge sind eher selten).
  3. Ganz nach dem Motto »Einleitungen werden total überbewertet« fallen Kurzgeschichten meist sofort mit der Tür ins Haus.
  4. Das zweite Motto lautet »Wer braucht schon ein Happy End?« Also bereite dich auf einen offenen Schluss und/oder eine Pointe am Ende der Geschichte vor. Das Geheimnis dahinter: Kurzgeschichten sollen dich zum Nachdenken anregen.
  5. Versuch deine Neugier zu zügeln, denn auch für die Beschreibung der Charaktere und Handlungsorte gilt »in der Kürze liegt die Würze«.
  6. Die Aussage des Textes ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Hier bist DU gefragt, um zwischen den Zeilen zu lesen und deine persönliche Botschaft aus der Geschichte zu ziehen.

Jetzt bist du gewappnet für unseren literarischen Snack. Und findest du nicht auch, dass man diesen gleich noch mehr genießen kann, wenn man weiß was drin ist?

Viel Spaß beim Booksnacken wünscht dir

Stephanie Schönemann

Programmleitung dp DIGITAL PUBLISHERS

Über die Kurzgeschichte

Sie begegnen sich am Strand und sofort sprühen die Funken. Nach einer gemeinsamen Nacht ist nichts mehr, wie es vorher war. Doch können die beiden ihre Konventionen vergessen?

Impressum

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Erstausgabe Juni 2018

Copyright © 2018, booksnacks,
ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Made in Stuttgart with ♥
Alle Rechte vorbehalten
ISBN 978-3-96087-311-2

Titel- und Covergestaltung: Francesca Hintz
unter Verwendung eines Motivs von
© Maridav/shutterstock.com
Korrektorat: Daniela Pusch

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Buches sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Strandbegegnung



Horst-Dieter Radke

Am Strand

Er hatte die Unterhose gegen die Badehose gewechselt, ein Handtuch über die linke Schulter gelegt, bevor er das Hotel verließ, aber das hätte er eigentlich bleiben lassen können; es war viel zu kalt. Ende Oktober war nicht unbedingt die richtige Zeit, um in der Nordsee zu schwimmen. Außerdem wehte ein starker Wind. So stand er mit den Füßen im Wasser und ließ sich die auslaufenden Wellen gegen die Knöchel platschen, bestaunte die Surfer in ihren Neoprenanzügen auf den Brettern und ihre Segel am Himmel, schüttelte sich innerlich beim Anblick der Hartgesottenen, die trotz Wind und Kälte weit hinausschwammen. Er drehte sich von der See weg, versuchte den Rückweg einzuschätzen. Mit neunundvierzig Jahren fühlte er sich zu alt, um sich noch abhärten zu müssen.

Dann sah er sie. Sie kam von St. Peter Ording her, direkt auf ihn zu. Dabei schien sie ihn gar nicht zu bemerken. Immer wieder hielt sie an, schaute in den Himmel, zum Strand, lachte fröhlich auf und blieb dann unvermittelt stehen, bevor das Wasser ihre Füße benetzte.

Sie wird älter sein als ich, bestimmt über fünfzig. Die Haare kurz geschnitten, bereits grau – ungefärbt, bemerkte er anerkennend – ließen ein sympathisches Gesicht unversteckt zur Geltung kommen. Schlank, nicht dürr, ging ihm durch den Kopf, bevor ihm plötzlich für einen Augenblick die Sprache aus dem Denken abhandenkam.

Sie zog sich aus; streifte den Wollpullover, das Unterhemd über den Kopf – sie hatte keinen BH an, nahm er wahr und beendete damit die Denklosigkeit – schlüpfte aus den Sandalen, öffnete den Gürtel, stieg aus den Jeans, ließ auch das schmalen Höschen in den Sand gleiten und lief unbekleidet in das Meer. Sie jauchzte, ließ sich in das Wasser fallen und schwamm davon. Er wollte gehen, um nicht als Voyeur zu gelten, konnte es aber doch nicht. Einer musste ja bei den Sachen bleiben, ging ihm durch den Kopf.

Es dauerte fast zwanzig Minuten, bis sie zurückkam. Er hatte sich schon Sorgen gemacht, bereits überlegt, ob er sie bei der Rettungswacht oder wo auch immer melden solle, da stieg sie plötzlich direkt vor ihm aus dem Wasser und wollte zu ihren Sachen. Spontan hielt er ihr sein Handtuch hin. Sie stutzte, schaute ihn an und ihre grünen Augen schienen ihn erst jetzt wahrzunehmen. Sie lächelte, nahm das Handtuch und trocknete sich ab.

Keine Gänsehaut, bemerkte er, als er zusah, wie die Wassertropfen von der Haut verschwanden. Plötzlich flog ihm das Handtuch entgegen, das er gerade noch mit der linken Hand erwischte, bevor es sich um seinen Kopf wickeln konnte.

Details

Seiten
0
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783960873112
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v427694
Schlagworte
Strand Urlaub Nordsee St. Peter Ording Hotel Beziehung Liebe-s-Kurzgeschichte

Autor

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