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3:0 Fußballkrimis (Kurzgeschichten, Spannung)

von Thomas Kowa (Autor)

2018 0 Seiten

Leseprobe

Kurz vorab

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie schön, dass du dich für diesen booksnack entschieden hast! Ich möchte dich auch gar nicht lange aufhalten, denn sicher hibbelst du der folgenden Kurzgeschichte schon voller Freude entgegen.

Aber ich möchte dir vorab ganz kurz die wichtigsten Merkmale einer Kurzgeschichte in Erinnerung rufen:

  1. Der Name ist Programm: Alle Kurzgeschichten haben ein gemeinsames Hauptmerkmal. Sie sind kurz.
  2. Kurz und knapp sind auch die Handlung und die erzählte Zeit (Zeitsprünge sind eher selten).
  3. Ganz nach dem Motto »Einleitungen werden total überbewertet« fallen Kurzgeschichten meist sofort mit der Tür ins Haus.
  4. Das zweite Motto lautet »Wer braucht schon ein Happy End?« Also bereite dich auf einen offenen Schluss und/oder eine Pointe am Ende der Geschichte vor. Das Geheimnis dahinter: Kurzgeschichten sollen dich zum Nachdenken anregen.
  5. Versuch deine Neugier zu zügeln, denn auch für die Beschreibung der Charaktere und Handlungsorte gilt »in der Kürze liegt die Würze«.
  6. Die Aussage des Textes ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Hier bist DU gefragt, um zwischen den Zeilen zu lesen und deine persönliche Botschaft aus der Geschichte zu ziehen.

Jetzt bist du gewappnet für unseren literarischen Snack. Und findest du nicht auch, dass man diesen gleich noch mehr genießen kann, wenn man weiß was drin ist?

Viel Spaß beim Booksnacken wünscht dir

Stephanie Schönemann

Programmleitung dp DIGITAL PUBLISHERS

Über die Kurzgeschichte

Was wäre, wenn der eigene Verein nicht den entscheidenden Elfmeter versemmelt hätte? Woher hat ein Puma seine drei Streifen bekommen? Und wie schaffen es zwei Komissare einen Mord bei einem Fußballspiel zu lösen, wenn der eine Fußball hasst und der andere Akten? Drei unterhaltsame booksnacks von Thomas Kowa für Fußballfans!

Impressum

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Erstausgabe Juli 2018

Copyright © 2018, booksnacks,
ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Made in Stuttgart with ♥
Alle Rechte vorbehalten
ISBN: 978-3-96087-454-6

Titel- und Covergestaltung: Francesca Hintz
unter Verwendung eines Motives von
© XiXinXing/shutterstock.com

Korrektorat: Daniela Pusch

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Buches sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

3:0
Fußballkrimis



Thomas Kowa

Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

im Sommer 1974 war ich ein Viereinhalbkäsehoch und interessierte mich überhaupt nicht für Fußball. Mein Vater hingegen schon und mein Bruder ebenso. Aber ich ließ mir von meinem Vater viel lieber Geschichten von seinem Hund Fidor erzählen – ein wahrer Superheld übrigens – als einer Menge Männer hinterherzuschauen, die einem Ball nachrannten.

Selbst als die Fußballweltmeisterschaft 1974 in Deutschland begann, interessierte sie mich immer noch nicht. Weil man Vater jedoch einen neuen Farbfernseher gekauft hatte und die Spiele in Ruhe sehen wollte, kam er auf eine folgenschwere Idee: Er versprach mir die unermesslich hohe Summe von 5 DM, wenn Deutschland Weltmeister werden würde!

Wahrscheinlich erzählt das mehr über mich, als mir lieb ist, aber fortan schaute ich jedes Spiel der Deutschen. Im Verlauf des Turniers auch die der anderen Mannschaften. So fand ich zum Beispiel, die Holländer spielten viel besser als wir, aber darum ging es ja nicht, sondern um dieses Fünfmarkstück.

Mit dieser Einstellung wäre aus mir wahrscheinlich auch ein passabler Fußballmanager geworden, aber zum Glück für uns alle habe ich meine Fußballbegeisterung nie zu meinem Beruf gemacht.

Und genau deswegen gibt es passend zur WM 2018 nun von mir drei kleine Fußballgeschichten, die man mit viel Liebe als Krimi bezeichnen könnte. Viel Spaß damit und hoffen wir, dass noch manches Jahr so ausgeht wie 1974.

Ihr

thomaskowasignature

Thomas Kowa über Der Puma mit den drei Streifen

Zu jeder Criminale – dem Treffen der deutschsprachigen Krimi-Schriftsteller – gibt es eine Anthologie mit Geschichten aus der Gastgeberregion. Anlässlich der Criminale in Nürnberg/Fürth in 2014 durfte ich einen Krimi in der Stadt Herzogenaurach ansiedeln, Heimat von Adidas, Puma und Lothar Matthäus. Als ich einem guten Freund davon erzählte, sagte der: »Dann schreibst du die Geschichte: Lothar und der Puma mit den drei Streifen.« Und das tat ich dann.

Natürlich war ich vorher zur Recherche in Herzogenaurach. Das Örtchen ist wirklich eine Reise wert und hat eine sehr schöne Altstadt. Doch ich fand, das ist viel zu herzlich und harmlos für einen Mord. Am Ende war man ein wenig enttäuscht, dass ich in dem Ort kein Blut vergossen habe, aber ich habe dann versprochen, dass irgendwann nachzuholen.

Wobei es bei der Fortsetzung von Der Puma mit den drei Streifen, die 2016 bei Ars Vivendi in der Anthologie Tatort Christkindlesmarkt erschienen ist, trotz größte Anstrengungen meinerseits erneut keinen Mord gab. Das reut selbst meinen Herzogenauracher Kommissar Lothar ein wenig, insofern werde ich da wohl noch ein drittes Mal ermitteln müssen.

Der Puma mit den drei Streifen

Für gewöhnlich bin ich nicht aus der Ruhe zu bringen, nicht einmal, wenn in China zwei Säcke Reis umfallen. Oder wegen mir auch drei. Doch jetzt gerade, in diesem Moment, konnte ich nicht anders, als ins Telefon zu brüllen. »Das kannst du mir nicht antun! Ich kündige!«

Als Antwort putzte Polizeipräsident Scholl sich erst einmal die Nase. Er trötete dabei, als sei er eine Kreuzung aus Mensch und Elefant. Vom Körpergewicht kam das auch hin, zudem schnäuzte er mit einer Seelenruhe ins Taschentuch, die bewies, dass er in seiner zweiundvierzigjährigen Beamtenlaufbahn noch jeden Bürostuhl durchgesessen hatte. »Du kannst nicht kündigen«, sagte er schließlich. »Wie wir alle hast du deine Seele an Vater Staat verkauft. Außerdem ist es nur für zwei Wochen. Und sie ist die Tochter des LKA-Chefs. Das ist quasi ein Befehl.«

»Und warum habt ihr sie nicht zu euch nach Nürnberg geschickt?«

»Hier ist viel zu viel los«, behauptete Scholl. »Am Wochenende sind die Krimischriftsteller in der Stadt, da kannst du dich vor Mord und Totschlag kaum retten.« Scholl seufzte theatralisch. »Euer letzter Mordfall liegt doch schon Jahre zurück. Also wird in den zwei Wochen auch nichts passieren. Gehst mit ihr in den Biergarten, gibst ihr eine ordentliche Maß aus, und alles wird gut. Glaub mir, sie ist bei euch am besten aufgehoben.«

Bei euch. Damit meinte Scholl Herzogenaurach. Ein schönes Städtchen, mitten in Franken gelegen, mit über tausendjähriger Geschichte. 1002 erstmals als Uraha urkundlich erwähnt, gehörte Herzogenaurach ab 1021 zum Bistum Bamberg, wurde 1804 erst preußisch, 1807 schließlich französisch und dann – und das war das Schlimmste von allem – 1810 bayrisch.

Und jetzt kam eine von denen direkt aus München zu mir und wollte mir zeigen, wie man ermittelte.

Drei Monate vor meiner Pensionierung.

»Und wann soll das sein?«, fragte ich, in der Hoffnung, dass die Dame irgendwann nach dem Sommer käme, wenn ich schon dem angenehmsten Teil eines Beamtenlebens nachging, nämlich dem Verschlemmen meiner Pension.

»Das hätte ich dir gern früher gesagt.« Scholl klang auf einmal sehr kleinlaut. Jedenfalls für eine Mischung aus Mensch und Elefant. »Sie sitzt schon im Auto. Hab das auch erst grad erfahren. Scheint eine sehr spontane Dame zu sein.«

Das war der Moment, an dem ich ein zweites Mal ins Telefon brüllte.

Kaum hatte ich ausgeflucht, meinen Schreibtisch aufgeräumt und die Akten mit den Handtaschendiebstählen der letzten zehn Jahre darauf platziert, schließlich musste ich die Dame irgendwie beschäftigen, klingelte auch schon mein Diensthandy. Wahrscheinlich fand die LKA-Tante den Weg nicht. Oder war im Adidas-Outlet verloren gegangen.

Wie von meinem brillanten Kriminalistenhirn erwartet, meldete sich am Telefon eine Frau. Es war jedoch unsere Regina aus der Zentrale. Und was noch ungewöhnlicher war, sie war so ein Eile, dass sie mich nicht einmal begrüßte. »Du musst so schnell wie möglich in die Beyschlagsche Apotheke«, rief sie. »Da gab es eine Entführung! Der Täter ist flüchtig.«

Ich zögerte keine Sekunde, schnappte mir den Streifenwagen, schaltete das Blaulicht ein und stand zwei Minuten später vor der Apotheke in der Altstadt. Zu Fuß wäre es auch nicht langsamer gewesen, aber wenn in Herzogenaurach schon mal was passierte, mussten wir ja wenigstens Präsenz zeigen.

Die Beyschlagsche Apotheke war die älteste Apotheke der Stadt, 1831 gegründet, in einem malerischen Fachwerkhaus untergebracht. Als hätte es damals schon in Franken die Partei der Grünen gegeben, stand am Giebel des Hauses: Der Herr lässt die Arznei aus der Erde wachsen, und ein Vernünftiger verachtet sie nicht.

Genauso gut hätte der Spruch allerdings auch auf dem Gebäude direkt nebenan stehen können: dem Brauhaus. Denn auch hier praktizierte man im Grunde Naturmedizin, in Form der Biertherapie – eine außerhalb von Franken völlig unterschätzte Heilbehandlung, deren Wirksamkeit sich schon darin zeigt, dass man in Herzogenaurach erst 590 Jahre nach Etablierung des deutschen Apothekenwesens eine Apotheke für nötig befunden hatte.

Und ausgerechnet diese Apotheke war nun überfallen worden. Zum ersten Mal seit ihrem Bestehen.

Ich lief in den Laden. Hinter der mit Holz verkleideten Theke stand die Apothekerin, bleich wie eine Aspirin-Tablette. »Hallo, Gabriele«, begrüßte ich sie. In einem Ort wie diesem kannte nun einmal jeder jeden. »Was ist denn passiert?«

»Es war vor zehn Minuten«, antwortete sie. »Ein großer Mann ist hier hereingestürmt, eine Clownmaske auf dem Kopf. Er hatte eine Pistole und ist sofort auf Radka zu.«

»Radka?«

»Unsere neue Apothekenhelferin. Ein sehr zuverlässiges Mädel. Er hat ihr die Pistole an den Kopf gehalten und aus der Apotheke geführt. Die Arme.«

»Und der Täter hat nichts gestohlen?«

Gabriele schüttelte den Kopf. »Im ersten Moment dachte ich, er will bestimmt an die Betäubungsmittel aus dem Tresor. Aber er hat sich nicht mal für die Kasse interessiert.«

»Ist dir sonst etwas an ihm aufgefallen?«

»Allerdings«, antwortete sie. »Der Kerl trug Nike-Turnschuhe.«

»Hier? In der Heimat von Adidas und Puma?«

Gabriele nickte. »Ich wusste gleich, mit dem stimmt was nicht.«

Ich notierte mir dieses unglaubliche Indiz. Aber noch etwas anderes machte mir Gedanken. »Und Radka ist einfach so mit ihm mitgegangen?«

»Was hätte sie denn machen sollen?« Gabriele blickte mich mit großen Augen an. »Wahrscheinlich dachte sie, so kann sie Schlimmeres verhindern, schließlich hatte er eine Pistole. Er ist dann mit ihr raus, in einen grünen, klapprigen Golf gestiegen und da lang gefahren.« Sie zeigte die Fußgängerzone entlang, in Richtung Türmersturm.

»Hast du das Kennzeichen notiert?«, fragte ich.

Sie schüttelte den Kopf. »Aber als er ins Auto gestiegen ist, hab ich gesehen, dass unter seiner Clownmaske blonde Locken rausgeschaut haben. Und er hatte eine Einkaufstüte dabei, vom Drogeriemarkt um die Ecke.«

»Möglicherweise hat er die Maske dort gekauft«, erklärte ich. »Ich schicke dir gleich die Kriminaltechnik vorbei. Vielleicht finden die eine Spur.« Ich ließ mir ein Foto der Entführten geben. Radka war schwarzhaarig, hübsch, wahrscheinlich keine zwanzig.

Ich kam gerade aus der Apotheke, als ein pinkfarbener Z4 um die Ecke schoss, abrupt anhielt und fachmännisch einparkte, exakt im absoluten Halteverbot. Die Frau, die aus dem Wagen stieg, sah aus wie ein Heidi-Klum-Klon: Lange, blonde Haare, weißes Blüschen, ein Minirock, kürzer als die Polizei erlaubt, jedenfalls hier in Herzogenaurach, und Highheels so hoch wie das Turmspringerin-Denkmal vor dem Fehnturm. War das etwa die LKA-Tante?

»Hallihallo! Ich bin die Sandy«, rief sie und gab mir so schnell rechts und links ein Küsschen, dass ich ihr nicht mal Handschellen hätte anlegen können. »Die Kollegen auf der Wache haben mir erzählt, dass es eine Entführung gegeben hat«, flötete sie. »Ist ja total spannend! Und du bist bestimmt der Lothar.«

Ich nickte. Wenigstens machte sie keinen dummen Spruch wegen meines Vornamens. Wahrscheinlich nur, weil sie nicht wusste, welcher Lothar noch aus Herzogenaurach stammte.

»Und befragen wir jetzt die Zeugen?« Sandy holte ein pinkfarbenes Notizbuch aus ihrer pinkfarbenen Handtasche.

»Ist schon erledigt«, winkte ich ab. So jemanden konnte ich überhaupt nicht am Tatort brauchen. Wahrscheinlich würde sie sofort über die Kosmetikabteilung der Apotheke herfallen. »Die kriminaltechnischen Untersuchungen sind eingeleitet, später wird ein Phantombild erstellt, und das mobile Einsatzkommando ist auch schon in Bereitschaft. Für den Fall der Fälle. Wir haben hier also nichts mehr zu tun.«

Sandy zog eine Schnute wie eine enttäuschte Dreijährige. Gefühlsgestoppte fünf Sekunden später lächelte sie jedoch schon wieder. »Was hältst du davon, wenn wir uns ein nettes Café suchen und du mir bei einem Latte Macchiato erzählst, was du herausgefunden hast?« Sie blinzelte mich an. Selbst ihre Augenlider waren pink geschminkt.

Erst wollte ich Sandy für verrückt erklären, direkt nach dem Auftakt der Ermittlungen einen Kaffee trinken zu gehen, aber dann erkannte ich die Chance, sie so von dem Fall fernhalten zu können. Außerdem erfüllte der Kaffee aus der Maschine der Polizeiinspektion im Grunde den Straftatbestand der vorsätzlichen Lebensmittelvergiftung.

Also ging ich mit Sandy auf den Marktplatz gegenüber, und wir setzten uns ins Café Cortina. »Ist ja sehr putzig hier«, sagte sie. »Ich wusste gar nicht, dass es so schöne Dörfer in Bayern gibt.«

»Franken«, korrigierte ich sie. »Die Bayern haben die Berge und wir den Horizont.«

Sandy reagierte nicht, was den immens hohen Wahrheitsgehalt des Spruches mal wieder bestätigte. »Außerdem sind wir eine Stadt«, sagte ich. »Mit vierundzwanzigtausendfünfhundertachtundsiebzig Einwohnern.«

Sandy zuckte mit den Schultern. »Eigentlich wäre ich ja lieber nach Nürnberg«, erzählte sie, ohne dass ich sie danach gefragt hatte. »Aber dann hat dieser Herr Scholl mir erzählt, dort grassiere gerade die hochansteckende Hand-Fuß-Mund-Krankheit.« Sie schüttelte den Kopf. »Ich meine, wie können Hände und Füße denn bitteschön krank werden?«

Ich blickte ins Leere. Marie Curie, Mileva Einstein, wegen mir sogar Angela Merkel – alles hoch intelligente Frauen, nur hier und jetzt hatte ich leider ein etwas anderes Exemplar abbekommen.

Ich erklärte Sandy in knappen Worten den Stand der Ermittlungen und schlug ihr dann vor, heute ein wenig die Gegend zu erkunden. Schließlich sei sie gerade erst angekommen.

»Und was gibt’s hier so Spannendes?«, fragte Sandy.

»Puma und Adidas stammen von hier«, antwortete ich. »Die haben tolle Outlets direkt um die Ecke.«

Details

Seiten
0
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783960874546
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v431645
Schlagworte
Fußball-fan-s Fußball-Roman Krimi-Kurzgeschichte-n WM 2018 Humor-volle-Kurzgeschichte-n Fußball-Stadion pokalspiel

Autor

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    Thomas Kowa (Autor)

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