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Heiße Seitensprünge (Erotik)

Eine tabulose Ehefrau

von Kathy Fox (Autor)

2018 0 Seiten

Leseprobe

Über dieses E-Book

Victoria ist frustriert: Ihr Mann geht lieber zum Fußball als ihr seine Aufmerksamkeit zu schenken. Sie langweilt sich – und sehnt sich nach einem aufregenden, erfüllten Liebesleben.
Voller Neid beobachtet sie das tabulose Treiben ihrer besten Freundin, die sich mit wechselnden Lovern vergnügt und dabei voll auf ihre Kosten kommt. Ermutigt von ihrer Leichtlebigkeit riskiert Victoria einen Seitensprung. Sie erfährt, wie erfüllend guter Sex sein kann, als sie sich mit einem erfahrenen Mann einlässt, der sie nach allen Regeln der Kunst verwöhnt und sie an ihre Grenzen führt.
Jetzt will Victoria mehr: Sie lernt, Regeln auszublenden und lässt sich in den Armen anderer Männer fallen. Als sie bei einem ihrer Experimente ihren Mann trifft, scheint sich das Blatt zu wenden …

Impressum

Secret_Desires_Grafik_Imprint

Erstausgabe August 2018

Copyright © 2018, Secret Desires, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH

Made in Stuttgart with ♥

Alle Rechte vorbehalten

ISBN: 978-3-96087-442-3

Covergestaltung: Miss Ly Design
unter Verwendung eines Motivs von
© Maksim Shmeljov/shutterstock.com

Lektorat: Daniela Höhne

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

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Der Fremde

»Fuck.« Mit einem derben Fluch auf den Lippen stellte Victoria die vollen Einkaufstaschen auf das Podest des Sechs-Parteien-Miethauses ab. Nassgeschwitzt suchte sie den Haustürschlüssel aus der Umhängetasche. »Fuck, fuck, fuck.« In dieser Bullenhitze ärgerte sie sich maßlos darüber, dass sie den großen Wocheneinkauf allein bewältigen musste, während sich Michael auf dem Fußballplatz herumtrieb.

Sie hasste Fußball.

Nachdem Victoria der verbale Ausbruch herausgerutscht war, blickte sie schuldbewusst an der grauen Fassade des Hauses empor. Natürlich – die alte Hartmann hing schon wieder am offenen Küchenfenster und musste ihr Fluchen gehört haben.

»Guten Tag, Frau Bertram«, grüßte die Rentnerin. »Da haben Sie aber viel zu tragen, was?« Die Seniorin schaute suchend an Victoria vorbei und machte keinen Hehl daraus, demonstrativ nach Michael zu suchen. Vergeblich, denn Victorias Mann drückte sich vor der Schlepperei. Er würde nach Hause kommen, sobald der Kühlschrank gut gefüllt war.

»Allerdings«, erwiderte Victoria seufzend. Sie rang sich ein Lächeln ab. Obwohl sie nur ein leichtes Sommerkleid trug, klebten ihr die Klamotten am Leib. Jetzt sehnte sie sich nach einer erfrischenden Dusche. Doch Frau Hartmann ließ sie nicht einfach so gehen. Sie hatte Lust auf Small Talk.

»Ihr Mann ist wieder beim Fußball, was?«

»Ja.«

»Aber Sie sagen es: Sie sind auf Zack. Zack, zack, zack.« Die Hartmann kicherte wie eine Hexe.

Es dauerte einen Moment, bis Victoria begriff, dass die alte Frau Victorias »fuck, fuck, fuck« falsch verstanden hatte. Sie musste sich ein Lachen verkneifen. »Allerdings«, sagte sie, während sie den Hausschlüssel umständlich ins Schloss fummelte. Nachdem sie einen Fuß in den Türspalt gestellt hatte, angelte sie nach den Taschen und nickte der Nachbarin am Küchenfenster zu. »Ich muss dann auch mal.«

»Ja, sicher. Es hilft Ihnen ja niemand.«

»Eben.« Fuck, fluchte sie, diesmal in Gedanken, als sie an ihren Mann dachte, der sich vor den anfallenden Aufgaben im Haushalt drückte. Hastig machte sie einen Schritt ins Treppenhaus. Hier empfing sie Dämmerlicht und eine angenehme Kühle. Schweiß perlte auf ihrer Stirn, sie blies sich eine widerspenstige Haarsträhne aus dem Gesicht und überlegte, ob sie die Post aus dem Briefkasten nehmen sollte, entschied sich schließlich dagegen. Sie war froh, wenn die Einkäufe verstaut waren, und sie endlich duschen konnte. Wahrscheinlich war aufgrund der Hitze ihr Make-up verschmiert. Gedämpft drang das Zwitschern der Vögel an ihre Ohren.

Warum, um Himmels willen, muss ich mich immer alleine mit den Wocheneinkäufen rumschlagen?, fragte sie sich und dachte grimmig an Michael, der sich Woche für Woche vor dem Großeinkauf drückte. Natürlich hatte es in der kleinen Straße keinen Parkplatz vor ihrem Haus gegeben. So war ihr nichts anderes übrig geblieben, als die Taschen mit den Lebensmitteln einen gefühlten Kilometer weit zu schleppen. Victoria quälte sich mit den zentnerschweren Taschen die Stufen hinauf. Kaum, dass sie die ersten Schritte gemacht hatte, ertönte oben eine Türklingel. Es dauerte nicht lange, und hinter Victoria summte der Türöffner.

Die Haustür öffnete sich, dann näherten sich Schritte.

Schnell, dynamisch, sportlich.

Victoria unterdrückte ein Stöhnen und stellte die Taschen erneut ab. Wer auch immer nach oben wollte – er würde schneller sein als sie. Und er würde nicht an ihr vorbeikommen. Also wartete sie auf einer Zwischenetage, stellte die vollgepackten Taschen neben sich ab und holte Luft. Diese gottverdammte Hitze machte sie fix und fertig. 

»Hallo.«

Victoria blickte auf und schaute in das jungenhaft grinsende Gesicht eines Endzwanzigers. Er war zwei Köpfe größer als sie, braun gebrannt, Dreitagebart, strahlende blaue Augen und etwas zu lange Haare, die er nach hinten gegelt hatte.

»Guten Tag«, erwiderte sie ein wenig verdattert. Das musste der neue Freund ihrer Nachbarin Sandy sein. Zum ersten Mal war er ihr so nah, zuvor hatte sie diesen heißen Typen immer nur von Weitem auf der Straße gesehen. Guten Tag, äffte sie sich in Gedanken nach. Mein Gott, Vicky, du klingst wie eine Achtzigjährige.

»Hi«, fügte sie schnell hinzu und erwiderte sein Lächeln. Nur für den Bruchteil einer Sekunde begegneten sich ihre Blicke und ihr war, als würde der Kerl bis in den hintersten Winkel ihrer Seele schauen können.

Victoria schaute zu einen großen Blumenstrauß in Folie, den er lässig am langen Arm trug. Sie erkannte bunte, blaue Blüten, etwas Farn und dazwischen samtrote Rosen.

Ein Gentleman, dachte Victoria. Sandra, die stets nur Sandy genannt wurde, hatte echt Glück mit ihrem neuen Freund. Sie war gut zehn Jahre jünger als Victoria. Die beiden verband eine lockere Freundschaft. 

Als der heiße Typ jetzt die Einkaufstaschen erspähte, deutete er darauf. »Soll ich eben helfen?«, fragte er. Allein der Klang seiner Stimme machte Victoria verrückt. Tief, dennoch warm und sehr gefühlsbetont.

Moment, dachte Victoria und nahm sich zusammen, hat er mir angeboten, die fucking schweren Einkäufe hochzuschleppen? Sie zögerte, hätte sein Angebot um ein Haar angenommen. »Nein, danke, es geht schon.«

Er zögerte, legte kurz den Kopf schräg, und betrachtete Victoria. »Wirklich nicht?« Als sie erneut den Kopf schüttelte, zuckte er die breiten Schultern. »Na gut.« Lag da Enttäuschung in seinem Blick?

Victoria spürte einen Schauer, der ihren Rücken herunterrieselte, dann war er auch schon vorbei. Sie schaute ihm nach, sah den muskulösen Rücken, die starken Arme, die das T-Shirt zu sprengen schienen und die knackige Kehrseite, die in einer verblichenen Bluejeans steckte. Sie stellte sich vor, wie es gewesen wäre, wenn er die Taschen vor ihr hochgetragen hätte. Immer zwei Stufen höher, sodass dieser Hintern auf ihrer Augenhöhe gewesen wäre. Victoria, du bist eine blöde Kuh, schalt sie sich in Gedanken. Warum hast du sein Angebot nicht angenommen?

Unwillkürlich erbebte sie, als sie daran dachte, was alles hätte geschehen können, nachdem er die schweren Taschen in ihrer Küche abgestellt und sie um ein Glas Wasser gebeten hätte.

Mit rotem Kopf mahnte sie sich zur Vernunft. Wer immer dieser Typ auch war, sie war eine verheiratete Frau. Punkt.

Jetzt war es ohnehin zu spät – er war verschwunden. Oben ging eine Tür, Sandra rief ein euphorisches »Hi«, dann trat er ein und die Wohnungstür wurde ins Schloss gedrückt. Gedämpft klang ein Kichern in den Hausflur.

Der markante Duft seines Aftershaves hing noch in der Luft des Treppenhauses. Victoria erwischte sich dabei, wie sie die Augen schloss und die Luft tief einsog, so, als könne sie den Augenblick des Zusammentreffens für immer konservieren. Sie atmete ein letztes Mal tief durch, spürte das angenehme Kribbeln im Leib, dann angelte sie mit einem schweren Seufzer nach ihren Einkaufstaschen und setzte ihren Weg in den zweiten Stock fort. Als sie die nächsten Stufen nahm, spürte sie, dass ihr Slip feucht war.

♥♥♥

Nachdem sie die Einkäufe verstaut hatte, verschwand Victoria im Bad. Die kurze Begegnung im Treppenhaus ging ihr nicht aus dem Kopf. Sandy hatte einen verdammt guten Geschmack, was Kerle anging, so viel stand fest. Sein Grinsen, die strahlend weißen Zähne, das süße Grübchen und der markante Dreitagebart … Als sie kurz die Augen schloss und tief einatmete, glaubte sie, den Duft seines Aftershaves noch immer riechen zu können. Ein wenig erschrak sie, als ihre Brustwarzen sich zusammenzogen und eine angenehme Vibration von den harten Nippeln gleich zwischen ihre Beine fuhr.

Als Victoria die Augen öffnete, dachte sie voller Ernüchterung an ihren Mann. Seit sieben Jahren waren sie jetzt verheiratet, und der Lack ihrer Beziehung war langsam ab. Er interessierte sich kaum noch für sie. Michael traf sich oft mit seinen Kumpels, und wenn er spätabends nach Hause kam, roch er nach Alkohol und schlief oft genug auf der Couch im Wohnzimmer ein.

Ihr Liebesleben existierte quasi überhaupt nicht mehr. War er anfangs ein leidenschaftlicher Liebhaber gewesen, der sie mit seinen Händen und den Lippen um den Verstand gebracht hatte, fand der Sex jetzt nur im Notprogramm statt. Oft war es die schnelle Nummer vor dem Einschlafen. Er bestieg sie, stieß ein paarmal mit einem lauten Grunzen zu bevor er kam, rollte sich von ihr herunter, um schon im nächsten Augenblick neben ihr einzuschlafen. Dass sie schon lange nicht mehr auf ihre Kosten kam, schien er nicht zu bemerken. Oder es kümmerte ihn nicht.

Dabei sehnte sie sich nach heißem und erfülltem Sex. Doch ein Seitensprung kam für Victoria nicht infrage. Zu sehr fühlte sie sich ihrem Eheversprechen verpflichtet.

Allein der Gedanke daran, eine einzige leidenschaftliche Nacht in den Armen eines attraktiven Lovers zu verbringen, bereitete ihr ein schlechtes Gewissen.

Mit einem sehnsüchtigen Seufzen auf den Lippen trat Victoria vor den Spiegel. Strähnig hingen ihr die Haare ins Gesicht. Auf ihrer Stirn glänzte der Schweiß, die Schminke war leicht verwischt. Na toll, so hat er dich zu Gesicht bekommen, dachte sie und war von sich selbst enttäuscht. Kein Wunder, dass Michael sie als Frau gar nicht mehr wahrnahm. So verschwitzt wie sie gerade war, bot sie keinen verführerischen Anblick. Schnell nahm sie ein Tuch aus dem Schrank und schminkte sich ab. Danach zog sie sich das Kleid über den Kopf und beförderte es in den Wäschekorb neben der Tür. Jetzt stand sie in Slip und BH vor dem Spiegel und betrachtete sich. Erste Lachfältchen zierten ihr Gesicht. Ihre grünen Augen wirkten müde, die sinnlichen Lippen farblos. Ansonsten fand sie ihr Aussehen recht passabel. Die Brüste waren groß und schwer, aber sie hingen noch nicht. An den wohlgeformten Hüften ein paar Pfund zu viel, doch kein Grund, dass Michael sie nicht mehr begehrte.

Victoria sehnte sich nach den starken Armen ihres Mannes, nach der Brust, an die sie sich lehnen konnte, wenn sie es vor Lust nicht mehr aushielt. Das Ziehen im Unterleib wurde stärker und verwandelte sich in eine feuchte Hitze. Victoria öffnete den Verschluss des Büstenhalters und streifte die Träger über die Schultern. Ihre Nippel standen hart wie kleine Kirschkerne von den Brüsten ab. Sie berührte sie mit den Daumen, stöhnte leise auf und glitt mit den Fingerkuppen abwärts über den Bauch. Als sie den Saum ihres Slips erreicht hatte, schlug sie den Stoff um und rollte das kleine Ding über die Hüften. Leicht spreizte sie die Schenkel, schloss ihre Augen und dachte an den Mann, der ihr vor wenigen Minuten im Treppenhaus begegnet war. Sie stellte sich vor, wie gut er duftete, glaubte, seine Berührungen auf ihrem bebenden Körper spüren zu können und war in ihrem Traum gefangen. Immer tiefer tauchte sie in die Traumwelt ein, stellte sich vor, wie der Fremde sie an sich heranzog, ihr tief in die Augen blickte und seine Hände über ihren Rücken strichen. Er war so präsent, als wäre er leibhaftig bei ihr. Fast, als würde er in diesem Augenblick hinter ihr stehen. Victoria glaubte sogar, seinen heißen Atem an ihrer Halsbeuge zu fühlen. Zaghaft strich sie über ihren Venushügel, genoss die Berührung und glitt abwärts zu der kleinen Perle, die sich ihr schon frech entgegenreckte. Auf der Stelle stand Victoria unter Strom. Als sie mit zwei Fingern über ihre Labien strich, fühlte sie ihren Liebesnektar an den Fingerspitzen. Ihr Herz raste, sie schluckte trocken, dann schlug Victoria erschrocken über sich selbst die Augen auf.

Was tue ich hier gerade?, schrie alles in ihr. Schnell zog sie die Hand fort und machte, dass sie unter die Dusche kam. Erst als die Wassertropfen angenehm prickelnd auf ihre Haut trafen, normalisierte sich ihr Puls.

Michael

Victorias Herz klopfte ein paar Takte schneller, als sie hörte, wie sich ein Schlüssel in die Wohnungstür schob und gedreht wurde. Kurz darauf tauchte Michael in der Küche auf.

»Hi«, machte er und hauchte ihr einen Kuss auf die Lippen.

Er roch nach Bier und um ein Haar hätte Victoria angewidert das Gesicht zur Seite gewandt.

»Wie war dein Tag?«, fragte er, als er die Jeansjacke an den Haken hängte, die Turnschuhe in die Ecke kickte und sich zum Kühlschrank begab.

Victoria fiel die Gleichgültigkeit auf, mit der er diese Frage gestellt hatte. Es war verdammt kühl geworden zwischen ihnen. Der Begrüßungskuss war feucht und flüchtig ausgefallen, sein Interesse für ein kaltes Bier scheinbar größer als das an seiner Frau.

»Wie immer«, gab Victoria lapidar zurück und zuckte die Schultern. Nachdem die Sonne untergegangen war, hatte sie sämtliche Fenster der Wohnung geöffnet, um für Durchzug zu sorgen. Jetzt wehte ein angenehmer Nachtwind durch die Räume.

»Hm.« Michael brummte zustimmend, ohne dass ihre Worte sein Gehirn erreicht hatten. Nachdem er die Flasche Bier aus dem Kühlschrank genommen hatte, schaute er sich zu ihr um. »Warst du einkaufen?« Sein Interesse jetzt galt den Vorräten, die sie vorhin angeschleppt hatte. Der Kühlschrank war rappelvoll.

Dass sie ein knappes und figurbetontes Tanktop zu einem ultrakurzen Stretchrock trug, registrierte er nicht. Auch den verführerischen Duft ihres Parfüms schien er nicht wahrzunehmen, von dem etwas gewagteren Make-up, das sie nach der Dusche aufgelegt hatte, ganz zu schweigen. Sie hatte sich Smokey Eyes geschminkt und einen dunklen Lippenstift benutzt. Das alles interessierte Michael nicht.

Es war enttäuschend.

Er hatte sich den Flaschenöffner aus der Schublade genommen, hebelte das Bier auf und setzte es an. Nahm einen tiefen Schluck, unterdrückte ein Rülpsen und wischte sich den Bierschaum mit dem Handrücken von den Lippen. Dann betrachtete er ihr Outfit und grinste lüstern. »Noch was vor heute?«

»Was denkst du?« Sie erwiderte sein Grinsen nicht, erhob sich vom Stuhl und ging zum offenen Küchenfenster, um sich hinauszulehnen. So präsentierte sie ihm ihren Hintern und die langen Beine, die in High Heels steckten. Der seichte Abendwind kühlte ihre erhitzte Stirn. Victoria glaubte, seine Blicke in ihrem Rücken spüren zu können. Gut so, wenigstens reagiert er mal auf optische Reize, durchzuckte es sie zufrieden, als sie hörte, wie er die Bierflasche auf der Arbeitsplatte abstellte. Es fiel ihr schwer, sich nicht zu ihm umzudrehen. Victoria wollte ihn zappeln lassen. Sie tat so, als würde sie interessiert aus dem Fenster schauen, während sie lauschte, was sich hinter ihr tat.

Würde er anspringen?

Ihr Puls ging schneller, doch sie wandte sich nicht zu Michael um. So hörte sie, wie er die Küche durchquerte. Seine Schritte näherten sich ihr. Plötzlich spürte sie seine Hände auf ihren Hüften. Fest langte er zu und fixierte ihr Becken.

Würde er sie jetzt nehmen? Gleich hier, am offenen Fenster? Ihr den kurzen Rock hochschieben, um festzustellen, dass sie nichts darunter trug und längst bereit war für ihn?

Bei der Vorstellung, dass er sie gleich hier vernaschen würde, begann ihr Herz zu rasen.

Jetzt presste er sein Becken fest an ihren Hintern. Durch den Stoff seiner Jeans fühlte sie seine Erektion. Hart und pochend drückte er sich an sie. Victoria schluckte trocken. Sekundenlang standen sie nahezu regungslos hintereinander am offenen Küchenfenster.

Die Luft schien wie elektrisiert zu sein. Plötzlich ließ Michael von ihr ab.

»Ich geh duschen«, murmelte er, machte kehrt und verschwand im Bad.

Victoria stieß sich mit einem Seufzen vom Fenster ab und blickte ihm nach. Kurz überlegte sie, ob sie ihm ins Bad folgen sollte, doch dann verwarf sie den Gedanken schnell wieder. Es sollte um Himmels willen nicht danach aussehen, als würde sie ihm hinterherlaufen.

♥♥♥

Der Abend war lau. Durch das offene Fenster im Schlafzimmer drang ein seichter Abendwind, der die Gardinen aufblähte. Victoria schloss die Augen, als sie seinen heißen Atem an ihrer Halsbeuge spürte und versuchte, seine Berührungen zu genießen. Der Raum war dunkel, nur das Licht der Straßenlaterne warf einen breiten Lichtschein auf den Boden. Victoria betrachtete ihren Mann im Zwielicht. Wie sie, war auch er nackt. Nach der Dusche roch er gut, lediglich seine Alkoholfahne war alles andere als erregend.

Michaels Hände glitten über ihren nackten Körper, zogen kreisende Bahnen auf ihrer Haut, die ein angenehmes Prickeln erzeugten. Ihre Brüste spannten, die Nippel waren hart und es entlockte ihr ein kehliges Stöhnen, sobald er sie streifte. Michaels Hände wanderten über ihren Körper weiter abwärts. Sanft strich er über ihren Bauch, über die Hüften, zu den Beinen bis zu den Knien, dann wieder zurück. An den Innenseiten ihrer Schenkel glitten seine Fingerkuppen höher und höher. Victoria schloss die Augen und konnte es kaum erwarten, dass er ihre Perle berührte. Eher unbewusst hob sie ihm das Becken entgegen und spreizte die Beine, um ihr Verlangen zu unterstreichen. Doch Michael machte sich einen Spaß daraus, sie zu quälen. Immer wieder näherte er sich ihrer Scham, kreiste wie ein Adler um die sichere Beute mit den Fingerkuppen herum, um schließlich einen Bogen um ihre Pussy zu machen.

»Komm schon«, keuchte sie. »Berühr mich.«

Michael kicherte rau, dann tat er ihr den Gefallen. Als sie die Hand nach seinem Penis ausstreckte, hielt er ihr sein erigiertes Glied entgegen. Sanft massierte sie seinen Schaft und spürte den Sehnsuchtstropfen an der Kuppe ihres Daumens. Schnell verrieb sie seinen Nektar und liebkoste ihn weiter. Michaels Hand schob sich zwischen ihre Beine. Während er mit dem Daumen ihre elektrisierte Klit touchierte, trieb er den Mittelfinger zwischen ihre Schamlippen, spreizte sie und drang voll Verlangen in sie ein. Hart penetrierte er sie mit dem Finger und entlockte ihr so ein rhythmisches Stöhnen. Gierig verschloss er ihre Lippen mit einem feuchten Kuss, der nach Bier schmeckte. Victoria versuchte, den Geruch des Alkohols zu ignorieren, spürte aber, dass sie sich seiner Zuneigung nicht vollends hingeben konnte.

So schloss sie die Augen und genoss die Hitze, die ihren Unterleib durchströmte. Michaels Lust war wild und ungehemmt. Victoria liebte es, wenn er sie beherrschte, und ließ es zu, dass er sie brutal auf die Seite drehte. »Winkel die Beine an, mach schon!«, forderte er sie auf, und Victoria kam seiner Anweisung nach. Sie wandte ihm den Rücken zu, zog beide Beine an und präsentierte ihm ihre Kehrseite. Voller Erwartung hielt sie inne und stöhnte leise auf, als sie sein Glied an ihrem Hintern spürte. Geschickt lenkte er die Erektion weiter nach vorn, bis seine Eichel ihre feuchten Labien berührte. Michael übte sanften Druck aus und glitt hastig in sie. Der Moment, in dem ihre Körper zu einer Einheit verschmolzen, bereitete Victoria eine lang vermisste Lust. Sie presste ihm den Hintern entgegen und nahm seinen Penis tief in sich auf, hielt inne und genoss das verlangende Pochen. Schwer lag Michaels Hand auf ihrer Hüfte. Sie hörte sein Keuchen hinter sich, war froh, seinen Atem jetzt nicht riechen zu können und wiegte sich in seinem Takt. Hart rammte er ihr sein Rohr in den Leib, füllte sie aus und stöhnte, wenn sie ihn mit ihrem Liebesmuskel umschloss.

Mit einem Satz war Michael über ihr. Er wechselte die Stellung, ohne dass er aus ihrem Schoß glitt, schaute mit verklärtem Blick auf sie herab, grinste und stieß zu. Wild, animalisch, rücksichtslos. So gefiel es Victoria, so hatte er es ihr schon lange nicht mehr besorgt. Ihr Körper stand in Flammen, das Herz raste und das Blut rauschte in ihren Ohren, während sie sich von den Wellen der Lust davontragen ließ.

Ihre Scham schmatzte gierig. Victorias Nippel spannten, als würden sie gleich platzen, ihr Schoß bebte vor Verlangen nach purer Befriedigung. Sie barg das Gesicht im Kissen, um die Nachbarn nicht mit ihren wollüstigen Lauten zu stören. Immerhin stand das Fenster weit offen. Doch der Moment der Lust hielt nicht lange an.

In dem Augenblick, als der Höhepunkt von ihrem bebenden Körper Besitz ergriff und sie die Realität verließ, stieß Michael wild zu, keuchte und stöhnte wie ein waidwundes Tier, dann bäumte er sich in ihr auf und verströmte sich in ihrem Schoß.

Seinen Lustschrei hat sicher die ganze Nachbarschaft gehört, dachte Victoria, dann spürte sie, wie Michael kraftlos auf ihr zusammensank. Jäh wurde sie aus der Parallelwelt, in der sie sich gerade noch befunden hatte, herausgerissen, um hart in der Realität zu landen.

Victoria fühlte, wie er sein Sperma in ihren Unterleib pumpte, konnte sich jedoch nicht länger an seiner ungezügelten Leidenschaft erfreuen. Denn kaum, dass Michael zum Höhepunkt gekommen war, zog er sich aus ihr zurück und rollte sich erschöpft auf den Rücken. So lag er da, hatte einen Arm auf die verschwitzte Stirn gelegt und stierte an die Zimmerdecke.

»Mein Gott, bist du ein geiles Luder«, flüsterte er mit einem breiten Grinsen. Als er die freie Hand nach ihr ausstreckte, musste sie sich zusammenreißen, um sich nicht seiner Berührung zu entziehen. Victoria hätte ihn gern noch einen Augenblick gespürt, wäre gern hautnah dabei gewesen, wie seine Lust langsam verebbte. Und sie ahnte, was nun geschehen würde. Es interessierte Michael nicht im Geringsten, ob sie ebenfalls zum Höhepunkt gekommen war oder nicht. Sie spürte das verlangende Ziehen im Schoß, sehnte sich nach Erlösung, doch Michael hatte sich auf die Seite gedreht. Er wandte ihr den Rücken zu und rollte sich ein.

Fassungslos, wütend und enttäuscht lag Victoria da. Sie fühlte, wie etwas Feuchtes sich den Weg aus ihrer Vagina suchte, um an den Innenseiten ihrer Schenkel ein kleines Rinnsal zu hinterlassen.

Es war eine unendliche Leere, die von ihr Besitz ergriff und die sie erschaudern ließ. Ein paar Minuten lag sie regungslos da, starrte auf die in der Dunkelheit glühenden Ziffern des Weckers auf dem Nachtschränkchen, dann griff sie nach dem Saum der Bettdecke und zog sie sich über die Schultern. Als sie Michaels gleichmäßiges Schnarchen hörte, drehte sie sich auf den Rücken, spreizte leicht die Schenkel und versenkte zwei Finger in ihrem Schoß, um das Feuer zu löschen, das Michael entfacht hatte.

Schlaf fand sie auch nach der Erlösung nicht.

Plötzlich dachte sie an die flüchtige Begegnung mit dem heißen Typen im Treppenhaus. Es musste der Freund von Sandy gewesen sein. Als Victoria die Augen schloss, dachte sie an das jungenhafte Grinsen des Unbekannten, an das dunkle Timbre seiner Stimme und an den unvergleichlich männlichen Duft.

♥♥♥

Sie konnte den Blick gar nicht von seinem Hinterteil abwenden. Der Fremde trug ihre schweren Einkaufstaschen mit einer nahezu spielerischen Leichtigkeit nach oben. Victoria folgte ihm dichtauf und betrachtete fasziniert das Spiel seiner Muskeln, die sich unter dem T-Shirt abzeichneten. Sie registrierte, dass sich bei seinem Anblick ihr Puls erhöhte und hoffte, dass er sich jetzt nicht zu ihr umsah. Es wäre ihr äußerst peinlich gewesen, wenn sie mit hochrotem Kopf dastand. Als sie vor Victorias Wohnungstür angekommen waren, setzte er die Taschen auf der Matte ab und wandte sich zu ihr um. »Da wären wir.«

»Ja.« Victoria blies sich eine widerspenstige Haarsträhne aus der Stirn. »Vielen Dank.« Sie klimperte mit dem Wohnungsschlüssel. Der heiße Typ machte keine Anstalten, sich zu verabschieden. Er trat zur Seite und ermöglichte Victoria, die Wohnungstür aufzuschließen. Ihre Hand zitterte leicht, als sie den Schlüssel ins Schloss schob und drehte. Nachdem sie geöffnet hatte, trat sie ein und machte den Eingang frei.

Der Fremde grinste, bückte sich nach den Taschen und folgte Victoria in die Küche. Als sie durch den dunklen Flur voranging, spürte sie seine Blicke in ihrem Rücken. Auf der Stelle hatte sie eine Gänsehaut. Allein der Gedanke, einen fremden Mann in die Wohnung zu lassen, ließ ihr Herz schneller schlagen.

In der Küche angekommen, schaute sich der Fremde um. »Auf den Tisch, oder lieber auf die Arbeitsplatte damit?« Er deutete mit dem Kinn auf die Taschen.

»Auf den Tisch … bitte«, stammelte Victoria ein wenig verlegen. Sie sah ihm zu, wie er die schweren Einkäufe ohne die kleinste Anstrengung auf den Esstisch am Fenster wuchtete und sich dann mit einem breiten Grinsen zu ihr umdrehte. »So«, sagte er. »Erledigt.«

»Danke«, nickte Victoria. »Vielen Dank.« Sie hatte das Bedürfnis, sich ihm erkenntlich zu zeigen. Und sie fühlte sich schlecht, weil sie den Fremden ausgenutzt hatte. Ja, er hatte ihr die Taschen hochgeschleppt, aber sie hatte sein Angebot hauptsächlich angenommen, um seinen Anblick noch etwas länger genießen zu können. Jetzt kam sie sich mies vor. »Möchten Sie etwas trinken? Sie müssen Durst haben in dieser Hitze.«

»Ein Glas Wasser vielleicht.«

»Gern.« Victoria wagte nicht, seinem Blick zu begegnen. Es war ein Blick, in dem das pure Verlangen lag. Doch sie fühlte sich alles andere als attraktiv. Das leichte Sommerkleid klebte ihr am verschwitzten Leib, die Haare, die sie sich mit einem Gummi hinter dem Kopf zusammengebunden hatte, hingen strähnig ins Gesicht, und das Make-up war sicherlich verwischt. Dennoch bemerkte sie, dass er sie interessiert musterte. Lässig lehnte er am Küchentisch und sah ihr dabei zu, wie sie Wasser in ein Glas laufen ließ.

Plötzlich spürte sie seinen Atem im Nacken.

Mit nur zwei Schritten hatte er die Küche durchquert und stand nun dicht hinter ihr. Victorias Knie wurden weich. Sie schloss sekundenlang die Augen und genoss den Schauer, der ihren Rücken herunterrann, ausgelöst von seinem Atem und der Nähe.

Als sie die Augen aufschlug, trat er einen halben Schritt zurück. Sie atmete tief durch und rang sich ein möglichst unbekümmertes Lächeln ab. Als sie ihm das Glas reichte, berührten sich ihre Hände. Es war, als schieße ein Stromschlag durch ihren Körper.

»Danke«, sagte er und trank in kleinen Schlucken. Sein Lächeln war weggewischt. Jetzt, wo er so ernst dreinblickte, wirkte er geheimnisvoll. Ein fremder, unergründlicher Mann, hier in ihrer Wohnung. Sie verdrängte die Frage, was wäre, wenn Michael jetzt plötzlich nach Hause käme, und genoss das Herzklopfen, das ihr dieser Fremde bereitete.

Wie gebannt schaute sie zu ihm auf. Er benetzte die Lippen mit der Zunge, trank wieder und schaute sie über den Rand des Glases hinweg an. Dann stellte er das leere Glas auf den Tisch, platzierte es so zwischen den Einkaufstaschen, dass es nicht umfallen konnte, und stieß sich vom Tisch ab. Für einen Augenblick lang stand er einfach in der Küche, um sie anzusehen. Die Luft zwischen ihnen war wie elektrisiert. Victoria spürte, wie ihr Mund trocken wurde. Sein Blick ging ihr durch und durch, sie spürte den leichten Schwindel, der sie ergriff, als er sein Gesicht zu ihr neigte. Tief schaute er ihr in die Augen, und diesmal hielt sie seinem Blick stand, nein, sie erwiderte ihn sogar. Victoria wurde heiß, sie spürte das angenehme Ziehen in ihrem Schoß und genoss das Verlangen nach diesem Mann.

Er lächelte, senkte seine Lippen auf ihren Mund. Ein weiterer Stromschlag schien Victorias Körper zu durchzucken, als sie, bereit für ihn, den Mund einen Spalt breit öffnete. Er schmeckte wundervoll, und er verstand es, sie mit der Zunge um den Verstand zu bringen. Als er sie küsste, schwanden Victoria die Sinne. Erst sanft und zögernd, wurde sein Kuss immer leidenschaftlicher. Sie zuckte unmerklich zusammen, als er seine Hände in ihren Nacken legte, um sie näher an sich heranzuziehen. Sie ließ ihn gewähren und genoss seine Nähe, fühlte jetzt das Spiel seiner Brustmuskeln und hätte um ein Haar aufgestöhnt.

Victoria schloss die Augen und legte den Kopf schräg. Er verstand das Signal, ließ kurz von ihrem Mund ab, um seine Lippen auf ihren Hals zu legen. Sanft knabberte er an ihrer Haut, während seine zärtlichen Hände über ihren Rücken glitten. Victoria spürte die Hitze, die ihren Körper ergriff, sie genoss seine Nähe und die Berührungen, mit denen er sie um den Verstand brachte. Längst hatte sie ausgeblendet, dass das, was sie hier tat, unmoralisch war und dass sie eine verheiratete Frau war. Wenn sie jetzt nicht die Notbremse zog, würde es auf einen Seitensprung hinauslaufen. Sie würde Michael mit einem fremden Mann betrügen. Jetzt und hier und in der gemeinsamen Wohnung.

Doch sie hatte nicht vor, aufzuhören. Sie schaffte es nicht, den heißen Typen fortzuschicken. Auch, als er den Saum ihres Kleides hochschob und sie seine starken Hände auf ihrem Hintern spürte, entzog sie sich ihm nicht. Sanft massierte er ihre Pobacken, dann strichen seine Hände wieder über den Stoff des Kleides aufwärts. Als sie die Augen aufschlug, lächelte er sie an. Liebevoll und voller Sehnsucht.

Diesmal war sie es, die beide Hände um seinen Hals schlang, um ihn an sich heranzuziehen. Sie küssten sich wild und leidenschaftlich, genossen das teuflische Spiel ihrer Zungen, als er sich am Reißverschluss ihres Kleides zu schaffen machte. Ohne hinzusehen, tastete er danach, nahm den winzigen Schieber zwischen Daumen und Zeigefinger und öffnete ihn im Zeitlupentempo.

Als Victoria seine Finger auf ihrem nackten Rücken fühlte, erschauderte sie. Sanft zog er größer werdende Kreise auf ihrer Haut, während das Kleid mit einem leisen Rascheln zu Boden ging. Victoria machte einen Schritt aus dem Kleid heraus, dann öffnete er den Verschluss ihres Büstenhalters. Er senkte den Mund auf die Träger, zog sie mit den Zähnen über ihre Schultern abwärts, dann lagen ihre schweren Brüste in seinen Händen. Victoria stöhnte leise auf, als er mit den Daumen über ihre Knospen fuhr. Wie gern hätte sie ihm jetzt gesagt, wie wohltuend seine Berührungen waren, doch sie brachte kein Wort heraus. So legte sie den Kopf in den Nacken, um ihn mit geschlossenen Augen gewähren zu lassen. Es war, als wären seine Hände plötzlich überall gleichzeitig. Er schaffte es, sie mit seinen Berührungen um den Verstand zu bringen. Auch, als sich seine Hand in ihren feuchtwarmen Slip schob, brachte sie es nicht übers Herz, sich ihm zu entziehen. Behutsam erkundete er ihre intimste Stelle, streichelte zärtlich über ihren Venushügel, tastete sich einfühlsam abwärts und nahm dankbar an, dass sie ihm das Becken entgegenreckte. Jetzt legte er den Handballen auf ihren Schamhügel und übte sanften Druck aus. Allein diese Art der Berührung genügte Victoria, um aufzustöhnen. Sie sehnte sich nach mehr und konnte es kaum erwarten, diesen attraktiven Mann zu spüren. Doch noch war es nicht so weit.

Mit sanftem Druck schob er sie zur Arbeitsplatte. Erst als sie das Holz im Rücken spürte, öffnete sie die Augen. Er erhöhte den Druck, den er mit dem Handballen ausübte. Als ihr Stöhnen lauter wurde, senkte er seine Lippen erneut auf ihren Mund, um sie voller Leidenschaft zu küssen. Er nahm die Hand aus ihrem Schoß, doch Victoria fand nicht die Zeit, ihrer Enttäuschung Ausdruck zu verleihen, denn als er mit einer geschickten Bewegung ihren Slip packte, um ihr den dünnen Stoff über die Hüften zu rollen, war es um sie geschehen. Victoria streckte die Hände aus und raffte sein Shirt hoch. Er half ihr dabei, das Kleidungsstück über den Kopf zu ziehen, nahm ihre Hände, um sie auf seinen Brustkorb zu legen. Voller Begierde streiften ihre Finger über seine starken Schultern und die Brust abwärts über seinen stahlharten Bauch, bis sie den sanften Flaum fühlte, der zu seinem Schambereich führte. Sie machte sich an seiner Jeans zu schaffen, öffnete den schwarzen Ledergürtel und zog den Reißverschluss auf. Kurz zögerte sie, doch längst schon war es zu spät für einen Rückzieher. So schob sie eine Hand in das Heft seiner Hose. Verzückt stellte sie fest, dass er auf eine Unterhose verzichtet hatte. Pochend lag seine Erektion in ihrer Hand. Ädrig und prall war sein Schaft, den sie sanft rieb und ihm so ein Stöhnen entlockte.

Gleichzeitig liebkoste er ihre Vulva, zog die Form ihrer Schamlippen nach, tupfte leicht gegen ihre erigierte Perle, ergötzte sich an ihrem Schauer und teilte ihre Venuslippen, um sich liebevoll weiter vorzutasten.

Victoria spürte die feuchte Hitze, die sich in ihrem Schoß ausbreitete, und umschloss seinen Finger mit ihrem Liebesmuskel, während sie sein hartes Glied ebenfalls fest umklammerte und mit der Kuppe ihres Daumens über seine samtweiche Spitze fuhr. Als sie den ersten Tropfen seiner Lust spürte, verrieb sie seinen Saft auf dem kleinen Bändchen, das Vorhaut und Schaft miteinander vereinte. Mit einer geschickten Bewegung entzog sich der Fremde ihren Berührungen, trat zurück und streifte sich die Jeans von den Knöcheln.

Jetzt stand er nackt vor ihr.

Ein Bild von einem Mann, groß, muskulös und äußerst attraktiv. Auf seinen markanten Lippen lag ein Lächeln, als er sich ihr mit erigiertem Penis ein Stückchen näherte. Doch bevor Victoria seine Lust zu packen bekam, beugte er sich vor und senkte seine Lippen auf ihre schweren Brüste. Sie keuchte auf und glaubte, ohnmächtig zu werden, als er ihre Nippel abwechselnd mit der Zunge liebkoste und sanft an ihren Knospen knabberte. Langsam tasteten sich seine Lippen weiter abwärts; er ging vor ihr in die Knie, küsste ihren Bauch und stupste mit der Zunge über ihre Perle. Bereitwillig lehnte sie sich an die Arbeitsplatte, schob das Becken vor und spreizte die Beine, um ihm zu signalisieren, dass sie bereit war für ihn.

Doch der Fremde hatte nicht vor, in sie einzudringen. Er vergrub sein Gesicht in ihrem Schoß, und als sie seinen heißen Atem an ihrer Scham spürte, entrang sich ihrer Kehle ein wollüstiger Laut. Victoria grub beide Hände in sein dichtes Haar, presste seinen Kopf fest in ihren Schoß und gab sich seinen intimen Küssen hin. Seine Zunge wanderte in einem Irrsinnstempo zwischen Klitoris und Schamlippen umher, drang immer wieder sanft in sie ein und erkundete jeden Winkel ihrer Schnecke. So sehr sie das Schmatzen ihrer eigenen Lust immer als unangenehm empfunden hatte – unter seinen Lippen erregte sie das Geräusch ungemein. Während sie seine Lippen in den Wahnsinn küssten, massierte er ihren Hintern, legte einen Daumen an ihren Anus und massierte ihn sanft.

Es war für Victoria kaum auszuhalten, bei diesen Küssen nicht auf der Stelle in Ohnmacht zu fallen. Seine starken Hände verhinderten, dass sie schwach wurde. Immer wilder, immer leidenschaftlicher wurde der Tanz seiner Zunge in ihrem Schoß. Unkontrolliert warf Victoria den Kopf in den Nacken und stöhnte ihre Lust ungehemmt hinaus. Seine an ihrem Hintern kreisenden Finger und gleichzeitig seine Zunge bereiteten ihr eine Lust, die sie so lange nicht mehr empfunden hatte. Dieser Mann brachte sie um den Verstand, er schien äußerst erfahren zu sein und wusste, wie man einer Frau größte Freuden bereitete. Dass er gut zehn Jahre jünger war als Victoria, blendete sie in diesem Augenblick völlig aus.

Wie automatisch kreiste ihr Becken, sie streckte sich ihm entgegen und spürte, dass es längst schon kein Zurück mehr gab. Der Fremde saugte und knabberte an ihrer Klit, er versenkte die Zunge in ihrer Vulva und ließ keinen Winkel mit seinen Liebkosungen aus und ließ auch nicht von ihr ab, als Victoria mit einem langen Aufschrei der Lust zu einem gewaltigen Höhepunkt kam. Ihr Körper stand in Flammen.

Er ließ nicht von ihr ab, erhöhte das Tempo seiner Bewegungen und ergötzte sich an ihren lüsternen Lauten, ließ sich bereitwillig den Kopf in ihren Schoß pressen und schaffte es mit spielerischer Leichtigkeit, ihr einen zweiten, noch intensiveren Orgasmus zu bescheren.

Erst als die Wellen der Lust langsam verebbten, lehnte er sich zurück. Mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck erhob er sich. »Ich will dich ganz«, raunte er ihr zu. Bevor Victoria etwas erwidern konnte, packte er sie an den Hüften. Mit seinen starken Armen war es ein Kinderspiel für ihn, sie auf die Arbeitsplatte zu heben. Dort saß sie nun zwischen Herd und Spüle, mit nacktem Po und gespreizten Beinen, bereit, ihren Lover zu empfangen.

Sekundenlang stand er vor ihr, um sie mit einem verzückten Gesichtsausdruck zu betrachten. »Du bist wunderschön«, flüsterte er, dann trat er auf sie zu. Victoria seufzte, als sie sein Glied in ihrem Schoß spürte. Sanft tupfte seine Eichel gegen ihre Schamlippen. Als er, eher zufällig, mit der weichen Spitze ihre Klitoris berührte, stöhnte sie wohlig auf. Dieser Mann brachte sie um den Verstand. Sie war wie elektrisiert, als er sich liebevoll weiter vorschob. Langsam und rücksichtsvoll drang er in sie ein, schob sich Millimeter für Millimeter in ihren Unterleib, genoss es, dass sie ihn umschloss, drang weiter ein und verharrte, als er an ihrem tiefsten Punkt angelangt war.

So stand er einen Augenblick da. Völlig regungslos, sein Gesicht an ihre Wange gedrückt.

Victoria genoss das rhythmische Zucken seines Gliedes in ihrem Schoß, fühlte sich vollkommen, als er sie ganz ausfüllte und sie mit seinem pochenden Schaft in den Wahnsinn trieb. Er hob den Kopf, um ihr tief in die Augen zu blicken. Victoria ertrank in seinen Augen, umschloss ihn fester und schlang die Beine um seine Hüften, legte beide Hände auf seine Schultern und sehnte seine Bewegungen herbei. Als sie es nicht mehr aushielt vor Verlangen, zog er sich zurück, um gleich darauf fest zuzustoßen. Zunächst waren es langsame, sorgsam ausgeführte Stöße, mit denen er sie penetrierte, doch es dauerte nicht lange, bis er die Frequenz erhöhte und seiner Lust ebenfalls freien Lauf ließ. Victoria barg den Kopf an seiner Schulter, knabberte an seiner Haut und stöhnte bei jedem Stoß laut auf. Dieser Mann war der rücksichtsvollste Liebhaber, den sie je erlebt hatte. Er richtete sein Handeln ganz auf sie aus, achtete darauf, dass Victoria seine Zärtlichkeiten genießen und ihrer Lust frönen konnte. Lange dauerte es nicht, bis ihre Körper sich gleichmäßig im Takt der Lust wiegten und sie immer schnellere Bewegungen ausführten, sich einander hingaben und gegenseitig höchste Lust bereiteten. Als Victoria kurz den Kopf hob, sah sie seinen verklärten Gesichtsausdruck. Sie gab dem Verlangen nach, ihn zu küssen. Und noch während sie sich leidenschaftlich küssten, kamen sie gleichzeitig zum Höhepunkt. Ihr Körper zuckte ekstatisch, als sie spürte, wie sich seine heiße Lust in ihrem Schoß ausbreitete, und sie betete inständig, keinen Tropfen seiner Leidenschaft zu verlieren. Es war, als wäre sie von dieser Welt entrückt, so intensiv empfand sie den gemeinsamen Orgasmus. Minutenlang verharrten sie fast regungslos in dieser Position. Erst als sich ihr Puls ein wenig normalisiert hatte, küsste er sie mit einem glücklichen Lächeln und ließ von ihr ab.

♥♥♥

Nachdem sie wieder in der Realität gelandet war, streckte das schlechte Gewissen seine eiskalten Klauen nach ihr aus. Sie fühlte sich schlecht, der Gedanke, Michael hintergangen zu haben, bereitete ihr Kopfzerbrechen.

Das, was passiert war, hätte niemals passieren dürfen. Auch, wenn es nur in ihrer Fantasie passiert war, so hatte sie sich ihre geheimsten Wünsche mit einem anderen Mann erfüllt. Victorias Herzschlag beruhigte sich langsam, als sie die Hand aus dem Schoß zurückzog. Ihre Finger zitterten noch immer, als sie den Kopf zur Seite drehte. Michael lag neben ihr und schlief. Sein Schnarchen begann, sie zu verärgern. Fahl schlug ihr sein alkoholisierter Atem entgegen. Er schmatzte wie ein Baby, drehte sich stöhnend um und furzte.

Ein gequälter Laut kam über Victorias Lippen. Es war, wie es war: Michael war ihr Mann, sie war eine verheiratete Frau. Das, was sie eben im Traum erlebt hatte, würde sich niemals in ihrem wahren Leben ereignen: Ein Seitensprung mit einem anderen Mann. Als sie kurz an das Abenteuer dachte, das sie eben in ihrer Fantasie erlebt hatte, spürte sie noch einmal das angenehme Ziehen im Schoß. Schnell verdrängte sie den Gedanken daran und drehte sich auf die Seite. Es dauerte nicht lange, bis sie in einen tiefen, traumlosen Schlaf fiel.

Donnerstag

Am nächsten Morgen herrschte eisige Stille zwischen Michael und Victoria. Schlaftrunken war sie pünktlich um sechs Uhr in der Frühe mit dem ersten Klingeln des Weckers in die Küche gewankt, wo sie Kaffee kochte und Michaels Brote schmierte. Als sie verschlafen und müde den Kühlschrank öffnete, um Butter, Wurst und Käse herauszunehmen, dachte sie an den Vortag. Der Kühlschrank war randvoll mit den Einkäufen, die sie einmal mehr allein getätigt hatte. Und die sie schließlich allein ins Haus geschleppt hatte.

Plötzlich dachte sie an ihren erotischen Traum. Das schlechte Gewissen ergriff Besitz von ihr, als sie die harte Butter über das Graubrot kratzte und sich an das Abenteuer erinnerte. Hier, auf der Arbeitsplatte, hatte sie mit einem Fremden geschlafen. Einem Fremden, unter dessen Berührungen sie wie Butter in der Sonne dahingeschmolzen war. Jemandem, der es verstand, eine Frau in den Wahnsinn zu treiben und dafür Sorge zu tragen, dass auch sie auf ihre Kosten kam. Nicht zu vergleichen mit dem 08/15-Sex, den sie von Michael kannte. Den leisen Seufzer, der beim Bereiten des Frühstücks über ihre Lippen kam, hörte sie selbst kaum.

Ein schwerer Gürtel aus wirren Gefühlen legte sich wie Blei um ihre Brust. Auch, als Michael wenige Minuten später völlig verschlafen in der Küche auftauchte, verschwanden die Bilder in ihrem Kopf nicht. In den letzten Jahren hatte sie so verdammt viel entbehren müssen.

»Guten Morgen«, sagte sie und rang sich ein Lächeln ab.

Michael nickte nur, als er sich an den Küchentisch setzte. »Moin«, brummte er und barg das zerknitterte Gesicht in den Händen.

Wie an jedem Morgen, so stellte sie ihm auch diesmal eine Tasse Kaffee hin. Dazu ein Brot mit Schinken.

Er blickte auf, stierte in den Kaffee, pustete und trank. Kein Wort des Dankes, keine Anerkennung, kein Lächeln hatte er für seine Frau übrig. Sie machte ihre Arbeit weiter, so wie sie es an jedem Morgen tat, sagte nichts und litt doch unter Michaels Missachtung. Die Erinnerung an den großen fremden Mann verblasste mit jeder Minute.

Schweigend griff er nach seinem Brot und begann zu frühstücken. Victoria füllte seine Thermoskanne und packte die Brote in eine Kunststoffbox. So, wie sie es jeden Morgen tat. Dann nahm sie sich einen Kaffee und setzte sich zu ihrem Mann. Während sein Blick ins Leere glitt und er keine Notiz von ihr nahm, betrachtete sie ihn. Nachdenklich. Traurig, aber auch wütend über seine Missachtung.

»Was liegt heute an?«, fragte sie schließlich und bemühte sich um einen freundlichen Tonfall. Streit am Morgen mochte sie nicht.

»Nichts.« Er blickte auf, schaute sie kurz an und zuckte die Schultern. »Was soll schon anliegen?«

»Keine Ahnung.« Sie nippte von ihrem Kaffee und lächelte.

»Dann frag nicht so blöd.« Er schüttelte den Kopf und biss von seinem Brot ab. Victoria erwischte sich bei dem Wunsch, dass ihm das Brot im Halse stecken bleiben möge. Doch er tat ihr den Gefallen nicht, spülte mit einem Schluck Kaffee nach und grinste jetzt. »Es ist alles wie immer.« Dann zeigte er auf den Kalender an der Wand. »Aber morgen hast du deine Ruhe vor mir.«

»Was ist morgen?«

»Ich treffe mich mit den Jungs. Es ist der erste Freitag im Monat.« Er grinste vor lauter Vorfreude.

»Ach ja.« Victoria nickte. Seit vielen Jahren verabredete er sich regelmäßig mit seinen Kumpels. Meistens trafen sie sich in der Kellerbar von Kai und zockten an der Spielekonsole. Sie soffen bis zum Umfallen, und meistens kam Michael irgendwann in den Morgenstunden völlig betrunken nach Hause, um seinen Rausch auszuschlafen. Dass er am darauffolgenden Samstag nicht zu gebrauchen war, weil er den Tag verkatert auf der Couch verbrachte, nervte sie. Doch sie hatte es aufgegeben, mit ihm darüber zu sprechen. Unwillkürlich sehnte sie sich nach der Zeit zurück, als sie die Wochenenden zu zweit verbracht hatten. Freitags waren sie ins Kino gegangen, samstags hatten sie den Tag beim entspannten Shopping in der Stadt verbracht, um den Tag abends bei einem romantischen Candle-Light-Dinner ausklingen zu lassen. An den Sonntagen hatten sie Ausflüge unternommen, waren schwimmen gegangen oder sie hatten den Tag kuschelnd auf der Couch oder im Bett verbracht und ihre Zweisamkeit genossen. Das war lange vorbei.

»Dann kann ich mir am Wochenende ja auch mal was vornehmen«, wagte Victoria einen Vorstoß. Sie hielt die Tasse in der Hand, als müsse sie sich die Finger daran wärmen, und beobachtete ihren Mann aufmerksam.

»Warum?« Michael stutzte. »Was willst du dir vornehmen?«

»Ich weiß es noch nicht.« Sie zuckte die Schultern. »Vielleicht treffe ich mich mit einer Freundin. Wir gehen was essen und danach ins Kino.« Sie lächelte kokett. »Oder so etwas. Einfach mal schauen.«

»Solange es kein anderer Kerl ist, mit dem du dich triffst.«

»Ich kenne keine anderen Männer, mit denen ich mich treffen würde«, entgegnete sie und fühlte sich prompt ein wenig ertappt. Sie registrierte, dass er trotz seiner ignoranten Art eifersüchtig zu sein schien.

»Hm.« Er brummte zustimmend und schien beruhigt zu sein. »Sag mir einfach Bescheid«, bat er und stand auf, um im Bad zu verschwinden. Als sie den Klodeckel aufklappen hörte, schaltete sie das Radio ein.

Sandra

Am Nachmittag war Victoria zu einem Besuch bei Sandy verabredet. Sandy Möller war Ende zwanzig und lebte seit drei Jahren in der Wohnung unter der von Michael und Victoria. Schon beim Einzug der jungen Frau hatten die neuen Nachbarn einen Eindruck von dem bekommen, was sie künftig erwartete. Anstatt sich auf die professionelle Hilfe eines Umzugsunternehmens zu verlassen, waren unzählige freiwillige Helfer anmarschiert, die Hab und Gut der jungen Frau in ihr neues Heim getragen hatten. Dabei war es laut zugegangen.

Der erste Tag war gleich nahtlos in die Einweihungsparty übergegangen: Die chaotischen Helfer blieben gleich da – es wurde gefeiert und getrunken bis in die frühen Morgenstunden. Irgendwann hatte jemand im Haus die Polizei gerufen, die diese Party schließlich beendet hatte. Sandy war schrill und flippig, und Victoria erwischte sich oft dabei, sie ein wenig zu beneiden. Die junge Frau pfiff auf Konventionen und Regeln. Sie verstand es, ihr Leben in vollen Zügen zu genießen, während Victoria sich in letzter Zeit oft eingeengt fühlte von den gesellschaftlichen Zwängen. Das Gerede der Leute nervte sie, also hielt sie sich an die Vorstellungen ihrer Mitmenschen und hoffte so zu vermeiden, dass sie sich hinter ihrem Rücken die Mäuler zerrissen.

Sandy – eigentlich Sandra – war ein ganz anderer Typ als Victoria, die eher ein wenig bieder wirkte. Sie war immer darauf bedacht, dass die Nachbarn im Treppenhaus nicht hinter ihrem Rücken redeten und dass sie nicht auffiel. Sandy, die überzeugte Singlefrau, genoss ihr Leben in vollen Zügen. Und während Victoria als Speditionskauffrau in einem kleinen Familienunternehmen arbeitete, verdiente Sandy ihren Lebensunterhalt als Barfrau in einem der angesagtesten Nachtclubs der Stadt. Und nebenbei arbeitete sie als Stripperin auf Junggesellenabschieden – oder sie besserte sich ihr Einkommen als Tabledancerin auf. Kein Wunder, dass es kein Mann lange bei ihr aushielt. Der Job brachte es mit sich, dass sie arbeiten musste, wenn andere Menschen ihre Freizeit genossen. Kein Typ mochte es, wenn seine Freundin sich für Geld vor anderen Männern auszog oder lasziv auf dem Tresen einer Bar tanzte.

Seit einigen Wochen hatte auch Sandy einen Freund, und Victoria war sicher, dass es sich um den heißen Typen handelte, der ihr neulich im Treppenhaus begegnet war. Nun denn, sie gönnte der Nachbarin ihr Glück, während sie sich mit einem egoistischen und ignoranten Hobbyfußballer herumärgerte. Seit der enttäuschenden Nacht herrschte Funkstille zwischen Victoria und Michael. Er war kaum zu Hause, und wenn, beschränkten sich ihre Gespräche auf die notwendigen Dinge des Alltags.

Als sich die Tür von Sandys Wohnung öffnete, stand Victoria einer völlig neuen Sandy gegenüber. Sie strahlte regelrecht, war aufgekratzt wie ein Teenager, als sie den Eingang freimachte, Victoria eintrat und erst einmal herzlich geknuddelt wurde.

»Hi du, alles gut bei dir? Komm doch rein, ich mach uns einen Latte macchiato – oh, hast du die Haare gemacht?«

Sie redete wie ein Wasserfall. Victoria folgte der Einladung und ging hinter Sandy her durch den weiß getünchten Flur ins vom Sonnenlicht durchflutete Wohnzimmer. Dabei fiel ihr Blick auf Sandys Hintern, einer Kehrseite, nach der sich die Männer auf der Straße reihenweise umdrehten. Sandys Rundungen wurden durch die schwarze, hautenge Lackhose betont, und Victoria erwischte sich bei der Frage, ob Sandy wohl einen Slip drunter trug. Sie erkannte jedenfalls keinen Stoffansatz, der sich unter der hochglänzenden Hose abzeichnete. Die Hitze schien Sandy nichts auszumachen. Während Victoria das knappe Top am Leib klebte und sie sich schon wieder nach einer Dusche sehnte, trug Sandy zu der knallengen, schwarzen Lackhose, ein dunkelblaues Top mit schmalen Trägern, das fast von ihren Brüsten gesprengt wurde.

Im Wohnzimmer herrschten die Farben Weiß und Pink vor. Durch die offene Balkontür drang Vogelgezwitscher herein. Staubpartikel tanzten im Raum. Victoria blickte sich um. Die Einrichtung war stylish, fast nüchtern und klar strukturiert. Es gab chromblinkende Deko-Herzen an den Wänden und ein weißes Ledersofa, vor dem ein niedriger Glastisch mit Chromgestell stand. Die gegenüberliegende Wand wurde von einem monströsen Flatscreen eingenommen, der von winzigen Designer-Lautsprecherboxen flankiert wurde. Sandy schien gut zu verdienen, dachte Victoria. Der üppige Blumenstrauß auf dem Tisch fiel ihr sofort ins Auge. Victorias Herz klopfte ein paar Takte schneller, denn diesen Blumenstrauß hatte sie vor Kurzem in den Händen ihres Überbringers gesehen. Also stimmte ihre Vermutung – der heiße Typ im Treppenhaus gehörte zu Sandy. Kurz dachte sie an ihre erotische Fantasie und betrachtete Sandy. Die ahnte natürlich nicht, dass ihr neuer Freund Victoria ganz schön aus der Fassung gebracht hatte – und Bestandteil ihrer geheimsten Fantasien war. Wahrscheinlich ahnte Sandy nicht einmal, dass Victoria schon flüchtig mit ihm Bekanntschaft gemacht hatte.  

Die beiden Frauen setzten sich. »Das ist ja schön, dass wir endlich mal Zeit zum Quatschen finden«, freute sich Sandy. »Wie geht es dir, was gibt es Neues?«

Die Freundschaft zu Sandy war nicht tief genug, um mit ihr über ihre Eheprobleme zu reden, also beschränkte sich Victoria auf Oberflächlichkeiten. Sie erzählte von ihrem neuen Boss, Michaels neuem Auto und dem Kleid, das sie neulich im Schaufenster einer Boutique gesehen hatte. Bei ihren Freundinnen gab es unterschiedliche Kategorien. Und mit Sandy würde sie nicht besprechen, dass sie Probleme mit Michael hatte. Das war eindeutig ein Thema für ein Frauengespräch mit Gabriele. Gabi war Mitte vierzig, brachte Lebenserfahrung und genügend Diskretion mit, um auch intime Dinge mit ihr zu besprechen. Sie war auch um ein Vielfaches reifer als Sandy. Victoria konnte ihr vertrauen. Also beschloss sie in Gedanken, sich in den nächsten Tagen mit Gabi zu treffen.

»Und bei dir?«, fragte Victoria schließlich, als sie bemerkte, dass es bei ihr keine spektakulären Neuigkeiten gab. Ihr Leben war langweilig geworden. 

Aufmerksam beobachtete sie ihre Nachbarin. Sandy war groß, schlank, hatte eine atemberaubende Figur und lange, schwarze Haare, die im Einklang mit ihren katzenhaften grünen Augen standen und sinnliche Lippen, die Männerfantasien beflügelten.

In der Küche röchelte eine Kaffeemaschine. Sandy sprang auf, bevor sie antworten konnte, rief: »bin gleich wieder da«, und verschwand in der Küche. Sie klimperte mit Geschirr herum, um kurz darauf mit wiegendem Gang ins Wohnzimmer zurückzukehren. Sandy stellte zwei Gläser Latte macchiato auf dem Tisch ab.

»Also«, wagte Victoria einen neuen Anlauf. »Wie geht es dir?«

»Sieht man das nicht?«, grinste Sandy. »Ich bin frisch verliebt. Fabian ist mein Traummann, Vicky.«

»Fabian?« Victoria tat, als wüsste sie nichts von ihm.

»Ja, Fabian. Du wirst ihn kennenlernen. Seit drei Wochen sind wir jetzt zusammen, und es scheint, als habe es nie ein Leben ohne ihn gegeben.« Sie zeigte mit den rot lackierten, frisch manikürten Fingern auf die Blumenvase. »Die sind von ihm.« Sie beugte sich vor, schnupperte daran und lächelte. »Sind die nicht hübsch?«

»Ja, allerdings.« Victoria erwiderte das Lächeln und erwischte sich bei der Frage, wann Michael ihr zuletzt Blumen mitgebracht hatte. Wenn er das in der letzten Zeit getan hatte, dann höchstens, weil er mal wieder ein schlechtes Gewissen gehabt hatte. Weil er mit Kumpels in einer Kneipe versackt oder weil er nach dem Fußballtraining erst in den Morgenstunden nach Hause gekommen war. Oder, weil er den Hochzeitstag vergessen hatte, so, wie er schon seit dem zweiten Jahr nicht mehr auf dem Schirm hatte, wann sie geheiratet hatten.

»Du bist total verknallt«, lächelte Victoria und war fast ein wenig neidisch.

»Allerdings.« Sandy nippte an ihrem Latte.

»Hat er keine Probleme mit deinem Job?«

Sandy schüttelte den Kopf. »Nicht die Bohne. Er ist total eifersuchtsfrei.«

»Das freut mich.«

Sandy plapperte munter drauflos, sie erzählte Victoria, dass sie Fabian im Nachtleben kennengelernt hatte. Er arbeitete in einer Sicherheitsfirma und stand vor den Clubs der Stadt. Er fuhr wichtige Leute und machte ihnen den Bodyguard. »Ein wahnsinnig aufregender Job, er erzählt mir die geilsten Geschichten«, schwärmte Sandy.

»Klingt wirklich nicht nach einem Nine-to-Five-Job«, gab Victoria zu, während sie daran dachte, dass Michael seine Brötchen als Automechatroniker verdiente. Als sie sich ihren Mann vorstellte, wie er im schwarzen Anzug vor dem Eingang eines Clubs stand, schnitt Michael denkbar schlecht ab. Obwohl er Fußball spielte, hatte er in letzter Zeit angesetzt. Er vernachlässigte sich und achtete kaum noch auf sein Äußeres. Zu Hause lief er meistens in ausgebeulten Jogginghosen, verblichenen T-Shirts und löchrigen Socken herum. Nein, Eitelkeit sah anders aus.

»Lustig wird es immer, wenn er als Chauffeur einer Stretchlimo gebucht wird und nachts durch die Stadt kurven muss, um seinen Fahrgästen die angesagtesten Clubs zu zeigen.«

»Das glaube ich.« Victoria verrührte den Milchschaum und trank einen Schluck. Als sie kurz die Augen schloss, tauchte Fabian vor ihrem geistigen Auge auf. Diesmal trug er einen schwarzen Maßanzug, der ihm mindestens genauso gut stand, wie das Freizeit-Outfit, das er gestern getragen hatte. Sie spürte ein angenehmes Ziehen im Schoß und schlug schnell die Augen auf, bevor Sandy etwas von dem mitbekam, was in Victorias Kopf vorging.

»Es freut mich, dass du glücklich bist«, sagte sie ehrlich.

»Danke, es ist …« Die Türglocke riss die beiden Frauen jäh aus der Unterhaltung.

Sandy warf einen Blick auf die Armbanduhr. Fossil, neueste Kollektion, stellte Victoria mit einem Kennerblick fest. »Ist er das etwa schon?«

Bevor Victoria antworten konnte, sprang ihre Nachbarin auf und verließ den Raum, eine Entschuldigung auf den Lippen. Victorias Herzschlag beschleunigte sich, sie umklammerte das Glas fester und blickte aus dem Fenster, um sich auf andere Gedanken zu bringen.

Dann tauchte eine Gestalt im Türrahmen auf. Groß und breitschultrig, markantes Gesicht, Dreitagebart – und ein strahlendes Lächeln wie aus der Zahnpastawerbung auf den Lippen.

»Hi«, grüßte er und hob die Hand.

»Das ist Fabian«, stellte Sandy ihn überflüssigerweise vor, nachdem sie sich neben ihrem Freund vorbei ins Wohnzimmer geschoben hatte. »Und Victoria, meine Nachbarin.« Sandy hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. »Vicky wohnt über mir. Mit ihrem Mann Michael.«

Den letzten Satz hätte sie sich sparen können, dachte Victoria.

»Schön dich kennenzulernen«, sagte sie freundlich und vermied direkten Augenkontakt zu ihm.

»Ja, echt nett, dich wiederzusehen.«

Sandy stutzte kurz. »Ihr kennt euch?«

»Nun ja – kennen ist maßlos übertrieben«, erwiderte Fabian. »Wir sind uns gestern im Treppenhaus begegnet.«

»Ach so.«

Victoria schüttete den Latte macchiato herunter und erhob sich. Nachdem sie sich den knielangen Jeansrock glattgestrichen hatte, nickte sie den beiden zu. »Ich muss auch wieder los.« Sie zwinkerte Sandy zu. »Dann lasse ich euch zwei Turteltauben mal alleine.«

Bevor einer der beiden etwas erwidern konnte, hatte Victoria die Wohnung ihrer Nachbarin verlassen.

♥♥♥

Den Abend verbrachte sie mit einem neuen Thriller und einem Glas Primitivo auf dem Sofa. Michael hatte vor zwei Stunden angerufen. Er würde später kommen. In dieser Woche hatte er den Pannendienst übernommen. Immer, wenn ein Kunde anrief, weil sein Auto den Dienst quittiert hatte, musste er ausrücken, um das liegen gebliebene Fahrzeug wieder flott zu machen. Ihr war es recht, denn Victorias Sehnsucht nach Michael hielt sich sehr in Grenzen, und das Geld, das ihm die Überstunden in der Werkstatt einbrachten, konnten sie gut gebrauchen.

Es war ein schwüler Abend, die Hitze hing schwer wie eine unsichtbare Glocke über der Stadt. Die Menschen sehnten sich nach einem erfrischenden Gewitter, doch auch heute war der Regen ausgeblieben. So drang das Vogelgezwitscher von draußen an ihre Ohren; das Licht der untergehenden Sonne tauchte das Mobiliar in ein warmes, fast surreales Licht. Aus dem Radio in der Küche ertönte leise Musik. Sie hatte es nur eingeschaltet, um sich nicht allzu einsam zu fühlen. Die Lautstärke war so gering, dass sie die Musik nicht vom Lesen abhielt und sie sich auf das Buch, das in ihrem Schoß lag, konzentrieren konnte.

In dem Roman ging es um einen Mann, dessen Tochter von einem betrunkenen Autofahrer angefahren und tödlich verletzt wurde. Der Vater sann jetzt auf Rache. Auch, nachdem er in Italien ein neues Leben begonnen hatte, kam er nicht zur Ruhe. Beseelt von seiner Mission setzte er alles daran, den unsinnigen Tod seiner Tochter zu rächen.

Der Thriller war packend geschrieben, sodass Victoria die Zeit völlig vergessen hatte. Gegen zweiundzwanzig Uhr legte sie das Buch zur Seite. Sie leerte das Rotweinglas und erhob sich, um es in die Spülmaschine zu stellen. Gähnend nahm sie einen Schluck Milch aus der Verpackung, wischte sich den Schaum mit dem Handrücken ab, löschte das Licht in der Küche und verschwand im Bad. Auf dem Weg dorthin bemerkte sie, dass die Anzeige des Anrufbeantworters rot blinkte. Jemand hatte versucht, sie zu erreichen. Da es aber meistens nur Michaels Kumpels waren, die anriefen, verzichtete sie darauf, das Band noch abzuhören. Wäre es Michael gewesen, hätte er sie sicher auf dem Handy erreicht. Also, wer immer auf Band gesprochen hatte – es hatte Zeit bis morgen. Jetzt zog es sie ins Bett. In der Firma war heute eine neue Software aufgespielt worden, die vorübergehend die gesamte EDV lahmgelegt hatte. Entsprechend groß das Chaos im Büro und die Arbeit, die heute liegen geblieben war. Also würde sie morgen ein anstrengender Tag in der kleinen Spedition erwarten, in der sie als Sachbearbeiterin arbeitete. Es graute ihr vor dem morgigen Arbeitstag im stickigen Büro, denn der Betrieb war klein, sodass ihr Chef kein Geld für eine Klimaanlage ausgab, so, wie es in größeren Unternehmen der Fall war. Victoria überlegte, was sie morgen anziehen konnte, um nicht schon nach einer Stunde am Arbeitsplatz durchgeschwitzt zu sein wie nach einem Marathonlauf bei dreißig Grad im Schatten. Luftige Kleidung war angebracht, aber luftig bedeutete auch, Haut zu zeigen. Ihre männlichen Kollegen sahen sie immer so seltsam an, wenn sie in knappen Röcken und sanft schwingenden Kleidern zur Arbeit kam, sie stierten ihr auf die Beine und in den Ausschnitt. Victoria wusste nicht, ob sie das Starren der Kollegen als störend oder als schmeichelnd empfinden sollte.

Sie verwarf den Gedanken. Morgen war ein neuer Tag; vielleicht würde ihr später noch eine Idee kommen, wie sie ins Büro fahren konnte.

Nachdem sie sich die Zähne geputzt hatte, verschwand Victoria im Schlafzimmer. Es war wieder ein heißer Sommertag gewesen, und erst jetzt, gegen Abend, waren die Temperaturen so erträglich, dass man es riskieren konnte, sämtliche Fenster aufzureißen, ohne einen Hitzschlag zu erleiden. Doch während sie auf ein wenig Durchzug gehofft hatte, wurde sie enttäuscht. Es wehte kein Lüftchen an diesem Abend. Victoria schlief auch heute nackt. Sie legte ihre Kleidungsstücke über den Stuhl neben dem Bett und schlüpfte unter die leichte Decke. Nicht weil sie fror, sondern sie brauchte das Gefühl der Geborgenheit, das sie nur hatte, wenn sie unter einer Decke verschwinden konnte.

Es dauerte einen Moment, bis sie eine bequeme Position zum Einschlafen gefunden hatte, dann rollte sie sich ein und schloss die Augen. Ihre Gedanken kreisten noch um die Hauptfigur des Thrillers und um seine Mission. Sie fand keine Ruhe, zu sehr hatte sie der Roman aufgewühlt. Victoria legte sich auf den Rücken und stierte an die Zimmerdecke, die sich als graues Rechteck vom Schwarz, das sie umgab, abhob.

Ein Geräusch riss sie aus den Gedanken. Es kam von unten, aus Sandys Wohnung. Wahrscheinlich hatte auch sie sämtliche Fenster aufgerissen, um für ein wenig Abkühlung in den Räumen zu sorgen.

Ein Kichern drang an Victorias Ohren. Sie erkannte Sandys Stimme, die leise Worte sprach, die Victoria aber nicht verstand. Dennoch ahnte sie, was in der Wohnung ihrer Freundin vor sich ging. Sandy war nicht allein. Offenbar war Fabian bei ihr, denn schnell ging das Kichern in ein Schnurren und schließlich in ein lüsternes Stöhnen über. Lauschend legte Victoria den Kopf schräg. Im Schlafzimmer unter ihr ging es gerade zur Sache. Victoria lächelte milde, denn sie konnte Sandy gut verstehen. Fabian war ein heißer Typ, gar keine Frage. Und wenn er im wahren Leben auch nur ein halb so guter Liebhaber war, wie in Victorias geheimsten Träumen, dann war er ein Glücksgriff. In ihrem Traum hatte Victoria ausgeblendet, dass Fabian gute zehn Jahre jünger war als sie selbst. Sie hatte sich ihm hingegeben und eine völlig neue Art der Liebe erfahren. Plötzlich war der Traum von letzter Nacht wieder greifbar nahe. Victoria schloss die Augen und lauschte dem Treiben im Schlafzimmer ihrer Nachbarin völlig ungeniert. Jetzt hörte sie auch Fabians Stimme. Er keuchte lüstern und raunte seiner Freundin Worte zu, die Victoria nicht verstand, die sie aber auf eine bisher nicht gekannte Art und Weise erregten. Ihr Schoß wurde angenehm warm, als sie dem Paar zuhörte. Die beiden liebten sich voller Leidenschaft, und das anfänglich fast scheue Stöhnen von Sandy machte lüsternen, hemmungslosen Lauten der Lust Platz. »Ja«, hörte sie Sandys heisere Stimme von oben. »Mach es mir von hinten, gib mir deinen Schwanz.«

Oh je, dachte Victoria, so etwas hatte sie ja noch nie gehört, geschweige denn, Michael auf diese Weise angefeuert. Sie spürte, wie ihr Mund trocken wurde, und genoss das Auflodern der Lust in ihrem Schoß. Das hemmungslose Treiben und die schmutzigen Worte, die das Paar in der Wohnung unter ihr benutzten, erregten Victoria auf eigenartige Weise.

»Bück dich, mein Miststück«, hörte sie Fabian sagen. Im nächsten Moment keuchte er laut. »Bist du feucht, das ist so geil«, freute er sich.

»Ja, fick mich.«

Das Stöhnen seiner Partnerin schien ihn zu erregen, denn unter Victoria knarrte das Bett im Rhythmus ihrer Lust. Die beiden schienen es wie die Karnickel zu treiben. Victorias Herz schlug ein paar Takte schneller, als sie Sandys heisere Lustschreie hörte.

In Victoria loderte die Sehnsucht nach einem starken Mann auf. Einem Mann, der es verstand, sie in den Wahnsinn zu treiben mit seinen Berührungen. Einem Mann wie Fabian. Kurz schämte sie sich für ihre Gedanken, dann warf sie ihre Bedenken über Bord. Gedanken waren schließlich frei. Victoria schloss die Augen, während sie eine Hand in ihren Schoß gleiten ließ.

Ihr Körper stand längst in Flammen, immer wieder durchzuckten sie Blitze. Ihr Herz klopfte wie verrückt, als sie ihren Schoß berührte und spürte, wie feucht sie bereits war. Mühsam unterdrückte Victoria ein Stöhnen, während ihr Finger die Schamlippen teilte und sanft in das feuchte Paradies eintauchte, während ihr Daumen winzige Kreise über der Perle zog.

Vor Victorias geistigem Auge begann ein Film abzulaufen.

Sie stellte sich vor, was in der Wohnung unter ihr geschah, sah Sandy und Fabian, wie sie es ungeniert miteinander trieben, sah, dass es ihnen nichts ausmachte, dass Victoria sich zu ihnen gesellte. Der makellose Körper der Nachbarin wirkte im Zwielicht des Schlafzimmers wie Samt. Das schwarze Haar hing ihr strähnig ins Gesicht, als sie Victoria den Kopf zuwandte und ihr auffordernd zulächelte.

Sandy kniete auf dem Bett, Fabian stand hinter ihr und hielt sie an den Hüften fest, während er mit kreisendem Becken tief in seine kleine Freundin eindrang. Sandys Brüste schaukelten im Takt der Lust. Immer wieder rammte er sein erigiertes Glied in ihre Lustgrotte, langte vor, um mit seinen starken Händen ihre Brüste zu berühren. Der Wirklichkeit entrückt, zwirbelte er ihre Nippel und brachte Sandy zum Stöhnen. Ihr schlanker Körper bäumte sich auf vor Lust.

Victoria spürte, dass sie längst feucht war. Sie rieb ihre Pussy, erst langsam und fast zaghaft, schließlich immer schneller. In ihrer Fantasie lag sie neben Fabian und Sandy auf dem Bett, während sie masturbierte. Der Anblick des Paares erregte sie, und als sie zu Sandy aufblickte, lächelte diese ihr wieder zu. Ihre Lippen formten lautlose Worte, während Fabian sie weiter penetrierte. Plötzlich machte Sandy einen Satz nach vorn, entzog sich ihrem Freund und drehte sich, um auf dem Rücken neben Victoria liegen zu bleiben. Sie nahm die Hand ihrer reifen Nachbarin und drückte sie, führte die Finger zu ihren Lippen, um sanft daran zu saugen.

Im gleichen Moment kam Fabian über seine Freundin. Er schnappte ihre Fußgelenke, spreizte die schlanken Schenkel und legte sie auf seine Schultern. Er schaute Sandy tief in die Augen, schien Victorias Anwesenheit noch gar nicht wahrgenommen zu haben und presste sein Becken in Sandys Schoß. Aus dem Augenwinkel erkannte Victoria, dass sein Penis im Zwielicht des Raumes feucht schimmerte. Die Spitze war benetzt vom Saft seiner Freundin. Am liebsten hätte Victoria sich aufgerichtet, um die Lust an seinem Glied zu schmecken. Doch bevor sie etwas tun konnte, drang er in Sandy ein. Kurz spürte Victoria das Gefühl von Eifersucht, doch als Sandy ihr das Gesicht zuwandte, um sie leidenschaftlich zu küssen, verdrängte sie den Gedanken schnell wieder. Fast hätte sie ihr Becken zurückgezogen, als Sandy Victorias heiße Spalte berührte, mit dem Mittelfinger um ihre Perle kreiste und mit einem Finger den Eingang ihrer Vulva berührte.

Fabian sah, dass sich die beiden Frauen miteinander beschäftigten, während er seine Freundin vögelte, doch der Anblick der sich küssenden Frauen schien ihm zu gefallen, denn er stieß schneller und leidenschaftlicher. Sie nahm seinen prallen Schwanz tief in sich auf, stöhnte voller Dankbarkeit bei jedem Stoß, den er vollführte.

»Jetzt du«, raunte Fabian und lächelte Victoria aufmunternd zu. Er zog sich aus Sandy zurück und näherte sich ihr. Sie war wie in Trance, nickte stumm und zog in froher Erwartung seines steifen Schwanzes die Beine an.

Sie wimmerte auf, als sie seine Männlichkeit an ihrem Eingang spürte, dann war er auch schon in ihr. Fabian war ein einfühlsamer und ein leidenschaftlicher Liebhaber zugleich. Er schaute ihr tief in die Augen, während er seine Hüfte bewegte und Victoria ein lautes Stöhnen entlockte. Als Victoria den Kopf wandte, sah sie, wie es sich Sandy selbst besorgte. Offenbar erregte sie der Anblick ihres Freundes, der mit einer anderen Frau schlief.

Eifersuchtsfrei, durchzuckte es Victoria plötzlich. Sie erinnerte sich daran, dass Sandy diesen Begriff bei ihrem Kaffeetrinken benutzt hatte. Fabian sei völlig eifersuchtsfrei, hatte sie behauptet.

Jetzt erfuhr Victoria, was dieses Wort bedeutete. Und so wie es aussah, war auch Sandy eifersuchtsfrei. Im Gegenteil – sie schien ihm den Spaß, ihre Nachbarin zu vögeln, zu gönnen und ließ ihre freie Hand über seinen Rücken gleiten. Die andere Hand war in ihrem Schoß verschwunden. Sandy masturbierte völlig hemmungslos, sosehr erregte sie der Anblick Fabians, der es mit Victoria trieb.

Mit dem Mittelfinger wetzte sie über ihre geschwollene Klit, betrachtete Victoria und Fabian mit verklärtem Blick und stieß lüsterne Laute hervor. Fabians Bewegungen wurden schneller und schneller. Er stieß Victoria auf einen hemmungslosen Höhepunkt zu, hatte sichtlich Spaß dabei, die Nachbarin seiner Freundin um den Verstand zu bringen.

Auch Sandys Stöhnen wurde lauter. Sie lief bereits aus vor Lust, hatte das Gesicht zu einer verzerrten Grimasse verzogen und gab sich ihren eigenen Gefühlen hin, während Victoria von einem gewaltigen Orgasmus übermannt wurde. Sie war taub vor Erregung, hörte die Geräusche in ihrer Umgebung wie durch Watte und hob ab. Auch Fabian war so weit. Er hielt es nicht mehr länger aus, zog sich aus Victorias Spalte zurück und rieb sein bestes Stück. Mit einem tierischen Schrei entlud er sich auf ihrem bebenden Körper. Jeder Tropfen, der auf Victorias Körper landete, rief ein Beben der Lust hervor und brachte sie um den Verstand. Nie zuvor hatte sie das Sperma eines Mannes als derart erregend empfunden. Heiß landete sein Saft auf ihrer Scham und dem Bauch, spritzte hoch bis zu den schweren Brüsten und besudelte ihre erhitzte Haut.

Sandy, die wieder im Jetzt und Hier angekommen war, drehte sich zu ihnen, um den Saft ihres Freundes von Victorias Haut zu küssen.

♥♥♥

Es dauerte einen Moment, bis Victoria in die Realität zurückkehrte. Noch immer klopfte ihr Herz, noch immer schien das Blut in ihren Adern zu kochen. Langsam nur verebbte das Beben und sie gewann die Kontrolle über ihren Körper zurück. Sie spürte, dass das wohlige Kribbeln einer nicht greifbaren Kälte wich, die sich unter der Bettdecke auszubreiten schien und sie frösteln ließ. Sie zog die Decke bis zum Kinn und wartete, bis das Rauschen in ihren Ohren nachließ.

Ein wenig enttäuscht zog sie die Hand aus ihrem Schoß zurück und wartete darauf, dass sich ihr Puls normalisierte. Aus dem Zimmer unter ihr drangen noch immer die eindeutigen Geräusche herauf. Fabian und Sandy stöhnten um die Wette. Sie feuerten sich mit vulgären Ausdrücken an, dann kamen sie zum Höhepunkt.

Victoria schmunzelte in die Dunkelheit. Ob die beiden ahnten, dass sie ihr gerade eine ziemlich heiße Fantasie beschert hatten?

Wohl nicht. Als es unten still wurde, rollte sich Victoria zur Seite und zog die Bettdecke bis zum Kinn. Mit einer wohligen Wärme im Unterleib kam sie zur Ruhe. Es vergingen keine fünf Minuten, bis sie eingeschlafen war. Diesmal plagte sie kein schlechtes Gewissen.

Gabriele

Im Bistro Chateau in der Altstadt herrschte nur wenig Betrieb an diesem Abend. Die Tische am Fenster waren belegt; einen davon hatten Victoria und Gabi sich sichern können. Nun saßen sie sich im flackernden Schein einer Kerze gegenüber und nippten an exotisch bunten Cocktails. In den Gläsern steckten Strohhalme und quietschbunte Schirmchen.

Victorias Bekenntnis sorgte bei Gabi für Erheiterung. Die Freundin kicherte amüsiert, als Victoria ihr erklärt hatte, dass sie es nicht übers Herz brachte, ihren Mann zu betrügen.

»Du hast gut reden«, sagte Victoria vorwurfsvoll. »Du bist frisch geschieden und lässt es krachen, ohne Rücksicht auf Verluste. Ich aber …«, sie suchte nach den richtigen Worten, bevor sie fortfuhr, »ich aber riskiere meine Ehe und alles, was wir uns in all den gemeinsamen Jahren aufgebaut haben.«

»Gemeinsam?« Wieder kicherte Gabi belustigt. »Ihr seid gemeinsam einsam, das ist es.« Sie nickte und nahm einen tiefen Schluck von ihrem Sex on the Beach. »Jeder macht sein Ding, ihr interessiert euch nicht füreinander, und Gespräche finden so gut wie gar nicht mehr statt – richtig?« Sie betrachtete Victoria prüfend.

»Leider hast du recht«, stimmte sie der Freundin zu. So unauffällig wie möglich betrachtete sie Gabi. Ihre Freundin war knapp zehn Jahre älter als Victoria, schlank und hochgewachsen, und wenn man von den winzigen Lachfältchen um die Augen und die Mundwinkel absah, hatte sich Gabi gut gehalten. Seit vier Monaten war sie geschieden. Seitdem, so schien es, blühte Gabi erst richtig auf. Schnell hatte Victoria aufgehört, sich die Namen der wechselnden Liebhaber ihrer Freundin zu merken. Gabi ließ nichts anbrennen, und die Herrenwelt schien auf Gabi zu stehen. Kein Wunder, denn die reife und attraktive Frau wusste ihre Leidenschaft zu genießen. Und nun musste sie es mit der Treue nicht mehr so genau nehmen. Eben hier lag der Teufel im Detail, denn Victoria sehnte sich nach heißer und erfüllender Liebe, doch sie brachte es nicht übers Herz, Michael zu betrügen.

»Hast du schon mal darüber nachgedacht, dass er eine andere Frau hat?«, sprach Gabi Victorias schlimmste Befürchtung aus. Schon oft hatte sie in den letzten Tagen darüber nachgedacht, warum er ihr aus dem Weg ging, diesen Gedanken aber immer verdrängt.

»Schon öfter«, gab Victoria nun kleinlaut zu und drehte ihr Glas in den Händen. Dieser Gedanke war ihr in den letzten Nächten immer wieder durch den Kopf gegeistert. Und die Bilder, die sie vor ihrem geistigen Auge sah, waren unerträglich für sie. Aber es erklärte, warum Michael sich kaum noch für sie interessierte.

Er stillte seine Lust an einer anderen Frau.

Die Vorstellung, dass ihr Mann im Bett einer Geliebten lag und mit ihr vollendeten, leidenschaftlichen Sex hatte, bereitete ihr Magenschmerzen. Dennoch musste Victoria sich eingestehen, dass sie schon oft darüber nachgedacht hatte, dass sie möglicherweise nicht die einzige Frau in seinem Leben war.

»Siehst du – warum solltest du zurückstehen?«

»Weil ich nicht mit Sicherheit weiß, ob er eine andere Frau vögelt«, rief Victoria lauter als beabsichtigt. Die Leute an den Nebentischen blickten amüsiert, teils pikiert zu den beiden Frauen herüber.

»Seine Lust an dir hat er ja wohl verloren«, antwortete Gabi konsterniert, als das Interesse der anderen Menschen nachgelassen hatte. »Und an dir wird es nicht liegen. Schau dich doch mal an, Vicky.« Sie deutete mit dem manikürten Zeigefinger der rechten Hand auf Victoria. »Du bist siebenunddreißig Jahre jung, immer noch hübsch, hast eine knackige Figur – und eigentlich weißt du, was du willst. Und Michael lässt es völlig kalt, wenn du ihn verführen willst?« Gabi tippte sich bezeichnend an die Schläfe. »Da stimmt doch was nicht.«

»Warum?«, gab Victoria sich naiv.

»Weil alle Männer schwanzgesteuert sind. Und jetzt tu nicht so, als würde ich dir was Neues sagen, Vicky. Und eben hast du mir noch erzählt, dass du in heißen Klamotten vor ihm herumstöckelst, um ihn anzumachen. Funktioniert aber nicht.« Gabi machte eine bedeutungsvolle Pause, in der sie an ihrem Cocktail nuckelte. »Weil er keinen Bock mehr auf dich hat, Schätzchen. Das liegt aber nicht an dir, sondern vielmehr daran, dass er sein Pulver bei der anderen Frau verschossen hat, wenn er zu dir nach Hause kommt. That’s it.« Sie stellte das Glas zwischen ihnen ab und kehrte die Handflächen nach oben. »Leb damit oder schmeiß ihn raus.«

Victorias Gedanken rasten durch ihren Kopf. Wenn sie die Augen schloss, sah sie immer wieder das gleiche Bild: Michael, der sich lüstern keuchend mit einer anderen Frau im Bett vergnügte. Kein schönes Bild.

»Ist das ein Grund, es ihm gleichzutun?«

»Du tust es nicht nur gleich«, belehrte Gabi sie kopfschüttelnd. »Du zahlst es ihm heim. Und du hast den charmanten Vorteil, in den Armen eines anderen Mannes endlich mal wieder auf deine Kosten zu kommen, Schätzchen.«

»Rache ist keine Lösung«, antwortete Victoria. »Die Fronten verhärten sich, bis die Situation eskaliert.«

»Du solltest Paartherapeutin werden«, gab Gabi in sarkastischem Unterton zurück. »Vergiss aber dabei nicht, zuerst vor deiner eigenen Haustür zu fegen.«

Eigentlich hatte sich Victoria lange auf den Abend mit der Freundin gefreut. Viel zu lange schon hatten sie sich nicht mehr gesehen, und jetzt war die Stimmung gekippt. Sie trug ihre Eheprobleme mit sich herum, so sehr, dass ihr Umfeld schon darauf aufmerksam wurde. Nun war alles anders, der Mädelsabend hatte eine fast bizarre Wendung genommen. Gabi empfahl ihr, fremdzugehen.

Sosehr sie sich auch dagegen wehrte, sich einen Liebhaber anzulachen, die Vorstellung, endlich wieder als eine begehrenswerte Frau gesehen zu werden und die Erfüllung zu finden, die sie bei ihrem Mann schon viel zu lange entbehrte, löste Herzklopfen und ein angenehmes Ziehen in ihrem Unterleib aus.

»Wie soll ich es denn anstellen?«, fragte Victoria.

»Wie du an einen Kerl kommst?« Gabi betrachtete sie wie eine Außerirdische.

»Ja.«

»Das kann doch nicht so schwer sein. Check mal dein Umfeld, deine Nachbarschaft, deinen Freundeskreis, deine Arbeitskollegen.« Gabi fuchtelte mit der Hand in der Luft herum. »Wer hat Liebeskummer, wer hat sich von seiner Partnerin getrennt oder lebt in Scheidung? Wer kommt überhaupt für eine Affäre in Frage?«

Victoria nippte von ihrem Drink und dachte nach. Tatsächlich gab es einige Verehrer, Männer, die ihr schöne Augen machten. Wer aber für ein Abenteuer in Betracht kam, wollte ihr spontan nicht einfallen. »Sicher gibt es den einen oder anderen, der nicht abgeneigt wäre«, begann sie zögernd.

»Na bitte«, freute sich Gabi. »Und du gehst ab morgen früh mit offenen Augen durch die Welt, ist das klar? Schau dich um und sei wieder empfänglich für Komplimente, auch wenn sie nicht von deinem Mann kommen.«

»Michael macht mir schon seit Ewigkeiten keine Komplimente mehr«, stellte Victoria betrübt fest.

»Umso wichtiger, dass du sie dir anderweitig holst«, wusste Gabi zu sagen. »Sei offen für nette Worte oder einen Blick, der dir Gänsehaut macht.« Jetzt kicherte sie.

»Wie machst du es eigentlich?«, lenkte Victoria ab.

»Was meinst du?«

»Wie kommst du an deine ständig wechselnden Bekanntschaften?«

»Das ist ein Kinderspiel«, erwiderte Gabi und winkte beinahe gelangweilt ab. »Ich sagte doch, dass alle Kerle schwanzgesteuert sind.«

»Und?« Victoria hatte es aufgegeben, sich über die verbale Offenheit ihrer Freundin zu wundern.

»Das ist eine Eigenschaft, die wir Mädels uns zunutze machen können«, grinste Gabi und schnipste mit den Fingern. »Ein Kinderspiel. Ein Lächeln genügt, und sie laufen dir hinterher wie kleine Hunde, angetrieben von dem einzigen Gedanken, mit dir ins Bett zu dürfen. Männer fressen dir aus der Hand, wenn du es geschickt anstellst.«

»Wie kommst du an deine Lover?«, wollte Victoria wissen.

»Internet.« Die Antwort war so knapp wie lapidar, so, als wäre es das Natürlichste auf der Welt, dass man Liebhaber heutzutage im Internet kennenlernte. »Ich habe mich in einem Forum registriert, auf einer Kontaktplattform.«

»Ich kapiere«, nickte Victoria. »Du bist in einer Singlebörse und machst auf Partnervermittlung?«

»Du bist ja putzig!« Gabi lachte schallend. »Das war früher«, fügte sie dann hinzu, als sie sah, wie Victoria errötete. »Es gibt Sex-Foren, Schätzchen. Ich gehe stramm auf die Fünfzig zu, da kann man nicht mehr viel Zeit verlieren. Ich weiß, was ich will, die Herren der Schöpfung wissen, wohin die Reise geht – also stimmt man die Vorlieben ab, sieht zu, dass man sich sympathisch ist, und schon kann es losgehen.«

»Es … losgehen?«

»Na ja, das erste Date. Schon beim ersten persönlichen Treffen weiß man, mit wem man es zu tun hat – das birgt zahlreiche Vorteile, Vicky. Es gibt nichts Schlimmeres als Dates, die nichts als verschenkte Lebenszeit sind. Du verbringst den Abend mit einem Typen, der dich mit seinem Gelaber über den Job oder über seine Sportwagensammlung langweilt. Der vielleicht lispelt oder schielt, der seltsam riecht, weil du sein Aftershave nicht abkannst.« Gabi schüttelte den Kopf. »Für solche Dates ist meine Zeit zu kostbar. Im Netz checkt man sich gegenseitig ab, und wenn die Chemie stimmt, kommt es zu einem realen Treffen.«

»Und dann gehst du mit den Männern gleich ins Bett?«

»Soweit muss es nicht kommen.« Gabi kicherte. »Neulich mit Oliver habe ich es nicht bis zum Bett ausgehalten. Wir haben es gleich nach dem Abendessen beim Spanier im Auto auf dem Parkplatz getrieben.«

»Gabi!«, machte Victoria vorwurfsvoll.

»Ich will damit nur sagen – warum unnötig Zeit verlieren, wenn beide wissen, was sie wollen? Es ist völlig legitim, wenn erwachsene Menschen auf das gleiche Ziel hinarbeiten und beide auf ihre Kosten kommen.« Jetzt machte Gabi eine säuerliche Miene. »Was man von deiner Ehe ja wohl nicht mehr behaupten kann.«

Victoria dachte nach. Aus moralischer Sicht war es natürlich nicht in Ordnung, Michael zu betrügen. Doch was, wenn Gabi recht hatte und er sie auch längst mit einer anderen Frau hinterging? Wie ernst nahm er es mit der Treue? Sie wusste es nicht, spürte aber den engen Gürtel, der sich um ihr Herz zu legen schien. Und schon wieder hatte sie die Bilder im Kopf. Michael, mit vor Lust verzerrtem Gesicht und schweißnassem Körper auf einer anderen, gesichtslosen Frau, die ihre Lust an die nicht vorhandene Zimmerdecke stöhnte und ihr Becken im Takt seiner Bewegungen anhob.

Victoria verdrängte die Gedanken daran und erwischte sich dabei, ihr persönliches Umfeld nach potenziellen Verehrern abzuchecken.

Niklas

Michael schnarchte, als gelte es, einen ganzen Wald abzusägen. Völlig entnervt stieß Victoria die Bettdecke fort und richtete sich auf. Kopfschüttelnd blickte sie auf ihren Mann herab, der vor einer Stunde völlig betrunken nach Hause gekommen war, um sich mit Socken, Boxershorts und im T-Shirt ins Bett zu legen. Er war auf der Stelle eingeschlafen, furzte und schnarchte, er schmatzte wie ein Baby und murmelte im Schlaf unverständliche Worte. Er wälzte sich wild herum und raubte Victoria den Schlaf.

Sie stand auf und durchquerte barfuß das dunkle Schlafzimmer. Victoria verschwand im Bad und nahm den flauschigen Morgenmantel vom Haken hinter der Tür. Nachdem sie den Gürtel zugebunden hatte, tappte sie barfuß durch den dunklen Flur in die Küche. Hier schaltete sie das Licht der Dunstabzugshaube ein. Den Schalter fand sie im Dunkeln. Victoria trat an den Kühlschrank und schaute hinein. Da war noch der Rest Wein. Sie nahm ein Glas aus dem Hängeschrank und schenkte sich den Primitivo ein. Nachdem sie sich die Lippen mit der Zunge benetzt hatte, nippte sie und genoss den samtigen Geschmack des trockenen Italieners. Mit dem langstieligen Glas in der Hand trat sie ans offene Küchenfenster und blickte hinaus in die Nacht. Die Straße lag verlassen da. Das Licht der Straßenlaternen wurde von den geparkten Autos reflektiert. Wind kam auf. Victoria richtete den Blick zum Nachthimmel, an dem sich schwarze, unheilvolle Wolken aufbäumten. Kam in dieser Nacht das lang ersehnte Gewitter?

Ihre Gedanken schweiften ab. Mit Frust und Wut dachte sie an Michael, der einmal mehr betrunken nach Hause gekommen war. Trank er, um sich nicht mehr mit ihr beschäftigen zu müssen? War das seine Art, ihr aus dem Weg zu gehen?

Details

Seiten
0
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783960874423
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v434666
Schlagworte
liebe-frauen-erotik-a-roman-tik erotisch-e-r-oman-ce desperate-frustriert affäre un-treu-e wife fremd-geh-en-r-in

Autor

  • Kathy Fox (Autor)

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Titel: Heiße Seitensprünge (Erotik)