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Mein Traummann, seine Exfreundinnen und ich (Liebe, Chick Lit)

von Daniela Braith (Autor)

2018 0 Seiten

Leseprobe

Über dieses E-Book

Klara hat es eigentlich gut getroffen: Ihr absoluter Traummann Max ist endlich in einer Beziehung mit ihr. Wenn da nur nicht seine Ex Margot wäre, die sich ihm ständig an den Hals schmeißt.
Also sucht Klara Unterstützung bei den Frauen, die Max am besten kennen: Seinen anderen Ex-Freundinnen. Die krempeln die Ärmel hoch. Schließlich wollen sie Max nicht noch einmal an die Zicke Margot verlieren. Zusammen entwerfen sie einen Schlachtplan …

Impressum

dp Verlag

Überarbeitete Neuausgabe September 2018

Copyright © 2020 dp Verlag, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Made in Stuttgart with ♥
Alle Rechte vorbehalten

E-Book-ISBN: 978-3-96087-238-2
Taschenbuch-ISBN: 978-3-96087-577-2

Copyright © 15.04.2014, books2read
Dies ist eine überarbeitete Neuausgabe des bereits 15.04.2014 bei books2read erschienenen Titels Mission Max (ISBN: 978-3-73378-317-4).

Covergestaltung: Buchdesign Traumstoff
unter Verwendung von Motiven von
shutterstock.com: © Roman Samborskyi
Korrektorat: Daniela Pusch

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

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dp Verlag

1

„Er steht auf Kaninchenpelz? Na bravo, Klara. Ich fürchte, da hast du dir einen vom anderen Ufer an Land gezogen.“

Das waren harte Worte.

„Aber es gibt doch sehr viele Männer, die Fell mögen, einfach weil es warm und kuschelig ist, oder?“

„In Sibirien vielleicht. Vergiss es! Der Typ ist schwul, bestenfalls bi.“

Im Allgemeinen vertraue ich dem Urteil meiner Freundin Helene hundertprozentig. Die Frau verfügt über einen reichen Erfahrungsschatz und hat generell guten Durchblick. Dieses Mal wollte ich ihren Standpunkt nicht teilen.

Besagter Kaninchen-Fan war nämlich der Mann, den ich möglichst auf direktem Wege in mein Bett locken wollte. Und ich hatte nicht vor, dort mit ihm über Vor- und Nachteile von Foliensträhnchen oder die optimale Pflege weißer Orchideen zu diskutieren.

Ich meine, ich schätze schwule Männer sehr, als sensible Freunde, Friseure oder Feng-Shui-Berater.

Mit Max hatte ich anderes im Sinn.

2

Übrigens hätte ich Max ohne Helenes Hartnäckigkeit gar nicht kennengelernt. Wir wären uns wahrscheinlich niemals begegnet. Was mir einigen Ärger erspart hätte.

Ich saß an jenem Abend zu Hause und lebte einen Entrümpelungsanfall aus, als Leni vorbeischneite.

„Klara, es ist Freitag, Party-Time!“

Mürrisch sah ich zu, wie sie eine grellbunte Karte aus ihrem Handtäschchen zog.

„Heute steigt die Nacht der Medien und meine Einladung ist für zwei Personen.“

„Schön, aber ich komm nicht mit. Hab hier zu tun.“

Fragend betrachtete sie die Papierhäufchen, die überall in meinem Wohnzimmer verteilt lagen.

„Ich bewältige gerade meine Vergangenheit. Und das dauert noch länger.“

Mit sicherem Griff zog sie einen kleinen roten Brief aus einem Haufen.

„Von Tobias, wie herzig.“ Sie las. „Wusste gar nicht, dass er Legastheniker war. Willst du das miese Geschmiere archivieren?“

„Nein, entsorgen. Ich muss mich von altem Ballast befreien, verstehst du? Erst wenn Wohnung und Keller clean sind, wird auch der Geist frei.“

„Ich dachte, der Tobi ist schon längst entsorgt. Alte Liebesbriefe durch den Reißwolf jagen ist außerdem keine Vergangenheitsbewältigung. Also los, raus aus der Jogginghose und rein in den Partyfetzen!“

Ich schüttelte störrisch den Kopf. Lenis permanent gute Laune und ihr enormer Tatendrang gingen mir schon länger auf die Nerven. Seit Monaten schleppte sie mich auf After-Work-Clubbings, Motto-Feten und Vernissagen, in Sushi-Bars, Steh-Italiener und Biergärten. Und das aus reiner Nächstenliebe, wie sie ständig betonte, denn Leni wollte mich endlich wieder an den Mann bringen.

Seit fast zwei Jahren war ich ohne feste Beziehung und anfangs dankbar gewesen, dass Helene mich dauernd zum Ausgehen motivierte. Später dann nicht mehr, denn der gewünschte Erfolg blieb nachhaltig aus: Ich lernte nur Männer kennen, die entweder schwere Bindungsphobien oder Mutterkomplexe hatten, hoch verschuldet, krankhaft geizig oder Neandertaler waren.

Unterm Strich war Leni eigentlich die Einzige, die von meinem Vermittlungsprogramm profitierte. Nach jedem meiner Fehlgriffe konnte sie sich nämlich selber zu ihrem Jussi gratulieren.

Helenes Freund Jussi ist Finne, schweigsam und extrem humorlos. Und er ist beruflich zwei Drittel des Jahres im Ausland. Aber er verdient ein Schweinegeld, ist sehr spendabel und treu wie Gold. Das betont Leni jedenfalls häufig. Letzteres ist für meine Begriffe schwer nachprüfbar, aber ich will ihr da nicht reinreden.

Leni und ich kennen uns seit der fünften Klasse und sind so was wie Blutsschwestern. Wir haben in Mathe und Latein voneinander abgeschrieben, heimlich auf dem Klo geraucht und beide am gleichen Tag vom gleichen Jungen den ersten Zungenkuss bekommen. Und obwohl wir uns ab und zu Mal in den Haaren liegen, würde ich für sie durchs Feuer gehen.

„Machst du diesen Sommer eigentlich wieder Urlaub im Single-Club?“

Mit dieser beiläufigen, aber hinterhältigen Frage schaffte es Leni, mir meinen Home-Abend madig zu machen. Seit zwei Jahren waren Urlaube für mich nämlich die Pforte zur Hölle. Einmal hatte ich Jussi und Helene als fünftes Rad am Wagen nach Finnland begleitet und wäre dort an Frustration, Mückenstichen und schwarzgebranntem Schnaps fast zugrunde gegangen. Ein verlängertes Wochenende im Winter war ich dann mit lauter glücklichen Pärchen in einer Almhütte in Österreich eingeschneit und hatte bei meinem Fluchtversuch eine gefährliche Nass-Schneelawine ausgelöst. Aber die Krönung waren definitiv 14 Tage All-Inclusive-Single-Club in Tunesien gewesen, wo ich jeden Abend von notgeilen Endvierzigern bei Gemeinschaftsspielen um den Pool gejagt wurde. Ich hatte die Aktion zwar nach einer Woche abgebrochen, aber das Grauen saß mir immer noch im Nacken.

Eine gute Stunde später reihten wir uns in die Warteschlange vor dem Löwenbräukeller in München-Neuhausen ein. Leni in einem goldenen Paillettenrock mit Schlitz bis zum Hintern und bauchfreiem Bustier, ich in Jeans und schlichtem Träger-Top. Ich fand ihr Outfit für diesen Anlass übertrieben, aber Leni wollte nichts davon hören:

„Glaubst du, ich verbringe Jahre in Umkleidekabinen, um die Klamotten dann im Schrank verrotten zu lassen?“

Das ist Helenes größtes Problem. Sie besitzt solche Unmengen von höllenscharfen Designerfummeln, dass sie kaum ein Viertel davon zu gebührenden Anlässen auftragen kann. Für meinen Geschmack übertreibt sie ein wenig in punkto Offenherzigkeit. Denn Leni besitzt eigentlich nur Stücke, die sehr weit ausgeschnitten, sehr eng, durchsichtig und bauchfrei sind. Deshalb ist sie oft erkältet.

Früher habe ich mich manchmal etwas geschämt, wenn Helene in winzig kleinen Tops und Röcken auf meterhohen Absätzen neben mir herstöckelte. Ich hatte Sorge, dass ihr Look – trotz horrendem Preis – ein wenig billig wirken und betrunkene Bauarbeiter anlocken könnte. Aber solche Fragen stellt sich Leni nicht. Sie möchte auffallen, egal in welchen Kreisen.

Die Schlange bewegte sich keinen Millimeter vorwärts, weil zwei Männer, die offensichtlich nicht auf der Einladungsliste standen, mit der Empfangshostess debattierten, um auf die Party zu kommen. Ich verstand nicht, was sie sagten, aber der größere plusterte sich mächtig auf und wedelte wichtig mit einer überdimensionalen Visitenkarte.

„Jesus, das wird länger dauern“, stöhnte Helene und zupfte ärgerlich an ihren Pailletten. „Große Visitenkarte, kleiner Schwanz. Die Sorte kenne ich.“

„Was meinst du damit?“

„Dass dieser Typ so lange den Eingang blockiert, bis sie ihn wegtragen. Minderwertigkeitskomplexe, verstehst du? Nichts in der Hose, aber eine riesige Klappe.“

Ich weiß nicht mehr, ob ich Helene damit beeindrucken wollte oder generell zum Stänkern aufgelegt war. Jedenfalls marschierte ich nach vorne und tippte dem Mann auf die Schulter.

„Hör zu, wir wachsen hier alle schon an. Wie wär’s, wenn du die Leute, die auf der Gästeliste s-t-e-h-e-n, vorbeilässt und es in einer Stunde einfach noch mal probierst? Vielleicht darfst du ja dann rein.“

Der Typ warf mir einen ungläubigen Blick zu. Ich schien ihn aber aus dem Konzept gebracht zu haben, denn er trat etwas zur Seite und machte damit seinen Füße-scharrenden Hintermännern Platz. Bevor er antworten konnte, schenkte ich ihm ein verbindliches Lächeln, drehte mich schnell um und ging mit gestrafften Schultern zu Helene zurück. Beifälliges Gemurmel begleitete mich.

Obwohl sich die Schlange nun rapide vorwärts bewegte, bereute ich meine Tat bereits. Der Bursche da vorne hatte nicht übel ausgesehen, und sein Kumpel, der neben ihm stand, war sogar ausgesprochen fesch: dunkelblond, breite Schultern, markantes Kinn mit Grübchen, bisschen wie der junge Kirk Douglas. Außerdem wirkten beide irgendwie wichtig. Und die Medienbranche ist ja recht klein. Vielleicht würde einer von ihnen mal einen Führungsposten in meiner Firma kriegen, solche Zufälle soll’s ja geben. Dann könnte ich gleich meine Sachen packen.

Ich arbeitete damals als Pressereferentin beim Fernsehen. Was sich ganz gut anhörte. Meine Freundinnen beneideten mich, weil sie dachten, dass ich mich dauernd mit attraktiven Schauspielern zum Mittagessen traf. Und dann nebenbei ein paar lockere Interviews führte. In Wirklichkeit saß ich meistens in einem zugigen Großraumbüro und schrieb tonnenweise Pressemitteilungen über Einschaltquoten, Marktanteile und andere packende Themen wie Werbeausgaben im Schmelzkäse-Segment. Inzwischen saß ich außerdem auf wackligem Posten. Andi Kübler, der neue Presse-Chef, konnte mich nämlich nicht leiden. Was auf Gegenseitigkeit beruhte, denn er war ein kleiner, böser Gnom, Workaholic und Frauenhasser. Seit seinem Amtsantritt schob ich wöchentlich gefühlte 40 Überstunden und hatte das Rauchen wieder angefangen.

Nachdem wir unsere Mäntel abgegeben hatten, drückte Helene ihren Busen unterm Bustier in Form und sah blitzend um sich.

„Also los. Schauen wir, was geboten wird.“

Es wurde wenig geboten.

„In der Einladung stand doch als Feten-Motto karibisch-heiß, oder?“, fragte ich mit zweifelndem Blick auf die Rentner-Band. „Diese drei Mainzelmännchen sehen eher aus wie die Wildecker Herzbuben mit Klon.“

„Übertreib nicht. Ich finde die Musik hat was.“

„Oh ja, für eingefleischte Bayern1-Hörer.“

„Du bist immer so negativ, Klara. Kein Wunder, dass die guten Typen da Abstand halten. Hör bitte auf zu nörgeln und amüsiere dich. Ist doch jede Menge los hier.“

Mit diesen Worten verschwand Leni in Richtung Toilette und kam nicht wieder.

Sie hatte ja Recht. Welcher Mann sprang schon auf hängende Mundwinkel an. Also bemühte ich mich, ihren Rat zu befolgen und blendend gelaunt zu wirken. Ziemlich anspruchsvolle Aufgabe. Das Fest war zwar gut besucht, aber die meisten Gäste lungerten lustlos an Stehtischen oder machten dem Buffet in affenartiger Geschwindigkeit den Garaus. Es war auch kein einziger süßer Typ in Sicht. Großer Fehler, dass ich die Beaus von der Warteschlange vertrieben hatte, vor allem den mit den Grübchen.

Ich stand etwas verloren herum und versuchte das karibisch heiße Flair aus locker verteilten Löwenbräu-Sonnenschirmen, Plastik-Papageien und Sandhäufchen aufzusaugen. Da es partout nicht funktionieren wollte, gesellte ich mich zu meinem ehemaligen Kollegen Frank, der ein paar Meter weiter ganz alleine an einem Stehtisch lehnte und sich über eine wilde Mischung aus Nudelgratin, Leberkäs, Thunfisch-Steaks und Maracuja-Mousse auf seinem Teller hermachte. Leider merkte ich zu spät, dass er bereits angetrunken war.

„Klara, meine Presse-Perle“, hickste er und stürzte den Rest seines Gin Tonic hinunter. „Du siehst phantastisch aus heute Abend.“

Er schien sich riesig zu freuen, mich zu sehen, und begann sofort, mir mampfend von seiner sagenhaften Karriere als freier Unternehmensberater zu erzählen. Die Story war von vorne bis hinten erlogen. Ich wusste nämlich zufällig von einer Kollegin, dass Fettwanst Frank null Aufträge hatte und deshalb wieder bei seiner Mama ins Kinderzimmer gezogen war. Flurfunk ist in meiner Branche das verlässlichste Medium. Da höre ich immer genau hin.

Trotzdem nickte ich beflissen, schließlich war positives Denken angesagt. Außerdem war ich froh, dass ich überhaupt einen Gesprächspartner gefunden hatte und zumindest für Außenstehende so wirkte, als würde ich mich gut amüsieren. Als sich Frank immer mehr in Fahrt log und seine feuchte Hand an meiner Hüfte parkte, wurde ich dann doch etwas nervös. Keine Rettung weit und breit. Dafür hatte die Trachten-Band das Genre gewechselt und spielte jetzt latein-amerikanische Rhythmen, so dass sich tatsächlich ein paar Leute auf die gähnend leere Tanzfläche wagten.

Um Franks Hand loszuwerden, wippte ich hektisch zur Musik. Seine Finger wippten mit. Zum Glück erspähte ich Helene, die mich von weitem auf die Tanzfläche winkte. Mein Fluchtweg tat sich auf.

„Du, Frank, die spielen gerade ein super Lied. Ich geh mal tanzen.“

„Ohlala, Salsa“, lallte er und lockerte seine Krawatte. „Ich tanz mit dir, okay?“

Keine Ahnung, warum ich manchmal Ja sage, wenn ich eigentlich Nur über meine Leiche!!! meine.

Ich habe schon unter vielen schlechten Tänzern gelitten, Frank aber stellte alle in den Schatten. Er war der leibhaftig gewordene Albtraum, unrhythmisch wie ein Nilpferd.

„Super, oder? So was hab ich seit Jahren nicht mehr getanzt!“

Ach, tatsächlich?

„Und Drehung, hoppla! Und noch mal. Läuft ja wie geschmiert.“

Ich darf anmerken, dass ich selber recht gut tanze. Was mir in diesem Fall aber nichts half, denn Frank ließ sich partout nicht führen. Wie ein defekter Brummkreisel rotierte er mit mir vor der Band auf und ab und schrie in regelmäßigen Abständen: „Hoppla, jetzt Dreeehung!“

Helene lachte sich schlapp. Ich musste diese Tanz-Farce schleunigst beenden, bevor mich zu viele Leute dabei beobachten konnten. Bei der folgenden Schrittkombination mit wüster Doppeldrehung hatte ich eigentlich vor, loszulassen und tänzelnd in der Menge unterzutauchen, doch Frank zerrte mich so heftig am Arm, dass ich umknickte und zu Boden ging. Dummerweise riss ich dabei einen Stehtisch mit in die Tiefe. Wutschnaubend rappelte ich mich auf – und hätte mich am liebsten gleich wieder hingelegt, um zügig zum Ausgang zu robben.

Vor mir, in knapp drei Metern Entfernung, stand der Typ, den ich am Eingang blamiert hatte.

Ich sah ihn, er sah mich. Muss ich extra erwähnen, dass er schadenfroh grinste? Neben ihm stand sein gut gebauter Kumpel. Auch er schmunzelte und beobachtete, wie ich mir den Inhalt eines Aschenbechers von der Jeans klopfte. Von Frank war nichts mehr zu sehen. Schade, ich hätte ihn gerne gefoltert. Wie ich später erfuhr, hatten sich seine fünf Gin Tonic schlecht mit den Salsa-Figuren vertragen, und er musste den Rest der Nacht über der Kloschüssel verbringen. Wenigstens das.

Während ich einen Zigarettenstummel aus meinen Haaren fischte, kam mir Helene endlich zu Hilfe. Sie hakte mich unter und schleppte mich zu einer Prosecco-Bar am anderen Ende des Festsaals.

„Spitzenmäßige Vorstellung!“ Sie hatte Mühe, sich zu beherrschen. „Ich hab mir fast in die Hosen gemacht. Wie du mit dem Dicken über den Tanzboden gestampft bist! Und dann dein Sturz ... bühnenreif!“

„Danke vielmals für die aufbauenden Worte“, murrte ich. Mit Helenes ausgeprägter Schadenfreude hatte ich schon öfter Bekanntschaft gemacht. „Der Kerl wollte mit mir tanzen, was hätte ich machen sollen?“

Nicht mit ihm tanzen. Wer war der Troll überhaupt? Eine neue Eroberung?“

„Kein Kommentar. Mir reicht‘s für heute, ich verschwinde. Am besten durch die Kanalisation. Hauptsache, ich begegne keinem mehr.“

„Meinst du wirklich? Na, ich bleib noch ein bisschen. Um zwölf will der Chris vorbeischauen. Oh, da vorne steht er ja schon …“ Und weg war sie.

Ich druckste noch verlegen auf meinem Barhocker herum und überlegte, wie ich die Party unauffällig verlassen könnte, als zwei Männer auf mich zusteuerten. Gott bewahre, schon wieder diese zwei vom Eingang! Außer mir standen nur drei Pärchen an der Theke. Die Chancen, mich in der Menge zu verstecken, waren denkbar schlecht.

Auch der Typ mit den großen Visitenkarten schien nicht erfreut, mir noch mal zu begegnen. Er griff sich schnell ein Glas von der Bar und zog wieder ab. Sein Begleiter mit dem Grübchen stellte sich dagegen neben mich, musterte mich aus den Augenwinkeln und fragte nach einer Zigarette.

Ich fummelte mit hochrotem Kopf in meiner Tasche, die klein, aber trotzdem sehr unübersichtlich ist. Blöderweise war die Kappe meines grünen Filzstifts, den ich für spontanen Handynummern-Austausch immer dabei habe, abgegangen. Als ich nach langem Suchen die zerdrückte Packung herauszog, hatte ich grüne Finger. Peinlich, aber da ich ihm die Zigaretten schlecht mit dem Mund reichen konnte, streckte ich ihm das Päckchen auf meiner grün gesprenkelten Hand entgegen.

„Eine gefährliche Hautkrankheit? Ich hoffe, das ist nicht ansteckend“, witzelte er und griff trotzdem zu.

In der Packung befand sich nur noch eine Zigarette, und die war in der Mitte durchgeknickt. War ja klar. Alles in meinem Leben hatte irgendwie eine Macke.

„Macht nichts, die Halbe hier reicht auch“, sagte er lächelnd.

Zögernd hob ich den Blick und schaute in babyblaue Augen. Ohh! Babyblau ist meine absolute Lieblingsfarbe. Da werde ich ganz schnell schwach. Bei Angorapullis, Möbelstücken und vor allem bei Männeraugen.

„Ich muss mit der Qualmerei sowieso aufhören. Ist ungesund und verpestet die Luft.“

Mmm! Und die Stimme war auch toll. Dunkel, kehlig, hocherotisch. Wahrscheinlich ein Kettenraucher. Aber wen stört so was?

Etwas verlegen fuhr er sich durch seine blonden Haarstoppel. Eigentlich hatte ich immer ein ausgeprägtes Faible für üppige Locken, aber sein Raspelkopf war entzückend.

Nur das Outfit war, sagen wir, gewöhnungsbedürftig.

Er trug einen eng sitzenden, grünen Anzug aus schillerndem Stoff mit hellbraunem Pelz am Kragen und an den Manschetten. Ich tippte auf Kaninchen. Pelz im Mai? Ungewöhnlich, aber wahrscheinlich fror er schnell. Auch das fand ich sehr süß. So menschlich.

Vielleicht war es doch eine gute Idee gewesen, auf dieses Fest zu gehen. Ein Hoch auf Lenis Hartnäckigkeit. Jetzt musste nur schnell ein richtig gutes Gesprächsthema her, etwas Charmant-Sympathisches mit viel Geist und Witz.

„Na, habt ihr zwei euch über den Hintereingang reingeschlichen“, hörte ich mich sagen und hätte mir gern selber eine runtergehauen. Mein absolut miesester Flirt-Einstieg seit Jahren. Ausgerechnet jetzt. Er sah mich schräg an.

„Äh, nein. Der Peter hat die Einladung doch noch gefunden. Sie lag im Auto. Ich weiß nicht, warum wir nicht auf der Liste standen.“

„Oh, ja klar, so was kann passieren. Ich meine, mir ist es auch schon passiert, dass ich nicht auf der Liste stand, obwohl ich eingeladen war. Und dann hängt man da so rum am Eingang. Und, ähm ...“

„Max! Dich trifft man ja wirklich auf jeder Fete!“

Während ich mir das Hirn zermarterte, wie ich dieses Gespräch noch charmant herumreißen konnte, hatte sich eine attraktive Dunkelhaarige zwischen mich und meinen neuen Bekannten gedrängt. Sie fiel ihm stürmisch um den Hals.

„Und wieder am Qualmen! An Silvester hast du noch geschworen, dass du damit aufhörst.“

Er drückte sofort die Zigarette aus und räusperte sich.

„Darf ich bekannt machen, das ist Susanne, und das ist ... wie heißt du eigentlich?“

„Klara“, sagte ich knapp und versuchte eine lässige Körperhaltung einzunehmen.

„Hübscher Name. Ich heiße Max.“

Susanne zog die gezupften Augenbrauen hoch und beschloss offensichtlich, mich nicht in den weiteren Verlauf des Abends einzubeziehen. Sie drehte mir demonstrativ den Rücken zu und hielt Max einen Monolog über Kehlkopfkrebs.

Zehn Minuten lang starrte ich auf ihren gelockten Hinterkopf und drehte mein Glas in der Hand. War ich Luft, oder was? Da schnorrte dieser Wicht in seinem albernen Pelzjäckchen meine letzte Zigarette und drückte mir ein Gespräch aufs Ohr, und kaum tauchte irgendeine Susanne auf, ließ er mich auf meinem Barhocker versauern. Unverschämtheit. Himmelschreiende Ungerechtigkeit. Warum war ich bloß so uninteressant für Männer, die ich selber so interessant fand?! Trug ich bereits das Schandmal Weit über Dreißig, solo und für alles dankbar auf der Stirn? Witterte man bereits einen Hauch von Verwesung? Geknickt beschloss ich, unverzüglich nach Hause zu gehen. Schließlich hatte ich meine Zeit nicht gestohlen. Als ich nach meiner Tasche griff und vom Hocker kletterte, unterbrach Max Susannes Redefluss.

„Gehst du schon, Klara?“

„Ja, ich muss ins Bett. Hab’ morgen ein wichtiges Meeting um neun.“

Top-Ausrede, morgen war Samstag, aber egal.

„Der Abend fängt doch erst an. Komm, trink wenigstens noch ein Glas.“

„Entschlossene Leute soll man nicht aufhalten“, ermunterte Susanne mich und reichte mir mein Feuerzeug, das noch auf dem Tresen lag. Sie wollte mich offensichtlich schnell loswerden. Max winkte aber dem Barkeeper und orderte Nachschub.

„Zwing sie doch nicht. Klara sieht schon total müde aus. Bei den Augenringen hat sie ihren Schlaf bitter nötig.“

Miststück. Wenn ich etwas hasse, dann Leute, die mich auf meine Augenringe ansprechen. Die habe ich von meiner Mutter geerbt und sind immer da, egal, ob ich zehn Stunden Tiefschlaf hinter mir habe oder eine durchsoffene Nacht. Die fiese Suse hatte es auf Max abgesehen, ganz klar. Verärgert beschloss ich, nun doch umzudisponieren und nicht mit hängenden Schultern heim zu schleichen, sondern mit vorgestreckter Brust am Tresen sitzen zu bleiben. Ich hatte Max schließlich zuerst entdeckt. Zumindest an diesem Abend.

„Okay, noch ein Glas. Wenn ich morgen nicht aus dem Bett komme, ist es deine Schuld, Max“, lächelte ich kokett.

Zweideutige Antwort, sehr gut, das finden Männer stimulierend. Susanne rang sich ein säuerliches Grinsen ab – und räumte tatsächlich nach einem kurzen „Man sieht sich, Süßer“ das Feld. Das Tête-à-tête mit Max gegen eine Dreierrunde mit mir einzutauschen, schien nicht nach ihrem Geschmack. Mit einem solch schnellen Abgang hatte ich nicht gerechnet.

Vielleicht war ich doch nicht ganz aus der Übung. Ich sah ihr befriedigt hinterher.

„Sehr sympathische Frau“, log ich. „Eine Kollegin von dir?“

„Ehemalige Kommilitonin und seitdem eine gute Freundin. Susanne ist super, nur ein bisschen streng“, lächelte Max. „Wenn sie mich mit einer Zigarette erwischt, hält sie mir regelmäßig Standpauken.“

Ich lächelte auch, dachte mir aber meinen Teil. Brauchte dieser Max ein Kindermädchen, oder was?

Doch der Rest der Party war grandios. Max erwies sich als lustig und sehr unterhaltsam. Ich mag Männer, für die ich nicht den Entertainer spielen muss, und Party-Smalltalk zählte ohnehin nie zu meinen Stärken. Aber Max wollte gar nicht smalltalken. Er stellte Fragen, die so klangen, als würde er sich tatsächlich für die Antworten interessieren, und erzählte auch einiges aus seinem Leben.

Erst vor Kurzem hatte er zusammen mit seinem Freund Peter eine Event-Agentur gegründet. Um den Laden in Schwung zu bringen, war er ständig auf Akquise. Er telefonierte sich die Finger wund und rannte sich die Hacken ab, mit bislang mäßigem Erfolg. Die Konkurrenz in München war groß und die Kundenbudgets für Veranstaltungen schrumpften. Trotzdem konnte es Max nicht schlecht gehen. Beiläufig erzählte er von seiner Dachterrassenwohnung mit Blick auf die Isar und seinem hellblauen Austin. Ein Oldtimer, an dem er gerne herumbastelte.

Max hatte ziemlich lange Kommunikationswissenschaften studiert und war dann für ein Jahr um die Welt gereist. Ich hing an seinen Lippen, als er mir von seinen Touren durch Lateinamerika und Asien berichtete. Globetrotter finde ich toll. Besonders wenn sie schöne blaue Augen und einen knackigen Hintern haben.

Ansonsten war Max ein ziemlich untypischer Mann. Er tanzte. Sogar sehr gut und ausdauernd. Ich war begeistert. Und er kochte. Das konnte ich vor Ort zwar nicht nachprüfen, aber seine detaillierte Schilderung, wie man eine Veilchen Crème brûlée professionell mit Bunsenbrenner zubereitet, beeindruckte mich schwer. Und er legte offenbar viel Wert auf pfiffige Kleidung. Auch diese Neigung war Neuland für mich. Mit meinen verflossenen Liebschaften hatte ich oft heftige Diskussionen über deren textile Vorlieben führen müssen. Und es kam regelmäßig vor, dass ich uralte Lodenjanker mit Mottenfraß, noch ältere Hosen aus weinrotem Breitcord oder filzige Pullis mit Rautenmuster in Nacht- und Nebelaktionen entsorgte.

Max war da anders. Er war ein Mann mit Stil, facettenreichen Interessen und blendenden Manieren. Und er genoss offensichtlich sein Leben in vollen Zügen. Das nennt man, glaube ich, Savoir Vivre.

Ich wollte auch Savoir Vivre.

Die Stunden flossen dahin. Ich spürte die neidischen Blicke der anderen Frauen, als ich mit Max übers Parkett schwebte, und fühlte mich großartig. Wir tanzten eng, wir nippten an unseren Cocktails und warfen uns intensive Blicke zu, wir lachten und berührten uns wie zufällig am Arm. Es war irre.

Als wir die Party um vier Uhr morgens verließen, war ich rauschhaft glücklich. Vier Uhr! Das muss man sich mal vorstellen. Ich bin ja eher der Typ, der um Mitternacht schon zum dritten Mal gähnt. Nicht in dieser Nacht. Ich war putzmunter, hätte Bäume ausreißen können. Ich hatte die besten Stunden meines Lebens verbracht, mit einem unglaublichen Mann, der nicht nur blendend aussah, intelligent und humorvoll war, sondern auch ganz fürchterlich süß. Auf einer dicken rosa Wolke schwebte ich aus dem Löwenbräukeller.

Kaum standen wir auf der Straße in der klammen Feuchtigkeit des anbrechenden Morgens, da war der Zauber irgendwie weg. Max rieb sich die Schultern und brummelte unzufrieden.

„Ist verdammt spät geworden. Man, ich muss in vier Stunden schon wieder im Büro sein, leider muss ich auch samstags ran. Mein Auto lass’ ich besser stehen. Nach den ganzen Drinks wär das keine gute Idee. Werd’ mal ein Taxi rufen.“

Er sprach gar nicht mit mir, sondern mit sich selber. Männer sind ja manchmal zerstreut, aber dass Max innerhalb von dreißig Sekunden vergaß, mit wem er die halbe Nacht verbracht hatte, irritierte mich.

„Tja, ich muss ja auch früh raus, wie du weißt.“

Betretene Stille. Ungute Situation. Ich musste irgendetwas tun, um ihn wieder in Stimmung zu bringen.

„Schön, ich werde dann mal den Heimweg antreten. Viel Glück bei der Taxi-Suche“, sagte ich stattdessen lahm und verwünschte meine Phantasielosigkeit.

„Okay, mach’s mal gut. Wir treffen uns bestimmt irgendwann wieder.“ Max zögerte.

Kam da vielleicht noch etwas? Es kam nichts. Wir hatten uns stundenlang unser Leben erzählt, unsere gemeinsamen Interessen und unsere Seelenverwandtschaft entdeckt. Und dann Mach’s mal gut!

Trotz meiner Enttäuschung wollte ich Max nicht einfach ziehen lassen. Er würde auf immer im Nirwana verschwinden. Ich würde ihn nie wieder treffen, denn ich treffe immer nur die Leute zufällig wieder, die ich absolut nicht treffen will.

Ich atmete durch, hatte ja eh nichts zu verlieren.

„Also, ich gebe dir mal meine Karte, für den Fall, dass du irgendwann Zeit hast, unser nettes Gespräch fortzusetzen.“ Wieder so ein Anti-Spruch!

„Alles klar, man weiß ja nie.“ Max steckte mein Kärtchen ein und zog dann seine eigene Visitenkarte aus der Jackentasche. Ich erstarrte kurz. Noch so ein Riesenteil! Ach so, Peter und er arbeiteten ja in derselben Firma.

„Falls du jemanden kennst, der eine hochkreative, noch bezahlbare Event-Agentur sucht, kannst du den Kontakt gerne weitergeben.“

Na großartig. Wahrscheinlich war ich für den Herrn nur ein Akquisegespräch für potenzielle Neukunden gewesen. Und dafür hatte ich mir die Nacht um die Ohren geschlagen!

„Wird gemacht“, lächelte ich zitronig und reichte ihm die Fingerspitzen.

Max drückte mir einen Kuss auf die Wange – für Akquise schien er zu allem bereit – und winkte dann hektisch einem vorbeifahrenden Taxi. Ich drehte mich um und ging in den grauen Morgen.

3

Übellaunig und unausgeschlafen brachte ich den nächsten Tag hinter mich. Eigentlich wollte ich Leni nicht anrufen. Ihre Sprüche brauchte ich jetzt eigentlich nicht. Tat es aber doch, als ich abends nach drei Gläsern Rotwein vor einer Dallas-Wiederholung immer griesgrämiger wurde. Sie blieb zunächst neutral.

„Was soll’s. Du hattest einen netten Abend. Keine Ahnung, was den Typen geritten hat. Wahrscheinlich hat er seine Tage. Der meldet sich schon wieder.“

„Vielleicht aber auch nicht. Und das wäre schrecklich. Weißt du, der Max ist was ganz Besonderes. So einen Mann lerne ich nie wieder kennen.“

„Du kennst ihn doch noch gar nicht. Und außerdem: Ein Koch-Freak, der total nett ist und die ganze Nacht durchtanzt? Ich bitte dich Klara, da ist doch irgendwas im Busch. Trägt er einen Ohrring?“

„Nein, aber früher trug er mal einen. Er hat da noch ein kleines Loch im Ohrläppchen.“

„Rechts oder links?“

Ich konnte mich nicht erinnern.

Als ich ihr dann noch von Max’ Vorliebe für grüne Satin-Anzüge mit Karnickelfellbesatz erzählte, war Helene von ihrer fixen Idee nicht mehr abzubringen:

„Er steht auf Kaninchenpelz? Na bravo, Klara. Ich fürchte, da hast du dir einen vom anderen Ufer an Land gezogen.“

Geschlagene zwölf Tage später – ich hatte die Hoffnung eigentlich aufgegeben – rief Max mich tatsächlich im Büro an und wollte sich zum Abendessen verabreden. Ich war so verdattert, dass ich meinen gut vorbereiteten Text vergaß und begeistert zusagte. Eine Zusage, die ich später so manches Mal verwünschte.

Meine Vorbereitungen für das Dinner mit Super-Max waren aufwändig, die To-Do-Liste lang. Ich nahm mir extra den Freitag frei, um zum Friseur, zur Kosmetikerin und ins Sonnenstudio zu gehen. Letzteres hatte mir Leni dringend empfohlen, weil ich so käsig daherkam. Und als der große Tag, ein Samstag – auch dazu hatte mir Helene wegen möglicher Nacht-Aktivitäten dringend geraten – dann da war, fühlte ich mich schon beim Aufwachen sehr attraktiv.

Um zeitlichen Engpässen vorzubeugen, begann ich meine Abendtoilette schon um vier Uhr nachmittags. Wir waren für acht verabredet. Im „Yum“, einem recht angesagten und dabei kuscheligen Thailänder. Auch diesen Tipp hatte ich von Leni.

„Bestell auf jeden Fall den ‚Salat von grünen Mangos‘. Das hat Stil und wirkt nicht so verfressen“, hatte sie mir eingebläut.

Eigentlich ist mir ein deftiger roter Thai-Curry viel lieber, aber Leni weiß besser, was Frauen auf dem Teller haben sollten.

Um sieben Uhr war ich geduscht und eingecremt. Mein blondes Haar mit den neuen Strähnchen saß perfekt, die Augenbrauen waren gezupft, Finger- und Fußnägel frisch lackiert, die Beine epiliert, Achseln und Bikinizone 1A enthaart. Mit dem Make-up hatte ich mir besondere Mühe gegeben und auf Anraten der Kosmetikerin dunkelgrünen Lidstrich zu sandbeigem Lidschatten aufgetragen. Dazu Lipgloss und rosenholzfarbenen Lipliner, um meine schmale Oberlippe stärker zu betonen. Ich hatte ein Heidengeld für die neuen Produkte ausgegeben. Aber für einen Mann wie Max musste man eben den einen oder anderen Euro springen lassen.

Der schätzungsweise dreißigste Blick in den Vergrößerungsspiegel bestätigte mir, dass ich gut aussah. Um Längen besser als auf der Karibischen Nacht. Auch die neuen Jeans und Helenes sündiges Oberteil aus durchbrochener Spitze waren ein Glücksgriff. Max würde Augen machen.

Um zwanzig nach sieben, ich brütete gerade über meinem Thai-Reiseführer, um auch mit fundierten Landeskenntnissen zu punkten, klingelte das Telefon.

Max sagte ab.

Er hatte, ganz spontan, einen Kundentermin reinbekommen.

„Nimm’s mir nicht übel, aber das könnte wirklich wichtig sein. Ich hab dir ja erzählt, dass es mit der Agentur noch nicht so gut läuft. Wir müssen unser Essen leider verschieben. Warte mal ...“

Ich hörte Papier rascheln.

„Also, nächste Woche Donnerstag könnte passen. Nein, doch nicht. Hmm, die Woche drauf ... auch schlecht. Weißt du was, wir machen das einfach spontan, oder?“

„Geht klar.“ Ich schluckte trocken.

„Du bist jetzt aber nicht böse, Klara?“

„Nö, kein Problem. Ich erwarte sowieso einen wichtigen Anruf. Passt mir sogar sehr gut, dass wir den Mangosalat vertagen.“

„Dann ist ja alles bestens. Wir telefonieren, okay? Tschüüss.“

Ich legte das Telefon mit spitzen Fingern auf die Couch, setzte mich daneben und heulte. Eine Stunde später waren mein Make-up und die Frisur völlig zerstört, meine eierschalenfarbenen Sofakissen von zerflossener Schminke grün-schwarz gestreift und ich war immer noch außer mir. Total enttäuscht. Dieser Max hatte mir eine knallharte Abfuhr erteilt. Dabei hatte ich mich so unendlich auf unser Wiedersehen gefreut. Und sogar das dicke Praxishandbuch Event Management in zwei Nächten durchgeackert, um intelligente Fragen zu seinem Job stellen zu können. Von wegen spontaner Termin. An einem Samstag?! Bestimmt hatte er kurzfristig eine attraktivere Abend-Alternative – ob Männlein oder Weiblein tat jetzt nichts mehr zur Sache – als mich an Land gezogen. Ich war todunglücklich – und dann stinksauer. Warte nur Bursche, wer mich so abserviert, bereut es bitter.

Die Adresse seiner blöden Agentur hatte ich ja. War kaum zwanzig Minuten von meiner Wohnung entfernt. Ich konnte jetzt gleich hinfahren und irgendetwas Schlimmes tun. Zum Beispiel Hundekot sammeln und in den Agenturbriefkasten stopfen oder den Fußabstreifer mit Buttersäure tränken. Alles ziemlich kindisch, außerdem hatte ich keine Buttersäure zur Hand. Ich war aber voller Tatendrang und beschloss, in die Müllerstraße zu fahren, um zunächst das Terrain zu sondieren. Ich saß schon im Auto, als mich Helene anrief.

„Wie läuft’s mit Superman? Hast du an die grüne Mango gedacht?“

Ich verlor wieder die Fassung, schaffte es aber, die Ereignisse schluchzend zusammenzufassen und weihte Leni in meinen Racheplan ein.

Sie lachte. „Spitzen Idee, damit machst du dich garantiert zum Affen. Vielleicht triffst du ihn sogar, wenn du vor seinem Büro Hundekacke zusammenkratzt.“

„Das verstehst du nicht. Seit einer Woche bereite ich mich auf diesen Abend vor. Ich habe viel Zeit, Geld, Schweiß und Tränen investiert!“

„Tränen?“

„Meinst du, die Heißwachs-Enthaarung meiner Bikinizone war lustig!“

„Schon klar. Es ist aber gar nicht gesagt, dass er dich angelogen hat. Vielleicht stimmt das mit dem Kunden, und der arme Junge schuftet Tag und Nacht, um seinen mickrigen Laden über Wasser zu halten.“

Ich schnaubte. „Glaubst du ja selber nicht.“

„Doch. In Deutschland herrschen harte Zeiten. Jungunternehmer müssen da auch nachts mal ran. Vielleicht ist es ja eine Kundin, die sich von seinen Full-Service-Qualitäten überzeugen will.“

„Danke für deinen Rat. Ich fahr jetzt los.“ Manchmal war Helene unausstehlich. „Ich kann mich auch gleich in die Isar stürzen, ist eh alles Scheiße.“

„Warte. Nichts übereilen. Du verschwendest immer viel zu viel Energie an deine Kerle.“

„Stimmt doch gar nicht!“

„Wie war’s denn bei Tobias? Da konntest du dich wochenlang nicht zwischen Mord und Selbstmord entscheiden. Und wofür das Ganze?“

Leni war nicht ganz im Unrecht. Ich habe einen gewissen Hang zur Dramatisierung, wenn es um Männer geht. Dafür kann ich aber nichts, liegt bei uns in der Familie.

Einer der schlimmeren Fälle war die Zeit, als Tobi mich verlassen hatte. Das war vor etwa zwei Jahren. Er war mein fünfter und bislang letzter fester Freund. Zwischendurch gab es zwar ein paar Kurz-Affären, die ich aber unter Ausrutscher verbuche. Eigentlich war ich nie übermäßig in Tobias verliebt. Es war schon am Anfang unserer 13-monatigen Beziehung klar, dass es nichts für die Ewigkeit ist. Aber ich hatte mich an ihn gewöhnt, und der Sex war fabelhaft. Als sich Tobias eines Tages ohne Vorwarnung vom Acker machte, war ich sprachlos, im Innersten aber ziemlich sicher, dass er binnen 48 Stunden zurückkommen würde. Da dies nicht der Fall war, stellte ich Nachforschungen an und erfuhr bald, dass der Hurensohn schon eine Neue hatte. Man muss sich das mal vorstellen. Unser Liebeslager war noch warm und Tobias tollte schon durch fremde Betten!

Ich fiel augenblicklich in ein schwarzes Loch und blieb darin. An sich nichts Ungewöhnliches, verlassene Menschen haben oft den Drang, zurückgezogen vor sich hin zu leiden. Mein Zustand sprengte aber alle Grenzen. Nachdem ich zwei Wochen ununterbrochen geweint hatte und den Salzverlust auch mit isotonischen Getränken kaum mehr ausgleichen konnte, begann ich meine Trauerarbeit. Tränenumflort suchte ich die Wohnung nach Gegenständen ab, die entweder Tobias gehörten oder mich an die gemeinsame Zeit mit ihm erinnerten.

Bald sah es aus, als würde ich meinen Umzug vorbereiten. Denn nachdem ich Tobis Kulturbeutel, seinen Kontaktlinsenreiniger, ein paar T-Shirts, Socken und Unterhosen in einen Karton gepackt hatte, suchte ich akribisch weiter. Teller, von denen er gegessen, Gläser, aus denen er getrunken, Bildbände, in denen er geblättert hatte, wanderten ebenso in die Trauer-Kisten wie meine Zimmerpflanzen (er hatte sie nie gegossen) und meine Kunstdrucke (er hatte sie nicht gemocht). Als ich auch noch meine Couchkissen, drei Vasen, den Zeitungsständer und den Sonnenschirm aussortierte, weil wir diese Gegenstände zusammen gekauft hatten, gingen mir die Kartons aus. Schluchzend besprengte ich alles mit dem Rest seines Rasierwassers und schleppte die Ware vier Stockwerke nach unten zu den Mülltonnen. Im Treppenhaus musste ich mehrere Male anhalten, weil die Kisten völlig überladen waren und ich immer wieder von Weinkrämpfen geschüttelt wurde.

Während ich den Tonnendeckel nach der letzten Fuhre zuklappte, heulte ich wie auf einer Beerdigung. Wieder in meiner Wohnung angekommen, sah ich den Anrufbeantworter blinken. Tobias hatte eine Nachricht hinterlassen! Die erste, seit seinem Abgang.

Ich schluchzte auf. Diesmal vor Empörung.

Da hatte ich zwei Wochen vergeblich neben dem Telefon gekniet und dann ruft er genau in den fünfzehn Minuten an, in denen ich seine Hinterlassenschaft entsorge.

Die Message war zweideutig: „Ich bin’s, der Tobi. Es tut mir wirklich leid, dass ich mich nicht früher gemeldet habe. War total durcheinander. Wir müssen unbedingt reden. Bitte ruf zurück.“

Das konnte jetzt alles heißen. Vielleicht hatte er ein schlechtes Gewissen und wollte die Absolution einstreichen. Wäre möglich. Vielleicht war seine Neue aber doch eine Niete, und er hoffte auf die zweite Chance. Wäre auch möglich.

Obwohl ich von zweiten Chancen wenig hielt, schien mir diese Option wie ein Rettungsanker. Alles würde wieder gut werden. Ich würde mein zukünftiges Leben damit verbringen, meinen Tobi glücklich zu machen.

Natürlich musste ich zuerst den Inhalt der Trauer-Kisten bergen und die Sachen an ihre alten Plätze zurückstellen. Tobias würde es sonst komisch finden, dass ich ihn so radikal entsorgt hatte. Im Laufschritt eilte ich die vier Stockwerke erneut hinunter und galoppierte zu den Tonnen.

Leider hatten in der Zwischenzeit andere Mieter ihren Hausmüll über die heiligen Stücke gekippt. Ich musste einen Brechreiz unterdrücken, als ich Tobis Kulturbeutel unter Ravioli in Tomatensoße und abgelaufenem Fleischsalat hervorklaubte. Bis auf die Kissen, die ihren Aufenthalt in der Tonne nur mangelhaft überstanden hatten, rettete ich alle Objekte und stopfte sie in Ikea-Tüten. Die Kartons hatte ich in meiner Entsorgungswut nämlich gleich mit vernichtet. Ungünstigerweise kamen Herr und Frau Kunz, die Nachbarn aus dem dritten Stock, vorbei, als ich meine Tüten verschnürte. Sie grüßten zurückhaltend, warfen befremdete Blicke auf meine Beute und sahen sich vielsagend an. Wunderbar, jetzt würden bald Gerüchte kursieren, dass ich aus Tonnen lebte.

Die nächsten zwei Stunden war ich damit beschäftigt, die Sachen mit Desinfektions-Spray und Seifenlauge zu bearbeiten. Ich musste mich beeilen, bevor sich Tobias die Sache noch mal überlegte. Bei Einbruch der Dunkelheit hatte ich alles erledigt und griff beherzt zum Telefon, um meinen Vielleicht-doch-nicht-Ex anzurufen. Tobias wollte sofort zu mir kommen, sehr gut.

Als wir in meiner Küche auf der Eckbank saßen, war alles wie früher, herrlich. Ich hätte mich am liebsten gleich in seine Arme geworfen, hielt mich aber zurück. Ein bisschen sollte er schon schmoren. Tobi erzählte wie sein langweiliger Tag in seiner öden Rückversicherungs-Firma gelaufen war. Dann kam er leider zum Wesentlichen: Uns.

Um es kurz zu machen: Tobias hatte nicht die geringste Absicht, zu mir zurückzukommen. Im Gegenteil. Die Neue war in seinen Augen auch die Richtige, mit der er sein zukünftiges Leben zu teilen gedachte. Alles schon geplant. In schillernden Farben schilderte er mir die Vorzüge von Petra, die „total anders“ war als ich, und schien nicht zu bemerken, dass ich auf der Küchenbank fast zusammenbrach. Der Grund für dieses Abschlussgespräch – ich hätte meiner ersten Eingebung folgen sollen – war der Wunsch nach Verständnis und Vergebung. Außerdem sei es doch albern, wenn wir bei einer zufälligen Begegnung die Straßenseite wechseln würden, meinte er verschmitzt. Auch übler Nachrede hoffte er, mit unserem „freundschaftlichen Gespräch“ vorzubeugen.

„Wir haben es versucht und frühzeitig eingesehen, dass wir nicht zusammenpassen“, dozierte er altklug.  „Das passiert ja vielen Paaren. Aber ich fände es wirklich schön, Klara, wenn wir Freunde bleiben. Spaß hatten wir ja immer miteinander.“

Spaß? Am liebsten hätte ich ihm die Espressomaschine über den Schädel gezogen, war aber leider bewegungsunfähig. Für diesen windigen Versicherungsvertreter hatte ich in Abfällen gewühlt und literweise Tränen vergeudet. Ich wäre fast vertrocknet. Und er, er richtete zwischenzeitlich schon das Kinderzimmer mit dieser Schnepfe ein.

Wortlos stand ich auf und öffnete die Wohnungstür. Tobias, der Trampel, schien endlich zu begreifen, dass mir seine Eröffnung nicht gefallen hatte. Er trat von einem Fuß auf den anderen, nahm seine Jacke und wollte mir einen lahmen Abschiedskuss aufdrücken.

„Pfoten weg und verschwinde. Und wage es nicht, je wieder einen Ort zu betreten, an dem ich mich, auch nur rein theoretisch, aufhalten könnte. Das Ausland mit eingeschlossen. Wenn du mich siehst, geh in Deckung, bevor ich dich sehe, sonst passiert was!“

Meine Stimme schien wirklich bedrohlich geklungen zu haben, denn Tobias machte sich sehr schnell aus dem Staub.

„Und noch eins“, schrie ich ihm durchs Treppenhaus nach. „Meine Orgasmen habe ich vorgetäuscht. Jeden einzelnen in all den öden Monaten, die ich mit dir verplempert habe.“

Es ist ziemlich billig, einem Ex-Freund solche Sachen zu sagen, vor allem, wenn sie gar nicht stimmen. Aber es tat mir gut. Ich fühlte mich wie nach einem kräftigen Bäuerchen, wenn ich zu viel Schweinebraten verdrückt habe. Im Stockwerk unter mir wurde leise eine Tür geschlossen. Das Ehepaar Kunz war an diesem Wochenende wieder voll auf seine Kosten gekommen.

4

Pfingstsonntag, kurz vor Mitternacht. Ich saß im Nachthemd mit Stricksocken und Erdnüssen auf meiner Couch und hatte mir eine uralte Videokassette mit einer Aufzeichnung von Dallas eingeschoben. Dallas ist übrigens der einzige Grund, warum ich meinen altersschwachen, potthässlichen Videorekorder noch aufhebe. Es ist mir schlicht zu peinlich, in einen Laden zu gehen und mir die DVD-Staffeln zu kaufen, weil ich nie zugeben würde, dass ich mir diesen Schund freiwillig reinziehe. Auch eine Onlinebestellung kommt nicht in Frage – wer weiß schon, wer da so alles die Daten sammelt. Ich kann gar nicht sagen warum, aber ich liebe Dallas, seit immer schon. Damals war Gary Ewing, der verstoßene und total ungerecht behandelte Sohn der Ölbaron-Familie, mein absoluter Liebling gewesen. Seit etwa zwei Jahren hatten sich meine Prioritäten verschoben und ich litt leidenschaftlich mit der trunksüchtigen Sue Ellen mit. Die musste über Jahre ihren stinkreichen, aber bekloppten Ehemann ertragen und kam aus der Nummer einfach nicht raus. Kein Wunder, dass sie soff wie ein Loch. Erst als J.R. Ewing abgeknallt wurde, konnte sie durchatmen.

Das bestätigt mich übrigens in meiner Annahme, dass Frauen auch ohne Männer glücklich werden und jede Menge Spaß haben können. Auch wenn sie schon älter sind.

Wahrscheinlich vor allem dann. Es gibt ja nichts Schlimmeres, als ein ergrautes Männlein neben sich zu haben, das, bar jeder sinnvollen Aufgabe, 24 Stunden am Tag nervt und ständig beschäftigt werden will. Ab einem gewissen Alter dünsten Männer auch häufig einen unangenehmen Geruch aus. Sagt jedenfalls Leni. Sie nennt das den Altmännermief. Nicht jeder, aber es gibt da wohl zahlreiche Kandidaten.

Helene hatte eine Zeit lang ein Faible für den väterlichen Typus mit stark ergrauten Schläfen. Deshalb kennt sie sich gut aus. Schreckliche Vorstellung, seinen hart verdienten Lebensabend mit einem Kerl verbringen zu müssen, der nicht nur alt aussieht, sondern auch so riecht. Nein, nein, da war es viel besser, seine Zeit alleine nach eigenem Gusto zu gestalten. Ich brauchte bestimmt keinen Mann, der mir das Leben jahrelang zur Hölle machte und dann auch noch die Bude verpestete. Max wäre da sicher keine Ausnahme. Alleine ist man unabhängig, kann diskussionslos bestimmen, welches Fernsehprogramm läuft, was auf den Teller kommt, wohin der Urlaub geht, äh, was am Wochenende unternommen wird. Und da gibt es sicherlich noch jede Menge Argumente mehr. Jedenfalls war es herrlich, völlig entspannt alleine vor dem Fernseher zu lümmeln. Ganz herrlich.

Was Max wohl so trieb? War jetzt genau elf Tage her, dass er unser Abendessen gecancelt hatte. In Richtung Hundekot und Buttersäure hatte ich natürlich nichts unternommen, war aber zu seiner Agentur gefahren und hatte mich dort einen Vormittag lang auf die Lauer gelegt. Ergebnis gleich Null. Außer einem alten, hellblauen Austin, der vor dem Eingang stand und vermutlich ihm gehörte, war von Max nichts zu sehen. Vielleicht war er ja krank. Und meldete sich deshalb nicht. Schwere Grippe mit Stimmbanderkältung konnte eine Erklärung sein. Vielleicht sollte ich ihn mal anrufen. Spricht ja nichts dagegen, dass Frauen auch mal die Initiative ergreifen. Außerdem musste ich sowieso ständig an Max denken.

Ich beschloss, eine SMS zu schicken. Wegen vermutlicher Stimmbanderkältung. Außerdem war das unverfänglicher.

 

hi max, alles klar bei dir?
bei yum gibt’s ab morgen happy hour.
grüne mango zum halben preis. lg klara

 

Das stimmte zwar nicht, kam aber ganz cool rüber, fand ich. Zehn Minuten später piepste mein Handy. Antwort von Max. Unglaublich.

 

Schön, dass du dich meldest!
Dann morgen im Yum, 20:30
Ich reserviere & freu mich sehr! Max

 

Morgen? Oh Gott! Warum plötzlich so spontan? Da blieben mir kaum 19 Stunden, um den Event-Schinken nebst Thai-Guide nochmals querzulesen und mein Styling zu überarbeiten.

Am folgenden Abend betrat ich das Thai-Lokal um Punkt 20:50 Uhr. Ich hatte das akademische Viertelstündchen bewusst überzogen, um deutlich zu machen, dass ich eine vielbeschäftigte Frau und alles andere als gierig auf dieses Essen war. Dafür hatte ich aber 20 Minuten im geparkten Auto gesessen, hatte Atemübungen gemacht und den Sekundenzeiger auf meiner Armbanduhr hypnotisch fixiert.

Max glänzte leider durch Abwesenheit. Aber der Tisch war reserviert. Immerhin.

Ich setzte mich, bestellte ein Bier und studierte die Speisekarte. Eigentlich unnötig, da sowieso nur Mango erlaubt war. Nach einer halben Ewigkeit, ich konnte die Suppen und Vorspeisen inzwischen auswendig aufsagen, erschien Max.

„Sorry, sorry für die Verspätung. Bin im Büro aufgehalten worden. Kunden können so was von nervig sein. Tausend Änderungen im Veranstaltungsplan, und dann wollen sie noch rosa Servietten statt blaue.“

Er ließ sich auf den Stuhl zu meiner Rechten fallen und küsste mich auf beide Wangen. Eigentlich wollte ich sauer sein. Warten ist für mich die Hölle. Kurzerhand beschloss ich aber, milde zu lächeln. Entspannte Frauen stehen bei Männern ganz hoch im Kurs. Außerdem hatte ich beinahe feuchte Augen vor Freude und grenzenloser Erleichterung, dass Max überhaupt erschienen war. Und er sah wieder großartig aus. Jeans und blütenweißes Hemd, frisch gebügelt.

Mit Kennerblick studierte er die Weinkarte und wählte einen 2002er Napa Valley Fumé Blanc, weil der hervorragend zu asiatischen Gerichten passte. Nicht billig, das Fläschchen.

Obwohl an meinem Salat von grüner Mango mit Sojadressing wirklich nicht viel dran war, schaffte ich kaum die Hälfte davon. Max war nämlich noch viel süßer als auf der Karibischen Nacht. Es machte einfach einen Riesenspaß, sich mit ihm zu unterhalten. Und die Tatsache, dass an seiner Kleidung kein einziges Stück Pelz auszumachen und das Loch für ehemals getragene Ohrringe ganz klar links war, beflügelte mich. Soviel zu Lenis Theorie der homosexuellen Zeichensprache Links ist cool, rechts ist schwul. Ich hatte hier ein absolut männliches Prachtstück neben mir sitzen.

Um halb eins, wir waren inzwischen die letzten Gäste, legte uns der Thaiboy demonstrativ die Rechnung auf den Tisch und sang:

„Tu mia lei, wia sließe.“

Max übernahm die Rechnung und gab ein großzügiges Trinkgeld. Gefiel mir. Überhaupt gefiel mir alles an ihm. Mein Herz klopfte, als wir das Lokal verließen. Ich war sehr gespannt, wohin er mich jetzt entführen würde. Vielleicht in eine intime Bar mit gedämpfter Beleuchtung? Und dann? Nun ja, diese Nacht schrie buchstäblich danach, sie auf einer Dachterrasse mit Isar-Blick wildromantisch ausklingen zu lassen.

„Wo hast du geparkt?“, fragte er vor der Tür.

„Da rechts lang. Nur drei Minuten von hier.“

„Na, dann begleite ich dich noch zum Auto. Auf dem Weg liegt übrigens ein sagenhafter Second-Hand-Laden. Muss ich dir unbedingt zeigen.“

Ich war etwas irritiert. Aber wahrscheinlich wollte Max den klassischen Weg gehen. Zum Auto bringen, dann Abschiedsküsschen auf die Wange, bisschen Geplänkel, wieder Abschiedsküsschen, diesmal am Mundwinkel, und so weiter. Kennt man ja zur Genüge.

Max legte mir den Arm um die Schulter und schritt zügig die Straße entlang. Vor einer kleinen Boutique bremste er ab.

„Schau dir dieses Teil an. Der Wahnsinn, oder?“

Ich blickte in das Schaufenster, das im Stil der Siebziger Jahre dekoriert war. Lauter schräge Klamotten.

„Welches Teil meinst du?“

„Na, den Mantel natürlich. Um den schleiche ich schon seit zwei Wochen herum. Ist der zu extravagant, oder nicht?“

Der Mantel war bodenlang, stark tailliert und üppig mit Waschbärfell besetzt. Am Kragen war der Pelz kobaltblau eingefärbt. Meine Irritation wuchs.

„Ich muss mich ja nicht heute entscheiden. Und der Preis ist schon saftig. 550 Euro. Wahnsinn, oder?“

Ich nickte stumm und legte die letzten Meter bis zu meinem Auto schweigend zurück.

Die Abschiedszeremonie fiel auch wesentlich spärlicher aus, als ich gehofft hatte. Küsschen links, Küsschen rechts, intensiver Blick aus babyblauen Augen und tschüss.

Totale Irritation. Passte das zusammen? Konnte sich ein Mann, der wegen eines Waschbär-Mantels schlaflose Nächte verbrachte, für Frauen interessieren? Hatte die superschlaue Helene etwa doch wieder recht gehabt?

Nein, das konnte und durfte nicht sein. Ich hatte nämlich seit etwa drei Stunden ein neues Problem.

Ich war total verliebt.

Am nächsten Morgen wachte ich schweißgebadet auf. Grauenvolle Nacht, grauenvolles Erwachen. Wüste Albträume hatten meinen Schlaf heimgesucht. An den Inhalt konnte ich mich nicht genau erinnern. Aber der Traum endete damit, dass ich als uralte Ordensschwester mit schrumpeliger Haut in irgendeinem Kloster lebte und Waschbären züchtete. Blaue Waschbären.

Verwirrt und geschwächt klaubte ich mein Mobiltelefon aus der Handtasche, um unverzüglich Helene anzurufen. Sollte sie sich ruhig über meine schlechte Männerkenntnis auslassen. Ich hatte dringenden Gesprächsbedarf. War eh alles Scheiße. Der kleine Briefumschlag auf dem Display blinkte. Wer simste mir so früh am Tage? Es war Max. Unfassbar.

 

Guten Morgen Klara,
der Abend war wunderschön.
Müssen wir ganz schnell wiederholen!
Wann hast du Zeit?
xxx Max

 

Ich telefonierte nur sehr kurz mit Helene. Sie war in Finnland und die Verbindung war ziemlich schlecht. Außerdem wollte ich mir diesen herrlichen, in goldenes Licht getauchten Morgen von ihren albernen Vermutungen nicht verderben lassen.

Dann verabredete ich mich mit Max. Für den kommenden Freitag. Zum verheißungsvollen Aperitif auf seiner Dachterrasse.

Mit frisch lackierten Nägeln, einer Flasche Merlot unterm Arm und einer Million Ameisen im Bauch klingelte ich um acht an seiner Tür. Max hatte den Tisch auf der Terrasse gedeckt. Mit weißen Kerzen, weißen Stoffservietten und weißen Rosen. Toll. Er selbst trug passend dazu ein weißes Hemd mit Siebziger-Jahre-Kragen. Ganz toll. Ich fühlte mich wie in der Raffaello-Werbung. Zum Aperitif reichte er Sekt mit Holunderblütensaft. In meinem Glas schwammen drei kleine weiße Blüten. Ein Gesamtkunstwerk. Soviel Aufwand, nur für mich. Ich war selig.

„Ich dachte, wir lassen das mit dem Restaurant und essen hier. Der Abend ist herrlich, total lau. Zum Götterzeugen.“

Oh ja, auf Götterzeugen hatte ich große Lust.

Mit seiner Dachterrasse hatte er nicht übertrieben. Fünfter Stock, uneinsehbar, mit Blick auf die Isar und die grüne Au. Nur die Bepflanzung ließ zu wünschen übrig. Bis auf ein paar Terrakotta-Kübel mit winterfestem Bambus gab es hier wenig Flora. Da musste eben eine weibliche Hand her. Im Geiste sah ich mich bereits in der Bayerischen Blumenzentrale, in der es Großhandelspreise gibt, beim Aussuchen von Zitronen- und Mandarinenbäumchen, weißem Flieder, Margeriten und Kletterrosen. Für den Winter würde sich dann Efeu anbieten. Und natürlich Küchenkräuter in niedlichen, kleinen, beschrifteten Töpfchen. Die würde ich entlang der Balustrade aufstellen, damit sie nicht zu viel Sonne abbekamen. Platz dafür hatten wir schließlich genug …

Zum Dinner reichte Max zunächst einen Romana-Blüten-Salat, gefolgt von Französischem Liebeszauber, bestehend aus Ziegenfrischkäse, Kirschtomaten und Pinienkernen. Ich kannte die Rezepte bereits. Schließlich hatte ich das Erotic Food – Liebe geht durch den Magen selber im Bücherregal stehen. Die Gelegenheit, seine sündigen Gegrillten Feigen zu testen, entging mir aber, denn wir landeten schon vor dem Dessert in seinem Bett.

Und auch unsere erste Nacht war ein Gesamtkunstwerk. Nichts fehlte. Vorsichtiges Herantasten, neugieriges Weiterforschen und schließlich ekstatische Leidenschaft. Wahnsinn. Ich habe ja schon ein paar begabte Lover erleben dürfen, aber Max war eine echte Kanone. Und ganz nebenbei wurde in dieser Nacht auch Lenis Visitenkarten-Theorie widerlegt.

Während der folgenden Wochen war ich permanent auf Wolke sieben. Max und ich sahen uns oft – und mein Prinz hatte viele kreative Ideen für die Freizeitgestaltung parat. Mal fuhren wir in seinem Oldtimer aufs Land und pflückten Blumen, mal organisierte er ein Prosecco-Brunch an der Isar und einmal überraschte er mich sogar mit einem Wellness-Wochenende in Südtirol. Auch ich legte mich ins Zeug und erfreute Max regelmäßig mit kleinen und größeren Liebesbeweisen: Ich meldete mich zu einem schweißtreibenden Kochkurs an, um Max ab und zu am Herd abzulösen und dann Raffinierteres als Schinkennudeln servieren zu können. Ich kaufte Karten für die Bundesliga und hielt zwei Halbzeiten plus Nachspielzeit ohne Gähnen und Zwischenfragen durch. Und ich assistierte Max einen glühendheißen Junisonntag lang bei der Motorüberholung seines alten Austins, indem ich ihm wie eine OP-Schwester Werkzeug, Ersatzteile und ölige Lappen reichte.

Ansonsten verbrachten wir sehr viel Zeit in seinem Bett. Selbst im Büro hatte ich ständig ein irres Grinsen im Gesicht. Ich war 24 Stunden am Tag glücklich.

Helene beobachtete meinen Zustand aus der Ferne. Sie verbrachte mit Jussi fünf Wochen in einem Kaff bei Helsinki, um dort das Haus, das er von seinem Onkel geerbt hatte, nach ihrem exklusiven Geschmack renovieren zu lassen. Wenn sie schon genötigt wurde, Weihnachten und Ostern regelmäßig in Depri-Country abzusitzen, wo es außer Saunen und Saufen nichts zu tun gab, wollte sie das zumindest stilvoll tun. Bei Leni bedeutete dies: Abriss bis auf die Grundmauern und Neuaufbau. Ich denke, selbst Jussi wird den Kredit nie abzahlen können.

Wir hielten uns telefonisch auf dem Laufenden. Helene rief mich ab und zu von Jussis Handy aus an. Mittlerweile war sie beinahe neidisch auf mich – und ich tat mein Bestes, dieses Gefühl bei ihr aufrecht zu erhalten.

„Wie bitte, er entkernt freiwillig Litschis für dich? Jussi würde mir nicht mal eine Mandarine schälen. Auch nicht, wenn ich beide Hände in Gips hätte.“

„Max ist eben etwas kreativer und aufmerksamer als die breite Masse. Und dabei durch und durch Mann. Sagenhaft potent übrigens.“

Leni beschwor mich, ihr bei unserem nächsten Treffen alles haargenau zu erzählen. Finnland hing ihr inzwischen zum Hals heraus, und sie hatte das Business-Class Ticket in die Heimat schon in der Tasche.

Gegen jede Gewohnheit hatte ich meine beste Freundin kaum vermisst – war ja ständig in Sachen Liebe unterwegs.

Als wir uns dann nach einer halben Ewigkeit in unserem Stamm-Café am Gärtnerplatz gegenüber saßen, freute ich mich aber wie eine Schneekönigin. Ein intensiver Frauentratsch war mehr als überfällig.

„Könntest du dein Dauergrinsen bitte für einen Moment abstellen. Hält ja kein Mensch aus.“

„Nur kein Neid, Schwester. Was kann ich dafür, dass dein Jussi null romantisch ist und dir keine Veilchen ins Badewasser streut.“

Leni schob die Unterlippe vor. Sie schien sich nicht ganz damit abfinden zu können, dass von uns beiden ausgerechnet ich diesem Prachtexemplar von Mann begegnet war.

Um meine Gewinnerrolle ein bisschen auszukosten, schilderte ich ihr die vergangenen Liebeswochen in den schillerndsten Farben.

„Und es stört dich wirklich nichts an ihm?“, ließ sie nicht locker. „Ich meine, es muss doch irgendwas geben, das an Max unkoscher ist.“

Ich schüttelte den Kopf. „Rein gar nichts“, log ich, denn es gab da schon eine Sache, die ich seltsam fand – und auch die hatte mit seinem Kleidergeschmack zu tun. Es war mir bereits in unserer zweiten gemeinsamen Nacht aufgefallen. Aber ich wartete noch ein paar Wochen, bis ich mich traute, Max darauf anzusprechen.

Er trug nämlich String-Tangas. Und ich spreche hier nicht von knapp geschnittenen Slips, sondern von der Version mit den Schnürchen zwischen den Pobacken. Max besaß davon eine ganze Batterie. Weiße, hellblaue, schwarze, und letztens hatte er mich sogar mit einer besonders heftigen Variante aus goldenem Lurex halb zu Tode erschreckt. Ich fühlte mich wie in einem schlechten Erotikfilm, als er mit zwei Gläsern Wein in der Hand und einem mikroskopischen Triangel über den stattlichen Genitalien auf mich zu schritt. Um das Dessous noch raffinierter zu gestalten, waren im goldenen Stoffdreieck etliche Belüftungsschlitze eingearbeitet. Selbst Frau Uhse wäre hier rot geworden.

Nach dieser Vorführung, die mir den Appetit auf Fleischeslust gründlich verdorben hatte, beschloss ich, mein Problem zu äußern.

„Ich will dir nicht zu nahe treten, Max, aber warum trägst du immer Strings?“

Er spielte an dem goldenen Zwirn, der seine Hüften umspannte.

„Gefällt dir nicht?“

Jetzt musste ich aufpassen. Ich fand die Dinger zwar entsetzlich, durfte seine Gefühle aber nicht verletzen.

„Doch, ist sehr ansprechend. Ich fände es nur schön, wenn du etwas variieren könntest und ab und zu eine normale Boxershort anziehst. Oder hast du so was nicht?“

Max schürzte die Lippen. „Klar hab ich auch andere Unterhosen im Schrank. Strings sind aber wesentlich praktischer. Die tragen unter den Hosen nicht auf, weißt du.“

Natürlich wusste ich das. Neu war mir nur, dass sich auch Männer mit solchen Details befassten.

„Und wo kann man so was kaufen? Gibt’s das bei Hertie, oder musst du dafür in, ähm, Spezialgeschäfte gehen?“

Max zuckte die Schultern. „Keine Ahnung. Ich hab die Teile nicht selber gekauft. Alles Geschenke von meiner Ex-Freundin Lolo. Sind wie gesagt praktisch und auch eine nette Erinnerung.“

An jenem Abend täuschte ich Magenschmerzen vor und floh aus seiner Wohnung. Zu Hause musste ich mir dann drei Folgen Dallas hintereinander anschauen, bevor ich mich halbwegs beruhigte. War es akzeptabel, dass Männer Reizwäsche trugen, die ihnen eine Verflossene geschenkt hatte?

„Also, keinerlei Anlass zur Klage. Super-Max bereitet dir nur Freude. Cool.“ Helene rührte mit gespielter Langeweile in ihrer Latte. „Und wie ist sein Bekanntenkreis? Hast du seine Kumpels schon kennengelernt? Abgesehen davon fände ich es nett, wenn du ihn mir auch mal präsentierst.“

Das war ein weiterer wunder Punkt. Max und ich trafen uns seit fast zwei Monaten, und noch nie hatte er es für nötig gehalten, mir einen seiner Freunde vorzustellen. Er hatte mich auch nie mitgenommen, wenn er zu Partys, Geburtstagen oder sonst wohin eingeladen war. Im Gegenzug schien er keinerlei Bedarf zu verspüren, meine Freunde kennenzulernen.

Dieses Detail räumte ich ein und gewann damit Lenis ungeteilte Aufmerksamkeit zurück.

„Da haben wir’s doch!“, rief sie begeistert. „Max versteckt dich. Wahrscheinlich hat er Weib und Kinder.“

„Quatsch. Wir sind doch dauernd in der Öffentlichkeit unterwegs und immer am Händchenhalten.“

„Dann verheimlicht er eben irgendwas vor dir. Er will nicht, dass du seine Freunde kennenlernst, weil die ihn verraten könnten. Vielleicht gibt es da noch andere Frauen!“

„Oder vielleicht ist er als Auftragskiller gut im Geschäft und führt ein Doppelleben“, spöttelte ich. „Du bist sehr sprunghaft, Helene. Erst hältst du Max für eine Schwuchtel und dann dichtest du ihm Vielweiberei an.“

Dennoch beschloss ich, meine Antennen stärker auszufahren. Die Dessous-Geschichte hatte mich etwas alarmiert. Und Leni hatte eben leider manchmal doch den richtigen Riecher.

5

Durch nichts kann man den Bekanntenkreis eines Menschen schneller und besser durchleuchten als über das Nummernverzeichnis seines Mobiltelefons. Als Max am nächsten Sonntag wieder mal in seine Firma musste, stibitzte ich das Handy aus seiner Ledermappe und ließ es blitzschnell hinter der Stereoanlage verschwinden.

„Tut mir leid, Schatz, aber die Arbeit ruft. Ich mach so schnell ich kann. Obstsalat steht im Kühlschrank. Mango und Ananas, so wie du ihn magst.“

Ich kuschelte mich in seine fluffige Couch, nickte verständnisvoll und warf ihm schmachtende Blicke zu, bis endlich die Wohnungstür ins Schloss fiel. Dann wetzte ich zum Handy und löste die Tastatursperre. Fieberhaft loggte ich mich in sein Adressbuch ein und scrollte durch die Einträge.

Es waren sehr viele. Und von A wie Astrid bis Z wie Zaphira fast nur Weiber.

Ungläubig blätterte ich durch D wie Desiree und Die Große Blonde, kämpfte mich durch S wie Susi-Maus und Schnecki und war einer Ohnmacht nahe, als ich bei T wie Titten-Barbie anlangte. Das schlug dem Fass den Boden aus. Betrieb Max ein Bordell, oder was?!

Obwohl es früh am Tag war, musste ich mir auf den Schrecken einen Schluck genehmigen. Ich fand braunen Rum und soff spontan die halbe Flasche leer. Stark benebelt nahm ich nun seinen Post-Eingang in Angriff. Auch hier eindeutige Indizien für Vielweiberei: Message von Sandy, Message von Mandy, sicher Ost-Bräute, Message von Lolo, von Susi, von Margot. Und keine einzige Message von Klara. Obwohl ich ihm haufenweise virtuelle Briefchen schickte. Aber da reichte dem Herren der Speicherplatz wohl nicht aus! Ich schäumte vor Empörung. Na warte, Freundchen. Wer mich für dumm verkaufen wollte, musste früher aufstehen.

Ich beschloss, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen. Aber welche? Ich konnte seinen Handy-Harem zerstören. Einmal kräftig mit der Rumflasche draufgehauen, und Schnecki & Co waren reif für den Müll. Den Speicher-Chip würde ich gesondert im Klo entsorgen. Keine schlechte Idee, aber wahrscheinlich keine langfristige Lösung.

Ich konnte auch alle gespeicherten Frauen einzeln anrufen und ihnen die Hölle heiß machen. Hm, wäre eine mühsame Prozedur. Außerdem fühlte sich meine Zunge irgendwie pelzig an. Deshalb beschloss ich, zunächst die Messages zu lesen.

 

Süßer, wo steckst du?
Morgen Mega-Party im P1
Ich zähl auf dich!
(Ex-)Love Susi

 

Ex-Love Susi?! Das war bestimmt die falsche Schlange aus dem Löwenbräukeller, die kein Wort mit mir hatte reden wollen. Von wegen nur eine liebe Freundin. Das war eine Ex-Freundin. Und da lief immer noch was! Nächster Brief.

 

 

Maxilein,
brauche dringend neuen BH!
Kommst du mit zum Shoppen & Beraten?
Du weißt doch am besten, was mir steht ...
Bussi a.B. Lolo

 

Ich traute meinen Augen nicht. Lolo, die String-Einkäuferin, wollte meinem Max Büstenhalter vorführen. Und die Message war erst zehn Tage alt. Soviel zur netten Erinnerung!

Ich brauchte gar nicht weiterzulesen, sah inzwischen sowieso alles doppelt. Die Sache war glasklar. Die größte Liebe meines Lebens betrog mich. Schon während der ersten 16 Beziehungs-Wochen! Ich war kurz davor zusammenzubrechen, zwang mich aber, trotz Rum-Exzess, einen halbwegs kühlen Kopf zu bewahren.

Ich musste Max zur Rede zu stellen. Die gesammelten Beweise hatte ich schließlich in kompakter Form zur Hand. Dafür musste ich aber in seine Firma, denn dieses Krisengespräch sollte auf jeden Fall Auge in Auge erfolgen. Problem dabei: Ich hatte so viel Alkohol intus, dass ich kaum noch stehen, geschweige denn einen Meter mit dem Auto zurücklegen konnte. Geschwächt ließ ich mich auf die Couch sacken und musste für einen Moment eingenickt sein. Als ich wieder zu mir kam, hielt Max meinen Kopf im Schoß und sah mich besorgt an.

„Was ist denn los? Du riechst wie eine Schnapsbrennerei. Hast du das alles alleine getrunken?“

Tadelnd schwenkte er die Rumflasche vor meinen trüben Augen.

„Wenn du Probleme hast, solltest du darüber reden. Aber lass das Saufen, Alkohol ist keine Lösung. Gab’s wieder Ärger in deiner Firma?“

Ich klappte den Mund auf, konnte aber nichts sagen, weil meine Zunge 100 Kilo wog. Deshalb deutete ich nur auf sein Telefon, das vor mir auf dem Tisch lag.

„Hab mein Handy vergessen, ich weiß. Das passiert mir öfter. Nett, dass du dich um meine Erreichbarkeit sorgst. Aber deshalb brauchst du dich nicht mit Rum zu zu schütten.“

Plötzlich verspürte ich heftigen Brechreiz, war aber unfähig, mich in Richtung Toilette zu bewegen. Max schien es geahnt zu haben, denn er schleppte mich im letzten Moment vor die Kloschüssel.

Zwanzig Minuten später ging es mir besser. Dafür sah ich verheerend aus. Hellgrün im Gesicht, mit weißen Lippen und Augenringen bis zu den Kniescheiben.

Max betrachtete mich skeptisch.

„Also, was ist los? Raus mit der Sprache.“

Ich warf mein schweißverklebtes Haar in den Nacken und starrte ihn böse an.

Er sah so unschuldig aus wie ein Hundewelpe. Kein Anflug von schlechtem Gewissen. War das eine Masche? Hm, wenn ich ihm jetzt eine Szene machte, konnte der Schuss eventuell nach hinten losgehen. Für manche Männer sind Handys ja wie der heilige Gral. Vielleicht würde Max es mir extrem übelnehmen, dass ich in seinen Privatangelegenheiten herumschnüffelte. Dann wäre die Stimmung am Nullpunkt. Vielleicht würde er wegen Vertrauensbruch sogar mit mir Schluss machen. Das wäre eine Katastrophe, vor allem, wenn es für die Angelegenheit wider Erwarten eine harmlose Erklärung gab. Die Indizien sprachen zwar klar gegen ihn, aber übereiltes Handeln war nicht immer zielführend.

Ich beschloss, mich zunächst bedeckt zu halten. Nur musste jetzt schnell eine Begründung für meinen Alkoholmissbrauch her.

Um glaubhaft zu wirken, fing ich erst mal an zu weinen.

„Jedes Wochenende hocke ich allein zu Hause, weil du immer mit deiner Agentur beschäftigt bist“, schluchzte ich. „Glaubst du, das macht Spaß? Alle anderen Frauen sind am Sonntag mit ihren Freunden unterwegs und unternehmen tolle Sachen. Nur ich nie! Kein Wunder, dass ich da mal zur Flasche greife.“

Das war natürlich frei erfunden. Helene sah ihren Jussi oft wochenlang nicht und war froh darüber. Auch viele meiner anderen Freundinnen schickten ihre Männer am Sonntag gerne zum Fußball oder sonst wohin, um ihre Ruhe zu haben.

„Außerdem hast du mir noch nie deine Freunde vorgestellt“, heulte ich weiter. „Bin ich für die nicht gut genug oder was?!“

Mein Klagen wirkte. Max tröstete mich und versprach, die Wochenend-Schichten in Zukunft zu reduzieren und mich zügig in seinen Freundeskreis einzuführen. Ich musste ihm im Gegenzug versprechen, die Finger vom Rum zu lassen. Das tat ich gerne, ich trinke sowieso lieber Tequila oder Wodka. Dafür nahm ich mir vor, Max ab sofort dicht auf den Fersen zu bleiben.

6

Ein paar Tage später ergab sich bereits die Aussicht auf nahtlose Rundum-Beschattung.

Allerdings hatte Max sein Versprechen bezüglich Freunde vorstellen offensichtlich wieder verdrängt und erzählte ganz beiläufig, dass er sein Ticket nach Madrid buchen müsse.

Ticket nach Madrid?

„Ich treffe mich mit ehemaligen spanischen Studienkollegen in Pedraza zum Dorffest. Das ist ein kleines Nest in der Nähe von Madrid. Ich war nämlich ein Semester an der Universidad Complutense.“

„Darf ich auch mit?“

Max sah mich zweifelnd an. „Eigentlich möchte ich lieber alleine hinfahren. Dieses Fest ist wirklich nichts Besonderes. Eine Band, eine Bar, das isses dann auch.“

„Klingt toll! Warum würde ich da stören?“

Er erklärte, dass er sich seit 13 Jahren regelmäßig für ein verlängertes Wochenende im August mit seinen spanischen Kumpels zu diesem Dorffest traf. Wichtigste Regel dabei war: Keine Frauen mitbringen.

Wie jetzt? Hatte er etwa auch in Spanien eine Titten-Barbie sitzen, die er auf Biegen und Brechen verheimlichen wollte? Ich schmollte. Doch er ließ sich nicht beirren.

„Ich glaube auch gar nicht, dass es dir dort gefallen würde, Klara. Es geht extrem leger zu.“

Max versuchte mir weiszumachen, dass alle auf Strohlagern in einer verlassenen Scheune schliefen und ein Ziehbrunnen die einzige Waschgelegenheit sei. Darüber konnte man nur lachen. Max war der größte Style-Freak auf Erden und verbrachte Stunden vor seinem Kleiderschrank, um das Outfit des Tages zusammenzustellen. Das sagte ich ihm ins Gesicht.

„Bei meinen Kunden kann ich nicht in zerbeulten Jeans auflaufen“, verteidigte er sich. „Deshalb finde ich die vier Tage in Pedraza jedes Mal so entspannend. Da kümmert es keinen, wie man rumläuft.“

Wir diskutierten die halbe Nacht. Ich hatte viele schlagkräftige Argumente parat, warum ich in Pedraza nicht fehlen durfte, und erinnerte ihn an sein Versprechen, aber Max blieb hart. Also weinte ich wieder ein bisschen und warf ihm vor, dass er mich nicht wie eine vollwertige Freundin behandelte. Und siehe da, Max wurde weich. Er haderte noch etwas wegen dieser albernen Unter-Männern-Regel. Aber gegen vier Uhr morgens sagte er, dass er sich freue, wenn ich mitkäme. Na also, warum nicht gleich.

Dann bläute er mir noch ein, dass schicke Klamotten im Bergdorf fehl am Platz seien. Ich solle nur Schlafsack, Decken, Jeans und alte T-Shirts mitnehmen, weil bei den Trinkgelagen schon mal ein Glas Wein im Kragen landete. Außerdem etwas Warmes für die kühlen Nächte.

Aber das war sicher übertrieben. Max übertrieb ja oft.

Trotzdem hielt ich mich an seine Anweisungen und packte Jeans ein. Die neuen von Dolce, irre chic. Dazu ein paar hübsche Tops mit Spagettiträgern, zarte Sommerkleider und Bikinis, viele Bikinis. In Spanien ist es ja immer total warm, noch dazu im August. Ich dankte Helene im Geiste, weil sie kurz zuvor meine Garderobe überarbeitet und mich dann durch ihre Lieblingsboutiquen geschleift hatte. „Kann ja wohl nicht sein, dass Max mehr Klamotten hat als du“, war ihr Argument gewesen, für das ich mein Konto plünderte. Seitdem war ich pleite, hatte aber einen beachtlichen Kleiderschrank. Auch mein neues cremefarbenes Wildlederwestchen durfte mit, sündige Spitzenunterwäsche und natürlich eine Auswahl an elegantem Schuhwerk.

Wenn wir schon zusammen in Kurzurlaub flogen, wollte ich schließlich nicht wie ein Bauerntrampel daherkommen. Was würden seine Freunde sonst von mir denken! Es ist ja bekannt, dass Spanier ausgesprochen modebewusst sind und sehr viel Geld in Klamotten investieren. Deshalb hatte ich mir für meinen großen Auftritt beim Dorffest auch noch eine Abendrobe von Helene geliehen. Dunkelroter Organza mit einem Rückendekolleté bis zur Po-Ritze. Ein Traum! Max würde stolz auf mich sein.

Ich war sehr zufrieden. Immerhin war ich die erste Frau, die Max auf diesem heiligen Spanien-Trip begleiten durfte, die Erste, die er seinen spanischen Ex-Kommilitonen vorstellen wollte. Die Erste in 13 Jahren! So eine Aktion veranstaltet man doch nur, wenn es einem total ernst ist, oder? Also: Bye-bye Sandy, bye-bye Mandy! Ganz hatte ich zwar nicht verstanden, was die Jungs da von Freitag bis Montag trieben, aber es würde sicher herrlich sein, in diesem beschaulichen Bergdorf unterm Sternenhimmel zu feiern. Ganz herrlich.

Als wir uns 90 Minuten vor Abflug an der Check-in-Schlange des Iberia-Schalters trafen, machte Max ein langes Gesicht. Wegen meines Gepäcks. Manchmal ist er extrem kleinlich. Dabei hatte ich nur zwei Taschen dabei. Eine winzige – wog kaum sechs Kilo – als Handgepäck und eine etwas größere mit praktischen Rollen dran. Die Rollentasche wog 17 Kilo. Ich hatte etwas Mühe, sie auf das Gepäckband zu wuchten.

„Was um Himmels Willen hast du mitgenommen?“, fragte Max bestürzt. „Wir bleiben nur vier Tage und du hast Klamotten für eine Weltreise dabei. Das kann doch nicht wahr sein.“

Er selbst hatte nur ein winziges Rucksäcklein über der Schulter und unter dem Arm einen zusammengerollten Schlafsack. Mist! Schlafsack! Den hatte ich vergessen. Und auch das Bettzeug, das ich hätte mitnehmen sollen. Ich vermied es, dies anzusprechen und setzte stattdessen eine gekränkte Miene auf.

„Du hast selbst gesagt, dass die Nächte oben in den Bergen recht frisch werden können.“

„Ach, du hast warme Sachen eingepackt?“

„Jede Menge“, nickte ich stolz und war heilfroh, dass ich meinen rosa Pashmina-Schal doch noch neben die fünf Bikinis geworfen hatte. Ansonsten war ich ja ganz auf knisternd-heiße spanische Nächte eingerichtet.

Der Flug nach Madrid verlief heiter, obwohl ich einigermaßen angespannt war. Max gestand mir, dass er bis zuletzt große Bedenken gehabt hatte, mich mitzunehmen.

„Nicht böse sein, aber wir kennen uns ja noch nicht so lange. Ich hatte den Eindruck, dass du manchmal etwas etepetete bist. Aber jetzt, wo ich weiß, dass du schon mehrere Treckingtouren durch Burma und Borneo gemacht hast, sieht das natürlich anders aus.“ In seinem Blick lag echte Bewunderung.

Bescheiden zuckte ich die Schultern. „Ich bin total naturverbunden.“

Max gab mir einen Kuss.

„Super übrigens, dass du nicht nur Bettwäsche eingepackt hast, sondern auch Taschenlampen und Regenjacken. Das hab ich nämlich vergessen.“

Er winkte der Stewardess und bestellte zwei Gläser Prosecco. Als wir anstießen, blickte er mir tief in die Augen.

„Du bist eine unheimlich tolle Frau, und ich bin ein Glückspilz, dass ich dich getroffen habe.“

Mir wurde heiß. Weil ich in seinen blauen Augen fast versank, aber vor allem, weil meine Lügen schon bald auffliegen würden. Irgendwie ging alles ein bisschen schief, obwohl ich mich so bemühte, alles richtig zu machen.

Die Borneo-Story konnte ich sicher eine Weile aufrechterhalten. Ich hatte das Geo-Heft mit dem Reisebericht der Schreckens-Tour zu Hause. Aber mein realer Kofferinhalt würde in wenigen Stunden auffliegen: kein Schlafsack, keine Decken, kein Bettzeug und natürlich keine Taschenlampen oder Regenjacken. Wozu auch? Dafür jede Menge Party-Outfits und dergleichen. Ich war fast sicher, dass Max dafür kein Verständnis aufbringen und sauer sein würde. Er hatte im Flieger nämlich noch mal betont, wie relaxt es im spanischen Dorf zuging, und dass Camping im Vordergrund stand.

Ich wollte aber nicht, dass Max sauer auf mich war. Ich wollte, dass er mich toll fand. Eben die perfekte Frau für jede Lebenslage.

Also, was tun? Ich konnte meine Reisetaschen zum Beispiel auf dem Flughafen von Madrid verlieren. Aber solche Riesendinger verliert man nicht so schnell. Ich konnte vielleicht auch einen Kofferdieb engagieren, der mir die Taschen klaute. Keine schlechte Idee. Problematisch nur, dass ich kein Spanisch kann. Das würde die Konversation mit potenziellen Räubern stark erschweren. Außerdem wären dann meine teuren, neuen Klamotten futsch. Auch blöd. Als die Stewardess den Anflug auf Madrid ankündigte, hatte ich noch immer keine Lösung parat.

Nachdem wir das Gepäck vom Band geholt hatten, eilte Max sofort zum Avis-Schalter, um unseren Leihwagen in Empfang zu nehmen. Das Bergdorf lag gut zwei Stunden von der Hauptstadt entfernt. Unser gebuchter Mittelklasse-Wagen entpuppte sich als Toyota Corolla in Spinatgrün, aber die Sorgen über meinen Tascheninhalt machten mir so zu schaffen, dass mir kein lustiger Spruch zur Farbe des Autos einfiel. In ein paar Stunden würde unsere junge Liebe stark angeschlagen sein. Ich sah sein ungläubiges Gesicht vor mir, wenn ich statt der erwarteten Wolldecken nur ein hauchdünnes Negligé zur Nachtruhe in der Scheune beisteuern konnte.

Neben uns belud eine Familie aus Holland einen Opel Corsa. Sie waren schwer bepackt und hatten Mühe, ihren ganzen Krempel in den kleinen Kofferraum zu quetschen. Zwei der holländischen Taschen waren dunkelblau. Auch meine Reisetaschen waren dunkelblau. Als das holländische Kleinkind, das bereits in seinem Kindersitz auf der Rückbank angeschnallt war, anfing wie am Spieß zu schreien, und die Eltern panisch zu ihrem Nachwuchs stürzten, handelte ich. Beherzt nahm ich die beiden Holland-Taschen, wuchtete sie in unseren Kofferraum und machte die Klappe zu. Dann schob ich meine Taschen die zwei Meter weiter vor den Opel. Das Elternpaar war ganz mit dem brüllenden Kind beschäftigt, und Max hatte die Nase in die Straßenkarte gesteckt. Keiner hatte etwas bemerkt. Jetzt nichts wie weg.

Ich sprang auf den Fahrersitz und ließ den Motor an.

„Los Max, einsteigen, oder willst du auf dem Parkplatz Wurzeln schlagen?“

Er hatte die Tür noch nicht geschlossen, da fuhr ich schon mit quietschenden Reifen los, schoss wie der Blitz aus dem Flughafengelände und gab alles, um schnell auf die Autobahn zu kommen. Lange würde es nicht dauern, bis die Käsköppe den Taschen-Tausch bemerkten. So ein Kind schreit ja nicht ewig. Bis dahin musste ich einen guten Vorsprung herausgefahren haben.

„Weißt du überhaupt, wohin wir müssen?“ Max sah mich besorgt an. „Geht’s dir gut? Du fährst ja, als wäre der Teufel hinter dir her.“

„Alles okay. Ich fahre immer zügig. Und ich kann es gar nicht erwarten, zu dem Bergdorf zu kommen und deine Freunde kennenzulernen. Es sind sicher wunderbare Menschen!“

„Ja, aber hier ist ein Limit von 60 und du fährst 110. Außerdem in die falsche Richtung. Überlass mal mir das Steuer. Du kannst dann später wieder fahren.“

Wir wechselten die Plätze. Max wendete – für meinen Geschmack viel zu langsam – und fuhr in Richtung Segovia. Ich spähte ständig nach hinten und auf die Gegenspur, um zu sehen, ob ein roter Corsa mit wütenden Insassen die Verfolgung aufgenommen hatte.

„Ist irgendwas? Du zappelst so.“

„Nein. Mir wird nur manchmal schlecht, wenn ich nicht selber fahre.“

„Oh Gott, dann fahre ich besser langsamer.“

„Bloß nicht! Fahr schneller. Mir wird vor allem bei langsamer Geschwindigkeit schlecht.“

Max trat aufs Gaspedal. Als nach 30 Minuten immer noch kein Opel hinter uns zu sehen war, begann ich, mich zu entspannen. Unserem harmonischen Kurzurlaub stand nichts mehr im Wege.

Ich war auch sicher, meine Sachen wiederzubekommen. Schließlich hatte ich Namen und Adresse an den Gepäckanhängern. Also, alles kein Problem. Blöd nur, dass ich meine Party-Klamotten jetzt nicht auftragen konnte. Aber Max hätte das sowieso nicht zu schätzen gewusst. War sich der Mann überhaupt bewusst, welchem Stress ich mich seinetwegen aussetzte. Natürlich nicht!

Als wir Madrid um etwa 16:00 Uhr verlassen hatten, brannte die Sonne vom Himmel. Gut zwei Stunden und viele Höhenmeter später brauten sich Wolken zwischen den Gipfeln zusammen. Max zog die Brauen hoch.

„Da ist schlechtes Wetter im Anmarsch.“

„Echt? Am Flughafen war doch alles paletti. Fast 30 Grad.“

„Ja, aber in den Bergen sieht das ganz anders aus. Wenn da die Wolken drinhängen, wird es schnell ungemütlich.“ Er sah mich aufmunternd an. „Ist aber für uns kein Problem. Wir sind schließlich bestens ausgerüstet.“

Ich hoffte sehr, dass sich im Leih-Gepäck das eine oder andere brauchbare Stück finden würde.

Als wir in Pedraza ankamen, war es schon dämmrig. Das Nest schien ausgestorben zu sein, kaum ein Mensch war in den engen Gassen zu sehen. Von Party-Stimmung keine Spur. Als wir ausstiegen, pfiff uns ein eisiger Wind um die Nase. Vorwurfsvoll sah ich Max an.

„Es ist kalt und ungemütlich. Und dies hier ist eine Geisterstadt. Wo sind die Party-People?“

Max spähte in die Dämmerung.

„Scheint so, dass das Fest erst morgen startet. Das weiß man in Spanien nie so genau. Spanier sind total spontan. Die feiern, wenn sie Lust dazu haben“, erklärte er fachmännisch.

„Vielleicht feiern sie auch erst nächstes Wochenende oder in einem anderen entzückenden Bergdorf?“

„Nein. Der Termin steht. Und der Ort auch. Ich werde mal meine Freunde anrufen. Die chillen sicher schon in einer Bar.“

Chillen? Bar? Es hätte mich stark gewundert, wenn es in diesem Kaff auch nur einen Krämerladen gab.

Misstrauisch beäugte ich, wie Max auf seinem Handy herumtippte. Nach fünf Minuten hatte er alle Freunde durchtelefoniert, war aber nur auf Mailboxen gestoßen.

„Max, ich friere.“

„Zieh dir doch was Wärmeres an. Ich hole deine Tasche.“

Bloß nicht!

In diesem Moment näherte sich ein klappriger Seat Ibiza und hielt mit quietschenden Bremsen direkt neben uns. Heraus sprangen vier unrasierte Männer in sackartigen Parkas. Panik ergriff mich. Ein Überfall! Die Meute stürzte sich auf meinen Max – und mit lautem „Hola“ fielen sich Max und die Typen um den Hals. Ich brauchte eine Weile, um zu begreifen, dass dies die sagenhaften spanischen Freunde waren.

Nachdem sie von Max abließen, war ich an der Reihe und bekam stachelige Küsse. Na ja, Spanier sind eben heißblütig. Max stellte mir alle vor.

„Das ist Americo, der hier ist der Jesus, daneben Manuelito und Juan.“

Wieder Küsse, dann Palaver, von dem ich keine Silbe verstand. Max dolmetschte mir, dass das Dorffest, wie vermutet, erst morgen starten würde. Für den heutigen Abend war ein gemütliches Sit-in in der Scheune vorgesehen, in der sich die Freunde bereits häuslich eingerichtet hatten. Wir stiegen wieder ins Auto und folgten dem Rost-Seat über hubbelige Feldwege, bis wir eine verfallene Siedlung mitten in einem Wäldchen erreichten. In der Dunkelheit konnte ich ein schwach beleuchtetes Gebäude erkennen, davor einen Brunnen mit Zugvorrichtung. Das mit der Scheune war leider kein Witz gewesen.

Als wir ausstiegen, setzte wieder Hola-Geschrei ein und der restliche Spanien-Trupp, der um ein Feuer lagerte, galoppierte auf uns zu. Wieder Küsse und Umarmungen. Einer der Bärtigen nahm Max auf die Schultern und sprang mit ihm ums Feuer. Ich meine, man kann Wiedersehensfreude auch übertreiben und kam mir reichlich deplatziert vor. Da mich keiner beachtete, schnappte ich mir eine Flasche Corona und wanderte um die Scheune. Sehr baufälliger Schuppen. Aber die Luft war gut. Ein nächtlicher Vogel tschilpte in einem Baum, ansonsten absolute Stille, bis auf das Gegröle. Ich wurde ein bisschen abenteuerlustig und schlenderte in das Wäldchen. Silbrig schimmerte der Mond am Himmel, die Nacht war sternenklar. Wunderschön. Vielleicht war es doch keine schlechte Idee, ein paar Tage mitten in der Natur zu verbringen, fernab jeder Zivilisation, mit entspannten Menschen, alles ganz leger. Ich würde mich als einzige Frau in der Männerrunde natürlich auch nützlich machen, Leckereien kochen, Geschirr spülen, Schlafsäcke aufschütteln, die Jungs ein bisschen verwöhnen. Und vor allem würde ich Max verwöhnen. Vier ganze Tage und Nächte am Stück mit dem tollsten Mann der Welt lagen vor mir. Ich legte den Kopf in den Nacken, drehte mich im Kreis und fühlte mich gut. So einfach kann Glück sein. Dachte ich, bis sich mein Stiefelabsatz in einer Wurzel verhakte und ich der Nase lang hinfiel.

Der Tümpel war nicht tief, aber schlammig. Ich schrie wie am Spieß.

Obwohl Max in Rekordtempo bei mir war und mich aus der Pfütze rettete, war ich stinksauer. Stehend reichte mir das Wasser kaum bis zur Wade, trotzdem troff ich von Kopf bis Fuß.

„Was machst du denn! Man kann dich wirklich keine fünf Minuten alleine lassen“, scherzte er erfolglos.

„Ich nehme ein Moorbad! Soll ganz toll für die Durchblutung sein.“

Er legte mir seine Jacke um die triefenden Schultern und rubbelte kräftig. Die Madrilenen standen lässig daneben. So ein Mist, meine einzigen Klamotten konnte ich fürs erste vergessen. Schlecht gelaunt ließ ich mich zur Scheune zurückführen. Bei jedem Schritt quoll grünlicher Schlamm aus meinen Wildlederstiefeletten. Aha, und mein einziges Paar Schuhe war reif für den Müll.

Vor dem Lagerfeuer drückte mich Max auf eine umgedrehte Bierkiste und legte mir eine Decke um die Schultern. Erst jetzt registrierte ich, dass sich unter den spanischen Freunden auch vier Frauen befanden. Was hatte das denn zu bedeuten? Galt die gute alte Unter-Männern-Regel überhaupt nicht mehr? Eine der Frauen reichte mir eine dampfende Tasse. Nette Geste. Ich lächelte dankbar. Sie lächelte nicht.

„Trink einen Schluck Tee, Klara“, sagte Max, „und dann raus aus den nassen Klamotten.“

Beim zweiten Niesen scheuchte er mich zum Umziehen. Das Gepäck hatte er bereits in der Scheune deponiert.

Beklommen nestelte ich am Reißverschluss der größeren Tasche. Aha, Kleidungsstücke. Wenigstens hatte ich nicht die Baby-Utensilien erwischt. Mit spitzen Fingern griff ich in die Textilien. Eine senfgelbe Jogging-Hose in XL, ein sackartiges grünes Frottee-Kleid, geblümte Shorts, drei große T-Shirts, weiße Sandalen, Bundfalten-Jeans, ein gemusterter Rock und ein graues Sweatshirt. Alles sehr schrecklich, bisschen 80er-Jahre-Stil. Aber da. Ein Schlafsack! Außerdem verwaschenes Baumwollzeug, das man mit etwas Phantasie als Bettwäsche bezeichnen konnte. In den Tiefen der Tasche kam Unterwäsche zum Vorschein, die ich allerdings lieber nicht anfassen wollte. Weiter unten dann Nähzeug, Mückenspray, ein Roman auf Niederländisch – den musste ich verschwinden lassen – und eine Taschenlampe! Diese Holländer waren mir plötzlich ganz sympathisch. Ein sehr pragmatisches Völkchen.

In der zweiten Tasche fand ich Lebensmittel. Fisch in Dosen, Wurst in Dosen, Erbsen in Dosen, dazu abgepacktes Vollkornbrot, Schokolade und Wodka. Meine Retter schienen eingefleischte Selbstversorger zu sein. Leider alles ausnahmslos mit holländischen Etiketten, aber ich konnte ja sagen, dass ich das Zeug noch von meinem letzten Amsterdam-Trip übrig hatte. Amsterdam klingt immer recht lässig.

Ich genehmigte mir einen Schluck Wodka und stellte dann mein neues Outfit zusammen. Mit der Beute durfte ich nicht unzufrieden sein. Ansatzweise war es der Inhalt, den ich Max vorgelogen hatte. Ich beschloss, die Taschen vorläufig zu adoptieren.

Da mir inzwischen kalt war, entschied ich mich für die Jogging-Kluft. Dass ich darin wie eine gelbe Tonne aussah, war auch ohne Spiegel klar. Ich musste den Bund drei Mal umkrempeln, um zu verhindern, dass mir die Hose in Richtung Kniekehlen absackte. Das zugehörige Sweatshirt schlackerte mir verwaschen um die Schenkel – und war vorne mit der peinlichen Aufschrift „Sexy Girl“ bedruckt. In dem Zeug hätte ich zu Hause nicht mal den Müll runtergetragen.

Unlustig ging ich zurück zum Lagerfeuer und ließ mich zwischen Max und Jesus auf einen Bierkasten plumpsen. Eine Rotweinflasche und ein überdimensionaler Joint kreisten bereits in der Runde. Max drückte mir einen Kuss aufs Haar.

„Na, geht’s dir besser? Hab mich schon gewundert, wo du so lange bleibst. Du konntest es wohl nicht lassen und hast dich für unser rustikales Abendessen noch heimlich schön gemacht.“

Langsam wanderte sein Blick über meine gelbe XL-Tracht und blieb beim „Sexy Girl“ hängen.

„Das kenne ich ja noch gar nicht. Ist das ein Jogginganzug? Sehr nett, aber ist der nicht eine Nummer zu groß?“

„In meiner Freizeit trage ich gerne bequeme Kleidung“, bemerkte ich sachlich. „Da ist es mir wichtig, dass der Bund nicht kneift.“

„Tatsächlich? Ich kenn dich bisher nur in engen Jeans, auch in der Freizeit. Die stehen dir fast besser. Aber toll, dass du dich auch in solchen, äh, Wohlfühlklamotten so – na ja – wohlfühlst.“

Es war klar: Max fand, dass ich scheiße aussah. Ich sah ja auch scheiße aus. Wahrscheinlich schämte er sich sogar vor seinen Hippie-Freunden für mich. Da schleppte er zum ersten Mal eine Frau an, und die kam dann wie eine Obdachlose daher. Momentan hatte ich aber wenig Alternativen zu bieten. Meine eigenen Sachen trieften über einem Scheunenbalken vor sich hin. Und die holländischen Blümchen-Shorts hätten meinen Look auch nicht verbessert. Ich ärgerte mich sehr, dass ich diesen Taschen-Tausch-Zirkus veranstaltet hatte. Literweise Angstschweiß, und wofür? Dafür, dass Max von mir abrückte.

Denn er rückte ab. Nahm seine Zigaretten und setzte sich damit zu Anna, der Frau, die mir vorhin den Tee gereicht hatte.

Die beiden hatten sich offensichtlich eine Menge zu erzählen und schlugen sich auf die Schenkel vor Lachen. Anna schaute immer wieder zu mir rüber. Ich rang mir ein Lächeln ab, um sympathisch zu wirken, aber sie lächelte wieder nicht zurück. Blöde Kuh.

Nach zwanzig Minuten, ich hatte inzwischen drei Stücke Tortilla gegessen, wurde ich ungehalten. Sehr liebenswürdig, mich hier einsam herumhocken zu lassen. Ich fühlte mich total ausgegrenzt. Und Max amüsierte sich blendend ohne mich. Das störte mich. Außerdem störte mich, dass Anna offensichtlich die einzige Solo-Frau in der Runde war. Die anderen drei hatten ihre Kerle dabei. Außerdem war Anna die einzige, die halbwegs passabel aussah. Beileibe keine Schönheit. Für meinen Geschmack viel zu dürr. Aber, nun ja, rassig nannte man das wohl. Sie hatte lange dunkle Locken, sehr dunkle Augen und eine laute, dunkle Stimme. Ordinäres Organ. Max schien es aber zu mögen, denn er lauschte ihr hingerissen.

Ich hätte ihm gerne eine winzige Szene gemacht, traute mich jedoch nicht in dieser Runde. Außerdem war ich dafür völlig unpassend gekleidet. Deshalb beschloss ich, mich zur Nachtruhe auf mein Strohlager zu begeben. Max würde dann sicher auch bald kommen.

Er hielt mich nicht auf, gab mir nur ein flüchtiges Küsschen und vertiefte sich gleich wieder in sein Gespräch.

Gegen vier Uhr morgens wachte ich auf. Das Strohlager neben mir war leer. Von draußen drangen ein paar Stimmen in die Scheune. Das Sit-in schien immer noch im Gange zu sein. Ich schlief wieder ein und wurde irgendwann von der Sonne geweckt.

In Erwartung seiner breiten, wärmenden Brust kuschelte ich mich eng an Max’ Schlafsack. Aber Max war nicht da, sein Nachtquartier unberührt. Das war ja wohl die Höhe! Ich sprang auf und stieg zornig in meine Jeans. Sie waren noch feucht und würden wahrscheinlich bald Moos ansetzen. Egal, als gelbes Sexy Girl würde mich hier keiner mehr sehen. Bevor ich Max die Hölle heißmachte, wollte ich mich aber noch kurz frischmachen. Nur wo? Ein Badezimmer gab es offensichtlich nicht.

Ich hasse es, wenn ich morgens nicht gleich ins Bad gehen kann. Erstens brauche ich immer eine heiße Dusche, um richtig wach zu werden, zweitens bin ich morgens immer etwas schlecht gelaunt und froh, wenn ich eine Tür hinter mir zusperren kann. Und drittens bin ich direkt nach dem Aufstehen nicht wirklich eine Schönheit. Ich benötige zwei bis drei Dinge, um präsentabel auszusehen. Dazu gehören mein Fön und meine Rundbürste, mein Concealer, um Augenringe und den einen oder anderen Pickel abzudecken, meine hautstraffende Gesichtscreme und mein gesamtes Schminktäschchen. Der Großteil dieser Survival-Utensilien befand sich leider in meinem Gepäck, das momentan in holländischem Besitz war. Lediglich mein Puderdöschen hatte ich in die Handtasche gesteckt. Mist.

Die einzige Waschgelegenheit, die diese Einöde zu bieten hatte, war der alte Ziehbrunnen, an dem sich Americo gerade die Zähne putzte. Von morgendlicher Intimsphäre konnte keine Rede sein. Ich beschloss, meine Toilette auf später zu verschieben und schritt mürrisch das Gelände ab, um Max zu finden. Der saß, bester Laune, mit Anna an einem windschiefen Holztisch und trank Kaffee.

„Na Schlafmütze, auch schon wach? Komm, setz dich zu uns. Was hast du denn mit deinen Haaren gemacht?“

„Ich sehe keinen freien Stuhl“, bemerkte ich spitz.

Max erhob sich, um eine weitere Sitzgelegenheit und eine neue Tasse zu holen.

Anna musterte mich kühl von Kopf bis Fuß.

„Hola“, sagte ich betont locker. Denn das war das einzige Wort, das ich auf Spanisch kann.

„Hola.“ Sie zündete sich eine von Max’ Zigaretten an, blies den Rauch durch die Nase und warf mir einen arroganten Blick zu. Ich schaute arrogant zurück.

Max kam mit frischem Kaffee, Salami und einem Weißbrot wieder. Dann wetzte er noch mal los und kehrte mit einem Stuhl für mich zurück.

„Na, habt ihr euch nett unterhalten?“

„Ich kann kein Spanisch!“

„Nein. Aber Anna spricht ja ausgezeichnet Deutsch.“

Wir setzten uns und schwiegen uns an.

Dann stand Anna auf und küsste meinen Max auf den Mund.

„Hasta luego guapo. Tu chica está de bastante mal humor. Mejor que la dejesen casa la próxima vez. Y no le vendría mal ponerse ropa limpia.“ (Bis später, Süßer. Deine Trulla ist ja ziemlich schlecht gelaunt. Lass die in Zukunft besser zu Hause. Und frische Klamotten könnte sie auch mal anziehen.)

Er zwinkerte und sah ihr nach, wie sie mit wiegenden Hüften davon schritt.

„Was hat die gesagt?“

„Nichts Besonderes.“

„Was!“

„Sie hat uns Guten Appetit gewünscht und meinte, dass sie noch ins Dorf muss, weil Eier und Butter ausgegangen sind.“

Das konnte er seiner Großmutter erzählen.

„Wo warst du die ganze Nacht?!“

Max sah mich erstaunt an.

„Na, hier. Wir saßen am Lagerfeuer und haben uns unterhalten.“

„Du und Anna!“

„Nein, José, Manuelito, Africa, Jesus, wir alle zusammen eben.“

„Du willst mir also weismachen, dass zwischen dir und dieser kastilischen Schnepfe nichts läuft?“

„Spinnst du? Da läuft absolut nichts! Sie ist bloß eine alte Bekannte von mir.“

Ich lachte höhnisch.

„Klara, jetzt mach mal einen Punkt. Ich habe Anna ein Jahr lang nicht gesehen. Da habe ich wohl das Recht, ein paar Worte mit ihr zu wechseln.“

„Erzähl keine Märchen, die Frau ist scharf auf dich. Seit wir angekommen sind, pappt sie an dir dran wie ein Kaugummi.“

Max verdrehte die Augen.

„Und mich hasst sie wie die Pest. Du solltest mal sehen, wie die mich anschaut. Außerdem hat sie kein einziges Wort mit mir gewechselt, obwohl sie doch angeblich so toll Deutsch spricht.“

Max legte die Finger an die Nasenflügel und überlegte.

„Vielleicht ist Anna tatsächlich ein bisschen enttäuscht, weil ich nicht alleine angereist bin.“

„Was gibt ihr das Recht enttäuscht zu sein?“

„Na ja, wir hatten vor Jahren mal eine kurze … Liaison, nichts Ernstes. Während meines Semesters in Madrid durfte ich umsonst in ihrer WG wohnen. War super, weil ich sehr knapp bei Kasse war.“

Ich lauschte seiner Schilderung missmutig.

Nach Ende des Semesters war Max nach München zurückgekehrt und hatte die Liebschaft beendet, weil Fernbeziehungen „zu kompliziert“ wären.

„Hätte sowieso nicht funktioniert. Bis auf das Tanzen hatten Anna und ich keinerlei gemeinsame Interessen. Aber seitdem treffen wir uns einmal im Jahr hier, und darauf freut sie sich eben.“

Tanzen?

Anna war Flamencotänzerin, nebenberuflich, wie Max nicht ohne Stolz berichtete, und hatte ihn ein paar Monate lang in diese Kunst eingeführt.

„Beim Tanzen geben wir zusammen eine ganz gute Figur ab. Das wirst du heute Abend auf dem Fest selber sehen. Kann sein, dass mich Anna da ein bisschen in Beschlag nimmt. Aber dann bitte nicht eifersüchtig sein, Klara. Jetzt weißt du ja, dass nichts dahintersteckt.“

„Ich bin nicht eifersüchtig!“

Das würde heiter werden. Ich sah mich bereits in meinen angeschimmelten Jeans, mit schrecklichen Haaren und ohne Make-up mutterseelenallein auf einem Stühlchen sitzen, während Max mit Anna ekstatisch tanzte. Vom tosenden Beifall der Zuschauer begleitet.

Ich musste ihn unbedingt von diesem Fest fernhalten. Aber wie?

Da ich keinen Kulturbeutel mehr hatte – Max war sprachlos ob dieser Tatsache – borgte ich mir ein paar Sachen für die Morgentoilette zusammen. Die Ausbeute war mager. Zahnbürste und Zahncreme von Max, Kamm und Seife von Juan, Nivea Bodylotion von Africa. Anna steuerte nichts bei, obwohl sie mit ihren achtfach getuschten Wimpern offensichtlich über dekorative Kosmetik verfügte. Geizige Person.

Ich wusch mich im eiskalten Brunnenwasser, riss mir den kleinen Plastikkamm durchs struppige Haar und tupfte vorsichtig ein paar Tropfen der zähen Lotion auf Stirn und Wangen. Fertig war das fettglänzende Naturkind.

Es würde nicht lange dauern, bis rote Pickel mein Gesicht bevölkerten. Ich habe sehr empfindliche Haut, und diese Nivea-Keule würde meine Poren unwiederbringlich verstopfen. Ein kritischer Blick in den Spiegel meiner Puderdose bestätigte mir, dass helle Wimpern – so die meinen – ohne Wimperntusche nicht existierten.

In der irren Hoffnung, doch noch etwas Brauchbares zu finden, durchwühlte ich Max’ Kulturbeutel. Aber außer einem alten Pflaster, Ohrenstäbchen und abgelaufener Mückenstich-Creme fand ich nur zwei Präservative. Na warte, Freundchen! Diesen Party-Spaß würde ich zu verhindern wissen.

Als ich vom Ziehbrunnen zurückkam, saß Max schon wieder mit Anna beim trauten Talk. Mit unterdrücktem Stöhnen ließ ich mich auf den Hocker neben ihm plumpsen.

„Ist was?“

„Nein, nein, geht gleich wieder“, keuchte ich und presste mir die Hände auf den Unterleib. Max stand unschlüssig auf.

„Hast du Schmerzen?“

Ich nickte leidend. „Seit gestern schon. Kurz nachdem ich in den Tümpel gefallen bin, hat es angefangen.“

Max runzelte die Stirn. „Warum hast du denn nichts gesagt?“

„Wollte ich ja, aber du warst nicht da. Ich hab die ganze Nacht vor Schmerzen kein Auge zugetan. Und jetzt ist es noch schlimmer geworden.“

Er guckte betreten, holte eine Decke und bettete mich in einen klapprigen Campingstuhl.

„Ruh dich ein bisschen aus, damit du für das Fest wieder fit bist.“

„Daraus wird wohl nichts werden“, röchelte ich. „Ich fürchte, ich habe mir eine handfeste Nierenbeckenentzündung zugezogen. Mindestens.“

„Was machen wir denn da? Möchtest du heute Abend lieber in der Scheune bleiben?“

Das war doch wieder typisch! Wenn Max den leisesten Anflug eines Schnupfens verspürte, schrie er sofort nach dem Notarzt. Vor nicht langer Zeit hatte ich ein ganzes Wochenende an seinem Lager gewacht, um ihm stündlich Kraftbrühe und Aspirin einzuflößen. Erst als seine Temperatur von lebensbedrohlichen 37,5 C° auf 36,9 C° gesunken war, durfte ich mich kurz entfernen, um seinen Lieblingspudding einzukaufen.

Aber ich sollte hier todkrank und alleine in einer Scheune verrecken.

„Vielleicht sollte ich besser einen Doktor aufsuchen“, presste ich hervor. „Die Schmerzen sind schlimm.“

Max rief seine Freunde zur Beratung zusammen. Da keiner einen Internisten in der Gegend empfehlen konnte, riet man ihm, mit mir nach Madrid zu fahren. Fabelhafter Vorschlag. Wenn wir sofort losfuhren, kalkulierte Max, konnten wir am späten Nachmittag wieder zurück sein. Ich bestand darauf, mein Gepäck mitzunehmen, für den Fall, dass man mich unverzüglich in ein Krankenhaus einweisen würde. Und Max’ Rucksack verstaute ich auch gleich im Kofferraum.

Als wir ins Auto stiegen, warf Anna mir einen bitterbösen Blick zu. Ich strahlte zurück und war plötzlich so gut gelaunt, dass ich Mühe hatte, weiterhin die Leidende zu mimen. Aber es gelang. Und kurz bevor wir in Madrid beim Hospital ankamen, war ich den Tränen nahe.

„Max, bitte fahr zum Flughafen!“

„Wieso?“ Er sah mich entgeistert an. „Du wolltest doch zum Arzt!“

„In diesem Land kann ich mich nicht verständigen. Wer weiß, was die mit mir anstellen. Ich will zu einem Arzt meines Vertrauens, zu Doktor Kerner. Der kennt mich, seit ich zehn bin. Bitteee!“

Am Flughafen schlug ich großmütig vor, alleine zurückzufliegen, damit Max das schöne Dorffest nicht verpasste. Er zögerte einen Moment und buchte dann beide Tickets um. Im Flieger organisierte er eine Viererbank für uns alleine und hielt die ganze Zeit meinen Kopf im Schoß. Max schien wirklich ein schlechtes Gewissen zu haben. Er streichelte dauernd meine Nierengegend und betonte mehrmals, wie unwichtig dieses Fest in Anbetracht meiner Gesundheit sei. Und dass er in Zukunft besser auf mich aufpassen würde.

Sehr gut. Unser Kurzurlaub im schönen Spanien war ein voller Erfolg gewesen. Und eine Ex-Freundin hatte ich schon schachmatt gesetzt. Zumindest vorläufig.

7

Zurück in München bekam meine gute Laune gleich wieder einen Dämpfer verpasst. Mich erwartete eine schreckliche Nachricht, die mir Helene auf dem Anrufbeantworter hinterlassen hatte. Ich musste zehn Tropfen Korodin auf Zucker schlucken, weil mir schlagartig schwindlig wurde.

„Klara, es gibt News. Jussi hat mir einen Heiratsantrag gemacht. Einen total romantischen noch dazu. Hammer, oder? Melde dich, wenn du wieder zurück bist.“

Was sollte das denn jetzt? Jussi war wirklich nicht der Typ für Heiratsanträge. Für romantische gleich dreimal nicht. Und Helene hatte sich immer strikt gegen Hochzeit und den ganzen Ehekram ausgesprochen. Wir waren da stets einer Meinung gewesen: Zusammenleben ja, Eheleben nein. Das tötete doch jede Erotik.

Wahrscheinlich hatte sie sich nur wieder einen schlechten Scherz erlaubt. Aber ihre Stimme hatte irgendwie komisch geklungen. So begeistert. Einigermaßen beunruhigt rief ich sie zurück, um das Missverständnis aufzuklären. Helene war total busy, wie sie sagte, versprach aber, am selben Abend bei mir vorbeizukommen.

Wir saßen in meiner Küche vor einer Flasche Veuve Cliquot, die Leni mitgebracht hatte. Normalerweise kann ich Champagner ohne Ende trinken. Diesmal nippte ich nur.

„Hast du Ja gesagt?“, hauchte ich furchtsam.

„Natürlich nicht.“

Grenzenlose Erleichterung.

„Jussi soll sich vorher ruhig ein bisschen ins Zeug legen.“ Sie grinste wie ein Kobold. „Ich dachte da an ein neues Auto und viele gemeinsame Wochenendtrips mit seinen Kreditkarten.“

Ich war sprachlos.

„Dann ziehst du es also in Erwägung, doch noch Ja zu sagen?“

„Natürlich.“ Sie schaute mich verwundert an. „Klara, ich bin 34. Meine Brüste sind in den letzten zehn Jahren deutlich abgesackt und mein Hintern war auch schon straffer.“

„Dann solltest du Sport treiben und nicht heiraten.“

„Sport und Turnen füllt Gräber und Urnen. Ich bin nicht der Sports-Typ. Warum regst du dich so auf?“

„Du wolltest doch nie heiraten! Wir haben sogar einen Eid darauf geschworen.“

Sie zuckte die Schultern. „Ja, als wir 25 waren. Aber schau dich bitte mal um, Klara. Die Welt ist voller Girlies mit Knackarsch und Pfirsichhaut. Und jedes Jahr werden es mehr. Wer sagt mir, dass nicht eines Tages eine Neunzehnjährige mit Schmollmund und Kulleraugen meinem Jussi den Kopf verdreht. Schließlich ist er eine Riesenpartie.“

„Du hast doch auch Kulleraugen!“

„Ja, aber mit Fältchen drumrum.“

Ich war entgeistert. Meine super attraktive, super selbstbewusste, super mondäne Freundin fürchtete plötzlich die Konkurrenz aus dem Kindergarten. In einer Beziehung kam es schließlich nicht nur auf pralle Möpse und Babyface an. Innere Werte wie Humor, Erfahrung und Einfühlsamkeit zählten schließlich auch.

„Aber der Jussi liebt dich abgöttisch. Da musst du ihn doch nicht mit einem Ehevertrag an dich ketten.“

Helene legte mir die Hand auf den Arm. „Liebe ist gut, Absicherung ist besser. Es wird sich sowieso nicht viel ändern. Jussi wird weiterhin die Hälfte des Jahres auf Geschäftsreisen sein, und ich mache hier meinen Kram. Ich bräuchte dann auch nicht mehr zu arbeiten und könnte ihn ab und zu ins Ausland begleiten.“

Ich nickte neidisch.

„Außerdem wird es sowieso Zeit für Familienplanung. Jussi wünscht sich Kinder. Diese Aktion sollte man bis Ende Dreißig über die Bühne gebracht haben, sagt meine Gynäkologin.“

Das gab mir vollends den Rest. Erst Heiraten und dann auch noch Babys! War sie jetzt von allen guten Geistern verlassen. Ich erinnerte mich genau, dass Leni bis vor Kurzem um Kinder, egal welchen Alters, einen riesigen Bogen gemacht hatte. Als ihre Freundin Melissa sie einmal bat, für zwei Stunden auf den kleinen Leon aufzupassen, hatte Helene spontan ihren Flug nach Helsinki umgebucht und war drei Tage früher abgereist. Und wenn wir ein Restaurant betraten, in dem Mütter mit Kindern anwesend waren, gab Leni jede Tischreservierung gerne auf.

„Wann gedenkst du denn, deinen Jussi zu erhören?“, fragte ich gedehnt und hoffte, dass dieser Moment in weiter Ferne lag.

„Ich habe ihm geraten, in drei Monaten noch mal nachzufragen. Bis dahin kann er zeigen, was in ihm steckt.“

Drei Monate! Das war ja praktisch übermorgen. Und was würde aus mir werden, wenn Leni Ja sagte? Ich fühlte mich verraten.

„Du solltest dir übrigens auch mal Gedanken über deine Zukunft machen.“ Sie sah mich aufmunternd an. „Super-Max hat doch prima Gene. Das werden sicher hübsche Kinder. Und in seiner Dachterrassenwohnung ist doch locker Platz für Drei.“

Um ehrlich zu sein, hatte ich diese Möglichkeit bereits erwogen, wollte es aber nicht zugeben.

„Spinnst du. Ich lasse mich doch nicht an die Kette legen. Nein, es ist toll so wie es ist. Max und ich haben sehr viel Spaß zusammen, lassen uns aber gegenseitig alle Freiheiten. Das ist auch wichtig, finde ich, weil ...“

„Weil?“

„Na ja, in einer Beziehung muss man sich entfalten können. Und das geht nicht mit Ehering. Eheringe sind wie Daumenschrauben.“

„Wie du meinst.“ Helene zuckte die Schultern. „Aber denk daran, Klara, die Konkurrenz schläft nicht.“

Ich ärgerte mich. Das war typisch für Helene. Erst zwang sie mir jahrelang ihre Meinung auf, dass Heiraten und Kinder das Hinterletzte waren. Und dann, kaum hatte sie den Antrag ihres finnischen Sonderlings in der Tasche, sah alles ganz anders aus.

Vor allem ärgerte ich mich, weil ich ihr insgeheim recht gab. Wir wurden schließlich alle nicht jünger. Kürzlich hatte ich mein erstes graues Schamhaar entdeckt und sofort panisch entsorgt. Was sprach eigentlich dagegen, dem Mann seines Herzens ein kuscheliges Nest zu bereiten? Ihn liebevoll zu umsorgen und täglich mit seinen Kreditkarten Einkaufen zu gehen. Ihm wohlgeratene Kinder zu schenken und am Wochenende Kurzurlaube mit der Familie zu unternehmen. Da musste dann aber ein neues Auto her. Der alte Austin bot kaum genug Platz für zwei Leute mit Zahnbürsten.

Wenn ich es mir recht überlegte, wollte ich gar keine Karriere machen. Ich wollte auch schwanger werden, am besten gleich. Da in Deutschland ja kaum noch Kinder geboren werden, und Frauen nur an ihren beruflichen Aufstieg denken, musste meine Familienbereitschaft für jeden deutschen Mann eigentlich eine Spitzennachricht sein. Sicher auch für Max. Schließlich war er ein großer Kinderfreund.

Wir hatten zwar noch nie über Nachwuchs geredet, aber einmal, als wir Rollerbladen waren, hatte Max sich sehr fürsorglich um einen kleinen Jungen gekümmert, den er aus Versehen über den Haufen gefahren hatte. Und letztens im Schwimmbad hatte er einem kleinen Mädchen die Schwimmflügel aufgeblasen. Ich war zwar beleidigt, weil die Mutter der Kleinen aussah wie Pamela Anderson und hatte deshalb den Rest des Tages geschmollt, aber rückblickend hielt ich seinen Einsatz für eine gute Basis.

Max würde ein toller Vater sein. Und auf diese Weise würde ich ihn auch ganz eng an mich binden können. Wir wären eine glückliche, unzertrennliche Familie. Da wäre ein für alle Mal Schluss mit Ex-Freundinnen und Co. Das Timing war auch hervorragend: Seine Firma lief im Moment ganz gut, und außerdem konnte ich mit Helene den Baby-Zeitpunkt absprechen.

Wir zwei würden gemeinsam entzückende kleine Strampelhöschen einkaufen und dann mit Sportkinderwagen und Rollerblades lässig an der Isar entlang düsen. Auch für gemeinsame Abendaktivitäten bliebe genug Zeit. Leni hatte mir nämlich verraten, dass sie sich parallel zum Nachwuchs eine Fulltime-Nanny anschaffen würde. Bei der konnte ich meinen Sprössling sicher auch zwischenparken. Es würde herrlich sein, die Kinder gemeinsam aufwachsen zu sehen. Lenis Baby würde zwar schickere Klamotten bekommen als meines, weil Jussi mehr verdient als Max. Dafür wäre mein Baby optisch um Längen voraus, da Max wesentlich attraktiver ist als Jussi.

Und noch aus einem dritten Grund passte das Timing: Meinen Job als Pressereferentin konnte ich umgehend an den Nagel hängen. Dieser Gedanke beruhigte mich. Seit einer Woche war ich bei Andi Kübler, meinem neuen Chef, nämlich völlig unten durch. Wir hatten uns ja von Anfang an nicht gemocht, aber seit dem Zwischenfall beim letzten Informations-Meeting behandelte er mich wie eine Kellerassel.

Es war eine dieser überflüssigen Veranstaltungen gewesen, bei denen Kübler die halbe Firma zusammentrommelte, um sich wichtig zu machen. Wir saßen im Präsentationsraum bei heruntergelassenen Jalousien und langweilten uns tödlich. Kübler stand vorne, klickte Charts über den Bildungsgrad der Zuschauer von TV-Soaps durch und sonderte seine Meinung dazu ab.

Ich saß hinten und tat das, was ich bei solchen Meetings immer tat. Ich spielte Bullshit Bingo mit Sebastian. Basti war mein Lieblingskollege aus der Presseabteilung und hatte auch keine Lust auf Kübler. Er hätte viel lieber bei Amnesty International gearbeitet, oder bei Greenpeace. Und er war ein sehr guter Bullshit Bingo-Spieler.

Die Regeln dieses Spiels, das sich vor allem in Medienkreisen größter Beliebtheit erfreut, sind ganz einfach. Funktioniert ähnlich wie beim klassischen Bingo, mit dem Unterschied, dass auf den Zetteln der Teilnehmer keine Zahlen stehen, sondern gängige Phrasen aus der Branche. Jeder Spieler erhält eine Tabelle aus fünf mal fünf Begriffen. Fällt einer dieser Begriffe im Meeting, wird er angekreuzt. Wer als erster eine Fünferreihe hat, ob horizontal, vertikal oder diagonal, ruft BULLSHIT und hat gewonnen.

Details

Seiten
0
Erscheinungsform
überarbeitete Neuauflage
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783960872382
ISBN (Buch)
9783960875772
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v438341
Schlagworte
liebe-frauen-roman-tik-s-e-lustig-humor-voll romantic-comedy romantische-komödie chick-lit Ex-freund-in-nen-frau-en-wife-wives Club Teufel-innen

Autor

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    Daniela Braith (Autor)

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Titel: Mein Traummann, seine Exfreundinnen und ich (Liebe, Chick Lit)