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Mein Leben mit Anna von IKEA – Junggesellenabschied (Humor)

von Thomas Kowa (Autor)

2018 0 Seiten

Leseprobe

Über dieses E-Book

Ausgerechnet nach seinem Junggesellenabschied wacht Matthias Käfer in einem fremden Bett auf – mitten im Chaos! Neben ihm schlafen zwei nackte Stripperinnen mit einem ziemlich großen Geheimnis und vor ihm steht ein Pappaufsteller von George Clooney, an dessen Ohr ein Hamster knabbert. Doch all das ist nicht sein größtes Problem, sondern der Liebesbrief, den er einer Frau geschrieben hat, die er erst seit vergangener Nacht kennt.

Vierundzwanzig Stunden zuvor war Matthias noch fest überzeugt davon, dass er seiner Verlobten Anna stets treu bleiben würde. Doch da wusste er noch nicht, wer seinen Junggesellenabschied organisiert: Alexa, die digitale Assistentin, die alles besser weiß und doch von nichts eine Ahnung hat.

Für Matthias gibt es jetzt nur noch eine Möglichkeit, alles wieder gerade zu biegen …

Impressum

dp Verlag

Erstausgabe Oktober 2018

Copyright © 2020 dp Verlag, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Made in Stuttgart with ♥
Alle Rechte vorbehalten

E-Book-ISBN: 978-3-96087-363-1
Taschenbuch-ISBN: 978-3-96087-365-5

Covergestaltung: ARTC.ore
unter Verwendung von Motiven von
freepik.com: © kjpargeter, © creativepack
pixabay.com: © OpenClipart-Vectors
Lektorat: Daniela Höhne

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

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Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

als ich gerade mittendrin war, Meine Hochzeit mit Anna von IKEA  zu schreiben, fiel mir auf, dass ich dem armen Matthias gar keinen Junggesellenabschied gegönnt hatte.

Das geht natürlich überhaupt nicht, daher muss die Hochzeit noch ein wenig warten. Falls sie überhaupt kommt, bei uns Autoren weiß man ja nie, welcher Dreh am Ende noch offenbart wird.

Oder am Anfang.

Denn Matthias bringt sich dieses Mal dermaßen in die Bredouille, dass ich nicht garantieren kann, ihn da wieder rauszuholen. Aber lest es am besten einfach selbst …

Wie alles begann und danach weiterging...

Matthias Käfer, Vollzeitsingle, Bankangestellter auf Bewährung und Besitzer eines inkontinenten Geschirrspülers, lernt bei IKEA die nette schwedische Kundenberaterin Anna kennen. Doch sieht Matthias eine hübsche Frau, bekommt er den Mund nicht mehr auf.

Also kontaktiert er Anna online. Durch ein Missverständnis gerät er an die virtuelle Kundenberaterin Anna von Ikea und glaubt am Ende, sie habe sich mit ihm verabredet.

Weil Matthias denkt, das Date finde bei IKEA statt, trifft er dort die echte Anna und verliebt sich in sie.

Doch er sagt es ihr nicht.

Als Anna eine Stelle als Lehrerin in Schweden angeboten bekommt, geht sie schweren Herzens zurück.

Fast zeitgleich verliert Matthias seinen Job bei der Sparkasse. Der Klempner Kemal, dem er einige Werbeslogans getextet hat, stellt ihn als neuen Werbeleiter an und erlaubt ihm, von überall aus zu arbeiten.

Matthias besucht Anna in Schweden und die beiden werden ein Paar.

 

Kaum ist Matthias zu Anna nach Göteborg gezogen, merkt er, dass im Land der Elche und Billy-Regale einiges anders ist als daheim.

Außerdem hat sich der ex-porschefahrende Ex-Freund von Anna, Viggo, in den Kopf gesetzt, seine »große Liebe« zurückzuerobern. Der Millionärssohn gibt sich umweltbewusst und überredet Anna, mit ihm auf eine Klimakonferenz ins tiefste Grönland zu fahren.

Derweil muss Matthias die Firma seines Chefs Kemal retten, der alles auf ein neues Produkt gesetzt hat: Dönereis. Und das mitten im Winter.

Matthias entwirft eine Werbekampagne, doch diese scheitert, weil das Eis furchtbar schmeckt.

Auch ein Relaunch als Dönersuppe geht in die Hosen, allerdings kann Kemal das Fertigungsverfahren verkaufen und die Firma und der Job von Matthias werden gerettet.

Am Ende erkennt Anna, dass Viggo sich nie geändert hat und der rücksichtslose Egoist ist, der er immer war.

Schließlich, an Heiligabend, macht Matthias Anna einen Heiratsantrag – und sie nimmt an.

1

Es hat schon mancher seine Ehe bereut – den Junggesellenabschied jedoch nur sehr wenige.
Unbekannt, kennt aber offensichtlich nicht Matthias Käfer

Ich blicke auf vier nackte Brüste.

Obwohl ich gerade aufgewacht bin und mein Kopf sich anfühlt, als befände sich darin ein aktives Braunkohleabbaugebiet, weiß ich ganz bestimmt, dass meine Verlobte Anna keine vier, sondern nur zwei Brüste hat.

Nein, ich sehe nicht doppelt, auch wenn neben mir zwei nackte Frauen schlafen, die aussehen wie Zwillingsschwestern.

Wie asiatische Zwillingsschwestern, um genau zu sein. Aber ich sehe das Bett nur einmal, und auch alles andere in diesem riesigen Raum.

Er ist vollgestellt mit irgendwelchen afrikanischen Holzfiguren, zwei Schaufensterpuppen, die mit Graffiti beschmiert sind und einem Pappaufsteller von George Clooney, an dessen Ohr ein Hamster knabbert. Rechts und links davon stehen ein paar ausgeschaltete Scheinwerfer, dahinter liegt ein großer Kühlschrank auf dem Boden, die Innenseite aufgeklappt.

Ich reibe mir die Augen, blicke an mir herab und stelle erstaunt fest, dass ich nackt bin. Irritiert schaue ich wieder zu den beiden schlafenden asiatischen Zwillingen; ihr Unterkörper ist von einer roten Decke verhüllt. Neben ihnen liegen mehrere benutzte Kondome. Sofort muss ich an das Versprechen denken, welches ich Anna gegeben habe.

Ich habe geschworen, ihr immer treu zu sein.

Ich richte mich auf und merke sofort, dass mir nicht nur der Schädel, sondern auch mein Hintern wehtut.

Erinnerungsfetzen ziehen vorüber, hastig lupfe ich die Decke über den Unterkörpern der Zwillinge.

»Verdammte Hamsterkacke!« Schnell ziehe ich die Decke wieder zurück.

Im nächsten Moment knarrt die Tür, sie wird aufgerissen und ein mir völlig unbekannter Mann torkelt volltrunken in das Zimmer. Er trägt eine blonde Fönfrisur, die aussieht wie ein aufgeplatztes Sofakissen. Schließlich bleibt er vor dem offenen, umgekippten Kühlschrank stehen und kotzt ansatzlos in das Gemüsefach.

Dann erst sieht er mich, wischt sich den Mund ab und hebt den Arm zum Gruß, als sei er die englische Königin. »War eine geile Party, oder?« Er torkelt zu mir und reicht mir einen zerknüllten Zettel. »Das ist die Kopie, die du … hicks … haben wolltest.«

Ich reibe mir die Stirn, hinter der immer noch alles dröhnt. »Kopie von was?«

Der blonde Mann mit der Sofakissenfrisur schwankt noch ein wenig herum, bevor er endlich antwortet. »Von dem Brief, den du gestern Abend … hicks … geschrieben hast.«

Ich falte den Zettel auseinander, die krakelige Schrift kenne ich nur zu gut. Es ist meine.

Liebe Alexa,

du bist die Frau meines Lebens!

Bevor ich dich kennengelernt habe, wusste ich gar nicht, was Liebe ist. Alle anderen Frauen verblassen neben dir.

Was immer auch passiert, eines darfst du nie vergessen:

Ich liebe dich.

Dein Matthias

Geschockt starre ich auf den Namen in der obersten Zeile. »Alexa?«, rufe ich.

»Hallo, Matthias«, antwortet eine Frauenstimme. »Soll ich dir noch mal den Maiskolben grillen, du böser Delfin?«

2

Stunden früher

Viele Häschen sind des Junggesellen Tod.
Kuno Klaboschke, deutscher Gebrauchsphilosoph

Diese verdammte Schnake hat mich schon in der Nacht genervt, doch anstatt sich im Schlafzimmer mit prallgefülltem Bauch auszuruhen, schwirrt sie jetzt auch noch in der Küche um uns herum.

Ich blicke ihr missmutig nach, Anna ignoriert sie und der Ober-Öko Morten hat sie wahrscheinlich noch gar nicht bemerkt, denn sie ist kein Wal, den er retten könnte. »Warum feiert ihr schon euren Junggesellenabschied, wenn ihr noch nicht mal den Hochzeitstermin kennt?«, fragt er, richtet seinen grauen Pferdeschwanz und rollt seine Bibel zusammen, also das Greenpeace Magazin.

Morten ist der beste Freund von Anna, arbeitet bei Greenpeace als Aktivist und ist das wandelnde Weltgewissen.

Jedenfalls, wenn es um Anna und mich geht.

Plötzlich zischt es und das zusammengerollte Greenpeace Magazin knallt so laut auf unseren Küchentisch, dass ich hochschrecke.

»Morten!«, ruft Anna.

»Damit rechnet keine Schnake.« Morten lächelt triumphierend und entsorgt sie ökologisch korrekt im Bio-Abfall. »Es mag hinterhältig sein, aber es ist effizient.«

»Schnaken können nicht lesen«, widerspreche ich. »Es ist ihnen ziemlich egal, ob du sie mit der AUTO BILD oder dem Greenpeace Magazin erschlägst.«

Morten zuckt mit den Schultern und deutet auf das Rückcover. »Ich hab sie jedenfalls erwischt.« Er beißt in sein Stückchen Tigerkaka – also Marmorkuchen – und lächelt. »Wer sich immer nur total korrekt verhält, wird irgendwann verrückt. Mückenjagd ist meine Art des Frustabbaus.« Er bemerkt unseren irritierten Blick und zuckt entschuldigend mit den Schultern. »Außerdem hat diese Mückenplage, die Schweden jeden Sommer heimsucht, ihre natürliche Ausprägung weit überschritten.«

»Es ist Mitte März«, sage ich. »Kalendarisch ist das nicht mal Frühling.«

»Ich sag ja, die Mückenplage hat ihre natürliche Ausprägung überschritten.« Morten winkt ab, mustert Anna und mich. »Jetzt aber wieder zu euch. Findet ihr das eine gute Idee mit dem Junggesellenabschied? Das ist doch wieder so eine Tradition, die aus den USA kommt. In Deutschland und in Schweden feiert man eigentlich Polterabend am Vorabend der Hochzeit.«

»Und zerbricht dabei Kloschüsseln im Vorgarten der Braut«, sage ich. »Das wäre mir ja vielleicht egal, wenn wir nicht schon zusammenwohnen würden.« Ich grinse, doch niemand lacht.

»Das war ein Scherz«, erkläre ich schnell. »Die Eheleute müssen das ganze Porzellan ohnehin gemeinsam beseitigen, als erste Prüfung.« Ich blicke Morten an. »Aber denk doch mal an die Umweltfolgen.«

Morten seufzt. »In allem was ich tue, denke ich ständig an die Umweltfolgen. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie mir das auf den Sack geht.«

»Dann genieß den Junggesellenabschied doch einfach«, sage ich. »Du bist schließlich auch eingeladen.«

»Aber warum ist alles so kurzfristig?« Morten schaut uns fragend an. »Ich habe erst vor einer Woche die Einladung bekommen.« Er deutet auf seine Uhr. »Und in einer halben Stunde geht es schon los.«

»Ist es echt schon so spät?« Gestresst blicke ich auf mein Handy. Warum hat sich die verdammte Hamstersitterin noch nicht gemeldet?

»Also ich weiß schon seit über einem Monat, dass wir dieses Wochenende wegfliegen«, antwortet Anna. »Meine Trauzeugin Isabella hat sich tierisch ins Zeug gelegt.«

Morten seufzt. »Will sie jetzt kompensieren, dass sie dich fünfzehn Jahre nicht gesehen hat?«

»Sie ist nun mal in die USA ausgewandert«, entgegnet Anna. »Aber sie war sofort Feuer und Flamme und hat alles organisiert.«

»Mein Chef Kemal hat ein wenig Anlaufzeit gebraucht«, antworte ich. »Aber jetzt ist alles vorbereitet, oder?«

Morten nickt vorsichtig. »Ich verstehe immer noch nicht, dass dein Chef deinen Junggesellenabschied plant.«

»Er ist auch mein Freund«, antworte ich. »Außerdem kümmert er sich besser um meinen Junggesellenabschied, als dass er wieder irgendein Produkt erfindet, das am Ende niemand braucht. Ich sag nur: Dönereis.«

»Und wo fliegt ihr hin?«, fragt Morten und schaut Anna an. Klar, wo wir Männer hinfliegen, weiß er schließlich.

Im Gegensatz zu mir.

»Ich habe keine Ahnung.« Anna lächelt gespannt. »Ich weiß nur, dass wir morgen Abend gegen achtzehn Uhr wieder in Göteborg landen, eine Viertelstunde vor euch. Wenn alles klappt, sehen wir uns in nicht mal sechsunddreißig Stunden am Flughafen wieder.« Anna blickt mich verliebt an und ich gebe ihr einen Kuss.

Ich habe Anna in meiner alten Heimat bei IKEA kennengelernt. Nach einigen Verwechslungen mit der virtuellen Assistentin Anna von IKEA , sind wir schließlich ein Paar geworden, ich bin von Ludwigshafen-Oggersheim in die Göteborger Altstadt gezogen und habe Anna an Weihnachten einen Heiratsantrag gemacht.

Den sie freudestrahlend angenommen hat.

Vorher ist es zwar zu ein paar Komplikationen und Missverständnissen gekommen, aber die sind jetzt alle Geschichte.

Ich muss wieder an Weihnachten denken, es war wirklich schön, aber arschkalt.

Schweden eben.

Außerdem habe ich an Weihnachten noch George Clooney den Zweiten geschenkt bekommen, einen Hamster, der friedlich in der Wühlecke seines Indoorspielplatzes schläft. Den habe ich ihm eigenhändig gebaut. Und zwar ohne das Holz abzufackeln, an der falschen Stelle zu zersägen oder sonst etwas kaputt zu machen.

Okay, ich hab mit dem Hammer dreimal auf meinen Finger, statt auf den Nagel gehauen, aber für jemanden wie mich, der ein mehrfaches Diplom in Schusseligkeit besitzt, war der Bau des Hamsterspielplatzes eine Meisterleistung.

»Und wo fliegen wir hin?«, frage ich Morten. Hier herrscht immer noch tiefster Winter, schließlich ist März. Heute Morgen habe ich gesehen, wie ein Schneeglöckchen seinen Kopf aus dem Eis gereckt hat und sofort von der Kälte massakriert wurde.

Okay, kann auch sein, dass ich das geträumt hab, weil Anna mir in der Nacht manchmal die Decke wegzieht, aber ich hoffe inständig, dass wir in die Sonne fliegen.

Also nicht direkt in die Sonne, Mallorca würde mir schon reichen.

»Du weißt doch, ich musste hoch und heilig versprechen, nichts zu verraten«, sagt Morten. »Davon abgesehen war ich schon fast überall auf der Welt, aber an dem Ort noch nie. Also lasse ich mich genauso überraschen wie du.«

3

Eine lange Verlobungszeit gibt den Menschen Gelegenheit, vor der Ehe den Charakter des anderen kennenzulernen, was nie ratsam ist.
Oscar Wilde, britischer Schriftsteller

Noch bevor ich Morten weiter erfolglos löchern kann, klingelt es an der Tür. Anna und ich springen gleichzeitig auf, denn sie erwartet ihre Jugendfreundin Isabella und ich meinen Chef und besten Freund Kemal.

Allerdings erwarten wir noch dringender die Hamstersitterin für George Clooney den Zweiten, die ihn während unserer Abwesenheit füttern und ab und an in seinen geliebten Indoorspielplatz setzen soll.

Da ich es war, der mit der Hamstersitterin alles besprochen hat, gehe ich zur Tür, es klingelt erneut und ich höre von draußen ein Bellen.

Kaum habe ich die Tür geöffnet, schießt ein pink gefärbter Chihuahua durch den Schlitz und hüpft kläffend vor mir auf und ab.

Er trägt ein pinkfarbenes Halsband, welches an einer pinkfarbenen Leine hängt. Mein Blick folgt der Leine, eine etwa dreißigjährige Frau hält sie in ihren Händen. Sie trägt pinke High Heels, pinke Nylons, pinke Hotpants, ein bauchfreies pinkes Top, darüber ein pinkes Sakko, pinken Lippenstift, pinke Ohrringe und ein pinkes Haarband im – ich traue meinen Augen kaum – blonden Haar.

Miss Pink blickt mich an, als sei ich ein Dienstbote. »Ich bin Isabella della Stella«, sagt sie mit leicht amerikanischem Akzent. »Und das ist Mr. Dog. Ist meine beste Freundin Anna da?«

Womit zumindest geklärt wäre, dass sie nicht die Hamstersitterin ist. Was einerseits schlecht ist, andererseits gut, zumindest für die Farbe von George Clooneys Haarkleid. »Freut mich, dich kennenzulernen«, sage ich und reiche Isabella die Hand. »Anna ist in der Küche und ich bin ihr Verlobter …«

Weiter komme ich nicht, da halte ich schon die Hundeleine in der Hand, plus einen pinkfarbenen Napf samt Aufforderung, Mr. Dog ein Rinderfilet zu kredenzen, aber bitte fettarm. Außerdem müsse sein Trinkwasser exakt auf dreiundzwanzig Grad temperiert sein, sonst würde Mr. Dog immer so furzen.

Weil Annas Freunde auch meine Freunde sind, knie ich mich zu Mr. Dog hinab. Der bellt mich sofort an, als sei er hier zu Hause und ich der Briefträger, der das online bestellte Katzenfutter bringt. Im Augenwinkel sehe ich, wie Isabella della Stella und Anna sich umarmen. Meine Verlobte schaut mindestens genauso geschockt aus der Wäsche wie ich.

Denn Anna besitzt nur einen einzigen Lippenstift und Schminke habe ich an ihr bisher nur an Fasching gesehen.

Sie ist eben der natürliche Typ und genau das gefällt mir an ihr.

Wieder springt Mr. Dog kläffend an mir hoch. Ich würde ihm ja etwas zu essen geben, aber ich habe keine Ahnung, ob Hunde Tigerkaka essen dürfen. Denn selbst wenn ich Rinderfilet daheim hätte, würde ich es sicher nicht an einen Hund verfüttern – sondern lieber an mich.

Und Hamsternahrung mag Mr. Dog wahrscheinlich auch nicht.

Also stelle ich den Chihuahua erst mal ein Suppenschälchen mit etwas lauwarmem Wasser hin, woraufhin er freudig drauflosschlabbert.

Ich binde seine Leine an die Heizung und lege den immer noch schlafenden George Clooney in seinen Käfig, schließlich soll er auf keinen Fall als Chihuahua-Futter enden. Dann rufe ich zum dritten Mal am heutigen Morgen die Hamstersitterin an.

Sie geht erneut nicht ran. Ich schreibe ihr eine SMS und erinnere sie, dass wir in weniger als einer halben Stunde zum Flughafen fahren müssen.

Weil George Clooney erst seit wenigen Wochen bei uns wohnt, meinte Anna, wir könnten ihn auf keinen Fall allein lassen, denn kaum ist die Sonne untergegangen, will er sofort in den Indoorspielplatz. Und er macht einen riesen Rabatz, wenn es mal länger als fünf Minuten dauert, bis wir ihn dort reinsetzen.

Der Indoorspielplatz hat zwar dreißig Zentimeter hohe Wände, aber kein Dach und ist somit alles andere als hamsterausbruchssicher, weswegen wir George dort nur unter Beobachtung spielen lassen.

Und wenn wir ins Bett gehen, dann muss er wieder in den Käfig, was er bereitwillig akzeptiert, wenn er dort nur genügend zum Hamstern findet.

Ich bekomme eine SMS, und sehe erleichtert, dass die Nachricht von unserer Hamstersitterin stammt. Ich bin in fünf Minuten …, lese ich. Im nächsten Moment furzt es aus dem Flur so laut, als sei Mr. Methan dort eingezogen.

Sofort stürmt Isabella an mir vorbei in den Flur, schreit auf und bindet hastig Mr. Dogs Leine von der Heizung los. »Das ist Freiheitsberaubung!« Anschließend hält sie ihren Finger in das Wasserschälchen von Mr. Dog. »Mindestens zwei Grad zu warm.« Sie schüttelt vorwurfsvoll den Kopf. »Das Rinderfilet besorgen wir wohl besser am Flughafen.«

Bevor ich etwas entgegnen kann, kommt auch schon Anna zu uns in den Flur gelaufen. »Wir können dann los.«

Isabella mustert sie fragend. »Bist du etwa schon fertig?«

»Klar«, sagt Anna. »Ich muss nur noch die Schuhe und die Jacke …«

»Du gehst ungeschminkt auf die Straße?« Isabella blickt sie völlig entsetzt an, was jeder hätte nachvollziehen können, hätte sie das Wörtchen ungeschminkt durch nackt ersetzt.

»Ich kann ja im Flugzeug ein bisschen Lippenstift auftragen«, sagt Anna, zieht Jacke und Schuhe an und wendet sich dann mir zu. »Was ist mit der Hamstersitterin?«

»Ich kümmere mich darum.«

»Wir können den Kleinen auf keinen Fall hier allein zurücklassen.«

»Ich weiß«, sage ich und deute auf mein Handy. »Sie ist in fünf Minuten da.«

»Sicher?«

Ich nicke. »Du kannst beruhigt gehen. Genieß es.«

Anna atmet erleichtert aus und gibt mir einen Kuss. Sie blickt mir tief in die Augen. »Bist du mir auch treu?«

»Klar«, antworte ich und bin mir so tausendprozentig sicher, wie diese ganzen Fußballspieler, die nicht wissen, dass mehr als hundert Prozent bei einer derartigen Frage mathematisch unmöglich sind. »Ich schwöre es.«

Anna nimmt meine Hand. »Ich bin dir auch treu.«

»Das würde ich mir an deiner Stelle gut überlegen.« Isabella schiebt Anna von mir weg, sodass wir uns zum Abschied nicht mal mehr küssen können. »Ich habe einen Stripper eingeladen, der so heiß ist, dass er ganz allein für die globale Erwärmung zuständig ist.« Sie lächelt süffisant. »Jedenfalls sobald er die Hose runtergelassen hat.«

4

Ich bin ganz bestimmt die letzte Person,
die Ratschläge erteilen sollte über, nun ja, alles.
George Clooney, US-amerikanischer Schauspieler

Kaum ist Anna mit der pinken Isabella in deren unglaublicherweise schwarzen Mietwagen gestiegen und davongedüst, schaue ich auf mein Handy. Ich will gerade die Nachricht der Hamstersitterin öffnen, als ein Taxi angeschossen kommt und vor unserer Haustür stoppt.

Die Tür schlägt auf und Kemal springt heraus. »Komische Land hier, Taxifahrer nix komme aus Türkei.« Er deutet auf den Fahrer. »Kannst du ihm sage, er solle warte, bis wir gleich fahre wieder Flughafe? Und sage, habe eilig.«

»Klar«, antworte ich und krame meine immer noch im Embryonalstadium befindlichen Schwedischkenntnisse heraus, um dem Taxifahrer zu erklären, dass er uns samt Kemal gleich wieder mitnehmen kann.

Dann umarme ich meinen Freund und Chef. »Wie war die Reise?«

»Alles perfekt organsiert von meine neue Assistentin.«

»Hast du jetzt eine Sekretärin?«

Kemal winkt ab. »Ich erkläre später.«

Ich stelle ihm Morten vor, der unsere Koffer schon mal in das Taxi bringt.

»Könne wir los?«, fragt Kemal und blickt auf die Uhr. »Sind spät dran.«

»Unsere Hamstersitterin müsste jeden Moment kommen«, antworte ich und öffne ihre Nachricht auf meinem Handy. Ich bin in fünf Minuten an der Grenze, es wird also noch zwei Stunden dauern, bis ich bei euch bin. Sorry :-).

Geschockt wähle ich ihre Nummer. Nach dreißig Sekunden Dauerklingeln geht sie ran. »Das ist ein Scherz, oder?«, frage ich.

»War so schönes Wetter in Kopenhagen«, flötet sie. »Da hab ich glatt die Zeit vergessen. Wann geht noch mal euer Flug?«

»Jetzt!«

»Heißt das, ich hab mich umsonst beeilt?«

»Kennst du jemanden, der kurzfristig einspringen kann?«, frage ich.

»Ihr lasst meinen Job platzen und ich soll euch auch noch dabei helfen?«

Es gibt Leute, die geben anderen selbst dann die Schuld, wenn sie alles ganz allein falsch gemacht haben. Unsere Hamstersitterin gehört offensichtlich dazu, also lege ich auf, denn das Taxi wartet zwar, unser Flugzeug aber ganz bestimmt nicht.

Ich rufe Kemal und Morten zu mir und führe sie zum Hamsterkäfig, in dem George Clooney der Zweite friedlich schläft. »Krisensitzung«, sage ich. »Unsere Hamstersitterin hat uns im Stich gelassen.«

»Dann lass ihr doch den Schlüssel im Briefkasten«, sagt Morten.

»Geht nicht«, antworte ich. »Schließlich braucht sie, um den zu öffnen, einen Briefkastenschlüssel. Und den kann ich nicht zu ihr beamen.«

»Und was ist mit Nachbarn?«, fragt Kemal.

Ich schüttle den Kopf. »Das hier ist ein kleines, schmuckes Einfamilienhäuschen, wir haben keine Nachbarn. Und die Personen, die in den Häusern neben uns wohnen, kenne ich nicht. Göteborg ist eine Großstadt.«

Morten atmet tief aus. »Und wenn du den Schlüssel irgendwo versteckst?«

»Vor den Augen des Taxifahrers? Und die ganzen Passanten, das fällt doch auf.« Ich deute auf die unzähligen Fußgänger, welche die Altstadt bevölkern.

Morten runzelt die Stirn. »Also muss der Greenpeace-Mann daheim bleiben und auf den Hamster aufpassen?«

»Vielleicht gibt es noch eine andere Option«, sage ich. »Kemal, ist mein Junggesellenabschied hamstertauglich? Ja oder nein?«

»Wie du meine?«

»Na, gehen wir in ein Falkengehege oder besuchen wir eine Luchsfarm? Oder irgendwohin, wo es der kleine Racker hier nicht überleben könnte?«

Kemal schüttelt den Kopf. »Willst du mitnehme Hamster? Als was, Proviant?«

»Quatsch.« Ich winke ab. »Die Trauzeugin von Anna hat einen Chihuahua dabei, da können wir einen Hamster mitnehmen, oder?«

Kemal legt erst seine Stirn in Falten, doch dann lächelt er. »Wenn deine Verlobte könne mitnehme Hund, wo ist klein wie Ratte, wir auch könne gehe mit Hamster.«

Ich nehme den Käfig, blicke auf den friedlich schlafenden George Clooney den Zweiten und zögere. »Ein Hamster auf einem Junggesellenabschied, ist das artgerechte Haltung?«, frage ich Morten.

Der zuckt mit den Schultern. »Für einen Hamster ist es artgerecht, von einem Wiesel gefressen zu werden, trotzdem hat er wahrscheinlich keinen Spaß daran.« Er deutet auf den schlafenden George. »Wenn wir ihn tagsüber im Hotel lassen, kann er ausreichend schlafen und nachts, wenn er aktiv ist, werden wir ihn kaum bemerken. Außerdem sind Hamster Einzelgänger«, sagt er. »Wer also wäre besser als Maskottchen für deinen Junggesellenabschied geeignet als George Clooney der Zweite?«

5

Junggeselle: ein Mann, der nie denselben Fehler einmal gemacht hat.
Bolivianisches Sprichwort

Schnell packe ich noch ein paar Möhren, Salatblätter und Leckerli ein, dann steigen wir in das Taxi, der Käfig mit dem immer noch schlafenden George neben mir auf der Rückbank.

Der Taxifahrer will gerade losfahren, als Kemal noch einmal aussteigt und die Tür neben mir öffnet. Er holt einen schwarzen Schal aus seiner Jacke. »Ist Überraschung, wo wir fahre hin.«

»Zum Flughafen«, sage ich. »Oder?«

»Ist besser du gewöhne jetzt schon an Schal, dann du nicht so viel rumstolpere während Flug, wenn nix könne sehe.«

Ich lasse es über mich ergehen, denn erstens will ich mich nicht schon bei meiner ersten Aufgabe weigern und zweitens ist die Fahrt zum Flughafen Göteborg nicht sonderlich spannend.

Eine halbe Stunde später steigen wir aus, was mich in der Annahme bestärkt, wirklich dorthin gefahren zu sein.

Da ich mit dem umgebundenen Schal nicht das Geringste sehe, führt Kemal mich. Auf mein Nachfragen versichert er mir mehrfach, dass Morten den Käfig mit George Clooney dem Zweiten mitgenommen hat. Kaum höre ich die ersten Durchsagen, die darüber informieren, keinesfalls das Gepäck unbeaufsichtigt stehen zu lassen, erinnere ich meine Freunde daran, dass dies auch für den Käfig gilt, woraufhin mir Kemal zwei Ohropax in meine Lauscher steckt.

Wir bleiben irgendwo länger stehen, ich vermute, vor dem Check-in-Schalter. Irgendwie macht mich das nervös, nichts sehen und hören zu können und die Kontrolle zwei Männern zu überlassen, von denen der eine Dönereis für eine tolle Geschäftsidee hält und der andere gerne mit einem Wal verheiratet wäre. Also mache ich darauf aufmerksam, dass der Käfig mit George keinesfalls aufgegeben werden darf, weil es in den Frachträumen viel zu kalt für Nagetiere ist.

Morten legt mir den Arm auf die Schulter und nimmt mir die Ohropax aus den Ohren. »Beruhig dich mal, Tierschutz liegt in meinen Genen.«

»Wenn dem Hamster was geschieht, bringt Anna mich um.«

Morten lacht auf. »Sollte dem Hamster wirklich etwas passieren, wer, meinst du, bekommt den größten Ärger? Du oder der Mann von Greenpeace?«

»Wenn ich so was mache, geht es meistens schief«, seufze ich.

»Wenn ich so was mache, klappt es meistens.« Morten klingt selbstsicher.

»Was heißt meistens?«

»Für Mutter Natur sind einzelne Verluste unbedeutend.« Morten steckt mir die Ohropax erneut in die Ohren und lässt mich stehen, vermute ich jedenfalls.

»Ich dachte, du wolltest mich beruhigen?«, rufe ich ihm hinterher.

Ich höre Kemal zu mir kommen, der mich weiter führt. »… gegange … zusamme …?«, fragt er, jedenfalls kommt das wegen der Ohropax bei mir an.

»Hä?«

Kemal nimmt mir die Dinger erneut raus und wiederholt seinen Satz. »Ist schon jemals was gegange schief, was wir beide zusamme habe gemacht?«

»Ja, die Geschichte mit dem Dönereis und der Dönersuppe.«

»Trotzdem am Ende war alles gut. Okay, ich verlore halbe Firma und dich musste kündige, aber dann ich dich wieder eingestellt, oder?« Er legt mir den Arm auf die Schulter, es fühlt sich jedenfalls so an. »Ich dir schon erzählt von meine neuste Idee? Bei Flug du ohnehin nix habe zu tun, kannst dir überlege neue Slogan für türkische Tsatsiki.«

»Das ist ein griechisches Traditionsrezept!«

»Wenn wäre griechisch müsste heiße Gratsiki, heißt aber Tsatsiki wie Türkei. Ihr nur nix mehr wisse, weil habt umbenannt in Zaziki mit blöde Rechtschreibreform, wo nicht mal mehr Deutsche kapiere wie was schreibe.«

»Lass uns das Geschäftliche nach dem Wochenende besprechen«, seufze ich und Kemal brummelt irgendetwas, das ich als Zustimmung interpretiere. Aber irgendwie schwingt da noch etwas anderes mit.

»Hast du schon wieder etwas bestellt?«, frage ich. »Einen Werbespot, einen Fünfsternekoch, eine Produktionsanlage?«

»Nur zwei LKW voll Knoblauch«, sagt Kemal. »War aber Sonderangebot und wir auch könne verwende für Döner.«

»Na, dann können wir uns jetzt auf den Junggesellenabschied konzentrieren, oder?«

Dieses Mal höre ich deutlich, dass Kemal zustimmt und nachdem wir gefühlt durch den halben Flughafen gelaufen sind, nimmt er mir auch noch den Schal ab. »Handgepäckkontrolle«, sagt Kemal. »Wenn du trage Binde, sie glaube, wir dich entführe. Das stimme zwar, brauche Security aber nix wisse.«

6

Ein Junggeselle ist ein Mann, der seine Ringe unter den Augen trägt.
Willy Reichert, Schauspieler, Kabarettist und Schriftsteller

Ich passiere die Handgepäckkontrolle und sehe mit Erleichterung, dass George immer noch ruhig in seinem Käfig schläft.

Weil der Käfig auch durch die Durchleuchtungseinheit geschoben werden muss, nimmt Morten den Hamster heraus und trägt ihn auf seiner Hand schlafend durch die Schleuse. Als Morten den kleinen George wieder in den Käfig setzt und dieser immer noch schläft, beschließe ich, mir um den Hamster keine Gedanken mehr zu machen. Morten passt wahrscheinlich viel besser auf ihn auf, als ich es je könnte.

Kurz darauf beginnt der zweite Teil meines Blindflugs, passenderweise im Flugzeug.

Kemal erzählt der Stewardess, ich hätte eine komplizierte Augenoperation hinter mir, weswegen ich meine hochempfindlichen Sehorgane mit dem Schal schützen müsse.

Natürlich sagt er das in seinen eigenen Worten, aber der Sinn ist in etwa der gleiche, lässt man seine abfällige Bemerkung darüber beiseite, dass im Flugzeug Ouzo käuflich erhältlich ist, aber kein Raki. Die Reaktion der Stewardess darauf bekomme ich nicht mehr mit, denn da stecken schon wieder die Ohropax in meiner Hörmuschel.

»Sollte man sich beim Junggesellenabschied nicht frei und ungebunden fühlen?«, frage ich. »Das letzte Mal in seinem Leben?«

Kemal nimmt mir die Ohropax heraus. »Das du habe falsch verstande. Weil verheiratete Mann habe nix mehr Zeit für seine Freunde Junggeselleabschied ist Rache von Freunde an Bräutigam, weil der gewechselt Seite.« Kaum hat er das gesagt, steckt er mir die Ohropax wieder in die Lauscher und zwar fester als zuvor.

Ich nehme sie trotzdem heraus. »Das ist total unnötig, es spielt ohnehin keine Rolle, wohin wir fliegen.«

»Das ist aber wichtig: andere Land, andere Fritten.«

»Aber von Göteborg aus gehen keine Interkontinentalflüge ab, also landen wir am Ende in einer europäischen Großstadt und die unterscheiden sich in den Innenstädten nur durch die unterschiedliche Anzahl der McDonald’s-, Burger King- und Starbucks-Filialen, plus die der H&M und Zara-Läden.«

»Du habe vergesse Dönerbude. Es gebe viel mehr davon in Dortmund als beispielsweise in Helsinki. Außerdem wir gehe an Ort, wo nix hat Innenstadt. Meine Assistentin hat geplant.«

»Ein Ort ohne Innenstadt?« Ich würde Kemal jetzt irritiert anblicken, wenn sich nicht dieser blöde Schal vor meinen Augen befände. »Also fahren wir in ein Dorf?«

»Nix Dorf. Ist Stadt ohne Innenstadt.« Er winkt ab. »Aber ich schon genug verrate und du schweige jetzt.«

Er steckt mir die Ohropax erneut in die Ohren.

Weil ich jetzt weder etwas sehe, noch höre und ich mir sicher bin, dass es ein langer Tag und eine noch längere Nacht wird, schiebe ich meinen Sitz zurück und versuche ein wenig zu schlafen.

 

***

 

Zu meiner Überraschung gelingt mir das Einschlafen, was man ja immer erst merkt, wenn man aufwacht.

Ich würde mich gerne umblicken, aber der Schal hängt über meinen Augen. Wenigstens nimmt mir Kemal die Ohropax heraus. »Wir gelandet«, sagt er. »Jetzt gehen aus Flugzeug, dann aus Flughafe und dann warte Fahrer auf uns.«

Und schon steckt er mir die Dinger wieder hinein. Ich komme mir schon vor wie ein Abflussstöpsel, den man ständig rein und rausnimmt.

Schlaftrunken torkle ich neben ihm her und bin immer noch faultiermüde, als wir offensichtlich in einen Bus einsteigen. Jedenfalls geht es eine kurze Treppe hoch und ich setze mich, ohne angeschnallt zu werden.

Kurz darauf wiegt mich der brummende Diesel erneut in den Schlaf und ich träume von der Hochzeitsnacht mit Anna.

7

Chemie ist, wenn es raucht und stinkt. Physik ist, wenn es nie gelingt.
Deutsches Sprichwort

Nun habe ich in meinen Träumen schon allerhand Absonderliches erlebt: Ich bin von zentimeterhohen Brücken gefallen, wurde von bösartigen Marienkäfern aufgefressen und habe mich aus Versehen selbst im Gefrierfach eingefroren. Im letzteren Fall war das Schlafzimmerfenster gekippt gewesen – im Winter in Schweden ohne Expeditionsschlafsack keine sonderlich gute Idee.

Aber dieser Traum meiner Hochzeitsnacht ist total anders, denn er endet zu meiner Verwunderung darin, dass ich in eine Kloake falle.

Die dermaßen stinkt, als habe man alle Campingtoiletten dieser Welt da hineingeschüttet.

Plus den Inhalt aller mobilen Toilettenhäuschen.

Und als Krönung noch eine Dose Red Bull.

Ich reiße die Augen auf, merke, dass ich wieder etwas sehen kann und halte mir gleichzeitig die Nase zu. »Warum stinkt es hier denn so?«

»Gut, du wache auf«, antwortet Kemal. »Ich schon befürchtet, du verpasse Highlight von deine Junggeselleabschied.«

Er steigt aus dem Bus und ich trotte ihm hinterher.

Meine Augen gewöhnen sich nur langsam an das Licht, irgendwie sieht es so aus, als seien wir auf einem fremden Planeten gelandet.

Jedenfalls sehe ich überall runde Löcher und spitze, antennenförmige Konstrukte, die in den Himmel ragen.

Ich reibe mir die Augen und halte mir sofort wieder die Nase zu. Zu meiner Verwunderung trägt Kemal keinen Astronautenanzug. Ich auch nicht, wie ich feststelle, als ich an mir herabblicke.

Wenigstens haben sich meine Augen jetzt an das Licht gewöhnt und ich sehe klarer. Wir stehen zwischen mehreren runden Wasserbecken, in denen eine braun-graue Flüssigkeit brodelt. Dahinter sind riesige Schornsteinkonglomerate zu sehen. »Wo sind wir hier?«, frage ich Kemal. »Mordor?«

Dann erst bemerke ich den Typ im Businessanzug, der vor uns und einer Horde Rentnern steht. Da es eher unwahrscheinlich ist, dass Rentner sich auf fremde Planeten trauen, wenn viele von denen schon vorm Dönermann um die Ecke Angst haben, müssen wir uns also noch auf der Erde befinden.

Der Typ im Businessanzug erzählt gerade irgendetwas von einer der modernsten Kläranlagen Europas.

Auf Deutsch.

»Das ist nicht dein Ernst?!« Ich werfe Kemal einen Blick zu, der mindestens so giftig ist, wie diese Brühe vor uns. »Wir sind in der BASF?«

»Laut TripAdvisor ist größte Sehenswürdigkeit von Ludwigshafe. Werksbesichtigung in größte Chemiewerk der Welt.«

Ich verschränke meine Arme und halte mir trotzdem die Nase zu, was ein wenig merkwürdig aussieht. »Was machen wir in Ludwigshafen?« Zwangsläufig klingt meine Stimme ein wenig piepsig, weswegen Kemal lacht.

»Na, Junggeselleabschied.«

Ich seufze und lasse meine Nase frei atmen. Inzwischen hat sie sich ein wenig an den Gestank gewöhnt. »Ich bin hier geboren und aus guten Gründen ausgewandert.«

»Und jetzt du komme zurück.« Kemal deutet auf die Schornsteine vor uns. »Ist doch schöne, moderne Stadt.«

»Gäbe es ehrliche Werbeslogans, dann würde der meiner Heimatstadt lauten: Ludwigshafen – überraschend hässlich.«

Kemal schüttelt den Kopf. »Das nur, weil Einheimische meist blind gegenüber von Schönheit von eigene Stadt.«

»Das mag ja stimmen, wenn man auf den Malediven lebt, aber in Ludwigshafen ist das definitiv nicht der Fall.« Ich seufze. »Davon abgesehen, wer hatte denn diese blödsinnige Idee?«

»Meine neue Assistentin.« Kemal lächelt stolz. »Wenn wir hier raus, sie dir wird genau erkläre, wie sie kam auf diese perfekte Plan.«

Jetzt erst fällt mir auf, dass ich unter all den Personen, die hier herumstehen, einzig Kemal kenne. »Wo sind denn die anderen Gäste?«

»Komme später, diese Teil von Programm nix traf auf uneingeschränkte Zustimmung.«

»Das wundert mich überhaupt nicht.« Ich schaue mich um. »Wo ist Morten?«

»Hamster nix erlaubt auf Werksgelände.« Kemal legt eine traurige Miene auf. »Außer man lässt einschläfern.«

Mein Puls schnellt sofort in die Höhe. »Das würde Morten niemals tun!«

»Deswegen er musste aussteige Werkstor. Wenn George Clooney nix flüchte aus Käfig auf Werksgelände, alles okay. Wenn doch, wir müsse noch einplane für heute Abend Hamsterbegräbnis.«

Ich schlucke. »Wie lange geht diese verdammte Führung denn?«

»Habe gerade erst angefange. Aber jetzt komme gleich Highlight.« Kemal deutet auf unseren Führer, der von Umweltschutz und Nachhaltigkeit redet und weitere schönklingende, aber nichtsagende Begriffe aus dem Wortbaukasten für Chemieunternehmen herunterplappert.

Obwohl ich gar nicht müde bin, drohe ich, gleich wieder einzuschlafen.

Endlich packt er uns zurück in den Bus und wir fahren eine Station weiter. Überall raucht, dampft und qualmt es, aber wenigstens stinkt es nicht mehr so penetrant wie in der Kläranlage.

Wobei ein überdimensionierter Autoduftbaum dem ganzen Werksgelände guttäte.

Obwohl der auch Chemie ist.

Erneut steigen wir aus dem Bus, was mit den Rentnern eine Weile dauert und gehen zu einem riesigen Gebilde, das nur aus Rohren, Schornsteinen und Kesseln zu bestehen scheint. Es stellt locker alles in den Schatten, was ich unterwegs gesehen habe. Der Führer nennt das Ding Steamcracker und bezeichnet es als Herz der BASF.

»Dann Firma habe Herz aus Stahl«, sagt Kemal und deutet auf das riesige Metallkonstrukt vor uns.

Der Führer lacht nicht mal, was im Grunde auch eine Antwort ist.

Dafür zählt er auf, was für tolle Produkte aus dem Steamcracker purzeln, nämlich die Vorstufen für Nagellack, Unkrautvernichter und Vitamine. Ich will gerade fragen, warum man für letztere Chemie braucht, wenn man auch einen Apfel essen kann, da piept mein Handy. Es ist eine SMS von Anna:

 

Hej, sind in Amsterdam in einem Luxushotel abgestiegen.
Ich wusste gar nicht, dass hier auch knackige Männer im Schaufenster sitzen.
:)
Hat mit George alles geklappt?
Kyss, deine Anna

 

Weil ich mir vorgenommen habe, zu Anna stets ehrlich zu sein, antworte ich ihr, dass wir in Ludwigshafen gelandet sind, George mitgenommen haben und er schläft. Das hoffe ich zumindest, aber das schreibe ich nicht.

Ehrlichkeit hat schließlich seine Grenzen.

Gefühlte drei Sekunden nachdem ich geantwortet habe, kommt schon die nächste SMS:

 

Hab Anna ihr Handy abgenommen. Die Kommunikation zwischen dem Brautpaar ist auf einem Junggesellenabschied strikt untersagt. Sollte es etwas Wichtiges geben, hörst du von mir.
Isabella.

PS: Ihr habt den verdammten Hamster mitgenommen? Seid ihr eine Krabbelgruppe oder was?

 

Ich stecke mein Handy weg und blicke wieder auf dieses Ungetüm aus Stahl und Rauch vor uns.

Auf einmal sehe ich, dass ziemlich weit oben am Schornstein ein blonder Mann hängt. Irritierenderweise trägt er keinen Blaumann, sondern normale Freizeitkleidung. Er klettert weiter nach oben und hängt dann ein großes Transparent auf.

Darauf steht: Gegen eine Welt aus Plastik – Greenpeace.

»Morten!«, rufe ich.

Und der blonde Mann auf dem Schornstein winkt mir zu.

8

Mannheim bei Sonnenschein entfaltet einen ziemlich unwiderstehlichen Charme. Das wissen auch die Menschen aus Ludwigshafen, die bloß über eine Brücke laufen müssen, um dem Elend ihrer eigenen Gemeinde zu entfliehen.
Jan Weiler, deutscher Schriftsteller

Während zwei Kletterer Morten vom Schornstein herunterholen, kommt ein Werkschützer auf Kemal und mich zu. Er bittet uns beide freundlich aber bestimmt, ihm zu folgen.

Ich bleibe so starr stehen wie einer der Betonpfeiler unter den Hochstraßen der Stadt, die frühestens nach zwanzig Jahren marode zusammenbrechen. »Warum denn?«, frage ich. »Ist doch gerade so schön hier.«

»Offensichtlich kennen Sie diesen Aktivisten.« Der Werksschützer deutet auf Morten.

»Und warum soll mein Kollege hier mitkommen?«, frage ich, deute auf Kemal und bewege mich keinen Millimeter.

Der Werksschützer schweigt. Bei Kemal reicht anscheinend schon aus, dass er nicht wie ein gebürtiger Pfälzer aussieht.

Ich stelle mich mit verschränkten Armen vor den Werkschützer. »Sie wissen schon, dass die größten Verbrechen meistens von weißen Männern verübt werden?«

Der Werkschützer nickt und deutet Richtung Morten. »Genau wie Ihr Freund.« Er schaut Kemal und mich an. »Und Sie finden meistens ein paar naive Helfer.«

»Wir haben ihm nicht geholfen«, antworte ich. »Wir wussten nicht mal, was er plant.«

»Das nicht ganz korrekt«, sagt Kemal. »Morten meinte, Aktion würde dir gefallen.«

Der Werkschützer lächelt, so als habe er das schon immer gewusst. »Also, jetzt kommen Sie bitte sofort mit, sonst bekommen Sie lebenslanges Werksverbot.«

»Sie könnten mir keinen größeren Gefallen tun.« Ich grinse demonstrativ.

Der Werkschützer seufzt. »Ich mach hier nur meinen Job. Kommen Sie jetzt bitte mit?«

»Heißt das, die Werksrundfahrt ist für uns beendet?«, frage ich.

Er nickt.

»Sagen Sie das doch gleich.« Ich strahle über beide Backen.

Kemal protestiert zwar noch, aber schließlich sieht auch er ein, dass dieser Teil des Programms nicht fortgesetzt wird und trottet mit uns zurück zum Werkstor.

Dort treffen wir auf Morten, der zu meiner Überraschung nicht in Handschellen und Zwangsjacke gesteckt wurde. Er darf das Werk unbehelligt wieder verlassen, lediglich ausgestattet mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch.

Ich finde zwar, das sollte eher Schornsteinfriedensbruch heißen, aber ich verzichte auf diese Wortmeldung. Zumal Kemal Morten als Erstes in Beschlag nimmt. »Haben dich gefoltert?«, fragt Kemal besorgt.

»Quatsch, die haben mir einen Kaffee angeboten.«

Kemal schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. »Mit K.-o.-Tropfe drin? Wie bei geheime Geheimtrick von türkische Geheimdienst?«

»Nee, mit Milch«, antwortet Morten.

»Na, dann ist ja alles in Butter«, sage ich. »Bleibt nur eine Frage: Wo ist George?«

»Sorry noch mal«, antwortet Morten. »Aber wenn ich schon hier bin, musste ich ins Herz der Chemiemafia stoßen.«

»Das hat sie ganz empfindlich getroffen«, entgegne ich, doch so wie Morten mich anstrahlt, scheint er die Ironie gar nicht bemerkt zu haben. »Also noch mal, wo ist George Clooney?«, frage ich.

Morten deutet auf ein Gebäude neben dem Werkstor: »Die Damen am Empfang wollten auf ihn aufpassen.«

»Du hast meinen Hamster der Chemiemafia überlassen?«

Morten zuckt mit den Schultern.

»Hast du noch nie von Tierversuchen gehört?«, frage ich und kaum habe ich die letzte Silbe ausgesprochen, spurtet Morten schon in Richtung des Empfangs.

Kurz darauf kommt er wieder, einen Käfig mit einem quickfidelen Hamster in der Hand.

Erleichtert atme ich aus, streiche George über das Fell und stecke ihm ein Stückchen Karotte aus meinem Reiseproviant zu, das er begeistert verschlingt.

»Was ist, wenn die habe gemacht Gehirnwäsche mit Hamster?«, fragt Kemal.

Ich winke ab, Morten winkt ab und dann lacht Kemal. »Kleines Scherz, sind ja nicht in Türkei hier.«

Wir verlassen das Werk und gehen in Richtung des Besucherparkplatzes.

»Wie geht es jetzt weiter?«, frage ich Kemal.

»Am beste, du und meine Assistentin diskutiere gemeinsam.« Kemal deutet auf seinen Mercedes, der auf dem Besucherparkplatz steht. »Ich euch lass beide allein.«

Er geht zu seinem Wagen und ich folge ihm. Vor dem Auto steht allerdings keine Frau und ich sehe darin niemanden auf der Rückbank sitzen und auch nicht auf dem Beifahrersitz oder Fahrersitz.

Kemal öffnet die Tür zu den Rücksitzen.

Dort sitzt keine Frau.

Nur ein Lautsprecher, der aussieht wie eine Thermoskanne mit Löchern.

9

Künstliche Intelligenz ist allemal besser als natürliche Dummheit.
Hans Matthöfer, deutscher Politiker und Gewerkschaftsmanager

Ich blicke Kemal irritiert an. »Willst du mir erzählen, dass ein Ding aus Plastik und Schaltkreisen meinen Junggesellenabschied organisiert hat?«

Kemal nickt. »Alexa wisse alles über dich.«

»Wie das denn?«

»Bei letzte Treffe von Arbeit ich mir deine Laptop geschnappt und Date an Alexa übertrage. Und jetzt sie dich kenne besser als du selbst.«

Ich schaue Kemal skeptisch an. »Was für Daten denn?«

»Gibt türkische Hackerprogramm, wo speichere alle deine Suchanfrage in Internet und sende an Alexa, damit sie genau wisse, was du wolle.«

»Ein türkisches Hackerprogramm?«

»Okay, ist russisches Hackerprogramm, was wurde erweitert, damit bei Suche nach Döner bekomme vorgeschlage meine Lieferservice, aber das funktioniere tiptopf.«

Ich seufze. »Es heißt tipptopp.«

Kemal schüttelt den Kopf. »Nein, sie heiße Alexa. Stammt, glaube ich, aus Südamerika, von Amazonas.«

Ich seufze schon wieder. »Wie bist du denn auf die bekloppte Idee gekommen?«

Kemal schaut mich enttäuscht an. Vielleicht hätte ich mir das Wörtchen bekloppt sparen sollen. »Ich hab gefragt Freunde von dir und einer hatte Idee. Ich fand Idee gut«, sagt er schließlich kleinlaut. »Weil ich stamme Anatolie. Du komme aus Ludwigshafe-Oggersheim. Wir beide komplett anderes Kultur. Wie ich soll wisse, was dir gefällt? Alexa wisse besser.«

»Und Alexa kommt nicht aus einer anderen Kultur?« Ich deute auf diese Thermoskanne mit Löchern. »Sie ist ein Computer! Und wir beide sind immer noch Menschen.« Ich atme tief aus. »Außerdem wurde sie in Amerika programmiert, das ist etwas weiter weg als Anatolien.«

»Aber ist genauso prüde.«

Ich seufze erneut. »Na, das ist ja auch die wichtigste Voraussetzung für einen Junggesellenabschied.«

»Du nur müsse rede mit ihr, dann du werde verstehe, warum ist meine neue Assistentin.« Kemal grinst mich stolz an.

»Ich red nicht mit dem Blechding. Niemals.«

»Ist kein Blech, ist Plastik.«

»Und wenn das Ding aus Gold wäre, würde ich nicht mit ihm reden.«

»Ist eine Frau. Weil heißt Alexa.«

Ich seufze erneut.

»Guckst du mal, Matthias«, sagt Kemal. »Du habe dich damals verliebt in virtuelle Assistentin wo heißt Anna von IKEA. Also ich dachte, wer kann besser organisiere Junggeselleabschied als neueste virtuelle Assistentin wo gibt?«

Wie meistens hat Kemal recht. Andererseits habe ich jahrelang nicht mal ein Handy besessen, lebte quasi hinter dem Mond und war glücklich damit. Heute hingegen kann ich mir das Leben ohne Smartphone gar nicht mehr vorstellen.

Aber bin ich damit auch glücklicher?

Kemal legt mir den Arm um die Schulter. »Ich wollte alles richtig mache mit Junggeselleabschied«, sagt er. »Weil du wichtiges Freund.«

»Ist schon gut«, nicke ich. »Aber manchmal glaube ich, wir machen uns zu abhängig von der Technik.«

»Aber auch mache Spaß«, sagt Kemal. »Du Alexa einfach stelle ein paar Frage und wenn Antworte nix gut, wir schmeiße ihr Programm über Haufe und mache alles selbst, okay?«

Ich nicke und steige in den Mercedes.

»Sag einfach Alexa und sie dir höre zu«, sagt Kemal und setzt sich auf den Fahrersitz.

»Alexa?«, frage ich vorsichtig.

»Hallo, Matthias«, antwortet eine weibliche Stimme. Man merkt, dass sie von einem Computer stammt, allerdings nur, wenn man genau hinhört. »Ich bin froh, dass wir uns endlich kennenlernen«, sagt sie. »Ich habe schon so viel von dir gehört.«

Bei einem Menschen würde ich mich jetzt in Small Talk versuchen, aber bei einem Computer kann ich den Sinn nicht erkennen. »Alexa, warum findet unser Junggesellenabschied in Ludwigshafen statt?«

»Ich habe die Andressen aller Teilnehmer ausgewertet und die kürzeste Anreise für alle Gäste errechnet, sowie die längste für dich, weil du nicht daheim feiern möchtest.«

Ich schließe die Augen. »Alexa, lass mich raten, das Resultat war Ludwigshafen.«

»Exakt«, sagt Alexa.

»Aber ich bin hier geboren!«

Kemal blickt vom Fahrersitz zu mir nach hinten. »Sie dich nur registriere, wenn du anspreche mit Name.«

»Aha, ist sie doch so clever«, sage ich. »Also, Alexa, ich bin in Ludwigshafen geboren.«

»Das war mir bewusst.«

»Es war dir bewusst?«, frage ich. »Alexa, bist du dir im Klaren, was ein Junggesellenabschied ist?«

»Es ist der Abschied von deinem bisherigen Leben. Also quasi deine Beerdigung. Und lassen Menschen sich nicht meistens daheim, in der Nähe von Freunden und Familie beerdigen?«

Unwillkürlich nicke ich. Das Ding hat irgendwie recht und wieder auch nicht. Computerlogik eben.

»Alexa, wer ist denn alles eingeladen?«, frage ich.

»Morten, Video-Paule, Osram-Huber …«

»Alexa, du hast meinen ehemaligen Chef eingeladen?«

»Seine Nummer stand in deinem Adressbuch.«

»Alexa, ich bin aber nicht mit ihm befreundet!«

»Das stand nicht in deinem Adressbuch.«

Ich seufze. »Alexa, und wer kommt noch?«

»Deine Eltern.«

Ich schaue das Ding irritiert an. »Alexa, warum hast du meine Eltern zu meinem Junggesellenabschied eingeladen?«

»Sie gehören zur Familie, oder?«

»Alexa, dann hast du also auch meine zukünftige Braut eingeladen?«

»Mist, hab ich vergessen«, sagt sie. »Nein, kleiner Scherz. Gemäß menschlichen Gepflogenheiten feiert man einen Junggesellenabschied ohne Braut.«

»Na immerhin, Alexa«, seufze ich. »Und wo fahren wir jetzt hin?«

»Da kann ich nur mit Rudi Carrell antworten: Lass dich überraschen.«

10

Ich bin nicht der Typ zum Heiraten.
Antwort von Alexa auf die Frage: Alexa, willst du mich heiraten?

Kemal blickt wieder vom Fahrersitz zu mir nach hinten. »Ist tolles Assistentin, oder?«

»Beeindruckend«, antworte ich.

»Also, mache wir, was sie hat geplant? Wird dir bestimmt gefalle.«

»Ist es sicher, dass dem Hamster nichts geschehen wird?«, frage ich. »Und unserem Schornsteinkletterer auch nicht?«

Kemal zuckt mit den Schultern. »Lebe ist keine Waschmaschine, wo gibt Garantie.«

»Es war ein Geschirrspüler«, sage ich.

»Was?« Kemal blickt mich fragend an.

»Egal«, sage ich. »Also gut, machen wir, was Alexa sich ausgedacht hat.«

Kemal winkt Morton zu sich, der steigt samt Hamster auf den Beifahrersitz und kurz darauf gibt Kemal Gas.

Und so fahren wir dahin, ein türkischer Fliesenleger- und Dönersuppenfabrikant, ein schwedischer Umweltaktivist mit Affinität für Wale und einem Hamster im Gepäck, plus eine virtuelle Assistentin, die angeblich alles über mich weiß und Kemal durch die Hochstraßen Ludwigshafens navigiert.

Plus ich natürlich, Matthias Käfer, ehemaliger Vollzeitsingle sowie Bankkaufmann auf Bewährung und jetzt Werbetexter und Verlobter.

Gerade als ich diese Reise ins Ungewisse zu genießen beginne, piepst mein Handy.

Es ist eine Nachricht von Anna, also wahrscheinlich von Stella. Die Nachricht besteht nur aus einem Foto. Genaugenommen ein Foto eines Arschgeweihs zwischen pinken Hotpants und pinkem Top, natürlich in perfekt abgestimmter Farbgebung.

Bevor ich eine Antwort getippt habe, klingelt schon mein Telefon. Obwohl ich das Schlimmste befürchte, oder gerade deswegen, nehme ich das Gespräch an. »Hi, hier ist Isabella«, höre ich. »Du musst deine Kamera aktivieren, dann siehst du mich auch.« Ich nehme mein Handy vom Ohr, blicke darauf und sehe tatsächlich Isabella. »Zeig mir mal den Hamster, Anna hat irgendwie bad feelings, dass es ihm nicht gutgeht.«

Keine fünf Minuten später habe ich die Videoaufnahme auch bei mir aktiviert und filme George, wie er ein Salatblatt massakriert, das Morten ihm zugesteckt hat.

»Ist das ein Mercedes?«, fragt Isabella. »Hat es nicht für eine Stretchlimousine gereicht?«

»Brauchen wir nicht, wir sind bisher nur zu viert«, antworte ich, wobei mir selbst nicht klar ist, ob ich nun George oder Alexa mitgezählt habe.

»Egal, wir sind grad im weltbesten Tattoo-Studio«, sagt Isabella. »Anna muss mein Tattoo unbedingt auch haben, als Symbol für unsere Friendship, aber sie meint, ich solle dich fragen. Ist total super, oder?«

Ich schlucke. »Das war schon Ende der Neunziger total out.«

»Ja krass, voll retro, oder?«

Ich seufze. Vor allem, weil Arschgeweih noch die harmloseste Umschreibung für ein Steißtattoo ist, die ich kenne. Spontan fallen mir noch Tussilenker ,Schlampenstempel und Hinterausgangsbeschriftung ein.

Selbst wenn man ein Steißtattoo ästhetisch ansprechend findet, ist man damit gebrandmarkt für ein ganzes Leben, ähnlich wie mit dem Namen Kevin, Chantale oder David Hasselhoff.

Das kann ich Isabella allerdings schlecht sagen, da ich sie damit unweigerlich beleidige, schließlich trägt sie so ein Ding. Also versuche ich es diplomatischer. »Anna ist doch mehr der natürliche Typ, oder?«

»Deswegen ist das ja auch ein Tribal und kein Bagger.«

»Wer lässt sich denn einen Bagger tätowieren?«

Isabella blickt mich entrüstet an. »Richtige Männer finden den an meiner Fußfessel schön. Und sie verstehen die Anspielung.«

Da ich befürchte, dass ich die Anspielung auch verstehe, frage ich nicht nach.

»Oder findest du ein Ganzkörpertattoo besser?«, fragt Isabella und sieht dabei so ernst aus, dass es sich offensichtlich nicht um einen Scherz handelt.

»Ich finde gar kein Tattoo am besten. Schließlich hat man das ein Leben lang. Das sollte also gut überlegt sein.«

»Dich hat sie auch ein Leben lang. Und jetzt mal ehrlich, was ist schlimmer?«

»Es geht doch nicht darum, was am schlimmsten ist!« Irgendwie macht mich diese Isabella della Stella aggressiv. Aber da sie Annas Trauzeugin ist, versuche ich es noch einmal auf die freundliche Art. »Wie soll Anna denn den Junggesellinnenabschied genießen, wenn sie stundenlang im Tattoo-Studio liegt und dann nicht mal an die Sonne kann?«

»Stimmt«, antwortet Isabella. »Wir haben März. Da ist die Sonne viel zu schwach, vielleicht sollten wir danach noch in ein Kosmetikstudio und ihr Schnellbräuner verpassen.«

»Das ist Chemie pur!«

»Passt doch, ich habe gehört, ihr seid in Ludwigshafen?« Isabella blickt mich mit abfälligem Gesichtsausdruck an. »Wie auch immer, ich habe dir bei Facebook eine Freundschaftsanfrage geschickt. Die nimmst du am besten an, dann siehst du, wie es geworden ist.«

»Kein Schnellbräuner! Und kein Tattoo!«

»Notfalls kann sie ja wieder drüber tätowieren oder Bleichmittel verwenden.«

Ich schüttle heftig den Kopf. »Kein Arschgeweih!«, rufe ich.

Kemal und Morten blicken mich irritiert an.

»Anna ist eine selbstbestimmte Frau, sie wird schon wissen, was für sie am besten ist«, sagt Isabella und kurz bevor sie auflegt, höre ich noch das Kreischen einer Tattoo-Nadel.

Vielleicht war es auch eine kreischende Frau, aber das werde ich wohl nie erfahren. Oder zumindest nicht vor Ende dieses Wochenendes.

11

Selbstzerstörung in 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1 – Bum.
Hm, das ist nicht nach Plan verlaufen.
Antwort von Alexa auf den Befehl: Alexa, Selbstzerstörung.

»Warum du wolle verbiete Anna Tattoo?«, fragt mich Kemal. »Ist doch ihre Entscheidung.«

»Natürlich ist es das«, sage ich, drücke auf meinem Handy herum und nehme Isabellas Freundschaftsanfrage an. Eigentlich habe ich gar keine Lust dazu, aber wahrscheinlich nimmt sie es mir übel, wenn ich das nicht tue.

Im Grunde ist dies das Erfolgsprinzip von Facebook.

Ich schaue dort nach, aber Isabella hat bisher nichts vom Tattoo-Studio gepostet, sondern nur von irgendwelchen halbnackten Männern hinter Glasscheiben. Schnell lege ich das Handy weg.

»Also, was dir nicht passe an Arschgeweih?«, fragt Kemal. »Ich finde schön an schöne Frau.«

»Die Trauzeugin von Anna hat mich um meine Meinung gefragt. Dann sollte ich die auch sagen dürfen, oder?«

»In Türkei ist manchmal anders.«

»Außerdem hatte ich den Eindruck, dass es gar nicht Annas Entscheidung ist, sondern die von dieser Isabella della Stella.«

»Das in Türkei auch so. Obe wird entschiede und du müsse sage: Ich habe auch gewollt. Daher ich bin hier in Deutschesland. Hier wird obe nix entschiede und du dürfe sage: Das hab ich nix gewollt.«

Morten und ich müssen lachen und gerade als mir der Junggesellenabschied zu gefallen beginnt, sehe ich, wo unser Mercedes anhält.

In der Nähe der nicht existenten Innenstadt von Ludwigshafen, vor einem unförmigen Betonklotz mit geschätzt fünfhundert Wohnzellen samt Alibi-Balkonen und der Leuchtreklame einer Lokallzeitung auf dem Dach. Das sogenannte Mosch-Hochhaus.

Seit Jahrzehnten ist es das Hochhaus mit dem schlechtesten Ruf in ganz Ludwigshafen. Wer die Stadt kennt, weiß, wie schwer es ist, diese Position zu erlangen und über Jahrzehnte zu verteidigen.

Im Grunde ist das auch schon wieder eine bemerkenswerte Leistung.

Vielleicht hat die Regionalzeitung deswegen die Leuchtreklame auf dem Hochhaus anbringen lassen, weil das Mosch-Hochhaus ein ständiger Quell unterschiedlichster Nachrichten ist.

Welches Gebäude kann schon von sich behaupten, ein Altersheim, ein Puff oder eine leerstehende Bausünde zu sein? Und das alles gleichzeitig.

Gewissermaßen ist das Hochhaus auch eine Ludwigshafener Sehenswürdigkeit. Allerdings keine, die ich besichtigen möchte.

»Was machen wir hier?«, frage ich Kemal.

Er steigt aus dem Mercedes und öffnet mir die Fondtür. »Ist unser Neunsternehotel, was hat Alexa gebucht mit Luft Bnb.«

»Neun Sterne?« Ich blicke Kemal skeptisch an. »Selbst die besten Hotels in Katar haben nur sieben Sterne. Und davon sind zwei noch dazugemogelt.«

Kemal zuckt mit den Schultern. »Dafür wir haben ganze Etage gemietet, direkt unter Dach. Mit beste Aussicht von ganze Stadt.«

»In dieser Stadt ist eine Aussicht auf die Stadt ein klarer Nachteil«, sage ich. »Außer man findet es schön, wenn man auf das größte Chemiewerk der Welt blicken kann, die Müllverbrennung und die benachbarten Atomkraftwerke.«

Kemal stellt sich mit verschränkten Armen vor mich. »Warum du so negativ?« Er blickt mich traurig an. »Ist deine Heimatstadt. Wenn dir nicht passt, du müsse mache besser. Aber was du gemacht? Abgehaue nach Schwede.«

Die Bemerkung von Kemal trifft mich so sehr, dass ich den ganzen Weg durch das mit Graffiti nur unwesentlich verschönerte Betonfoyer schweige. Währenddessen transportieren wir Kästen voller Bier, Sekt und Erdnussflips, die Kemal im Kofferraum des Mercedes gebunkert hat. Wir packen alles in den baufälligen Lift und ich schweige immer noch, als wir im obersten Stockwerk anrumpeln.

Kemal führt uns vor eine Eingangstür, die überraschend neu aussieht, davor prangt ein Nummernfeld zur Eingabe eines Zahlencodes. »Alexa, schaue nach Nummer, was stehe in Mail von Herr Drump.«

»0621324587«, antwortet Alexa, wie aus der Pistole geschossen.

Kemal nickt zufrieden. »Ohne Alexa ich Zettel mit Türcode bestimmt verlegt. So aber wir habe alles, was brauche.«

»Und was machst du, wenn du Alexa verlegst?«, fragt Morten.

Kemal deutet auf eine Bauchtasche, in der Alexa steckt. »Ich nix verlege. Von jetzt an gehöre sie immer zu mir.«

Wäre Alexa eine Frau, würde sie jetzt sicher rot anlaufen.

Kemal lässt sich den Türcode noch einmal wiederholen, da er ihn inzwischen vergessen hat. Ging mir auch so, nur Alexa weiß ihn natürlich noch. Kemal gibt die Zahlenfolge ein, doch das kleine Licht am Eingabefeld leuchtet rot.

»Hm«, sagen Morten, Kemal und ich im Chor.

Kemal probiert es noch mal, ohne Erfolg.

»Alexa, steht in Mail von Herr Drump noch andere Nummer?«

»8524«, antwortet Alexa.

»Dann anderes war Telefonnummer«, sagt Kemal, gibt die neue Zahl ein und die Tür öffnet sich tatsächlich.

Mir fallen beinah die Augen aus den Gucklöchern, denn die Wohnung ist riesig. Im Wohnzimmer steht ein massiver Granittisch, an dem zwei Fußballmannschaften Platz nehmen könnten.

Überall sind Fenster, die in Las Vegas nicht größer sein könnten.

In jeder Ecke stehen Möbel aus den Siebzigern, dazu diverse afrikanische Holzskulpturen, die Betten sind so breit, dass eine Großfamilie darin übernachten könnte. Oder zwei Fast-Food-Junkies aus dem Land der unbegrenzten Hüftumfänge.

Beeindruckt blicke ich mich um.

»Und?« fragt Kemal. »Ich habe zu viel versproche?«

Ich schüttle den Kopf. »Sorry, das war das letzte Mal, dass ich mich über Alexa beschwert hab.«

Kemal lächelt zufrieden. »Jetzt du dich erst mal setze in Chefsessel.« Er deutet in einen Rundschalensitz aus orangenfarbener Hartplastik, der trotz oder gerade wegen seines Alters ziemlichen Charme versprüht. Wahrscheinlich auch irgendwelche Bakterien, wenn man sich draufsetzt, aber das ist mir nach all der Schlepperei egal und ich lasse mich in den Sessel fallen.

Ich falle so weich, wie das auf Hartplastik nun mal möglich ist.

Während ich da so sitze, räumen Kemal und Morten die Getränke in den Kühlschrank, der in der Küche steht und auch US-Format hat. Die Erdnussflips verteilen sie in die bunten Rauchglasschalen auf dem riesigen Granittisch.

Ich lege die Karotten für George Clooney den Zweiten in den Kühlschrank, setze mich wieder, nehme mir ein paar Flips und mustere die afrikanischen Skulpturen.

Die erste stellt eine nackte Frau dar, die einen Bastkorb auf dem Kopf trägt.

Die nächste balanciert einen Wasserkrug auf dem Haupt und ist ebenfalls nackt.

Die dritte trägt einen Bastkorb und einen Wasserkrug auf dem Kopf und ist – wer hätte das gedacht – nackt.

Weiter komme ich nicht, denn Kemal stellt sich vor mich. »Ich gute und schlechte Nachricht«, sagt er. »Was du wolle höre zuerst?«

»Erst die gute Nachricht«, sage ich.

»Bleibt mehr zu trinke für uns.«

»Was?« Ich blicke Kemal irritiert an. »Und was ist die schlechte Nachricht?«

»Osram-Huber nix kann komme. Hat Durchfall.«

Es klingelt an der Haustür. »Du bleibe sitze in Chefsessel«, sagt Kemal. »Ich hole Gäste.«

Ein paar Minuten später, als ich in den Sonnenuntergang blicke, der zu meiner Überraschung über der Stadt gar nicht so schlecht aussieht, beginne ich mich wieder mit dem Junggesellenabschied zu arrangieren.

Ich bin hier mit meinen Freunden und schlimmer als mit dem Besuch in der BASF kann es nicht mehr werden.

Es schleicht sich gerade ein Lächeln in mein Gesicht, als Kemal freudestrahlend auf mich zu stolziert. Ihm folgen ein grauhaariger Mann in den Siebzigern mit einem Bauch wie einer Waschtrommel und eine schlanke Fünfzigjährige, an der nicht mal die Haarfarbe echt zu sein scheint. Die riesigen Brüste, die unter dem ebenfalls riesigen Ausschnitt ihres schwarzen Abendkleids hervorschauen, sind es jedenfalls nicht, es sei denn, sie ist ein anatomisches Wunder.

»Schau mal, Matthias.« Kemal deutet auf die beiden. »Deine Eltern seie angekomme.«

Details

Seiten
0
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783960873631
ISBN (Buch)
9783960873655
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v443088
Schlagworte
liebe-männer-roman-tik-s-e-lustig-humor-voll schweden Hochzeit-Wedding-Heirat-en Alexa Herz JGA-Party-Stripper-in

Autor

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    Thomas Kowa (Autor)

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Titel: Mein Leben mit Anna von IKEA – Junggesellenabschied (Humor)