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Mord post mortem

von Jens Burmeister (Autor)

2019 0 Seiten

Leseprobe

Kurz vorab

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

wie schön, dass du dich für diesen booksnack entschieden hast! Ich möchte dich auch gar nicht lange aufhalten, denn sicher hibbelst du der folgenden Kurzgeschichte schon voller Freude entgegen.

Aber ich möchte dir vorab ganz kurz die wichtigsten Merkmale einer Kurzgeschichte in Erinnerung rufen:

  1. Der Name ist Programm: Alle Kurzgeschichten haben ein gemeinsames Hauptmerkmal. Sie sind kurz.
  2. Kurz und knapp sind auch die Handlung und die erzählte Zeit (Zeitsprünge sind eher selten).
  3. Ganz nach dem Motto »Einleitungen werden total überbewertet« fallen Kurzgeschichten meist sofort mit der Tür ins Haus.
  4. Das zweite Motto lautet »Wer braucht schon ein Happy End?« Also bereite dich auf einen offenen Schluss und/oder eine Pointe am Ende der Geschichte vor. Das Geheimnis dahinter: Kurzgeschichten sollen dich zum Nachdenken anregen.
  5. Versuch deine Neugier zu zügeln, denn auch für die Beschreibung der Charaktere und Handlungsorte gilt »in der Kürze liegt die Würze«.
  6. Die Aussage des Textes ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Hier bist DU gefragt, um zwischen den Zeilen zu lesen und deine persönliche Botschaft aus der Geschichte zu ziehen.

Jetzt bist du gewappnet für unseren literarischen Snack. Und findest du nicht auch, dass man diesen gleich noch mehr genießen kann, wenn man weiß was drin ist?

 

Viel Spaß beim Booksnacken wünscht dir

Dein booksnack-Team

booksnacks

Über dieses E-Book

Kriminalhauptkommissar Stephan Bäumler wird zu einem Tatort in der Nachbarschaft gerufen: Der Besitzer der Pizzeria Al Forno liegt erschossen vor seinem Holzofen. Stecken die Chinesen dahinter, die den Italienern in letzter Zeit die Geschäfte schwer machen? Und wie, bitteschön, kann man jemanden post mortem ermorden? Bäumler ermittelt in einem kniffligen Fall und fördert überraschende Antworten zu Tage.

Impressum

booksnacks

Erstausgabe Februar 2019

Copyright © 2020 booksnacks, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Made in Stuttgart with ♥
Alle Rechte vorbehalten

E-Book-ISBN: 978-3-96087-701-1

Covergestaltung: Anne Peisler
unter Verwendung eines Motivs von
shutterstock.com: © www.petrovvladimir.ru
Lektorat: Daniela Pusch

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

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Warum musste das am Sonntagabend passieren? Kriminalhauptkommissar Stephan Bäumler stöhnte auf, kratzte sich am Kinn. Immerhin hatte er einen kurzen Weg gehabt, die Pizzeria Al Forno lag bei ihm um die Ecke, nur ein paar Schritte von seiner Wohnung entfernt. Er konnte zu Fuß zum Tatort gehen, was nach den drei Schnäpsen, die in seinem Magen brannten, nicht die übelste Variante war. Giuseppes winziger Pizzaladen sah von außen aus wie eine Garage. Ein massiger Holzofen dominierte das Innere. Dahinter lag die Küche und der Bereich vor der Theke ließ Platz für drei Tischchen mit Barhockern.

Bäumler liebte Al Forno, sein italienisches Wohnzimmer, und konnte sich nach Feierabend kaum etwas Reizvolleres vorstellen, als bei Giuseppe zu sitzen. Es ging dann zu wie im Taubenschlag. Unaufhörlich klingelte das Telefon, Bestellungen gingen ein. Diejenigen, die auf ihre Mitnehmpizza warteten, versperrten der feschen Bedienung den Weg. Giuseppes Bedienungen waren alle fesch, darauf konnte man wetten. »Due antipasti, due salmone e una cappricciosa«, übertönte die Bedienung die Kakophonie der Gäste. Italienischer konnte es nicht zugehen, mitten in Köln-Nippes.

Giuseppe, groß, glatzköpfig, stiernackig und hyperkommunikativ, war das Epizentrum dieses neapolitanischen Gourmettempels. Und ja, Giuseppe verstand nicht nur was von Pizza, auch seine Antipasti waren legendär. Sagten zumindest alle, die noch etwas schmecken konnten. In Bäumlers Geschmackswelt gab es ja nur noch süß, sauer, bitter, salzig und umami, seitdem er diese verdammte Erkältung verschleppt hatte. Die Nase war tot. Blieb nur die Zunge zum Schmecken.

In letzter Zeit war es ruhiger um das Al Forno geworden. Giuseppe hatte Konkurrenz bekommen von dem Buffet-Chinesen, der gegenüber aufgemacht hatte.

Nun aber war erstmal Schluss mit Pizza und Antipasti. Giuseppe Caglioni lag vor seinem Holzofen. Das Gesicht schockgefroren, die Augen genauso glasig wie ungläubig. Mitten in seinem kahlen Kopf war ein Loch, weitere Kugeln hatten den Brustkorb durchschlagen. Da hatte jemand auf Nummer sicher gehen wollen. Armer Giuseppe, dachte Bäumler. Er würgte und schaute von dem Toten weg in das Gesicht des Rechtsmediziners mit den dicken Brillengläsern. »Was meinen Sie?«, fragte er angespannt.

»Nun … Sie wissen ja … so früh und überhaupt …«

Bäumler verdrehte die Augen. Er kannte das Gestammel des Medizin-Nerds zur Genüge, hatte sich aber immer noch nicht daran gewöhnt. »Sieht doch ziemlich frisch aus. Und ziemlich gezielt, finden Sie nicht?«, versuchte er.

»Der Zeitpunkt, also da kann ich … bestimmt nicht länger als zwei Stunden und aus kürzester Entfernung, aber das haben Sie bestimmt auch schon …«

»Okay, dachte ich mir.« Bäumler gab sich mit der Antwort zufrieden. Die austretenden Kugeln hatten Löcher in den Holzofen geschlagen. Die Kasse war zwar gestohlen worden, aber nach einem Raubüberfall sah das nicht aus. Hier hatte jemand eine Rechnung mit Giuseppe begleichen wollen, darauf hätte Bäumler seinen gelben Porsche verwettet.

 

Der Kommissar stand starr im Wohnzimmer von Maria Caglioni, ertrug das Trommelfeuer ihrer Fäuste, die wütend auf seine Brust einschlugen. »No! No! No!«, rief sie. »Non è vero!«, schrie sie eine Oktave höher.

Bäumler war viel zu überrascht, um sofort reagieren zu können, nahm die Schläge beinahe unbeteiligt zur Kenntnis. Doch bevor die erste Rippe brechen konnte, packte er die Arme der Italienerin, umschloss sie wie ein Schraubstock. Caglionis Zwillinge heulten auf. Die beiden Jungs hatten sich jeweils ein mütterliches Bein gesucht und sich daran festgeklammert. Hilfesuchend schaute Bäumler zu seiner sonnengebräunten Kollegin Tanja König. Zum Glück war sie früher als geplant aus dem Toskanaurlaub zurückgekehrt. Konnte sie ihn nicht von dem kreischenden, fuchtelnden Fleischbündel aus Mamma und Bambini befreien?

Endlich hatte König ein Einsehen. Sie berührte Caglioni behutsam an der Schulter, murmelte mit sanfter Stimme Sätze wie: »Bitte, beruhigen Sie sich. Wir wissen, wie schwer das für Sie ist«, und geleitete sie zum Sofa. Dort nahm die Mamma Platz, rechts und links neben ihr die Jungs, die sich sofort schutzsuchend an sie kuschelten.

König stellte ein Glas Wasser vor Caglioni, dann nahmen auch die Kommissare gegenüber dem Sofa Platz. Bäumler musterte die Wand, die mit Familienfotos geschmückt war. Darunter saß die trauernde Mamma mit dunklen gelockten Haaren, vollen Lippen und Silberkreuz im Dekolleté.

Details

Seiten
0
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783960877011
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v456936
Schlagworte
Mord ver-gift-et-Italien-er Pizza-restaurant cosy-Crime Ehren-mord Kill-er

Autor

  • Jens Burmeister (Autor)

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Titel: Mord post mortem