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Fräulein Elsa und der Tod der Erzieherin

von Maria Appenzeller (Autor)

2019 0 Seiten

Leseprobe

Kurz vorab

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

wie schön, dass du dich für diesen booksnack entschieden hast! Wir möchten dich auch gar nicht lange aufhalten, denn sicher hibbelst du der folgenden Kurzgeschichte schon voller Freude entgegen.

Vorab möchten wir aber ganz kurz die wichtigsten Merkmale einer Kurzgeschichte in Erinnerung rufen:

  1. Der Name ist Programm: Alle Kurzgeschichten haben ein gemeinsames Hauptmerkmal. Sie sind kurz.
  2. Kurz und knapp sind auch die Handlung und die erzählte Zeit (Zeitsprünge sind eher selten).
  3. Ganz nach dem Motto »Einleitungen werden total überbewertet« fallen Kurzgeschichten meist sofort mit der Tür ins Haus.
  4. Das zweite Motto lautet »Wer braucht schon ein Happy End?« Also bereite dich auf einen offenen Schluss und/oder eine Pointe am Ende der Geschichte vor. Das Geheimnis dahinter: Kurzgeschichten sollen dich zum Nachdenken anregen.
  5. Versuch deine Neugier zu zügeln, denn auch für die Beschreibung der Charaktere und Handlungsorte gilt »in der Kürze liegt die Würze«.
  6. Die Aussage des Textes ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Hier bist DU gefragt, um zwischen den Zeilen zu lesen und deine persönliche Botschaft aus der Geschichte zu ziehen.

Jetzt bist du gewappnet für unseren literarischen Snack. Und findest du nicht auch, dass man diesen gleich noch mehr genießen kann, wenn man weiß was drin ist?

 

Viel Spaß beim Booksnacken wünscht dir

Dein booksnack-Team

booksnacks

Über dieses E-Book

Herbst 1893. Fräulein Elsa Lohfeld wird zur Hobbydetektivin, als ihre Freundin eines rätselhaften Todes stirbt. Es wäre ein fast perfekter Mord gewesen – doch ein mörderischer Briefwechsel deckt das Missgeschick auf.

Impressum

booksnacks

Erstausgabe Mai 2019

Copyright © 2020 booksnacks, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Made in Stuttgart with ♥
Alle Rechte vorbehalten

E-Book-ISBN: 978-3-96087-318-1

Covergestaltung: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
unter Verwendung eines Motivs von
unsplash.com: © james guerrero
Korrektorat: Daniela Pusch

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

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Brief 1: Fräulein Elsa Lohfeld schreibt nach Berlin an ihre Schwester, Frau Oberst Alexandra von Reichersberg:

Linz, 4. September 1893

Meine liebe Alexandra!

Unsere Freundin Marianne ist beerdigt. Hier kommt mein Bericht vom Begräbnis, um den Du mich gebeten hast.

Mir ist, als hätte man uns die dritte Schwester fortgenommen. Wie Du Dir denken kannst, kamen keine Angehörigen. Marianne war mutterseelenallein auf der Welt. Aber einige Fräuleins vom Institut zur Ausbildung von Erzieherinnen waren angereist. Ja, wenn wir Absolventinnen der Erzieherinnenschule nicht gewesen wären, dann hätte der Priester die Messe beinahe allein zelebrieren müssen, so ganz ohne Verwandte. Aber gottlob waren wir da und standen in einem Grüppchen beisammen. Genau wie früher im Institut als unsere Lehrerinnen uns noch mit Prüfungen in Englisch und Französisch quälten, damit wir eines Tages unseren Lebensunterhalt selbst bestreiten können – als Erzieherinnen in reichen Herrenhäusern. Einige haben schon Anstellungen gefunden. Andere suchen noch, so wie ich. Aber unterrichten werden wir alle. Eines Tages. Nur Du, Alexandra, wirst trotz Deiner Ausbildung niemals als Erzieherin arbeiten müssen. Du hattest Glück. Der alternde Herr Oberst verfiel Dir auf den ersten Blick. Nun residierst Du im Ausland, darfst Dich Frau Oberst nennen und hast keinerlei finanzielle Sorgen. Ich beneide Dich – ich gebe es zu. Diese Karriereaussichten werden mir verwehrt bleiben. Außer meiner großen, ausdruckstarken Augen habe ich nichts, was der Männerwelt gefallen könnte. Nein, liebe Alexandra: Wage es nicht mir zu widersprechen. Ich weiß, Du lässt nichts auf mich kommen. Und doch würde ich hundert Kronen wetten, dass ich als alte Jungfer sterbe. Doch, doch! Um einen derart hohen Geldbetrag würde ich wetten. Vorausgesetzt ich hätte hundert Kronen.

Genug gescherzt. Es ist pietätlos. Arme Marianne. Als Graf Dämen sie als Erzieherin für seine Kinder einstellte, schien das Glück auf ihrer Seite. Wenige Wochen später liegt das arme Ding unter der Erde. Ich kann es immer noch nicht fassen.

Übrigens – auch der Graf war auf der Beerdigung. Sogar seine Kinder hatte er neben sich aufgereiht. Zuerst der älteste Sohn, dann die Tochter, zum Schluss das Nesthäkchen. Der Graf muss ein warmherziger Mensch sein. In der kurzen Zeit können Marianne und die gräfliche Familie kaum miteinander vertraut geworden sein. Dennoch ließ es sich Graf Dämen nicht nehmen, einem Fräulein am Grab die letzte Ehre zu erweisen, das arm gestorben ist.

Und noch jemand stand am offenen Grab. Es wird dich wundern. Zwei Beamte in Uniform. Was hatte die Polizei auf Mariannes Beerdigung zu suchen? Ja, ihr Sterben kam unerwartet. Unsere Freundin war jung und kerngesund. Noch Anfang letzter Woche erhielt ich einen Brief von ihr. Dir schrieb sie ebenso häufig, nicht wahr? Gewiss schrieb sie Dir erst kürzlich? Marianne meinte, sie hätte Halluzinationen.

Das erzählte sie auch Dir, oder? Denkst Du, was ich denke?

Ihre Beschwerden klangen wie die Wirkung von Belladonna. Du erinnerst Dich an die Hirngespinste, die uns heimsuchten, als wir als Kinder im Wald von der Tollkirsche kosteten? Ach, ist das lange her. Unser Herrenhaus. Der große, finstere Wald. Schade, dass unsere Eltern starben und wir dieses reiche, unbekümmerte Leben hinter uns lassen mussten. Das Institut zur Ausbildung von Erzieherinnen hätte ich mir gerne erspart.

Daran dachte ich, als ich Mariannes letzten Brief las. Soll unsere Marianne mit Belladonna experimentiert haben? Ist dieses Experiment schiefgegangen? Ach was, ich phantasiere. Gewiss gibt es eine harmlose Erklärung für Mariannes Halluzinationen. Vielleicht ein Kopftumor? Ich bin kein Arzt. Aber so etwas soll vorkommen. Ich lege Dir Mariannes letzten Brief bei.

In Liebe und Trauer,
Deine Schwester Elsa Lohfeld

Briefbeilage zu Brief 1: Vierzehn Tage vorher schrieb Fräulein Marianne Mestrich an Fräulein Elsa Lohfeld:

Details

Seiten
0
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783960873181
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v469420
Schlagworte
spann-ung-en-de Kurz-geschichte Brief-wechsel Missgeschick perfekter Mord-fall Geständnis Massenmord

Autor

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    Maria Appenzeller (Autor)

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