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Geburtstagswein

von Alexandra Scherer (Autor)

2019 0 Seiten

Leseprobe

Kurz vorab

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

wie schön, dass du dich für diesen booksnack entschieden hast! Wir möchten dich auch gar nicht lange aufhalten, denn sicher hibbelst du der folgenden Kurzgeschichte schon voller Freude entgegen.

Vorab möchten wir aber ganz kurz die wichtigsten Merkmale einer Kurzgeschichte in Erinnerung rufen:

  1. Der Name ist Programm: Alle Kurzgeschichten haben ein gemeinsames Hauptmerkmal. Sie sind kurz.
  2. Kurz und knapp sind auch die Handlung und die erzählte Zeit (Zeitsprünge sind eher selten).
  3. Ganz nach dem Motto »Einleitungen werden total überbewertet« fallen Kurzgeschichten meist sofort mit der Tür ins Haus.
  4. Das zweite Motto lautet »Wer braucht schon ein Happy End?« Also bereite dich auf einen offenen Schluss und/oder eine Pointe am Ende der Geschichte vor. Das Geheimnis dahinter: Kurzgeschichten sollen dich zum Nachdenken anregen.
  5. Versuch deine Neugier zu zügeln, denn auch für die Beschreibung der Charaktere und Handlungsorte gilt »in der Kürze liegt die Würze«.
  6. Die Aussage des Textes ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Hier bist DU gefragt, um zwischen den Zeilen zu lesen und deine persönliche Botschaft aus der Geschichte zu ziehen.

Jetzt bist du gewappnet für unseren literarischen Snack. Und findest du nicht auch, dass man diesen gleich noch mehr genießen kann, wenn man weiß was drin ist?

 

Viel Spaß beim Booksnacken wünscht dir

Dein booksnack-Team

booksnacks

Über dieses E-Book

Das Motiv ist zum Greifen nah. Schenkte die alte nette Dame ein Glas Wein ein? Seamus ist sich sicher: Frederika Noteworthy, geborene Auburthnot, hütet ein dunkles Geheimnis.

Impressum

booksnacks

Erstausgabe Juni 2019

Copyright © 2020 booksnacks, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Made in Stuttgart with ♥
Alle Rechte vorbehalten

E-Book-ISBN: 978-3-96087-380-8

Covergestaltung: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
unter Verwendung eines Motivs von
shutterstock.com: © Maisei Raman
Korrektorat: Daniela Pusch

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

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„Wo bin ich? Was ist passiert?“ Ihre Stimme klang rau, was  an dem Tubus liegen mochte, der erst vor kurzem entfernt worden war. 

Sie wirkte zerbrechlich, so wie das dunkle Haar ihr Gesicht umrahmte, das sich farblich kaum von dem weißen Kissenbezug unterschied. 

Wie ein kleiner schutzbedürftiger Vogel. 

 „Sie sind im Krankenhaus.“

Sie schlug die Augen auf. Grüne Augen fixierten Seamus O’Halloran und sondierten die tiefsten Abgründe seiner Seele.

 „Wer sind Sie? Wo sind meine Angehörigen? Tante Sybill? Marc?“ 

Das Überwachungsgerät neben dem Bett der jungen Frau schlug Alarm, als sie den Kopf nervös hin und her bewegte.

Wie aus dem Nichts erschien eine Krankenpflegerin und warf dem Superintendent einen tadelnden Blick zu, bevor sie sich auf das Mädchen im Bett konzentrierte.

 „Beruhigen Sie sich meine Liebe. Sie sind in Sicherheit. Erinnern Sie sich? Doktor Leary hat mit Ihnen gesprochen. Es gab ein Unglück. Sie befinden sich nun auf dem Weg der Besserung. Kein Grund zur Panik.“

Die Patientin wurde ruhiger, als das Medikament zu wirken begann, das die Pflegerin ihr verabreichte. Seamus fiel ein Stein vom Herzen. Er hasste Szenen. Eigentlich hätte er die Befragung von Frederika Auburthnot einem Untergebenen überlassen können. Aber der Vorfall hatte sein Interesse geweckt. 

Frederika Auburthnot schien vom Pech verfolgt. Vor fünf Jahren waren ihre Eltern bei einem Autounfall tödlich verunglückt und nun das.

Die grünen Augen trafen ihn in Mark und Bein. „Sie sind tot. Alle. Es ist meine Schuld.“ Tränen quollen über das weiße Gesicht, in dem sich rote Flecken ausbreiteten.

Ein Geständnis? Sollte es so einfach sein? Seamus hegte Zweifel.

 „Was meinen Sie? Wie können Sie schuld sein?“

 „Tante Sybill hat immer gesagt, dass ich an allem schuld sei.“

Die Krankenpflegerin blickte den Superintendent wütend an. 

 „Keiner sagt, dass Sie schuld sind, Kindchen. Regen Sie sich nicht auf. Wenn große klumpfüßige Polizisten hier herumtrampeln und nicht haltbare Behauptungen aufstellen, werden die mich kennenlernen – was tun Sie überhaupt hier?“, wandte sie sich an den Polizisten. „Der Doktor hat das sicher nicht erlaubt.“

Sie scheuchte ihn aus dem Zimmer. Seamus begab sich resigniert auf die Suche nach dem Stationsarzt. Hätte er Miller mitgenommen, würde diese aufgeblasene Schwester sofort klein beigegeben haben. Sie hätte es nie gewagt, so mit seinem Sergeant umzuspringen. Was musste Miller ausgerechnet diese Woche ihre Großtante in Limerick besuchen? Dabei wollte er der Kleinen doch nichts Böses. Schlimm genug, dass sie vor Jahren auf einen Schlag zur Vollwaise mutiert war, jetzt so auf einen Schlag den Rest der Angehörigen zu verlieren. Diese alte Schabracke von einer Florence-Nightingale-Jüngerin tat ihm Unrecht. 

 

***

 

Seamus fand den Arzt im Stationszimmer, vor sich eine Tasse milchigen Tee und einen Teller mit einem fragwürdig riechenden Sandwich.

„Passen Sie auf, dass Sie sich keine Vergiftung holen. Doktor, können Sie mir etwas über den Zustand von Frederika Auburthnot sagen? Ist sie vernehmungsfähig?“ Lässig zog Seamus seine Identifikationsmarke aus der Hosentasche, um sie dem Arzt zu präsentieren.

„Freddy?“ Kurz leuchtete das Gesicht des Arztes auf, bevor er Seamus finster anblickte. „Sie braucht Ruhe. Die Arme hat viel durchgemacht.“

Spürte Seamus da einen Anfall von Beschützerinstinkt? Er konnte es ihm nicht verdenken. Die Kleine hatte etwas, da wollte man sie in die Arme schließen und gegen die böse Welt verteidigen. 

„Sie hat mein vollstes Mitgefühl, aber ich muss mit ihr reden. Je früher desto besser.“

„Geben Sie ihr noch einen Tag. Morgen verlegen wir sie von der Intensiv- auf Normalstation. Sie ist noch groggy von den Medikamenten und den Nachwirkungen der Detoxifikation. Sie läuft Ihnen schon nicht weg.“

Es würde nicht schaden, ihr noch ein bisschen Schonfrist einzuräumen.  

„Ich komme morgen wieder“, stimmte Seamus zu. „Wie geht es der anderen Überlebenden?“

Der Mediziner schüttelte resigniert den Kopf. „Schlecht. Das alte Mädchen liegt immer noch im Koma. Wir haben beschlossen, Freddy nichts vom Überleben der Großtante zu sagen, bis wir sicher sind, dass Dame Honoria es auch schafft. Es wäre schlimm, der Kleinen Hoffnungen zu machen, wenn die Wahrscheinlichkeit eines Überlebens so gering ist.“

„Sie scheinen sehr vertraut mit Miss Auburthnot”, bemerkte Seamus.

Der junge Arzt zuckte die Schultern. „Ich war mit Lord Marc, ihrem Cousin befreundet. Man kennt sich, in diesen Kreisen.”

„Ich komme dann morgen früh nochmal. Falls was ist, hier haben Sie meine Nummer.“ Seamus O’Halloran nestelte eine zerknitterte Visitenkarte aus der Jackentasche. Der Mediziner nahm sie zögerlich und legte sie auf den Schreibtisch neben seinen Teller mit dem inzwischen halb gegessenen Sandwich.

Seamus zückte sein Handy. Morgen würde er Miller mitbringen. Ohne den Sergeant war er aufgeschmissen. Seine Not war größer als die von Millers Tante in Limerick. 

 

***

 

Sergeant Miller war aufgebracht: „Sir, ich protestiere auf das Heftigste. Sie können mich doch nicht mit Blaulicht und Sirene von Kollegen abholen lassen wegen einer Lappalie. Meine Großtante hat beinahe einen Herzinfarkt erlitten.“ 

„Unsinn, Bangarda. Ihr altes Tantchen hat genug Gesprächsstoff für die nächsten Kaffeekränzchen.“ Seamus wählte bewusst den weiblichen Titel, weil er hoffte, damit die Entrüstung seiner Untergebenen in gewohntere Bahnen zu lenken. 

Miller ignorierte den Köder und konzentrierte sich auf das Wesentliche: „Wieso müssen Sie sich überhaupt in die Ermittlungen bei einer normalen häuslichen Tragödie einmischen? Der Fall ist doch glasklar. Das hätten Petersen und Myers ohne große Probleme hingekriegt.“ 

Petersen und Myers waren ein Ermittlerteam, allgemein als Bonny und Clyde bekannt.

„Haben Sie eine Ahnung! Die zwei sind doch tatsächlich bei mir aufgeschlagen und meinten, Frederika Auburthnot hätte ihre gesamte Familie vorsätzlich vergiftet. Das ist eine böswillige Unterstellung, deshalb habe ich den Fall selbst übernommen, um höchstmögliche Objektivität zu gewährleisten.“

Kurz musterte Sergeant Miller ihren Chef.

„Ich hole uns Tee und dann briefen Sie mich.“

Sprachlos blieb O’Halloran zurück. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sie so schnell einlenken würde.

Details

Seiten
0
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783960873808
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v489215
Schlagworte
Spann-und-end-e Kurz-geschichte Wein Vergiften Familie Alte Dame Polizei-ermittlung-en

Autor

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    Alexandra Scherer (Autor)

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