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(K)ein Milliardär für eine Nacht

von Katie MacAlister (Autor)

2019 0 Seiten

Leseprobe

Über dieses E-Book

Als sich Eglantine „Harry“ Knight die Möglichkeit bietet, als Managerin einer befreundeten Band spontan nach Griechenland zu fliegen, zögert sie nicht lange. Eigentlich hatte sie sich ein paar sonnige Tage voller Erholung vorgestellt, doch dann folgt ein Problem dem anderen und die größte Herausforderung wartet erst noch auf sie – der griechische Milliardär Iakovos Papaioannou. Der Playboy ist die Perfektion in Person, abgesehen vielleicht von seinem unaussprechbaren Namen und der Tatsache, dass Harry ihm sofort verfällt obwohl er ihr nur Ärger einbringt.
Iakovos wusste, dass seine Schwester eine Teenieband für ihren Geburtstag engagiert hat, ihm ist nur nicht klar, wie diese 180 cm große Frau mit den wilden Haaren und dem stürmischen Temperament da hinein passt. Oder wie sie so schnell in seinem Bett gelandet ist – Harry ist nämlich überhaupt nicht sein Typ. Sie ist genauso anstrengend wie faszinierend und anscheinend kann sie die Finger nicht von ihm lassen ...

Impressum

dp Verlag

Deutsche Erstausgabe August 2019

Copyright © 2019 dp Verlag, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Made in Stuttgart with ♥
Alle Rechte vorbehalten

E-Book-ISBN: 978-3-96087-824-7
Taschenbuch-ISBN: 978-3-96087-856-8

Copyright © 2011 by Katie MacAlister, 2011, 2017. Alle Rechte vorbehalten.
Titel des englischen Originals: It's all Greek to me

By arrangement with 3 Seas Literary Agency.

Dieses Werk wurde vermittelt durch die langenbuch & Weiß Literaturagentur, Hamburg/ Berlin.

Übersetzt von: Miriam Strieder
Covergestaltung: Miss Ly Design
unter Verwendung eines Motivs von
© G-Stock Studio/shutterstock.com
Korrektorat: KoLibri Lektorat

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

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dp Verlag

Vorwort

Dieses Buch ist eine Merkwürdigkeit (auf vielerlei Art, aber wir haben die meisten von ihnen umschifft), besonders weil ich, während ich es innerhalb von sechs Tagen schrieb, regelmäßig in der nun nicht mehr funktionierenden Shoutbox aufkreuzte, in meinem Nachrichtenforum, und gegenüber den Damen, die dort gerade unterwegs waren, in manisches Gelächter ausbrach.

Zum Glück sind sie vertraut damit, wie gestört ich bin, wenn die Muse mich in ihrem Klammergriff hält und sie haben nicht nur meine Überdrehtheit ertragen, sondern sie haben mich auch ermutigt, weiterzumachen. Dieses Buch ist den Damen der Shoutbox gewidmet, besonders Janet Avants, Sara Bates und Vinette Perez als Auszeichnung für ihren Heldenmut im Angesicht einer halb-hysterischen Autorin.

Kapitel eins

Der Mann vor ihr war verrückt. Entweder das, oder er hatte eine Art von Anfall, der es mit sich brachte, dass er auf und ab hüpfte und wild gestikulierte, während er wie ein Wasserfall redete. Die Worte kamen mit einer solchen Geschwindigkeit, dass sie alle in einem dichten und unverständlichen Strom mündeten.

Nicht dass Harry die Worte verstanden hätte, selbst wenn der Mann langsamer gesprochen hätte. Sie stand von der hölzernen Sitzecke auf, auf der sie gesessen und den Frieden der linden Mittelmeernacht genossen hatte. „Die Versuchung, etwas von wegen ‚babylonische Sprachverwirrung‘ zu sagen, ist fast überwältigend – das ist Ihnen klar, oder?“, fragte sie den Mann.

Er machte weiter mit seiner Routine aus Hüpfen, Gestikulieren und Plappern, dieses Mal fügte er noch eine merkwürdige zupfende Bewegung am Saum ihrer Leinentunika hinzu. Sie schaute sich um, fragte sich, ob sie etwas falsch verstanden hatte. „Ich darf nicht hier sein? In diesem Garten ist für uns Zutritt verboten? Derek sagte, es wäre der Gartenbereich auf der anderen Seite des Hauses, der für die Gäste reserviert wäre. Habe ich das falsch verstanden?“

Der kleine Mann – und er war klein, mehr als zwanzig Zentimeter kleiner als ihre stabilen eins achtzig – hatte offensichtlich genug von ihrer Begriffsstutzigkeit, denn er ergriff ihr Handgelenk und zerrte sie in Richtung des riesigen Klotzes von Haus.

„Ist das Kind in den Brunnen gefallen?“, fragte sie, ein kleines Lächeln huschte über ihre Lippen, bevor ihr Blick von dem Mann, der ihr vorkam wie einer der Bediensteten, zum Haus selbst wanderte. „Nur dass ‚Haus‘ eine ziemliche Untertreibung als Beschreibung ist, oder etwa nicht? Es ist mehr ein Palast. Häuser haben keine Seitenflügel – Paläste schon. Und es wäre eine Herausforderung, ein Haus zu finden, ganz für sich alleine, auf seiner eigenen griechischen Insel. Nein, mein Herr, das ist einfach ein ausgewachsener Palast, und obwohl ich davon ausgehe, dass Sie einen guten Grund haben, mich dorthin zu zerren, sollte ich Sie darauf hinweisen, dass die einzigen Leute, die in diesen palastartigen Anlagen übernachten, Gäste sind, und ich begleite die Band. Wir haben den kleinen Bungalow an dem Ende der Insel, wo die Bediensteten wohnen. Hallo? Sie sprechen wirklich kein einziges Wort Englisch, oder?“ Harry seufzte.

Der Mann zog sie weiter durch einen sehr hübschen Garten, der bepflanzt war mit süß duftenden, blühenden Sträuchern aus der Mittelmeerregion, die ihr unbekannt waren, schönen Hecken, und hübschen neoklassischen Statuen. Die Nachtluft war mild; der schwere Duft von einigen Blumen mischte sich mit dem schärferen, und ihrer Meinung nach, angenehmeren, Duft des Tangs. Es war alles so, wie sie sich das private Inselparadies eines reichen Mannes vorgestellt hatte. Nun, mit der Ausnahme des zähen, kleinen Mannes, der ihr Handgelenk umklammert hielt.

„Darf ich mich nicht einfach ruhig irgendwohin setzen?“, fragte sie den Mann. „Ich verspreche, dass ich niemanden belästigen werde. Ich glaube nicht, dass ich dazu in der Lage wäre – ich habe einen solchen Jetlag, ich kann noch nicht einmal klar denken. Schauen Sie, da ist eine schöne kleine Bank in einer Ecke neben der Statue des Typen mit dem ziemlich großen Schwanz. Ich wäre niemandem im Weg. Ich werde einfach da drüben sitzen und über seine gigantischen Genitalien nachdenken und alles ist gut.“

„Harry!“, ein Mann tauchte plötzlich an einem Fenster auf, hängte sich über die Brüstung und winkte hektisch, „da bist du ja! Beeil dich!“

„Derek, was tust du im Haus?“ Harry presste die Lippen zusammen beim Anblick des jungen Mannes. „Du hast gesagt, wir dürften nicht in seine Nähe kommen, während die Gäste hier sind.“

„Das ist jetzt egal! Beeil dich!“

„Wenn du denkst, dass ich nichts Besseres zu tun habe, als um die halbe Welt zu fliegen, um deinen Hintern zu retten, weil du dich nicht an ein paar einfache Regeln halten kannst –“

„Nein, es geht nicht um mich“, er trat vom Fenster weg, „es geht um Cyn! Sie ist angegriffen worden!“

„Was?“ Der Ausruf überraschte den kleinen Mann, der immer noch ihr Handgelenk festhielt, sodass er es fallen ließ, als hätte es plötzlich Feuer gefangen. Adrenalin schoss durch sie wie ein schmerzhafter Stachel, Adrenalin und eine Wut, die sie fast auffraß. Sie sprang vorwärts, leichtfüßig setzte sie über die niedrige Steinbalustrade auf dem Patio und schoss wie der Blitz zum nächsten Eingang des Hauses und riss die französischen Türen auf. Sie legte keinen Stopp ein, um sich bei der kleinen Gruppe von Leuten zu entschuldigen, die um einen Billardtisch stand, als sie um die Männer und Frauen in eleganten Abendroben spurtete und zielstrebig durch die Tür hechtete, die in einen Hauptteil des Gebäudes führen musste.

Der kleine Bedienstete folgte auf dem Fuß bis in den Flur, der mit Marmor gefliest war, wo er weiß Gott wohin abdrehte. Harry war es egal – ihr Kopf war leer bis auf das Entsetzen, das in den Worten klang, die sich in ihrem Kopf wiederholten. Es geht um Cyn! Sie ist angegriffen worden!

„Harry, Gott sei Dank –“ Terry tauchte aus einem Seitenflur auf, gestikulierte zu einer ausladenden Treppe, sein Gesicht von Besorgnis verzogen. „Wir wussten nicht, wo du warst. Sie ist da oben.“

Harry schabte ein oder zwei Lagen von Glasur ab, als die beiden die scheinbar endlosen Stufen hinaufschossen; ein abgelenkter Teil ihres Gehirns fand es ironisch, dass sie ausgerechnet jetzt für ihre Größe und ihre langen Beine dankbar war. „Was ist passiert?“, keuchte sie, als sie oben ankamen, und Terry deutete nach links.

Er warf ihr einen besorgten Blick zu, sagte aber nichts. Derek stieß fast mit ihr zusammen, als er aus dem Raum schoss. „Hier rein! Harry, du musst etwas unternehmen! Dieser Bastard… er… er…!“

„Ich bringe ihn um, wer auch immer es ist“, sagte sie, während ihr das Blut in den Adern gefror bei dem Gedanken, welche Abscheulichkeit sich zugetragen hatte. Sie drückte Derek zur Seite und betrat den Raum, ihr Atem abgehackt, das Herz kurz vorm Bersten. Sie hatte den Ausdruck „rotsehen“ zuvor schon gehört, aber sie hätte niemals gedacht, dass man das wörtlich nehmen sollte. Für einige Sekunden aber hätte sie geschworen, dass alles in dem Zimmer einen hässlichen roten Farbton annahm. Es war offensichtlich ein Schlafzimmer; ein schneller Blick ließ sie die üblichen Stühle erkennen, einen großen Schreibtisch mit passendem Kleiderschrank und ein großes Bett mit dünnen Vorhängen, die in der Brise wehten, die durch die offenen französischen Türen hereinkam. Ihre Aufmerksamkeit konzentrierte sich auf das Bett, als sie darauf zustürzte; sie nahm sofort eine der zwei zusammengesunkenen schluchzenden Gestalten in ihre Arme.

Vage nahm sie wahr, dass noch eine andere Person im Zimmer war, aber seine Identität verblasste zur Bedeutungslosigkeit. „Es ist alles gut, Cyndi. Ich bin jetzt hier“, sagte sie und ihre Wut wurde größer, als die jüngere Frau an ihrer Schulter weinte. „Du wirst in Ordnung kommen. Wir werden denjenigen, der das getan hat, bezahlen lassen.“

„Er ist bösartig! Er ist schrecklich!“ Cyndi lehnte sich zurück, Tränen rannen aus ihren schon roten, blutunterlaufenen Augen. Sie war nackt, ein Betttuch umklammerte sie über ihren bloßen Brüsten, ihr Gesicht unverletzt, aber fleckig von den Tränen. Einige fies aussehende, wunde Flecken waren auf ihrem Hals und ihrer Brust, aber es war der quengelig verzogene Mund, der plötzlich eine Alarmglocke in Harrys Kopf angehen ließ.

„Was ist passiert? Hat dich jemand angegriffen?“ Cyndi holte tief und zitternd Luft und schaute kurz über Harrys Schulter. „Ja! Na ja … Mehr oder weniger. Er hat mich abserviert, Harry. Abserviert!“

Harry blinzelte einige Sekunden. „Er was?“

„Er hat mich abserviert, gemein und… und… hinterhältig. Ich kam hier in sein Zimmer, und ich dachte, wir würden miteinander anbandeln, und alles lief wie am Schnürchen, aber bevor wir zur Sache kommen konnten, du weißt schon, es richtig machen konnten, hat er mir gesagt, ich solle verschwinden. Einfach so!“

Harry fuhr sich mit einer zitternden Hand über die Augen. Langsam normalisierte sich ihr Herzschlag wieder. „Also bist du nicht angegriffen worden?“

„Verbal schon. Er hat mir gesagt, er wollte mit mir keinen Sex, und dass ich verschwinden sollte, weil er schlafen wolle.“ Cyndi gestikulierte zum Bett. „Wenn das keine Beleidigung ist, jemanden ins Bett zu locken, ihn auszuziehen, und ihn dann überall zu küssen, bevor man demjenigen sagt, er solle verschwinden, dann weiß ich nicht, was eine Beleidigung sein soll!“

„Er hat dich gelockt?“

„Ja! Nicht so sehr mit Worten, aber hat mich mehrmals heute Nacht angesehen, und eine Frau weiß, was dieser eine Blick bedeutet“, sagte Cyndi mit merkwürdig hochnäsiger Schüchternheit. „Er begehrte mich. Also kam ich hier herauf und dann war alles wirklich schön, bis er total verrückt wurde und mir sagte, ich solle verschwinden. Das ist einfach nicht richtig, Harry. Es ist traumatisch! Du hast keine Ahnung, wie traumatisch das ist, in jemandes Zimmer zu gehen, in dem man vorhat, fantastischen Sex zu haben, und dann einfach gesagt bekommt, man solle verschwinden, weil jemand schlafen will. Ich bin doch keine Schlampe! Ich sollte hier auch schlafen!“

Harry holte einen tiefen, tiefen Atemzug, um sich davon abzuhalten, dass junge, selbstgerechte Mädchen vor ihr zu erwürgen. Sie erinnerte sich daran, dass der einzige Zweck ihres Aufenthaltes hier darin bestand, auf die Kids aufzupassen und zuzusehen, dass ihnen nichts passierte. Ihr fielen die roten Striemen auf Cyndis Brust ins Auge und ein kleiner Funke von Wut brannte in ihrem Magen.

Sie drehte sich um, zog die lauernden Gestalten von Terry und Derek aus dem Weg. Amy hatte sich an letzteren geklammert, ihre Augen groß und besorgt. Auf der anderen Seite des Zimmers lehnte ein Mann betrunken an der Wand, er trug ein paar offensichtlich hastig angezogene Hosen mit offenem Hosenbund, sein Gesicht war schlaff und ausdruckslos, als er beobachtete, wie Harry auf ihn zukam. Er war ein klein wenig größer als sie, offensichtlich Grieche, mit dunklen Augen und dunklem Haar, und unter anderen Umständen hätte er sicherlich als klassische Schönheit gegolten, für die sie hätte tot sein müssen, um sie nicht wahrzunehmen.

„Ich habe in drei Teufels Namen keine Ahnung, was du ihr angetan hast, um solche Striemen zu hinterlassen, aber ich habe den Eindruck, dass es wichtig sein könnte, dich darauf hinzuweisen, dass sie gerade mal achtzehn Jahre alt ist. Hast du es nicht geschafft, sie aus dem Zimmer zu kriegen, ohne sie anzufassen?“, fragte sie, und kämpfte gegen den Drang an, Cyndi oder den brünstigen Hengst vor ihr anzuschreien. Er musste einer der Gäste der Party sein – für die die Band mit großen Unkosten hergebracht wurde, um zu spielen –, aber in diesem Moment hätte es Harry nicht egaler sein können, wenn er der Besitzer dieses Sündenpfuhls gewesen wäre; sie wollte einfach nur Cyndi hier herausschaffen ohne ein weiteres Drama.

„Ich –“ Der Mann blinzelte sie an, schluckte schwer, und stieß sich von der Wand ab, um einen Schritt vorwärts zu machen. „Die kleine Nutte hat sich mir an den Hals geworfen. Sie war in meinem Bett, hat auf mich gewartet. Ich hab sie nicht genagelt, wenn es das ist, was alle so aufregt.“

„Nutte!“, brüllte Cyndi und hätte sich auf den Mann gestürzt, wenn sie nicht in dem Bettlaken verwickelt gewesen wäre. „Du Bastard! Ich bin keine Nutte! Terry, was ist eine Nutte?“

„Es ist mir egal, wer hier wen versucht hat zu verführen. Du hättest wissen sollen, dass sie zu jung ist. Du hast einfach Glück, dass sie volljährig ist. Und offensichtlich bist du ein bisschen hart mit ihr umgesprungen, wenn du solche Striemen hinterlassen hast.“

„Ich bin verletzt!“, heulte Cyndi, die sich auf den Gedanken einließ. „Er hat mich verletzt! Er ist ein tierischer, schrecklicher Mann, der mich verletzt und beleidigt hat! Ich glaube, ich werde ohnmächtig.“

„Du bist nicht verletzt, du kleine –“ Klugerweise behielt der Mann das letzte Wort für sich, als Harry die Stirn runzelte. „Ich habe sie nicht verletzt.“

„Oh mein Gott, ich blute!“, heulte Cyndi in einer dramatischen Tonlage und klammerte sich an Terry fest. „Ich muss ins Krankenhaus!“

„Schau, das ist nun weit genug gegangen. Ich will einfach nur, dass du mir versprichst, um Cyndi für den Rest des Wochenendes einen Bogen zu machen, in Ordnung?“, sagte Harry in einem Versuch, wieder Kontrolle über die Situation zu bekommen.

Der Mann schaute sie finster an. „Wer zum Teufel bist du, mir das zu sagen? Ich wette, ihr habt das alles hier geplant mit der kleinen Nutte, oder etwa nicht? Was für ein abgekartetes Spiel, eure Freundin hier raufzukriegen, die versuchen sollte, mich rumzukriegen, und dann vorgeben sollte, dass sie angegriffen wurde. Was habt ihr noch auf Lager? Erpressung? Das könnt ihr gleich vergessen, weil ich auf gar keinen Fall auf euren kleinen Plan hereinfallen werde.“

Mit jedem Wort wuchs Harrys Wut. Oh, sie wusste ganz genau, dass Cyndi die Situation ausnutzte bis zum letzten Rest, genauso wie sie wusste, dass Cyndi ihm nachgelaufen war und nicht andersherum, aber seine Verleumdung brachte sie dazu, ihm einfach nur eins auf die Nase geben zu wollen. Hinter ihr hörte sie, wie sich die Tür öffnete, aber sie ignorierte es und sagte einfach: „Wer ich bin? Ich sag dir, wer ich bin. Ich bin dein schlimmster Albtraum.“

„Ich weiß nicht.“ Er grinste auf diese anzügliche und Art, wie es Betrunkene tun. „Ich bin bereit, mich auf einen Versuch einzulassen. Ich wette mit dir, dass du ein paar Dinge weißt, die deine kleine Freundin nicht weiß.“

Der Mann langte nach ihren Brüsten. Harry sah wieder rot, bevor sie seine Hand wegschlug und, so fest sie konnte, auf seinen nackten Fuß trat. Dann rammte sie schnell ihr Knie zwischen seine Beine. Als er sich mit einem Schrei krümmte, verpasste sie ihm, so fest sie konnte, ein blaues Auge. Sein Kopf ruckte nach hinten, sein Gesicht für einen Moment erstarrt in Schock und Schmerz, bevor er nach hinten zusammenbrach.

„Was zur Hölle ist hier los?!“, brüllte eine Stimme hinter ihr.

Sie wirbelte herum, um einen absolut wütenden Mann auf sich zukommen zu sehen. Sie blinzelte bei diesem Anblick, für einen Moment geplättet, dass solch eine glorreiche Version von männlicher Schönheit jenseits der Seiten von Hochglanz-Modemagazinen existierte. Er war sogar größer als der Mann, den sie gerade ausgeknockt hatte, gute zehn Zentimeter größer als sie selbst, mit einer breiten Brust, die kein bisschen versteckt wurde von einem schwarzen Seidenshirt, das am Kragen offen war, und dabei ein Stück bronzefarbener Haut enthüllte, das sie plötzlich lecken wollte. Die kleine Einbuchtung, wo sein Hals auf sein Schlüsselbein traf, lockte sie mit sündhafter Faszination, und sie starrte ihn an, für einen Moment verwirrt, fragte sich, was in aller Welt ihr Gehirn tat, dass es verlangte, dass sie diesen fremden, wenn auch schrecklich schönen Mann kosten sollte.

„Wer sind Sie?“, verlangte er zu wissen, seine schwarzen Augen glitzerten vor Zorn, der irgendwie bekannt aussah. „Was zur Hölle haben Sie mit meinem Bruder gemacht?“

„Ihr Bruder?“ Plötzlich waren aller Ärger und der ganze Zorn wieder da und erfüllte sie mit Selbstgerechtigkeit. „Ich habe ernsthaft in Betracht gezogen, ihn in einen blutigen Haufen zu prügeln. Du bist ein großer Junge – ich lass dich helfen, wenn du magst.“

Ein dunkler Blick wanderte über sie auf eine Art, bei der ihr heiß und kalt zugleich wurde, der sie aber sofort als unter seiner Würde aussortierte. Er stieß sie zur Seite und marschierte dorthin, wo der andere Mann sich schwach an der Wand bewegte. „Ich glaube, der Ausdruck heißt ‚nur über meine Leiche‘. Steh auf, Theo.“

„Du willst auch auf meine Liste? Prima“, schnaufte Harry und hätte ihre Ärmel hochgekrempelt, wenn nicht die Leinentunika, die sie trug, ärmellos gewesen wäre. „Du kommst als Nächstesr dran. Mach schon, Theo, steh auf, damit ich dir den Kopf abhacken kann.“

Der große, unglaublich attraktive Mann hievte seinen Bruder auf die Füße, eine seiner Lippen kräuselte sich. „Du bist betrunken.“

„Nicht betrunken“, protestierte Theo, seine Augen glasig. „ Ich hatte kaum was. Diese kleine Hexe –“

Harry bewegte sich schneller, als sie sich jemals bewegt hatte, darauf aus, ihm das Wort direkt von den Lippen zu prügeln, aber der andere Mann hielt sie fest, als sie sich auf seinen Bruder werfen wollte.

„Wer zum Teufel sind Sie?“, schnaubte er, sein Arm wie Stahl um ihre Hüfte.

„Den ‚schlimmste Albtraum‘-Satz habe ich schon aufgebraucht“, keifte sie ihn an, ihre Hände zu Fäusten geballt. „Aber du glaubst besser, dass ich das in der Tat bin!“

Er hielt ihre Faust auf, gerade als sie dabei war, ihm einen Schlag auf die Nase zu versetzen, und schubste sie zurück in die kleine Gruppe von Leuten, die neben dem Bett stand. Seine schwarzen Augen wanderten über sie alle. „Ihr seid nicht auf der Gästeliste. Was tut ihr hier?“

„Sie sind die Band“, sagte Harry, während sie mit dem Daumen auf die vier wies, Cyndi nun aufrecht, eingewickelt in das Laken, dass sie in stummem Erstaunen zusammenpresste. „Die, die deine Schwester für ihren achtzehnten Geburtstag engagiert hat; ich nehme an, du bist der Besitzer dieses Hauses der Laster.“

Die Augen des Mannes kehrten zu ihr zurück, Verachtung tropfte aus ihnen genauso wie aus seiner Stimme, als er sagte: „Du siehst ein bisschen zu alt aus, um in einer Teenieband zu spielen.“

„Ich bin nicht alt“, sagte sie und streckte sich. Hinter dem Mann brach Theo in einem Stuhl zusammen, beugte sich vor, um den Kopf mit einem Mitleid erregenden Stöhnen in seinen Händen zu vergraben. Sie verengte ihre Augen, als sie ihn ansah, und fragte sich, ob sie seinen Bruder lange genug ablenken könnte, um einen wirklich guten Treffer zu landen. „Ich bin gerade mal dreiundreißig und ich bin ihr Manager. So ähnlich. Als Bevollmächtigte. Ich bin eigentlich Schriftstellerin, aber ich bin als ihr Manager eingesprungen, weil Timothy einen Blinddarmdurchbruch hatte und Jill musste bei ihm bleiben, weil sie den Termin für ihr erstes Kind hat, und es gab keinen anderen, der auf die Kids aufpassen könnte, also hat sie mich gefragt, ob ich für diesen einen Auftritt dabei wäre. Und, Idiot, der ich war, habe ich gedacht, wie schwer kann es sein, aufzupassen, während sie auf einer Party eines obszön reichen Ölmilliardärs spielen? Niemand hat mir gesagt, dass dein Bruder ein Trunkenbold ist, der nicht so viel Verstand hat, wie Gott einem Kartoffelkäfer gegeben hat!“

Harry starrte den Mann böse an, als der von seinem Bruder zu dem zusammengekauerten Mädchen schaute, das nun Gott sei Dank still war. Er nahm ihr zerzaustes Erscheinungsbild wahr, bevor er seine Augen auf Harry verengte. „Ich verdiene mein Geld mit Immobilienerschließung, nicht Öl.“

Sie starrte ihn für einen Moment an: „Macht das einen Unterschied?“

„Tut es, wenn du glaubst, dass die Quelle meines Reichtums ein Grund für eine Beleidigung ist. Und zu dieser Situation“ – er gestikulierte mit Abscheu zu Cyndi – „Theo musste niemals Gewalt anwenden, um eine Frau in sein Bett zu bekommen. Normalerweise ist es genau andersherum.“

„Behaupten Sie, dass ich hier ganz alleine raufkam, ohne dass er mich zuerst gefragt hat?“ Cyndi rang mit einem Seufzen nach Luft und deutete mit dem Kinn auf ihn. „Er hat mich gebeten, hier hochzukommen. Nicht so sehr mit Worten, aber mit seinen Taten.“

Harry runzelte die Stirn. „Welche Taten?“

„Er hat mich zweimal angelächelt und mir einmal zugezwinkert und dann hat er meinen Arm berührt, als ich an ihm vorbeigegangen bin. Ich bin nicht blöd, wisst ihr! Ich merke schon, wenn ein Mann mich begehrt! Also bin ich hochgekommen, um auf ihn zu warten, weil es klar ist, dass er denkt, dass ich superheiß bin.“

Harry schloss ihre Augen für einen Moment, dann nahm sie Cyndi beim Arm und unterdrückte den Impuls, sie zu schütteln. „Ich weiß noch nicht einmal, wo ich anfangen soll, Cyndi.“

„Anfangen womit? Ich bin nicht die, die hier im Unrecht ist. Theo ist das!“, antwortete Cindy mit einem weiteren selbstgerechten Seufzen.

„Dachte ich mir so. Das wäre nicht das erste Mal, dass eine geschäftstüchtige junge Dame versucht, sagen wir, finanzielle Vorteile aus Theos mangelndem Verstand zu ziehen“, sagte der nervtötende Mann.

„Bullshit!“, fauchte Harry und ließ Cyndi los, um zu dem Mann hinüberzumarschieren. Seine Augenbrauen wanderten in die Höhe bei diesem Kraftausdruck. Sie konnte sich nicht erinnern, wie sein Name lautete – es war einer dieser langen Namen mit scheinbar viel zu vielen Vokalen darin –, aber sie konnte sich vage erinnern, dass Jill etwas gesagt hatte darüber, dass er auf der Liste der weltweit begehrtesten Junggesellen war. Wenn sein Aussehen ein Indikator dafür war, dann wollte sie das gerne glauben. „Ich bin gewillt, zuzugeben, dass Cyndi heute Abend einen großen Mangel an Intelligenz offenbart hat –“

Cyndi schnappte wieder nach Luft, wütend.

„Aber weder sie noch ich versuchen, deinen kostbaren Bruder zu erpressen. Es war einfach nur ein junges Mädchen – ein sehr junges Mädchen, das gerade mal volljährig ist, möchte ich betonen –, das offensichtlich geblendet von der Situation war und einige Fehlentscheidungen getroffen hat.“

„Ich bin nicht geblendet“, protestierte Cindy. „Ich bin verletzt! Ich blute überall!“

Der Mann machte ein angewidertes Geräusch und sah aus, als wollte er mit den Augen rollen.

„Das ist kein Blut, Cyndi“, erklärte Harry. „Obwohl ich zugebe, dass dein Spielgefährte viel zu hart mit dir umgegangen ist. Und obwohl eine härtere Gangart kein Verbrechen ist, ist es sicherlich auch kein vergnügliches Schäferstündchen.“

„Es ist kein Verbrechen begangen worden, abgesehen von Fehlentscheidungen“, fauchte der Mann bei ihrem zarten Hinweis, sein Stirnrunzeln wandelte sich für einen Moment in einen Ausdruck der Überraschung, als Harry ihn in die Brust piekste, als sie sprach: „Sie hat überall auf ihrem Dekolleté Striemen! Schau sie doch einfach nur an! Welche Art von Mann tut so etwas?“

Iakovos Papaioannou konnte nicht glauben, dass die Amazone vor ihm die Nerven hatte, ihn in die Brust zu pieksen, als ob sie das Recht dazu hätte, ihn zurechtzuweisen. Für einen Moment war er sprachlos, weil sie keinerlei Rücksicht auf seine Bedeutung nahm, als sie ihn weiterhin scharf kritisierte, und ihm die absurdesten Anschuldigungen um die Ohren haute.

Er ließ sie weitermachen, einfach nur um das Vergnügen zu haben, sie zu beobachten, und musste sich eingestehen, dass, obwohl seine Präferenz in Frauen selten über schlanke, elegante, kühle Blondinen hinausging, diese Frau, diese Erdgöttin mit ihren üppigen Kurven und wildem braunen Haar, das sich über ihren Rücken ringelte, etwas tief in ihm rührte. Etwas Ursprüngliches, einen Drang, der erwacht war und verlangte, dass er sie in der grundlegendsten Art, zu der ein Mann nur fähig war, zu der seinen machte.

Seine Augen wanderten zu ihrem Mund, und er schaute fasziniert zu, wie sie die Lippen bewegte, während sie ihm weiterhin eine Predigt hielt. Ein flüchtiger Geruch erregte seine Aufmerksamkeit und er atmete tiefer ein in der Hoffnung, ihn wieder zu riechen; und als er ihn wiedergefunden hatte, bemerkte die analytische Seite von ihm, dass es einfach nur der Duft nach einer sonnengewärmten Frau war, als ob sie draußen am Strand gelegen hätte. Es war nichts Besonderes, nichts Ungewöhnliches und doch schien es direkt zwischen seine Beine zu gehen, befeuerte sein Begehren, wie es das teuerste Parfum niemals getan hatte.

„– und du hörst noch nicht einmal zu!“, brüllte die Göttin, lenkte seine Aufmerksamkeit ab von der Fantasie, wie er sie auf seinem Bett ausbreiten und sich tief in ihrem glorreichen Körper vergraben würde. Sie versetzte ihm einen besonders harten Pieks in die Brust und er nahm ihre Hand gefangen, ohne nachzudenken, und strich müßig mit dem Daumen über ihre Finger.

„Natürlich tue ich das nicht“, sagte er wegwerfend. „Da gibt es nichts weiter zu diskutieren. Die Frau hat Theo verfolgt, nicht andersherum. Sie ist nicht verletzt, obwohl sie das Gegenteil behauptet.“

Sie starrte ihn mit sprachloser Überraschung für einen Moment oder zwei an. Dicke schwarze Wimpern blinzelten über Augen, von denen er zuerst geglaubt hatte, dass sie grau waren, aber nun konnte er sehen, dass sie mehr haselnussbraun waren; die Iris schien leicht dunkler zu werden, als sie seine Hand anschaute: „Was tust du da?“

„Ich versuche, das Offensichtliche klarzustellen“, gab er zur Antwort, seine Augen auf ihren Lippen und er fragte sich, ob sie nach Meer schmecken würde. Sie sah nach einer Göttin aus, die dem Meer entstiegen war, um Rache zu üben, ein Sturm in menschlicher Form.

„Nein, deine Hand. Dein Daumen, es ist …“

Ihr Blick wanderte zu seinem und er beobachtete mit primitiver Befriedigung, wie sich ihre Pupillen weiteten in ihrer plötzlichen Anerkennung von ihm als Mann. Wie einfach es wäre, sie zu erregen, diesen Sturm. „Wie heißt du?“

„Harry“, sagte sie und schauderte plötzlich ein wenig, als sie ihre Finger seinen entzog.

Er runzelte die Stirn. Das war auf gar keinen Fall angemessen für eine Göttin aus dem Meer: „Du hast einen Männernamen?“

„Es ist eigentlich ein Spitzname“, sagte sie mit einem reuigen Lächeln. Sein Blick wanderte sofort zu ihren Lippen, das Ziehen in seinen Lenden warnte ihn, dass, wenn er weiter über ihren Mund nachdachte und was er gerne mit ihm anstellen würde und was dieser Mund mit ihm anstellen könnte, dann würde es damit enden, dass er sie zu seinem Bett trug. Während diese Idee für ihn ganz in Ordnung war, gab es andere Dinge, um die er sich kümmern musste … Zumindest, solange Elenas Party stattfand.

„Mein Name ist eigentlich Eglantine, aber niemand außer meiner Mutter ruft mich so. Es ist einfach so ein sperriger Name, dass jeder mich Harry nennt. Wie heißt du?“

„Iakovos Panagiotis Okeanos Papaioannou“, sagte er mit einem leichten Stirnrunzeln, als ob er überrascht wäre, dass sie das nicht wusste. Das machte sie platt. Sie stürzte sich auf den ersten Teil: „Jackydos?“

„Iakovos. Das ist griechisch für Jakob.“ Als sie ihn nur anstarrte, erklärte er: „Mein Name ist mehr als nur ein bisschen sperrig, ja. Ich würde vorschlagen, da du die Managerin dieser jungen Frau bist, dass du sie zu ihrer Unterkunft begleitest. Ich werde mich um meinen Bruder kümmern.“

„Ich bin verletzt! Ich will ins Krankenhaus!“, weinte Cyndi.

„Mach dich nicht lächerlich. Du brauchst keinen Arzt“, erklärte Iakovos ihr.

„Ich bin ihre Ersatzmanagerin und wenn sie ins Krankenhaus will, dann bringe ich sie in ein Krankenhaus.“ Harry piekste ihn wieder in die Brust, nicht, wie sie sich selbst erklärte, weil sie wieder seine Finger auf ihren spüren wollte. Ja, sicher, er war der Inbegriff von Sex auf zwei Beinen, der Standard von blendend aussehender Kerl, aber er war auch ein extrem begriffsstutziger, blendend aussehender Kerl, der eine große Überraschung auf sich zukommen sah, wenn er dachte, dass er einfach Cyndis (wenn auch kleinere) Verletzungen abtun könnte.

„Darf ich dich daran erinnern, dass du in meinem Haus bist“, sagte Iakovos, seine Stimme tief und unglaublich erregend. „Auf meiner privaten Insel.“

Harry hatte niemals gedacht, dass Stimmen sündhaft sexy sein könnten, aber die Art, wie dieser Mann herumgrummelte in seiner Brust, da stellten sich ihr die Härchen im Nacken auf. Es war, als wäre er ein Gott, ein griechischer Gott, der zum Leben erweckt worden war, und direkt hier vor ihr stand, der allerhand Dinge mit intimen Teilen ihres Körpers anstellte, über die sie nicht nachdenken wollte. Er war der Bruder eines Trunkenbolds, um Himmels willen! Wie konnte sie nur seine Stimme erregend finden? „Schau mal, Yacky –“

„Iakovos!“

„Wir mögen zwar in deinem Haus sein auf deiner kostbaren Insel, aber wir sind auch in einem Land, wo ich durchaus gewillt bin zu wetten, dass es den Missbrauch von Frauen nicht toleriert, besonders bei amerikanischen Staatsbürgern und doppelt besonders, wenn diese amerikanische Staatsbürgerin gerade über achtzehn ist.“ Harry holte tief Luft und schickte dem griechischen Gott einen Blick, der ihn hätte zusammenbrechen lassen sollen. „Ich nehme an, dass wir ein Boot nehmen müssen, um von dieser Insel des Schmutzes herunterzukommen, wir brauchen eines, um Cyndi zum Krankenhaus auf dem Festland zu bringen. Und da ich auch annehme, dass dir alle Boote hier gehören, würde ich es sehr wertschätzen, wenn du einen deiner Lakaien schicken könntest, um eines für uns aufzutreiben.“

„Und wenn nicht?“, fragte Iakovos, seine schwarzen Augen waren nahe daran, ihr Feuer entgegenzuspucken.

„Dann wirst du ein kleiner trauriger Panda sein“, schnaubte sie.

„Du drohst mir?“ Er sah aus, als wäre er deswegen völlig fassungslos. „Darauf kannst du deinen unglaublich attraktiven Arsch verwetten, der wahrscheinlich hart genug ist, das ich Centstücke darauf springen lassen kann, dass ich dir drohe!“, fauchte sie zurück.

Ein unbeschreiblicher Blick huschte über sein Gesicht. „Du bist die respektloseste Frau, die mir je begegnet ist.“

„Du bist der attraktivste Mann, den ich jemals in meinem Leben gesehen habe, aber das bedeutet nicht, dass ich dich lecken werde!“, schrie sie.

Er starrte sie offen überrascht an.

„Entschuldige. Das kam ein bisschen falsch rüber.“ Ihr wurde heiß, als sie eine gesunde Gesichtsfarbe annahm, während sie sich mental dafür verdammte, dass ihr merkwürdiges Gehirn sie zuerst sprechen ließ und dann denken. „Manchmal kommt der Dialog, den ich in meinem Kopf schreibe, aus meinem Mund, anstatt dazubleiben, wo er hingehört.“

„Du willst … lecken?“, fragte er, mit dem gleichen merkwürdigen Gesichtsausdruck.

„Nicht alles von dir!“, sagte sie mit Würde und straffte ihre Schultern. „Einfach nur diesen einen Punkt, wo dein Hals auf das Schlüsselbein trifft. Wo diese kleine Einbuchtung ist…“ Ihre Stimme verlor sich, als er sie weiterhin ansah, als wären gerade zwei tanzende Brüste auf ihrem Kopf erschienen. „Das ist jetzt egal, es ist nicht wichtig.“

Er öffnete seinen Mund, um etwas zu sagen, schüttelte den Kopf, und mit einem wegwerfenden Blick Richtung Cyndi und den anderen, die immer noch um sie herum im stillen Schock versammelt waren, holte er ein Handy aus der Tasche und sprach schnell in Griechisch. „Ein Boot wird auf euch am östlichen Dock warten.“ Seine Lippen verengten sich, als er zu seinem Bruder sah, bevor er ihn in die Höhe riss. „Ich nehme an, dass ein Besuch im Krankenhaus dich rückversichern wird, dass dein Schützling keine weiteren Verletzungen davongetragen hat, außer die von ihrem Stolz.“

„Stolz?“ Harry ergriff seinen Arm, als er gehen wollte. Er wirbelte herum und nagelte sie mit einem wütenden Blick fest, dem sie mehr als nur mit einem von ihren eigenen begegnete. „Sie ist schrecklich gebeutelt.“

Sein Blick flackerte zu Cyndi, die sich in die Brust warf und ihm einen widerspenstigen Blick schenkte. „Ich sehe keine Anzeichen von Gebeutelt-Sein.“

„Sie hat Striemen überall auf ihrer Brust und ihrem Nacken!“, sagte Harry und deutete zu Cyndi.

Er schaute sie für einen Moment lang ruhig an und dann hätte sie schwören können, dass einer seiner Mundwinkel zuckte. „Hattest du niemals einen Liebhaber, der starken Bartwuchs hatte?“

„Hä?“

„Es ist normal bei griechischen Männern, dass sie sich mehr als einmal am Tag rasieren müssen, und mein Bruder und ich sind keine Ausnahme dabei.“

Sie betrachtete seinen Kiefer und kniff leicht die Augen zusammen. Er hatte leicht dunkle Schatten auf seinem unteren Gesicht, als ob er bald einen männlichen Stoppelbart zur Schau tragen würde. Er hatte außerdem sehr attraktive Lippen, die Unterlippe insbesondere. Mit diesem süßen, oh so süßen Schwung, und der Oberlippe mit dem tiefen Einschnitt in Verlängerung der langen geraden Nase. Wie bei der Stelle an seinem Nacken hatte sie den schlimmsten Drang, diese Einbuchtung der Oberlippe zu kosten. Sie leckte tatsächlich ihre eigenen Lippen, während sie darüber nachdachte, bevor sie sich erinnerte, dass es keine Option war, den Bruder eines Trunkenbolds anzuschmachten, besonders dann, wenn dieser auf dem Cover von GQ sein könnte. „Er … Was war die Frage?“

Er seufzte. „Kratzspuren vom Bart. Das ist das, was all diese roten Striemen zu bedeuten haben.“

„Haben sie?“ Sie wandte sich an Cyndi. „Cyn?“

„Er hat mich verletzt“, sagte sie mit Tränen in den Augen. „Selbst wenn es nur seine rauen Wangen waren, ich muss einen Arzt konsultieren.“

Amy, die Freundin von Derek und die zweite Sängerin der Band, umarmte sie sofort, Sorge stand in ihren blauen Augen. Sogar Terry, der fröhliche Terry, der immer einen Scherz auf den Lippen hatte, sah ernst aus, als er näher zu den beiden Frauen trat. Vier Augenpaare beobachteten Harry, mit einer offensichtlichen Bitte in ihnen.

„Kratzspuren vom Bart.“ Sie wandte sich nach dem nervtötenden Gott mit den sexy Lippen um. Er hob eine Augenbraue und sie war dankbar, dass er offensichtlich über solchen sterblichen Dingen stand wie ‚ich hab’s dir ja gesagt‘.

„Ich hab dir gesagt, dass sie nicht verletzt ist“, sagte er mit einem leichten Grinsen.

Sie deutete mit dem Finger auf ihn. „Du hast dich gerade selbst von deinem Podest gestoßen, Loser. Alles klar. Ich bin bereit zu akzeptieren, dass dein Bruder sie nicht absichtlich verletzt hat. Aber sie ist sehr durcheinander und sie hat in der Tat einige fiese Striemen, also denke ich, es wäre besser für unser aller Seelenfrieden, wenn sie einen Arzt konsultieren würde. Wenn du und Mister Übergriffig da drüben hier verschwinden würdet, würde ich Cyndi etwas anziehen und wir werden sie aufs Festland bringen.“

Er presste seine leckbaren Lippen aufeinander, als wäre er nicht daran gewöhnt, Befehle entgegenzunehmen, ein Gedanke, der ihr immenses Vergnügen bereitete. Oh, wie viel Spaß würde es machen, ihn ein oder zwei Grad runterzustufen, um ihn daran zu erinnern, dass er von sich selbst zwar dachte, dass er ein Gott unter Geringeren sei, aber dass er in Realität nicht mehr als ein Mann war. Ein sehr reicher, urbaner, sexy und wahrscheinlich sehr faszinierender Mann, aber immer noch ein Mann.

Sie sah auf die Einbuchtung an seinem Schlüsselbein. Ihre Zunge drückte gegen ihren Gaumen. „Versuchung ist ein Schwein.“

„Das kannst du laut sagen“, murmelte er und schenkte ihr einen dunklen Blick, bevor er sich auf dem Absatz umdrehte und den Raum verließ, seinen Bruder hinter sich herschleppend.

Kapitel zwei

Es gab keinen Grund für ihn, hier zu sein. Der Frau, mit der Theo ein wenig zu viel getändelt hatte, fehlte rein gar nichts und doch war er hier im Flur des Krankenhauses und wartete darauf, zu hören, was er ohnehin wusste – dass sie nicht angegriffen worden war.

Also warum war er hier, wenn er zu Hause sein sollte, um ein Auge auf Elena und die Gäste zu haben, die sich in seinem Haus befanden? Abgesehen von der Party anlässlich des Geburtstags seiner Schwester, hatte er hunderttausend andere Dinge, die er viel lieber tun würde, anstatt in der sterilen Atmosphäre des kleinen Krankenhauses zu stehen, dem sein Vater vor acht Jahren gespendet hatte, nach dem Tod seiner geliebten zweiten Frau.

Krankenschwestern eilten an ihm vorbei, die meisten schenkten ihm nichts weiter als ehrerbietige Anerkennung aufgrund seines Status als örtlicher Wohltäter, einige warfen ihm wärmere Blicke zu, die mit Vergnügen verweilten. Er machte sich wenig aus der Aufmerksamkeit, die sie ihm schenkten – Frauen waren um ihn herumscharwenzelt seit dem Moment, wo ihm Haare zwischen den Beinen sprossen.

„Ich glaube, ich sterbe“, murmelte Theo, der den Kopf zwischen seinen Knien versenkt hatte, während er in seinem Stuhl hing. „Diese Frau hat mir die Eier gebrochen.“

„Das nächste Mal, wenn du sie nicht in der Hose behalten kannst, such jemanden mit etwas mehr Erfahrung“, erklärte ihm Iakovos, in seiner Stimme war deutlich das grimmige Gefühl der Ungerechtigkeit zu hören, das er empfand. Diese Frau hatte ihn in die Brust gepiekst! Sie hatte ihn angeschrien!

Theo schaute mit einem schiefen Grinsen auf. Sogar halb betrunken und mit einem blauen Auge besaß er den berühmten Papaioannou-Charme, der eine vorübereilende Krankenschwester dazu brachte, nach Luft zu schnappen. „Ich konnte gar nicht anders, Jake. Sie war so heiß. Hat vorgegeben schüchtern zu sein, aber sie hat sich mir an den Hals geworfen, und sie hatte Titten, die mich verrückt gemacht haben. Alles wäre gut gewesen, aber dann hat sie Forderungen gestellt, das Nächste, was ich weiß, ist, dass diese dürre Handvoll rumgeschrien hat, dass sie angegriffen worden sei, und dann sind die zwei anderen reingekommen. Selbst dann hätte ich noch erklären können, dass das scheue Reh sich wegen nichts aufregte, aber dann haben sie diese … diese …“ Eine Hand legte sich schützend über seine Hoden.

„Amazone?“, fragte Iakovos.

„Teufelin. Hast du gesehen, wie sie mich angesehen hat? Ich dachte, sie würde mir das Fell über die Ohren ziehen, bis du ihr Einhalt geboten hast.“

„Du hättest es verdient, wenn ich sie gelassen hätte.“ Sein Kiefer malmte, als er auf seinen Taugenichts von Bruder herabsah.

Er war Einzelkind gewesen bis zur zweiten Ehe seines Vaters, fünfzehn Jahre nach seiner Geburt. Iakovos war fast zwanzig Jahre älter als Elena und dreizehn Jahre standen zwischen Theo und ihm. Manchmal fühlte er sich alt genug, um ihr Vater zu sein. „Ich habe dir doch gesagt, lass den Alkohol weg.“

„Ich war nicht betrunken“, protestierte Theo, „ich hatte nur einen kleinen Schwips.“

„Deine kleinen Schwipse werden dich ins Krankenhaus bringen mit Leberversagen, wenn du dich nicht beherrschst. Oder ins Gefängnis, wenn du noch einmal so etwas abziehst wie heute Abend – mach dir nicht die Mühe zu erklären, dass du das Mädchen nicht angegriffen hast. Ich weiß, dass du das nicht getan hast. Du hättest sie trotzdem nicht in deinem Zimmer haben sollen.“

Theo schenkte ihm ein weiteres Lächeln, aus dem der Charme tropfte. „Komm schon, Jake“, sagte er und benutzte den englischen Spitznamen, der Iakovos die Lippen zusammenpressen ließ. „Alles, was die Männer aus der Papaioannou-Familie tun müssen, ist, zu lächeln und Frauen reißen sich darum, in unsere Betten zu krabbeln. Es ist ja nicht so, als hättest du niemals einem kleinen süßen Ding nachgegeben.“

„Es gibt so etwas wie Nestbeschmutzer. Und ich habe sicherlich nicht der Versuchung nachgegeben, eine von Elenas Freundinnen zu verführen. Ich will keinen Ruf als Frischfleischliebhaber.“

Theo zog eine Grimasse. „Du bist neununddreißig, Iakovos, nicht neunundachtzig. An Elenas Freundinnen gibt es nichts auszusetzen. Einige von ihnen sind –“ Er hörte auf zu sprechen, der selbstzufriedene Ausdruck auf seinem Gesicht verwandelte sich blitzartig in einen des Entsetzens.

„Da ist die Teufelin! Ich seh zu, dass ich hier wegkomme, bevor sie mich wieder angreift.“

Iakovos drehte sich um, um die Frau zu beobachten, die den engen Krankenhausflur auf ihn zumarschierte. Ihre langen Beine schluckten die Distanz, ihr Haar wehte hinter ihr wie ein Banner. Sie sah genau aus wie die Personifikation eines Sommersturms auf dem Meer, einer, der über ihn hereinbrach. Für einen Moment fragte er sich, ob er noch der Gleiche wäre, sobald der Sturm losbrach, aber er schob dies als fantasievollen Gedanken beiseite, einen, der es nicht wert war, näher betrachtet zu werden. Besonders, stellte er bei sich fest, als er seinem Blick erlaubte, über die näher kommende Frau zu wandern, da es so viel bessere Beschäftigung für seine Aufmerksamkeit gab. Diese Frau – er konnte sich nicht dazu durchringen, von ihr mit diesem schrecklichen Spitznamen zu denken –, was hatte sie gesagt, war ihr Name? Rose? Nein, die französische Version dieses Wortes, Eglantine … ein ungewöhnlicher Name, ein altmodischer Name, der zu ihr passte.

Sie war fast so groß wie er, und üppig geformt, nicht sein normales Beuteschema. Sie war einfach gekleidet, trug neutrale Leinenhosen und eine ärmellose Tunika, die ihre Konturen von anderen Männern verborgen hätte, aber seine scharfen Augen entdeckten die einladende Kurve ihrer Hüften, als der Saum der Tunika für einen Moment zurückflatterte. Ihre Brüste waren anständig bedeckt, aber nichts konnte die Fülle verstecken oder den sanften Schwung ihrer Oberarme, die mit leichten Sommersprossen bedeckt waren. Bei den Standards, die die Frauen anlegten, die er normalerweise datete, konnte man ihr Gesicht nicht als schön bezeichnen, aber er fand es trotzdem hübsch. Sie hatte ein rundes, stures kleines Kinn, diesen herrlich weiten Mund, zu dem seine Augen immer wieder zurückkehrten, eine Stupsnase mit Sommersprossen und zwei Augen, die in diesem Moment einen Ausdruck hatten, als würde sie nichts glücklicher machen, als wenn er auf der Stelle tot umfallen würde.

„Eglantine“, sagte er, sie begrüßend, als sie vor ihm zum Halten kam, die Hände in die Hüften gestützt.

Ihre Nasenflügel blähten sich. „Yacky.“

Für einen Moment schloss er die Augen. „Mein Name ist Iakovos. Sollte es dir nicht möglich sein, dich daran zu erinnern, darfst du mich gerne mit Mister Papaioannou anreden.“

Sie schaute ungläubig drein. „Das ist nicht dein Ernst.“

„Ist es. Das ist mein Name. Er ist nicht so schwierig auszusprechen. Ich bin mir sicher, dass du das mit wenig Aufwand meistern würdest, wenn dir danach wäre.“

„Jep, und Affen könnten aus deinem Hintern fliegen, aber da weder das eine noch das andere besonders wahrscheinlich ist, können wir einfach mal weitermachen, sollen wir?“

„Was hast du gesagt?“, fragte er wütend bis in die Zehenspitzen. Sie war so herrlich respektlos, aber er hatte das verzweifelte Gefühl, wenn er nicht die Kontrolle über die Unterhaltung übernähme, wäre er verloren in dem Sturm, der sie zu begleiten schien.

„Ich sagte, wir sollten weitermachen und ich –“

„Du hast gesagt –“ Er atmete schwer durch die Nase. „Du hast etwas gesagt über Affen, die aus meinem Hintern fliegen. Das ist das zweite Mal, dass du das in einer Unterhaltung erwähnst.“

„Deinen Hintern? Wirklich?“ Sie hob die Augenbrauen. „Hast du ein Problem mit deinem Hintern?“

„Nein, ich habe kein Problem damit.“ Das Gefühl, dass er die Kontrolle verlor, wurde stärker. Er holte tief Luft und nahm ihren einzigartigen Geruch sogar über die antiseptischen Gerüche des Krankenhauses wahr. „Aber du scheinst eines damit zu haben.“

Sie sah überrascht aus und bevor er fragen konnte, wie es der jungen Frau ging, war sie um ihn herumgegangen und überraschte ihn, indem sie seinen Mantel hochzog, den er übergeworfen hatte für die Bootsfahrt zum Festland. „Was machst du da?“, verlangte er zu wissen, während er sich mehr und mehr fühlte, als wäre er ein Stück Treibgut in einem Strudel.

„Ich schaue nach, ob ich ein Problem mit deinem Hintern habe. Ich glaube nicht. Macht es dir etwas aus, wenn ich ihn anfasse?“

Iakovos schaute sie über seine Schulter an, das erste Mal sprachlos in seinem Leben. Bevor er verlangen konnte, dass sie ihn mit dem Respekt behandelte, der einem Mann in seiner Position zukam, streckte sie die Hand aus und legte sie auf eine Backe. Sofort strömte das Blut in seine Lenden und bescherte ihm eine starke Erektion.

Er war völlig, komplett und gänzlich überfordert mit ihr.

„Also, es ist ein bisschen schwer zu erkennen, weil du keine hautengen Hosen anhast, aber von dem, was ich fühlen kann, nein, ich habe kein Problem mit deinem Hintern.“ Harry ließ seine Jacke los, als er herumwirbelte, um ihr ins Gesicht zu sehen, ihre Finger kribbelten von dem Kontakt mit seiner warmen Rückseite.

Sie hätte so gerne beide Hände eingesetzt, aber sie vermutete, dass das die Sache zu weit treiben würde. Er hatte jetzt schon einen dieser unbeschreiblichen Ausdrücke auf seinem Gesicht, als ob er nicht entscheiden könnte, ob er sie erwürgen oder besinnungslos küssen wollte.

„Ich hoffe wirklich, es ist das zweite“, erklärte sie ihm.

„Was für eine Leiter?“, fragte er, in seinen Augen ein etwas irrer Blick.

„Entschuldigung, innerer Monolog mal wieder. Es ist nicht wichtig. Haben wir das Problem mit deinem Hintern behoben? Gut. Dann können wir uns jetzt vielleicht um das Problem von Cyndi kümmern, der Doktor sagt, sie hat Abreibungen an ihrer Brust und ihrem Hals, ihr Blutdruck geht durch die Decke und er musste sie sedieren, weil sie kurz davor war, komplett zusammenzubrechen. Ich glaube nicht, dass sie in wirklicher Gefahr schwebt, aber sie hat sich selbst in einen solchen Zustand reingesteigert, dass es wahrscheinlich das Beste ist, wenn sie die Nacht über hierbleibt“, sagte sie und hob das Kinn. Sie forderte ihn heraus – sie forderte ihn einfach heraus –, ihr zu sagen, dass sie albern war.

Ein Muskel zuckte einige Male in Iakovos Kiefer, aber alles, was er sagte, war: „Es ist mir egal, ob sie einen Monat hier verbringt, solange sie sich nicht wieder Theo an den Hals wirft.“

„Er musste nicht annehmen, was sie angeboten hatte. Nicht zu vergessen, dass er sternhagelvoll war und viel zu grob mit ihr umgegangen ist, so zerbrechlich, wie sie ist“, erklärte ihm Harry und eiste ihre Gedanken von der Frage los, wie sein Hintern wohl aussehen würde, um sich wichtigeren Dingen zu widmen. „Amy hat gesagt, sie würde bei Cyndi bleiben. Der Arzt möchte, dass sie über Nacht bleibt, aber anscheinend dauert es eine Weile, bis sie sie in ein Zimmer bringen können. Er sagte, sie wären kalt erwischt worden, weil die Hälfte des Personals zu einem Zugunglück in einer anderen Stadt gerufen worden wäre, also kann es einige Stunden dauern. Ich bin sicher, dass du zu deiner Party zurückwillst.“

Seine Augenbrauen, gerade Striche aus Ebenholz, die sich gegen den warmen Bronzeton seiner Haut abhoben, zogen sich zusammen. „Erteilst du mir Befehle, Eglantine?“

„Nein, Yacky, das tue ich nicht. Ich schlage einfach nur vor, dass du wahrscheinlich nach Hause willst, weil es eine Weile dauern wird, bis Cyndi untergebracht ist. Es macht keinen Sinn, dass du auch hierbleibst. Ich nehme an, du bist in einem anderen Boot herübergekommen?“

Er nickte, seine Augen suchten in ihrem Gesicht, als würde es dort irgendeine Antwort geben. „Du bist müde.“

„Oh, ich bin jenseits von müde“, stimmte sie zu und schenkte ihm, wie sie hoffte, ein strahlendes Lächeln, während sie über ihre Arme rieb, um die kühle Luft zu vertreiben. Das Krankenhaus war sehr modern, wenn auch klein, und verfügte offensichtlich über eine sehr effiziente Klimaanlage. „Ich bin seit mehr als vierundzwanzig Stunden wach.“ Sein Stirnrunzeln war eine Frage. Sie beantwortete sie mit einem Schulterzucken: „Die Kids sind einen Tag vor mir geflogen. Ich wurde erst heute Morgen als Notstoppen rekrutiert. Äh… Gestern Morgen. Irgendwann. Seit ich Seattle verlassen habe, habe ich den Überblick darüber verloren, wie viel Uhr wir eigentlich haben.“

Er starrte sie für einen Moment an, sagte nichts, sah sie einfach nur an. Sie konnte nicht anders, als auf seine Lippen zu starren und fragte sich, welche Art von Wunder sie vollbringen müsste, um sie zu kosten.

Ohne ein Wort zu sagen, zog er sein Jackett aus und legte es ihr um die Schultern, bevor er sich umdrehte und den Flur hinabschritt. Das Jackett war warm von seiner Körperwärme und es roch nach ihm. Der Duft seines Rasierwassers – Zitrone und wie frisches Holz zugleich – neckte sie in der Nase, als sie ihm nachsah. „Oh, ich habe überhaupt kein Problem mit deinem Hintern“, sagte sie leise, bevor sie sich in einen Stuhl schmiegte, plötzlich so erschöpft, dass sie nur noch die Kraft dazu aufbrachte, sich in das Jackett zu kuscheln und sich zu wünschen, sie wäre zu Hause in ihrem kleinen Apartment, in dem es keine sexy, arrogante, reiche Playboys mit unglaublich großartigen Hintern gab.

Sie wachte auf und stellte fest, dass sie zur Seite gerutscht war in dem Stuhl und auf den Kragen von Iakovos schönem Jackett gesabbert hatte.

„Komm“, sagte der Mann selbst und streckte eine Hand nach ihr aus.

„Wohin?“, fragte sie und wandte ihr Gesicht ab, damit er nicht sehen würde, wie sie Tentakel von Sabber auf dem nassen Stück seines Mantels abwischte.

„In der Innentasche ist ein Taschentuch“, sagte er mit der Resignation eines Märtyrers.

„Entschuldigung“, sagte sie und tupfte damit ihre Lippen ab, bevor sie ihm das Jackett wieder hinhielt. Er schaute es an, als hätte sie damit gerade eine Kläranlage ausgewischt. „Behalte es. Ich habe mehrere.“

„Ich wollte nicht einschlafen und es vollsabbern. Ich werde es reinigen lassen und schicke es dir.“ Sie stand langsam auf und fühlte sich, als wäre sie hundert Jahre alt.

„Du wirst es in ein paar Minuten brauchen. Auf dem Wasser ist der Wind nachts kalt.“

„Ich habe dir gesagt, dass ich nicht weggehen werde, bis Cyndi in einem Zimmer untergebracht ist.“ Er versuchte, sie zum Aufzug zu scheuchen. Sie blieb störrisch stehen.

Er schnalzte verärgert mit der Zunge. „Du bist erschöpft und du musst dich ausruhen.“

„Ja, also, du magst vielleicht Mister Fantastisch sein, aber du bist nicht mein Chef.“

„Mister Papaioannou, nicht fantastisch“, verbesserte er sie.

„Ich werde niemals in der Lage sein, das auszusprechen!“

„Das wirst du. Es ist nicht so schwer. Sag es langsam. Papai - oan–“

„Argh!“, rief sie, als die Gefühle der letzten zwei Stunden – kombiniert mit einem ziemlich schlimmen Fall von Schlafentzug – sie mehr oder minder der wenigen Hemmungen beraubten, die sie hatte. Sie wusste das und trotzdem gab es nichts, absolut gar nichts auf dieser schönen Erde, was sie daran gehindert hätte, das zu tun, was sie hatte tun wollen ab dem Moment, ab dem sie diesen nervigen, lästigen, unglaublich sexy Mann vor sich gesehen hatte.

Sie ergriff mit beiden Händen seinen Kopf, zog sein Gesicht zu ihrem hinab und saugte seine Unterlippe in ihren Mund.

Für eine Sekunde war er wie versteinert, dann zog er sich zurück und seine Augen glitzerten wie polierter Onyx. „Ich mag keine aggressiven Frauen!“

Sie starrte ihn an, fassungslos aufgrund ihrer eigenen Frechheit, aber absolut überwältigt von dem kurzen Geschmack seines Mundes. Bevor sie überhaupt anfangen konnte, eine Entschuldigung zu stottern, war er über ihr, die kühlen harten Paneele der Wand hinter ihr hielten sie aufrecht, während ein heißer, harter Mann ihre Vorderseite bedeckte. Sein Mund war wie Feuer, ein süßes sinnliches Feuer, das sie zu verbrennen drohte, und nichts übrig lassen würde als einen Harryförmigen Aschefleck an der Wand. Er bat nicht um Erlaubnis für seine Zunge, mit der er ihre besuchte – sie war plötzlich einfach da, wanderte durch ihren Mund, als ob er ihm gehörte, während er in ihren Mund stöhnte.

Sie legte beide Hände auf seine Brust, sammelte jedes bisschen Kraft und stieß ihn dann zurück.

Sein Gesichtsausdruck war so schwarz wie seine Augen, aber das hielt sie nicht auf: „Und ich mag keine Männer, die sich nicht darum scheren, um Erlaubnis zu fragen, bevor sie ihre Zunge in meinen Hals stecken!“

Diese wunderschönen, funkelnden Augen verengten sich. „Wie viele Männer haben denn ihre Zunge in deinen Hals gesteckt?“

„Keiner! Aber darum geht es nicht!“

Sie lechzte, lechzte buchstäblich nach dem Feuer seines Kusses und der Hitze seines Körpers, die in jede ihrer Poren eingedrungen zu sein schien und sie mit dem brennenden Verlangen nach mehr zurückließ. Mehr von seinem Mund, mehr von seinem Körper, einfach mehr.

Er knirschte mit den Zähnen. „Ich war niemals zuvor gezwungen, um Erlaubnis zu fragen, eine Frau zu küssen. So etwas passiert mir nicht! Und ich werde nicht –“

Sie warf sich auf ihn. Sie sprang ihn einfach an, wickelte beide Arme um seine Schultern und ihre Beine um seine Hüften. Er fing sie auf, zog sie höher hinauf, sodass ihr Mund direkt vor seinem war und seine Finger gruben sich in ihren Hintern. „Halt die Klappe und küss mich.“

Seine Augen öffneten sich weit vor Empörung. „Hast du mir gerade gesagt, dass ich die Klappe halten soll?“

„Ja. Ja, das habe ich. Willst du da jetzt ein Drama draus machen?“

Das Versprechen von Vergeltung leuchtete hell in seinen Augen, aber bevor er antworten konnte, tauchte Cyndis Doktor aus dem Aufzug auf. Er blieb stehen, schaute sie an, blinzelte einige Male, als könnte er nicht glauben, was er da gerade sah.

„Hi, Doktor Panagakos“, sagte Harry und versuchte, sich eine plausible Erklärung zurechtzulegen, warum sie sich hier an einen der begehrtesten Junggesellen der Welt klammerte, ihre Beine um seine Hüften gewickelt, seine Hände auf ihrem Hintern.

Iakovos schaute sie düster an: „Oh, du hast keine Schwierigkeiten, Panagakos auszusprechen?“

„Er hat Konsonanten in seinem Namen“, sagte sie mit einem pointierten Blick.

Er grollte tief in seiner Brust, seine Augen verbrannten fast ihre Haut.

Der Doktor quetschte sich an ihnen vorbei und murmelte etwas von einem Patienten, den er untersuchen müsste.

„Also?“, fragte sie Iakovos.

Der Muskel an seinem Kiefer zuckte. „Also was?“

„Küsst du mich jetzt, oder nicht? Ich meine, wir sind in dieser wirklich kompromittierenden Position und obwohl du keine Rückenprobleme zu haben scheinst, kann ich mir vorstellen, dass es für dich doch anstrengend wird, mich noch länger so zu halten.“

„Redest du immer so viel?“, fragte er, sein Blick ruhte nun auf ihren Lippen.

„Immer.“

„Gut.“ Er küsste sie, drückte sie wieder gegen die Wand und seine Zunge bewegte sich mit langsamen sinnlichen Streicheleinheiten über ihre.

Er fühlte sich, als wäre er mitten in ihrem Sturm gefangen, das Leben auf den Kopf gestellt, alles, was er wusste und fühlte und glaubte, war komplett über den Haufen geworfen von dieser nervigen, irrationalen, begehrenswerten Frau. Sie schmeckte nach dem Meer, nach verlorenen Hoffnungen und Träumen, nach Frau. Sie war süß und salzig und so heiß, dass er einen Schweißtropfen fühlte, der sich auf seiner Stirn bildete. Er begehrt sie mit einer Intensität, die er nicht gefühlt hatte seit… Nun, noch nie. Keine andere Frau hatte jemals gedroht, seine Gedanken so auf den Kopf zu stellen, wie sie das tat. Es gab keine vernünftige Erklärung für seine spontane und allumfassende Leidenschaft für sie – es war wie der Sturm, den sie repräsentierte, der über ihn hereinbrach mit einem Wahnsinn, von dem er wollte, dass er niemals endete.

„Jake, ich fahre nach Hause. Ich schicke Spyros zurück mit der Barkasse–“

Widerstrebend ließ Iakovos von Harrys Zunge ab, zog sich von ihr zurück und ließ zu, dass ihre Füße wieder Bodenkontakt hatten, aber hielt sie an den Hüften fest, als sie in ihn hineinstolperte. Ihre Augen schimmerten, ihr Gesichtsausdruck war der von Verwunderung, ihre Lippen so rot wie reife Kirschen und er fühlte immensen männlichen Stolz bei der Tatsache, dass ein Kuss sie so mitnehmen konnte. Wenigstens war er nicht allein in dem Gefühl, gerade überwältigt zu werden.

Er drehte seinen Kopf, um seinen Bruder anzusehen. Theos Gesichtsausdruck wechselte von Schock zu einem langsamen Grinsen. „Oder vielleicht willst du eher früher als später mitkommen?“

„Wir werden jetzt zur Insel zurückkehren, ja“, sagte er und beäugte Harry mit einiger Sorge. Sie blinzelte einige Male und hielt sich noch an seinen Armen fest, als ob sie benommen wäre. „Ich bin gut, aber nicht so gut, Liebling“, erklärte er leise. Sie blinzelte mit diesen unglaublich dicken schwarzen Wimpern ein paarmal zu ihm hin, dann richtete sie sich plötzlich auf und gab den Arm frei, den sie umklammert hielt. „Ich weiß nicht – das wird ziemlich spektakulär. Aber ich kann nicht mitkommen.“

Ihr Blick huschte zu Theo hinüber. Sie richtete sich noch mehr auf und straffte die Schultern. „Über was amüsierst du dich so? Noch nie jemanden gesehen, der deinen Bruder küsst?“

„Viele Frauen“, antwortete er und sein Grinsen wurde breiter. „Ich habe es mir überlegt“, sagte er zu Iakovos auf Griechisch, „sie ist keine Teufelin. Sie ist eine Hexe.“

Er rollte mit den Augen und legte eine Hand auf Harrys Rücken, um sie sanft in Richtung Aufzug zu bugsieren. „Es ist spät. Wir werden jetzt zurückfahren.“

„Schau, Yacky, ich hatte gerade gesagt –″

Yacky?“

Iakovos knirschte mit den Zähnen wegen des abfälligen Lachens, das auf das Wort folgte. „Ich habe gerade gesagt, dass ich nirgendwohin gehe, solange Cyndi nicht in einem Zimmer untergebracht ist.“

„Sie ist in einem Zimmer. Ihre Freundin ist bei ihr. Ich habe die zwei anderen mit der ersten Barkasse zurückgeschickt.“

Harry hörte auf zu diskutieren und schaute ihn mit diesen großen Augen an, die nun ein mysteriöses dunkles Graubraun aufwiesen. „Ist sie? Aber der Typ in der Aufnahme sagte, das könnte noch ein paar Stunden dauern.“

„Reichtum und Ruhm haben manchmal ihren Nutzen“, sagte er ihr und schob sie zum Aufzug. „Reichtum, okay, aber Ruhm. Ähm. Nicht wirklich. Lasst mich nur nach ihr sehen und sichergehen, dass alles in Ordnung ist.“

Iakovos wartete, bis sie zufrieden war, dass ihr Schützling gut untergebracht war und fragte dann: „Was weißt du von Ruhm?“ Er war sich sehr bewusst, dass sie neben ihm stand in dem engen Aufzug, als sie das Krankenhaus verließen. „Du hast gesagt, dass du nicht der normale Manager der Band seist.“

„Bin ich auch nicht.“ Sie warf ihm einen merkwürdigen Blick zu und ein kleines Lächeln kräuselte ihre Lippen. Er wollte sie hier und jetzt ausziehen und auf dem Boden des Aufzugs mit ihr schlafen. „Habt ihr hier die neuesten Filme aus den USA?“

„Ja.“

„Hast du diesen einen gesehen, der vor ein paar Monaten rauskam?“ Sie nannte den Titel eines beliebten Films, der ihm besonders gefallen hatte.

„Ich habe ihn tatsächlich mit Elena zusammen gesehen.“

„Ah. Also, der basiert auf einem meiner Bücher.“

Sowohl Theo als auch er starrten sie überrascht an. Sie lächelte. „Ich habe doch gesagt, dass ich eine Autorin bin. Ich schreibe Thriller unter dem Pseudonym M. J. Reynolds. Das war das erste Buch, das verfilmt wurde und obwohl sie die Geschichte aus dem Buch total verändert haben, war es schön, es zu sehen.“

Iakovos machte sich eine gedankliche Notiz, das neueste Buch von M. J. Reynolds von seinem Nachttisch verschwinden zu lassen, bevor er Harry in sein Bett brachte. Und dass er sie dahin bringen würde, war nicht länger verhandelbar – er wollte sie so sehr, dass er zitterte, und ihr ging es offensichtlich ähnlich. Bevor die Nacht vorüber war, würde er diesen Sturm zähmen oder er würde bei dem Versuch sterben.

Kapitel drei

Harry erhob keine Einwände, als sie Iakovos’ Insel erreichten und er sie ins Haus geleitete, anstatt sie zu den Quartieren des Personals zu bringen. Theo sagte auch nichts, sondern verschwand auf der Rückseite des Hauses, wo man Musik hören konnte. Iakovos wusste aus Erfahrung, dass Elenas Freunde gerne bis Sonnenaufgang tanzten. Ohne ein Wort nahm er Harrys Hand, führte sie die Treppen hinauf und wandte sich nach Norden in den Trakt der Familie. Er war sich schmerzlich ihres Geruchs, ihrer Nähe und ihrer Hitze bewusst und war zu sehr damit beschäftigt, all die Dinge zu planen, die er mit ihr anstellen würde, wenn er sie endlich nackt und in seinem Bett hätte, um noch Energie für Unterhaltung zu verschwenden.

Zum Glück schien sie keine Konversation zu benötigen. Sie schenkte ihm nur einen langen Blick, als er die Tür zu seinen persönlichen Räumlichkeiten öffnete und ihr mit einer Geste bedeutete, einzutreten. Sie unterzog das Zimmer einer Musterung, dann ihn, und ihre Aufmerksamkeit schien geteilt zu sein zwischen dem unteren Bereich seines Nackens und seinem Mund. Nachdem sie einen Moment nachgedacht hatte, nickte sie kurz, als sei sie zu einer Entscheidung gekommen und betrat sein Wohnzimmer. Er geleitete sie hindurch, durch das Ankleidezimmer und an seinem großzügigen Badezimmer vorbei, zu seinem Schlafzimmer. Die Türen waren offen, sodass er die Wellen beobachten konnte, die sich an den Felsen darunter brachen, auf der Nordseite der Insel, und die Wildheit des Wassers lockte immer eine Resonanz tief in ihm hervor.

„Benutzt du eine Form von Verhütung?“, fragte er höflich und kämpfte mit dem Drang, ihr einfach die Klamotten vom Leib zu reißen und sie anzuspringen.

„Die Pille, ja.“

Er streckte die Hand nach ihr aus und stutzte dann, ein schrecklicher Gedanke kam ihm in den Sinn: „Gibt es einen Mann in deinem Leben?“

Sie schüttelte den Kopf und starrte seine Oberlippe an. Mit einem Finger berührte sie die Einbuchtung zwischen der Lippe und seiner Nase. „So sexy“, murmelte sie.

„Warum nimmst du dann die Pille?“, verlangte er zu wissen und seine Haut prickelte bei dem Gedanken, dass ein anderer Mann versuchen könnte, seinen Sturm zu erobern.

„Hauptsächlich aus Bequemlichkeit. Auf diese Weise habe ich nur ein paarmal im Jahr meine Tage.“

„Gibt es keinen anderen Mann, mit dem du zusammen bist? Keinen Mann, den du begehrst?“

„Oh, ja, da gibt es einen Mann, den ich begehre“, sagte sie, „können wir jetzt weitermachen? Weil, ich fühle mich, als würde ich explodieren oder so was, wenn du mich nicht bald berührst.“

„Wer ist dieser Mann?“ Die Worte kamen mit einem Fauchen: „Wie ist sein Name?“

Ein kleines Lächeln bog ihre Lippen nach oben. „Yannykos Papa-momo … äh … nein. Es tut mir leid. Ich kann’s immer noch nicht aussprechen.“

Ihn. Sie wollte ihn. Sie begehrte ihn. Natürlich tat sie das; sie hatte sich im wahrsten Sinne des Wortes ihm an den Hals geworfen im Krankenhaus. „Zieh dich aus“, war alles, was er sagte.

Ihre Augenbrauen wanderten nach oben, bevor sie ein langes, langsames Lächeln lächelte, das er in seinen Eingeweiden zu fühlen schien. „Du magst also einen Striptease, wie? Okay. Ich weiß nicht, wie gut ich das kann, aber ich kann es versuchen.“

Er zog sein Hemd und seine Schuhe aus, ließ aber die Hosen an, als sie langsam die Reihe von Knöpfen an ihrer Tunika öffnete. Er war erregt, seine Erektion schwer und heiß und so hart, dass er sich nicht daran erinnern konnte, dass sie jemals so hart gewesen war. Obwohl sie sich auf ihn geworfen hatte, wollte er sie nicht erschrecken mit dem Anblick dessen, wie sehr sie ihn erregte.

Sie hielt inne, ihre Aufmerksamkeit lag auf seinen Lenden. „Mutter Gottes, Jesus, Maria und Josef. Du, mein Herr, baust ein ganz schönes Zelt. Das sieht aus, als würde es wehtun. Du entspannst dich besser, bevor du dir noch dauerhaften Schaden zufügst.“

Soviel zum Thema, sie nicht erschrecken. Er zog die Möglichkeit in Betracht, sie zu bitten, seine Hosen zu öffnen, entschied aber, dass er es nicht überleben würde, ihre Hände in der Nähe seiner Lenden zu spüren, sodass er selbst Hose und Unterwäsche mit schneller Effizienz auszog.

Ihre Augenbrauen wanderten bei seinem Anblick in die Höhe, aber sie sagte nichts und ihr Blick huschte von seinen Genitalien, über seinen Nacken, zu seinem Mund.

„Brauchst du Hilfe mit diesen Knöpfen?“, fragte er, nachdem ein paar Minuten vergangen waren und sie sich immer noch mit der langen Reihe von ihnen abmühte.

„Ja, warum fängst du nicht unten an und arbeitest dich nach oben vor und wir treffen uns in der Mitte.“

Sein Lächeln war voll von männlichen Absichten und er streckte die Hand aus. „Wie du möchtest.“

„Weißt du, dass du die Knöpfe abreißen solltest, hatte ich nicht so ganz im Sinn, als – oh, aber hallo!“ Er zerriss die Tunika, seine Hände waren sofort auf ihren Brüsten. Er vergrub sein Gesicht in ihnen, konnte nicht widerstehen, in die prallen kleinen Opfergaben, die sich nur für ihn darboten, zu tauchen und atmete ihren Geruch tief ein, seine Finger streichelten die empfindlichen Spitzen, bis sie sich an seinen nackten Schultern festklammerte und ihre Augen weit geöffnet waren.

Er hob den Kopf, seine Hände waren mit ihren Leinenhosen beschäftigt. „Das wird knapp, Liebling.“

„Was du nicht sagst“, erwiderte sie mit einem Schaudern, als sie mit der Hand über seine Brust streichelte, „es tut mir leid, aber kannst du aufhören mit dem, was du gerade tust?“

Er zog ihre Hosen nach unten und runzelte die Stirn, als er aufsah. „Was?“

„Danke.“

Sie beugte sich vor und leckte über den Ansatz seiner Kehle, stöhnend, als sie sich an ihm rieb. Er schielte, als seine Erektion sich in die weiche Seite ihres Bauches presste.

„Fertig?“, fragte er mit erstickter Stimme, als sie seinem Schlüsselbein einen kleinen Kuss gab.

„Für den Moment. Da gibt es immer noch diesen Punkt über deiner Lippe, aber den werde ich mir zum Nachtisch aufheben. Jetzt bist du dran, wenn du möchtest.“

„Danke“, sagte er ernst und ohne weitere Umstände rupfte er ihre Unterwäsche ab und befreite ihre Brüste aus der warmen Umgebung ihres BHs.

„Ich mag einen Mann, der sofort zur Sache kommt“, sagte sie und wand sich, als er sie gegen seinen Körper presste und den Kopf senkte, um ihren köstlichen Mund zu beanspruchen.

Die Art, wie sie sich gegen ihn bewegte, ließ alle möglichen Alarmglocken in seinem Kopf schrillen. Wenn sie sich noch ein Stück weiter nach links bewegte, wäre alles für ihn vorbei.

„Du schmeckst nach dem Meer, mein kleiner Sturm“, murmelte er in ihren Nacken, als er sie hochhob, sie zum Bett trug und sich dann mit ihr darauf niederließ.

„Salzig, meinst du? Es ist wahrscheinlich die Hitze. Daran bin ich nicht gewöhnt.“

„Wild“, verbesserte er, „du schmeckst ungezähmt. Endlos wechselhaft.“

„Oh, hübsch“, sagte sie mit einem langen Atemzug und ihr Körper lag da mit träger Grazie.

Er knabberte an ihren Brüsten und ergötzte sich an den kleinen leisen Geräuschen der Lust, als er erst eine, dann die andere Brustwarze leckte, bevor er sich tiefer bewegte.

Er küsste ihren Bauch, ihr Geruch befeuerte den seltsamen primitiven Drang in ihm, sie zu besitzen. Er müsste sie jetzt haben oder er würde bersten. Er spreizte ihre Beine für ihn, positionierte sich am Eingang ihres Paradieses, seine Arme neben ihr aufgestützt und senkte den Kopf, um sie zu küssen, als er sich darauf vorbereitete, in ihre Wärme einzudringen.

Sie seufzte lang und langsam und ihre Augen schlossen sich vor Lust, als er sich einen Weg zu ihren Brüsten küsste. Er biss die Zähne zusammen gegen den Drang, sich in ihr zu vergraben. Er würde das hier langsam angehen, ihr die Zeit geben, die es brauchte, um ihre Leidenschaft zu wecken. Er küsste sich einen Weg um ihr Ohr herum, knabberte an der Linie ihres Nackens, sein Penis so heiß und schwer, dass er wirklich glaubte, es würde ihn umbringen. „Das ist gut, oder, Liebling?“

Sie gab keine Antwort. Er biss sanft in ihr Ohrläppchen und merkte dann, dass irgendetwas nicht stimmte. Er erhob sich weit genug, dass er auf sie herabsehen konnte. Sie war errötet vor Leidenschaft, ihre Augen geschlossen, ihr Mund rosig und gut geküsst … Und leicht geöffnet. Der winzigste Schnarcher kam zwischen diesen köstlichen Lippen hervor.

Sie war eingeschlafen? Während sie sich liebten? Sie waren nicht direkt beim Geschlechtsverkehr, aber das hier zählte sicher als Vorspiel. Iakovos starrte auf sie herab in komplettem Unglauben. Niemals jemals zuvor war eine Frau beim Vorspiel mit ihm eingeschlafen. Vielleicht waren nicht alle so verrückt von Begehren, wie sie sagten, er hatte immer sein Bestes getan, um ein aufmerksamer Liebhaber zu sein und Vergnügen darin gefunden, sicherzustellen, dass seine Begleitung seine volle Aufmerksamkeit erhielt, bevor er selbst seinen eigenen Höhepunkt erlebte.

Jetzt hatte dieser Sturm, dieses Unwetter von Frau, die seinen Körper und Geist so mühelos verzehrte, die Frechheit, einzuschlafen, während er versuchte, ihr Vergnügen zu bereiten.

Er biss ihr sanft in die Schulter, um zu sehen, ob sie einfach nur eingenickt war. Vielleicht war er zu sanft gewesen, weil er es hatte langsam angehen lassen wollen? Vielleicht war es zu viel Vorspiel gewesen? Ihre Nase kräuselte sich. Er biss erneut zu.

Sie schnarchte.

Was waren die Benimmregeln für einen Liebhaber, der in solch einer Situation eingeschlafen war, fragte er sich und hasste es, sie so warm und verführerischer liegen zu lassen, wollte aber gleichzeitig nicht weitermachen, während sie nicht teilnahm.

„Eglantine“, sagte er in einer Stimmlage, die vielleicht ein kleines bisschen mit Verzweiflung getränkt war.

Sie runzelte im Schlaf die Stirn.

„Harry.“

„Mrrf?“ Ihre Augen öffneten sich. „Hmm?“

„Du bist eingeschlafen.“

„Bin ich?“ Sie blinzelte einige Male und dann wanderte ihr Blick dahin, wo seine Brust auf ihrem Bauch lag. „Oh! Es tut mir leid! Das hat nichts mit dir zu tun, Iakovos, wirklich. Ich nehme an, der Jetlag hat mich eingeholt. Möchtest du weitermachen?“

„Wenn du die Zeit für mich erübrigen kannst“, sagte er, bissig, das wusste er, aber er hatte das Gefühl, dass er ein bisschen bissig sein durfte in dieser Situation.

„Ich bin ganz die deine“, sagte sie und streichelte mit der Hand über seinen Rücken bis zu seinen Pobacken, als er sich bewegte, um wieder ihren Mund in Besitz zu nehmen.

Er stöhnte in ihrem Mund wegen ihrer Hitze, beobachtete, wie Leidenschaft ihre Augen weich werden ließ. Ihre Lippen waren süß, wie frische Beeren in Salzwasser, ihr Nacken und ihre Schultern lockten seinen Mund. Er biss sanft in ihr Ohr, leckte sich einen Weg zu ihrem Kiefer und murmelte Worte der Lust, während er dies tat.

Sie war wieder eingeschlafen.

Iakovos betrachtete ihr Gesicht, der Sturm nun friedlich, während sie schlafend dalag, ein leises Lächeln umspielte ihren Mund, die dichten Wimpern lagen auf der honigsüßen Haut ihrer Wangen.

Er rollte sich mit einem Seufzen auf den Rücken und warf einen reumütigen Blick auf seine Erektion. „Also nur wir zwei heute Nacht, so scheint es.“

Harry murmelte etwas Unverständliches, rollte sich hinüber, um sich halb auf seine Brust zu legen, und wickelte ein Bein um seines. Sie seufzte zufrieden, drückte einen Kuss auf seine Wange und kuschelte sich näher an ihn. Dabei schnarchte sie sanft in seinen Nacken.

Oh ja, er hatte den Sturm gezähmt. Direkt in die Bewusstlosigkeit.

Sonnenlicht weckte Harry auf, einfach weil sie nicht daran gewöhnt war, es zu sehen in ihrem nach Westen ausgerichteten Schlafzimmer. Sie öffnete die Augen und schaute sich mit verschlafener Verwunderung um. Große Flügeltüren waren geöffnet, um die Brise vom Meer einzufangen und dadurch konnte sie das blaugrüne Wasser der Ägäis sehen, das gegen die Felsen anbrandete. Eine lange niedrige Kommode stand neben den Türen. Bilder in gedeckten Farben hingen in geschmackvoller Anordnung der Wand. Sie war in einem Zimmer, einem männlichen Zimmer, einem Zimmer, in dem wahrscheinlich ihr ganzes Apartment Platz hätte und dann wäre noch etwas übrig… Plötzlich erinnerte sie sich, wo sie war.

Sie drehte sich um, um Iakovos vorzufinden, der auf der Seite lag, seinen Kopf auf einer Hand gestützt, der sie beobachtete mit unlesbaren schwarzen Augen. Im Licht der Morgensonne jedoch konnte sie erkennen, dass sie nicht wirklich schwarz waren; sie waren dunkelbraun mit Flecken von Schwarz und leuchtendem Gold.

„Peinlich“, sagte sie nach einem Moment der Stille.

„Findest du?“, fragte er und seine Stimme glitt über ihre Haut wie Seide.

„Du nicht?“

„Nicht besonders, nein.“

„Ja, also, du bist wahrscheinlich schon mit Legionen von Frauen aufgewacht, aber ich bin nicht der berühmte, begehrteste griechische Playboy der Welt. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Du musst mir schon sagen, was man normalerweise in solch einer Situation macht. Soll ich mich normal verhalten, so als würde ich jeden Morgen neben einem anderen Liebhaber aufwachen? Sollte ich erröten und schüchtern meine Augen von deinem nackten Körper abwenden? Sollte ich dich anspringen? Was ist der Standard in so einer Situation?“

Ein kleines Stirnrunzeln machte sich in dem Gebiet zwischen seinen Augenbrauen breit. „Du bist keine Jungfrau. Du musst schon mal mit einem Liebhaber zuvor aufgewacht sein.“

„Einem Liebhaber, ja. Aber nicht Unmengen von ihnen wie bei dir.“

„Wer sagt, dass ich Unmengen von Liebhabern hatte?“

„Magazine. Zeitschriften. Die Klatsch-Seiten im Internet, kein Zweifel“, sagte sie und zählte sie an ihren Fingern ab.

„Sie übertreiben.“

„Nein. Aber aus reiner Neugier: Mit wie vielen Frauen bist du schon wach geworden?“

Er schaute für einige Sekunden aus, als würde er nicht antworten, dann runzelte er die Stirn in Konzentration: „Ich hab sie niemals gezählt.“

„So viele, ja?“

„Nein, ich hatte nur einfach nie das Bedürfnis, sie zu zählen. Sobald eine Beziehung vorbei ist, ist sie vorbei. Ich beschäftige mich dann nicht mehr damit.“

„Nicht gerade das, was jemand hören will, der das erste Mal neben dir im Bett aufwacht“, sagte sie, schubste ihn auf den Rücken und umschloss seine Hüften mit ihren Beinen. Sofort wanderten seine Hände zu ihren Brüsten. „Ich habe das schreckliche Gefühl, dass du mich irgendwann letzte Nacht aufwecken musstest. Bin ich wirklich eingeschlafen?“

„Zweimal“, sagte er, seine Finger spielten mit ihren Brüsten.

„Habe ich deinen männlichen Stolz verletzt?“, fragte sie und machte ein Hohlkreuz, als er sie nur mit der Berührung seiner Hände in Brand setzte.

„Sehr.“

Sie legte ihre Hände über seine und gebot ihm für einen Moment Einhalt, als sie sich zu ihm hinablehnte, um ihn zu küssen. „Es tut mir wirklich leid, Iakovos. Der Jetlag muss mich umgehauen haben. Hast du’s wenigstens … zu Ende gebracht?“

„Nein.“

Sie zuckte zusammen. „Entschuldige“, wiederholte sie.

„Das ist nichts, was ich wieder erleben möchte, aber du darfst es gerne wiedergutmachen, wenn du möchtest“, sagte er und in seinen Augen war ein dunkles sinnliches Funkeln, das Wärme bis in ihre Zehenspitzen verströmte.

Sie wand sich auf ihm. „Oh, ich denke, so viel schulde ich dir wenigstens. Möchtest du oben oder unten sein?“

„Was?“ Er schaute sie an, als könne er nicht fassen, was sie gefragt hatte.

„Willst du, dass ich dich reite wie ein gemietetes Maultier oder bevorzugst du es, Mister Missionarsstellung zu sein? Ich hab mit beidem kein Problem, für mich ist es also egal.“ Sie streichelte mit ihren Händen über seine Brust, genoss das Gefühl des weichen Haares immens, das ihre Fingerspitzen kitzelte. Sein Brusthaar verengte sich unterhalb seines Bauchnabels und strebte in einem schimmernden Pfad zu seinem Penis.

Seine Lippen zuckten. „Bist du immer so respektlos, wenn es um Sex geht?“

„Sicher. Es sollte schließlich Spaß machen, oder nicht?“

„Vergnüglich, ja.“ Er ließ seine Hände zu ihren Hüften wandern und strich mit den Daumen über ihre empfindliche Haut. Für einen Moment sah sie Sterne, bevor sie ihre Hüften gegen seine bewegte. „Heiß und schwitzig und erfüllend, absolut.“

Sie stöhnte und erhob sich ein wenig, als er einen seiner Finger in ihrer Tiefe vergrub. „Oh, wie sehr erfüllend.“

„Harry?“

Sie stöhnte wieder, drückte ihren Rücken durch, als er einen zweiten Finger in sie schob. „Hrrn?“

Er drehte sie auf den Rücken, legte sich auf sie, zog ihre Beine und drapierte sie um seine Hüften. „Ich bin lieber oben.“

„Das passt definitiv für mich“, japste sie, als er in sie eindrang. Sie hob ihre Hüften an, um seinen Stößen zu begegnen, sein Mund war plötzlich auf ihrem und bescherte ihr eine Reizüberflutung. Er schmeckte so gut, so heiß, sie wollte dort bleiben für immer, ihn genießen, während ihr Körper seine harten Stöße willkommen hieß, mit denen er in ihre Tiefe eindrang. „Härter“, flüsterte sie und ließ ihre Lippen über seinen Nacken wandern, kostete das Salz seiner Haut, als er ihren Anweisungen folgte und sich mit mehr Kraft bewegte.

„Schneller.“

„Mein kleiner Sturm“, stöhnte er in ihr Ohr. „Ich hätte es wissen müssen, dass du es so magst, wild und unkontrolliert.“

„Unkontrolliert ist definitiv besser“, ächzte sie und zog ihre Beine enger um seine Hüften, ließ ihre Nägel sanft über seine Wirbelsäule kratzen. „Lieber Himmel, was machst du mit mir!“

„Wenn es nur irgendwie vergleichbar ist mit dem, was du mit mir machst –“ Seine restlichen Worte gingen verloren, als sie plötzlich erstarrte, ihr gesamter Körper verharrte einen endlosen Moment am Rand von etwas Ungeheuerlichem, bevor sie seinen Namen rief und in seinen Armen kam.

Er folgte ihr, sein heiserer Schrei von Vollendung klang süß in ihren Ohren, fast so süß wie sein Gewicht auf ihr, als er auf ihr zusammenbrach. Sie streichelte seinen Rücken und es kümmerte sie nicht, dass er glitschig war von Schweiß, denn den hatte er sich definitiv verdient. Sein Atem war so abgehackt wie ihrer, kleine heiße Luftstöße auf ihrem Nacken, während er wieder zur Besinnung kam.

Er rollt sich von ihr herunter, seine Augen waren groß und er starrte die Decke an, sein Atem immer noch unregelmäßig. Harry fühlte sich, als hätte jemand ihre Gliedmaßen mit solchen ersetzt, die keine Knochen haben. Sie sah zu Iakovos hinüber und wollte gerade sagen, dass er jederzeit oben sein könnte, als sie plötzlich bemerkte, wie groß das Bett eigentlich war. „Heiliger Bimmbamm, Yacky. Das Bett ist riesig.“

Sein Kopf drehte sich ihr zu, in seinen Augen Unglauben. „Entschuldigung?“

„Dein Bett.“ Sie deutete auf den Platz zwischen ihnen beiden. „Du könntest eine fünfköpfige Familie beherbergen. Es ist riesengroß. Wozu brauchst du solch ein gigantisches Bett?“

Er war wieder dazu übergegangen, sie anzusehen, als würden Brüste über ihrem Kopf tanzen. „Ich bin ein großer Mann. Ich muss mich ausbreiten können.“

Sie musste sich ein Lächeln verbeißen. Diese Tatsache war ihr mitten in der Nacht aufgefallen, als sie zur Toilette gegangen war. Er hatte geschlafen, einen Arm über sie gelegt, während er auf dem Bauch lag, alle viere von sich gestreckt und dabei sehr viel Platz gebraucht. „Ja. Ich mag das an dir. Du gibst mir das Gefühl, feminin zu sein. Nicht viele Kerle schaffen das, weil ich so groß bin, weißt du. Ich glaube in der Tat gar nicht, dass einer von ihnen es zu solch einem Maße geschafft hat.“

„Eglantine“, sagte er, seine Lippen verengten sich, als er sie über die vielen Meilen seines Bettes bis an seine Brust zog. „Ich glaube, wir sind darüber eingekommen, dass wir unsere Ex-Partner nicht diskutieren.“

„Nein, du konntest deine nur nicht zählen, weil es so viele waren. Ich kann meine an einem Finger zählen.“

Er schürzte die Lippen. „Du hattest bis jetzt nur einen Partner?“

„Ja. Es ging aber über drei Jahre, also ich glaube, das könnte man als drei zählen. Einer klingt so erbärmlich, meinst du nicht auch?“

„Nein“, sagte er und deckte sie beide zu. „Ich denke nicht, dass das erbärmlich klingt. Schlaf noch ein bisschen.“

„Es ist Morgen“, protestierte sie und wurde sich des trägen Gefühls bewusst, das es so falsch erschienen ließ, sich aus dem warmen, weichen Bett zu bewegen. „Ich habe Sachen zu erledigen.“

„Es ist früh und du hattest bloß ein paar Stunden Schlaf.“

„Ich sollte nach den Jungs sehen. Sie fragen sich wahrscheinlich, was mit mir letzte Nacht passiert ist.“

„Du kannst mit ihnen später sprechen.“

„Ich sollte mich um Cyndi kümmern und sicherstellen, dass es ihr gut geht.“

„Ich werde für dich im Krankenhaus anrufen. Schlaf, kleiner Sturm. Du brauchst deine Kraft für später.“

„Haha. Sehr witzig.“ Sie kuschelte sich an ihn und ihr Körper entspannte sich in seiner Wärme. Sie fragte sich, wie hoch der Preis dafür wäre, für immer in seinen Armen bleiben zu können.

Kapitel vier

„Harry Knight, du bist ein Idiot, dich in einen Typen zu verlieben, den du gerade erst getroffen hast.“ Die Worte blieben zurück, als sie sauber in den engen Pool eintauchte, den sie versteckt in einer Ecke des Gartens gefunden hatte, außer Sicht wegen großer Büsche. Das Becken war nicht geheizt und lag im Schatten, sodass der Kälteschock sie nach Atem ringen ließ, als sie wieder an die Oberfläche kam und Wasser aus ihren Augen wischte. Dann suchte sie sich eine der vier Bahnen aus und ging in leichte Kraulzüge über, die dafür gedacht waren, sie nach einem Morgen voll Sex, der so hirnverdrehend gut gewesen war, dass ihr Körper immer noch von diesem Gefühl summte, aufzuwecken. Nicht so sehr ein Gefühl von sich selbst, sondern von ihm.

Iakovos. Sie ließ den Namen durch ihre Gedanken wandern während sie faule Runden schwamm und versuchte, festzunageln, was genau sie von ihm hielt.

Er war sexy, definitiv. Sein reiner Anblick brachte sie sprichwörtlich dazu, zu sabbern und sorgte für einen leichten Schwindel, als wäre sie fünfzehn und verliebt in einen Rockstar.

Er war fürsorglich. Er benutzte nicht einfach nur ihren Körper und gab selbst nichts zurück. Er machte Liebe mit seinem ganzen Selbst, seine geflüsterten Worte, mit denen er ausdrückte, was er fühlte, dachte und wie sehr er ihre Reaktionen liebte, waren fast so gut wie das Gefühl seines Körpers. Sie hatte nicht viel Erfahrung mit Männern, aber instinktiv verstand sie, dass Iakovos’ Verhalten im Bett viel mehr war als nur das Pflichtprogramm.

Sie drehte sich auf den Rücken, ihre Arme und Beine bewegten sich scheinbar mechanisch, als sie ihre Bahnen schwamm, während ihre Aufmerksamkeit immer noch damit beschäftigt war, wie sehr sie seine Intelligenz mochte. Sie hatte zuerst gedacht, dass er dieser typisch arrogante Stock-im-Arsch-Typ wäre, selbstverliebt und mehr als nur ein bisschen begeistert von seiner eigenen Wichtigkeit. Aber ab dem Moment, als sie ihn im Krankenhaus geküsst hatte, war ihr aufgegangen, dass er gar nicht so war. Oh, er mochte es, Reden zu schwingen, aber ab der Sekunde, als er begriffen hatte, dass sie die Fassade hinterblickte, hatte er sich noch nicht einmal bemüht, sie aufrechtzuerhalten.

Während sie in den blauen, wolkenlosen Morgenhimmel starrte, dachte sie, dass Iakovos ganz einfach ein sehr netter, sehr faszinierender Mann war und wenn die Entwicklung nicht sofort und komplett aufhörte, würde sie sich wie verrückt in ihn verlieben.

Ein Schatten fiel auf ihr Gesicht und sie hielt mit ihren Schwimmzügen inne, sodass sie für einen Moment Wasser spuckte.

„Eglantine. Treffen wir uns also wieder“, sagte eine tiefe, träge Stimme.

Sie wischte das Wasser aus ihren Augen und strampelte für einen Moment im Wasser, während sie nach oben sah, wo er am Poolrand stand. Er trug eine dunkelblaue Badehosen und ein Handtuch.

„Yacky. Es tut mir leid“, stammelte sie und konnte die Augen nicht abwenden von seinem nackten Körper. „Mir war nicht klar, dass das dein Pool ist.“

„Das sind alle meine Pools“, sagte er und Humor sickerte durch seine Stimme. „Es ist meine Insel.“

„Nein, ich meinte… Ich glaube, ich habe einfach nicht nachgedacht. Das sah einfach nach einem unbenutzten Bahnenpool aus. Ich hatte nicht vor, ihn ohne Erlaubnis zu benutzen –“

 

„Liebling, du darfst, was auch immer du willst hier benutzen und das beinhaltet auch mich, eine Tatsache, von der ich hoffe, dass sie besser früher als später eintrifft, wenn du mich weiterhin so anschaust.“

Sie grinste und schwamm langsam davon. „Ich kann nichts dafür. Hast du schon mal den Ausdruck gehört Zunge am Gaumen festkleben? Es sieht ganz so aus, als würdest du dafür sorgen, dass meine Zunge am Gaumen festklebt, Iakovos.“

„Ich habe bessere Dinge mit deiner Zunge vor.“ Er tauchte über ihren Kopf in die nächste Bahn ein und kam wieder an die Oberfläche, sein schwarzes Haar nach hinten geglättet. Er hatte einen kleinen Witwenspitz und trug seine Haare etwas länger als die meisten Männer, die sie kannte, gerade lang genug, sodass sie an den Spitzen seiner Ohren entlang streiften. Sie waren so weich wie Seide, wenn sie ihre Finger darin vergrub, erinnerte sie sich mit einem kleinen Schauder.

Er sah sie mit diesem unbeschreiblichen Gesichtsausdruck an, seine Augen glitzerten wie die Morgensonne auf dem kühlen Wasser. „Wenn du mich weiterhin so ansiehst, Harry, dann will ich wieder mit dir ins Bett.“

„Oh, damit habe ich kein Problem“, sagte sie und gab diesem Gedanken ihre volle Zustimmung.

Er bewegte sich auf sie zu, legte dann einen Stopp ein und schüttelte den Kopf: „Ich schwimme immer morgens.“

„Dann solltest du das auf jeden Fall tun. Würde es dich stören, wenn ich auch noch ein paar Runden drehe?“

„Nicht im Geringsten.“

Er suchte sich eine Außenbahn aus, sie nahm an, damit er sie nicht vollspritzte. Für einen Moment beobachtete sie ihn, als er mit einem geschmeidigen Kraulen davonschwamm, bevor sie selbst ihre Runden wieder aufnahm.

Sie hatte gerade vier Bahnen Brustschwimmens beendet, das besonders unordentlich geraten war, als sie realisierte, dass er sie beobachtete. Sie warf ihm einen neugierigen Blick zu: „Stimmt was nicht?“

„Nicht im Geringsten. Du schwimmst sehr gut.“

Sie zuckte mit den Schultern und wandte sich wieder ihrem zuvor unterbrochenen Rückenkraulen zu: „Ich komm klar. Es ist nicht oft, dass ich die Gelegenheit habe zu schwimmen, also nutze ich sie, wenn ich sie habe.“

„Du solltest es öfter tun“, sagte er und imitierte ihr Rückenkraulen. Sie spähte aus dem Augenwinkel nach ihm. Sein Kraulen war wesentlich besser als das Rückenschwimmen. „Du könntest eine wirklich gute Schwimmerin sein, wenn du es etwas öfter machen würdest.“

Es brauchte ein paar Sekunden, bevor seine Aussage in ihrem Hirn ankam. Als sie dort eingesickert war, legte sie einen Stopp ein und starrte ihn an: „Implizierst du gerade, dass nur, weil ich nicht ein absurd reicher, begehrenswerter Junggeselle bin, ich auch kein guter Schwimmer bin?“

„Begehrtester Junggeselle, nicht begehrenswerter“, verbesserte er sie und machte sich nicht die Mühe, sie anzusehen, verdammt sei sein arrogantes Getue. „Und alles, was ich gesagt habe, ist, dass wenn du mehr üben würdest, du auch ziemlich gut im Schwimmen wärst.“

„Oh, das ist eine Kampfansage, Junge“, sagte sie und schwamm zu den Stufen, die aus dem Pool führten.

„Ich wollte dich nicht beleidigen –“

„Zum Teufel mit wollte!“ Sie zupfte am Badeanzug, der immer über ihren Hintern nach oben rutschte und schritt zum anderen Ende des Pools. „Komm aus dem Wasser, komm schon. Du wirst den Worten Taten folgen lassen.“

„Was genau schlägst du vor? Eine Wette?“, fragte er, als er langsam aus dem Pool kletterte.

„Das klingt gut. Wir veranstalten ein kleines Wettschwimmen, sollen wir? Der Gewinner muss …“ Sie verstummte und versuchte, sich einen geeigneten Einsatz zu überlegen.

„Sex mit der anderen Person haben?“, schlug er vor, während sich langsam ein sinnliches Lächeln auf seinem Gesicht breitmachte und er auf sie zuschritt, das Wasser glitzerte auf seiner Brust wie einzelne Diamanten.

„Abgemacht. Wie viele Bahnen schaffst du?“

Sein Blick wanderte langsam über ihren Körper. „Das lasse ich dich bestimmen, aber ich sollte dich darauf hinweisen, dass ich einen unfairen Vorteil dir gegenüber habe.“

„Weil du größer bist als ich?“, fragte sie, während sie ihre eigene Inspektion vornahm. Ihn einfach nur anzusehen, sorgte dafür, dass ihr Herzschlag sich beschleunigte. Bevor er antworten konnte, hob sie die Hand. „Einen Moment – muss die Zunge von meinem Gaumen lösen.“

Er lachte und schüttelte den Kopf. „Nein, der Vorteil liegt darin, dass ich täglich schwimmen kann. Und was Zungen angeht…“ Er beugte sich herab und nahm ihren Mund in Besitz, seine Zunge wie ein Brand auf ihren Lippen, die kühl waren durch das Wasser. „Wie gesagt, ich kann mir eine Menge Dinge vorstellen, die ich mit ihnen anstellen könnte.“

„Also, du wirst auf jeden Fall einen Vorteil haben, wenn du das noch mal machst“, sagte Harry und trat einen Schritt zurück, nachdem sie einige Minuten unter der brennenden Berührung seiner Hände und seines Mundes ausgehalten hatte. „Du stellst irgendetwas mit meinen Knochen an, sodass sie wie aus Gummi sind.“

Er hob die Hände in einer Geste der Kapitulation und trat ebenfalls zurück. „Ich will nicht verdächtigt werden, dass ich betrüge. Sollen wir sagen vier Bahnen? Irgendein besonderer Stil?“

„Was ist dein stärkster?“, fragte sie, „Kraulen?“

„Kraulen ist in Ordnung“, stimmte er zu und sie wusste ohne jeden Zweifel, dass er vorhatte, sie das Wettschwimmen gewinnen zu lassen. Sie lächelte innerlich, denn sie war sich sicher, dass sie diese Absicht in unter einer Minute untergraben könnte.

„Willst du uns einzählen?“, sagte sie und nahm ihre Position ein auf der mittleren linken Bahn. Er wählte die neben ihr.

„Die Ehre gebührt dir.“

„Okay. Auf fünf.“ Sie spreizte die Beine und ging in die Hocke, bis ihre Finger gerade über der Wasseroberfläche baumelten – die klassische Startposition. „Bereit?“

Er schenkte ihr einen neugierigen Blick und imitierte dann ihre Position „Bereit.“

Sie zählte sie ein und gab ihm eine halbe Sekunde Vorsprung, bevor sie in den Pool eintauchte. Adrenalin sorgte für einen kleinen Kick, als sie unter Wasser schwamm, bevor sie nach einer Weile an die Oberfläche kommen musste, um Luft zu holen. Dann nahm sie sofort einen schnellen, aber durchhaltbaren Rhythmus auf. Nach einer Bahn war sie eine ganze Körperlänge vor ihm. Sie machte nur ein kleines bisschen langsamer, als sie eine Wende unter Wasser vollführte und so konnte er sie einholen, damit er sehen konnte, dass sie kein Problem damit hatte, ihn abzuhängen.

Sie bemerkte den Moment, in dem er das feststellte. Sein geschmeidiges Kraulen wurde abgehackt, als er versuchte, mehr Energie in die Züge zu legen, um schneller zu werden. Innerlich schüttelte sie den Kopf und legte einen Zacken zu, spürte die Endorphine, als sie ihre zweite Wende machte, nun zwei volle Längen vor ihm. Als sie auf der letzten Bahn war, holte er bei jedem Zug Atem, ein sicheres Zeichen dafür, dass ihm die Power ausging.

Sie kam fast eine halbe Bahn vor ihm ins Ziel und drehte sich um, um ihn heranschwimmen zu sehen. Er machte sich nicht die Mühe, den Seitenrand zu berühren, sondern hielt neben ihr inne und wischte sich das Wasser aus Augen und Nase, sein Atem so abgehackt, wie als er heute Morgen mit ihr im Bett gewesen war, seine breite Brust hob und senkte sich mit Mühe, als er versuchte, dringend benötigten Sauerstoff in seine Lungen zu pumpen.

„Du… schwimmst… professionell…“, keuchte er und wischte sich das Haar zurück, die Anklage in seinem Blick.

„Nein. Aber ich war in der Schule und auf der Uni in den Schwimmteams.“ Sie lächelte und schwamm zu ihm hinüber, ihre Hände glitten seine Brust hinauf. „Du hast viel Kraft, Iakovos, aber keinen Stil, keine Finesse. Deine Beine sind überall und ich würde mit dir wetten, dass deine Zug- und Druckphase nicht stimmen.“

Er langte nach ihr und zog sie an sich, seine Hände waren hart auf ihrem Hintern und er knurrte in ihren Mund, als er sagte: „Ich zeige dir, wer hier keine Finesse hat.“

Zu Iakovos’ Unwillen hatten sie allerdings keinen Sex im Pool, aber es war knapp. Gerade rechtzeitig erinnerte er sich daran, dass obwohl keiner seiner Familienmitglieder jemals diesen Pool benutzte, einige der Hausgäste das durchaus tun könnten, und es würde sie der Lächerlichkeit preisgeben, wenn man sie finden würde, ihn tief in seiner wundervollen Seehexe vergraben.

Es hatte ihn sowohl überrascht als auch begeistert, dass sie ihn geschlagen hatte, während er sich doch so sicher gewesen war, dass er sie leicht abhängen könnte. Das hatte er davon, dass er angenommen hatte, dass sie wie jede andere Frau wäre – es war absolut normal, dass ein Sturm, auf See geboren so wie sie, so schnell wie ein Delphin schwimmen konnte. Er gab die Brust frei, an der er gesaugt hatte und zog die obere Hälfte des Badeanzugs mit Widerwillen wieder zurück, wieder einmal begeistert von dem weggetretenen Blick, der in ihre Augen trat, wann immer er sie berührte.

„Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich jemals so darauf gefreut habe, einen Wetteinsatz einzulösen“, sagte er ihr, und ergriff noch einmal Besitz von ihrem Mund, einfach weil er sich selbst nicht stoppen konnte. „Aber das werde ich mit Freuden heute Nacht tun.“

„Für mich klingt es gut“, sagte sie und seufzte glücklich.

Für einen Moment sah er auf sie herab, ihr Gesicht gerötet, die langen Strähnen ihres Haares flossen hinter ihr auf dem Wasser. Obwohl er nicht dafür verantwortlich war, Elenas Gäste zu unterhalten, waren sie trotzdem Gäste in seinem Haus und ab und zu sollte er sich sehen lassen. Geschäftliche Verpflichtungen hatte er für die paar Tage verschoben, die er der Geburtstagsparty seiner Schwester widmete, aber es gab immer Arbeit zu erledigen. Er hatte nicht vor, sich mit ihr zufriedenzugeben, obwohl diese Frau, deren Körper sich gerade so einladend an seinen presste, komplett anders war als alle anderen, die er jemals hatte. Sie war auch einfach nur eine Frau.

Er schaute tief in ihre Augen, die vor Leidenschaft leuchteten, und er wusste, dass es dumm war, sich selbst zu belügen. Er hatte keine Lust, den Gastgeber zu spielen und ihn interessierte es auch nicht, geschäftlichen Verpflichtungen nachzukommen. Er wollte die Zeit mit Harry verbringen und herausfinden, welche wunderbaren Dinge ihr Geist sich ausdenken würde. „Hast du heute irgendetwas vor?“

Er hatte sie so durcheinandergebracht, dass es einen Moment dauerte, bis sie ihre Gedanken sortiert hatte. Auch das begeisterte ihn. „Cyndi wird heute Nachmittag aus dem Krankenhaus entlassen und ich sollte da sein, um sie abzuholen.“

„Das können die anderen übernehmen. Ich werde ihnen ein Boot bereitstellen.“

„Ich sollte ihr Manager sein“, erinnerte sie ihn.

Er mochte den Gedanken nicht, dass sie auf Abruf bereitstehen sollte. „Ich werde Dmitri veranlassen, dass er sich darum kümmert.“

„Dmitri?“

„Mein Assistent.“ Sie sah aus, als würde sie protestieren wollen, also küsste er sie wieder, um sie abzulenken.

„Und dann werden sie sicherlich proben wollen“, sagte sie einige Minuten später und klammerte sich an seinen Schultern fest, ihr Mund heiß auf seinem Nacken. „Ich sollte da sein für den Fall, dass sie etwas brauchen.“

„Mein Personal kümmert sich um alles, was sie brauchen“, sagte er, seine Hände auf ihrem Hintern, als er sie sanft zur Metallleiter schob. Lieber Gott, wie er ihren Hintern liebte. „Zieh dich an und ich nehme dich mit nach Krokos. Du wirst es mögen – es ist nicht weit runter an der Küste, aber es ist jenseits der Touristenpfade.“

„Ich sollte nicht …“ Sie kletterte aus dem Pool.

Er folgte ihr, hob ihr Kinn an, um auf ihre Unterlippe beißen zu können.

„In Ordnung“, sagte sie nach einem Moment des Zögerns, und Wasser lief über ihren glatten schwarzen Badeanzug. Er beobachtete, wie ein paar Tropfen zwischen ihren Brüsten verschwanden und fühlte, wie seine Lenden heiß wurden. „Aber ich warne dich, wenn du mich irgendwo hin mitnimmst, wo wir alleine sind, werde ich über dich herfallen.“

Er grinste und konnte sich nicht daran hindern, auf Beutezug für einen letzten Kuss zu gehen. „Darauf hoffe ich, Liebling, darauf hoffe ich.“

 

Harry war im siebten Himmel oder zumindest so nah dran, wie man das der Erde sein konnte. Sie schaute zurück, von wo sie auf dem Bug von Iakovos’ flottem kleinen Schnellboot saß, und Wind blies das Haar um sie herum, als hätte es ein eigenes Leben. Die Geschwindigkeit, mit der sie sich fortbewegten, machte es unmöglich, eine Unterhaltung zu führen, ohne zu schreien, also gab sie sich damit zufrieden, die Aussicht zu bewundern, die hauptsächlich aus Iakovos bestand. Er trug ein paar schwarze Hosen und ein dünnes rotes Baumwollhemd, das gerade weit genug offen stand, um sie die sexy Stelle auf seinem Nacken sehen zu lassen und eine kleine Spur von Brusthaar, von dem sie wusste, dass es seidig weich war. Sie liebte seine Brust, konnte nicht aufhören, sie zu berühren und zu kosten.

Er beobachtete sie ebenfalls, eine Hand lässig auf dem Steuerruder, die andere ruhte auf seinem Oberschenkel.

Sie liebte auch seine Oberschenkel. Er hatte die langen Muskeln eines Schwimmers und war überraschend kitzlig an der Innenseite. Ihre Zehen rollten sich in den Sandalen, als sie kichernd daran dachte, wie sie früher am Tag sanft ihre Fingernägel über seine Oberschenkel hatte kratzen lassen und wie er sich gewunden hatte.

Sie warf ihm ein Lächeln zu und drehte sich wieder in die Richtung, in die sie fuhren, als ein Schimmer auf der Backbordseite sie nach Luft schnappen ließ. Sie deutete in die Richtung und rutschte vom Buckel runter, bis sie neben ihm stand und ergriff seinen Arm, damit er hinsah. „Delfine!“

Er legte einen Schalter um, der das Boot auf Autopilot setzte und wand seine Arme um ihre Hüften, als er gehorsam in die Richtung sah, wo drei Delfine neben und vor dem Boot auftauchten.

„Sie spielen mit unserer Bugwelle“, rief er.

„Ich habe noch nie welche gesehen.“ Sie krallte sich an der Metallreling fest und lehnte sich nach vorne, um sie beobachten zu können. Sie lachte, als einer nur wenige Meter von dem Boot durch die Wasseroberfläche brach. Dieser Anblick füllte sie mit so viel Freude, dass ihr Tränen in die Augen traten.

„Lehn dich nicht so weit vor oder du fällst ins Wasser“, warnte er.

Sie drehte sich herum, um die Freude mit ihm zu teilen und fand sich plötzlich in der Hitze seines Blicks wieder. Ohne nachzudenken, bewegte sie sich in seine Umarmung und legte die Arme um seine Hüften, stand einfach nur da, ihr Körper an seinen gepresst, sein Mund streichelte sanft ihre Stirn, während ihr Haar um sie beide blies. Sie war zufrieden, einfach bei ihm zu sein, während sie in dieser magischen Welt aus Meer, Sonne und Mann eintauchte, der schnell ihr Herz eroberte.

Eine Stunde später stand sie am Fuße von Stein und Erde, die sich aus dem kristallblauen Meer erhoben, eine braunrote Landschaft, gesprenkelt mit grünen Flecken und strahlend weißen Steingebäuden, die sich mit schier unmöglicher Leichtigkeit an die Hänge klammerten.

Iakovos musste vorher angerufen haben, denn ein Jeep erwartete ihn, als er an dem schmalen Dock anlegte. Einige größere Schiffe lagen auf Reede, darunter eine Yacht, aber Harry schenkt ihnen keine Aufmerksamkeit, während Iakovos etwas über die Gegend erzählte.

„Safran ist das wertvollste Gut in dieser Gegend, aber wir sind zur falschen Zeit im Jahr hier, um die Krokusfelder zu sehen. Vielleicht wirst du ein anderes Mal die Gelegenheit haben zu sehen, wie es verarbeitet wird, aber für heute hast du die Wahl zwischen Mittagessen, Besichtigung oder ich könnte uns ein Zimmer im Hotel besorgen, damit du mich verführen kannst.“

Sie schaute auf die Stadt, die sich stufenweise erhob, dazwischen grünes Gestrüpp, das ein harmonisches Bild ergab mit den blendend hellen Gebäuden und den roten Ziegeldächern. Die Luft roch nach Meer und warmer Erde und nach warmem Mann. Sie wollte ihr Gesicht in seinem Hals vergraben und einfach nur seinen Geruch einatmen, aber da er sich die Mühe gemacht hatte, sie hierherzubringen, dachte sie sich, dass sie diese Gelegenheit nutzen sollte.

„Wie wäre es mit ein bisschen Besichtigung, danach Mittagessen und dann schauen wir mal, was wir mit diesem Gedanken machen, dass ich dich vernaschen könnte.“

„Ich kenne meine Meinung zu diesem Thema, aber es wird, wie du möchtest.“ Seine Hand war warm auf ihrem Rücken durch das dünne Gewebe ihres leichten Sommerkleids, als er sie durch die Stadt führte, um ihr die Sehenswürdigkeiten zu zeigen, die es gab.

„Was ist das?“, fragte sie und spendete mit einer Hand ihren Augen Schatten, als sie auf eine Masse von weißen Gebäuden deutete, die sich über die Hügelflanke ergossen.

Er warf ihnen einen flüchtigen Blick zu und manövrierte sie dann in die andere Richtung. „Ferienwohnungen. Komm, wir schauen uns den älteren Teil der Stadt an.“

Sie besichtigten eine hübsche, kleine weiße Kirche und spazierten durch die Hauptstraße, sahen sich einen seltsamen, aber schönen viereckigen Turm an, der tatsächlich ein Taubenschlag war und schließlich ließen sie sich in einer Taverna in den Ausläufern der Stadt nieder, saßen hoch auf der Hügelflanke und sahen auf das Wasser unter ihnen.

„Du wirst nicht in Schwierigkeiten kommen hierfür, oder?“, fragte Harry, die im Schatten eines alten Olivenbaums saß.

„Dass ich dich einlade oder für die Dinge, die ich vorhabe, mit dir anzustellen? Definitiv nicht für Ersteres, aber ziemlich wahrscheinlich für Letzteres.“

„Jetzt will ich definitiv ein bisschen Zeit für die Verführung“, lachte sie und war sich sehr bewusst, dass sein Bein sich unauffällig gegen ihres presste, als sie an der Schmalseite des kleinen Patios der Taverna saßen.

„Ich meinte, einfach so abzuhauen und deine Gäste allein zu lassen. So sehr ich den Tag auch genieße, ich kann nicht anders, als mich schuldig zu fühlen, dass ich dich von deinen Aufgaben fernhalte.“

„Vielleicht“, sagte er und schenkte ihr ein langsames Lächeln, das sie in eine Pfütze von Begehren schmelzen ließ, „habe ich einfach dich zu meiner Aufgabe für den Tag gemacht.“

„Noch so ein Satz und du bist in großen Schwierigkeiten“, warnte sie ihn.

„Wirklich?“ Er warf ihr einen nachdenklichen Blick zu. „Wie das?“

Sie lehnte sich nach vorne und ihre Brust streifte seinen Arm, während sie einen Finger über seine Wange gleiten ließ.

„Du musst allen hier erklären, warum du mit einer Frau gekommen bist und mit einem knochen- und hirnlosen Klecks von Sabber wieder gehst.“

Bevor er antworten konnte – und sie konnte sehen, dass er in ähnlicher Art antworten würde –, trabte der Besitzer der Taverna herbei, um zu sehen, was sie essen wollten.

„Hast du irgendwelche Vorlieben?“, fragte Iakovos, nachdem er mit dem Mann gesprochen hatte.

„Nicht wirklich, aber ich sollte dich warnen, ich bin allergisch gegen Schalentiere.“

Er schaute sie schockiert an. „Das ist gleichbedeutend mit Ketzerei in Griechenland.“

„Auch in Seattle. Es ist der Fluch in meinem Leben.“

Er sprach wieder mit dem Besitzer, der ihr zuzwinkerte, bevor er verschwand, um ihr Essen zu bringen.

„Er sagt, du hast Glück.“

„Ich?“ Sie machte große Augen. „Weil ich mit einem aus den Top Ten der sexiest Junggesellen der Welt unterwegs bin?“

„Wohl kaum. Weil die Delfine dich in Krokos willkommen geheißen haben“, gab er zur Antwort und schenkte ihr ein Glas Bier ein. „Du hast wirklich niemals zuvor welche gesehen?“

„Nein. Stört es dich, wenn ich dich berühre?“

Nun war er an der Reihe mit den überraschten Blicken und eine Seite seines Mundes zuckte ein bisschen. „Mir macht es nichts aus, aber du läufst Gefahr, den Besitzer der Taverna zu schockieren.“

„Nicht diese Art von Berührung, Mister Gedanke in der Gosse. Ich will dich einfach nur berühren und ich weiß nicht, ob du das als Tabubruch ansehen würdest.“

„Ich kann ehrlich sagen, dass du meine volle Zustimmung hast, mich wie auch immer und wann auch immer zu berühren“, sagte er und nahm einen großen Schluck Bier. „Beruhigt dich das?“

„Ja, danke.“ Sie legte ihre Hand auf seinen Oberschenkel und genoss das Gefühl des harten Muskels unter ihren Fingern und die Wärme, die durch den Stoff seiner Hosen sickerte. „Warum sprichst du Englisch mit einem britischen Akzent?“

„Ich bin in England zur Schule gegangen. Spielen wir jetzt das Fragespiel? Warum hatte eine Frau, die so schön ist wie du, bis jetzt nur einen Partner?“

„Männer“, sagte sie mit einem Seufzen, das sich in ein kleines Schaudern verwandelte, als er lässig seinen Arm über die Rückenlehne ihres Stuhles legte und seine Finger dabei sanft über ihren Nacken strichen, „sind eingeschüchtert von mir. Entweder bin ich größer als sie, was sie alle nervös macht, oder ich bin zu …“

„Ungezähmt?“, schlug er vor und seine Finger tauchten in ihr Sommerkleid ein, um die Haut ihres Rückens streicheln zu können.

„Unkonventionell. Diejenigen, die nicht von mir eingeschüchtert sind, sind … Ich weiß nicht … Einfach nicht mein Fall. Sie haben keinen Sinn für Humor oder sie interessieren sich für Zeug, das mir egal ist.“

„Was für Zeug?“, fragte er und seine Finger verursachten einen kleinen Brandherd in tieferen, intimeren Regionen bei ihr.

„Sport? Politik?“

„Nein, nichts dergleichen. Es ist eher die Art, wie ihr Gehirn funktioniert, vermute ich. Sie haben einfach nicht diesen… Funken, der mich fasziniert und der mich dazu bringt, Zeit mit ihnen verbringen zu wollen.“

Er schwieg einen Moment. „Habe ich diesen Funken?“

„Du“, sagte sie und lehnte sich weit genug vor, damit ihre Lippen über seine streicheln konnten, als sie sprach, „hast viel zu viel von diesem Funken für meinen Seelenfrieden.“

Kapitel fünf

Sie schafften es nicht zurück zur Insel, bevor Iakovos dem Drang nachgab, der tief in seinem Inneren brannte, seit sie ihn in die Brust gepiekst hatte. Er wollte dem Licht und dem grünen Sommerkleid, das sie trug, die Schuld geben, weil es nicht nur ihren Körper so liebkoste, wie er es tun wollte, sondern weil es auch die schöne lange Silhouette ihrer Beine und die ihrer glatten Arme zeigte, die ihrer Brüste, von denen er wusste, dass sie nur für seinen Mund gemacht waren.

Während sie zum Haus zurückfuhren, ging die Sonne unter und er schaffte es zu glauben, für genau drei Minuten, dass das, was er für Harry fühlte, nur eine zeitweilige Verliebtheit war, einfache, ehrliche Lust und nichts mehr.

Das dauerte genau so lange, bis er sie beobachtete, wie sie seine persönliche Galionsfigur war, die am Bug des Bootes posierte, der Wind blies das Material ihres Kleides um sich herum und gab damit verlockende Einsichten auf ihre Hüften und ihre Unterwäsche frei.

Plötzlich war es zu viel für ihn. Er musste die Situation unter Kontrolle bringen oder es riskieren, komplett den Kopf zu verlieren. Er drosselte den Motor und stellte ihn auf Autopilot, dann rief er nach Harry, damit sie mit ihm mit einem Glas Champagne anstieß, der unter Deck gekühlt war.

Sie saß auf der Rückbank, ihr Gesicht strahlte vor Vergnügen, als sie die Küste beobachtete, die an ihnen vorbeizog, aber ihre Augen wurden dann lebendig, wenn sie ihn ansah. Er mochte das; er mochte die Art, wie sie so ehrlich war mit ihren Gefühlen und nicht versuchte zu verstecken, was sie dachte oder fühlte.

„Wie bist du zur Schriftstellerin geworden?“, fragte er, entschlossen, die nächste Stunde durchzubringen, die es brauchen würde, um nach Hause zu kommen, ohne die Kontrolle zu verlieren in ihrer Hitze.

„Ich habe für einen Softwareentwickler gearbeitet und Teile ihrer Bedienungsanleitungen geschrieben. Eines Tages dachte ich, dass es lustig wäre, hier und da ein wenig Humor in diesen Bedienungsanleitungen unterzubringen. Der Direktor des Programms stimmte darin nicht mit mir überein. Ich habe meinen Job verloren und habe gleich dann beschlossen, dass ich Belletristik schreiben will, wo ich meine eigenen Welten erfinden und sie mit Charakteren bevölkern kann, die ich mag oder an denen ich ein kleines bisschen Rache üben will. Ich habe ein paar Bücher verkauft und von da aus ging es dann quasi von alleine. Bin ich jetzt dran?“

Er wollte sie so sehr, dass es wehtat. Vielleicht würde die Unterhaltung ihn davon ablenken, dass er sie dringend besitzen wollte. „Ja, jetzt bist du dran. Willst du fragen, wie ich so… Wie hast du es genannt?“

„Absurd reich? Ja, das ist tatsächlich das, was ich dich fragen wollte. Wurdest du hineingeboren oder hast du dir deinen Reichtum selbst erarbeitet?“

Er schenkte ihr einen langen Blick. „Spielt es eine Rolle?“

„Absolut“, sagte sie, ohne eine Sekunde zu zögern.

Er beobachtete sie, fasziniert von dem Spiel des Lichts in ihren Augen. Sie musste glauben, dass sie ihn beleidigt hätte, denn sie beeilte sich zu erklären: „Es ist mir egal, wie viel du hast, weißt du. Ich verdiene selbst ein hübsches Sümmchen und es gibt nur mich, die ich zu versorgen habe, also suche ich nicht nach irgendeinem Sugar Daddy oder so was in der Art.“

Zu seiner eigenen Überraschung zog er diese Aussage nicht in Zweifel. Normalerweise hatte er ein sehr gutes Gespür dafür, wenn Leute etwas von ihm wollten, aber sie brachte keine der Alarmglocken in ihn zum Klingeln.

„Aber es gibt einen großen Unterschied zwischen dem, was du einfach nur bekommen hast und dem, was du selbst verdient hast“, sagte sie zögerlich.

„Glaubst du, dass ich mein Geld ererbt oder selbst verdient habe?“, fragte er sie und war neugierig zu sehen, wie sie ihn wohl analysieren würde.

„Ich glaube …“ Ihr Blick wanderte suchend über sein Gesicht. „Du fühlst dich sehr wohl mit dir selbst, was mich glauben lässt, dass du mit Überfluss geboren wurdest und du musstest dir niemals Sorgen darüber machen, wo deine nächste warme Mahlzeit herkommen würde. Aber gleichzeitig kommst du mir vor wie ein Mann, der seinen eigenen Weg gemacht hat, einen, der keine Angst davor hat, auf ein Ziel hin zu arbeiten. Also glaube ich, dass du absurd reich bist, weil du ein Selfmademan bist.“

„Milliardär ist, glaube ich, die richtige Bezeichnung“, sagte er, überrascht davon, wie gut sie ihn analysiert hatte. „Es ist tatsächlich so, dass ich in relativ komfortable Umstände hineingeboren wurde, aber mein Vater hat sein Vermögen verloren, kurz nach meiner Geburt. Als ich volljährig wurde, habe ich beschlossen, dass ich das wieder aufbauen würde, was verloren gegangen war und ich habe zwanzig Jahre dafür gebraucht.“

„Aber du bist in England zur Schule gegangen.“

„Und habe abends und am Wochenende gearbeitet, um mich über Wasser zu halten. Meine Mutter ist bei meiner Geburt gestorben und mein Vater hat fast fünfzehn Jahre um sie getrauert, bis er die Mutter von Elena und Theo traf.“

Sie schaute ihn mitfühlend an. „Das muss sehr schwer gewesen sein für dich und deinen Vater. Hast du ein enges Verhältnis zu ihm?“

„Das hatte ich, bis er vor acht Jahren gestorben ist. Wie sieht es mit dir aus – du sagtest, du seist alleine? Hast du keine Familie?“

„Einzelkind, Eltern geschieden. Sie leben beide noch, aber ich habe meinen Vater nicht gesehen, seit ich zwei war und meine Mutter hat ihr eigenes Leben und ihre eigenen Interessen. Sie lebt in Arizona; ich lebe in Seattle … Wir telefonieren einmal im Monat miteinander.“

„Keine Freunde?“, fragte er und konnte sich nicht davon abhalten, mit seinem Daumen über diese samtweiche Wange zu streichen, die von der Sonne erhitzt war.

„Natürlich habe ich Freunde. Ich bin kein Eremit“, sagte sie und lehnte sich in seine Berührung. „Was ist mit dir? Wie sortiert ein Mann, der so erfolgreich ist wie du, die Leute aus, die einfach nur etwas von ihm wollen, und behält die wahren Freunde?“

Seine Augen weiteten sich bei so viel Scharfsinn.

Sie lächelte bei diesem Gesichtsausdruck. „Du vergisst, dass du mit jemandem sprichst, der Mails bekommt von jedem, der glaubt, er sei ein Schriftsteller. Die meisten wollen einfach nur Ratschläge, aber es gibt einige, die wollen mich benutzen. Ich habe mir gedacht, wenn es so für mich ist, muss es für dich hundertmal schlimmer sein.“

„Ich habe einige enge Freunde“, sagte er langsam und wunderte sich darüber, wie vertrauensselig er gegenüber diesem Kind der See war. Es war so, als würde er sie schon sehr lange kennen. „Und es gibt Theo und Elena. Harry?“

„Hmm?“

„Ich werde es nicht bis ganz zurück auf die Insel schaffen.“

„Oh, Gott sei Dank“, sagte sie und ihre Schultern sackten vor Erleichterung nach unten. „Ich wollte dich nicht einfach anspringen für den Fall, dass du dachtest, ich sei nur an deinem Körper interessiert, wenn es eigentlich dein Verstand ist, der so unglaublich sexy ist, nicht dass ich nicht deinen Körper absolut vergöttern würde, weil ich ein paar Jahre tot sein müsste, um das nicht zu tun, aber trotzdem, ich will nicht, dass du glaubst, dass ich dich als nichts weiter als eine Orgasmusmaschine wahrnehme.“

Er starrte sie an und er realisierte jetzt, dass die Ruhe, die vor dem Sturm kam, mit einem Wusch seines eigenen Atems endete, als er aufstand, sie auf seine Arme nahm und sie hinab in die Kabine trug. Er vergeudete auch keine Zeit, dachte Harry bei sich, als er mit schneller Effizienz zuerst sie und dann sich auszog und sie auf eine der zwei Kojen legte, die an den Wänden der Kajüte standen.

„Ich glaube nicht, dass du da reinpasst“, erklärte sie ihm und schaute nach oben, wo er gebeugt stand, um sich nicht an der Decke zu stoßen. „Schau – ich fülle das ganze Ding schon aus. Mein Kopf und meine Füße berühren jeweils die Wände.“

Er fauchte etwas in Griechisch, von dem sie glaubte, dass es nicht besonders nett war. Sein Blick wanderte hierhin und dorthin, seine Finger zuckten, bis er plötzlich die Matratze der anderen Koje ergriff und sie auf den Fußboden der Kajüte warf, zusammen mit den Decken.

„Steh auf“, sagte er und gestikulierte zu ihr hinüber.

Sie stand auf. Er zog ihre Matratze vom Bett und schubste sie neben die erste, dann warf er die Decken über beide. „Runter“, befahl er.

Sie warf ihm einen Blick zu und war amüsiert über die Tatsache, dass er eine Lösung für das Problem gefunden hatte.

Sicherlich verdiente solch eine Problemlösung eine Belohnung. Sie kniete sich vor ihn hin und nahm seine Erektion in ihre Hände. „Also, ich bin kein großer Experte in dem, was ich jetzt tun werde; wenn ich also etwas tue, was du nicht magst oder wenn es falsch ist oder wenn du irgendwelche Verbesserungsvorschläge hast für dieses ganze Erlebnis, dann bin ich mehr als bereit, dir zuzuhören.“

Er sah auf sie hinab mit wachsender Hoffnung in den Augen. „Ich werde dich auf jeden Fall wissen lassen, wie es ist.“

„Danke“, sagte sie dankbar. „Die meisten Männer reden nicht darüber, wenn es darum geht, weißt du. Sie liegen einfach zuckend und stöhnend da und dann schlafen sie ein. Also, zumindest hat das mein Freund so gemacht und ehrlich, ich weiß nicht, wie man sich verbessern soll, wenn man kein Feedback bekommt. Es ist genauso wie Schreiben, wenn man darüber nachdenkt. Mein Ziel während jedes Buches ist es, eine bessere Schriftstellerin zu werden, und da ich eine Art Novize bei dem hier bin, würde ich es bevorzugen, wenn du mir konstruktive Kritik zukommen lässt, sobald wir fertig sind.“

Er starrte auf sie hinab mit einem Ausdruck, der totaler Unglaube zu sein schien. „Du willst, dass ich die Art und Weise kritisiere, wie du mir Lust bereitest?“

„Also … Ich bin ein großer Verfechter von Kritikgruppen“, sagte sie und nahm seine Hoden in eine Hand, während die andere seine Länge erkundete – und da war sicherlich eine Menge Länge zu erkunden. „Nicht dass ich glaube, dass das Einbringen von Gruppen hier angemessen wäre, aber lass uns davon ausgehen, dass du mein Kritikpartner bist, okay?“

„Harry“, sagte er und seine Stimme klang heiser.

„Ja?“

„Wir werden in der Türkei sein, wenn du nicht aufhörst zu reden und wir zur Sache kommen. Oder, Alternativvorschlag, du könntest auch das machen, was du vorhast.“

Sie streichelte über seinen Schaft. „Nicht, wenn du mir nicht versprichst, mir zu sagen, was ich besser machen könnte.“

Er schloss die Augen und holte tief, tief Luft. „Ich verspreche es.“

„Danke. Okay. Los geht’s dann!“ Er schmeckte heiß; das war ihr erster Gedanke. Heiß und ein bisschen salzig und als sie einen Rhythmus fand, der ihn dazu brachte, sich im Türrahmen festzuhalten und er seine Augen verdrehte, seine wunderschöne Brust sich hob, als seine Hüften sich synchron mit ihr bewegten, da dachte sie, dass es vielleicht keine so gute Idee wäre, jetzt aufzuhören, um nach seiner Meinung zu fragen. Allerdings, man wusste es nicht, bis man fragte und sie glaubte sehr an Kommunikation.

„Also“, sagte sie und mit einem leichten Plopp gab sie die Spitze seines Penis frei. „Anregungen?“

Er schaute mit einem leicht verrückten Blick in seinen Augen auf sie herab. „Anregungen? Ist es das, was du gerade gesagt hast? Du sagtest ‚Anregungen‘?“

„Ja. Ich glaube, es ist nicht unbedingt gut, mittendrin einfach aufzuhören, aber ich dachte mir, ich nehme diese Möglichkeit wahr, um zu lernen, also wenn du Feedback hast, das du mit mir teilen möchtest, dann will ich es hören.“

„Feedback“, sagte er, als ob er das Wort nicht verstehen würde.

„Ja, du weißt schon, Feedback. War ich zu schnell? Zu langsam? Nicht genug Streicheleinheiten mit der Zunge direkt unter der Spitze? Findest du’s gut oder nicht so gut, wenn ich an deinen Hoden fummele, während ich es mache?“

Er sah für ein paar Sekunden weiterhin auf sie herab und dann hüpfte sein Adamsapfel. „Ich glaube, das beste Feedback, das ich dir geben kann, ist taktil.“

„Auf welche Weise taktil?“, fragte sie und schaute auf seinen Penis. Obwohl sie normalerweise Männer mit viel Körperbehaarung nicht anziehend fand, war Iakovos alles andere als abstoßend. „Als Nebenbemerkung, können wir uns über dein Haar unterhalten?“

„Warum nicht?“, sagte er und lud sie mit einer Geste ein, fortzufahren. „Stört es dich, wenn ich mich dafür hinlege?“

„Nein, mach nur. Es ist für mich sowieso einfacher auf den Knien.“ Sie rückte herüber, sodass er einen Großteil der Matratze bekam.

Er legte sich hin, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, sein Penis deutete steil nach oben. „Du wolltest über meine Körperbehaarung diskutieren, nehme ich an? Es tut mir leid, wenn sie dich stört, aber griechische Männer, wie du vielleicht weißt –“

„Oh, es stört mich nicht im Geringsten“, unterbrach sie ihn und streichelte seine Brust. „Ganz im Gegenteil. Deine Brustbehaarung zum Beispiel ist so, so weich, ich will einfach mein Gesicht darin vergraben.“

„Tut dir gar keinen Zwang an“, sagte er und gestikulierte zu seiner Brust.

Sie beugte sich vor und ihre Brüste streiften über seinen Bauch, als sie ihr Gesicht in die Mitte seiner Brust presste und die Linie zwischen seinen Brustmuskeln leckte. „Sehr weich.“

„Ich freue mich, dass du das so denkst“, sagte er höflich, aber sie konnte nicht anders, als wahrzunehmen, dass seine Stimme wieder rau wurde. „Nur damit du es weißt, sobald du damit fertig bist, meine Körperbehaarung zu katalogisieren, bin ich dran.“

„Dann bin ich froh, dass ich mich rasiert habe, bevor ich nach Griechenland kam“, sagte sie und küsste zuerst eine Brustwarze, dann die andere. Sie verteilte Küsse über eine Schulter, dann über die glatte, seidige Haut seines Bizeps und hinunter bis zu seinem Handgelenk.

„Das Haar auf deinem Arm ist auch sehr weich. Und ich liebe deine Hände, aber die hebe ich mir für ein andermal auf.“

Er hob seine freie Hand, um zuerst den Handrücken und dann die Handinnenfläche zu betrachten. „Du hast die seltsamsten Vorlieben aller Frauen, die ich jemals getroffen habe.“

„Nun, das Haar auf deinen Beinen ist ein Stückchen rauer als auf deinem Arm“, sagte sie und knabberte an seiner Hüfte, bevor sie sich einen Weg zu seinem schweren Oberschenkelmuskel küsste. „Ich mag es, dass du hier kitzelig bist, aber ich verspreche, dass ich dich jetzt nicht kitzeln werde. Ich glaube, was ich am meisten an deinen Beinen mag, wo wir schon beim Thema sind, ist die Tatsache, dass du keine stämmigen Oberschenkel und storchbeinige Unterschenkel hast. Du hast wirklich großartige Unterschenkel, weißt du.“

„Es ist gut zu wissen, dass die ganze Trainingszeit, die ich in sie investiert habe, sich auszahlt.“ Sie schaute auf, wo sie gerade sein Knie küsste und seinen Unterschenkel streichelte.

„Machst du spezielle Übungen?“

„Nein, Liebling, das mache ich nicht.“

„Oh. Du hast Spaß gemacht.“

„Habe ich. Ich entschuldige mich. Bist du durch?“

„Noch nicht ganz. Deine Füße, Iakovos.“

Er hob den Kopf, um an seinem Körper hinabzuschauen. „Ich habe zwei davon.“

„Ja. Es sind schöne Füße. Sie gefallen mir. Ich werde allerdings nicht an deinen Zehen saugen, schlicht weil ich den Gedanken abstoßend finde. Also wenn du irgendwelche fetischartigen Gedanken hattest über Zehen saugen, dann tut es mir leid, dass ich dich enttäuschen muss.“

„Um ehrlich zu sein, ich bin davon auch kein großer Fan“, sagte er. „Bist du jetzt durch?“

„Fast. Ich habe noch nicht dein Schamhaar erwähnt.“

Er legte sich wieder hin und begann zu lachen, während seine Hände vage Gesten in der Luft vollführten.

Sie stützte ihr Kinn auf seinen Hüftknochen und wartete, bis er fertig war. „Du lachst mich aus“, sagte sie endlich, als sein Lachen zu einem Gurgeln versiegt war.

Er wischte sich über die Augen und grinste. „Mit dir, Harry, nicht über dich.“

„Ich versuche, eine ernsthafte Diskussion –“

Sein Penis hüpfte neben ihrem Gesicht. Ihre Unterlippe zitterte für einen Moment, bevor sie die Kontrolle zurückerlangte. Sie räusperte sich. „Ich versuche, eine ernsthafte Diskussion über dein Schamhaar zu führen und du … du …“ Ein merkwürdiges kleines Schnaufen kam von ihr.

Er lag still, Lachtränen rannen ihm aus den Augen und er wartete.

„Oh Gott, das bringe ich nicht fertig“, sagte sie und brach dann in Lachen aus, lehnte sich über ihn und küsste ihn auf die lächelnden Lippen. „Ich liebe dein Schamhaar. Lieb mich, Iakovos. Jetzt gleich, bevor ich eine Vorlesung darüber halte, Münzen von deinem Hintern springen zu lassen.“

„Das hast du schon erwähnt“, sagte er und gluckste, als er sie neben sich zog.

„Aber ich glaube, dass ich dich gewarnt habe, dass ich erwarte, dass ich dann dran bin.“

„Du willst über meine Körperbehaarung sprechen?“ Sie schaute hinab auf ihren Schamhügel. „Alles Wichtige ist aber abrasiert außer das da und ich denke, ich sollte dich warnen, dass das, was du siehst, nicht der normale Sachstand ist. Meine Freundin hat mich überzeugt, dass wenn ich nach Griechenland fahren würde, ich die Bikinizone enthaaren müsste und lieber Himmel, Iakovos, ich werde das kein zweites Mal machen lassen. Du hast keine Ahnung, wie weh das tut.“

Er legte eine Hand auf ihren Venushügel und berührte sanft das in Form geschnittene Haar. „Ich kann mir nicht vorstellen, warum Frauen glauben, dass sie durch solch eine Folter gehen müssen.“

„Also, Kerle mögen Frauen ohne Wildwuchs, hat zumindest meine Freundin gesagt.“

„In Form geschnitten ist eine Sache. Mit den Wurzeln ausgerissen …“ Er zuckte zusammen und lehnte sich vor, um einen Kuss in die Falte ihrer Hüfte zu drücken. „Glaub nicht, dass du das wegen mir tun müsstest. Also, ich glaube, wir hatten eine Diskussion über deine orale Technik.“

Sie hörte auf, sich zu winden, als er ihre Beine spreizte und ihre Knie über seine Schulter legte. „Oh, ja, bitte, ich nehme Vorschläge gerne an.“

„Hier ist mein erster Vorschlag.“ Er senkte seinen Kopf und sein Mund schloss sich über ihren empfindlichen Partien und seine Finger erkundeten sie vorsichtig, bis er den Punkt fand, der dafür sorgte, dass sie die Hände in den Decken vergruben und sich wand vor anwachsender Lust.

„Sag mir“, sagte er und hob den Kopf und hatte dabei ein offensichtliches Funkeln in seinen Augen, „wie wäre es, wenn ich einen Finger in dich schiebe? Bevorzugst du zwei? Du bist zu eng für drei, aber ich glaube, zwei würden ganz gut passen.“

Sie starrte ihn für ein paar Sekunden böse an. „Das, mein Herr, ist nicht fair.“

„Noch nicht einmal annäherungsweise“, stimmte er zu und bewegte sich so zwischen ihren Beinen, dass ihre Beine nun um seine Hüften lagen. Seine Spitze schubste sie an und forderte Einlass. „Langsam und sanft oder schnell und hart?“

Sie hob die Hüften an und zog ihn zu sich, bis er in sie hineinglitt. „Hart und schnell. Immer hart und schnell. Mach mich verrückt, Iakovos!“

Er brachte sie dazu, Sterne zu sehen und als die beiden keuchend dalagen, erschöpft von einem schnellen und heftigen Orgasmus, da wusste sie, dass es zu spät war. Sie konnte ohne einen fantastischen Liebhaber leben, ohne Sex, der so heiß war, dass man einen Teppich damit dampfreinigen konnte, aber sie konnte nicht ohne alles andere leben, aus dem dieser unglaublich wundervolle, endlos faszinierende Mensch bestand, der Iakovos war.

Jetzt musste sie ihn nur noch davon überzeugen, dass er auch nicht ohne sie leben konnte.

Kapitel sechs

„Ich sollte nach den Kids schauen, um sicherzustellen, dass alles in Ordnung ist“, erklärte Harry Iakovos, als sie den Pfad vom Anlegesteg in die Gärten erklommen.

„Sie sind erwachsen. Ein paar Stunden werden sie ohne dich klarkommen.“

Der westliche Himmel leuchtete immer noch mit Spuren von Rot und Orange vom Sonnenuntergang, die Farben gingen ins Violette über und über ihren Köpfen hing die samtige Nacht. Die Nacht brach über Iakovos’ kleiner Insel herein, die Außenbeleuchtung erhellte große weiße Steinstrukturen und malte bernsteinfarbene Lichtinseln auf die Wände, während diskret platzierte Solarleuchten mit kleinen Lichtern den Garten sprenkelten, gerade genug, damit man sehen konnte, wo man hinging.

Sie wollte so sehr, dass er ihre Hand nahm oder einen Arm um sie legte. Sie wusste, sie könnte selbst den Kontakt herbeiführen, aber sie wollte, dass er derjenige wäre, der den Anfang machte, wollte, dass er genauso wie sie fühlte, dass etwas fehlte, wenn sie sich nicht berührten.

„Was für ein völliger Blödsinn“, schimpfte sie mit sich selbst und nahm mutig seine Hand.

Seine Finger drängten sich um ihre, als er anhielt, um sie anzusehen. „Sie sind erwachsen, Harry –“

„Nein, entschuldige, der Blödsinn war für mich, nicht für dich.“ Eine Hälfte seines Mundes zuckte. „Hast du wieder inneren Monolog fabriziert?“

„Das passiert oft, fürchte ich“, sagte sie mit einem Seufzen. „Ich glaube, all die Jahre, die ich schreibend verbracht habe, haben eine Kurzschlussreaktion in meinem Gehirn initiiert. Ich habe mit mir selbst geschimpft, weil ich wollte, dass du meine Hand nimmst, aber ich nicht diejenige sein wollte, die das selbst anregt, weil ich glaubte, es würde irgendwie mehr bedeuten, wenn du meine Hand zuerst nehmen wolltest. Aber dann habe ich realisiert, dass das scheinheilig ist, weil du vielleicht wolltest, dass ich deine Hand nehme, aber nicht wolltest, dass ich glaube, dass du etwas anderes als ein Lumpenseckel wärst und wenn ich wirklich deine Hand nehmen wollte, dann könnte ich einfach aufhören zu warten, bis du derjenige bist, der zuerst handelt und, verdammt noch mal, einfach deine Hand nehmen und aufhören, mir darüber Gedanken zu machen, ob oder ob du nicht zuerst meine Hand nehmen wolltest.“

„Ich hätte dich lieben können in der Zeit, die du gebraucht hast, um das zu erklären“, sagte er und hob ihre beiden Hände zu seinem Mund, sodass er ihre Finger küssen konnte. „Danke dafür, dass du so rücksichtsvoll mit meinen Gefühlen umgehst. Das nächste Mal werde ich einfach deine Hand nehmen, ohne mir Gedanken darüber zu machen, ob ich ein Lumpenseckel bin.“

„Gut“, sagte sie und lächelte ihn an. „Ich werde nach den Kids sehen.“

„Du musst später zu mir kommen“, sagte er, als sie seine Hand freigab, um zum Südende des Gartens zu gehen.

Sie blieb stehen und drehte sich um. „War das eine Frage oder Feststellung?“

„Beides.“

Sein Gesicht lag im Schatten, aber sie konnte die Leidenschaft hören, von der sie wusste, dass sie in seinen Augen leuchten musste.

„Selbst Hades und Zerberus könnten mich nicht von dir fernhalten.“

„Hades und Zerberus?“

„Es hat sich griechischer angehört als Tod und Teufel.“ Sie blies ihm einen Kuss zu und wandte sich dann nach Süden.

Seine Stimme hallte ihr nach: „Harry?“

„Ja?“

„Was genau ist ein Lumpenseckel?“

Sie lachte. Sie konnte gar nicht anders – sie war einfach so glücklich. Ein Zettelchen an ihrer Tür versicherte ihr, dass Cyndi sich nicht nur von ihren Abenteuern mit Theo erholt hatte, sondern dass es ihr sogar gut genug ging, um die Band für einen spaßigen Abend in der Stadt auf dem Festland zu begleiten.

Ihr Glück hielt genau so lange an, bis sie die Tür zu ihrem Bungalow öffnete und entdeckte, dass sie beraubt worden war.

„Was zur Hölle?“ Sie drehte sich mit offenem Mund im Zimmer um, aber ihr Koffer war weg, der Badeanzug, den sie in dem winzigen Badezimmer aufgehängt hatte, ebenso, ihre Tasche mit ihrem Pass und ihrem Telefon – alles weg.

„Verdammt noch mal!“ Sie überprüfte das Zimmer neben ihrem, stieß die Tür auf, um Amys und Dereks Sachen im üblichen Chaos im Raum verteilt zu sehen, aber alles war da. Sie versuchte die nächsten zwei Türen, aber auch diese beiden Zimmer waren nicht ausgeraubt.

„Verflixt und zugenäht“, sagte sie und rannte durch den Garten zum Haupthaus. Sie fühlte sich ein bisschen seltsam, als sie in Iakovos’ Haus hineinplatzte, wenn andere dort waren, aber sie wusste, dass er wütend wäre, wenn er erfahren würde, dass jemand sie beraubt hatte.

Zu ihrer Überraschung war niemand im Patio, als sie hindurchging. Es war auch niemand in dem Zimmer mit den Billardtischen. Sie blieb stehen und lauschte aufmerksam, aber kein Laut von Stimmen, Musik oder Gelächter drang an ihr Ohr. Wo zur Hölle waren alle?

„Iakovos?“, fragte sie, als sie in den Flur trat. Ihre Stimme erzeugte ein hohles Echo.

„Verirrt?“

Sie wirbelte herum bei der Stimme des Mannes, wurde aber enttäuscht, denn der große, attraktive Grieche, der am Türrahmen lehnte, war nicht der, den sie suchte. „Nein, ich habe mich nicht verirrt, ich habe nach Iakovos gesucht.“

Theo stieß sich vom Türrahmen ab und kam auf sie zu, mit einem Grinsen auf den Lippen, als er mit einem Glas zu den Stufen deutete. „Er ist wahrscheinlich oben. Du weißt, wo seine Räumlichkeiten sind?“

„Ja.“ Sie beäugte ihn, als er näher kam. Er schien nicht betrunken zu sein, aber irgendetwas sagte ihr, dass er es trotzdem war. „Ich hoffe, du hast nicht vor, ein anderes Mitglied der Band anzugreifen.“

„Ich habe keinen von ihnen angegriffen“, sagte er und hielt vor ihr an. Ihre Nase kräuselte sich bei dem Geruch von Whisky.

Er bemerkte ihr Mienenspiel und schaute flüchtig auf sein Glas, dann wieder zurück zu ihr, immer noch mit demselben Grinsen. „ Willst du einen Drink?“

„Nein danke. Wo sind sie alle?“

„Festland. Es gibt einen Club in der Stadt, den Elena liebt, also sind sie alle dorthin gefahren, um die Nacht durchzutanzen.“ Er kam näher, seine Körpersprache ließ sie sich unwohl fühlen. „Tanzt du gerne, meine Schöne?“

Sie trat einen Schritt zurück. „Manchmal. Es kommt auf die Gesellschaft an. Weißt du zufällig, ob meine Gruppe mit deiner Schwester mitgefahren ist?“

„Ich denke schon. Elena mag es, Leute um sich herum zu haben. Ich, andererseits“ – er ließ einen Finger über die Länge ihres Arms wandern – „verbringe lieber einige Zeit mit einer besonderen Person.“

Das kann er nicht ernst meinen, dachte sie bei sich. Er konnte nicht wirklich glauben, dass sie Interesse an ihm hatte, oder? Nein, das konnte er nicht. Das war der Alkohol, der ihn dazu brachte, sich so zu verhalten. „Und du glaubst, dass ich diese Person bin?“ Sie konnte nicht anders, als sich zu erkundigen und fragte sich, wie weit er gehen würde, bevor sie ihn wieder zurechtstutzen musste.

Seine Augenlider sanken auf Halbmast und gaben ihm einen sinnlichen Schlafzimmerblick. „Ich glaube, das könntest du.“

Es war fast zu einfach. Sie fühlte sich ein bisschen unfair und entschied, dass, anstatt abzuwarten, wie sehr er sich zum Narren machen würde, sie dem Ganzen lieber ein Ende bereiten sollte. „Dann bist du auf der falschen Fährte.“

„Ah.“ Er streckte sich und nahm einen Schluck von seinem Alkohol, dann schenkte er ihr ein weiteres widerliches Grinsen.

„Du bist hinter Jake her. Und wenn ich dir sagen würde, dass ich auch Geld habe, würdest du mich dann so küssen, wie du ihn küsst?“

Für einen Moment schaute sie ihn ungläubig an, dann warf sie ihren Kopf zurück und lachte.

„Du bist betrunken, bereit, mit einer Frau, die mit deinem Bruder schläft, anzubandeln und du glaubst, dass nichts falsch daran ist, einem jungen Mädchen wehzutun. Nein, Theo, es gibt nicht genug Geld auf der Welt, um mich zu überzeugen, dich zu küssen. Ich denke, ich werde deinen Bruder finden und ihn fragen, ob er Hirnshampoo hat, denn, ehrlich, ich will nichts lieber als vergessen, dass ich dir heute Abend begegnet bin.“

„Hexe“, spuckte er und haute das Glas auf den halbmondförmigen Tisch hinter ihm.

„Ich besorge mir einen Besen“, sagte sie und quetschte sich an ihm vorbei zu der Treppe.

Er griff grob nach ihrer Brust und brachte sein Gesicht nah an ihres, ohne Zweifel, um ihr einen Kuss aufzuzwingen.

Harry schlug die Hand von ihrer Brust und haute ihre Handkante auf seinen Kiefer, sodass sein Kopf zurückflog. Er knurrte etwas auf Griechisch, aber sie setzte einen rechten Haken auf seine Nase nach.

„Du musst der dümmste Mann sein, dem ich je begegnet bin“, erklärte sie ihm, als er auf dem Boden zusammenbrach. Blut floss von seiner Nase auf sein weißes Poloshirt. Sie trat über seinen hingestreckten Körper hinweg und fügte hinzu: „Ich hoffe, deine Nase ist gebrochen.“

Sollte sie von diesem Intermezzo Iakovos erzählen?, fragte sie sich, als sie den Weg durch das Haus zum Nordflügel antrat. Sie war der Ansicht, sie sollte, weil Theo eindeutig nah daran war, die Kontrolle zu verlieren. Wenn die Sache mit Cyndi das nicht bewiesen hatte, dann die Tatsache, dass er es völlig in Ordnung fand, ihr nachzustellen. Er war abgebrüht, es bei ihr zu versuchen, wenn er doch wusste, dass sie mit Iakovos schlief.

Sie hielt inne, als ihr ein Gedanke kam – vielleicht wusste er das nicht. Alles, was er gesehen hatte, war, wie sie ihn geküsst hatte, nichts mehr. Vielleicht war Iakovos umsichtig gewesen mit ihrer sich anbahnenden Beziehung, und er wollte nicht, dass die Leute wussten, dass sie zusammen waren.

Sie dachte für einen Moment daran, wie seine Hand von ihrer Hüfte zu ihrem Hintern gewandert war, während sie auf Besichtigung waren und schüttelte den Kopf. Sie glaubte nicht, dass er übermäßig besorgt war, ihren Status geheim zu halten.

Seine Tür tauchte vor ihr auf und sie stand für eine Minute davor und wusste nicht, ob sie einfach hineingehen oder klopfen sollte. „Mach beides, du Idiot“, sagte sie zu sich selbst und klopfte dann leicht an die Tür, um sie dann so weit zu öffnen, dass sie den Kopf hineinstecken konnte. „Iakovos?“ Das Wohnzimmer war verlassen, ebenso wie das kleine Zimmer, das danebenlag, aber die Tür zum Bad war leicht geöffnet und Dampfschwaden quollen hervor. „Jemand zu Hause?“, rief sie laut, bevor sie die Tür öffnete.

Iakovos stand vor dem Spiegel mit einem Handtuch um die Hüften und rasierte sich. „Das ging schnell“, sagte er und schaute sie im Spiegel an. „Alles in Ordnung mit deinen Schützlingen?“

„Ich weiß nicht; sie scheinen mit deiner Schwester unterwegs zu sein. Iakovos-“

Er hob eine Augenbraue und wartete darauf, dass sie fortfuhr. Als sie das nicht tat, rasierte er sich fertig und wischte sich das Gesicht ab, bevor er sich zu ihr umdrehte.

„Dein Bruder …“ Sie erinnerte sich an die frühere Unterhaltung mit ihm. Er war, das wusste sie, ein Mann, der seine Familie schätzte.

„Was ist mit ihm?“

„Er ist betrunken“, sagt sie endlich, nachdem sie zu einer schnellen Entscheidung gekommen war. Theo mochte ein Trunkenbold sein, aber er war nicht dumm. Sie hatte den Schimmer von Intelligenz in seinen Augen in der Nacht zuvor gesehen, im Krankenhaus. Sicherlich hatte er verstanden, dass sie kein Interesse an ihm hatte.

Er zuckte mit den Schultern und ließ einen Kamm durch sein feuchtes Haar gleiten, womit er die seidigen Strähnen aus der Stirn bürstete. „Es war klar, dass er das zum Anlass nehmen würde, wenn Elenas Freunde hier sind. Solange er nur zu Hause betrunken ist und nicht in der Stadt, mache ich mir keine Gedanken.“

„Selbst wenn er eine andere Frau angreift?“, fragte sie, inzwischen abgelenkt von dem Spiel der Muskeln in seinen Armen und seiner Brust.

„Er weiß es besser, als eine von Elenas Freundinnen anzugreifen und ich habe ihm gesagt, dass er aufpassen soll, wenn es um deine Gruppe geht. Du hast dich nicht umgezogen.“

Sie schaute auf ihr Kleid herab und erinnerte sich plötzlich, weshalb sie in erster Linie gekommen war. „Nein, und ich glaube auch nicht, dass ich das tun werde. Es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber entweder hat sich jemand auf deine Insel gestohlen, ohne dass du’s weißt oder einer der Freunde deiner Schwester ist ein Dieb, denn alle meine Sachen sind verschwunden. Meine Klamotten, mein Pass, meine Digitalkamera – alles weg. Ich kann alles bis auf den Pass ersetzen, aber es ärgert mich trotzdem.“

Er schenkte ihr einen seltsamen Blick, nahm dann ihren Arm und zog sie zurück in sein Ankleidezimmer und öffnete eine der Schranktüren. Sie spähte hinein und sah ihre vertrauten Klamotten neben seinen Hosen, Hemden und einer Unmenge von Anzügen hängen. „Das sind meine Sachen.“

„Ich habe deine Sache hierher bringen lassen, während wir in Krokos waren“, sagte er mit einem vielversprechenden Lächeln. „Es schien effizienter, anstatt dass du die ganze Zeit hin und her laufen musst.“

„Effizient schon, aber auch ein bisschen eigenmächtig … Du bekommst acht von zehn Punkten für Stil“, sagte sie und war erleichtert, dass sie keine Zeit damit vertrödeln musste, ihren gestohlenen Pass wiederzufinden.

„Deine Tasche und die anderen Sachen sind im Wohnzimmer“, sagte er, „hast du Hunger?“

„Meinst du essen oder dich?“, fragte sie und knabberte an ihrer Unterlippe, als sie seine schöne nackte Brust und seinen Bauch betrachtete.

„Ich will jetzt mal eingebildet sein und mir denken, dass du mich meinst. Aber ich habe eigentlich an Essen gedacht.“

„Wir haben erst vor ein paar Stunden gegessen“, sagte sie und versuchte, das Feuer einzudämmen, das sie zu verbrennen drohte, einfach nur weil sie neben ihm stand. Verdammt, Harry, schimpfte sie mit sich selbst, wer ist nun der Lumpenseckel? Du kannst nicht einmal eine Unterhaltung mit dem Mann führen, ohne gleich mit ihm ins Bett zu wollen.

Er schenkte ihr ein trockenes Lächeln. „Ich bin ein großer Mann, Liebling, und du bist eine fordernde Frau. Wenn du willst, dass ich weiterhin all die Dinge mit dir anstellen kann, über die du gerade nachdenkst, muss ich regelmäßig essen.“

Sie wurde ein bisschen rot, als ihr Blick von dem Handtuch, das sie nachdenklich beäugt hatte, zu seinem Gesicht huschte. „Ich würde ja sagen, dass es mir leidtut, dich so anzustarren, diese Gedanken zu haben, von denen du weißt, dass ich sie habe, obwohl ich nicht weiß, woher, denn ich habe das perfekte Pokerface, aber wir beide wissen, dass es mir kein bisschen leidtut. Abendessen klingt prima.“

„Man kann viele Dinge über dein Gesicht sagen“, erklärte er und trat einen Schritt näher, sodass er ihr Kinn mit seinen Fingern einfangen konnte und sein Daumen über ihre Wange streichelte, „aber ich glaube, wenn du versuchen würdest, mit mir Poker zu spielen, würdest du furchtbar verlieren.“

„Das klingt nach einer weiteren Wette“, sagte sie und lächelte bei dem Ausdruck in seinen Augen.

Er senkte den Kopf, bis seine Lippen über ihre streichelten. „Eine, die ich gerne annehmen werde, aber ich sollte dich warnen, denn eine der Arten, wie ich mich über Wasser gehalten habe, als ich zur Schule ging, war das Glücksspiel.“

„Pferdewetten?“, fragte sie und war überrascht, denn er schien nicht die Art von Mann zu sein, der so etwas tat.

„Kartenspiel. Poker war meine Spezialität. All diese reichen Jungs kamen mit fettem Taschengeld zur Schule und sie waren einfach auszuräumen für einen armen Jungen aus Griechenland, der nichts zu verlieren hatte.“

„Warst du so gut?“, fragte sie und wollte lachen.

„Besser als gut.“ Der Blick, den er ihr schenkte, sorgte dafür, dass sich ihre Zehen kringelten. „Fast unschlagbar.“

„Oh, ich liebe einen Mann, der frech wird“, sagte sie ihm und verschränkte die Hände hinter ihrem Rücken, damit sie sich nicht auf ihn werfen würde. „Ich habe ja gedacht, dass du deine Lektion gelernt hast, als ich dich heute im Schwimmen so überzeugend geschlagen habe, aber nein, du bettelst geradezu um Bestrafung. Die Wette gilt, Mister Kartenhai.“

„Dann nach dem Essen“, sagte er und das Versprechen in seinen Augen hatte nichts mit Poker zu tun. Er griff um sie herum und zog eine Jeans aus dem Schrank. „Wo würdest du gerne essen? Wir könnten in der Stadt essen oder ich könnte meine Haushälterin etwas für uns zubereiten lassen und könnte es von deinem nackten Körper aus verspeisen.“

Sie starrte ihn für einen Moment an und konnte nicht atmen wegen all der Bilder, die in ihrem Kopf tanzten. Fünf Sekunden brauchte sie, um den Drang zu unterdrücken, ihn einfach anzuspringen und diesen süßen Fleck auf seinem Nacken zu lecken und an seiner Oberlippe zu saugen und ihre Hände durch sein seidiges schwarzes Haar gleiten zu lassen, dann brachte sie es fertig zu schlucken und ohne ein weiteres Wort nahm sie einige Klamotten aus dem Schrank und ging an ihm vorbei ins Badezimmer.

Sie fand die Toilettenartikel, die sie mitgebracht hatte, auf einem Schränkchen im Badezimmer. Sie duschte, wusch sich das Salz aus ihren Haaren und beeilte sich, es zu trocknen. Sie war immer ungeduldig, weil es Äonen zu dauern schien, bis ihre Haare trocken waren. Sie wollte sie gerade hochbinden und damit aus dem Weg haben, als sie sich erinnerte, dass er ihr ins Ohr geraunt hatte, dass er diese wilde Mähne liebte, als er sie auf dem Boot liebte.

„Gerade dann, als ich es abschneiden lassen wollte“, sagte sie und warf es zurück. Sie überprüfte kurz im Spiegel, ob sie präsentabel genug war und zog dann los, um ihn zu finden.

Ein Zettel klebte an der Tür seines Wohnzimmers. „Kümmere mich um das Abendessen. Wir essen hier. Pokerchips sind in der Schublade auf der linken Seite.“

Sie lächelte und sprintete plötzlich zu ihrem Laptop, den jemand auf dem kleinen Schreibtisch aufgestellt hatte. Sie versuchte hektisch, sich an die Pokerregeln zu erinnern, als er den Raum betrat, mit einer Flasche Champagner und zwei Gläsern in einer Hand und einem merkwürdigen Gesichtsausdruck.

„Eglantine“, sagte er und stellte die Gläser ab.

„Yacky“, sagte sie und schloss eilig den Browser.

„Mein Bruder liegt im südlichen Flur, bewusstlos, und anscheinend mit einer gebrochenen Nase. Ich nehme nicht an, dass du irgendetwas darüber weißt?“

Sie setzte eine Unschuldsmiene auf.

„Also, warum glaubst du überhaupt, dass ich etwas damit zu tun haben könnte?“ Sein Gesichtsausdruck wurde grimmig, als er mit dem Daumen über ihre Finger strich.

„Hat er etwas getan, dass du dich verteidigen musstest?“

„Ich habe dir gesagt, er ist betrunken“, sagte sie vorsichtig.

„Was hat er getan?“

Da war eine Frostigkeit in seiner Stimme, die ihr nicht gefiel. Obwohl sie keine Lust hatte, sich irgendwelchen Mist von Theo bieten zu lassen, wollte sie auch keine Feindschaft zwischen den Brüdern. Ein wütender Iakovos würde sich wahrscheinlich weniger darum kümmern, dass sein Bruder Hilfe bekam, als wenn er in einer versöhnlicheren Stimmung war.

„Er schien zum einen zu glauben, dass ich hinter dir her wäre wegen des Geldes.“

Er machte ein abwehrendes Geräusch. „Das bist du nicht.“

„Nein, das bin ich nicht, aber ich nehme an, dass es von seiner Seite her nur logisch erschien. Ist er übrigens eifersüchtig auf dich? Denn du bist der besser Aussehende und Ältere und der attraktivste Milliardär der Welt?“

„Nicht, dass ich wüsste und danke für das Kompliment, dass du denkst, er wäre eifersüchtig auf mich und nicht andersrum. Was hat er getan, um dich zu verärgern?“

„Er hat versucht, mich zu küssen“, sagte sie endlich, denn sie fühlte sich unwohl bei dem Gedanken, ihn anzulügen.

„Ich bringe ihn um.“

Sie ergriff seinen Arm, als er sich umdrehte, die Kiefer aufeinandergepresst, die Augen funkelnd. „Meinst du nicht, dass du ein bisschen überreagierst? Er hatte schließlich keinen Erfolg und ich habe ihn sauber abgefertigt. Glaubst du wirklich, dass seine Nase gebrochen ist? Das habe ich nicht beabsichtigt, aber, ehrlich gesagt, hoffe ich, dass ihm das eine Lektion ist.“

„Sie ist gebrochen. Ich habe sie gerichtet, nachdem ich ihn in seinem Zimmer abgeladen habe.“

Sie starrte ihn für einen Moment an. „Du weißt, wie man eine gebrochene Nase richtet?“

„Ja. Lass mich los, Eglantine.“

„Zum Teufel werde ich das, Yacky. Es ist egal – es ist völlig egal.“

Er sah sie mit Augen an, in denen die Wut brannte, sein Gesicht wunderschön in seiner Wut. „Mein Bruder versucht, meine Geliebte zu küssen und du glaubst, dass es egal ist? Ich weiß ja nicht, mit welcher Art von Mann du zusammen warst, aber griechische Männer nehmen es nicht nett auf, wenn andere ihren Frauen nachstellen und ich bin keine Ausnahme bei dieser Regel.“

„Vielleicht wusste er nicht, dass wir … dass wir …“ Sie gestikulierte zwischen ihnen beiden hin und her.

„Er weiß es“, schnappte Iakovos.

„Was genau sind wir? Ich weiß nicht, wie man das nennen soll. Gehen wir miteinander aus? Sind wir ein Paar? Ein Thema? Bist du offiziell mein Freund, denn wenn du das bist, dann werde ich jede einzelne meiner Freundinnen anrufen und ihnen sagen, dass mein Freund der attraktivste Mann ist, der jemals über diese Erde gewandelt ist. Ich werde ihnen Bilder schicken von dir in deinen Badehosen, damit sie ausführlich leiden, weil sie wissen, dass ich dich lecken und berühren und mit dir schlafen darf und sie nicht.“ Sie holte einen tiefen, zittrigen Atemzug. „Das wird einer der besten Momente in meinem Leben sein!“

„Harry“, sagte er und fuhr sich mit einer Hand durchs Haar, „versuchst du, mich abzulenken, damit ich nicht losziehe und meinen Bruder erwürge?“

„Ja. Klappt es?“

„Ja.“

„Prima.“ Sie schwieg und fügte dann hinzu: „Ich habe das durchaus ernst gemeint mit den Bildern. Würde es dir etwas ausmachen, für mich morgen Modell zu stehen? Und vielleicht könnten wir auch ein paar Schnappschüsse von uns beiden als Paar machen? Denn eine meiner Freundinnen wird mich sicher beschuldigen, dass ich dich stalke, wenn ich keine Bilder von uns beiden zusammen vorweise. Vielleicht eines, auf dem du mich küsst. Und eines, wo ich deine nackte Brust berühre. Oder würde es besser aussehen, wenn ich auf deinem Schoß sitze? Hmmm.“

Er holte tief Luft. Sie würde ihn umbringen. Er wusste das. Und er hatte das akzeptiert. Sie würde nebenbei solche Bomben platzen lassen wie die, dass dieses Schwein von seinem Bruder sie angefasst hatte – und er glaubte nicht für einen Moment, dass Theo einfach nur damit gedroht hatte; wenn Harry sich mit Gewalt verteidigen musste, dann bedeutete das, dass sie sich von der Situation bedroht gefühlt hatte – und dann erwartete sie von ihm, dass er nichts dagegen unternahm.

Also, sie musste etwas über ihn zur Kenntnis nehmen. Niemand berührte sie. Sie war sein Sturm, seine Göttin und er war sich bewusst, dass die Gefühle, die seinen Bauch gerade in Aufruhr versetzten, weit über das normale Maß hinausgingen von dem, was ein Mann fühlte, wenn seine Frau von einem anderen angemacht wurde. Er wusste es in dem Moment, dass er Himmel und Hölle in Bewegung setzen würde, um sie in Sicherheit zu wissen. Sie war seine, so einfach war das, und wenn Theo sie auch nur schief ansehen würde, dann würde er ihn so schnell von der Insel schicken, dass er nicht wusste, wie ihm geschah.

„Iakovos?“

Details

Seiten
0
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783960878247
ISBN (Buch)
9783960878568
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v492928
Schlagworte
Griech-isch-e-n-land Chick Lit Roman roman-tisch-e Komödie Milliard-e-är-in Play-boy Bachelor Jung-geselle

Autor

  • Katie MacAlister (Autor)

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Titel: (K)ein Milliardär für eine Nacht