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Männerlügen maßgeschneidert

von Tim Eckhaus (Autor)

2019 0 Seiten

Leseprobe

Über dieses E-Book

Ein echter Mann darf sich nicht blamieren, schon gar nicht vor einer Frau! Und so kommt es, dass sich die kleine Notlüge des Marketing-Gurus Stefan in ein großes Fettnäpfchen verwandelt. Das alles, nur um vor seiner angebeteten Isabelle nicht als Verlierer dazustehen. Als Stefan unter unglücklichen Umständen im Arbeitsamt auf Isabelle trifft, will er sie auf jeden Fall beeindrucken, deswegen gibt er vor, eine Personalvermittlungsagentur zu leiten. Praktischerweise sucht Isabelle Arbeitskräfte für das Modelabel ihres Vaters und will gleich Stefans Dienste in Anspruch nehmen. Doch anstatt sich über den neuen Auftrag zu freuen, wie Isabelle es erwartet hat, gerät Stefan ins Straucheln. Wird er seine Lüge offenbaren müssen, oder kann er seine Traumfrau doch noch für sich gewinnen?

Impressum

dp Verlag

Erstausgabe September 2019

Copyright © 2019 dp Verlag, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Made in Stuttgart with ♥
Alle Rechte vorbehalten

E-Book-ISBN: 978-3-96087-868-1
Taschenbuch-ISBN: 978-3-96087-883-4

Covergestaltung: ARTC.ore
unter Verwendung von Motiven von
© Sviatlana Barchan/shutterstock.com und © Andrew Buckin/shutterstock.com
Lektorat: Lektorat Reim

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

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dp Verlag

1

Als Stefan Brandner in das glutheiße Licht der Scheinwerfer trat, folgte ihm der Applaus von rund siebenhundert exklusiv geladenen Gästen. Doch kaum hatten seine federnden Schritte die weitläufige Bühne der Festhalle erobert, musste er feststellen, dass ihn die VIPs aus der ersten Reihe mit zu Schlitzen verengten Augen und schmallippigen Mündern empfingen.

Diese körpersprachlich zum Ausdruck gebrachte Abneigung kümmerte Stefan nicht. Wie hatte seine Mutter immer gesagt: Mitleid bekommst du geschenkt, Neid musst du dir erst verdienen. Der Marketingprofi mit dem stadtbekannt knackigen Hintern hatte sich im Laufe seiner steilen Karriere bereits jede Menge Neid verdient. Genug, um den Grand Canyon damit zuzuschütten. Und das war gut so, glaubte er. Doch er sollte sich auf schmerzhafte Weise täuschen.

Die Moderatorin des Abends war eine in Rot gekleidete Blondine mit atemberaubenden Beinen und scharf geschnittenem Gesicht. Sie begrüßte Stefan neben sich auf dem Podium, blätterte in ihren Notizen, nannte ihn einen „Gott“ und zählte seine erfolgreichsten Projekte auf. Die Liste war länger als ein ausgewachsener Python. Niemand habe mit Anfang 30 schon so viel erreicht, sagte sie und fuhr sich durchs Haar. Stefan stand lässig daneben, eine Hand in die Tasche seines teuren JOOP-Sakkos gesteckt, das er wie immer mit zerrissenen Jeans trug. Den Blick aus den blauen Augen hatte er beiläufig auf die gepflegten Fingernägel der anderen Hand gerichtet, während er gedanklich weit weg war.

Der jährliche Werbepreis der Stadt stellte ein Muss-man-dabei-sein-Ding der Branche und reine Selbstvermarktung dar. Eigentlich ging Stefan diese Show ziemlich auf die Nerven. Nicht nur wegen der heißen Spotlights, die einem die Seele aus dem Leib brannten. Auch dieser ganze Szenesumpf, diese aufgetakelten Wichtigtuer, diese Kenner und Insider, die gelangweilt an ihren Champagnergläsern nippten, konnten ihm im Grunde gestohlen bleiben. Aber gut, es gab Schlimmeres – lange genug hatte er sich als Anfänger vergeblich abgemüht, Klinken geputzt, Präsentationen geschmiedet, ohne je wahrgenommen worden zu sein. Warum jetzt nicht den Hochglanz-Wahnsinn und den Hype hier genießen? Ihn für die eigenen Zwecke nutzen?

Während die Moderatorin weiter plapperte, sah Stefan ins Publikum. Dort unten saß Mara. Die junge Grafikerin von Extra:Punkt hatte sich für den Event so richtig herausgeputzt. Sie hatte leider übertrieben: Kirschrote Lippen. Tiefer Ausschnitt. Ein wenig zu einladend. Manchmal wurde ihre Funktion von den männlichen, aber besonders den weiblichen, Mitarbeitern der Agentur in moralisch sehr verwerflicher Weise als „Gra-FICKerin“ ausgesprochen. Stefan fand das nicht in Ordnung, das war nicht sein Stil. Mara warf Stefan, ganz in der Art wie ein Groupie einen Rockstar anhimmelt, ein Küsschen zu. Ihm fiel in diesem Moment wieder plastisch ein, was sie beide letzte Nacht so getrieben hatten. Diese nicht jugendfreien Bilder sollte er aber rasch aus dem Kopf bekommen. Immerhin saßen neben Mara rund um den Tisch auch noch der Chef seiner Agentur Extra:Punkt sowie eine Handvoll verdienter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Was hätten die Kollegen denken sollen, wenn sich jetzt in seiner Hose sichtbar etwas regte? Auf der Bühne, vor allen Leuten! Andererseits: Neid musst du dir erst verdienen.

Stefan fiel auf, dass er nur noch erotisch aufgeladenen Unsinn dachte – stieg ihm die Preisverleihung doch langsam zu Kopf? Oder besser gesagt – in einen tiefer liegenden Körperteil? Bleib cool, sagte er sich, bleib cool. Die Erektionsgefahr legte sich.

„… und somit darf ich den Preis für die beste Kampagne auch dieses Jahr wieder an Stefan Brandner von Extra:Punkt überreichen“, hatte die Blondine eben gesagt.

Stefan war jetzt wieder bei der Sache. Die Trophäe bestand in einer kleinen Marmorstatue, die aus künstlerischer Sicht ziemlich wertlos ein geflügeltes Pferd darstellte, einen Pegasus. Das Tier sah mitgenommen aus. Flog kaum noch. Da hatte er letztes Jahr Geileres erobert: ein goldenes, dreidimensionales Netz, eine künstlerische Interpretation des ganzen Universums. Das war nach seinem Geschmack gewesen. Er griff nach dem alten Gaul. War das eigentlich Hengst oder Stute?

Das Mikrofon musste Stefan erst nach oben richten, damit es seiner Größe entsprach. Als er seine Rede begann, hatte er sich bereits für das Mittel der bewussten Provokation entschieden. Er wollte seinen Ruf, seine Marke als exaltiertes Genie weiter festigen. Dazu war ihm jedes Mittel recht. Denn dieses Image machte einen großen, wenn nicht den wichtigsten, Teil seines Erfolges aus. Die Branche dieser oberflächlichen, hirnrissigen Lackaffen war so leicht durch Bluffs zu blenden, es war unfassbar.

„Also wieder ich“, sagte er und seine Stimme erfüllte den Raum. Voll und tief, souverän, in keiner Weise aufgeregt. Gut so. Er warf seinen Spezialblick ins Publikum. Den hatte er drauf. Dieser Blick, den gefeierte Schauspieler oder Superhelden haben: Ich bin toll und weiß es. Meine Selbstironie: vom Feinsten. Meine Superkräfte: leicht und spielerisch. Bei Frauen kam das überragend an. Männer übten diesen Blick daheim im Spiegel, nachdem sie Stefan begegnet waren.

„Immer zu gewinnen, gehört sich nicht“, sagte er ganz ruhig und machte eine Pause, getränkt mit Selbstbewusstsein. Durch das grelle Gegenlicht der Scheinwerfer konnte er die Gestalten an den hinteren gut 70 Tischen nur schemenhaft wahrnehmen. Doch die gequälten Gesichtsausdrücke in den ersten Reihen zeigten ihm, dass er den beabsichtigten Effekt erzielt hatte.

Also setzte er noch eins drauf: „Andererseits – Shit happens.“

Er betrachtete die Trophäe gespielt nachdenklich, zählte innerlich bis drei. Dann verließ er einfach die Bühne. Ohne ein Danke, ohne abschließende Worte. Zwei Drittel der sorgsam geladenen Gäste dachten synchron: „Was für ein arrogantes kleines Arschloch.“ Das andere Drittel: „Das war mal was.“ Applaus spendeten alle.

Gelassen wie Gandhi steuerte Stefan auf den Tisch zu, an dem seine Kollegen saßen. Das war fast die gesamte Agentur, rund ein Dutzend Leute. Klein, aber fein. Extra:Punkt galt als die edle Boutique unter den Werbeagenturen der Stadt. Der Chef stand auf, um Stefan zu begrüßen.

„Tolle Rede“, sagte Delamonte halb vorwurfsvoll, halb verzeihend. „Etwas zu lang vielleicht.“

Der grauhaarige Sechzigjährige hatte immer etwas für Stefans Art übriggehabt. Er ließ ihm ziemlich viel durchgehen, wohl weil er wusste, dass Stefan in Wahrheit nicht das aufgeblasene Ego-Schwein war, das er eben gemimt hatte. Zumindest nicht ganz …

Die beiden Männer waren auf einer Wellenlänge. In den letzten fünf Jahren hatte es kaum Streit gegeben. Nur einmal, da hatte Stefan bei einem Auslandsaufenthalt – musste er doch seinem Ruf gerecht werden – eine aberwitzige Hotelrechnung produziert, die selbst Delamonte zu wild gewesen war. Bei allem Verständnis und beide Augen zugedrückt – hatte Stefan da etwa in Champagner gebadet? Und mit wem?

„Du warst großartig! Komm, mein Lieber, setz dich doch her zu mir“, sagte die aufgeputzte Mara süßlich und schob Stefan einen Stuhl hin. Bobo, der Webseitenprogrammierer, und der New-Media-Leiter Mike warfen sich vielsagende Blicke zu.

„Ja, setz dich zu uns. Wenn du uns auch in deiner Dankesrede nicht erwähnt hast“, sagte Bobo säuerlich.

„Nicht, dass wir es erwartet hätten“, sagte Mike und verschränkte die Arme.

Stefan zwinkerte Mara zu und setzte sich. Seine beiden Teamkollegen waren in Ordnung. Jedoch im Moment ein wenig verkrampft.

Delamonte rückte näher an Stefan heran. Er schlug einen vertraulichen Ton an. „Stefan, du leistest gute Arbeit.“

Stefan nickte ein Danke. Delamontes Lob war ihm wichtiger als der Preis heute.

„Du musst mir versprechen, dass du weiterhin der beste Art Director der Welt bleibst, auch wenn sich an der Spitze was ändert.“

„Wie meinst du das jetzt?“

„Ich habe beschlossen, mich als Geschäftsführer zurückzuziehen.“

„Was?“ Hammer. Stefans Lässigkeit hatte sich eben verabschiedet. Er schaute in diesem Moment wohl richtig doof aus der Wäsche. Delamonte und er: Sie waren ein Team. Stefan musste das erst mal verdauen. „Und wer wird dein Nachfolger?“

„Frank.“

Stefan starrte hinüber zu Frank Schienle, der ganz am anderen Ende des Tisches saß. Er hasste den derzeitigen Leiter des Rechnungswesens. Er war ein Zahlenfreak. Blass, trocken und humorlos. Schienle tat so, als würde er nicht zuhören, aber Stefan war sicher, dass er Delamonte und ihn ständig beobachtete.

„Schienle? Das kann doch nicht dein Ernst sein.“

„Ist es aber.“

„Warum hast du nicht mich gefragt?“

Delamonte zögerte. Dann beschloss er, ganz ehrlich zu sein.

„Stefan, du bist ein toller Art Director. Keiner ist kreativer. Du verkaufst deine Ideen auch perfekt. Die Kombination ist in unserer Branche so selten wie Schnee im August.“ Delamonte schüttelte den Kopf und seufzte. „Aber deine Kampagnen sind immer so verdammt teuer in der Umsetzung. Da bleibt uns nix über. Und wir haben Investoren, die wollen auch mal Gewinne sehen. Preise einzuheimsen reicht nicht. Wir müssen wirtschaftlicher denken.“

„Und deshalb dieser Sparmeister? Der verwendet doch aus Kostengründen das Klopapier beidseitig.“

Delamonte sah Stefan mit einem väterlichen, aber auch strengen Blick an. „Ich bitte dich, gib ihm eine Chance.“

Delamonte stand auf, schlug die Gabel mehrmals leicht gegen das Weinglas. Das Klingen sorgte am Tisch sofort für Aufmerksamkeit: Eine Rede. Alle Augenpaare waren auf den Chef gerichtet.

„Liebe Mitarbeiter. Die Gerüchte haben ja schon die Runde gemacht. Jetzt kommt die Bestätigung. Ich verabschiede mich in den wohlverdienten Ruhestand.“

Mehrstimmiges, aber nicht überraschtes „Ohhh“ des Bedauerns. Delamonte war beliebt. Stefan erkannte, dass er der Einzige war, der noch nicht vom Wechsel an der Spitze gewusst zu haben schien. Vielleicht hätte er sich doch ein wenig mit dem Klatsch und Tratsch in der Firma beschäftigen sollen. Es war ein Schlag in die Magengrube, dass Delamonte ihn nicht im Vorfeld informiert hatte.

„Nicht traurig sein, es gibt schon einen Nachfolger: Frank, bitte erhebe dich.“

Frank Schienle stand auf. Seine schmalen Lippen zeigten ein gefrorenes Lächeln. Stefan hatte Schienles Augen immer schon unheimlich gefunden, die hatten etwas Stahlhartes. Derselbe Stahl, aus dem auch die präzisen Zahnräder gemacht waren, die in diesem halbkahlen Kopf unentwegt klickten und rechneten.

„Ich sehe der Herausforderung mit Zuversicht entgegen“, sagte Schienle. „Wir haben ein tolles Team und gemeinsam werden wir vieles schaffen.“ Er machte eine Pause und hob einen dürren Zeigefinger. „Wir müssen aber auch aufpassen, rentabel zu bleiben. Die schönste Kampagne nützt nichts, wenn wir mehr dafür ausgeben, als uns der Kunde bezahlt.“ Hatte er mit seinen Stahlaugen eben Stefan einen Moment zu lange fixiert?

Schienle klatschte laut in die Hände, als zerquetsche er eine Fliege, die ihr Budget überzogen hatte. „Ich will euch nichts vormachen. Arbeiten müsst ihr jetzt mindestens genauso viel. Und wir fangen gleich an. Ich habe für morgen einen Pitch organisiert.“

„Morgen schon?“ rief Mike. Auch die anderen, von der Grafikabteilung über das Key Accounting bis hin zur Buchhaltung, sahen sich überrascht an.

Schienle zeigte kein Mitleid mit seinem eben noch hoch gelobten Team. „Der Kunde ist ein großer holländischer Konzern. Die warten auf keinen.“

„Worum soll’s denn gehen?“, fragte Stefan, betont lässig in seinen Stuhl zurückgelehnt. Schienle antwortete nicht gleich. Er musterte Stefan. Es hatte sich viel verändert. Nun war er Stefans Chef. Eine große Erschütterung der Macht. Stefan ließ sich nicht beeindrucken.

„Um Käse“, sagte Schienle schließlich.

„Echt jetzt?“ Stefan sah mit gespielt erstauntem Blick in die Runde. Mara himmelte ihn an. Delamonte wäre es lieber gewesen, wenn sich Stefan zurückgehalten hätte. Das war ihm deutlich anzusehen.

„Ja, Käse. Haben Sie damit ein Problem?“

„Wer könnte mit Käse aus Holland ein Problem haben?“, fragte Stefan und zeigte ein Lächeln mit wunderbaren weißen Zähnen. Schienle sah ihn nicht gerade freundlich an.

Schon eine Stunde später saßen Stefan, Bob, Mike und Mara zum Brainstorming rund um den Küchentisch ihrer WG. Einmal mehr fragte sich Stefan, warum er nicht schon längst eine eigene Wohnung hatte. Es hatte sich so ergeben, dass vor einigen Jahren die Gruppe, die in der Agentur die treibende Kraft darstellte, beschloss, auch privat zusammenzuziehen. So hatte immer ein kreativer Austausch stattfinden können. Zuletzt war der Austausch zwischen Stefan und Mara vor allem ein sexueller gewesen. Aber weiterhin kreativ …

„Also“, sagte Stefan, „Brainstorming, Leute. Schienle will morgen seinen Pitch. Ich muss diese holländischen Managerfiguren aus ihren Holzpantoffeln fegen. Also enttäuscht mich nicht.“

Wenn Bob nicht zu viel kiffte, konnte er hervorragende Webseiten entwerfen und normalerweise sehr lebhaft mitdiskutieren, doch nun starrte er ein Loch in die Tischplatte. Er schien gar keine Lust zu haben, mit Vorschlägen zu kommen. Ebenso der sportliche Mike, der den Bereich der neuen Medien in den letzten Jahren erfolgreich ausgebaut hatte: Funkstille. Die beiden waren wohl noch immer sauer, weil Stefan sie in der Rede nicht erwähnt hatte. Nachtragendes Pack.

Mara lächelte Stefan nur glückselig an. Sie dachte wohl schon wieder an Sex. Er fragte sich, ob diese Frau real war, oder ob er sie sich nur einbildete. Ein ewig lächelndes, lüsternes Trugbild.

„Okay, das bringt gerade echt nichts mit euch. Ich brauche einen Ortswechsel.“ Stefan verließ die Wohnung und wusste bereits genau, an welchen Ort der Inspiration ihn sein Sportwagen bringen würde.

2

Das Casino war zuverlässig der Platz, an dem Stefan seine besten Ideen hatte. Lag es am gedämpften goldenen Licht, an den Blicken der hübschen Frauen oder einfach an der einzigartigen Atmosphäre, die Spannung und Eleganz in sich vereinte? Was auch immer, in Stefan löste das Casino einen elitären Zustand aus. Er atmete diese Luft ein und heraus strömten stets die Ideen, die sich bald darauf in den Zeitschriften und Fernsehspots des Landes als Werbekampagne tausendfach reproduziert fanden.

Stefan spielte nun seine dritte Runde am Pokertisch und seine Gegenüber blufften. Das konnte Stefan an der Art, wie sie ihre Karten ängstlich schützend vor sich hielten, deutlich erkennen. Er selbst hatte sich mit einer undurchdringlichen Mauer umgeben. Dazu musste er nicht mal sein Superheldengesicht aufsetzen. Schon ein ganz normales Pokerface, wie es jeder von uns in Vollnarkose macht, reichte aus, um die sieben anderen Spieler am Tisch unter Kontrolle zu halten.

Der Croupier legte die fünfte und letzte Karte offen auf den Tisch. Stefan sah in seine beiden verdeckten Karten – er konnte immerhin ein Pärchen bilden, zwei rotwangige Könige machten ihre Aufwartung. So wie der bärtige Opa ihm gegenüber jetzt den Einsatz erhöhte, konnte das nur den Zweck haben, Stefan aus dem Spiel zu drängen. Aber nicht mit Stefan. Er war nicht einfach durch ein bisschen Risiko einzuschüchtern. Er war hier, um zu gewinnen. Nicht nur, dass er den Einsatz mitging, er erhöhte noch um 50 Euro. Sein Gegenüber sah ihn prüfend an, ein misstrauisches Blinzeln aus verrunzelten Augen. Der Alte musste lebensmüde sein, den Einsatz mitzugehen und seine Karten auf den Tisch zu legen. Leider hatte er einen Royal Flush. Die höchste Kombination beim Texas Hold’em. Das war übel. Das faltige Gesicht grinste und der Croupier schob ihm die Jetons zu, die auf dem Tisch beachtliche Türme gebildet hatten.

Stefan war sauer. Wenn der andere so viel Glück hatte wie Gustav Gans war das scheiße. Eigentlich hätte das aufgehen müssen. Tat es immer. Oder fast immer. Stefan hasste es, zu verlieren. Der Kerl würde ihn nicht unterkriegen.

In den darauffolgenden fünf Runden spielte er mit erhöhtem Risiko. Er wollte sich zurückholen, was ihm gehörte. Leider ging das gründlich schief. Der alte Sack war mit dem Teufel im Bund, immer war seine Hand besser als die von Stefan. Nachdem Stefan 400 Euro verloren hatte, war auch die Lust auf Poker für diesen Abend dahin.

„Ich werde anderswo gebraucht“, sagte er und verließ den Tisch.

Er streunte durch die Hallen, auf der Suche nach Inspiration. Die Automaten ließ er links liegen. Er fand das unmöglich, sich vor so ein blinkendes, geldverschlingendes Gerät zu setzen und dann wie ein dressierter Affe regelmäßig an einem Hebel zu ziehen. Echter Poker war ihm lieber, da konnte er nur durch seine Präsenz und Ausstrahlung gewinnen. Gut, nicht eben heute.

Ein Plakat weckte seine Aufmerksamkeit. Darauf wurde eine Modeschau in einem der Nebenräume angekündigt: Heine Fashion wollte seine neue Sommerkollektion für Frauen präsentieren. Warum nicht? Ein wenig Ablenkung durch einen schönen Anblick war jetzt genau das Richtige, um das verhauene Pokerspiel abzuschütteln.

Die Schau war bereits in vollem Gange, als Stefan den hohen Raum betrat. Gertenschlanke Traumfiguren bewegten sich dynamisch über den improvisierten Laufsteg. Er bestand aus weißen Stoffbahnen, die man gleich einem samtenen Fluss über den Boden gezogen hatte. Der Schritt der Models war zu cooler Musik getaktet. Neben dem Laufsteg drängten sich dicht an dicht die Zuschauer, faszinierte Augenpaare ließen sich keine Bewegung entgehen.

Gerade als eines der Mädchen am Ende des Laufsteges stehenblieb und kurz verharrte – die Arme in die Hüfte gestemmt, den Kopf hoch erhoben – kam dieser Moment. Der kreative Funke flashte Stefan. Keine Ahnung, woher der immer auftauchte, aber es war ein angenehmes Gefühl, als trinke man heißen Tee in einer Winternacht und werde von innen heraus gewärmt. Jetzt wusste er, was er den Holländern präsentieren würde. Womit er sie begeistern konnte, das stand ganz außer Zweifel.

Stefan genoss den Augenblick, entfernte sich etwas vom Laufsteg und umrundete ihn. Backstage war eine Art Zelt errichtet, darauf groß der elegante Schriftzug Heine Fashion. Stefan war wegen seiner Kampagnenidee in Hochstimmung. Einem Impuls folgend schob er den Kunststoff, der den Zelteingang verschloss, etwas zur Seite und lugte durch den entstandenen Spalt hinein.

Was für ein paradiesischer Anblick! Ein halbes Dutzend Schönheiten in Idealmaßen war mit Umkleiden beschäftigt. Stefan wusste kaum, wohin er vor lauter wallendem Haar, elfengleichen Beinen und makelloser Haut seinen Blick zuerst wenden sollte. Zum blonden Engel im roten Kleid vielleicht? Oder der feurigen Schwarzhaarigen, die gerade den Hosenanzug anlegte?

Wenn die Models auch wunderbar waren, zog sehr bald eine ganz andere Frau Stefans Blick auf sich. Sie war wohl die Leiterin des Events hier, der Dreh- und Angelpunkt. Um sie wirbelte alles herum, sie selbst schien ruhig zu bleiben, das Auge des Sturms. Sie sah toll aus – war vielleicht nicht so groß und langbeinig wie all die Models um sie herum, aber unter ihrem Lockenkopf fand sich ein so fein geschnittenes Gesicht und ein so wunderbares Lächeln, dass Stefan sofort beschloss, diese Frau kennenlernen zu wollen. Gab es das? Dass er sich so für eine Dame interessierte, die er gar nicht kannte?

„Gehen wir auf einen Drink?“, rief Stefan in das Zelt hinein, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Mehrere Models drehten sich zu ihm um, doch es war ihnen schnell klar, wen er meinte. Diejenige, die er nicht mehr aus den Augen ließ. Die so Adressierte hörte auf, dem Model, das als nächstes auf den Laufsteg sollte, das Kleid zu richten und sah sich um. Wer hatte da gesprochen? Schließlich fiel ihr Blick auf den Spalt im Zelteingang, durch den Stefan nun seinen ganzen Kopf gesteckt hatte. Ihre schönen glänzend braunen Augen nahmen einen überraschten Ausdruck an.

„Kennen wir uns?“

„Ja. Aus einem früheren Leben. Wir waren mal ein glückliches Paar und lebten auf einem Schloss.“

Nice try. Die Unbekannte schenkte ihm zumindest ein äußerst sympathisches Lächeln.

„Danke, aber ich habe schon einen Prinzen.“

Stefan ahnte in diesem Moment noch nicht, wie nahe das der Wahrheit war.

„Die verwandeln sich ja doch nur in Frösche.“

Die Unbekannte sah jetzt ein wenig erbost aus. Sie nestelte an einer widerspenstigen Schleife und schickte das Model, das sich wegen Stefans Spruch ein Grinsen verkneifen musste, mit einem Klaps auf den Laufsteg.

„Hören Sie, ich habe jetzt keine Zeit für Ihre Sprüche.“

„Ich gehe aber erst, wenn Sie mir versprechen, nach dieser Show hier was mit mir zu trinken.“

„Ich verspreche Ihnen nur, dass ich jetzt den Sicherheitsdienst rufe, wenn Sie nicht rasch mal anderswo Frauen anquatschen.“

Gut, das war deutlich gewesen. Rückzug war angesagt. Das Eröffnungsgefecht war zu Ende. Stefan machte sein Superman-Gesicht und ließ den Kunststoffvorhang zugleiten, ohne den Blick von der Unbekannten zu nehmen. Natürlich wollte er nicht so rasch aufgeben. Hartnäckigkeit war der Schlüssel zum Erfolg, sowohl im Business als auch bei Frauen. Man durfte einfach nicht zu früh den Schwanz einziehen. Stefan würde diesen Lockenkopf schon noch rumkriegen!

Er gab sich nun der Show hin. Während er wohlig in den Anblick von viel nackter Haut versank, fiel ihm Mara ein. Sie war ein Traum im Bett, keine Stellung war ihr fremd, aber irgendwie hatte sich bei ihm eine gewisse Unzufriedenheit eingestellt. Es war trotz aller Verrenkungen doch immer das Gleiche. Manche Gebiete in ihm konnte sie nicht erreichen. Seelische. Er hätte sie auch niemals als seine Freundin bezeichnet, das war sie nicht. Die Beziehung zu Mara war rein körperlich. Doch kannte er überhaupt andere Beziehungen?

Stefan schüttelte die unangenehmen Gedanken über die Oberflächlichkeit seines Liebeslebens ab. Hin und wieder verfiel er in solch nachdenkliche Stimmungen. Dafür war jedoch heute kein Platz. Stattdessen überlegte er, was er nachher zu dieser tollen Frau aus dem Zelt sagen würde, um doch noch mit ihr ins Gespräch zu kommen. Die heiße Szenerie der Models gab ihm die richtige Anregung: Er hatte mal gehört, dass der Gang einer Frau ihre Orgasmusfähigkeit verriet. Hatte mit der Beweglichkeit des Beckens zu tun oder so. Das war doch eine tolle Geschichte, ideal zum Einstieg: Erotisch, leicht kontrovers – darüber ließ sich bestens flirten. Stefan war so zufrieden mit sich, wie es fast nur Männer schaffen.

Die Show war nun vorbei. Applaus setzte ein. Verschiedene Akteure von Heine Fashion wurden vorgestellt und betraten den Laufsteg, verbeugten sich. Jeder Hand in Hand mit einem Model. Das Publikum feierte besonders die Designer. Am Ende kam die Unbekannte. Sie ging alleine, führte niemanden an der Hand. Stefan fand die Anmoderation seltsam: „Für die Geschäftsführung: Isabelle Heine“, klang es aus dem Lautsprecher. Es hatte nicht geheißen: „Geschäftsführerin“, sondern „für die Geschäftsführung“. Klang nach Vertretung.

Isabelle Heine ging winkend über den Laufsteg. Sie lächelte, aber es schien Stefan, als distanziere sie sich auch von alledem. Als freue sie sich über den Erfolg, hinterfrage ihn aber gleichzeitig. Für einen Moment sah sie beinahe besorgt aus. Ihr Blick traf Stefan.

Mit dieser Sekunde hatte er das Gefühl, die Zeit verlangsame sich. Als ginge Isabelle in Zeitlupe vorbei, eine überirdische Erscheinung, ein schöner Engel, der tief in ihn hineinsehen konnte. Er fühlte sich plötzlich schwach und auf eine bisher unbekannte Art ausgeliefert. Seine Knie wurden weich, als würde er sanft zu Boden gezogen. Auf eine sehr angenehme Art. Dann war der Moment vorbei, aber er hatte Spuren in Stefan hinterlassen.

Wie seltsam war das denn eben, dachte Stefan. Gerade verstand er sich selbst nicht: Er hatte sogar vergessen, Isabelles Orgasmusfähigkeit zu checken, während sie auf dem Laufsteg war. So konnte er Isabelle nur wie hypnotisiert nachsehen, als sie hinter der Bühne verschwand.

Unschlüssig stand Stefan im Strom des Publikums, das nun den Raum verließ. Er kam sich wie ein Roboter vor, der keine Befehle aus der Kommandozentrale erhielt. Was tun? Er sollte sich darauf vorbereiten, Isabelle auf originelle Weise anzusprechen. Isabelle, die ihn eben so berührt hatte.

Aber er wollte nicht.

Niemals hätte er es sich eingestanden, aber es war wohl Angst. Einfach nur ganz banale Angst. Dieser Moment, Isabelles Blick – all das hätte sich vielleicht durch ein weiteres belangloses Gespräch, ein unnötiges Geplappere in Nichts aufgelöst. Dafür war sie zu wertvoll, zu besonders. Es war Stefan neu, so über eine Frau zu denken. Plötzlich schien das überstrapazierte Klischee von „Liebe auf den ersten Blick“ nicht mehr unmöglich. War ihm das eben passiert?

Stefan drehte sich kopfschüttelnd um. Er hatte noch zu arbeiten. Als er den Raum verließ, sah er nicht mehr, wie genau in diesem Moment Isabelle Heine aus dem Backstage-Bereich trat. Sie blickte sich wie beiläufig um, aber da war ein neugieriger Ausdruck in ihrem Gesicht. Als wünsche sie sich, dass jemand Bestimmtes noch da wäre.

Zurück in der WG trommelte Stefan mithilfe eines Kochlöffels und einer Pfanne Mara, Bob und Mike, der schon geschlafen hatte, erneut in der Küche zusammen. Vor ihnen präsentierte er seine Idee. Er hatte eine Flipchart über die Spüle gestellt und zeichnete mit dem Stift ein Tortenstück.

„Wisst ihr, was das ist?“, fragte er in die Runde.

„Eine Torte?“ Mara legte den Kopf schief, um besser denken zu können.

„Käse?“, fragte Bob.

„Bingo.“

„Jawoll!“ Bob machte eine Faust.

„Und wie vermarkten wir den?“, fragte Stefan.

„Wir könnten sagen, dass er nicht besonders stinkt“, meinte Mara.

„Gar nicht schlecht“, sagte Stefan. Auch Mara machte eine Jubelfaust.

„Reicht aber noch nicht“, fuhr Stefan fort. „Was wir brauchen, ist eine Verknüpfung von Luxus und Käse. Passt auf.“

Stefan malte auf der Flipchart herum. Er war ein toller Zeichner, er konnte mit wenigen Strichen gleich einen Eindruck geben, worum es eigentlich ging. Auf dem Weiß des Papiers formte sich rasch ein Bild: Ein Laufsteg, kreisrunde Köpfe von Zuschauern: Eine Modeschau. Nur die Kleider der Models waren ungewöhnlich. Sie schienen nicht aus Stoff zu bestehen, sondern aus kleinen Würfeln.

„Was soll das jetzt sein?“, fragte Bob.

„Das“, sagte Stefan, „ist der Durchbruch. Denn damit bekomme ich den Zusammenhang zwischen Käse und Schönheit hin.“

„Jetzt kapier ich’s“, rief Mara. „Die Kleider sind aus Käse!“

„Und auch die Ohrringe, die Halsketten, die teuren Schuhe, einfach alles.“ Stefan zeichnete weiter – nun entstand ein Roulette-Tisch, an dem coole Typen und attraktive Frauen ihre Einsätze machten. Sie verwendeten aber nicht Jetons, sondern – Käsestücke.

„Käse wird mit Geld und Schmuck gleichgesetzt. Das hebt den Wert. Die Logline: KÄSE WIE AUS GOLD.“ Stefan sah in die Runde. „Wenn wir das hier durchziehen, total Multichannel – in Printanzeigen, Radio, in TV-Spots zur Primetime, eCommunity im Internet – dann sind wir die absoluten Winner. Dann verkaufen die Windmühlenmänner Tonnen von ihrem Premium best-in-class Käse. Was sagt ihr?“

Mara war begeistert, Bob nickte zustimmend. Mike verließ in diesem Moment wortlos das Zimmer. War das Protest? Aber das spielte für Stefan keine Rolle, denn jetzt fühlte er sich gut. Mara kam zu ihm, flüsterte ihm was Geiles ins Ohr und die beiden verließen die Küche, um Maras Schlafzimmer aufzusuchen. Bob blieb alleine zurück und tröstete sich mit einem Bier. Das Bier wusste es nicht und konnte auch nicht sprechen – sonst hätte es vielleicht erzählt, dass Stefan in dieser Nacht äußerst unartig war und beim Sex nicht etwa an Mara dachte, sondern unentwegt an Isabelle Heine. Aber was sollte er machen? Sie ging ihm einfach nicht aus dem Kopf.

3

Irgendetwas stimmte nicht. Als Stefan die Augen aufschlug, war es taghell im Zimmer. Mara lag nackt neben ihm, die schönen, vollen Brüste halb durch das Leinen bedeckt. Er sah aufs Handy. Der Bildschirm schwarz. Mist, er hatte es wohl nicht aufgeladen. Totes Handy = Kein Alarm. Seine Rolex zeigte 10 Uhr 30. Bereits um 9 Uhr hätte die Präsentation in der Agentur stattfinden sollen. Stefan konnte sich nicht erinnern, dass ihm Ähnliches schon einmal passiert wäre: Wie ein Schaf zu pennen, während draußen eine blutige Schlacht geschlagen wurde. Sein erster Impuls war, Mara die Schuld zu geben. Hätte sie ihn die ganze Nacht lang nicht so wiederholt zu besonderen Leistungen angespornt, wäre er am Morgen nicht so müde gewesen wie Flasche leer. Doch die Ausrede war billig. Er hatte das selbst zu verantworten.

Stefan beeilte sich. Er verließ das Schlafzimmer, sprang im Bad unter die Dusche, so viel Zeit musste sein. Er rasierte sich, seine gepflegte Erscheinung war ihm sehr wichtig. Danach eilte er zu seinem Schrank, schlüpfte rasch in das nächstbeste Hemd, Jeans und wählte ein helles Sakko, das er für angemessen hielt. Schlips trug er nie, die hasste er, schnürten ihm die Kehle zu. Dazu ausgelatschte Sneakers. Stefan mochte den Look, es war ein lässiger Business-Style. Auch Steve Jobs hatte bei der Arbeit keinen Anzug getragen.

Nur wenige Minuten später schoss Stefans silberner Porsche Carrera durch die Stadt. Den 10 Zylindern entsprangen 600 Pferde, die ihn alle geifernd vorwärts zogen. Für Stefan war der Wagen immer der schönste gewesen, den sich jemals ein Designer ausgedacht hatte. Er wurde schon seit 10 Jahren nicht mehr produziert. Als Statussymbol war er werbewirksam. Mehr als einmal hatte man ihm für diesen Wagen anerkennend auf die Schulter geklopft. Das ließ ihn vergessen, dass er unvernünftig viel Geld für das Prachtstück ausgegeben hatte.

Stefan parkte direkt vor der Agentur im Halteverbot. Er sprang aus dem Porsche und eilte die Treppen hinauf, der Lift dauerte ihm zu lange.

Oben stürmte Stefan in den Besprechungsraum. Holländische Manager konnte er keine ausmachen. Da waren nur Delamonte, der von ihm abgewandt am Fenster stand, und leider Schienle. Er hatte die Chefposition am Ende des Konferenztisches eingenommen. Der Raum war mit Plakaten geschmückt, die erfolgreiche Werbekampagnen von Extra:Punkt zeigten. Das meiste davon war von Stefan konzipiert worden. Schienle saß zurückgelehnt mit selbstgefällig vor der Brust verschränkten Armen – als wolle er ausdrücken, dass all diese Ideen nun ihm allein gehörten.

„Ah, ist Herr Brandner nun auch gewillt, uns zu beehren?“ Schienle verzog keine Miene, während er das sagte. Vielleicht war er ja ein Computer, der menschliche Gesichtsregungen nur simulierte und dafür im Moment genauso viel Strom über hatte wie Stefans Handy.

Stefan sagte nichts. Ein wenig irritierte es ihn, dass Delamonte immer noch zum Fenster hinausstarrte, ohne sich zu ihm zu drehen.

„Wo sind unsere holländischen – Freunde?“ sagte Stefan.

„Die sind auf dem Weg nach Amsterdam!“, antwortete Schienle wie aus der Pistole geschossen und ungewöhnlich laut.

„Wie – ohne Präsentation?“

„Mit Präsentation.“

Schienle zeigte auf den Monitor hinter ihm. Daran war ein Tablet-Computer angeschlossen. Einer von der neuesten Generation, auf denen man mit einem Stift ganz hervorragend zeichnen konnte. Und das hatte wohl auch jemand getan: Auf dem Bildschirm war eine Szene skizziert, die Stefan bekannt vorkam. Sie war nicht mit derselben Fertigkeit ausgeführt wie seine, aber das war eindeutig dasselbe Bild, das er gestern Abend auf die Flipchart in der Küche gezaubert hatte! Sein Käsestück, seine Premium-Käsekleider, die Käsejetons, einfach alles. Das Ganze war blau umrandet und aus der Bubble führten Pfeile weg, die mit „Multi-Channel“, „Print“, „TV“, „Social Media“, „eCommunity“ und noch ein paar anderen Schlagwörtern versehen waren. Was war hier los?

„Mike hat uns alle überzeugt mit seiner Idee“, sagte Schienle. „Käse wie aus Gold. Ich hoffe, dass Sie inzwischen Ihren Rausch ausgeschlafen haben.“

„Was hat er Ihnen erzählt?“

„Na, dass Sie gestern deutlich einen über den Durst getrunken haben, weil Ihnen nichts eingefallen ist.“

Endlich drehte sich Delamonte zu Stefan, mit verschränkten Armen. Er wirkte unglücklich. „Stefan, wir haben 20 Minuten gewartet. Mit den Holländern. Du bist nicht gekommen. Also habe ich Mike die Chance gegeben, seine Kampagne vorzustellen. Und er hat’s gut gemacht. Käse als Premium-Produkt. Ein super Einfall von ihm! Wir haben den Auftrag. 3 Mille.“

In Stefan formte sich ein Bild. Mike, diese Kröte, dieser Plagiator!

„Seine Kampagne? Das ist wohl ein Witz. Mike ist zu so was gar nicht in der Lage! Das alles hat er von mir! Das habe ich ihm gestern in der WG vorgekaut, heute gibt er es als sein Baby aus!“

Schienle brachte mit einem Kopfschütteln in Delamontes Richtung seine Verachtung gegenüber Stefan zum Ausdruck.

„Es ist unfassbar, dass Sie nun versuchen, Ihr totales Versagen durch Lügen wieder geradezubiegen.“

„Was sagen Sie da?“

Stefan ging auf Schienle zu. Als er direkt vor diesem ekelhaften Schädel stand, auf dem nicht mal mehr die Haare wohnen wollten, sprang Schienle auf. Auch Roboter können sich ärgern. Der Stahl der Augen glühte jetzt.

„Sie sind ein Lügner. Und außerdem über alle Maßen arrogant“, schrie Schienle.

„Ich bin einfach nur sehr gut!“, schrie Stefan zurück.

„Aber es gibt Bessere“, sagte Schienle in einem drohend leisen Ton. „Mike ist besser. Er hat frische Ideen und vor allem – kann er ein Budget einhalten. Er ist mein neuer Art Director. Sie werden zukünftig für ihn arbeiten.“

Stefan sah Schienle ruhig in die Augen. Hinter diesem glühenden Stahl musste wohl auch viel Dummheit stecken. Oder aber abgrundtiefer Hass gegen Stefan, der ihm in jeder Hinsicht überlegen war.

„Das denke ich nicht. Ich kündige.“

Er drehte sich weg und sah Schienles triumphierendes Lächeln nicht mehr. Einmal noch blickte Stefan kurz zurück zu Delamonte, der betroffen wirkte, aber keine Anstalten machte, ihn aufzuhalten. Er kannte Stefan zu gut, es gab jetzt kein Zurück mehr.

Stefan verließ die Agentur Extra:Punkt für immer.

Unten auf der Straße riss er das Strafmandat, das ihm eine dieser völlig unnötigen Parkwächter freundlicherweise auf die Windschutzscheibe geheftet hatte, wütend ab, zerknüllte es und warf es weg. Ebenso geladen drückte Stefan das Gaspedal durch. Der Motor röhrte auf, der silberne Drache war geweckt und raste mit Stefan davon.

Es war keine gute Idee, mit diesem Höllentempo durch die Innenstadt zu hetzen. Aber jetzt wollte er einfach nur so schnell wie möglich weg. Abstand gewinnen zu diesen Vollidioten, die seinem Genie nicht den nötigen Respekt zollten.

Nach einer scharfen Rechtskurve, die Stefan viel zu schnell nahm, geschah es: Wie aus dem Nichts tauchte diese Frau mit Kinderwagen auf. Wie wissen die nur immer, wo sie am meisten stören können? In diesem Fall ging es aber nicht nur darum, dass ihn so ein Kinderwagen an der Supermarktkasse behinderte. Es war schon ein wenig gravierender: Stefan hielt mit gut 80 Sachen auf Mutter und Kind zu. Hier konnten in Kürze zwei neue Engelchen Richtung Himmel schweben. Um das zu verhindern, stieg Stefan voll in die Bremsen. Der Wagen geriet ins Schleudern. Und dann war da blöderweise auch noch dieser Hydrant, der wie eine Rampe wirkte. Stefans Wagen hob ab, flog durch die Luft, drehte sich wie eine Balletttänzerin im Sprung, prallte auf und überschlug sich mehrmals. Stille.

Drei Stunden später stieß Stefan den nackten Mike aus dem Fenster.

Daraus lässt sich schließen (weil dies keine Fantasygeschichte ist), dass Stefan bei dem Überschlag nicht starb. Noch erstaunlicher: Er hatte sich bis auf eine kleine Schramme am Kopf nicht verletzt. Pech beim Poker-Cash, Glück beim Unfall-Crash. Was sich reimt, ist wahr. Übrigens: auch Frau und Kind ging es weiterhin gut. Das Baby erreichte die andere Straßenseite sicher und würde mal einen Job in der Politik bekommen, hurrah!

Weniger gut war es dem Porsche Carrera ergangen. Er war unwiderruflich in wertlosen Schrott transformiert worden. Es war bitter für Stefan, die zerknitterte Kugel Blech zu sehen, die da von einem gelben Einsatzfahrzeug aus seinem Leben gerollt wurde.

Richtig – Mike … Der war definitiv zur falschen Zeit am falschen Ort.

Es war nicht gerade der beste Tag gewesen für Stefan. Als er nun, immer noch leicht benommen, ein Pflaster auf der Stirn, aus dem Taxi stieg, die WG betrat und ihm dort sehr vertraute Geräusche entgegenschlugen, wurde der Tag sogar noch schlimmer.

Die Geräusche stammten von Mara. Genau so stöhnte sie, wenn sie richtig in Fahrt war. In Stefans Ohren, die vom Crash noch summten, schwoll das Ächzen und Keuchen zu unerträglicher Lautstärke an. Er drückte die Tür zur Maras Schlafzimmer auf und fand Mara auf Mike sitzend vor. Und es war ganz genau das, wonach es aussah.

Wut färbte Stefans Verstand tief rot, ein anderes Rot als das von Maras Reizwäsche, die verteilt auf dem Boden lag. Er packte den nackten Mike am … Arm, zog ihn unter Mara hervor und schleppte ihn zum Fenster. Mike schrie.

„Bist du irre? Was hast du vor?“

Es war so eindeutig, dass Stefan keine Erklärung für notwendig erachtete. Stattdessen gab er die Antwort, indem er Mike aus dem Fenster warf. Aus dem vierten Stock.

Mike tauchte auf und prustete Wasser. Daraus ist zu schließen (keine Fantasygeschichte und so), dass Mike nicht starb – wenn auch sein Erregungswinkel bis ins Lächerliche abgenommen hatte. Mikes Überleben lag daran, dass sich unter der WG im Garten ein Pool befand. Zwar war bisher noch niemand aus der WG direkt ins Wasser gesprungen oder geworfen worden – doch für alles gab es ein erstes Mal.

„Du Spinner!“, schrie Mike zu Stefan hoch. „Zieh endlich aus! Dich braucht hier keiner mehr!“

Stefan sah zu Mara hinüber, die sich in die Decke gehüllt hatte. „Na ja, ein wenig problematisch ist halt, dass du schon seit drei Monaten deinen Mietanteil nicht mehr bezahlt hast“, sagte sie. „Das nervt Mike, Bobo und mich, musst du verstehen.“ Sie machte ein unschuldiges Gesicht.

Noch am selben Abend packte Stefan seine Sachen und zog in ein Hotel. Ein exklusives. Eines, das ihn verdient hatte.

4

Dieses fein eingerichtete Hotelzimmer, wenn auch im obersten Stockwerk und somit nahe am Himmel, war die Hölle. Denn nichts lief mehr wie erwartet. Ekeliger Sand war in Stefans Lebensgetriebe geraten.

In der ersten Woche dachte Stefan, das sei nur eine Phase. Es würde ihn einen Anruf kosten und er hätte einen neuen Job. Nur war dem nicht so. Die Kontakte in der Werbebranche, von denen er in der Stadt unzählige hatte, wollten alle entsprechenden Positionen gerade erst vergeben haben. Oder waren mitten in einer Umstrukturierung, na klar. Es war einfach nichts zu machen.

Tag um Tag verstrich. Selbst nach drei Wochen schaffte Stefan es nicht einmal, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden. Etwa beim gefühlt 1000sten Telefonat reichte es ihm. Mangelnde Qualifikation konnte wohl nicht der Grund für die vielen Absagen sein. Er fragte sein telefonisches Gegenüber, was wirklich los war. Eine gute Bekannte von ihm, Frau Wickenburg von der Werbeagentur Wickenburg und Partner, sprach daraufhin endlich Klartext.

„Wissen Sie es echt nicht?“

„Was soll ich wissen?“

Wickenburg räusperte sich. „Na, dass Sie tot sind.“

Stefan musste schlucken. War er vielleicht doch bei dem Crash gestorben und das hier war nur ein schauriger Nachhall seines Lebens? Eine Parodie, eine schlechte Nummer? Eine Fantasygeschichte?

„Ich bin nicht tot.“

„Ich meinte damit: Ihr Ruf ist tot.“

Wickenburg erklärte, dass Mike und Schienle in den letzten Wochen die wildesten Gerüchte über Stefan verbreitet hatten. Er sei ein Blender, ein aufgeblasener Affe, der alle seine Ideen von anderen stehle und nie irgendein Budget einhalte. Und dann sei er auch noch ausgerastet. Mordversuch mit Fenstersturz.

„Sie gelten als jemand, der selbst für einen Werbefachmann zu viel von sich hält – und sind über die Jahre auf so mancher schwarzen Liste gelandet. Die Meute feiert jetzt Ihren tiefen Fall.“

Frau Wickenburg war immer schon sehr direkt gewesen. Und ehrlich. Es war anzunehmen, dass es stimmte. Keiner wollte ihn, weil er als arroganter Arsch galt. Das war ja noch okay, an diesem Image hatte er hart gearbeitet. Dass er allerdings bezichtigt wurde, seine Ideen nur geklaut zu haben, war schlimm. Das machte ihn richtig wütend. Mike war doch der Kreativparasit!

Der Neid, den Stefan sich verdient hatte, wurde nun zu einem tödlichen Bumerang, der seinen Ruf vernichtete. Aber Mitleid wollte er in diesem Moment, mitten im Hotelzimmer auf der obersten Etage, nicht einmal geschenkt.

In dieser Nacht träumte Stefan sehr unruhig. Er wälzte sich von einer Seite des übergroßen Doppelbettes zur anderen.

In seinem Traum war er wieder ein kleiner Junge. Er kam in die Küche gelaufen und wollte seiner Mama ein Gummibärchen schenken. Ganz stolz streckte er es ihr hin. Doch die Mutter schüttelte nur den Kopf.

„Du musst es mir verkaufen“, sagte sie.

„Aber ich geb’s dir einfach so“, sagte der kleine Stefan.

„Nein. Das geht nicht. So will ich es nicht.“

„Aber warum nicht?“

„Weil es nichts wert ist, wenn es keinen Preis hat.“

Stefan betrachtete das Gummibärchen. Es schien ihm wertvoll genug.

„Es ist voll süß.“

„Schon besser.“ Die Mutter nickte, um gleich wieder streng zu werden. „Aber es gibt so viele andere süße Gummibärchen. Was ist denn an deinem besonders?“

Stefan dachte nach. „Es ist mit Honig gemacht. Honig aus Australien. Und die Farbe ist aus Sternenstaub, von einem Kometen, der nur alle hundert Jahre an der Erde vorbeizieht.“

Die Mutter bedachte das. „Erzähl mir mehr.“

Da bewegte sich im Hintergrund auf der Küchenbank eine dunkle Gestalt. Ein dicker, übelriechender Schatten, der Stefan Angst machte.

„Was quatsch’ du schon wieder, ich will pennen!“, lallte der Schatten, um dann zu ergänzen: „Ich komm rüber und scheuer dir eine.“

Die Mutter schluckte, blieb aber hart. „Du musst mir noch sagen, warum dein Gummibärchen so viel kostet.“

Hinten richtete sich der Schatten bedrohlich auf. „Klappe halten!“ Bei diesen Worten wuchs dem Schatten ein Gesicht, die ekelige Fratze eines Säufers.

„Los sag es! Sag es endlich!“, schrie die Mutter den kleinen Stefan an. Es blieb nicht viel Zeit.

Der Säuferschatten hatte sich über die Mutter gebeugt und holte zum Schlag aus. Gerade als die Faust laut den Kopf der Mutter traf, schrie Stefan: „Weil es PREMIUM ist!“

Mit diesem Schrei war er auch zugleich in die reale Welt zurückgestürmt. Er sprang aus dem Bett, schweißgebadet. Da war nichts, außer einem sehr dunklen Hotelzimmer auf der obersten Etage. Stefan atmete schwer.

Benommen machte er Licht, um den Traum abzuschütteln. Aber was er nicht vertreiben konnte, waren seine alten Erinnerungen. Seine grauenhafte Kinder- und Jugendzeit: Mit Sicherheit kein Lebensabschnitt, an den er jetzt, mitten in der Nacht, denken wollte. Seine Eltern? Der Vater, der ein tyrannisches Regime errichtet hatte? Die Mutter, die alles ertrug und ihre ganze Hoffnung in ihren einzigen Sohn Stefan gesetzt hatte? Er musste sich mit etwas ablenken, das sich besser anfühlte als eine Wurzelbehandlung.

Das war nicht leicht: Hätte er ein Tagebuch geschrieben, hätte sich dieses wohl vor Verzweiflung selbst die letzten Seiten rausgerissen. In den vergangenen Wochen hatte es doch nur Arschkarten geregnet. Stefan hatte erlebt, wie seine Hochglanzwelt in irrem Tempo aus dem Gleis gesprungen war und jetzt mühsam versuchte, wieder auf Schiene zu kommen.

Stefan bemerkte in diesem Moment, dass ihm Mara, seit sie auf Mike herumgeturnt hatte, nicht mehr in den Sinn gekommen war. Die war erstaunlich einfach aus der Erinnerung ausradiert worden – ein paar Tage lang hatte sein Körper noch Maras straffen Rundungen nachgejammert. Aber das hatte sich gelegt. Nun war sie bloß noch ein Spiel, das im Keller verstaut eine Staubschicht ansetzte.

Wirklich schön war nur eine funkelnde Erinnerung. Der Blick von Isabelle Heine. Sie sah ihn vom Laufsteg an. Dieser gefrorene Moment Perfektion hatte sich in ihm niedergelassen, um für immer bewundert zu werden.

Stefan fragte sich, ob er Isabelle jemals wieder begegnen würde. Es wäre wohl nicht schwer gewesen, sie zu kontaktieren, ihr Name war ihm bekannt. Vermutlich stand sie nicht im Online-Telefonbuch, aber mit ein wenig sabberndem Stalkertum im Umfeld von Heine Fashion wäre er ihr wohl wieder „zufällig“ über den Weg gelaufen. Vielleicht konnte er sie ja auch googeln und irgendeine kleine Unachtsamkeit – ein Impressum, eine Domainanmeldung, eine offene Facebook-Präsenz, was auch immer – würde ihm die Daten von Isabelle verraten.

Stefan fühlte sich mies. Seit wann lief er einer Frau nach? Das war neu, sonst musste er das weibliche Geschlecht eher abwehren, damit es ihn nicht zu zahlreich belagerte. Und vielleicht war es im Augenblick sogar gut, dass er ihr nicht begegnete. In seinem Zustand war er so brauchbar für sie wie ein Fahrrad für einen Fisch.

Isabelle. Er legte sich wieder ins Bett, umarmte ein Kissen, löschte das Licht.

Isabelle. Sie würde dafür sorgen, dass er diesmal angenehm träumte. Sie würde ihn beruhigen und in den Schlaf kuscheln.

Isabelle.

5

Das Hotelzimmer war sauteuer und hatte Stefans letzte Reserven mit großem Maul gefressen. Es entsprach seinen gehobenen Ansprüchen, war aber nun definitiv nicht mehr bezahlbar. Der herbe Verlust seines geliebten Carrera hatte auch die Auslöschung seines gesamten Vermögens bedeutet. Denn Stefan hatte einfach alles, was ihm nach den Eskapaden in Casinos, Reisen und einem in vollen Zügen genossenen Leben geblieben war, in den Kauf dieses Autos gesteckt. Es ruhe in Frieden. Sonst war da einfach gar nichts und das Konto färbte sich wie die Blätter im Herbst bereits rot. Der große Fuß, auf dem er lebte, bekam schmerzhafte Blasen …

Er musste hier ausziehen. Aber wohin? Da kam es ihm gerade recht, als Rocky bei ihm anrief.

Rocky hieß eigentlich Ronald, doch seit der Schulzeit nannte ihn niemand mehr so. Mitschüler hatten ihn auf dem Pausenhof immer wieder mal verhauen und weil der zarte Junge sich absolut nicht wehrte, bekam er – wie sarkastisch – den Spitznamen der Boxerlegende. Stefan war mit Rocky in dieselbe Klasse gegangen. Vielleicht hätte er Rocky von allen Menschen, die er kannte, am ehesten als Freund bezeichnet. Gerade in Zeiten, in denen es schlecht läuft, erkennt man, wie wenig Freunde man hat. Die beiden hatten sich auch später immer wieder mal getroffen und waren einen heben gegangen. Wobei immer nur Stefan die Frauen abgeschleppt hatte.

Stefan traf Rocky bald nach dem Anruf in dessen Wohnung, die in einem Künstlerviertel der Stadt lag. Rocky selbst war ein erfolgreicher Zuckerbäcker und somit auch ein wenig Künstler. Zudem ein ausgesprochener Sunnyboy.

„Ich soll also hier auf deine Bude aufpassen“, sagte Stefan und betrat den hellen Altbau. Die beiden umarmten sich kurz und männlich.

„Ja, wäre nett, wenn du jeden zweiten Tag mal vorbeischaust, die Pflanzen bei Bedarf gießt und vor allem auch Theo genug zu essen gibst.“ Rocky deutete hinüber zu einem großen Käfig, aus dem heraus ein Papagei Stefan misstrauisch anlugte.

„Klar, kein Problem. Wie lange wirst du weg sein?“

„Knapp zwei Wochen.“

„Wo geht’s hin?“

„Australien.“

Rocky war ein Australienfan. Er hatte schon drei, vier ausgedehnte Reisen am anderen Ende des Planeten hinter sich. Ihn reizte der Kontrast von endloser Landschaft und dichten Städten. Und der australische Honig, ideal zum Süßen von Backwaren, gehörte zu den besten der Welt.

„Komm, ich zeig dir noch, wo du Wasser holen kannst.“ Rocky ging voran. Stefan wollte ihm folgen, doch Rocky stoppte ihn mit einer tadelnden Geste. „Bitte unbedingt die Schuhe ausziehen. Ich hab’s gerne sauber.“

Stefan legte seine Sneakers ab, dann führte Rocky ihn herum. Alles neu restauriert und in perfektem Zustand. Hier wohnte ein Putzfanatiker, das war gleich zu sehen. Rocky hatte die Wohnung erst kürzlich erworben und war unglaublich stolz darauf.

„Und pass auf, dass du nichts auf den Boden tropfst, das kann Flecken machen.“ Rocky zeigte Stefan eine kleine Gießkanne, die er am Hahn der Badewanne füllte. „Und wie läuft’s so in der Arbeit? Wieder ein paar Preise eingeheimst? Dich sieht man öfter mal in der Zeitung und immer hast du einen anderen Pott in der Hand.“ Rocky lachte.

„Im Job geht’s ausgezeichnet.“ Auch Stefan lachte. „Die sind wie immer von meiner Arbeit begeistert.“

„Ja? Worum geht’s denn gerade?“

„Um Dosenscheiße.“

Rocky stellte die Gießkanne ab. „Was?“

„Ja, der Kunde will Kuhscheiße in Dosen verkaufen. Als Dünger. Für die Balkonpflanzen. Voll biologisch. Urbanes Lebensgefühl. Ich habe eine Kampagne entwickelt, bei der die Dose ein MUUH macht, wenn sie geöffnet wird.“

„Und der Geruch?“

„Riecht nicht schlimmer als Käse.“

Rocky sah Stefan an. Irgendwie wirkte Stefan zynisch. Nicht ganz locker. Jetzt bemerkte er auch leichte Augenringe, die ihm zuvor nicht aufgefallen waren. Er war nicht sicher, ob es seinem sonst so selbstbewussten Freund wirklich gut ging. Aber er wusste auch, dass es sinnlos war, irgendetwas von Stefan hören zu wollen, das nicht seine 100-Prozent-Fitness und Genialität unterstrich. Das ließ er einfach nicht zu.

„Okay“, sagte Rocky. „Hier bitte gießen.“ Er führte Stefan zu mehreren Topfpflanzen, die in ganz ausgezeichnetem Zustand waren, und wässerte sie mit Hingabe.

„Und Theo braucht das hier.“ Rocky hielt Stefan eine Packung Papageienfutter hin. Premium Prestige, hochwertiges Samenfutter, hieß es da in bunten Lettern. Wie ironisch, dachte Stefan, auch hier: premium. Wie sein Käse. Er sah einen Marketingguru im Papageienland sitzen, der zwei Jahre unter einem Palmenbaum meditiert hatte und dann plötzlich die Augen weit aufriss und schrie: „Premium muss es sein!“

„Theo ist ziemlich verwöhnt“, sagte Rocky, als sie sich dem Käfig des Graupapageis näherten. Theo legte den Kopf auf eine gerissene Weise schief und starrte Stefan mit kalten Augen direkt ins Gesicht. Jetzt wusste Stefan mit einem Male, woran ihn dieses Tier erinnerte. Seine fahle Erscheinung, seine kalte Ausstrahlung. Das war Schienle! Als Papagei wiedergeboren.

„Er kann doch nicht sprechen, oder?“, fragte Stefan besorgt.

Rocky ahnte den Hintergrund dieser Frage in mehrfacher Hinsicht nicht. Ein wenig störte es ihn jedoch, dass Stefan offensichtlich nicht wollte, dass sein Vogel sprechen konnte. Lieber wäre es ihm gewesen, Stefan hätte seinem geliebten Theo zugetraut, das eine oder andere Goethe-Gedicht aufzusagen.

„Theo ist sehr intelligent, musst du wissen. Vielleicht hat er deshalb noch nie gesprochen. Es wird schon zu viel geredet auf dieser Welt.“ Sein Blick sagte so viel wie: ganz besonders in der Werbebranche. Stefan musterte Theo und wusste, dass er mit diesem Vogel noch seine Probleme haben würde.

Rocky machte Stefan noch mit dem Rest der Wohnung vertraut. Nur an einer Tür ging er auffallend schnell vorbei.

„Was ist da drin?“, fragte Stefan und drückte die Klinke hinunter. Es war abgeschlossen.

„Nichts, was dich zu interessieren hat“, sagte Rocky, fast etwas harsch.

Stefan zuckte die Schultern und nickte. Jeder hatte wohl so seine verschlossenen Türen.

Draußen auf der Straße verabschiedete sich Rocky herzlich von Stefan. Der Wohnungsschlüssel wechselte den Besitzer. In zwei Stunden würde Rockys Maschine abheben und Down Under anfliegen. Er hatte einen Rucksack umgeschnallt und einen großen Trolley mit dabei.

„Mach’s gut“, sagte Stefan.

„Auf jeden Fall“, sagte Rocky.

Er wandte sich ab, drehte sich aber gleich nochmal mit ernster Miene um.

„Und bitte pass auf, wenn du vorbeischaust, dass es zu keiner Verschmutzung der Wohnung kommt. Besonders, wenn du die Blumen gießt und den Vogel fütterst.“

„Versprochen.“ Mit einem Grinsen hob Stefan die Hand zum Schwur. „Ich ziehe auch jedes Mal die Schuhe aus. Und darunter trage ich frische Socken.“

Rocky lächelte. Das beruhigte ihn.

Was Stefan Rocky nicht gesagt hatte: dass er schon am gleichen Nachmittag mit all seinen Habseligkeiten – unter Theos protestierenden Blicken – dauerhaft bei Rocky einziehen würde. Hausbesetzung.

6

Auf Isabelles Seidenkissen fielen Flecken von Sonnenlicht. Ganz anders als Stefan in diesen Tagen träumte sie wunderbar. Sie warf sich noch einmal auf die Seite und als sie die Augen öffnete, lag da ein wunderschöner Mann, muskulös, etwas längeres blondes Haar: Es war Heinrich von Frey, ihr Verlobter.

„Na, meine Liebe, wie ist das werte Befinden heute Morgen?“, fragte Heinrich. Isabelle mochte Heinrichs Stimme, sie hatte dieses aristokratische Timbre. Dass er aus adeligen Verhältnissen stammte, färbte seine Art zu sprechen in edle Eleganz.

„Sehr gut, stell dir vor, ich habe geträumt, dass auf der ganzen Welt Friede herrscht.“ Das klang wie eine Verarsche, aber Isabelle träumte wirklich manchmal so unrealistische und zugleich herzerwärmende Utopien.

„Ich hingegen habe von unserer Hochzeit geträumt“, sagte Heinrich.

„Wirklich?“ Isabelle lächelte.

Heinrich legte den Arm um ihre Schulter. „Bedauerlich, dass ich noch drei Monate ertragen muss, bevor du mein bist.“

Isabelle gab Heinrich einen Kuss. „Du bist süß.“

Heinrich sah an die hohe Decke des Raumes, als wäre da oben ein Bild einer wundervollen Zukunft projiziert. „Und die Hochzeitsreise nach Sumatra, Fünfsternehotel.“

„Du findest immer die schönsten Plätze der Welt“, sagte Isabelle.

„Für dich.“ Zärtlich sah Heinrich Isabelle in die Augen, doch plötzlich wurde sie ernst.

„Ich muss los. Papa will mit mir frühstücken und was Geschäftliches besprechen. Wer weiß, vielleicht entlässt er mich.“

„Was für eine Skurrilität!“, rief Heinrich aus. „Welcher Vater wirft schon seinen Spross hinaus?“

„Moment. Er behält mich, weil ich gut bin, nicht weil ich seine Tochter bin!“

„Dein Vater hat Heine Fashion fast aus dem Nichts aufgebaut. Grandiose Leistung, denn er hatte dabei nicht die Geldmittel, über die beispielsweise meine Familie verfügt. Aber bei dir ist er nicht nur Geschäftsmann. Selbstredend erfährst du eine Sonderbehandlung.“

Energisch schlug Isabelle die Bettdecke zur Seite und setzte sich auf. „Du glaubst auch, dass ich nichts kann?“

„Das waren nicht meine Worte. Behalte bitte die Contenance.“

„Ich muss gehen.“

Isabelle sprang aus dem antiken, wunderbar gedrechselten Eichenbett, ihr elegantes Nachtkleid umhüllte einen perfekten Körper.

„Musst du denn wirklich schon von dannen ziehen?“, fragte Heinrich.

Isabelle hatte jetzt schlechte Laune. „Kannst du nicht wenigstens manchmal ganz normal reden – so wie jeder andere Mensch auch? Ich meine – von dannen ziehen. Das sagt man seit 400 Jahren nicht mehr.“

„Unser Stammbaum rankt sich schon seit 600 Jahren durch die Geschichte, daran muss ich die Dame wohl nicht erinnern.“

Isabelle sah Heinrich an. Sie wusste, dass es da nichts zu diskutieren gab. Sie würde ihm nicht wirklich klarmachen können, was sie meinte. Aber was machte das schon aus. Heinrich hatte so unendlich viele andere gute Seiten.

„Okay, stimmt. Jeder sollte das Recht haben, so zu sprechen wie er will. Und wenn das verschnörkelte Märchenbuchkonstruktionen beinhaltet: So sei es.“

„So sei es.“ Heinrich lächelte.

Der Chauffeur brachte Isabelle vom riesigen Anwesen der Freys, in der Heinrich nach dem Tod seiner Eltern als Alleinerbe lebte, zur ebenfalls sehr stattlichen Villa der Familie Heine. Durch das große Tor der Gartenanlage fuhr die schwarze Limousine über Kies bis hin zum Eingang, der über ein halbes Dutzend Marmorstufen zu erreichen war.

Isabelles Eltern saßen bereits am reichlich gedeckten Frühstückstisch auf einer der Terrassen. Riccarda begrüßte ihre Tochter mit einer Umarmung. Gregor Heine nickte Isabelle kurz zu. Die Haushälterin schenkte ihm Kaffee aus einer echt silbernen Kanne nach.

„Isabelle!“, rief Riccarda. „Wir haben mit dem Frühstück schon begonnen. Warst du bei Heinrich, meinem Traumschwiegersohn?“

Isabelle setzte sich, die Haushälterin servierte auch ihr Essen.

„Ja, war ich“, sagte Isabelle.

„Wie läuft es mit der Herbstkollektion?“, fragte Gregor.

„Jetzt lass sie doch erst mal ankommen“, tadelte Riccarda. Sie schenkte ihrer Tochter etwas Tee ein.

„Übrigens: Unser Abgabetermin ist bereits in drei Wochen“, sagte Gregor.

Warum trägt er eigentlich schon beim Frühstück Anzug und Schlips?, fragte sich Isabelle einmal mehr.

„Vorgestern noch hast du mir gesagt, dass ich 5 Wochen Zeit habe“, sagte sie ruhig und nahm etwas Zucker in den Tee.

„Das hat sich geändert. Ist es zu schaffen?“

Isabelle schüttelte den Kopf. „Kann ich mir nicht vorstellen. Die Kollektion ist noch nicht so weit.“

„Braucht ihr mehr Leute?“

Isabelle dachte nach. „Wenn den Designern das Zuschneiden und Nähen nicht nur teilweise, sondern ganz abgenommen wird, ginge es vielleicht. Würde halt etwas kosten.“ Isabelle sagte das mit provokantem Unterton. Sie hatte schon öfter mit ihrem Vater ums Geld gestritten. Eigentlich war ihr Erzeuger ein Geizkragen, der es locker mit Dagobert Duck aufnahm. Vermutlich war sein Ziel im Leben genauso ein Speicher, in dem er in Goldmünzen baden konnte.

„Also Zuschneider und Näher“, sagte Gregor und schnitt sein Brötchen in zwei Teile. „Wie viele?“

„Je mehr, desto besser.“

Gregor sah auf. Er ärgerte sich über so viel betriebswirtschaftlichen Unverstand. Riccarda wurde nervös. Gewitterwolken zogen auf.

„Noch Tee, meine Liebe?“, fragte sie sanft, aber Isabelle ignorierte sie.

„Na gut. Einen Schneider, eine Näherin“, präzisierte Isabelle.

„Ich werde das für dich regeln“, sagte Gregor rasch.

„Nein“, sagte Isabelle ebenso rasch.

Gregor und Riccarda warfen sich einen erstaunten Blick zu.

„Ich kümmere mich selbst darum.“

Gregor betrachtete seine Tochter forschend. Bisher hatte Isabelle nicht viel Engagement bei Dingen gezeigt, die nicht direkt mit den Entwürfen der Kleider zu tun hatten.

„Wenn du meinst. Seit wann interessieren dich Personalfragen?“

„Ich bin Abteilungsleiterin. Und auserkorene Vertreterin der Geschäftsführung. Vergessen?“ Das hatte sie wieder mit diesem provokanten Ton von sich gegeben.

Ein spöttisches Grinsen von Gregor. „Was hast du jetzt vor? Du hast ja keine Ahnung vom Personalwesen.“

Isabelle ärgerte sich für einen Moment, hatte sich aber gleich wieder im Griff. „Ich werde zur Agentur für Arbeit gehen, dort die Anfrage nach zwei Textilkräften abgeben und auch gleich die Förderprämie für Betriebe beantragen. Du siehst, ich kenne mich aus.“

„Das hat ja auch niemand bezweifelt“, versuchte Riccarda, die Situation zu beruhigen.

Vater und Tochter blieben in einem prüfenden Blick verhakt.

„Na, dann lasse ich mich mal überraschen“, sagte Gregor Heine und bestrich sein Brötchen mit australischem Honig.

7

Eingenistet in der Wohnung eines anderen, ohne dessen Wissen, wie ein Parasit. Stefan war nicht gerade stolz darauf. Aber er brauchte Luft, um wieder handlungsfähig zu werden.

Wie sollte es weitergehen? Er hatte seine Designeruhr verkauft, um die Rechnung des Hotels bezahlen zu können. Nun stand er, abgesehen von einem Handy, völlig ohne jeden Besitz da, ein seltsames Gefühl. Es war vom Verkauf seiner schicken Uhr nur sehr wenig übergeblieben, die Zeit drängte, er musste wieder zu Geld kommen. Also machte er einen Schritt, den er bis vor kurzem, als er sich selbst noch auf dem Olymp der Marketing-Götter wähnte, niemals in Erwägung gezogen hätte: Er ging aufs Arbeitsamt.

Dort herrschte großes Gedränge. Arbeitssuchende aller Altersklassen, Nationalitäten und sogenannten „sozialen Schichten“. Vom arbeitslosen Akademiker bis zum Hilfsarbeiter.

Stefan ging wie jeder andere auch zu einem der Ticket-Automaten und zog eine Nummer. Er sah hoch zur Anzeigetafel, verglich die Zahl auf seinem Ticket – es gab noch 20 Personen, die vor ihm warteten.

Er nahm auf einem der gelben Plastikstühle Platz und wurde fast sofort ungeduldig. Stefan wollte das hier so schnell wie möglich hinter sich bringen. Ruhig zu sitzen fiel ihm schwer. Die Zeit verging nicht. Er faltete ein Origami aus seinem Ticket. Einen kleinen Vogel. Er hatte nichts Besseres zu tun, als das Kunstwerk der stumpf dreinblickenden Frau rechts neben ihm zu zeigen.

„Na, wie finden Sie den?“

„Is’ mir scheißegal. Ich hab andere Sorgen, Mann.“ Sie sah müde aus und Stefan bemerkte eine Narbe über ihrem Auge. Ihre Nummer wurde angezeigt. Sie stand auf und schlurfte durch eine der Türen.

Stefan wandte sich dem etwa 50-jährigen, leicht dicklichen Mann links zu, betrachtete seine verschlissene blaue Arbeitsmontur. Der Mann bemerkte es.

„Was gibt’s, ha?“, fragte er und zog die buschigen Augenbrauen hoch. Er hatte etwas vom Klempner Super-Mario. Der Zahnstocher in seinem Mund kreiste unentwegt.

„Nichts. Ich frage mich nur, warum Sie hier im Arbeitskittel sitzen, wo das doch ein Arbeitsamt ist, Sie also vermutlich keine Arbeit haben.“

Der Mann sah Stefan forschend an, grinste kurz, wurde wieder ernst. „Wie heißt du?“

„Stefan Brandner.“

Der Mann zögerte, schien sich etwas durch den Kopf gehen zu lassen. Der Zahnstocher kreiste weiter. Der Mann streckte Stefan die Hand hin.

„Max Teschek.“

Stefan schüttelte die Hand. Max beugte sich in verschwörerischer Manier zu Stefan. Ein cleveres Blitzen hatte sich in seinen Augen breit gemacht. Irgendwie gefiel Stefan das, es war eine Art kreativer Energie.

„Warum die Arbeitskluft? Viele Leute vom Bau, so wie ich als Fassaden-Schlosser, arbeiten, ohne zu arbeiten, verstehst du.“

„Inoffiziell. Schwarz.“ Stefan zeigte, dass er verstanden hatte.

„Psssst!“ Max sah sich um und warf Stefan einen missbilligenden Blick zu. Stefan machte eine entschuldigende Geste.

„Und du?“

Er wollte antworten. Doch da sah er jemanden in den Warteraum kommen und er verstummte. Es war Isabelle Heine! Sie blickte sich mit einem Stirnrunzeln um, das Gedränge behagte ihr nicht.

Details

Seiten
0
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783960878681
ISBN (Buch)
9783960878834
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v497338
Schlagworte
Humor-voll-e Lieb-e-s-geschicht-e-n witz-ig-e-r Kom-isch-ödie-n lust-ig-e-r roman-e lüg-e-n mode-n

Autor

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    Tim Eckhaus (Autor)

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Titel: Männerlügen maßgeschneidert