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Königliche Verschwörung

von Rhys Bowen (Autor) Sarah Schemske (Übersetzung)

2019 0 Seiten

Leseprobe

Über dieses E-Book

London, 1932: Lady Victoria Georgiana Charlotte Eugenie, kurz Lady Georgie, wird von Scotland Yard in ihre Heimat Schottland geschickt. Auf dem Weg zu ihrem Familiensitz Castle Rannoch erhält sie einen streng geheimen Auftrag: Jemand aus den höchsten Adelskreisen hat es auf den Kronprinzen abgesehen und als Tochter des Dukes liegt es nun an Georgie, unbemerkt Nachforschungen anzustellen.
Zuhause angekommen, gestaltet sich diese Aufgabe jedoch leider schwieriger als gedacht, denn die unausstehliche Wallis Simpson weilt auf dem Anwesen und scheint dem Kronprinzen den Kopf verdreht zu haben – ganz zum Missfallen der Königin. Nun muss Georgie nicht nur einen Verschwörer in den eigenen Reihen suchen, sondern auch einen Weg finden, um die schrecklichen Amerikaner wieder loszuwerden. Und dann taucht noch dazu Darcy auf, der irgendwie in die Sache verwickelt zu sein scheint …

Impressum

dp Verlag

Deutsche Erstausgabe Oktober 2019

Copyright © 2020 dp Verlag, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Made in Stuttgart with ♥
Alle Rechte vorbehalten

E-Book-ISBN: 978-3-96087-813-1
Hörbuch-ISBN: 9783968172590

Copyright © Juli 2009 by Janet Quin-Harkin. Alle Rechte vorbehalten.
Titel des englischen Originals: Royal Flush

Published by Arrangement with Janet Quin-Harkin.
c/o JANE ROTROSEN AGENCY LLC, 318 East 51st Street, NEW YORK, NY 10022 USA.

Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30161 Hannover.

Übersetzt von: Sarah Schemske
Covergestaltung: Buchgewand
unter Verwendung von Motiven von
depositphotos.com: © brebca
stock.adobe.com: © Raftel, © Vectorpocket, © Sam Strickler, © Nataliia K, © LouieLea, © Aul Zitzke und © Veronika
Korrektorat: Dorothee Scheuch

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

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Dieses Buch ist Merion Webster Sauer und ihrem Sohn Lee gewidmet, die vorübergehend in den Adelsstand erhoben wurden.

Mein Dank geht wie immer an John und Jane für ihre wunderbaren Einschätzungen und Verbesserungen und an Jackie Cantor und Meg Ruley, weil sie mein Schriftstellerleben so einfach, angenehm und lustig machen.

Kapitel 1

Rannoch House

Belgrave Square, London W.1.

12. August 1932

Meiner Meinung nach gab es auf der ganzen Welt keinen ungemütlicheren Ort als London während einer Hitzewelle. Wahrscheinlich sollte ich eines klarstellen: Ich gebe zu, dass ich noch nie mit Conrad den Kongo hinauf ins Herz der Finsternis gereist bin. Und ich habe noch nie die Sahara auf einem Kamel durchquert. Aber wenigstens waren die Leute, die sich in diese Gegenden wagten, darauf vorbereitet, dass es ungemütlich werden würde. In London wurde es selten auch nur annähernd warm, sodass wir davon immer völlig überrascht wurden. Dann ähnelte die U-Bahn dem berüchtigten Schwarzen Loch von Kalkutta: Man war mit dem Gesicht nur wenige Zoll von den ungewaschenen Achselhöhlen der Leute entfernt, die sich an den Haltegriffen festhielten. Der Gestank war überwältigend.

Ihr fragt euch vielleicht, ob Mitglieder der Königsfamilie häufig die U-Bahn nehmen. Die Antwort lautet natürlich nein. Meine Verwandten König George und Königin Mary, die alles immer sehr ernst nehmen, haben nur eine vage Vorstellung davon, was eine U-Bahn ist. Natürlich bin ich nur die Vierunddreißigste in der Thronfolge und wahrscheinlich das einzige Mitglied meiner Familie, das in diesem Augenblick mittellos ist und versucht, sich allein und ohne Bedienstete in London durchzuschlagen. Also lasst mich meine Wenigkeit vorstellen, bevor wir fortfahren. Mein ganzer Name lautet Lady Victoria Georgiana Charlotte Eugenie von Glen Garry und Rannoch. Meine Großmutter war die unattraktivste von Königin Victorias vielen Töchtern, wenn man nach den frühen Fotografien geht, die ich von ihr gesehen habe. Aber schaut nicht fast jeder auf diesen alten Bildern griesgrämig drein? Jedenfalls erhielt sie keine Anträge von Kaisern oder Königen, also wurde sie mit einem schottischen Duke verheiratet und verbrachte ihre Tage im abgelegensten Winkel Schottlands auf Castle Rannoch, bis sie an zu viel frischer Luft und Langeweile starb.

Inzwischen ist mein Bruder Binky der neue Duke. Er ist auch mehr oder weniger mittellos, da unser Vater den letzten Rest unseres Familienvermögens im großen Börsencrash von ’29 verlor, bevor er sich im Moor die Kugel gab und Binky mit horrenden Erbschaftssteuern zurückließ. Wenigstens hat Binky das Anwesen mitsamt dem Bauernhof bekommen und kann nach Tradition des Landadels jagen, fischen und schießen, also nagt er nicht gerade am Hungertuch. Ich hingegen habe in letzter Zeit von Baked Beans, Toast und Tee gelebt. Mir wurde nichts beigebracht außer passablem Französisch und der Fähigkeit, ein Buch auf dem Kopf zu balancieren, und ich weiß, wo man einen Bischof am Dinnertisch platziert. Das reicht kaum aus, um einen potenziellen Arbeitgeber zu überzeugen, selbst wenn es in meinen Kreisen nicht verpönt wäre, einer gewöhnlichen Tätigkeit nachzugehen. Ich habe es einmal versucht – an der Kosmetiktheke bei Harrods. Ich habe ganze vier Stunden durchgehalten.

Und natürlich steckt England mitten in einer Wirtschaftskrise. Man muss sich nur eine beliebige Straßenecke ansehen, an der diese tragischen Gestalten stehen und Schilder hochhalten, auf denen steht nehme jede Arbeit an, um zu wissen, dass die meisten Menschen finstere Zeiten durchmachen. Nicht so der Großteil meiner gesellschaftlichen Schicht. Für die meisten von ihnen geht das Leben unverändert weiter, mit Jachtausflügen auf dem Mittelmeer und ausschweifenden Partys. Sie wissen vermutlich nicht einmal, wie schlecht es um das Land bestellt ist.

Jetzt wisst ihr also, warum kein Bentley und kein Chauffeur vor Rannoch House stehen, dem Stadthaus meiner Familie am Londoner Belgrave Square, und warum ich mir nur selten ein Taxi leisten kann. Ich versuche aber normalerweise die U-Bahn zu vermeiden. Für ein Mädchen vom Lande wie mich ist es beängstigend, in dieses dunkle Loch hinabzusteigen – und erst recht, seit ich beinahe von einem Mann, der mich umbringen wollte, vor einen Zug gestoßen worden wäre.

Aber heute hatte ich keine Wahl. In Central London war es so unerträglich stickig, dass ich beschlossen hatte, meinen Großvater zu besuchen, der in den Ausläufern von London in Essex lebt, und deswegen musste ich die District Line nehmen. Oh, und ich schätze, ich sollte klarstellen, dass ich nicht meinen Großvater, den schottischen Duke meine, dessen Geist der Legende nach noch immer auf den Schlossmauern unseres Familiensitzes Castle Rannoch im schottischen Perthshire Dudelsack spielt. Ich spreche von meinem bürgerlichen Großvater, der außerhalb von London in einem bescheidenen Reihenhaus mit Gartenzwergen im Vorgarten lebt. Ihr müsst wissen, dass meine Mutter die Tochter eines Londoner Polizisten ist und Schauspielerin war. Sie ist außerdem berüchtigt dafür, es nie lange an einem Ort auszuhalten. Sie verließ meinen Vater, als ich erst zwei Jahre alt war, und hangelte sich von einem argentinischen Polospieler über einen Rennfahrer aus Monte Carlo bis zu einem texanischen Ölmillionär. Ihre Romanzen gingen wirklich um die ganze Welt, wohingegen ihre Tochter noch nie eine Romanze hatte.

Nachdem sie sich aus dem Staub gemacht hatte, wuchs ich auf Castle Rannoch auf. Ich wurde während meiner Jugend gut von der mütterlichen Seite meiner Familie abgeschirmt, also habe ich meinen Großvater erst vor kurzem kennengelernt und um ehrlich zu sein habe ich ihn sofort ins Herz geschlossen. Er ist die einzige Person auf der ganzen Welt, bei der ich ich selbst sein kann. Es fühlt sich so an, als hätte ich endlich eine richtige Familie!

Zu meiner großen Enttäuschung war mein Großvater nicht zu Hause. Auch die Witwe von nebenan, mit der ihn eine enge Freundschaft verband, war nicht da. Wenn Großvater ein Telefon besäße, hätte ich mir die Reise sparen können. Aber im tiefsten Essex hatte man noch keine Ahnung von Kommunikation über das Telefon. Ich stand in Großvaters Vorgarten, die Gartenzwerge starrten mich missbilligend an und ich hatte keine Ahnung, was ich als nächstes tun sollte, als ein älterer Mann mit einem betagten Hund an der Leine vorbeiging. Er sah mich an, dann schüttelte er den Kopf.

„Er is’ nich’ da, Schätzchen. Er is’ fort.“

„Fort? Wohin?“, fragte ich alarmiert, während mir Bilder von Krankenhäusern oder Schlimmerem im Kopf herumspukten. Um Großvaters Gesundheit war es in letzter Zeit nicht allzu rosig bestellt gewesen.

„Clacton runter.“

Ich hatte weder eine Ahnung, was ein Clacton war, noch, wie man ihn herunterkam. „Clacton runter?“, wiederholte ich hoffnungsvoll.

Er nickte. „Jep. Ausflug des Arbeiterclubs. Im Kremser. Die nebenan ist mitgekommen.“ Und er zwinkerte mir vielsagend zu. Ich seufzte erleichtert. Ein Ausflug in einer Kutsche. Wahrscheinlich zur Küste. Also hatte selbst mein Großvater es geschafft, der Hitze zu entkommen. Mir blieb nichts anderes übrig, als den Zug zurück in die Stadt zu nehmen. Alle meine Freunde hatten London verlassen, um ihre Landsitze, ihre Jachten oder das Festland aufzusuchen. Und hier war ich, in einem Abteil voller schwitzender Leiber, überhitzt und zunehmend verzweifelt.

„Was mache ich hier?“, fragte ich mich. Ich besaß keine besonderen Fähigkeiten, keine Aussicht auf eine Anstellung und keine Ahnung, was ich nun tun sollte. Niemand mit Vernunft und Geld verbrachte den August in London. Und was Darcy anging, den wilden Sohn eines irischen Adligen, den ich für meinen Freund hielt … Ich hatte nichts von ihm gehört, seit er wieder einmal verschwunden war, angeblich, um sich zu Hause in Irland von seiner Schussverletzung zu erholen. Das mochte stimmen oder auch nicht. Bei Darcy konnte man nie wissen.

Natürlich könnte ich nach Schottland heimkehren, sagte ich mir, während die Luft in der U-Bahn drückend heiß wurde. Die Erinnerung an den kalten Wind, der über den Loch fegte, und die ebenso kalten Luftzüge in den Korridoren von Castle Rannoch führte mich in Versuchung, während ich die Rolltreppe der U-Bahn-Station St. James’ hinauffuhr und vergeblich versuchte, die Schweißperlen, die mir übers Gesicht liefen, wegzutupfen. Und ja, ich weiß, dass Ladys niemals schwitzen, aber irgendetwas lief mir in Strömen übers Gesicht.

Ich war kurz davor, nach Hause zum Belgrave Square zu eilen, meinen Koffer zu packen und den nächsten Zug nach Edinburgh zu nehmen, als ich mir wieder ins Gedächtnis rief, warum ich überhaupt erst mein Zuhause verlassen hatte. Die Antwort lautete Fig, meine Schwägerin und die gegenwärtige Duchess – geizig, voreingenommen und einfach unausstehlich. Fig hatte unmissverständlich klargemacht, dass ich eine Belastung für sie war und auf Castle Rannoch nicht länger willkommen war und dass sie nicht wollte, dass ich ihnen das Essen wegaß. Wenn ich also die Wahl hatte, entweder die Hitze und Einsamkeit in London oder Fig zu ertragen, gewann die Hitze.

Nur noch zwei Wochen, sagte ich mir, als ich durch den Hyde Park nach Hause ging. In zwei Wochen war ich in Schottland eingeladen, nicht auf meinem Familiensitz, sondern auf Balmoral. Der König und die Königin waren bereits auf ihrem schottischen Schloss, nur wenige Meilen von unserem entfernt, rechtzeitig zum „ruhmreichen Zwölften“, der den Beginn der Jagdsaison markiert. Dort würden sie bleiben und einen Monat lang Jagd auf alles machen, was Fell oder Federn besaß. Sie erwarteten, dass ihre zahlreichen Verwandten anreisten und zumindest eine Weile blieben. Die meisten versuchten, sich dem zu entziehen: Sie fanden die Dudelsackklänge im Morgengrauen, den Wind, der durch den Kamin jaulte, die Highland-Tänze und die Schottentapete unerträglich. Ich war das alles gewohnt. Es war genau wie auf Castle Rannoch.

Die Aussicht auf die gute, frische Luft der Highlands in nicht allzu ferner Zukunft munterte mich auf und ich ging vorsichtig an den Körpern im Green Park vorbei. Es sah aus wie nach einer besonders üblen Schlacht – überall lagen halbnackte Leiber. Tatsächlich waren es Londoner Büroangestellte, die das Wetter ausnutzten und sich mit entblößten Oberkörpern sonnten. Ein erschreckender Anblick – ihre Haut war weiß-rot gestreift, je nachdem, welche Teile der Sonne ausgesetzt gewesen waren. Ich hatte den Park zur Hälfte durchquert, als sich die Leiber zu bewegen begannen. Ich bemerkte, dass die Sonne verschwunden war und genau in dem Moment, als ich aufsah, erklang ein unheilverkündendes Donnergrollen.

Schnell verdunkelte sich der Himmel, als Gewitterwolken aufzogen. Die Sonnenanbeter zogen eilig ihre Hemden an und suchten Schutz. Ich begann ebenfalls mich zu beeilen. Allerdings nicht schnell genug. Ohne Warnung öffnete der Himmel seine Schleusen und es schüttete in Strömen. Mädchen liefen schreiend in den Schutz der Bäume, was wahrscheinlich unklug war, da das Donnergrollen näherkam. Ich war bereits bis auf die Haut durchnässt und es waren nur wenige Minuten bis nach Hause. Also rannte ich los und als ich die Stufen zum Rannoch House hinauftaumelte, klebte mein Haar an meinem Gesicht und mein Sommerkleid schmiegte sich unzüchtig an meinen Körper.

Meine Stimmung, die bereits gedrückt gewesen war, hatte nun ihren Tiefpunkt erreicht. Was würde noch alles schiefgehen? Ich war voller Hoffnung und Aufregung nach London gekommen und nichts lief wie geplant. Dann erhaschte ich einen Blick auf mein Spiegelbild in dem großen Spiegel im Flur und fuhr entsetzt zurück. „Schau dich nur an!“, rief ich laut. „Du siehst aus wie eine nasse Katze. Wenn dich jetzt die Königin sehen könnte.“ Dann fing ich an zu lachen. Ich lachte den ganzen Weg nach oben ins Badezimmer, wo ich ein langes Bad nahm. Als ich mich abgetrocknet hatte, fühlte ich mich wieder ziemlich normal. Und ich würde nicht noch einen tristen Abend allein im Rannoch House verbringen, wo mir nur das Radio Gesellschaft leistete. Irgendjemand außer mir musste in London sein. Und natürlich kam mir sofort Belinda in den Sinn. Sie gehörte zu den Menschen, die nie lang an einem Ort blieben. Als ich sie zuletzt gesehen hatte, war sie auf dem Sprung zu einer Villa in Italien gewesen, aber es bestand eine geringe Chance, dass sie der Italiener überdrüssig geworden und zurückgekommen war.

Ich suchte das am wenigsten zerknitterte meiner Sommerkleider heraus (ich habe schon seit einer Weile kein Dienstmädchen mehr, das meine Kleider bügelt, und selbst wenig Ahnung vom Bügeln), versteckte mein nasses Haar unter einem sittsamen Glockenhut und machte mich auf den Weg zu Belindas umgebautem Cottage, das früher zu den Stallungen eines Herrenhauses gehört hatte und sich im nahegelegenen Knightsbridge befand. Anders als ich hatte Belinda eine Erbschaft erhalten, als sie einundzwanzig geworden war. Damit konnte sie sich ein niedliches kleines Cottage kaufen und ein Dienstmädchen einstellen. Außerdem lagen ihre Lebenshaltungskosten nahezu bei Null, wenn man bedachte, wie viel Zeit sie in den Häusern anderer Leute verbrachte, von den Betten anderer Leute ganz zu schweigen.

Das Gewitter war vorübergezogen und hatte die Abendluft ein wenig abgekühlt, aber es war noch immer schwül. Ich suchte mir einen Weg an den Pfützen vorbei und ging den Taxis aus dem Weg, die durch das Wasser in den Straßen pflügten. Ich stand am Eingang der ehemaligen Stallungen, als ich ein lautes, donnerndes Geräusch hinter mir vernahm. Ich nahm wahr, dass eine geschmeidige dunkle Silhouette auf mich zuraste und hatte gerade genug Zeit, mich zur Seite zu werfen, als ein Motorrad vorbeischoss. Es fuhr durch die riesige Pfütze, die sich am Eingang gesammelt hatte, und spritzte mich von oben bis unten mit schlammigem Wasser voll.

„Was soll das!“ Ich versuchte, mit meinem Rufen das Dröhnen des Motors zu übertönen, als das Motorrad ohne langsamer zu werden die Auffahrt entlangfuhr. Ich rannte kochend vor Wut hinterher und nahm mir nicht die Zeit, um darüber nachzudenken, ob die Motorradfahrer vielleicht Bankräuber oder Einbrecher auf der Flucht vor der Polizei waren. Das Motorrad kam auf halber Strecke die Auffahrt entlang schlitternd zum Stehen und zwei Männer in Lederjacken, Lederhelmen und Schutzbrillen schickten sich an abzusteigen.

„Was zum Teufel glaubt ihr, was ihr tut?“, rief ich forsch, während ich mich ihnen näherte. Meine Wut machte mich noch immer blind für die Tatsache, dass ich allein in einer Seitenstraße mit zwei eindeutig asozialen Gestalten war. „Schaut euch nur an, was ihr getan habt. Ich bin ganz durchnässt.“

„Ja, du scheinst eine Spur nass geworden zu sein“, sagte der erste Fahrer und brach zu meinem großen Ärger in Gelächter aus.

„Das ist nicht komisch!“, fuhr ich ihn an. „Du hast ein gutes Kleid ruiniert, und was meinen Hut angeht …“

Die Person, die auf dem Sozius gesessen hatte, stieg ab und schnallte ihren Helm auf. „Natürlich ist es nicht komisch, Paolo.“ Die Stimme war weiblich. Sie zog ihren Helm und ihre Schutzbrille mit einer schwungvollen Bewegung ab und schüttelte ihr glattes, dunkles Haar, das zu einem Bubikopf geschnitten war.

„Belinda!“, rief ich aus.

Kapitel 2

Belinda Warburton-Stokes Cottage

Knightsbridge, London W.1.

12. August 1932

Belindas Augen weiteten sich, als sie mich erkannte. „Georgie! Oh, du meine Güte, du armes Ding. Schau dich nur an. Paolo, du hast meine beste Freundin beinahe ertränkt.“

Der andere Motorradfahrer hatte nun seinerseits den Helm abgesetzt und stellte sich als absolut atemberaubender Mann von lateinamerikanischem Aussehen heraus. Er hatte blitzende dunkle Augen und volles glänzendschwarzes Haar. „Tut mir wirklich leid“, sagte er. „Ich habe dich im Schatten nicht gesehen, musst du wissen. Und wir sind ziemlich schnell gefahren.“ Er sprach mit einem ausgeprägten Akzent, der irgendwann mit einer englischen Schulbildung in Berührung gekommen war.

„Paolo liebt alles, was rasant ist“, sagte Belinda und sah ihn bewundernd an. Mir ging durch den Kopf, dass sie diesem Kriterium wahrscheinlich entsprach. Rasant und ungehemmt, das passte genau auf Belinda.

„Wir kommen gerade von Brooklands“, fuhr sie fort. „Paolo hat sich im Rennfahren geübt. Und er besitzt auch ein Flugzeug. Er hat mir versprochen, mich mitzunehmen.“

„Du solltest mich vorstellen, Belinda“, sagte Paolo, „und dann musst du deine Freundin hereinbitten, ihr einen Drink geben, um ihre Nerven zu beruhigen, und sie ein wenig saubermachen.“

„Natürlich, Liebling“, sagte Belinda. „Georgie, das ist Paolo.“

Paolo richtete seine dunklen, eindrucksvollen Augen auf mich. „Georgie? Ist das nicht ein Jungenname?“

„Es ist die Kurzform von Georgiana“, sagte ich.

„Oh, nun gut, ich schätze, ich sollte euch besser formell bekanntmachen“, sagte Belinda. „Darf ich Graf Paolo di Marola e Martini vorstellen. Paolo, das ist meine beste Freundin, Lady Georgiana von Glen Garry und Rannoch.“

Paolo richtete seinen umwerfenden Blick wieder auf mich. „Du bist Binkys Schwester?“, fragte er.

„Die bin ich. Woher kennst du Binky?“

„Wir sind ein grauenvolles Jahr lang gemeinsam zur Schule gegangen“, sagte Paolo. „Mein Vater wollte aus mir einen zivilisierten englischen Gentleman machen. Er hatte keinen Erfolg. Ich habe es gehasst. Diese ganzen kalten Bäder und handgreiflichen Rugbyspiele. Zum Glück hat man mich gebeten, die Schule zu verlassen, weil ich den Dienstmädchen in den Hintern gekniffen habe.“

„Ja, das klingt ganz nach dir“, sagte Belinda. Sie öffnete ihre Eingangstür und bedeutete uns, hineinzugehen. „Florrie“, rief sie. „Du musst sofort ein Bad einlassen.“ Sie drehte sich um und begutachtete mich. „Ich würde dich bitten, dich zu setzen, aber ehrlich gesagt, würdest du mein Sofa ruinieren. Aber du kannst ihr einen Drink mischen, Paolo. Einen richtig starken.“

„Ich fürchte, ich muss wieder los, cara mia“, sagte Paolo. „Ich werde euch zwei Mädchen alleinlassen, damit ihr tratschen könnt. Aber heute Abend gehen wir tanzen, ? Oder ich nehme dich mit ins Crockford’s für ein bisschen Glücksspiel und dann in einen Nachtclub, wenn du magst.“

„Ich würde liebend gern zusagen“, sagte Belinda, „aber leider bin ich heute Abend beschäftigt.“

„Unsinn“, sagte Paolo. „Wer auch immer es ist, ruf die Person an und sag, deine verloren geglaubte Cousine ist gerade in der Stadt oder deine Schwester hat ein Kind zur Welt gebracht oder du hast die Masern bekommen.“

„Ich muss zugeben, dass es sehr verlockend klingt“, sagte Belinda. „Aber ich kann jetzt wirklich keinen Rückzieher machen. Der Arme wäre am Boden zerstört.“

„Ein anderer Mann?“, wollte Paolo mit blitzenden Augen wissen.

„Lass dir deswegen keine grauen Haare wachsen“, sagte Belinda.

„Graue Haare? Was haben meine Haare damit zu tun?“

Belinda kicherte. „Es ist eine Redensart, Liebling. Es bedeutet, dass du dich nicht unnötig aufregen sollst.“

„Diese englischen Ausdrücke sind so albern“, sagte Paolo. „Warum sollte ich mich nicht aufregen, wenn du ein Rendezvous mit einem anderen Mann hast?“

„Mach dich nicht lächerlich. Natürlich habe ich kein Rendezvous mit einem anderen Mann“, sagte Belinda. „Ich tue meinem Bruder einen Gefallen und treffe einen alten Amerikaner, der eines seiner Rennpferde kaufen will.“

„Und das könntest du nicht für mich absagen?“ Paolo kam ihr gefährlich nahe und ließ seine Fingerspitzen über ihre Wange gleiten. Ich konnte sehen, wie ihr Widerstand bröckelte.

„Nein, ich kann meinen Bruder nicht im Stich lassen“, sagte Belinda.

„Ich bin am Boden zerstört“, stöhnte Paolo. „Mein Herz ist gebrochen. Soll ich etwa glauben, dass du mich gar nicht liebst?“

Ich fragte mich, warum Männer so etwas nie zu mir sagten.

„Weißt du was, mir kommt gerade ein genialer Einfall.“ Belinda wirbelte herum, um mich anzusehen. „Georgie könnte anstelle von mir hingehen, nicht wahr, Schätzchen?“

„Oh ja“, sagte ich bitter. „Ich bin ganz bestimmt dafür angezogen, amerikanische Besucher zu unterhalten.“

„Es ist erst um acht Uhr dreißig, Schätzchen“, sagte Belinda, „und du kannst hier baden und dich an meinem Kleiderschrank bedienen. Mein Dienstmädchen wird dir beim Anziehen helfen, nicht wahr, Florrie?“ Sie drehte sich zu dem Dienstmädchen um, das am Fuß der Treppe wartete.

Niemand wartete darauf, dass es antwortete.

„Wunderbar“, sagte Paolo und klatschte in die Hände. „Dann wünsche ich euch Ladys arrivederci und werde dich um neun Uhr abholen, cara mia.“

„Nicht mit dem Motorrad, Paolo“, sagte Belinda. „Ich weigere mich, in meinen Ausgehklamotten auf dem Sozius zu hocken.“

„Motten? Du willst Motten mitnehmen?“

„Klamotten, Liebling. Ein anderes Wort für Kleider.“

„Englisch ist so eine alberne Sprache“, wiederholte Paolo. Er verbeugte sich vor mir. „Arrivederci. Auf bald, Lady Georgiana.“ Dann war er weg.

„Belinda“, sagte ich, als sie sich mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht zu mir umdrehte. „Du hast Nerven. Worüber soll ich mich mit diesem Gast aus Amerika unterhalten? Ich kenne mich kaum mit Rennpferden aus und er wird dich erwarten.“

„Sei nicht albern, Schätzchen.“ Belinda legte mir beruhigend eine Hand auf den Arm und führte mich in Richtung der Treppe. „Er ist eigentlich nicht hier, um Rennpferde zu kaufen. Er macht in Öl oder so. Ich habe ihn letzte Nacht im Crockford’s getroffen und aus einer Laune heraus zugestimmt, mit ihm zum Dinner zu gehen, weil das arme Lämmchen geschäftlich in der Stadt ist und es hasst, allein zu dinieren. Aber das konnte ich Paolo natürlich nicht erzählen. Er ist rasend eifersüchtig.“

„Also habe ich jetzt einen fremden Amerikaner am Hals, der enttäuscht sein wird, dass ich nicht du bin und vermutlich mehr als nur ein Dinner erwartet.“

„Natürlich nicht.“ Wir hatten das Badezimmer erreicht, aus dem Dampfschwaden drangen. „Er ist aus dem mittleren Westen und das einzige, was wahrscheinlich passieren wird, ist, dass du dich zu Tode langweilen wirst. Er wird schwer beeindruckt sein, wenn er erfährt, dass er mit der Cousine des Königs speist. Und du bekommst ein herrliches Dinner und guten Wein. Ich tue dir in Wahrheit einen Gefallen.“

Ich lachte. „Belinda, wann hast du jemals jemandem einen Gefallen getan? Du bist eine der besten Manipulatorinnen der Welt.“

„Vermutlich hast du recht.“ Sie seufzte. „Aber wirst du es für mich tun?“ Sie zerrte mich fast die letzten Stufen hoch.

Ich seufzte. „Ich schätze schon. Was habe ich zu verlieren?“

„Ich weiß nicht, was hast du zu verlieren?“ Sie sah mich fragend an. Ich errötete. „Sag mir nicht, dass du es noch nicht getan hast! Georgiana, du bringst mich zur Verzweiflung. Das letzte Mal, als ich dich und Darcy gesehen habe, habt ihr einen sehr vertrauten Eindruck gemacht.“

„Das letzte Mal, als ich ihn gesehen habe, dachte ich ebenfalls, dass wir sehr vertraut wären“, sagte ich, während sich eine dunkle Wolke der Verzweiflung über mir zusammenbraute. „Aber da lag er noch im Krankenhaus, erinnerst du dich? Er war geschwächt und erholte sich von einer Schusswunde. Sobald er aus dem Krankenhaus kam, fuhr er nach Hause nach Irland und seitdem habe ich nichts von ihm gesehen. Nicht einmal eine Postkarte.“

„Ich glaube nicht, dass er der Typ fürs Postkartenschreiben ist“, sagte Belinda. „Mach dir keine Sorgen, er taucht wieder auf, Unkraut vergeht nicht, wie das Sprichwort besagt. Darcy ist ein ebensolcher Opportunist wie ich. Er hat wahrscheinlich jemanden gefunden, der ihn auf eine Jacht an der französischen Riviera eingeladen hat.“

Ich kaute an meiner Lippe, eine schlechte Gewohnheit, die mir meine Gouvernante, Miss MacAlister, auszutreiben versucht hatte. Es war ihr nie ganz gelungen. „Das Problem ist, dass ich bald oben in Schottland sein muss. Das bedeutet, dass ich ihn den ganzen Sommer lang nicht sehen werde.“

„Du hättest bei der ersten Gelegenheit mit ihm ins Bett springen sollen“, sagte Belinda. „Männer wie Darcy warten nicht ewig.“

„Ich weiß“, sagte ich. „Es ist die Erziehung von Castle Rannoch. All die Vorfahren, die sich ehrenhaft verhalten haben. Ich muss immer an Robert Bruce Rannoch denken, der sich in der Schlacht bei Culloden behauptete und allein kämpfte, bis er in Stücke gehackt wurde.“

„Ich sehe nicht, was das mit dem Verlust deiner Jungfräulichkeit zu tun hat, Schätzchen.“

„Pflichtgefühl, schätze ich. Eine Rannoch scheut nie vor ihrer Pflicht zurück.“

„Und du denkst, es ist deine Pflicht, entweder als Jungfrau in die Ehe zu gehen oder zu sterben, nicht wahr?“

„Eigentlich nicht“, sagte ich. „Ehrlich gesagt klingt es ziemlich albern, wenn du es so sagst. Ich hatte nur dieses Bild von meiner Mutter im Kopf, die ihr ganzes Leben lang von einem Bett ins nächste hüpft, und ich wollte nicht so enden.“

„Aber denk an all den Spaß, den sie dabei hatte. Und diese wunderschönen Kleider, die sie dadurch angehäuft hat.“

„So bin ich nicht“, sagte ich. „Ich fürchte, ich schlage nach meiner Urgroßmutter, Königin Victoria. Ich will den Mann finden, den ich lieben und heiraten kann. Und die Kleider sind mir ziemlich egal.“

„Das sehe ich.“ Belinda beäugte mich kritisch. Sie drehte sich zu ihrem Dienstmädchen um, das geduldig mit den Armen voller Handtücher dastand. „Hilf Lady Georgiana aus diesen ekelhaften nassen Sachen, Florrie. Und dann bring sie weg, wasch sie und bring ihr einen Bademantel.“

Ich ließ mich ausziehen und setzte mich dann in die Badewanne, während Belinda sich auf dem Wannenrand niederließ.

„Also, was hältst du von Paolo?“, wollte sie wissen. „Ist er nicht göttlich?“

„Ausgesprochen göttlich. Hast du ihn in Italien kennengelernt?“

„Er kam zu der Villa, in der ich mich aufhielt“ – sie legte eine dramatische Pause ein – „mit seiner Verlobten.“

„Seiner Verlobten? Belinda, wie konntest du nur?“

„Mach dir keine Sorgen, Liebes. Dort drüben ist es nicht so wie hier. Sie sind katholisch, musst du wissen. Er ist schon seit mindestens zehn Jahren mit diesem Mädchen verlobt. Sie ist sehr anständig und verbringt die Hälfte ihrer Zeit auf den Knien und betet den Rosenkranz herunter, aber seine Familie ist glücklich darüber, dass er irgendwann eine solche Person heiraten wird. In der Zwischenzeit …“ Sie warf mir ein durchtriebenes Lächeln zu.

Ich fühlte mich ziemlich merkwürdig, wie ich im heißen Wasser lag, während Belinda auf dem Wannenrand hockte, aber sie erweckte den Anschein, als sei das völlig normal. „Das ist wie in alten Zeiten, nicht wahr, Schätzchen?“, bemerkte sie. „Erinnerst du dich an die Gespräche, die wir in der Schule im Badezimmer hatten?“

Ich lächelte. „Ich erinnere mich. Es war der einzige Ort, an dem man uns nicht belauschen konnte.“

„Also, was hast du in letzter Zeit getrieben?“, fragte sie. „Wie läuft dein Putzfrauenbetrieb?“

„Es ist kein Putzfrauenbetrieb, Belinda. Es ist eine Haushaltshilfenagentur. Ich bereite Londoner Häuser für die Ankunft ihrer Besitzer vor. Und ich putze keine Böden oder so etwas.“

„Und die Verwandten im Palace haben es immer noch nicht herausgefunden?“

„Nein, Gott sei Dank. Aber um deine erste Frage zu beantworten: Es läuft überhaupt nicht. Ich habe seit Wochen keinen Auftrag bekommen.“

„Tja, das ist logisch, oder?“ Belinda streckte ihre langen Beine aus. „Niemand kommt im Sommer nach London. Jeder, der fliehen kann, tut es.“

Ich nickte. „Ich habe das Gefühl, dass ich die einzige Person bin, die noch hier ist. Sogar mein Großvater hat einen Ausflug nach Clacton-on-Sea gemacht.“

„Und wie hast du bisher überlebt?“

„Nicht besonders gut“, sagte ich. „Für mich heißt es ausschließlich Tee und Toast. Ich muss bald etwas ändern, sonst werde ich mich in die Schlangen vor den Suppenküchen einreihen.“

„Unsinn, Liebes. Du könntest dich auf beliebig viele Landhäuser einladen lassen, wenn du wolltest. Du bist vermutlich die heiratsfähigste alte Jungfer im ganzen Land, weißt du.“

„Ich bin nicht so mit den Leuten bekannt, wie du es bist, Belinda. Und ich wüsste nicht, wie ich mich selbst bei jemandem nach Hause einlade.“

„Ich kann das Einladen übernehmen, wenn du magst.“

Ich lächelte ihr zu. „Eigentlich lasse ich mich nicht gern von anderen Leuten aushalten.“

„Tja, du könntest immer noch nach Castle Rannoch zurück.“

„Das habe ich in Erwägung gezogen, was zeigt, wie verzweifelt ich mich gefühlt habe. Aber wenn ich die Wahl zwischen Fig und dem Hungertod hätte, würde der Hunger gewinnen, glaube ich.“

Sie sah mich besorgt an. „Meine arme, liebe Georgie: keine Arbeit, keine Freunde, kein Sex. Kein Wunder, dass du betrübt aussiehst. Wir müssen dich aufheitern. Heute Abend wirst du natürlich ein ordentliches Mahl bekommen und morgen kannst du mit mir nach Croydon kommen.“

„Croydon? Das soll mich aufheitern?“

„Der Aerodrome, Schätzchen. Ich werde Paolos neues Flugzeug anschauen. Vielleicht nimmt er uns sogar mit nach oben.“

Nachdem ich gesehen hatte, wie rücksichtslos Paolo Motorrad fuhr, war ich nicht allzu wild darauf, in seinem Flugzeug zu fliegen, aber ich brachte ein Lächeln zustande. „Famos“, sagte ich. Wenigstens wäre es besser als zu Hause herumzusitzen.

Kapitel 3

Rannoch House

13. August 1932

Wetter noch immer schwül.

Um zehn Uhr am nächsten Morgen tauchte Belinda vor meiner Tür auf, frisch und umwerfend in weißen Leinenhosen und einer schwarz-weiß gestreiften Bluse. Das Ensemble wurde von einem kecken kleinen Pillbox-Hut abgerundet. Man hätte nie erraten, dass sie vermutlich die ganze Nacht unterwegs gewesen war.

„Bereit?“, fragte sie und musterte mein Sommerkleid und den Glockenhut, von dem der Schlamm größtenteils entfernt worden war. „Bist du sicher, dass dein Aufzug passend ist, um kopfüber zu fliegen?“

„Ich glaube, das Kopfüber-Fliegen überlasse ich dir“, sagte ich, „und ich besitze keine Hosen, abgesehen von denen die ich zu Hause auf dem Anwesen trage, und die riechen nach Pferd.“

„Wir müssen etwas mit deiner Ausstattung anstellen, Schätzchen.“ Sie versuchte, die Falten in meinem Baumwollrock zu glätten. „Wie schade, dass deine Mutter so zierlich ist, sonst könntest du alle ihre abgelegten Kleider tragen.“

„Sie hat mir schon mehrmals angeboten, mir Kleider zu kaufen, aber du kennst meine Mutter. Sie vergisst es ständig und ist schneller wieder fort, als man schauen kann. Außerdem glaube ich nicht, dass ich mich dabei wohlfühlen würde, Geld anzunehmen, das von ihrem deutschen Freund kommt.“

„Sie ist also immer noch mit ihrem stämmigen Industriellen zusammen?“

„Nach dem was ich zuletzt gehört habe. Aber das ist einen Monat her. Wer weiß.“

Belinda kicherte. Ich schloss die Eingangstür und folgte ihr zu einem wartenden Taxi.

„Also, erzähl, ich will alles von gestern Abend erfahren“, sagte sie, als das Taxi losfuhr. „Wie war dein Dinner mit Mr. Hamburger?“

„Schlossberger“, verbesserte ich. „Hiram Schlossberger aus Kansas City. Es lief genau so, wie du vorhergesagt hast. Er war über die Maßen beeindruckt von meinen königlichen Verbindungen und nannte mich ständig „Eure Hoheit“, obwohl ich ihm gesagt habe, dass ich nur „Mylady“ bin und dass wir nicht so formell sein müssen. Eigentlich war er wirklich ein Schatz, aber ich fürchte, es war ziemlich langweilig. Er hat mir Schnappschüsse von seiner Frau und seinen Kindern gezeigt, von seinem Hund und sogar von den Kühen auf seiner Ranch.“

„Aber du hast eine ordentliche Mahlzeit herausgeschlagen?“

„Köstlich. Obwohl Mr. Schlossberger nicht zufrieden damit war. Er verschmähte die Gänseleberpastete und die Hummercremesuppe und sagte, dass er einfach ein ordentliches Steak wolle. Dann hat er sich über die Größe des Steaks beschwert. Anscheinend isst er zu Hause Steaks, die so groß sind, dass sie über den Tellerrand hängen.“

„Lieber Himmel, das ist ja eine halbe Kuh. Aber du hattest richtigen Schampus, oder?“

Ich schüttelte den Kopf. „Er trinkt nicht. Prohibition, du weißt schon.“

„Wie lächerlich. Jeder weiß, dass es die Prohibition gibt, aber sie trinken trotzdem alle. Außer ihm, wie es scheint. Was hast du dann getrunken?“

Ich verzog das Gesicht. „Limonade. Er hat sie für uns beide bestellt.“

Belinda berührte meinen Arm. „Meine Liebe, es tut mir so leid. Das nächste Mal, wenn ich dir einen meiner Männer aufdränge, stelle ich sicher, dass er keine Limonade trinkt.“

„Das nächste Mal?“, fragte ich. „Machst du so etwas öfter?“

„Oh, absolut, Schätzchen. Wie soll man sonst ab und zu an eine ordentliche Mahlzeit kommen? Und man tut sogar etwas für das Gemeinwohl. Diese armen Männer kommen geschäftlich nach London und kennen niemanden, also sind sie erfreut, mit einer jungen Frau der Gesellschaft gesehen zu werden, die ihnen beibringen kann, wie man sich benimmt. Dein Mr. Hamburger wird jahrelang mit dir angeben, da bin ich mir sicher.“

Wir stiegen an der Victoria Station aus unserem Taxi und schon bald fuhr unser Zug schnaufend und dampfend durch die tristeren Viertel Südlondons Richtung Croydon. Belinda gab eine lange Beschreibung der Villa in Italien zum Besten. Ich hörte nur mit halbem Ohr zu, während ich aus dem Fenster auf die bemitleidenswerten kleinen Gärten starrte, über die Wäscheleinen gespannt waren. Denn in meinem Kopf entspann sich eine Idee. All diese Männer, die Belinda erwähnt hatte, die geschäftlich allein in London waren und ohne Begleitung essen mussten. Was, wenn ich eine Agentur gründete, um jeden von ihnen mit einer charmanten Dinnerbegleitung von tadelloser gesellschaftlicher Stellung zu versorgen – mit anderen Worten mit meiner Wenigkeit. Es wäre besser als Häuser zu putzen und würde wenigstens die schlimmste Armut abwehren. Im besten Fall würde es sich als äußerst erfolgreich erweisen und ich könnte mir eine ordentliche Garderobe leisten und mich häufiger unter Menschen mischen.

 

***

 

Ich war noch nie im Aerodrome von Croydon gewesen und war von dem geschäftigen Treiben und den brandneuen Gebäuden überrascht. Als unser Taxi über eine schattige Straße darauf zuhielt, röhrte ein großer Doppeldecker über unsere Köpfe hinweg und setzte auf der Landebahn auf. Ich hatte noch nie aus der Nähe gesehen, wie ein richtiges Passagierflugzeug landete, und es war ein beeindruckender Anblick, als der große Vogel den Asphalt berührte, ein paar Mal auf und ab sprang und dann als erdgebundene Maschine weiterrollte. Mir kam es außerordentlich vor, dass etwas so Großes und Schwerfälliges tatsächlich fliegen konnte.

Während wir zu der neuen weißen Abfertigungshalle im Art-Déco-Stil hinübergingen, kam die Passagiermaschine mit wirbelnden Rotoren dröhnend auf uns zu und verursachte einen Mordslärm. Ich hielt inne, um zuzuschauen, wie eine Treppe herangerollt wurde und die Passagiere einer nach dem anderen ausstiegen.

„Das ist eine Imperial Airways Heracles, gerade aus Paris eingetroffen“, meinte jemand hinter mir.

Es wirkte alles sehr glamourös und unwahrscheinlich. Ich versuchte mir vorzustellen, diese kleine Kapsel zu betreten und über den Erdball, über die Wolken gewirbelt zu werden. Meine einzigen Ausflüge ins Ausland hatte ich in einem ungemütlichen Zug über den Kanal in die Schweiz zurückgelegt.

„Das Wetter sieht nicht allzu vielversprechend aus, was meinst du?“, sagte Belinda, die die Stechmücken verscheuchte, die vor unseren Gesichtern tanzten. „Es sieht wieder nach Donner aus.“

In der Tat fühlte es sich extrem schwül und ungemütlich an. „Wo sollen wir Paolo treffen?“, fragte ich.

„Er müsste drüben bei den Hangars sein.“ Belinda ging in Richtung des heruntergekommeneren Teils des Flughafens los, auf dem verstreute Hütten und größere Gebäude standen, die tatsächlich Flugzeuge beherbergten. Wir fanden Paolo neben einem glänzenden neuen Flugzeug, das unglaublich fragil aussah, und ich war erleichtert, als er uns mit den Worten begrüßte: „Tut mir leid wegen des Wetters. Heute Nachmittag heben wir leider nicht ab. Die Jungs vom Wetterdienst haben uns vor einem weiteren Sturm gewarnt.“

„Oh, wie schade, nachdem wir den ganzen Weg hergekommen sind“, sagte Belinda. „Und ich habe mich so darauf gefreut.“

„Es würde dir nicht gefallen, wie ein Cocktail durchgeschüttelt zu werden, cara mia, und außerdem würdest du nichts sehen, wenn wir durch die Wolken fliegen, und du könntest vom Blitz getroffen werden.“

„Wenn das so ist“ – Belinda schmollte noch immer – „solltest du uns lieber zu einem schönen Lunch einladen, um die Enttäuschung wiedergutzumachen. Wir sterben vor Hunger.“

„Es gibt ein Restaurant im Passagierterminal“, sagte Paolo. „Ich kann nicht für die Qualität der Speisen garantieren, aber man kann beim Essen den Flugzeugen zuschauen, die von überall auf der Welt einfliegen. Es ist ein spektakulärer Anblick.“

„Also gut. Ich schätze, das wird genügen müssen.“ Belinda hakte sich erst bei ihm und dann bei mir unter. „Komm mit, Georgie. Wir lassen ihn dafür büßen, dass er kein besseres Wetter arrangiert hat, was?“

„Aber ich kann das britische Wetter nicht kontrollieren“, beschwerte sich Paolo. „Wären wir in Italien, könnte ich euch gutes Wetter garantieren. In England regnet es ständig.“

„Nicht immer. Vor zwei Tagen hast du dich darüber beschwert, dass es zu heiß und sonnig ist“, sagte Belinda.

Wir durchquerten das funkelnde neue Gebäude und unsere Absätze klapperten auf dem Marmorboden. Ich schaute fasziniert nach oben zu der Wandmalerei, die die verschiedenen Zeitzonen der Erde zeigte. In Australien war es bereits Nacht. Ich spürte ein wehmütiges Ziehen. So viel von der Welt wartete darauf, entdeckt zu werden und ich war nur bis in die Schweiz gekommen – wo es überall sicher und sauber war.

Das Mittagessen war erstaunlich gut, es gab feines Schollenfilet und danach Erdbeeren mit Sahne. Als wir bei einem Kaffee verweilten, schaute ich andächtig aus dem Fenster und versuchte zu ignorieren, wie Belinda und Paolo auf höchst erotische Weise abwechselnd Bissen von einer Erdbeere nahmen. Ich hatte bemerkt, dass sich die Gewitterwolken zu einer großen dunklen Front zusammenballten, also überraschte mich der erste Donnerschlag nicht, der direkt über unseren Köpfen ertönte. Die Leute, die auf dem Asphalt gestanden hatten, eilten schutzsuchend davon, als der Regen einsetzte. Chauffeure breiteten hastig Planen über die offenen Autos.

„Tja, das bedeutet keine Flüge mehr für heute“, sagte Paolo. „Ich hoffe, es hört auf, bevor ich zurück nach London fahren muss. Es macht einfach keinen Spaß, im Regen Motorrad zu fahren.“

„Du könntest vom Blitz getroffen werden“, sagte Belinda. „Ich dachte, du liebst die Gefahr.“

„Gefahr, . Durchnässt werden, nein.“

„Du wirst dein Motorrad hierlassen und mit uns den Zug zurück nehmen müssen“, sagte Belinda.

„Aber ich kann das Haus, in dem ich wohne, nicht ohne mein Motorrad erreichen“, sagte er. „Wo soll ich die Nacht verbringen, was meinst du?“

Natürlich kannte er die Antwort genau.

„Lass mich nachdenken“, sagte Belinda.

Ich drehte mich weg und wünschte mir, nicht wieder das fünfte Rad am Wagen zu sein. Dann rief jemand: „Schaut! Da ist ein Flugzeug, das zu landen versucht.“

Ich spähte durch den strömenden Regen und meinte, einen schwärzeren Fleck in den dunklen Wolken zu erkennen.

„Er muss verrückt sein, wenn er versucht, bei diesem Wetter zu landen“, sagte jemand anderes. „Er wird sich umbringen.“

Wir konnten sehen, wie die kleine Maschine hin und her hüpfte, im einen Moment in den Wolken verschwand und im nächsten wieder auftauchte. Dann flog es in eine massive schwarze Wolkenbank. Ein Blitz leuchtete auf. Donner grollte. Von dem Flugzeug war nichts zu erkennen. Plötzlich ging ein Jubelschrei durch die Menge. Das kleine Flugzeug durchstieß die Wolke nur wenige Fuß über der Landebahn und setzte auf, wobei es eine spritzende Wasserfontäne hinter sich herzog.

Alle strömten aus dem Restaurant. Wir folgten, mitgerissen von der Aufregung, und blieben unter dem Vordach stehen, während die kleine Maschine auf uns zukam. Es war ein Doppeldecker, kaum größer als ein Kinderspielzeug.

„Das ist eine Gipsy Moth“, sagte Paolo. „Offene Pilotenkabine, müsst ihr wissen. Ich glaube nicht, dass ich mutig genug wäre, eine Moth in einem solchen Sturm zu landen.“

Das Flugzeug hielt an. Der Pilot schwang sich aus dem hinteren Cockpit und stieg unter Applaus und Jubelrufen herunter. Dann nahm er seinen Helm ab und die Menge schnappte nach Luft. Der Pilot war eine Frau mit auffallend rotem Haar.

„Es ist Ronny!“, rief Paolo aus und bahnte sich einen Weg durch die Menge.

„Ronny? Sieht mir nach einer Frau aus“, sagte ich.

„Veronica Padgett, Schätzchen.“ Belinda folgte Paolo durch die Menge. „Du weißt schon, die berühmte Fliegerin. Sie hat vor kurzem den Solo-Rekord von London nach Kapstadt aufgestellt.“

Die Pilotin machte sich nun auf den Weg in das Gebäude und nahm freundlich die Jubelrufe und Glückwünsche entgegen, während sie sich durch die Menge bewegte.

„Ronny, gut gemacht“, rief Paolo, als sie an uns vorbeikam.

Sie sah auf, erkannte ihn und schenkte ihm ein breites Lächeln. „Hallöchen Paolo. Wetten, das würdest du nicht schaffen?“

„Niemand, der bei Verstand ist, hätte das versucht, Ronny. Du bist völlig verrückt, weißt du das?“

Sie lachte. Ihr Lachen war tief und wohlklingend. „Gut möglich. Das habe ich mir während der letzten halben Stunde selbst viele Male gesagt.“

„Woher bist du gekommen?“, fragte Paolo.

„Nicht weit weg. Nur von Frankreich herüber. Ich wusste, dass ich wahrscheinlich nicht hätte abheben sollen, aber ich wollte eine Party heute Abend nicht verpassen. Aber das Ganze war verdammt übel. Konnte in Frankreich die verfluchten Eisenbahnschienen nicht sehen, über dem Kanal lag Nebel und dann bin ich in diese Schlechtwetterfront geflogen. Hat überall geschüttet. Wäre fast mein Mittagessen wieder losgeworden und mein Kompass hat verrückt gespielt. Keine Ahnung, wo die verdammte Landebahn war. Meine Güte, hat das Spaß gemacht.“

Ich sah sie bewundernd an. Ihr Gesicht strahlte geradezu vor Begeisterung.

„Kommt, lasst uns aus diesem höllischen Wetter verschwinden“, sagte sie und schlug den Kragen ihrer Pilotenjacke hoch, während ein weiterer Donnerschlag über unseren Köpfen dröhnte und der Wind über den Aerodrome peitschte. Als wir ihr nacheinander folgten, klopfte Belinda Paolo auf die Schulter. „Hast du vor, uns einander vorzustellen, oder behältst du sie ganz für dich?“, fragte sie.

Paolo lachte eine Spur nervös. „Entschuldige, ich hätte euch vorstellen sollen. Ronny, das sind meine Freunde Belinda Warburton-Stoke und Georgiana Rannoch. Mädels, das ist Ronny Padgett.“

Ich bemerkte, wie sich Ronnys Augen weiteten. „Rannoch? Bist du mit den Dukes von Rannoch verwandt?“

„Der letzte war mein Vater, der neue ist mein Bruder“, sagte ich.

„Du liebe Güte. Dann sind wir fast Nachbarn. Mein Familiensitz liegt am Dee, nicht allzu weit von euch entfernt.“

„Wirklich? Erstaunlich, dass wir uns noch nie über den Weg gelaufen sind.“

„Ich komme nicht oft dorthin“, sagte sie. „Für meinen Geschmack ist es dort verdammt noch mal viel zu ruhig. Und ich bin ein Stück älter als du. Als man mich ins Internat verfrachtete, bist du wahrscheinlich noch in Windeln herumgekrabbelt. Mit sechzehn bin ich endgültig von zu Hause ausgezogen. Wollte nichts damit zu tun haben, in die Gesellschaft eingeführt zu werden und dem ganzen Kram. Ich wurde mit Fernweh geboren, schätze ich. Bist du selbst oft dort oben?“

„In ein paar Wochen muss ich nach Schottland“, sagte ich. „Aber nicht nach Castle Rannoch, wenn ich es vermeiden kann. Es ist zurzeit nicht der belebteste Ort. Ich werde auf Balmoral zur Moorhuhnjagd erwartet.“

„All die armen, schutzlosen Vögel, die ermordet werden“, sagte Ronny. „Barbarisch, wenn man genauer darüber nachdenkt. Aber, Himmel, es macht Spaß, nicht wahr? Ich schätze, es muss uns im Blut liegen.“

„Das tut es bestimmt“, sagte ich. „Ich liebe es zu jagen, aber der arme Fuchs, der in Stücke gerissen wird, tut mir immer furchtbar leid. Ich bin keine besonders gute Schützin, also tun mir die Moorhühner nicht ganz so leid. Und sie sind schrecklich alberne Vögel.“

Ronny lachte wieder. „Das sind sie ganz sicher. Vielleicht werden wir uns irgendwann einmal über den Weg laufen. Wenn ich dort bin, kannst du mich besuchen und mit mir gemeinsam auf dem Anwesen jagen.“

Mir fiel auf, dass Belinda schmollte. Sie war es gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen.

Sie zupfte an Paolos Ärmel. „Nach dem, was Ronny gerade geleistet hat, ist das Mindeste, was du tun kannst, sie mit Champagner zu feiern“, sagte sie.

„Belinda, manchmal glaube ich, dass du denkst, ich bin nur dafür da, dich mit Champagner und Kaviar zu versorgen“, sagte Paolo.

„Überhaupt nicht, du bist auch für andere Dinge gut.“ Sie warf ihm ihr Schlafzimmerlächeln zu.

Ich bemerkte den sehnsüchtigen Blick, den sie austauschten. Dann drehte er sich zu Ronny um. „Ich wurde angewiesen, dir Champagner auszugeben, wenn sie hier an der Bar eine ordentliche Flasche vorrätig haben. Bist du mit von der Partie?“

Sie sah sich um, dann lachte sie erneut. „Warum nicht? Man lebt schließlich nur einmal. Und ich habe noch nie nein zu einem ordentlichen Champagner gesagt.“ Sie schritt voran, durch die Menge und in die Haupthalle des Gebäudes hinein. „Ich schätze, ihr habt mein Dienstmädchen nicht gesehen, oder?“, fragte sie, während sie mit den Augen die Menge absuchte. „Schüchternes kleines Ding. Sieht aus, als würde sie denken, alle wollten ihr ans Leder. Ich habe ihr gesagt, dass sie mich hier treffen und das Kleid mitbringen soll, das ich heute Abend anziehen will. Sie sollte besser auftauchen, sonst bin ich aufgeschmissen. Ich kann nicht in diesen Kleidern zu einer Party gehen.“

Wir machten uns auf den Weg zur Bar, aber von dem Dienstmädchen war keine Spur zu sehen. „Wahrscheinlich wartet sie am Hangar auf mich, wo ich zum Glück den Wagen gelassen habe. Wenigstens wird er trocken sein.“

„Du hast also einen Wagen?“, fragte Paolo und sah sie interessiert an. „Besteht die Chance, dass du mich in die Stadt mitnimmst?“

„Entschuldige, altes Haus. Ich fahre ins hinterste Sussex. Kann dir nicht weiterhelfen.“

„Wie schade“, sagte Paolo. „Ich bin mit dem Motorrad hergekommen und verabscheue es, nass zu werden. Jetzt bleibt mir nichts anderes übrig, als das verdammte Ding hierzulassen und den Zug zurück nach London zu nehmen.“

„Das muss sehr schlimm für dich sein“, sagte Belinda spitz.

Er legte einen Arm um ihre Schulter. „So habe ich es nicht gemeint, mi amore. Ich meinte nur, sobald ich in London bin, werde ich kein Transportmittel außer diesen schrecklichen Taxis haben, die langsamer herumkriechen als Käfer. Ich bin überzeugt, dass Ronny herrlich schnell fährt.“

„Das tue ich ganz bestimmt, altes Haus“, sagte sie mit einem erneuten Lachen.

Wir betraten gerade die Bar, als eine junge Frau rief: „Miss Padgett!“ und uns unter dem Gewicht eines riesigen Koffers wankend entgegenlief. Ihr Gesicht war rot angelaufen und sie sah eindeutig mitgenommen aus. „Oh, Miss Padgett, es tut mir so leid, dass ich zu spät bin“, sagte sie nach Luft schnappend. „Als ich auf halber Strecke zum Bahnhof war, fing es an zu donnern und ich musste mich unterstellen. Ich habe eine Todesangst vor Donner, wissen Sie. Ich hoffe, ich habe Ihnen keine Umstände gemacht.“

„Natürlich hast du das, verdammt noch mal“, sagte Ronny. „Du bist anscheinend niemals pünktlich. Aber du hast noch einmal Glück gehabt. Ich wurde aufgehalten, um Champagner zu trinken, also lauf zum Wagen vor und warte dort auf mich.“

„Zum Wagen?“

„Er steht im Hangar. Du weißt schon. Nummer 23? Du bist schon dort gewesen. Wo ich die Moth abstelle.“ Sie wandte sich uns zu. „Himmel, es ist, als würde man gegen eine Wand reden. Ich nehme an, du hast tüchtige Dienstmädchen, Lady Georgiana?“

„Bitte nenn mich Georgie, das tun alle“, sagte ich. „Und im Augenblick habe ich überhaupt keine Dienstboten. Ich bin erst vor kurzem nach London gezogen und ehrlich gesagt hause ich noch allein.“

„Brillante Idee“, sagte Ronny. „Siehst du, Mavis, Lady Georgiana ist die Tochter eines Dukes und sie kommt ohne Dienstboten zurecht. Also legst du besser einen Zahn zu, oder ich könnte es ihr gleichtun. Ein neues Zeitalter zieht nämlich auf.“

Paolo hatte sich mit dem Barkeeper beraten und ein befriedigendes Plopp ertönte, als der Korken von einer Flasche Bollinger flog.

„Nun geh schon“, sagte Ronny zu der leidgeplagten Mavis, die mich nun fasziniert anstarrte. „Nimm meinen Koffer und stell ihn in den Wagen, dann warte dort auf mich. Oh, und schau, ob du das Verdeck hochklappen kannst. Wir wollen nicht nass werden.“

Mavis versuchte zu knicksen und stolperte davon. Als sie ging, hallte Ronnys deutliche Stimme durch die marmorne Eingangshalle. „Ich würde sie sofort feuern, aber ehrlich gesagt weiß ich, dass ich Dinge wie waschen und bügeln zu ermüdend finden würde.“

Kapitel 4

Rannoch House

13., 14. und 15. August 1932

Nass.

„Also, was hältst du von Ronny?“, fragte Belinda mich auf dem Weg nach Hause.

„Interessant. Anders.“

„Sie ist eindeutig eine Klasse für sich, nicht wahr?“, sagte Belinda. „Mutig wie eine Löwin, aber es ist ihr egal, was sie sagt, oder wen sie beleidigt.“ Sie wandte sich an Paolo, der zusammengesunken am Fenster saß. „Mir ist aufgefallen, dass du ziemlich fasziniert von ihr warst.“

„Sie erstaunt und amüsiert mich“, sagte er, „aber was alles andere angeht, hat sie ungefähr so viel Sex-Appeal wie ein Teller Spaghetti Bolognese.“

„Ich weiß nicht recht, Spaghetti können ganz schön sexy sein, wenn man sie nackt isst.“ Belinda warf ihm einen äußerst provokanten Blick zu.

Paolo lachte. „Belinda, du bist eindeutig das schamloseste Mädchen, das ich kenne. Angelina würde ein Dutzend Rosenkränze beten, wenn ihr so ein Gedanke auch nur in den Sinn käme.“

„Deswegen hat man mit mir mehr Spaß als mit Angelina“, sagte Belinda. „Komm schon, gib zu, dass du mehr Spaß hast, wenn du mit mir zusammen bist.“

„Natürlich habe ich das, aber ich glaube nicht, dass du für irgendjemanden eine passende Ehefrau abgeben würdest.“

Ich beobachtete die beiden, während der Zug schnaufend in Richtung Victoria fuhr. Belinda würde wie meine Mutter enden, die mit ausgelassener Zügellosigkeit von Bett zu Bett hüpfte, folgerte ich. Der Gedanke schien mir mehr Sorgen zu bereiten als ihr.

Sie brachten mich zum Rannoch House und verschwanden, vermutlich für eine sündhafte Nacht. Ich bekam ebenfalls nicht viel Schlaf. Selbst nach dem Gewitter war die Luft stickig und auch bei offenem Fenster war es zum Schlafen zu heiß. Ich lag wach, lauschte den Geräuschen der Stadt und dachte über Belinda und Paolo nach. Wie es wohl wäre, die Nacht in den Armen eines Mannes zu verbringen? Natürlich dachte ich dabei an einen ganz bestimmten Mann. Was tat er in diesem Moment? Erholte er sich wirklich noch bei seiner Familie in Irland oder war er an einem anderen Ort, mit jemand anderem? Bei Darcy konnte man nie wissen.

Als ich ihn zum ersten Mal traf, hielt ich ihn für einen wilden irischen Frauenhelden und Opportunisten, der sich mit seinem Charme und Einfallsreichtum durchschlug. Aber nun hatte ich ihn im Verdacht, mehr zu sein als das, was er mir erzählt hatte. Ich vermutete, dass er in Wahrheit eine Art Spion war. Ich konnte nicht sagen, für welche Seite, aber ganz sicher nicht für die Kommunisten. Er hatte eine Kugel riskiert, die ihn beinahe das Leben gekostet hätte, um den König und die Königin zu retten.

Ich wünschte nur, ich wüsste, wer er war. Ich wünschte, ich würde mich trauen, ihn zu Hause zu besuchen. Aber ich hatte Angst vor dem, was ich vorfinden könnte. Was Männer anging mangelte es mir wirklich an Selbstbewusstsein – vermutlich, weil ich bis zu meinem achtzehnten Lebensjahr nur ein männliches Exemplar gekannt hatte: meinen Bruder.

Schließlich schlief ich ein und erwachte von dem Geräusch klirrender Flaschen und dem Pferd des Milchmanns. Über Nacht war die Luft abgekühlt und der süße Duft von Rosen und Geißblatt drang aus dem Garten in der Mitte des Platzes herauf. Ich stieg erfrischt und energiegeladen aus dem Bett, die düstere Stimmung des Vortages hatte sich zusammen mit der nächtlichen Luft verflüchtigt. Es liegt in meiner Natur, dass ich nie lange schlechte Laune habe. Und heute lag eine Aufgabe vor mir, die mich in naher Zukunft mit einem beträchtlichen Einkommen versorgen könnte.

Ich setzte mich an meinen Schreibtisch und formulierte eine Anzeige für die Times. Als ich fertig war, war ich sehr zufrieden damit und wollte sie Belinda zeigen. Aber ich wusste es besser, als sie vor elf Uhr morgens zu stören, und besonders, da sie vermutlich nicht allein war. Also schrieb ich die Anzeige ins Reine und brachte sie zum Büro der Times. Ich hatte den Eindruck, dass das Mädchen, das die Rechnung dafür ausstellte, mich merkwürdig ansah und fragte mich, ob sie mich erkannt hatte. Ab und zu tauche ich auf einer Fotografie im Tattler auf, da mich die Presse für eine heiratsfähige junge Frau mit guter Abstammung hält. (Sie haben keine Ahnung, in welchem Zustand die Bankkonten der Rannochs sind.)

„Sind Sie sicher, dass Sie das schreiben möchten, Miss?“, fragte sie.

„Ja, ganz sicher, danke.“

„Sehr wohl.“ Sie nahm mein Geld entgegen. „Das wird also in der morgigen Zeitung zum ersten Mal erscheinen und so lange laufen, bis Sie uns mitteilen, dass es eingestellt werden soll.“

„Das ist korrekt“, sagte ich. Sie starrte mir noch immer nach, als ich das Büro verließ.

Ich kam voller Vorfreude nach Hause und durchsuchte meinen Kleiderschrank nach Kleidungsstücken, die zum Ausgehen geeignet waren. Zum Glück hatte ich im Frühsommer eine volle Woche lang ein Dienstmädchen gehabt, das während dieser Zeit meine guten Sachen gewaschen und gebügelt hatte, also waren meine Abendkleider in weniger zerknittertem Zustand als meine Alltagsgarderobe. Ich saß vor dem Spiegel und experimentierte damit, mein Haar hochzustecken. (Desaster. Ich sah wie die Medusa aus.) Dann holte ich die Schere und schnippelte an den Spitzen herum, in der Hoffnung, es würde sich in die Art von glattem Bob verwandeln, den Belinda trug. Wieder war ich nicht allzu erfolgreich. Nun blieb mir nichts anderes übrig als abzuwarten.

Am nächsten Morgen eilte ich los, um die Times zu kaufen, sobald der Kiosk geöffnet hatte, und da war sie, auf der Titelseite inmitten der anderen Anzeigen. Geschäftlich allein in der Stadt? Lassen Sie Ihre Abendunterhaltung durch den Coronet Begleitdienst aufwerten. Unsere erstklassigen Mädchen sind ideale Gefährtinnen, um sich beim Dinner und Tanz zu schmücken. Ich hatte eine Telefonnummer angeben müssen und keine andere Wahl gehabt, als die Nummer von Rannoch House anzugeben. Ich hoffte nur, dass niemand sie erkannte und es Binky oder Fig weitererzählte. Aber andererseits, überlegte ich, tat ich nichts Falsches. Dieser Mr. Hiram Schlossberger hatte jede Minute meiner Gesellschaft an jenem Abend genossen. Warum also sollten andere Gentlemen nicht für diese Gunst bezahlen?

Die Idee war eindeutig nicht albern gewesen, denn an diesem Nachmittag erhielt ich meinen ersten Anruf. Der Mann hatte einen starken ländlichen nordenglischen Akzent, aber ich nahm es ihm nicht übel. Ich dachte an all die reichen Fabrikbesitzer, die Sätze sagten wie: „Wo gehobelt wird, da fallen Späne.“ Obwohl seine Gesprächsthemen und seine Manieren ungehobelt wären, würde er gut bezahlen. Er fragte nach meinem Preis, was kein Mann von nobler Herkunft tun würde, und stotterte ein wenig, als ich ihm fünf Guineen nannte.

„Das is’ verdammt viel“, sagte er. „Hoffentlich is’ sie gut.“

„Die Allerbeste“, gab ich zurück. „Ein erstklassiges Mädchen aus guter Familie. Sie werden bezaubert von ihr sein.“

„Das will ich verflucht nochmal hoffen“, sagte er. „Sagen Sie ihr, sie soll sich im Rendezvous Club hinter dem Leicester Square mit mir treffen. Das ist in der Nähe meiner Unterkunft.“

„Sehr wohl“, sagte ich. „Und welche Uhrzeit soll ich ihr nennen?“

„Zehn Uhr?“

Ich legte den Hörer nieder. Um diese Uhrzeit würde es also kein Dinner sein. Und auch kein Theaterbesuch. Ein spätes Abendessen in einem Nachtclub vielleicht? Dann also Tanz, Pokern, ein Cabaret? Mein Herz klopfte wild vor Aufregung. Das war das Leben, das ich mir erträumt hatte – spätabends ausgehen, sich unter die jungen Leute mischen und im Morgengrauen nach Hause kommen.

Ich verbrachte eine lächerlich lange Zeit damit, mich herzurichten, nahm ein langes heißes Bad und versuchte sogar Make-up aufzutragen, etwas, das ich nie richtig gelernt hatte. Aber als ich in den Spiegel sah, war ich mit den sinnlichen roten Lippen zufrieden, obwohl das schwarze Mascara auf meinen Wimpern eigentlich nicht zu meinem rotblonden Haar und meinem Teint passte und das Cocktailkleid nicht so geschmeidig fiel, wie ich es wollte. Es war eines der Kleider, die mir die Frau des Wildhüters auf ihrer Nähmaschine für meine Debütantinnensaison geschneidert hatte. Es war eine Kopie von etwas, das ich in einer Zeitschrift bewundert hatte, aber aus irgendeinem Grund ließ mich die Kombination von Mrs. MacTavishs Nähkünsten und Taft nicht ganz so aussehen wie das von Stoff umschmeichelte Mädchen mit dem Zigarettenhalter in Harper’s Bazaar. Aber ich musste das Beste daraus machen und ich sah sauber und respektabel aus.

Mein Herz klopfte während der ganzen Taxifahrt wie wild. Wir fuhren an den hellen Lichtern des Leicester Square mit seinen Theaterschildern und aufgeregten Menschenmassen vorbei und hielten schließlich in einer dunklen Nebenstraße.

„Sind Sie sicher, dass das die richtige Adresse ist, Miss?“, fragte der Taxifahrer mit besorgter Stimme.

Ich war mir nicht sicher. Es sah furchtbar düster und verlassen aus. Aber dann sah ich ein blinkendes Schild über einem Eingang. Club Rendezvous. „Ja, hier ist es“, sagte ich. „Haben Sie vielen Dank.“

„Ich hoffe, Sie werden von jemandem abgeholt“, sagte er, als ich ihn bezahlte.

„Ja, ich treffe einen jungen Mann. Machen Sie sich keine Sorgen, mir wird nichts zustoßen.“ Ich schenkte ihm ein, wie ich hoffte, selbstsicheres Lächeln.

Das Taxi fuhr davon und ließ mich in der verlassenen Straße allein. Es hatte wieder geregnet und das blinkende rote Schild spiegelte sich in den Pfützen, als ich die Straße überquerte. Ich drückte die Tür auf und sah vor mir eine Treppe, die hinunter in einen Keller führte. Musik drang zu mir herauf – das Jaulen eines Saxofons und ein dunkler Rhythmus. Ich hielt mich am Geländer fest und stieg die Stufen hinunter. Das musste ein richtiger Nachtclub sein. Ich war noch nie an einem solchen Ort gewesen. Die Stufen waren steil und von einem zerschlissenen Teppich bedeckt. Und ich trug mein einziges Paar Schuhe mit hohem Absatz, da ich versucht hatte, glamourös auszusehen. Ich habe noch nicht erwähnt, dass ich in stressigen Situationen dazu neige, tollpatschig zu sein. Auf halber Strecke die Treppe hinunter verfing sich mein Absatz in einem fadenscheinigen Stück Teppich. Ich stürzte nach vorn, bekam das Geländer zu fassen und schlitterte schließlich die letzten Stufen hinab. Unten landete ich auf höchst entwürdigende Weise schwungvoll in einer Topfpflanze. Ich richtete mich hastig auf, bevor jemand meinen ungewöhnlichen Auftritt mitbekam. Ich befand mich in einer Art dunklem Vorzimmer mit einem antiken Schreibpult und einem Stuhl, der gnädigerweise unbesetzt war. Dieser Bereich war nur durch eine Reihe von Topfpflanzen von dem Hauptbereich getrennt, und eine davon ließ nun dank mir einen Palmwedel hängen. Ein Mann war gerade hinter den Palmen aus dem Club hervorgetreten. Er schwankte leicht, als sei er betrunken, und starrte mich aufgeschreckt an, als ich ihm die Treppe hinunter entgegenpolterte.

„Lass mich dir ’n Rat geben, Mädel“, nuschelte er und erhob einen Zeigefinger in meine Richtung. „Trink heut nichts mehr. Du hast schon genug. Glaub mir, ich weiß, wovon ich spreche.“ Dann stolperte er an mir vorbei die Stufen hinauf.

Ich riss mich zusammen und strich meinen Rock und mein Haar glatt, bevor ich den Hauptbereich des Clubs betrat. Kerzen auf den Tischen verbreiteten schummriges Licht und die einzige richtige Lichtquelle kam von der Bühne, auf der ein Mädchen tanzte.

„Kann ich Ihnen helfen, Miss?“ Ein dunkelhäutiger Mann in einem Smoking erschien neben mir. Er schien noch nie etwas von einem Rasierer gehört zu haben.

„Ich bin hier mit jemandem verabredet“, sagte ich. „Einem Mr. Crump.“

„Ah, ich verstehe.“ Er grinste und starrte mich unverhohlen an. „Er erwartet Sie. Am ersten Tisch ganz rechts.“

Der Mann sah auf, als ich mich ihm näherte, und er erhob sich.

„Mr. Crump?“, sagte ich und streckte ihm meine Hand entgegen. „Meine Agentur hat mich geschickt. Coronet Begleitdienst?“

Er war ein sonnenverbrannter, aufgedunsener Kerl mit etwas, das er selbst vermutlich für einen flotten Schnurrbart hielt, das aber eher aussah wie ein Igel, der sich auf seiner Oberlippe niedergelassen hatte. Zu allem Überfluss trug er auch noch einen gewöhnlichen Alltagsanzug und eine ziemlich schrille Krawatte. Ich bemerkte, dass er mich ausgiebig musterte.

„Sie sind jünger als ich erwartet hatte“, sagte er. „Und Sie tragen auch mehr Kleider.“

„Ich versichere Ihnen, dass ich alt genug bin, um eine perfekte Begleiterin für Sie zu sein“, sagte ich. „Ich bin gebildet und weitgereist.“

Er grinste schief. „Ich habe nicht vor, Sie in Geografie zu befragen.“ Dann wurde ihm bewusst, dass wir noch immer standen. „Ich schätze, Sie wollen einen Drink, bevor wir gehen?“, sagte er.

„Das wäre freundlich. Ich hätte gern Champagner, wenn sie welchen dahaben.“ Ich setzte mich an den Tisch.

„Verdammt“, murmelte er. „Ihr Londonerinnen habt einen teuren Geschmack.“ Ich bemerkte, dass vor ihm ein Bier stand. Er winkte einem Kellner zu und eine Flasche Champagner wurde an den Tisch gebracht.

„Ich hoffe, Sie trinken ebenfalls“, sagte ich, da es mir nun peinlich war, dass er eine ganze Flasche hatte kaufen müssen, obwohl ich nur ein Glas wollte.

„Warum nicht? Hilft uns beiden, lockerer zu werden, was?“, sagte er und zwinkerte mir zu.

Die Flasche wurde mit einem befriedigenden Ploppen geöffnet. Zwei Gläser wurden eingeschenkt. Ich nahm einen Schluck, dann hob ich mein Glas. „Cheers“, sagte ich. „Auf einen wundervollen Abend für uns beide.“

Mir fiel auf, dass er schwer schluckte. Es sah ganz so aus, als würde er schwitzen. „Also ich schätze, Sie wollen, dass ich im Voraus zahle, was?“

„Oh, ich denke nicht, dass das nötig sein wird“, sagte ich. „Aber ich erwarte Bargeld am Ende des Abends.“

„Also wie lautet der Plan? Gehen wir in mein Hotel zurück oder gibt es einen Ort in der Nähe, zu dem Sie Ihre Kunden mitnehmen? Ich weiß, dass ich am Telefon hätte fragen sollen, aber das war alles sehr kurzfristig, nicht wahr? Eigentlich wäre es mir nie in den Sinn gekommen, wenn ich heute Morgen nicht Ihre Anzeige in der Zeitung gesehen hätte. Ich mache so etwas normalerweise nicht.“

Ich versuchte noch, zu verarbeiten, was er gesagt hatte, als die Musik schneller wurde. Gejohle und anzügliche Rufe kamen von dem anderen Teil des Raumes. Ich blickte zur Bühne. Das Mädchen tanzte noch immer, aber plötzlich wurde mir bewusst, dass sie so gut wie keine Kleidung trug. Während ich mit fasziniertem Entsetzen zuschaute, öffnete sie einen Fächer aus Straußenfedern, hielt ihn vor sich und zog dann, begleitet von einem letzten Trommelwirbel, ihren Büstenhalter hervor und warf ihn in die ersten Reihen der Zuschauer.

Plötzlich fiel der Groschen. Mein Hotel oder ein Ort in der Nähe?

„Moment mal“, sagte ich. „Was erwarten Sie von mir?“

„Nur das Übliche, Schätzchen“, sagte er. „Das Gleiche, was Sie mit allen Männern tun. Nichts Ausgefallenes.“

„Ich glaube, das muss ein Fehler sein“, sagte ich. „Wir sind ein respektabler Begleitdienst. Wir stellen Mädchen als Begleiterinnen zum Dinner zur Verfügung, ins Theater, nicht für die Sache, die Sie offensichtlich im Sinn haben.“

„Zier dich nicht, meine Süße“, sagte er. Die Worte waren so undeutlich, dass ich vermutete, dass er schon eine Weile lang trank. Er griff über den Tisch nach meinem Arm. „Was hast du vor, willst du den Preis in die Höhe treiben? Ich bin nicht von gestern, weißt du. Komm schon, trink deinen Schampus und wir gehen zurück zu meinem Hotel, sonst verlangst du noch stundenweise Bezahlung.“

Ich versuchte aufzustehen. „Ich fürchte, das hier ist ein schreckliches Missverständnis. Ich denke, ich sollte gehen.“

Sein Griff um meinen Arm festigte sich. „Was ist los, Mädel, gefalle ich dir nicht, oder was? Ist meine Knete nicht gut genug für dich?“ Das Lächeln war von seinem Gesicht gewichen. Er blies mir seinen Bieratem ins Gesicht. „Jetzt kommst du mit wie ein braves Mädchen, denn weißt du, was ich sonst tun werde? Ich werde dich wegen Kupplerei verhaften lassen.“

Er stand auf und versuchte, mich mit sich zu ziehen.

„Bitte, lassen Sie mich los“, sagte ich. Ich spürte die Blicke der Leute an den umliegenden Tischen auf uns. „Lassen Sie mich einfach gehen und wir vergessen das Ganze.“

„Nein, werden wir verdammt noch mal nicht“, sagte er. „Ich habe eine Flasche Champagner bezahlen müssen. Und wir haben eine Vereinbarung, ich und deine Agentur. Wir haben einen Handel geschlossen und Harold Crump gefällt es gar nicht, wenn Leute versuchen, Geschäfte platzen zu lassen. Jetzt hör auf, die kleine Miss Rühr-mich-nicht-an zu spielen und beweg dich.“

„Haben Sie die junge Lady nicht gehört? Sie wird nicht mit Ihnen kommen“, sagte eine Stimme hinter mir.

Ich erkannte diese Stimme und fuhr herum. Darcy O’Mara stand da und sah in weißem Smoking und Fliege absolut umwerfend aus, sein ungebärdiges schwarzes Haar hatte er zurückgekämmt, bis auf eine ungehorsame Locke, die ihm in die Stirn fiel. Ich musste mich zurückhalten, um ihm nicht um den Hals zu fallen.

„Und wer sind Sie, dass Sie sich so einmischen?“, wollte Mr. Crump wissen und baute sich vor Darcy auf, musste dann allerdings feststellen, dass er einige Zoll kleiner war.

„Sagen wir einfach, dass ich ihr Manager bin“, sagte Darcy.

„Ihr Zuhälter, meinen Sie.“

„Nennen Sie es, wie Sie möchten“, sagte Darcy, „aber es hat einen Fehler gegeben. Sie hätte heute Nacht gar nicht hergeschickt werden sollen. Unsere Agentur nimmt nur Kunden aus der Oberschicht an. Wir haben eine neue Telefonistin und sie hat es versäumt, Sie unserer regulären Sicherheitsüberprüfung zu unterziehen. Und nun, da ich Ihr Benehmen mit eigenen Augen gesehen habe, fürchte ich, dass ich auf gar keinen Fall einem unserer Mädchen erlauben würde, mit Ihnen irgendwohin zu gehen. Sie reichen einfach nicht an unseren Standard heran, Sir. Sie sind, um es in aller Deutlichkeit auszudrücken, zu gewöhnlich.“

„Also, das hätte ich nie …“, empörte sich Mr. Crump.

„Und Sie werden es auch jetzt nicht“, gab Darcy zurück. „Komm, Arabella. Wir gehen.“

„He, was ist mit meinem Champagner?“, fragte Mr. Crump.

Darcy griff in seine Tasche und warf eine Pfundnote auf den Tisch. Dann nahm er meinen Arm und zog mich beinahe die Treppe hinauf.

„Was zum Teufel hast du hier verloren?“, fragte er fordernd, als wir hinaus in die Nacht traten. Seine Augen blitzten und einen schrecklichen Moment lang dachte ich, er würde mich schlagen.

„Dieser dumme Mann hat es falsch verstanden.“ Ich war inzwischen den Tränen nahe. Ich habe meine Dienste als Begleiterin beworben. Er muss es missverstanden haben. Er dachte, ich wäre – du weißt schon – eine Prostituierte.“

„Du hast deine Dienste als Begleiterin beworben?“ Darcys Finger gruben sich noch immer in meinen Oberarm.

„Ja, ich habe eine Anzeige in der Times aufgegeben und mich Coronet Begleitdienst genannt.“

Darcy prustete los. „Mein liebes naives kleines Mädchen, selbst dir muss doch klar sein, dass das Wort ‚Begleitdienst‘ eine höfliche Umschreibung für etwas viel Zwielichtigeres ist? Natürlich dachte er, er bekommt eine Prostituierte. Er hatte allen Grund, das anzunehmen.“

„Davon hatte ich keine Ahnung“, fuhr ich ihn an. „Woher sollte ich das wissen?“

„Sicher muss dir ein Verdacht gekommen sein, als du diesen Club gesehen hast. Brave Mädchen suchen solche Orte nicht auf, Georgiana.“

„Was hast du dann dort getrieben?“, wollte ich wissen und meine Erleichterung verwandelte sich in Wut. „Du verschwindest aus meinem Leben. Ich bin dir nicht einmal einen Brief wert. Und nun finde ich heraus, dass du dich an einem Ort wie diesem herumtreibst. Kein Wunder, dass du dich nicht für mich interessierst. Ich ziehe mich ja nicht vor einer Gruppe von Männern aus.“

„Zur der Frage, was ich dort getrieben habe …“, sagte er. Mir war, als würden seine Mundwinkel zucken. „Ich sollte dort einen Mann treffen. Es ging um einen Hund. Und ich kann dir versichern, dass ich mir nicht angesehen habe, was auf der Bühne geschah. Ich habe schon weit besseres gesehen, und das umsonst. Zu der Frage, warum ich verschwunden bin und mich nicht gemeldet habe – es tut mir leid. Ich musste ziemlich überstürzt ins Ausland reisen. Ich bin erst gestern zurückgekommen. Und du hast verfluchtes Glück, dass dem so war, andernfalls würdest du immer noch versuchen, diesen Höhlenmenschen abzuwehren.“

„Das hätte ich schon hinbekommen“, sagte ich schmollend. „Du musst nicht immer dazwischengehen und mich retten, weißt du.“

„Anscheinend ist das aber nötig. Allein in der Stadt ist es einfach nicht sicher für dich“, sagte er. „Komm mit. Wir gehen zum Leicester Square, wo wir dir ein Taxi rufen können. Ich sorge dafür, dass du nach Hause kommst.“

„Was, wenn ich nicht nach Hause gehen will?“

„Du hast keine Wahl, Mylady. Was würde wohl deine Familie denken, wenn du von einem Reporter, der zufällig in der Nähe ist, gesehen wirst, wie du aus einem schäbigen Londoner Striplokal für Gentlemen kommst? Gehen wir.“

Er bugsierte mich den Gehweg entlang und winkte ein Taxi heran. „Bringen Sie diese junge Lady zurück zum Belgrave Square“, sagte er in einem Befehlston, den ich von ihm noch nie zuvor gehört hatte. Er verfrachtete mich in das Taxi. „Und du ziehst diese Anzeige in der Times gleich morgen früh zurück, hörst du?“

„Es ist mein Leben. du kannst nicht über mich bestimmen“, fuhr ich ihn an, weil ich glaubte, jeden Moment in Tränen auszubrechen. „Ich bin nicht dein Besitz, verstehst du.“

„Nein“, sagte er und sah mich lange eindringlich an. „Aber du bist mir wichtig, trotz allem. Jetzt geh nach Hause, trink eine Tasse Kakao und geh schlafen – allein.“

„Kommst du nicht mit?“ Meine Stimme zitterte ein wenig.

„Ist das eine Einladung?“, fragte er und sein Gesicht hellte sich einen Moment lang auf, bevor es sich wieder verdüsterte und er sagte: „Bedauerlicherweise muss ich noch etwas Geschäftliches erledigen. Aber ich gehe davon aus, dass wir einander in Kürze an einem respektableren Ort begegnen werden.“ Dann beugte er sich ins Taxi, umfing mein Kinn, zog mich an sich und küsste mich hart auf den Mund. Dann warf er die Tür des Taxis zu und ich wurde in die Nacht gefahren.

Kapitel 5

Rannoch House

16. August

Kühleres, gewöhnlicheres Wetter.

Innerer Aufruhr kein bisschen abgekühlt.

Es gelang mir, auf dem ganzen Weg nach Hause nicht in Tränen auszubrechen. Aber sobald ich die große Eingangstür hinter mir geschlossen hatte, liefen mir die Tränen die Wangen hinab. Es waren nicht nur die Furcht und die Peinlichkeit dessen, was geschehen war und was hätte geschehen können, es war das Wissen, dass ich Darcy nun endgültig verloren hatte. Ich legte mich ins Bett, rollte mich zu einer kleinen Kugel zusammen und wünschte mir, zusammen mit jemandem, der mich liebte, an einem sicheren Ort zu sein. Mir wurde bewusst, dass ich in Wahrheit auf niemanden außer meinem Großvater zählen konnte.

Ich erwachte von einem Klopfen in der Ferne. Es dauerte einen Moment, bis ich erkannte, dass jemand an die Eingangstür hämmerte. Es war erst neun Uhr und ich zog meinen Bademantel über und ging zögernd nach unten. Ich fragte mich, wer es um diese Zeit sein könnte. Belinda war es ganz sicher nicht. Einen Moment lang stieg die Hoffnung in mir auf, dass es Darcy wäre, der gekommen war, um sich für sein ungehobeltes Benehmen von letzter Nacht zu entschuldigen. Aber als ich die Tür öffnete, stand da ein junger Polizist.

„Das Scotland Yard schickt mich, um mit Lady Georgiana Rannoch zu sprechen“, sagte er und ließ seinen Blick über meinen Schlafanzug und mein verwuscheltes Haar gleiten. „Ist sie abkömmlich, bitte?“

„Ich bin Lady Georgiana“, sagte ich. „Darf ich fragen, wer vom Scotland Yard Sie geschickt hat und worum es hier geht?“

„Sir William Rollins würde sich gern mit Ihnen unterhalten, Mylady.“

„Sir William Rollins?“

Er nickte. „Deputy Commissioner.“

„Und warum wünscht Sir William mit mir zu sprechen?“

„Das kann ich Ihnen nicht sagen, Mylady. Er teilt sein Wissen nicht mit gewöhnlichen Polizisten. Ich wurde angewiesen, herzukommen und Sie abzuholen, und das tue ich. Wenn Sie sich nun beeilen und sich anziehen würden, er mag es nicht, wenn man ihn warten lässt.“

Ich suchte nach einer vernichtenden Antwort. Immerhin sprach er mit der Tochter eines Dukes und der Cousine zweiten Grades des Königs. Ich öffnete den Mund, um zu sagen, dass Sir William, wenn er mit mir reden wollte, seine Aufwartung im Rannoch House machen konnte. Aber ich brachte die Worte nicht heraus. Meine Beine zitterten sogar leicht, als ich wieder nach oben ging. Was wollte das Scotland Yard nur von mir? Und nicht nur das Scotland Yard, sondern ein sehr hohes Tier? Während meiner früheren Kontakte zum Scotland Yard hatte ich mich mit einem wirklich hochnäsigen Inspector und einem ziemlich gelackten Chief Inspector begnügen müssen. Eindeutig handelte es sich hier um etwas Ernsteres, aber ich hatte nicht die geringste Ahnung was … Es sei denn … Sicher hatten sie nicht von letzter Nacht erfahren? Und selbst wenn, ich hatte nicht gegen das Gesetz verstoßen – oder?

Ich griff nach dem ersten Kleid, das ich in meinem Kleiderschrank finden konnte, das halbwegs respektabel aussah, bürstete mir die Haare, putzte meine Zähne und spritzte mir Wasser ins Gesicht. Dann kam ich wieder nach unten, um mich dem zu stellen, was auf mich zukam.

Das Atmen fiel mir schwer, während ich im Polizeiwagen Richtung Whitehall gefahren wurde und den Vorhof des Scotland Yard betrat. Mir wurde die Tür aufgehalten und ich versuchte erhobenen Hauptes einzutreten, nur um über den Fußabtreter zu stolpern und schwungvoll in die Eingangshalle zu fliegen. (Wieder meine Veranlagung, in Stresssituationen tollpatschig zu sein, fürchte ich.)

Um die Peinlichkeit zu vervollständigen, fing mich ein junger Bobby mit rosigem Gesicht auf und bewahrte mich davor, in eine Glaswand zu krachen. „Sie haben es eilig, festgenommen zu werden, was, Miss?“, fragte er mit einem frechen Grinsen.

Ich bemühte mich, ihm einen Blick zuzuwerfen, der dem Andenken meiner Großmutter und ihres Ausspruchs „Wir sind nicht amüsiert“ würdig war, aber aus irgendeinem Grund gehorchte mir auch mein Gesicht nicht.

„Hier entlang, Ihre Ladyschaft“, sagte mein ursprünglicher Begleiter und führte mich zu einem Lift. Er schien eine Ewigkeit zu benötigen, bis er oben war. Mir fiel auf, dass ich den Atem anhielt, aber als wir den fünften Stock erreichten, musste ich nach Luft schnappen. Schließlich kam er rumpelnd zum Stehen. Der Constable zog die Falttür zurück und ich trat auf einen verlassenen Flur hinaus. Am Ende des Flurs drückte er auf einen Knopf. Eine Tür öffnete sich und wir wurden in ein Vorzimmer gelassen, wo zwei junge Frauen emsig auf Schreibmaschinen tippten. Das unterschied sich von meiner bisherigen Erfahrung mit dem Scotland Yard. Der Boden war mit Teppich bedeckt und der schwere, würzige Geruch von Pfeifentabak hing in der Luft.

„Lady Georgiana ist hier, um Sir William zu treffen“, sagte der junge Polizist.

Eine der jungen Frauen erhob sich von ihrem Schreibtisch.

„Hier entlang, bitte. Folgen Sie mir.“ Ihre Stimme und ihr Aussehen vermittelten äußerste Effizienz. Ich wollte wetten, dass sie noch nie im Leben über einen Teppich gestolpert war.

Sie führte mich einen weiteren Gang entlang und klopfte an eine Tür.

„Herein“, donnerte eine Stimme.

„Lady Georgiana, Sir William“, sagte die Frau mit ihrer effizienten Stimme.

Ich trat ein. Die Tür schloss sich hinter mir. Die Quelle des Tabakgeruchs offenbarte sich als massiger Mann mit rötlicher Gesichtsfarbe, der hinter einem Schreibtisch saß. Er quoll über die Seiten seines großen Ledersessels und hatte eine Meerschaumpfeife zwischen den Lippen. Als ich eintrat, nahm er sie aus dem Mund und hielt sie lässig in einer Hand. Die Sekretärin hatte ich in einem Wort als effizient charakterisiert. Ihn konnte ich ebenfalls mit einem Wort beschreiben: mächtig. Er hatte finstere Augenbrauen und die Art Gesichtsausdruck, der besagte, dass er ungern Widerspruch hörte, was bestimmt nicht oft vorkam.

„Lady Georgiana. Wie nett von Ihnen, so schnell zu kommen.“ Er streckte mir eine fleischige Hand entgegen.

„Hatte ich denn eine Wahl?“, fragte ich und er lachte herzlich, als ob ich einen guten Witz gemacht hätte.

„Ich verhafte Sie nicht, seien Sie versichert. Bitte. Setzen Sie sich.“ Ich setzte mich.

„Würden Sie mir dann bitte sagen, was ich hier tue?“, fragte ich.

„Sie haben nicht die leiseste Ahnung?“

„Nein. Warum sollte ich?“

Er lehnte sich zurück und musterte mich über seinen riesigen Mahagonischreibtisch hinweg. „Eine verstörende Neuigkeit ist ans Licht gekommen“, sagte er. „Unsere Sittenpolizei behält die Zeitungen im Auge, um nach potenziell illegalen und antisozialen Aktivitäten Ausschau zu halten. Als gestern eine Anzeige, ausgerechnet in der Times, auftauchte, überprüften sie die Telefonnummer, die in der Anzeige angegeben war. Stellen Sie sich ihre Überraschung vor, als sie herausfanden, dass die Nummer zu Ihrer Londoner Residenz gehörte – ein Telefon auf den Namen des Dukes von Glen Garry und Rannoch. Also schlussfolgerten wir sofort, dass es einen Druckfehler gegeben hatte und kontaktierten die Times, um es ihr mitzuteilen. Daraufhin wurde uns gesagt, dass es kein Druckfehler sei.“

Er machte eine Pause. Seine beängstigenden Augenbrauen zuckten als besäßen sie ein Eigenleben, wie zwei Garnelen. „Also dachte ich, dass Sie und ich einen kleinen Plausch halten und die ganze Angelegenheit regeln könnten, bevor es zu weiteren Schritten kommt. Würden Sie mir die Sache bitte erklären?“

Ich starrte gebannt auf seine Augenbrauen und wünschte mir gleichzeitig, dass sich der Fußboden öffnen und mich verschlingen würde.

„Es war alles ein schrecklicher Fehler“, sagte ich. „Ich wollte nur einen kleinen Begleitdienst gründen.“

„Begleitdienst?“ Die Augenbrauen zuckten in die Höhe.

„Nicht das, was Sie denken. Wohlerzogene Mädchen, die Herren, die nicht gern allein speisen, zum Dinner oder ins Theater begleiten. Nichts weiter. Vielleicht war meine Formulierung nicht gelungen?“

Er schüttelte belustigt den Kopf. „Oh, du liebes bisschen. Ihre Formulierung hätte nicht eindeutiger sein können, wenn Sie geschrieben hätten ‚Rufen Sie Fifi für ein bisschen Vergnügen an‘. Aber ich muss zugeben, dass ich erleichtert bin, dass Sie doch nicht ins älteste Gewerbe der Welt eingestiegen sind.“

Ich spürte, wie mein Gesicht vor Scham beinahe glühte.

„Absolut nicht. Und ich versichere Ihnen, dass ich morgen früh die Anzeige zurückziehe.“

„Bereits geschehen, meine Liebe“, sagte er. „Aber ich muss Sie warnen, in Zukunft etwas vorsichtiger vorzugehen, wenn Sie unternehmerisch tätig werden wollen. Halten Sie Rücksprache mit jemandem, der älter und welterfahrener ist, damit Ihnen nicht wieder ein peinliches Missgeschick passiert, hm?“

„Das werde ich“, sagte ich. „Es tut mir leid. Meine Absicht war wirklich unschuldig. Ich bin eine junge Frau, die wie jeder andere in dieser Stadt versucht, sich einen Lebensunterhalt zu verdienen, müssen Sie wissen. Ich dachte, ich hätte eine Nische gefunden und habe überstürzt gehandelt.“

„Ich würde mich in Zukunft an respektablere Berufe halten. Ich kann nur sagen, dass Sie Glück hatten, dass unser Mann die Anzeige so schnell bemerkt hat. Können Sie sich vorstellen, wie die Schmierenpresse sich gefreut hätte, wenn sie es zuerst entdeckt hätte? Das Flittchen mit dem Diadem? Das Buckingham-Bordell?“

Er sah mir zu, wie ich bei jedem dieser Sprüche zusammenzuckte. Es war offensichtlich, dass er es genoss.

„Ich habe Ihnen bereits gesagt, dass es nicht wieder vorkommen wird“, sagte ich. „Und zum Glück hat die Presse es nicht herausgefunden.“

„Gleichwohl“, fuhr er langsam fort, „halte ich es für klug, wenn Sie die Stadt sofort verließen. Nehmen Sie den nächsten Zug heim nach Schottland, hm? Wenn dann zufällig ein neugieriger Wichtigtuer über die Zeitung von gestern stolpert und Ihre Nummer wählt, wird er merken, dass Rannoch House leersteht und den Sommer über nicht bewohnt ist und dass es sich um einen Fehler gehandelt hat. Wir werden die Times anweisen, zu bestätigen, dass die Telefonnummer ihr Fehler gewesen sei.“

Er schaute mich fragend an. Ich konnte nur zustimmend nicken. Er hatte offensichtlich keine Ahnung, dass nach Schottland zurückzukehren bedeutete, dass ich mich einem Drachen von einer Schwägerin würde stellen müssen, die wissen wollen würde, warum ich ohne Vorwarnung auf ihrer Schwelle auftauchte. Aber ich konnte seine Argumente nachvollziehen. Ich schickte mich an aufzustehen, da ich davon ausging, dass die Befragung beendet war. Sir William führte seine Pfeife an die Lippen und nahm einen tiefen Zug.

„Eine weitere kleine Sache noch“, sagte er. „Kennen Sie zufällig eine Frau namens Mavis Pugh?“

„Noch nie von ihr gehört.“

„Verstehe. Erst gestern Abend wurde eine junge Frau tot auf einer Nebenstraße in der Nähe des Aerodrome in Croydon gefunden. Anscheinend wurde sie von einem rasenden Fahrzeug überfahren – so wie es aussieht ein Motorrad. Wir nehmen an, dass es nur ein tragischer Unfall war. Die Straße war belaubt und schattig und es war direkt nach einer scharfen Kurve. Vielleicht ist sie in letzter Minute auf die Straße getreten und er hat sie nicht gesehen. Aber er hat auch nicht angehalten, um es zu melden. Und wir haben keine Zeugen gefunden.“

Ich versuchte einen interessierten, aber distanzierten Gesichtsausdruck zu bewahren. Ich gab mir Mühe, nicht an Paolo zu denken. „Es tut mir sehr leid für die Frau, aber ich verstehe nicht, was das mit mir zu tun hat“, sagte ich. „Ich kann Ihnen versichern, dass ich noch nie im Leben Motorrad gefahren bin und letzte Nacht nicht in der Nähe des Aerodromes war, wie der Besitzer eines zwielichtigen Nachtclubs bestätigen kann.“

„Niemand behauptet, dass Sie das gewesen wären“, sagte er. „Ich habe gefragt, weil ihre Handtasche von dem Aufprall über die Straße geschleudert wurde. Der Inhalt wurde im Straßengraben verstreut. Darunter war ein halbfertiger Brief, anscheinend an Sie. Der Verfasser benutzte billige Tinte und das meiste davon wurde weggewaschen, aber wir konnten noch die Worte ‚Lady Georgiana‘ und ‚älterer Bruder, der Duke von‘ erkennen …“

„Wie merkwürdig“, sagte ich.

„Wenn Sie diese Frau also nicht kennen, warum hat sie Ihnen dann geschrieben, fragen wir uns.“ Seine Augen wichen keine Sekunde von meinen. Trotz seines Alters – er musste über fünfzig sein – waren seine Augen außergewöhnlich klar und lebendig. „Wir haben uns zum Beispiel gefragt, ob sie vielleicht vorhatte, Sie zu erpressen.“

„Womit? Mein Bruder und ich sind nahezu mittellos. Ihm gehört wenigstens das Anwesen. Ich besitze gar nichts.“

„Die niederen Klassen denken nicht so. Für die sind alle Aristokraten vermögend.“

„Ich kann Ihnen versichern, dass mich niemand erpresst. War bekannt, ob diese Frau in kriminellen Kreisen verkehrte?“

„Nein“, sagte er. „Sie war das Dienstmädchen einer Lady.“

Bei den Wörtern „Mavis“ und „Dienstmädchen einer Lady“ regte sich eine Erinnerung in meinem Kopf. „Warten Sie“, sagte ich. „Stand sie zufällig im Dienst von Veronica Padgett, der berühmten Pilotin?“

„Aha.“ Er lächelte selbstgefällig. „Dann kennen Sie sie doch?“

„Ich bin ihr einmal begegnet, vor ein paar Tagen im Aerodrome in Croydon. Sie war dort, um ihre Herrin abzuholen und ihr Kleider für eine Party zu bringen. Miss Padgett war unzufrieden mit ihr, weil sie zu spät kam. Sie wies auf mich und sagte, dass Lady Georgiana ohne ein Dienstmädchen zurechtkomme und sie überlegte, es mir gleichzutun, also wusste diese junge Frau, wer ich war. Aber ich habe nie ein direktes Wort mit ihr gewechselt.“

„Sie sagen, ihre Herrin war unzufrieden mit ihr? Vielleicht hat sie Ihnen geschrieben, um sich auf eine Stelle zu bewerben.“

„Möglich“, sagte ich. „Aber ich hatte den Eindruck, dass Miss Padgett sie nur aufzog und nicht wirklich damit drohte, sie zu entlassen. Was sagt sie dazu?“

„Sie war sogar sehr mitgenommen. Sie war bei einer Hausgesellschaft unten in Sussex und hatte ihr Dienstmädchen in London gelassen. Sie hatte keine Ahnung, was das Dienstmädchen in der Nähe des Aerodromes vorhatte, da ihre Herrin in den nächsten Tagen nicht nach London zurückkehren würde und ihr Dienstmädchen nicht angewiesen hatte, das Domizil zu verlassen.“

Ich wünschte, ich könnte Ihnen helfen, Sir William“, sagte ich, „Aber wie ich Ihnen eben sagte, hatte ich nichts mit dieser Person zu tun.“

„Sie sind eine Freundin von Miss Padgett, nicht wahr?“

„Keineswegs. Ich bin ihr nur einmal begegnet, und das zufällig. Sie landete mit ihrem Flugzeug im Aerodrome, als ich mit Freunden dort war. Sie kannte einen von uns und wir tranken ein Glas Champagner mit ihr, während sie auf ihr Dienstmädchen wartete.“

„Verstehe“, sagte er. Eine lange Pause entstand. „Nur ein unglücklicher Zufall“, fuhr er fort, „aber es ist ein Glück, dass Sie London verlassen, oder das könnte sich in den Anflug eines weiteren Skandals verwandeln, den wir einfach nicht zulassen können.“

„Ist das alles?“, fragte ich. Ich fühlte mich, als seien meine Nerven zum Zerreißen gespannt. Um ehrlich zu sein hatte ich nichts falsch gemacht und fühlte mich langsam als Gefangene auf der Anklagebank. Jeden Moment konnte die schwarze Richterkappe zum Vorschein kommen.

Er nickte. „Nun, das scheint jedenfalls alles zu sein.“ Er sah auf die Uhr. „Wenn wir uns beeilen nach King’s Cross zu kommen, könnten wir noch den heutigen Flying Scotsman erwischen. Er fährt um zehn Uhr ab, nicht wahr?“

„Den heutigen Flying Scotsman?“ Ich starrte ihn mit offenem Mund an. „Ich werde Zeit benötigen, um zu packen, wissen Sie. Ich kann nicht Hals über Kopf nach Schottland aufbrechen.“

„Lassen Sie es Ihr Dienstmädchen für Sie erledigen und sie kann mit einem späteren Zug nachkommen. Gewiss haben Sie die Mehrzahl Ihrer Kleider auf Castle Rannoch?“

Nun war ich sowohl verärgert als auch peinlich berührt. „Im Gegensatz zur allgemeinen Annahme sind nicht alle Aristokraten reich genug, um eine riesige Ausstattung zu besitzen. Die wenigen Kleidungsstücke, die ich mein Eigen nenne, sind bei mir in London.“

„Aber Sie kommen bis heute Abend ohne sie aus. Ich werde meinen Mann anweisen, einen Umweg über den Belgravia Square zu machen, damit Sie Ihrem Dienstmädchen Anweisungen geben und den ein oder anderen Kosmetikartikel mitnehmen können.“

„Ich habe im Moment kein Dienstmädchen“, rief ich ihm in Erinnerung.

„Kein Dienstmädchen? Sie haben allein in Rannoch House gelebt?“ Sein Gebaren deutete an, dass ich in der Tat wie vermutet ein unrühmliches Etablissement geführt hätte.

„Ich kann mir kein Dienstmädchen leisten“, sagte ich. „Das ist der Grund, warum ich versucht habe, Arbeit zu finden.“

„Du meine Güte.“ Er hustete peinlich berührt und klopfte seine Pfeife über dem Aschenbecher aus. „Und ich schätze, ich kann nicht von Ihnen erwarten, mit dem Bummelzug nach Edinburgh zu reisen und von dort aus mit dem Pullman-Nachtzug nach Glasgow, oder?“

„Ich kann von Glasgow aus keine gute Verbindung erreichen und auch nicht von unserem Chauffeur verlangen, mich dort abzuholen“, sagte ich.

„Nun gut, dann muss es eben morgen sein. Ich werde mein Mädchen anweisen, Ihnen einen Platz zu buchen. Und ich kann Ihnen nicht genug ans Herz legen, in der Zwischenzeit mit niemandem zu sprechen.“

„Ich vermute, Sie möchten, dass ich meinen Bruder anrufe, um ihm mitzuteilen, dass ich komme?“, sagte ich.

„Machen Sie sich keine Sorgen, das wurde geregelt“, sagte er.

Ich spürte, wie ich wieder rot anlief und mich fragte, was genau er ihm gesagt hatte. Würden alle wissen, dass ich voller Schande nach Hause geschickt wurde wie ein unartiges Schulmädchen? Sir William erhob sich. „Nun gut, Sie machen sich besser auf den Weg. Was immer Sie tun, gehen Sie nicht ans Telefon und es wäre besser, Sie schließen die Vorhänge und erwecken den Eindruck, das Haus wäre verlassen. Mein Mann wird sie morgen früh abholen.“

Nach und nach gewann meine Verärgerung die Oberhand über meine Furcht. Dieser Mann kommandierte mich herum, als wäre er mein Befehlshaber in der Armee.

„Und wenn ich beschließe, nicht zu gehen?“, wollte ich wissen.

„Dann werde ich gezwungen sein, diese Angelegenheit Ihren Majestäten zu unterbreiten. Ich hoffe doch, dass Sie ihnen die Peinlichkeit lieber ersparen möchten. Außerdem habe ich gehört, dass Sie ohnehin in naher Zukunft auf Balmoral erwartet werden. Sie ziehen Ihre Ankunft lediglich um wenige Tage vor. So einfach ist das. Nun gehen Sie schon, genießen Sie die Moorhuhnjagd, Sie Glückliche. Wünschte, ich könnte dort oben sein, anstatt hinter diesem Schreibtisch festzusitzen.“

Daraufhin lachte er herzlich, nun in der Rolle des gutmütigen Onkels, da ich seine Wünsche befolgte. Ich nickte kühl und verließ den Raum so würdevoll wie möglich.

Kapitel 6

Immer noch 16. August

Als ich unter den wachsamen Augen des jungen Constable die Tür zum Rannoch House öffnete, fühlte ich mich, als wäre ich kurz davor zu explodieren. In Wahrheit war die Wut, die ich empfand, wahrscheinlich ein Resultat meiner Scham und Erniedrigung. Ich schickte ein Stoßgebet zum Himmel, dass Sir William Binky und Fig nichts von meinen Fauxpas erzählt hatte. Binky würde es für einen großen Witz halten, aber ich konnte mir ausmalen, wie Fig mir einen vernichtenden Blick zuwerfen und mir einen Vortrag darüber halten würde, wie sehr ich die Familie enttäuscht hätte und dass wohl wieder einmal das minderwertige Blut meiner Mutter zum Vorschein käme. Das erinnerte mich natürlich an meinen Großvater. In diesem Moment hätte ich ihn liebend gern um mich gehabt, weil ich eine feste Umarmung nötig hatte. Belinda wäre in dieser Hinsicht nutzlos, selbst wenn sie nicht gerade in Paolos Armen läge. Sie würde das Ganze schreiend komisch finden. „Ausgerechnet du hast dich als Freudenmädchen ausgegeben, Schätzchen“, würde sie sagen. „Die einzige verbleibende Jungfrau in ganz London!“

Aber mein Goßvater besaß keinen Telefonanschluss und ich glaubte nicht, dass Sir William es gutheißen würde, wenn ich mit der U-Bahn herumführe. Also packte ich die Art Kleidung ein, die man in Schottland brauchte, und trank in der düsteren Küche im Untergeschoss eine Tasse Tee. In diesem Moment läutete das Telefon. Ich sprang auf, bevor mir die Anweisung einfiel, nicht den Hörer abzunehmen. Wenig später klingelte es erneut. Nun flatterten meine Nerven wirklich. Hatte mich die Presse doch im Visier? Oder war er ein potenzieller Kunde, der meine Anzeige in der gestrigen Zeitung gesehen hatte? Ich lief nervös durch das Haus und spähte hin und wieder durch die geschlossenen Vorhänge des zur Straße gelegenen Schlafzimmers, um nachzusehen, ob irgendwelche Reporter sich auf dem Platz postiert hatten.

Dann um ungefähr fünf Uhr ertönte ein lautes Klopfen an der Eingangstür. Ich eilte ans Schlafzimmerfenster und versuchte zu erkennen, wer es war, aber die Eingangstür befand sich unter einem geschlossenen Vordach. Es hätte natürlich auch Belinda sein können, aber das Klopfen klang irgendwie männlich und fordernd. Es klopfte erneut. Ich hielt den Atem an. Wenn es jemand vom Scotland Yard war, dann war es ihre eigene alberne Schuld, dass ich die Tür nicht öffnete. Ich hielt mich an ihre Anweisungen. Ich hielt die Augen offen und wartete ab. Schließlich sah ich, wie sich ein Mann vom Haus entfernte. Ein älterer Mann, der nicht besonders gut gekleidet war. Dann plötzlich erkannte ich die Gangart. Ich schlug alle Anweisungen in den Wind, rannte die Treppe hinunter, riss die Haustür auf und eilte die Straße hinunter, hinter der Gestalt her, die sich entfernte.

„Großvater“, schrie ich.

Er drehte sich um und auf seinem Gesicht breitete sich ein strahlendes Lächeln aus. „Ach, da bist du ja, Küken. Ich hatte mir schon Sorgen um dich gemacht. Habe ich dich aus einem Mittagsschläfchen gerissen?“

„Überhaupt nicht“, sagte ich. „Ich wurde angewiesen, die Tür nicht zu öffnen. Komm rein und ich erzähle dir alles.“

Ich zerrte ihn geradezu zurück ins Rannoch House, während ich mich nach Reportern umsah, die sich vielleicht in den Gartenhecken versteckt hielten. Ich wusste, dass die Gärten privat waren und man einen Anwohnerschlüssel benötigte, um sie zu betreten, aber Reporter sind für ihren Einfallsreichtum bekannt und können, wenn nötig, über Eisenzäune springen.

„Was soll das alles, Liebes?“, fragte er, während ich die Tür mit einem erleichterten Seufzen hinter uns schloss. „Steckst du in irgendwelchen Schwierigkeiten? Ich habe es mir schon gedacht, als dieser Kerl mir erzählte, dass du bei mir zu Hause vorbeigeschaut hast – natürlich genau an dem Tag, als ich fort war. Bin auf dem jährlichen Ausflug nach Clacton gewesen.“

„Wie war es?“, fragte ich.

„Herrlich. Die frische Meeresluft hat diesen alten Lungen ganz schön gutgetan. Als wir zurückkamen, hab’ ich mich wie ein neuer Mann gefühlt.“

Ich sah ihn prüfend an. Ich wusste, dass er schon seit einer Weile nicht mehr bei bester Gesundheit war und er sah nicht gut aus. Mich durchzuckte die Sorge, dass ich den einzigen Fels in meinem Leben verlieren könnte, und verspürte Bedauern, dass ich mich nicht in der Lage befand, mehr für ihn zu tun. Ich wünschte, ich könnte ihn diesen Sommer ans Meer schicken.

„Also, was ist los, Küken?“, fragte er. „Komm und mach eine Tasse Tee und erzähl deinem alten Großvater alles.“

Wir gingen in die Küche hinunter und setzten Wasser auf, während ich ihm die ganze Geschichte erzählte. „Menschenskinder“, sagte er und versuchte ein Grinsen zu unterdrücken, „da bist du in ein richtiges Schlamassel geraten, was? Begleitdienst? Erstklassige Mädchen?“

„Woher hätte ich das wissen sollen?“, fragte ich aufgebracht.

„Gar nicht. Bist zu behütet aufgewachsen, das ist dein Problem. Aber wenn du das nächste Mal irgendwelche tollen Ideen hast, erzähl sie zuerst deinem alten Großvater.“

„In Ordnung.“ Ich musste lächeln.

„Jedenfalls ist nichts Schlimmes passiert“, sagte er. „Du hast Glück, dass du so glimpflich davongekommen bist.“

„Das wäre ich nicht, wenn Darcy nicht in dem Nachtklub aufgetaucht wäre“, gestand ich. „Er hat eingegriffen und mich gerettet. Und die schlechte Nachricht ist, dass das Scotland Yard irgendwie Wind davon bekommen hat und mich postwendend nach Schottland verfrachtet, nur für den Fall, dass irgendwelche Reporter darüber stolpern.“

„Das ist doch übertrieben. Was wäre denn, wenn ein Reporter darüber stolpert? Du würdest einfach sagen, dass es eine ungünstig formulierte Anzeige war.“

„Scotland Yard hat die Times dazu bekommen, zu sagen, dass die Telefonnummer ein Druckfehler war. Sie denken, ich würde der Krone Schande bereiten.“

„Nicht mehr als ihr eigener Sohn ihnen Schande bereitet“, sagte Großvater. „Hat er noch immer diese verheiratete Amerikanerin im Schlepptau?“

„Soweit ich weiß. Ich muss sagen, dass die Presse damit bemerkenswert diskret umgeht. Es war in keiner Zeitung zu lesen.“

„Weil Ihre Majestäten gebeten haben, es unter Schloss und Riegel zu halten.“

Der Teekessel pfiff und ich machte Tee, während Großvater, der auf einem der harten Küchenstühle hockte, mir zusah. „Also sollst du zurück nach Schottland geschickt werden, was? Nach Balmoral oder zu deinem Bruder?“

„Castle Rannoch. Meine Einladung nach Balmoral ist erst für übernächste Woche.“

„Kann mir nicht vorstellen, dass dir deine Schwägerin den roten Teppich ausrollt.“

„Ich auch nicht“, sagte ich. „Ehrlich gesagt fürchte ich mich ziemlich davor, obwohl ich Schottland um diese Jahreszeit liebe.“

„Lass nicht zu, dass sie dich herumkommandiert“, sagte Großvater. „Es ist dein Zuhause. Du wurdest dort geboren. Dein Vater war ein Duke und der Enkel der alten Königin; ihrer war nur ein Baronet, der seinen Titel erhielt, weil er Charles dem Zweiten Geld lieh, um seine Spielschulden zu bezahlen. Lass sie das nicht vergessen.“

Ich lachte. „Großvater, du bist schrecklich. Und ich glaube, im Innersten bist du ein kleiner Snob.“

„Ich kenne meinen Rang und gebe nicht vor, jemand zu sein, der ich nicht bin“, sagte er. „Ich hab’ keine Zeit für Leute übrig, die sich Illusionen über ihre Stellung machen.“

Ich sah ihn wehmütig an. „Ich wünschte, du würdest mich begleiten“, sagte ich.

„Tja, kannst du dir vorstellen, wie ich mit den Adligen jage und schieße und per Du bin?“ Er schmunzelte und sein Kichern verwandelte sich in ein pfeifendes Husten. „Wie gesagt, ich kenne meinen Rang, mein Liebes. Du lebst in deiner Welt und ich in meiner. Geh nach Hause und genieße die Zeit dort oben. Wir sehen uns wieder, wenn du zurückkommst.“

Kapitel 7

Im Flying Scotsman Richtung Norden

17. August 1932

Auf dem Weg nach Hause. Aufgeregt und ängstlich zugleich. Herrlicher Tag. Sonnig und warm.

Am nächsten Morgen saß ich in der ersten Klasse des Flying Scotsman und die Sonne tauchte die Landschaft, die an mir vorbeirauschte, in helles Licht. Es war sehr hübsch und ländlich, aber ich war innerlich zwiegespalten. Ich fuhr nach Hause – zurück an einen Ort, den ich liebte. Mein Kindermädchen lebte noch immer in einem Cottage auf dem Anwesen, mein Pferd wartete im Stall auf mich und mein Bruder würde sich freuen, mich zu sehen, selbst wenn man das von Fig nicht behaupten konnte. Der Gedanke an Fig drehte mir den Magen um. Ich hatte keine Angst vor ihr, aber es das Gefühl unerwünscht zu sein ist nie angenehm. Ich fragte mich, was Sir William ihr gesagt hatte. Wusste sie, dass ich in Schimpf und Schande nach Hause geschickt worden war?

Ich bemerkte, dass draußen auf dem Gang eine Glocke läutete und eine Stimme verkündete, dass es Zeit für die erste Lunchrunde war. Normalerweise hätte ich mir in meinem mittellosen Zustand nicht gestattet, im Speisewagen zu Mittag zu essen, aber heute hatte ich es meiner Meinung nach verdient. Immerhin würde ich in nächster Zukunft nicht für meine Verpflegung aufkommen müssen und jemand vom Scotland Yard hatte meine Fahrkarte bezahlt. Ich stand auf, warf einen Blick in den Spiegel, um sicherzugehen, dass ich respektabel aussah, dann verließ ich mein Abteil und trat auf den Gang hinaus, wo ich beinahe mit jemandem zusammenstieß, der aus dem Abteil nebenan kam. Er war ein ziemlich gutaussehender hochgewachsener junger Mann mit blondem Haar, das mit Pomade zu pompösen Locken gelegt war, einem sportlichen Blazer und Anzughosen.

„Verzeihung“, murmelte er, dann erst schien er mich wirklich zu bemerken. Er ließ den Blick über mich gleiten, wie Männer es normalerweise bei Belinda taten. „Aber hallo“, sagte er in einem gedehnten Tonfall, der vermutlich anzüglich wirken sollte. „Ich muss schon sagen, welch ein glücklicher Zufall, jemanden wie Sie im angrenzenden Abteil anzutreffen. Hier sitze ich und mache mich auf acht Stunden voller Langeweile und Kreuzworträtseln bereit. Stattdessen treffe ich auf ein unheimlich reizendes Mädchen, und noch besser, ein reizendes Mädchen, das anscheinend allein ist.“ Er sah sich nach beiden Seiten des leeren Gangs um. „Ich war auf dem Weg zur Cocktail-Lounge, müssen Sie wissen. Lust, mir auf einen Drink Gesellschaft zu leisten, altes Haus? Man kann diese Uhrzeit einfach nicht ohne einen Gin und Tonic überleben.“

Ein Teil von mir war versucht, mit ihm zu gehen; der andere Teil war pikiert von der Art und Weise, wie er mich mit den Augen auszog. So etwas passierte mir nicht oft und ich war nicht sicher, ob ich es genießen sollte oder nicht. Wie immer, wenn ich unter Stress stand, fiel ich in mein bewährtes Muster zurück. „Es ist furchtbar nett von Ihnen, aber ich war auf dem Weg in den Speisewagen.“

„Es ist bloß die erste Runde. Niemand außer alternden Jungfern und Pfarrern geht zur ersten Runde. Kommen Sie schon, geben Sie sich einen Ruck. Leisten Sie mir bei einem Cocktail Gesellschaft. Wir sind im Zug, wissen Sie. Auf Reisen gelten die gesellschaftlichen Zwänge nicht.“

„In Ordnung“, sagte ich.

„Prächtig. Dann lassen Sie uns gehen.“ Er nahm meinen Ellbogen und führte mich in Richtung der Cocktailbar. „Gehen Sie zur Moorhuhnjagd nach Schottland?“, fragte er, während wir uns im schwankenden Zug unsicher vorwärts bewegten.

„Ich werde Verwandte besuchen“, sagte ich über meine Schulter hinweg, „aber ich werde wohl auch ein bisschen jagen. Was ist mit Ihnen?“

„Ich werde vielleicht selbst ein wenig jagen, aber vor allem werde ich einem alten Freund dabei zuschauen, wie er sein neues Boot ausprobiert. Er hat eine teuflische Maschine entworfen, mit der er vorhat, den Geschwindigkeitsweltrekord auf dem Wasser zu brechen. Er wird sie auf irgendeinem widerwärtigen schottischen See testen, also haben ein paar von uns beschlossen, mitzukommen und ihn anzufeuern.“

„Wirklich?“, fragte ich. „Wo werden Sie wohnen?“

„Ich habe es geschafft, eine Art Einladung zu einem Ort in der Nähe namens Castle Rannoch zu bekommen“, sagte er. „Ich ging nämlich mit dem Duke zusammen zur Schule. Ich muss sagen, die alte Schulverbindung wirkt überall Wunder. Aber ich kann nicht sagen, dass ich mich besonders auf das Schloss freue. Es klingt geradezu mittelalterlich. Keine ordentlichen Sanitäranlagen, keine Heizung und auf den Mauern spuken Familiengeister herum. Und die lebenden Bewohner klingen ebenso langweilig, aber es wird wirklich verflixt praktisch für alle Unternehmungen sein, also werde ich es schon ein paar Tage aushalten. Was ist mit Ihnen? Wo werden Sie wohnen?“

„Auf Castle Rannoch“, sagte ich sanft. „Es ist mein Familiensitz.“

„Oh, verflucht.“ Er lief tomatenrot an. „Sagen Sie mir nicht, dass Sie Binkys Schwester sind. Ich bin wirklich ins Fettnäpfchen getreten, oder?“

„Ja, das sind sie allerdings“, sagte ich. „Wenn Sie mich nun entschuldigen würden. Ich möchte die erste Lunchrunde mit den Pfarrern und alten Jungfern nicht verpassen.“ Ich drehte mich von ihm weg und stolzierte in die entgegengesetzte Richtung.

Als ich ankam, war der Speisewagen gut gefüllt, und das nicht nur mit den angedrohten alten Jungfern und Pfarrern, aber für mich wurde ein freier Tisch ausfindig gemacht und man reichte mir eine Speisekarte. Mir fiel auf, dass der Mann mir gegenüber mich mit offenkundigem Interesse anstarrte. Er war ein älterer, militärisch wirkender Mann – schlank, mit gerader Haltung und einem akkuraten kleinen Schnurrbart, und ich fragte mich, ob er es sich zur Gewohnheit gemacht hatte, junge Frauen in Zügen anzusprechen. Und tatsächlich, er erhob sich halb, als wollte er auf mich zukommen, als ihm ein anderer Mann zuvorkam.

„Tut mir schrecklich leid“, sagte Letzterer mit hoher, atemloser Stimme, „aber jeder verdammte Platz scheint besetzt zu sein, also habe ich mich gefragt, ob es Ihnen sehr viel ausmachen würde, wenn ich mich zu Ihnen geselle. Ich verspreche Ihnen, dass ich meine Suppe nicht schlürfe und auch keinen Tee von der Untertasse trinke.“

Äußerlich war er das komplette Gegenteil des anderen Mannes – klein, rundlich und rosig, mit einem adretten kleinen Schnurrbart und einer Nelke im Knopfloch. Sein dunkles Haar war sorgfältig über eine kahle Stelle gekämmt. Auf jeden Fall kein bisschen bedrohlich und er warf mir ein hoffnungsvolles Lächeln zu. Er hätte sogar einer der erwähnten Pfarrer sein können, der ohne sein Halsband reiste.

„Natürlich“, sagte ich. „Nehmen Sie doch Platz.“

„Wunderbar. Wunderbar“, sagte er und strahlte mich an. Er zog ein gestärktes weißes Taschentuch hervor und wischte sich über die Stirn. „Warm hier im Zug, was? Sie werden sich alle mächtig erschrecken, wenn sie in Schottland ankommen und der übliche heulende Sturmwind bläst.“

„Leben Sie in Schottland?“, fragte ich.

„Um Himmels willen, nicht doch. Ich für meinen Teil bin ein kosmopolitischer Vogel. London und Paris, das bin ich.“ Dann streckte er mir eine rosafarbene, dralle Hand entgegen. „Ich sollte mich vorstellen. Ich bin Godfrey Beverley. Ich schreibe eine kleine Kolumne für die Morning Post. Sie heißt ‚Tittle Tattle‘. All der pikante Klatsch und Tratsch darüber, was in der Stadt passiert. Sie haben bestimmt von mir gehört.“

In meinen Kopf ertönte eine leise Alarmglocke. Dieser Mann gehört zur Presse. Schmeichelte er sich bei mir ein, damit er einen exklusiven Bericht über meine kürzliche übereilte Abreise aus London erhielt?

„Es tut mir leid“, sagte ich geistesgegenwärtig, „aber wir haben die Times abonniert und ich kümmere mich nicht um Klatsch und Tratsch.“

„Aber, aber, meine liebe junge Lady, Sie müssen die einzige unter einer Million Frauen sein, die Tratsch und Klatsch nicht ungemein köstlich findet“, sagte er und sah erwartungsvoll auf, als Suppenterrinen an unseren Tisch gebracht wurden.

„Ah, Vichyssoise – mein Lieblingsessen“, sagte er und strahlte wieder. „Ich habe gehört, dass sie in diesem Zug inzwischen ordentliche Speisen servieren. So viel besser als zu der Zeit, als sie zum Lunch einen Zwischenhalt in York eingelegt haben und wir innerhalb von zwanzig Minuten diese scheußlichen Sausage Rolls hinunterschlingen mussten. Oh, ich hatte noch keine Gelegenheit, Sie nach Ihrem Namen zu fragen, meine Liebe.“

Ich versuchte, mir einen unverdächtigen Namen auszudenken und wollte gerade „Maggie McGregor“ sagen, der Name meines Dienstmädchens zu Hause, als der Maître d’ an unserem Tisch erschien. „Wein für Ihre Ladyschaft?“, fragte er.

„Ähm, nein, danke“, stotterte ich.

„Ihre Ladyschaft?“ Mein Tischgefährte sah mich erwartungsvoll an. Er legte eine Hand vor den Mund wie ein ungezogenes Kind, das man an der Keksdose erwischt hatte. „Oh, lieber Himmel, wie dumm von mir, natürlich. Jetzt erkenne ich Sie von Ihren Bildern im Tattler. Sie sind Lady Georgiana, richtig? Die Cousine des Königs. Wie ausgesprochen unverzeihlich von mir, Sie nicht erkannt zu haben. Und ich dachte, Sie seien ein ganz gewöhnliches Mädchen, das aus dem Internat oder der Universität heimkehrt. Sie müssen mich für schrecklich anmaßend halten, dass ich mich an Ihren Tisch gesetzt habe. Und wie liebenswürdig Sie waren. Bitte verzeihen Sie mir meine Unhöflichkeit.“ Er erhob sich halb.

„Keineswegs“, sagte ich und lächelte, um ihn zu beruhigen. „Und bitte, bleiben Sie doch. Ich esse ungern allein.“

„Sie sind viel zu gütig, Ihre Ladyschaft.“ Er verbeugte sich jetzt tatsächlich.

„Und ich bin eine ganz gewöhnliche junge Frau“, sagte ich. „Ich fahre nach Hause, um meine Familie zu besuchen.“

„Nach Castle Rannoch? Wie entzückend. Ich werde nicht weit von Ihnen in meinem Lieblingsgasthaus übernachten. Während der Jagdsaison reise ich immer gern nach Schottland. Alles, was Rang und Namen hat, ist dort, versteht sich, und es besteht immer die Chance, dass Ihre geschätzten Familienmitglieder aus Balmoral vorbeischauen und sich von Zeit zu Zeit mit einfachem Volk wie mir abgeben.“ Er machte eine Pause, um sich der Suppe zu widmen. „Ich nehme an, Sie wurden nach Balmoral eingeladen?“

„Ja, es wird stets erwartet, dass man sich dort zur Jagdsaison zeigt“, sagte ich, „aber ich werde zunächst einige Tage auf dem Familiensitz verbringen.“

„Sie müssen Sie schrecklich vermissen, wenn Sie fort sind“, sagte er. „Waren Sie auf Reisen in Europa?“

„Nein, die meiste Zeit war ich in London“, sagte ich, dann fiel mir ein, dass er Mr. Tittle-Tattle war. „Natürlich besucht man häufig Freunde auf dem Land. Im Herzen bin ich ein Mädchen vom Lande. Ich kann es nie allzu lang in der Stadt aushalten.“

„Wohl wahr, wohl wahr“, sagte er. „Also, sagen Sie mir, wen haben Sie zuletzt besucht? Irgendwelche pikanten Skandale?“

„Nicht seit der deutschen Prinzessin“, sagte ich, weil ich wusste, dass er mit diesem Skandal bereits gänzlich vertraut war.

„Meine Liebe, war das nicht schrecklich? Den Gerüchten zufolge haben Sie Glück, mit dem Leben davongekommen zu sein.“

Die leeren Suppenteller wurden fortgetragen und durch Fasanenbraten, neue Kartoffeln und Erbsen ersetzt. Godfrey Beverley strahlte wieder. „Ich muss gestehen, dass ich Fasan liebe“, sagte er und griff zu.

„Also, sagen Sie mir“, erkundigte er sich, nachdem er das meiste Essen auf seinem Teller vertilgt hatte, „ist etwas Wahres an der Geschichte über Ihren geschätzten Cousin, den Prince of Wales, und seine neue Freundin? Stimmt es, was erzählt wird, dass sie eine verheiratete Frau ist? Sogar zweimal? Und auch noch eine Amerikanerin?“

„Ich fürchte, der Prince of Wales zieht mich nicht ins Vertrauen, was seine weiblichen Freunde angeht“, sagte ich. „Er hält mich noch immer für ein Schulmädchen.“

„Wie kurzsichtig von ihm, da Sie sich in eine so bezaubernde junge Frau verwandelt haben.“

Ich wollte ihn gerade daran erinnern, dass er mich ebenfalls für ein Schulmädchen gehalten hatte und das musste ihm in diesem Moment ebenfalls klargeworden sein, da er wieder nervös wurde und anfing, mit seinem Brötchen zu spielen. Die Teller wurden fortgetragen und ein appetitlich aussehender süßer Queen Pudding wurde serviert.

„Ich frage mich, ob sie oben in Schottland sein wird?“, fragte er in verschwörerischem Tonfall.

„Sie?“

„Die mysteriöse Amerikanerin, über die so viele Gerüchte im Umlauf sind“, flüsterte es. „Man würde sie natürlich nicht nach Balmoral einladen, aber ich hoffe, einen Blick auf sie werfen zu können. Man erzählt sich, sie sei eine Modeikone – da fällt mir ein, haben Sie Ihre Mutter in letzter Zeit gesehen? Ich habe Ihre liebe Mama übermäßig gern.“

„Haben Sie das?“ Meine Feindseligkeit ihm gegenüber begann ein wenig zu schmelzen.

„Ohne Frage. Ich bete diese Frau an. Ich verehre den Boden, über den sie schreitet. Sie hat mir mehr Material für meine Kolumne gegeben als irgendein anderes menschliches Wesen. Sie führt ein so herrlich zügelloses Leben.“

Die Feindseligkeit kehrte zurück. „Ich sehe sie zurzeit sehr selten“, sagte ich. „Ich glaube, sie hält sich noch in Deutschland auf.“

„Oh nein, meine Liebe. Sie ist schon seit mehreren Wochen, wenn nicht länger, in England. Ich habe sie kürzlich abends im Café Royal gesehen. Und sie hat mit Noel Coward kürzlich nachts im Café de Paris gesungen. Es geht das Gerücht um, dass er ein Theaterstück für sie schreibt. Sie wissen nicht zufällig, ob das stimmt, oder?“

„Offensichtlich kennen Sie sie besser als ich“, sagte ich und es verletzte mich tief, dass sie in London gewesen war und mich nicht einmal kontaktiert hatte. Nicht, dass ich es anders gewohnt war, sie hatte mich manchmal monatelang nicht kontaktiert, während ich aufwuchs oder im Internat war. Ich vermutete, dass ihr mütterlicher Instinkt noch nie besonders ausgeprägt gewesen war.

Als der Kaffee serviert wurde, brachte ich es zustande, meine Meringue zu essen, ohne weiße Krümel auf mir zu verteilen, und es gelang mir, ein paar Antworten auf Mr. Beverleys hartnäckige Fragen zu geben. Als ich meine Tasse geleert hatte und den Kellner herbeiwinkte, um meine Rechnung zu bezahlen, fühlte ich mich zutiefst erleichtert.

„Es ist bereits bezahlt, Ihre Ladyschaft“, sagte der Kellner.

Ich sah mich im Speisewagen um und überlegte, etwas peinlich berührt, wer mich wohl eingeladen hatte. Mr. Beverley war es gewiss nicht. Er zählte sein Geld auf dem Tischtuch ab. Dann entschied ich mich dafür, dass Sir William es vielleicht arrangiert hatte, um mir den Umstand, dass ich London in Schimpf und Schande verlassen musste, erträglicher zu gestalten.

Ich erhob mich und nickte Mr. Beverley zu, der ebenfalls schwankend aufstand. „Mylady, ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie erfreut ich bin, Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben“, sagte er. „Und ich hoffe sehr, dass dies die erste von vielen Begegnungen sein wird. Wer weiß, vielleicht finden Sie Gelegenheit, mit mir eines Tages Tee zu trinken, während ich im Gasthaus bin. Es gibt in der Nähe eine entzückende kleine Teestube. Der Kupferkessel. Kennen Sie sie?“

„Wenn ich zu Hause bin, trinke ich Tee normalerweise im Kreis der Familie“, sagte ich, „aber ich bin sicher, dass wir uns früher oder später wieder über den Weg laufen werden, falls Sie länger in Schottland bleiben. Vielleicht bei einem der Jagdausflüge?“

Das ließ ihn erbleichen. „Oh, du liebes bisschen, nein. Mir macht es keinen Spaß, zu töten, Lady Georgiana. So eine barbarische Tradition.“

Beinahe hätte ich ihn daran erinnert, dass er den Fasan mit offensichtlichem Gusto verspeist hatte und dass ihn irgendwann jemand getötet haben musste, aber ich wollte mich zurückziehen, solange ich die Gelegenheit hatte.

„Bitte entschuldigen Sie mich“, sagte ich. „Ich bin heute Morgen sehr früh aufgestanden und glaube, ich muss mich nach dem Mittagessen ausruhen.“ Ich nickte ihm auf huldvolle, königliche Art zu und zog mich in mein Abteil zurück. Es waren wirklich zwei sehr anstrengende Tage gewesen. Ich erwartete meine Ankunft zu Hause mit Spannung.

Kapitel 8

Noch immer im Zug

17. August

Die Nachmittagssonne hatte das Abteil aufgewärmt und ich war von dem reichlichen Mittagessen gesättigt. Ich musste eingenickt sein, da mich ein leises Geräusch weckte. Es war ein kaum wahrnehmbares Klicken, aber es genügte mir. Ich öffnete die Augen und setzte ich mich dann alarmiert auf. In meinem Abteil war ein Mann. Schlimmer noch, er war dabei, die Vorhänge zum Gang zuzuziehen. Es war der militärisch aussehende Mann, der mich im Speisewagen so eingehend beobachtet hatte.

„Was glauben Sie, was Sie da tun?“, wollte ich wissen und sprang auf. „Bitte verlassen Sie dieses Abteil sofort oder ich sehe mich gezwungen, die Notbremse zu ziehen und diesen Zug anzuhalten.“

Das brachte ihn zum Schmunzeln. „Das wollte ich schon immer mal sehen“, sagte er. „Ich frage mich, wie lange es dauert, bis ein Schnellzug mit siebzig Meilen pro Stunde anhält. Eine gute halbe Meile, schätze ich.“

„Wenn Sie hier sind, um mich auszurauben, dann muss ich Sie darauf hinweisen, dass ich ohne Wertsachen reise“, sagte ich herablassend, „und wenn Sie mich belästigen wollen, kann ich Ihnen versichern, dass ich über einen guten rechten Haken und eine laute Stimme verfüge.“

Das brachte ihn zum Lachen. „Oh ja, ich verstehe, was sie meinen. Ich glaube, Sie sind eine gute Wahl.“ Er setzte sich, ohne aufgefordert worden zu sein. „Ich kann Ihnen versichern, Mylady, dass ich Ihnen nichts antun will, und bitte Sie, meine unorthodoxe Vorstellung zu verzeihen. Ich wollte mich Ihnen im Speisewagen vorstellen, doch dieser abscheuliche kleine Mann kam mir zuvor.“ Er beugte sich zu mir. „Erlauben Sie mir, mich nun vorzustellen. Ich bin Sir Jeremy Danville. Ich arbeite für das Innenministerium.“

Ach du meine Güte, dachte ich. Noch jemand von der Regierung, der sich vergewissern wollte, dass ich sicher nach Hause kam und keinen königlichen Skandal auslöste. Er wollte wahrscheinlich wissen, was ich Godfrey Beverley erzählt hatte.

„Ich habe mit Absicht diesen Zug genommen“, sagte er, „da ich weiß, dass wir sprechen können, ohne abgehört zu werden. Zunächst möchte ich Ihr Wort, dass das, was ich Ihnen sagen werde, niemals jemandem weitergegeben wird, nicht einmal einem Familienmitglied.“

Das hatte ich nicht erwartet und war nach meinem Nickerchen noch nicht ganz wach. „Ich verstehe nicht, wie ich etwas zustimmen kann, wenn ich keine Ahnung habe, was es ist“, sagte ich.

„Und wenn ich Ihnen sagen würde, dass es die Sicherheit der Monarchie betrifft?“ Er sah mich lange und eindringlich an.

„Also gut, schätze ich“, sagte ich.

Ich fühlte mich so langsam wie Anne Boleyn sich gefühlt haben musste, als sie zum Tower gerufen wurde und herausfand, dass es sich nicht um eine gemütliche Dinnerparty handelte. Mir kam in den Sinn, dass jemand der Königin von meinem kleinen Missgeschick telefonisch berichtet haben musste und ich sofort postwendend als Zofe zu einer entfernten Verwandten auf die Äußeren Hebriden geschickt werden sollte.

Sir Jeremy räusperte sich. „Lady Georgiana, wir vom Innenministerium sind nicht uninformiert, was Ihre Rolle bei der Aufdeckung eines Anschlags auf Ihre Majestäten angeht“, sagte er. „Sie haben beträchtlichen Mut und Einfallsreichtum gezeigt. Also haben wir beschlossen, dass Sie die ideale Person für eine kleine Aufgabe wären, die die Königsfamilie betrifft.“

Er machte eine Pause. Ich wartete. Er schien zu erwarten, dass ich etwas sagte, aber mir fiel nichts ein, was ich sagen konnte, weil ich keine Ahnung hatte, was als Nächstes käme.

„Lady Georgiana“, fuhr er fort, „der Prince of Wales hatte in letzter Zeit eine Reihe unglücklicher Unfälle – ein Reifen, der sich an seinem Wagen löste, ein gerissener Sattelgurt seines Poloponys. Zum Glück blieb er bei beiden Vorfällen unverletzt. Man könnte das natürlich als unglückliche Zufälle bezeichnen, aber als wir sie genauer untersucht haben, fanden wir heraus, dass der Duke of York und seine anderen Brüder ebenfalls ähnliche unglückliche Unfälle gehabt hatten. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass jemand Mitglieder der Königsfamilie, genauer gesagt Erben in der Thronfolge, verletzen oder sogar umbringen will.“

„Oh mein Gott“, rief ich aus. „Glauben Sie, dass wieder die Kommunisten dahinterstecken?“

„Diese Möglichkeit haben wir in Betracht gezogen“, sagte Sir Jeremy gewichtig. „Eine Macht von außen, die das Land destabilisieren will. Allerdings führten uns die Situationen und die Natur einiger dieser Unfälle zu einem äußerst überraschenden Schluss: Sie sind anscheinend das Werk von Menschen, die der Königsfamilie nahestehen.“

Ich wollte wieder „Oh mein Gott“ rufen, verkniff es mir aber im letzten Moment. Es klang eine Spur zu schulmädchenhaft. „Sie meinen, dass jemand den Palace unterwandert hat?“, fragte ich. „Ich denke, das ist nicht völlig ausgeschlossen. Immerhin hat eine Kommunistin in Bayern das geschafft.“

„Dieses Mal glauben wir nicht, dass die Kommunisten dahinterstecken“, sagte Sir Jeffrey ohne Umschweife. „Wir glauben, dass es jemand in nächster Nähe ist.“

„Jemand, der Verbindungen zur Familie hat?“

Er nickte. „Was unsere Überwachung ziemlich schwierig gestaltet. Natürlich haben wir unsere Spezialeinheit, die den Prince of Wales und seine Brüder mit den besten Mitteln beschützt, aber es gibt Zeiten und Orte, an denen wir nicht zugegen sein können. An diesem Punkt kommen Sie ins Spiel. Sie sind alle momentan auf Balmoral für die Moorhuhnjagd.“

„Nun, dann ist doch alles in Ordnung, nicht wahr?“ Ich sah zu Sir Jeremy auf. „Dort oben sind sie außer Gefahr.“

„Im Gegenteil. Gestern erst hatte der Prince of Wales beinahe einen Unfall, als bei einer Ausfahrt mit dem Shooting Brake die Lenkung blockierte, während er am Steuer saß.“

„Oh mein Go… – Himmel“, stotterte ich.

„Also verstehen Sie, warum wir erfreut waren, dass Sie auf dem Weg nach Hause sind. Sie gehören zu ihrem engsten Kreis und können sich ungehindert unter sie mischen. Sie sind die ideale Person, um Augen und Ohren für uns offen zu halten.“

„Ich bin eigentlich erst nächste Woche nach Balmoral eingeladen“, sagte ich.

„Das ist kein Problem. Castle Rannoch ist nahe genug und einige Mitglieder der Jagdgesellschaft von Balmoral wohnen im Moment bei Ihrem Bruder. Wir werden Ihre Majestäten wissen lassen, dass Sie frühzeitig ankommen und sich der Jagd als Teil der Hausgesellschaft Ihres Bruders anschließen werden.“

Eine Hausgesellschaft! Das klang ganz und gar nicht nach Fig. Ganz sicher würde keiner der Gäste lang genug auf Castle Rannoch bleiben, um auf irgendetwas Jagd zu machen, besonders wenn Fig ihre übliche Knauserigkeit an den Tag legte und nur eine halbe Scheibe Toast zum Frühstück und höchstens zwei Zoll heißes Wasser in der Badewanne erlaubte. Mir kam ein weiterer Gedanke.

„Wissen Ihre Majestäten davon?“

„Niemand weiß davon außer einer Handvoll Männer“, sagte Sir Jeremy. „Nicht einmal der Prince of Wales oder seine Brüder schöpfen Verdacht, dass es sich nicht um Unfälle handelt. Der Prince of Wales hat sogar gescherzt, dass er sein Horoskop zu Rate ziehen sollte, bevor er sich aus dem Haus wagt. Niemand darf davon erfahren. Nicht der kleinste Hinweis, verstehen Sie. Wenn es stimmt, dann haben wir es mit einer skrupellosen und gerissenen Person zu tun und ich will sichergehen, dass wir sie ausschalten, bevor es ihr gelingt, echten Schaden anzurichten.“

„Und haben Sie irgendeine Ahnung, wer diese Person sein könnte?“

„Überhaupt keine. Wir haben die königlichen Dienstboten einer gründlichen Hintergrundüberprüfung unterzogen, sogar alle, die Zugang zum Prince of Wales und seinen Brüdern gehabt haben könnten. Und wir haben nichts entdeckt.“

„Ich verstehe. Also haben Sie nicht übertrieben, als Sie meinten, es sei einer von uns. Sie haben wirklich jemanden aus unserem engsten Kreis gemeint.“

„Wie Sie sagen, Ihr engster Kreis.“ Sir Jeremy nickte gewichtig. „Wir verlangen von Ihnen lediglich, dass Sie Augen und Ohren offen halten. Unser Verbindungsmann wird sich Ihnen offenbaren und Sie können ihm alles Verdächtige melden. Natürlich erwarten wir nicht, dass Sie sich in wie auch immer geartete Gefahren begeben. Wir können doch auf Sie zählen?“

Es war nicht leicht, meine Zunge dazu zu bringen, mir zu gehorchen. „Ja. Selbstredend.“ Es kam als Quietschen heraus.

Kapitel 9

Castle Rannoch

Perthshire, Schottland

17. August

Es war noch nicht ganz Nacht, als unser alter Bentley in die Einfahrt zu Castle Rannoch einbog. In Schottland geht die Sonne im Sommer sehr spät unter und obwohl ich die Lichter des Schlosses durch den Kiefernwald blitzen sah, glühte der Horizont noch rosig und golden. Es war einer jener seltenen, atemberaubenden Abende und als ich die vertraute Umgebung sah, machte mein Herz einen Sprung. Wie oft war ich auf meinem Pony den Pfad entlanggeritten. Dort war der Fels, von dem ich nach einer Wette mit Binky in den Loch gesprungen war, und dort war die Klippe, die ich als Einzige erklimmen konnte. Hinter dem Zaun beobachteten unsere Hochlandrinder neugierig den Wagen und drehten ihre großen, struppigen Köpfe, um uns nachzuschauen.

Den ganzen Weg nach Hause, seit wir die Stadt Edinburgh verlassen hatten, hatte meine Laune sich gebessert. Wir waren die bewaldeten Hänge hinaufgefahren, bevor wir die öde, windgepeitschte Ebene der Highlands erreichten und sich ringsum Berggipfel erhoben und Kaskaden kleiner Flüsse neben der Straße tanzten. Egal, was noch passieren würde, ich war zu Hause. Ich versuchte, den Gedanken an das, was als Nächstes geschehen würde, für heute Abend aus meinem Kopf zu verbannen. Es bereitete mir alles zu viele Sorgen und außerdem begann ich eine Falle zu vermuten. Ich hatte den deutlichen Eindruck, dass ich benutzt wurde. Praktischerweise war ich zu Sir William gerufen und beschämt dazu gedrängt worden, sofort nach Schottland zurückzukehren, nur um im Zug Sir Jeremy zu begegnen – es passte alles zu gut zusammen. Durchsuchte die Polizei wirklich jeden Tag die Anzeigenseite der Times? Überprüfte sie wirklich jede verdächtige Telefonnummer? Und war es wirklich ein solches Vergehen, einen Begleitdienst zu betreiben? Dann fiel mir etwas ein, was mich am ganzen Körper heiß werden ließ: Darcy. Ich wusste, dass er etwas Geheimes tat, über das er nicht sprach. Ich vermutete sogar, dass er eine Art Spion war. Hatte er dem Innenministerium von meinem kleinen Zwischenfall erzählt und ihnen so eine geniale Ausrede geliefert, mich nach Schottland zu verfrachten, ohne mich zu sehr in Aufregung zu versetzen?

Sie hätten mich einfach ins Ministerium rufen und mir sagen können, was sie von mir wollten, aber dann hätte ich vermutlich ablehnen können. In dieser kleinen Intrige saß ich in der Falle und konnte der Reise nicht mehr entgehen. Und es kam mir immer wahrscheinlicher vor, dass Darcy derjenige war, der all dies in die Wege geleitet hatte. Ein schöner Freund, dachte ich. Er hatte mich hintergangen und mir dann einen schwierigen und möglicherweise gefährlichen Auftrag verschafft. Gut, dass ich ihn los war.

Die Reifen des Bentleys knirschten auf dem Kies, als der Wagen vor der Eingangstür zum Stehen kam. Der Chauffeur sprang heraus, um meine Tür zu öffnen, aber noch bevor sie ganz offen war, öffnete sich der Eingang des Schlosses, Licht strömte heraus und Hamilton, unser Butler, erschien.

„Willkommen zu Hause, Mylady“, sagte er. „Es ist so schön, dass Sie wieder zurück sind.“

So weit so gut. Wenigstens eine Person war erfreut mich zu sehen.

„Wie schön, wieder hier zu sein, Hamilton“, antwortete ich und ging die ausgetretenen Stufen hinauf und durch die große Eingangstür hindurch. Nach einem kleinen Vorzimmer, das mit Hirschköpfen dekoriert war, betrat man die große Halle, den Mittelpunkt des Lebens auf Castle Rannoch. Sie erstreckte sich über zwei Stockwerke und hatte eine umlaufende Galerie. Auf einer Seite war ein riesiger steinerner Kamin, der so groß war, dass man darin einen Ochsen hätte braten können. Schwerter, Schilde, zerschlissene Banner lang vergangener Schlachten und noch mehr Hirschköpfe hingen an den holzgetäfelten Wänden. Eine breite Treppe führte an einer Seite nach oben, gesäumt von Portraits von Rannoch-Vorfahren, und je weiter man zurückging, desto haariger wurden die früheren Generationen. Der Boden war aus Stein, wodurch sich die Halle doppelt so kalt und zugig anfühlte, und verschiedene Sofas und Sessel standen um das Feuer, das im Sommer niemals angezündet wurde, ganz egal, wie das Wetter war.

Für Außenstehende war der erste Eindruck schrecklich kalt, düster und kriegsähnlich, aber in diesem Moment bedeutete es für mich Zuhause. Ich sah mich gerade zufrieden um, als Fig über mir auf der Galerie erschien.

„Georgiana, du bist wieder da. Gott sei Dank“, sagte sie und ihre Stimme hallte von der hohen Decke wider. Sie rannte doch tatsächlich die Treppe hinunter, um mich zu begrüßen.

Diesen Empfang hatte ich nicht erwartet und ich starrte sie ausdruckslos an, als sie mit ausgebreiteten Armen auf mich zu lief und mich sogar umarmte. Sie hatte mich beim Namen gerufen, also konnte sie mich nicht mit jemandem verwechselt haben. Außerdem hieß Fig niemals jemanden willkommen.

„Wie geht es dir, Fig?“, fragte ich.

„Schrecklich. Ich kann dir gar nicht sagen, wie fürchterlich es gewesen ist. Deshalb bin ich froh, dass du hier bist, Georgiana.“

„Was stimmt denn nicht?“, fragte ich.

„Alles. Lass uns in Binkys Studierzimmer gehen, ja?“, sagte sie und hakte sich bei mir unter. „Dort ist es unwahrscheinlich, dass wir gestört werden. Du würdest sicher gern etwas essen. Hamilton, könntest du das Tablett mit Getränken und einen Teller von diesen Sandwiches mit geräuchertem Lachs für Lady Georgiana bringen lassen?“

Also gut. Dies war immerhin Schottland. Meine Schwägerin war verzaubert oder von Elfen entführt worden, die an ihrer Stelle einen Wechselbalg hinterlassen hatten. Doch da sie mir geräucherten Lachs und Getränke anbot, konnte ich schlecht nein sagen. Sie führte mich durch die große Halle, durch einen engen Gang zu unserer Rechten und durch eine eichengetäfelte Tür. Der vertraute Geruch von Pfeifenrauch und alten Büchern erfüllte das Zimmer; ein sehr maskuliner Geruch. Fig wies auf einen Ledersessel und zog einen weiteren Sessel heran.

„Gott sei Dank“, sagte sie erneut. „Ich glaube nicht, dass ich es noch einen Tag länger allein ausgehalten hätte.“

„Allein? Was ist mit Binky?“

„Hast du nicht von seinem schlimmen Unfall gehört?“

„Nein. Was ist passiert?“

„Er ist in eine Falle getreten.“

„Eine Tierfalle?“

„Natürlich eine Tierfalle.“

„Wann hat MacTavish damit angefangen, Tierfallen auf dem Anwesen aufzustellen? Ich dachte immer, er sei so weichherzig.“

„Das tut er auch nicht. Er schwört, dass er die Falle nicht gestellt hat, aber natürlich muss er es getan haben, wer sonst würde eine verflucht große Falle auf einem unserer Wege aufstellen, und besonders auf einem Weg, den Binky morgens immer nimmt.“

„Allmächtiger. Geht es Binky gut?“

„Natürlich geht es ihm nicht gut“, fuhr sie mich an und kehrte zum ersten Mal wieder zu ihrem normalen Selbst zurück. „Er liegt im Bett mit einem verflixt großen Verband um den Knöchel. Er hatte sogar großes Glück, dass er diese alten Stiefel trug, die seinem Großvater gehörten. Ich habe ihm immer gesagt, er solle sie wegwerfen, aber jetzt bin ich froh, dass er nicht auf mich gehört hat. Etwas weniger festes Schuhwerk und er hätte seinen Fuß verloren. Aber so konnte sich die Falle nicht ganz schließen und er ist mit üblen Schnitten, die bis auf die Knochen gehen, und einer durchtrennten Sehne davongekommen.“

„Der arme alte Binky. Wie schrecklich für ihn.“

„Schrecklich für ihn? Wie wäre es mit schrecklich für mich, mit all diesen scheußlichen Leuten im Haus?“

„Welche scheußlichen Leute?“

„Meine Liebe, das Haus ist voller widerwärtiger Amerikaner.“

„Zahlende Gäste?“

„Natürlich keine zahlenden Gäste. Wie um Himmels willen kommst du denn darauf? Seit wann nimmt ein Duke zahlende Gäste auf? Nein, es sind Freunde des Prince of Wales, oder vielmehr eine gewisse Frau unter ihnen ist eine Freundin des Prince of Wales.“

„Oh, ich verstehe. Sie.“

„Wie du sagst, ‚sie‘. Der Prinz ist natürlich auf Balmoral, und seine Freundin wäre dort sicherlich nicht willkommen, also hat der Prinz Binky gefragt, ob er sie beherbergen könnte, damit sie in der Nähe ist und er sie besuchen kann. Und du kennst ja Binky – immer viel zu gutherzig. Kann zu niemandem nein sagen. Und er schaut zu dem Prinzen auf, das hat er schon immer getan. Also hat er natürlich ja gesagt.“

Ich nickte mitfühlend.

„Und der Prinz schlug vor, für sie und ihren Ehemann eine kleine Hausgesellschaft zu geben – oh, hatte ich erwähnt, dass sie noch immer ihren Ehemann mitschleppt? Der arme Kerl schleicht herum wie ein verirrtes Schaf. Verbringt seine Zeit damit, Billard zu spielen. Kann nicht einmal schießen. Also fängt Binky an, Leute für eine Hausgesellschaft einzuladen – angefangen ausgerechnet bei den Cousins.“

„Welche Cousins?“

„Auf der schottischen Seite. Du kennst dieses schrecklich haarige Gespann, Lachan und Murdoch.“

„Oh ja. Ich erinnere mich gut.“ Lachan und Mordoch hatten mich mit ihrem wilden Highlander-Aussehen und -Verhalten immer ziemlich erschreckt. Ich erinnerte mich daran, wie Murdoch uns mit einer umgestürzten Kiefer gezeigt hatte, wie man Baumstämme warf, und sie durch ein Fenster geschleudert hatte.

„Nun, meine Liebe, sie sind mit den Jahren nicht ruhiger geworden und du hast ja keine Vorstellung davon, wie viel sie essen und trinken.“

Ich konnte es mir recht gut vorstellen, wenn man nach Murdochs Baumstammwerfen ging. Wir wurden von einem diskreten Klopfen an der Tür unterbrochen und Hamilton kam mit einer Karaffe Scotch, zwei Gläsern und einem Tablett herein, auf dem ein sorgfältiger Stapel mit Kresse dekorierter Sandwiches lag.

„Danke, Hamilton“, sagte ich.

„Mylady.“ Er nickte und warf mir ein äußerst wohlwollendes Lächeln zu. „Darf ich Ihnen zur Stärkung etwas einschenken?“, und ohne auf die Erlaubnis zu warten, goss er eine großzügige Menge in eines der Gläser. „Und für Euch, Euer Gnaden?“

„Warum nicht?“, sagte Fig. Auch das war unüblich. Normalerweise trank sie nichts Stärkeres als hin und wieder auf Sommerausflügen einen Pimm’s. Aber sie griff sofort nach ihrem Glas und nahm einen großen Schluck. Ich schlug die Zähne in ein Sandwich. Geräucherter Lachs aus der Gegend. Das frischgebackene Brot von Mrs. McPherson. Ich konnte mich nicht entsinnen, jemals etwas Köstlicheres gegessen zu haben. Hamilton zog sich zurück.

„Aber das ist noch nicht das Schlimmste“, sagte Fig und stellte ihr leeres Glas mit einem lauten Knall zurück auf das Tablett.

„Nicht?“ Ich fragte mich, was nun kam.

„Die schreckliche Amerikanerin ist angekommen und rate mal? Sie hat ihre eigene Hausgesellschaft mitgebracht. Es wimmelt geradezu vor Amerikanern. Sie essen uns die Haare vom Kopf, Georgiana, und du hast ja keine Ahnung, welche Forderungen sie stellen. Zum Beispiel wollen sie duschen anstatt zu baden. Sie haben mir gesagt, dass es ziemlich unhygienisch wäre, zu baden. Was um Himmels willen soll an einem Bad unhygienisch sein? Es ist doch voller Wasser? Jedenfalls haben sie die Dienstboten angewiesen, eine Duschvorrichtung im Badezimmer im zweiten Stock einzurichten und dann ist sie einer Frau auf den Kopf gefallen und sie hat herumgeschrien, dass sie Verbrennungen und eine Gehirnerschütterung davongetragen hätte.“

Ich grinste mitfühlend.

„Und außerdem duschen und baden sie ständig. Jeden Tag, kannst du dir das vorstellen? Und zu jeder Tages- und Nachtzeit. Ich habe ihnen gesagt, dass man sich in so kurzer Zeit unmöglich schmutzig machen kann, aber sie baden jedes Mal, wenn sie von einem Spaziergang kommen, vor dem Abendessen, nach dem Abendessen. Es ist ein Wunder, dass sie nicht schon völlig weggewaschen sind. Und was das Trinken angeht … meine Liebe, sie wollen Cocktails und experimentieren ständig mit neuen Cocktails. Sie haben Binkys zwanzig Jahre alten Single-Malt Scotch genommen, um einen Drink mit Orangensaft und Cocktailkirschen zu mischen. Ich bin nur froh, dass Binky unter Schmerzen oben lag und sie nicht sehen konnte. Ich sage dir, er hätte sie auf der Stelle umgebracht.“

Das erste Mal in meinem Leben empfand ich so etwas wie Mitleid mit meiner Schwägerin. Sie sah eindeutig mitgenommen aus. Ihr kurzes, zu einem fast männlichen Bubikopf geschnittenes Haar lag normalerweise perfekt, aber nun sah es so aus, als wäre sie gerade in einen Sturm geraten. Außerdem hatte sie ihr graues Seidenkleid vorn bekleckert. Vermutlich Tomatensuppe.

„Es muss furchtbar anstrengend für dich gewesen sein“, sagte ich. „Und der arme Binky …“

„Binky?“, kreischte sie. „Binky liegt oben und wird vom Kindermädchen und Mrs. MacTavish verwöhnt. Er hat nur einen gequetschten Fuß. Ich habe Amerikaner.“

„Kopf hoch. Sehr viel länger kann es nicht dauern“, sagte ich. „Niemand bleibt länger als eine Woche oder so in Schottland.“

„Am Ende der Woche werden wir bettelarm sein“, sagte sie, ihre Stimme gefährlich den Tränen nahe. „Sie essen uns wortwörtlich die Haare vom Kopf. Ich werde zahlende Gäste aufnehmen müssen, um uns durchzubringen. Binky wird das letzte Familiensilber verkaufen müssen.“

Ich streckte zögerlich eine Hand aus und legte sie über die ihre. Ich glaube, es war das erste Mal, dass ich sie freiwillig berührte. „Mach dir keine Sorgen, Fig. Wir finden schon eine Lösung“, sagte ich.

Sie sah zu mir auf und strahlte. „Ich wusste, dass ich mich auf dich verlassen kann, Georgiana. Ich bin so glücklich, dass du hier bist.“

Kapitel 10

Castle Rannoch

17. August

Später Abend.

Als wir Binkys Studierzimmer verließen und den Korridor betraten, der zur großen Halle führte, kam am anderen Ende des gegenüberliegenden Korridors eine Gruppe aus dem Salon, die sich lautstark unterhielt.

„Und dann sagte ich ihm: ‚Du bist einfach nicht gut genug ausgestattet, Liebling‘, und er sagte: ‚Ich habe einen verdammt Großen und außerdem geht er ab wie ein Rammbock, wenn er gut geölt ist.‘ Er dachte, dass wir immer noch über den Kahn reden.“

Sie kreischten vor Lachen. Obwohl sie noch ein gutes Stück entfernt und im Schatten waren, erkannte ich die Person, die gesprochen hatte, noch bevor ich einen direkten Blick auf sie werfen konnte. Es handelte sich, natürlich, um die gefürchtete Amerikanerin Mrs Wallis Simpson. Als sie näherkam, bemerkte ich, dass sie ziemlich dünn aussah. In ihrem metallisch glänzenden anthrazitfarbenen Abendkleid mit passendem metallischem Helm sah sie kantig und maskulin aus. Und alt. Man sah ihr die Jahre eindeutig an, dachte ich mit Genugtuung.

„Wallis, Schätzchen, du bist schamlos.“ Die Antwort kam von einer älteren Frau, die in schlichtes Schwarz gekleidet war. Sie war von beeindruckendem Wuchs und überragte Mrs Simpson, aber ihre Art sich zu bewegen hatte etwas königliches, ganz wie eine größere Version von Königin Mary. „Ich weiß nicht, wie du in der Öffentlichkeit solche Geschichten preisgeben kannst. Zum Glück ist Rudi nicht mehr am Leben und muss es sich nicht anhören.“

„Oh, vor mir musst du nicht die Gräfin herauskehren, Merion“, sagte Wallis Simpson. „Ich kannte dich schon, als du noch die ganz gewöhnliche Miss Webster warst, weißt du noch? Als ich noch ein Kleinkind war, hast du mich in Baltimore mit zu Mr Hinkles Soda Fountain genommen und mir Root Beer mit Vanilleeis gekauft, und du hast mit dem jungen Mann an der Kasse geflirtet!“

„Wer ist das?“, flüsterte ich Fig zu und deutete auf die ältere Frau.

„Oh, das ist die Gräfin von Sauer.“

„Ich dachte, du meintest, sie seien alle Amerikaner?“

„Sind sie auch. Sie gehört zu der Gruppe um diese Simpson. Sie hatte früher irgendeinen ganz gewöhnlichen Namen wie Webster, aber auf ihrer Rundreise durch Europa hat sie sich einen österreichischen Grafen geangelt. Ich glaube, diese Simpson hat ihr nicht verziehen, dass sie in der gesellschaftlichen Rangordnung eine Stufe über ihr steht.“

„Sie tut alles dafür, damit sich das bald ändert“, murmelte ich Fig zu.

„Allerdings. Der Prince of Wales war bisher fast jeden Abend zu Besuch. Ich habe ihm gesagt, dass ich das nicht gern sehe und er nannte mich prüde. Wann war ich jemals prüde, Georgiana? Ich halte mich für so tolerant wie jeder andere auch. Immerhin bin ich auf einem Bauernhof aufgewachsen.“

„Fritzi, Herzchen, ich habe meinen Überwurf vergessen. Sei ein Schatz und hole ihn mir, sonst wird mir kalt.“ Die Gräfin wandte sich an einen großen, rotwangigen jungen Mann, der sich im Hintergrund hielt. „Es ist ja eiskalt hier drin. Verglichen damit fühlt sich unser österreichisches Schloss wie die Côte d’Azur an.“

„Mama, du bist so vergesslich. Wenn du mich weiter so herumhetzt, werde ich noch ganz abmagern. Hast du eine Ahnung, wie weit die Zimmer hier voneinander entfernt sind? Und all diese schrecklichen Treppen?“

Ich wandte mich wieder Fig zu.

„Sie hat auch ihren verkommenen Sohn mitgebracht“, murmelte sie. „Beim Tee häuft er alle guten Sandwiches auf seinen Teller und er zwickt die Dienstmädchen in den Hintern.“

„Hat die Gesundheitsbewegung Österreich noch nicht erreicht?“, fragte einer der Männer aus der Gruppe. „Babe kann den Tag nicht ohne ihre Gymnastik und ihre Hanteln beginnen, oder, Babe, Liebling?“

„Stimmt genau“, antwortete eine zierliche, knochige Frau.

In diesem Augenblick betraten sie die große Halle und Wallis Simpson bemerkte mich. „Ach, da ist ja die Tochter der Schauspielerin“, sagte sie. „Welche Überraschung. Wann sind Sie angekommen?“

Ich war immer noch wütend darüber, wie Fig und Binky behandelt wurden, und hatte nicht vor, mir ihre schnippischen Bemerkungen gefallen zu lassen. „Eigentlich bin ich die Tochter der Dukes“, sagte ich, „und die Schwester des neuen Dukes, und die Cousine des Königs und die Urgroßenkelin von Königin Victoria und Sie sind im Moment im Heim meiner Vorfahren zu Gast.“

„Autsch“, sagte ein Mann, der sich im Hintergrund gehalten hatte. Ich erkannte Mr Simpson, der unsichtbare und bis gerade eben stumme Ehemann. „Ich schätze, du wurdest in die Schranken gewiesen, Wallis.“

„Unsinn“, sagte sie mit einem kehligen Kichern. „Das ist der Mangel an Sex. Er macht Menschen empfindlich. Wir sollten ihr einen Gefallen tun und sie mit dem Wildhüter verkuppeln, während sie hier ist. Denkt an Lady Chatterley.“

Und wieder brachen sie in Gelächter aus.

„Wer ist Lady Chatterley?“, flüsterte Fig mir zu.

„Eine Figur in einem Buch von D. H. Lawrence. Hier ist es verboten. Er ließ es in Italien drucken und es gibt überall geschmuggelte Ausgaben.“

Autoren

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    Rhys Bowen (Autor)

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    Sarah Schemske (Übersetzung)

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Titel: Königliche Verschwörung