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(K)ein Womanizer für eine Nacht

von Katie MacAlister (Autor)

2019 0 Seiten

Leseprobe

Über dieses E-Book

Theo Papaionnou ist es gewohnt alles zu bekommen, was er will. Ein Augenzwinkern reicht und die Frauen sind ihm verfallen. Doch als der sexy griechische Playboy herausfindet, dass er Vater wird, muss er all das hinter sich lassen, um seinem Sohn gerecht zu werden – vorausgesetzt er findet heraus, wie man eine Windel wechselt. Ein Glück, dass Kiera Taylor plötzlich auftaucht, um zu helfen. Oder verheimtlicht sie etwas vor ihm?

Impressum

dp Verlag

Deutsche Erstausgabe Dezember 2019

Copyright © 2019 dp Verlag, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Made in Stuttgart with ♥
Alle Rechte vorbehalten

E-Book-ISBN: 978-3-96087-953-4
Taschenbuch-ISBN: 978-3-96087-954-1

Copyright © 2018 by Katie MacAlister, Alle Rechte vorbehalten.
Titel des englischen Originals: Ever Fallen in Love

By arrangement with 3 Seas Literary Agency.

Dieses Werk wurde vermittelt durch die Langenbuch & Weiß Literaturagentur, Hamburg/Berlin.

Übersetzt von: Miriam Strieder
Covergestaltung: Miss Ly Design
unter Verwendung von Motiven von
depositphotos.com: © brebca
shutterstock.com: © AS Inc und © settharath
Korrektorat: KoLibri Lektorat

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

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dp Verlag

 

 

 

Dieses Buch ist dir gewidmet. Ja, dir. Ich weiß, niemand hat dir jemals ein Buch gewidmet und es fühlt sich so falsch an, oder etwa nicht? Denk an all das, was du für andere tust! Die ganze Arbeit, durch die du dich jeden Tag quälst, nur damit das Leben für andere schöner ist, und welchen Dank bekommst du jemals? Du arbeitest, du versklavst dich, du verbringst deine Zeit damit, Dinge zu tun, die du nicht besonders gerne machst, aber du machst sie, weil du weißt, dass es andere glücklich macht.

Du verdienst es so sehr, dass dir ein Buch gewidmet ist und nun hast du es. Du kannst es ruhig jedem zeigen und anbieten, diese Seite zu signieren. Schließlich ist es dir gewidmet.

Kapitel 1

Ich habe niemals herausgefunden, ob es der Mann oder das Baby war, das mich handeln ließ und im Handumdrehen meinen gesamten Lebensweg verändert hat. Wenn ich später darüber nachdachte, war ich geneigt zu glauben, dass es das Kind war, aber irgendwo tief in meinem Herzen hatte ich den Verdacht, dass wenn der Mann es nicht gehalten hätte, dann wäre ich an ihnen vorbeigegangen.

Sie waren mir zum ersten Mal aufgefallen, als ich gerade dabei war, mich mit einer lähmenden Panikattacke auseinanderzusetzen. Für einen unglaublich beängstigenden Moment dachte ich, dass ich die Schultern eines blonden Mannes wiedererkannt hätte, der ein kleines Stück weiter auf dem Bahnsteig stand, und ich erstarrte, mein Magen zog sich vor Angst zusammen.

„Nein“, flüsterte ich entsetzt, beide Hände hatten sich um meine Tasche verkrampft, zu verängstigt, um mich zu bewegen. „Orangen. Äpfel. Bowlingbälle. Diese kleinen Metallbälle an Schnüren, die auf den Schreibtischen von Abteilungsleitern stehen.“

„Verzeihung?“, fragte die Frau neben mir und warf mir einen Blick zu, der mich als jemand klassifizierte, der von gepolsterten Wänden springen sollte.

„Entschuldigung“, würgte ich als Antwort hervor, mein Körper sackte vor Erleichterung zusammen, als der Mann sich umdrehte und ich erkannte, dass es nicht Mikhail war, einfach nur eine beängstigende Kopie von ihm. Ich fühlte mich schwach wegen des Schreckens, der mich ergriffen hatte und zwei Sekunden später, dem Wissen, dass ich in Sicherheit war – er war mir nicht irgendwie nach Auckland gefolgt. Ich riss mich zusammen und drehte mich mit einem kleinen Lächeln zu der Frau im mittleren Alter um, die neben mir angehalten hatte, um den Becher ihres Kaffees wegzuwerfen. „Swami Betelbaum sagt, dass man sich auf runde Dinge konzentrieren sollte, wenn man gestresst ist. Das beruhigt die Chakren. Oder erleuchtet es das Ka? Es war eines von beidem.“

„Runde Dinge“, sagte die Frau und nachdem sie mich einer wachsamen Musterung unterzogen hatte, ging sie davon und hielt ihre Tasche dicht an sich gepresst, als ob sie dachte, sie könnte sie als Schutzschild gegen eine plötzliche Attacke verwenden.

„Als ob“, murmelte ich bei mir selbst. „Schneebälle. Kristallkugeln. Weihnachtskugeln.“

Der Bahnhof war gerammelt voll mit Pendlern vom frühen Nachmittag, die alle mit unerschütterlicher Entschlossenheit ihre Routine durchzogen. Ich wurde von Frauen und Männern in Businessoutfits angerempelt, die emsig ihrem Leben und ihrer Karriere nachgingen. Für einen Moment stand ich da wie schiffbrüchig im Meer der Menschheit, alleine, isoliert, unberührt, obwohl ich von anderen umgeben war, aber der Selbsterhaltungstrieb brachte mich dazu, zu einer kleinen Oase der Ruhe neben einer Bank, die übersät war mit alten Zeitungspapieren, hinüberzueilen.

Langsam begann sich mein Herz zu beruhigen und meine Hände hörten auf zu zittern. „Diese kleinen Süßigkeiten aus Schokolade mit der leckeren Füllung. Schneekugeln. Gummibälle. Köpfe von Babys.“

Also, das war seltsam – ich hatte niemals wirklich darüber nachgedacht, dass die Köpfe von Babys rund waren, aber keine fünf Meter von mir stand ein Paar, das sich mit gesenkter Stimme stritt, ein Baby in seinem Kinderwagen daneben war offensichtlich völlig vergessen. Das Baby hatte einen sehr runden Kopf, und ein paar Lungen, die darauf hindeuteten, dass es entweder Opernsänger werden oder in einer dieser Reality-TV-Shows mitspielen würde, in denen die Leute einander ständig nur anschrien.

Stirnrunzelnd sah ich zu dem Pärchen hinüber, abgelenkt von meinen eigenen Sorgen durch die Szene, die sich vor mir entfaltete. Wie konnten sie nur ignorieren, dass sich ihr Kind gerade die Seele aus dem Leib schrie? Welche Art von Eltern waren das, die so mit ihrem Streit beschäftigt waren, dass sie es nicht fertigbrachten, sich mit ihrem offensichtlich aufgebrachten Kind zu beschäftigen?

Ich entschied, dass die Frau nach Ärger aussah. Sie war groß und elegant, ihr langes schwarzes Haar schimmerte wie ein Vogelflügel und ergoss sich über ihren Rücken, um bis zu ihrem heißen, pinken Minirock zu reichen. Ein passendes Mieder stellte ungefähr alles zur Schau, was sie hatte, und sie hatte eine Menge.

„Brüste“, sagte ich leise und genauer: „Operierte Brüste. Räder an einem Kinderwagen. Große Tränen, die über ein Babygesicht laufen.“

Armes Kind. Sein Gesicht lief inzwischen rot an, als er weiter weinte, rot und klebrig durch die Tränen, sein Elend wurde durch kleine Rotzblasen hervorgehoben, die aus seiner Nase kamen.

„Rotzblasen“, fügte ich hinzu und schaute die Eltern empört an. Warum unternahmen sie denn nichts?

„Es gibt bessere Dinge in meinem Leben als das“, sagte die schwarzhaarige Frau mit einem starken Akzent. Russisch? Ukrainisch? Jedenfalls etwas Slawisches. Bei dem Akzent schüttelte es mich etwas. Ich war nur zu vertraut mit etwas sehr Ähnlichem. „Ich habe ihn zehn Monate. Jetzt ist er deins. Gebe ihn dir! Hier sind Papiere. Organisier das Sorgerecht mit Anwalt und ich unterschreibe.“

„Das kannst du nicht machen!“, rief der Mann aus und fasste nach dem Arm der Frau, als sie davonspazierte. Er hatte einen Akzent, der englisch klang, mit etwas anderem darin.

Ich beäugte ihn, fasziniert trotz des Wissens, dass es wesentlich besser war, sich nicht einzumischen. Er war groß, wahrscheinlich ein paar Zentimeter über eins achtzig.

Ich mochte keine großen Männer.

Er hatte außerdem lange Beine und breite Schultern.

Ich mochte wirklich keine breiten Schultern.

Am schlimmsten war, dass er diese Art von Gesicht hatte, das Frauen dazu brachte, stehen zu bleiben und zu starren, ganz männlicher Stoppelbart und eine kleine Einbuchtung in seinem quadratischen Kinn, und Augen mit dichten Wimpern, für die ich persönlich jemanden umgebracht hätte.

Ich mochte wirklich, wirklich keine attraktiven Männer.

„Ich habe keine Ahnung davon, wie man sich um ein Baby kümmert!“, sagte der Mann in einem wütenden Tonfall, seine Hand auf dem Arm der Frau.

„Jetzt ist Zeit, dass du lernst“, fauchte die Frau und warf ihr dichtes Haar zurück. „Es ist zu viel für mich! Ich habe Karriere!“

„Nastya, warte. Das kannst du mir nicht antun. Ich kann mir das gerade im Moment nicht leisten –“ Der Mann ging hinter ihr her, als sie davonlief.

Meine Augen weiteten sich, als ich von dem Paar zu dem Baby schaute, Letzteres näherte sich schnell einem hysterischen Anfall an, Rotz und Tränen tropften überall hin und sein durchdringendes Geschrei brachte mich dazu, dass ich mir die Ohren vollstopfen wollte.

Sie gingen weg? Sie gingen einfach von dem Baby weg? Entsetzt schaute ich mich um, um zu sehen, ob jemand anderes das beobachtet hatte. Machten sie sich keine Gedanken darum, dass irgendein Verrückter das Kind ergreifen könnte?

Niemand schien es zu bemerken. Niemand schien sich darum zu kümmern. Ich schob mich die Bank hinunter, näher zu dem Baby. Ich sollte etwas unternehmen. Ich konnte die Leute doch nicht einfach davonlaufen lassen und das arme wütende Baby alleine lassen. Aber es war besser, sich nicht einzumischen in einen Wortwechsel zwischen Liebenden. Dort gab es nur Unheil. Richtig? Richtig.

„Hey“, hörte ich, wie eine Stimme ausrief und zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass sie aus meinem Mund kam. „Hey, Sie vergessen Ihr Baby.“

Der Mann musste mich gehört oder bemerkt haben, dass er das arme Kind nicht einfach alleine lassen konnte, denn er drehte sich um und marschierte zurück, ein wütender Ausdruck war in das hübsche Gesicht eingraviert.

Ich wandte meinen Blick ab und huschte zurück auf die Bank und gab vor, sehr fasziniert von dem Anblick meiner Schuhe zu sein.

Die Schreie des Babys nahmen zu. Ich stahl einen Blick aus den Augenwinkeln, um zu sehen, dass der Mann das Baby nun im Arm hielt und es auf und ab wippte, weil er offensichtlich versuchte, es aufzumuntern, damit es seinen Wutanfall vergaß. Das Baby hatte, wie auch der Mann, schwarze Haare und dunkle Augen, es war wahrscheinlich sein Sohn. Welche Art von Vater wusste nicht einmal, wie man das eigene Kind hielt?

„Ein sehr schlechter Mann“, sagte ich mir selbst und wandte wieder den Blick ab. Ich würde mich nicht einmischen. Das war nicht mein Problem. Er war wahrscheinlich einer von diesen Workaholics, die nie Zeit für ihre eigenen Kinder hatten. Ich verachtete diese Männer. So wie ich die Sache sah, war es so: Wenn man ein Kind in die Welt setzte, dann sollte man auch seine eigenen Verantwortlichkeiten erfüllen. So einfach war das.

Ich konnte nicht anders, als aufzuschauen, ich wollte dem Mann dringend sagen, was ich von ihm hielt, aber der Anblick, auf den ich traf, ließ mich für ein paar Sekunden innehalten. Das Gesicht des Mannes war ergriffen, als er das schreiende und sich windende Kind hielt, sein Ausdruck nicht der eines herzlosen Vaters, der keine Zeit hatte für sein Kind, sondern der eines Mannes, der offensichtlich genauso verzweifelt war wie das Kind, und noch schlimmer, der keine Ahnung hatte, was er dagegen tun sollte. Er schaute verzweifelt um sich, suchte offensichtlich nach einer Lösung.

Er sah vollkommen und komplett verloren aus und während Pendler an ihm vorbeiströmten, Frauen und Männer alle auf ihr eigenes Leben fokussiert, und das schreiende Kind und den hilflosen Mann ignorierten, fühlte ich für einen Moment eine Art Verbundenheit, die ein isoliertes Wesen in einem anderen erkannte.

„Misch dich nicht ein“, warnte ich mich selbst, während ich schon auf den Füßen war und mich auf den Mann zubewegte. Ich hielt vor ihm an und sagte leise: „Kann ich helfen?“

Er wandte mir sein Gesicht zu, in dem der Ausdruck völligen Leidens stand, seine dunkelblauen Augen waren mit Panik gefüllt. Aber obwohl diese Emotionen klar auf seinem Gesicht zu sehen waren, musste irgendein väterlicher Instinkt eingesetzt haben, denn er hielt das Baby fester und begann, den Kopf zu schütteln.

„Er ist … Wissen Sie, er ist wirklich voller Rotz“, sagte ich, holte ein kleines Paket mit Taschentüchern aus meiner Tasche und bot sie dem Mann an. „Wenn Sie den vielleicht abwischen, dann fühlt er sich vielleicht besser.“

„Rotz?“, wiederholte der Mann und schaute das Baby an, als hätte er keine Ahnung, was er dagegen tun könnte.

„Oh, um Himmels willen … Hier.“ Ich tupfte die Nase des Babys mit einigen Taschentüchern ab und wischte den Rotz, der sich mit den Tränen vermischt hatte und über seinen Mund und sein Kinn gelaufen war, weg. „Und er ist wirklich aufgebracht, oder nicht?“

„Er ist nicht der Einzige, der aufgebracht ist“, murmelte der Mann, verzog das Gesicht, als das Baby noch lauter schrie, sich wand und versuchte, aus dem Griff des Mannes zu entkommen. „Ich weiß nicht, warum er weint.“

Ich sagte mir, dass ich mich wieder hinsetzen sollte, dass das nicht mein Problem war, dass ich nicht dafür verantwortlich war, dass andere Leute kein Talent als Eltern hatten.

„Also, zum einen halten Sie ihn falsch“, sagte ich und Frust hatte den gesunden Menschenverstand aus meinem Kopf verbannt. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es gemütlich ist, so gehalten zu werden, als würden Sie ihn jedem Moment fallen gelassen. Hier, lassen Sie mich ihn für einen Moment haben.“

Ich breitete meine Arme aus.

Der Mann schaute mich stirnrunzelnd an, seine langen, schmalen, schwarzen Augenbrauen zogen sich zusammen, während er mich betrachtete.

„In Ordnung“, sagte ich und ließ meine Arme sinken, um zurück zu meiner Bank zu gehen. „Ich habe nur versucht zu helfen. Entschuldigen Sie, dass ich Sie gestört habe.“

„Gott, ich brauche Hilfe. Ich bin … Hier.“ Der Mann drückte mir das Baby in die Arme. Ich passte meinen Griff an ihn an und drückte ihn an meine Seite, eine Hand rieb über seinen Rücken.

„Ssssch“, murmelte ich dem Kind zu und wiegte es von Seite zu Seite. „Ich weiß, dass du angekotzt bist, aber es wird alles gut. Du musst dich nur beruhigen. Du musst deinen inneren Frieden finden.“

„So redet man nicht mit einem Baby“, sagte der Mann und schwebte schützend vor mir, als würde er mir das Kind gleich wieder wegnehmen wollen.

„Ach wirklich? Sie haben es nicht viel besser gemacht.“ Ich warf ihm einen scharfen Blick zu und murmelte weiter sanft mit dem Baby.

„Ich habe keine Ahnung von Babys“, gab der Mann zu und seine Augen huschten zwischen meinem Gesicht und dem des Babys hin und her.

„Man muss nicht viel wissen, um eines zu beruhigen.“ Ich hielt meine Stimme sanft, trotz der stechenden Worte. Langsam wurden die Schreie des Babys weniger durchdringend und er begann, leise kleine Schluckauflaute zu machen. „Wie, um Himmels willen, können Sie ein Kind haben und nicht wissen, wie man sich um es kümmert?“

„Bis vor einer Stunde wusste ich nicht, dass es ihn gibt“, sagte der Mann grimmig.

Ich warf ihm einen verdatterten Blick zu. „So schlimm ein Mann auch sein mag, der keine Zeit für seine Kinder hat, muss ich sagen, dass derjenige, der noch nicht einmal weiß, dass er ein Kind hat, wesentlich schlimmer ist.“

„Ich wusste nicht, dass ich einen Sohn habe, weil seine Mutter sich niemals die Mühe gemacht hat, es mir zu sagen“, sagte er und hielt dabei seine Stimme leise, als das Kind in meinen Armen schlaff wurde und leise kleine nasse Schnüffelgeräusche gegen meine Wange machte, als er sich entspannte.

„Oh. Also … Oh. Dann tut’s mir leid.“

„Sie sind nicht zufällig ein Kindermädchen, oder?“, fragte der Mann plötzlich und sein Blick wanderte über mich, ohne Zweifel nahm er meine heruntergekommene Kleidung und meinen Seesack mit den Überresten von Reiseetiketten wahr. „Sind Sie Amerikanerin?“

„Ja, ich bin Amerikanerin, und nein, ich bin kein Kindermädchen. Ich habe keine Ahnung von Kindern außer, dass man ihnen die Nase putzen muss und dass man ihren Rücken reiben sollte, wenn sie weinen. Wie ist sein Name?“

Für einen Moment dachte ich, dass der Mann den Stapel von Papieren konsultieren würde, den die Mutter des Kindes ihm in die Hand gedrückt hatte, aber er steckte sie einfach nur in seine Tasche und zog eine kleine Grimasse.

„Nastya nennt ihn Piotr.“

„Das ist Russisch für Peter. Hey, Peter“, sagte ich leise, meine Lippen gegen die feuchte Stirn des Babys gepresst. „Du musst jetzt schlafen und dein Papi wird sich um dich kümmern, okay?“

„Ich weiß nicht, wie man sich um ein Baby kümmert“, sagte der Mann und fuhr sich mit der Hand durchs Haar. Er schaute sich auf dem Bahnsteig um, als würde er erwarten, dass ein magischer Kindermädchenshop plötzlich vor seinen Augen erscheinen würde. Als das nicht eintraf, wandte er seine Aufmerksamkeit wieder mir zu. „Er mag Sie. Können Sie mir heute Abend helfen?“

„Nein, wehr dich nicht dagegen – schlaf einfach ein. Ich verspreche, dass alles viel besser aussehen wird, nachdem du geschlafen hast“, erklärte ich dem Baby und rieb immer noch seinen Rücken. Die Worte des Mannes trafen einen sensiblen Punkt und brachten mich dazu, ihn ungläubig anzustarren. „Ihnen helfen?“

„Ich brauche jemanden, der mir mit ihm hilft. Mit Peter. Ich werde morgen früh eine Agentur für Kindermädchen anrufen, aber jetzt ist es zu spät, um irgendjemanden zu organisieren“ sagte er mit einem Blick auf seine Uhr.

Seine teure Uhr, bemerkte ich. Ich mochte auch keine Männer, die so viel Geld hatten, dass sie sich Luxusuhren leisten konnten. Diese Art von Männern tendierten dazu zu glauben, dass sie sich alles kaufen könnten, auch die Dienste einer Fremden.

„Sie sind ein völlig Fremder für mich“, bemerkte ich und schüttelte den Kopf.

„Ich kenne Sie auch nicht, aber das bedeutet nicht, dass ich nicht gewillt bin, Ihnen zu vertrauen.“ Sein Blick suchte für einen Moment in meinem Gesicht; plötzlich schenkte er mir ein seltsam schiefes Lächeln, eine Seite seines Mundes kräuselte sich in liebenswerter Art. Plötzliche Hitze traf meinen Bauch beim Anblick dieses Lächelns. „Innerhalb vernünftiger Grenzen natürlich. Ich werde Sie bezahlen. Das Doppelte des üblichen Kurses. Mal angenommen, dass Sie nicht auf dem Weg irgendwohin sind? Und wenn Sie es wären, dann würde ich das Ticket ersetzen.“

„Ich kenne noch nicht einmal Ihren Namen und Sie sind gewillt, mir Ihr Kind anzuvertrauen?“ Ich schüttelte wieder meinen Kopf. „Sie sind bekloppter, als ich dachte.“

„Nicht bekloppt, einfach nur verzweifelt“, verbesserte er mich und streckte die Hand aus. „Mein Name ist Theo. Theodor Papaioannou.“

„Kiera Taylor“, sagte ich automatisch und schüttelte seine Hand ein bisschen, bevor ich wieder das nun stille Baby streichelte.

„Wie wäre es, Kiera? Würden Sie mich heute Abend unterstützen? Ich zahle, was auch immer Sie wollen.“

Ich konnte gar nicht anders, als die Verzweiflung in seinen Augen zu bemerken. Wie konnte ich sie übersehen? Trotz des Wissens, dass das, was er angeboten hatte, sehr ungewöhnlich war, dachte ich darüber nach – ich dachte in der Tat für ein paar Sekunden darüber nach. Dann traf mich der Schmerz der Erkenntnis, was ich gerade tat. Wann würde ich endlich dazulernen? Wie viele Male musste das Leben mich zertrampeln, bevor ich verstand?

„Nein“, sagte ich und platzierte das jetzt schlafende Baby vorsichtig in seinem Kinderwagen und schnallte es an, bevor ich aufstand und den Mann ansah. „Es tut mir leid. Ich wünschte, ich könnte, aber es ist sicherer, wenn ich es nicht tue. Viel Glück, Theo.“

Er sagte nichts, beobachtete nur, wie ich meine Tasche und meinen Seesack einsammelte und ohne einen Blick zurück zum Eingang des Bahnhofs ging, wo ich ein Taxi erwischen konnte. Es würde ein Loch in mein Budget reißen, aber ich konnte nicht dort stehen bleiben mit diesem attraktiven, verzweifelten Mann.

Ich machte fünf Schritte, bevor ich ein fast unhörbares „Bitte“ hörte.

Ich hielt an. Ich befahl meinen Beinen, weiterzugehen. Sie blieben stehen. Langsam drehte ich mich um. „Tamburine“, erklärte ich Theo.

Seine Augenbrauen wanderten nach oben. „Trommeln. Der Schalltrichter auf diesen großen Trompeten.“

„Musikinstrumente für 500?“, fragte er und Amüsement glitzerte in seinen Augen.

„Swami Betelbaum, mein Coach in Sachen Meditation, sagt, dass man in Zeiten von Stress an runde Dinge denken soll“, erklärte ich und starrte ihn an.

Je länger ich ihn ansah, desto weniger mochte ich ihn. Er war zu attraktiv, zu groß, zu bedürftig. Einfach … zu sehr.

Ich konnte das nicht tun. Es war die eine himmelschreiende Verrücktheit. Er war ein Fremder und ich … Ich konnte es mir nicht leisten, irgendjemandem zu vertrauen.

Ich öffnete meinen Mund, um Nein zu sagen, aber was herauskam, war: „Eine Nacht. Ich helfe Ihnen eine Nacht mit Peter, bis Sie morgen ein Kindermädchen haben, obwohl ich wirklich keine Ahnung von Kindern habe. Ich bin einfach nur eine Anwaltsassistentin aus Sacramento. Leben Sie hier in Auckland?“

„Nein“, sagte er, schenkte mir ein erleichtertes Lächeln, das viel zu viele Dinge mit meinem Inneren anstellte, dass ich mich damit wohlfühlte.

„Aber das könnte ich. Ich denke darüber nach, hier ein Büro einzurichten, hatte mich gerade umgesehen, als Nastya mich ausfindig gemacht hat. Ich habe ein Zimmer in einem Hotel nicht weit von hier.“

Wenn er glaubte, dass ich auf so engem Raum mit ihm zusammenbleiben würde, dann war er bescheuert. Er musste mir schon ein eigenes Zimmer besorgen. „Whoa, einen Moment. Ich bleibe nicht mit Ihnen in einem Hotelzimmer.“

Er schickte mir ein weiteres schiefes Lächeln. „Es ist eine Suite. Es gibt zwei Schlafzimmer.“

„Was ganz in Ordnung wäre, wenn wir annehmen würden, dass ich Ihnen vertraue, aber das tue ich nicht.“ Ich beäugte ihn. Es gab keinen Grund, warum ich zustimmen sollte, die Nacht bei einem Mann zu verbringen, der so attraktiv war. Attraktive Männer waren sich immer bewusst, wie sie aussahen. Sie erwarteten, dass Frauen mit ihnen ins Bett sprangen einfach als eine Tatsache im Leben.

Warum solltest du nicht ab und an mal ein bisschen Spaß haben?, flüsterte meine innere Stimme. Diese verdammte innere Stimme, von der Swami Betelbaum sagte, dass ich lernen müsste, sie zu ignorieren, denn sie würde mich wegbringen von Gelassenheit.

Und was ich so verzweifelt wollte, war Gelassenheit.

„Die Türen haben Schlösser. Sie können sich also einschließen in Ihrem Zimmer“, sagte er und seine Lippen waren schmal.

Ich erkannte, dass ich ihn beleidigt hatte. Das war keine Überraschung, denn ich hatte ihn mehr oder minder beschuldigt, ein Vergewaltiger oder Schlimmeres zu sein.

„Verschlossene Türen sind nichts weiter als eine Illusion“, sagte ich, plötzlich so müde, dass ich mich einfach nur zu einem kleinen Ball zusammenrollen und die Welt sich ohne mich weiterdrehen lassen wollte. Wie lange war es her, dass ich geschlafen hatte? „Woher weiß ich, dass Sie kein schrecklicher Serienmörder mit einer Axt sind, der mich in sein Hotelzimmer lockt, um mich dann in kleine Häppchen zu hacken?“

„Ich bezweifle, dass viele Serienmörder ihren zehn Monate alten Sohn auf ihre Mördertouren mitnehmen“, sagte er mit dem Ansatz dieses erotischen halben Lächelns. „Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen die Namen und Telefonnummern von Leuten geben, die als Bürgen fungieren können.“

„Ihre Freunde mit den Äxten?“, sagte ich mit einem Schnauben.

„Nur einer davon hat eine Axt“, antwortete er und das Lächeln war diesmal definitiv da. „Ich kann Ihnen den Namen eines respektablen Bankers in Sydney geben und meines Brokers in Athen und …“ Seine Stimme klang ein wenig angestrengt. „… meines Bruders. Er ist ein erfolgreicher Immobilienmakler.“

„Sicher. Und ich bin überzeugt, dass er alles für Sie sagen würde.“

„Nein.“ Das Wort kam plötzlich, aber es steckte eine Menge an Gefühlen darin, Gefühle, die ich gut kannte – Selbsthass, Reue und Leid. „Wenn überhaupt, dann wird er Ihnen wahrscheinlich alle möglichen unschmeichelhaften Geschichten über mich erzählen“, erklärte er und versuchte, die Situation offensichtlich leicht zu nehmen, aber er schaute mir nicht in die Augen. „Er ist aber hochgradig seriös. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.“

Eine Nacht. Der Gedanke tanzte mit schwindelerregender Verlockung durch mein Gehirn. Misha würde mich niemals finden können, wenn ich nicht unter meinem Namen eingecheckt wäre. Ich hätte eine Nacht, in der ich ausruhen, in der Tat schlafen könnte, ohne auf das Geräusch meines Mörders zu lauschen, der sich unbemerkt anschlich.

Eine Nacht in Sicherheit. Ich wollte es so sehr, dass ich es fast schmecken konnte.

„Abgemacht“, sagte ich, während ich automatisch die Menge beobachtete. Es war mir inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen. „Aber ich will nicht, dass das Hotel meinen Namen kennt.“

Er schenkte mir einen merkwürdigen Blick, stimmte aber zu und nahm meine Tasche. Ich zögerte einen Moment, dann nahm ich den Kinderwagen in Beschlag und schob ihn hinter ihm her. Ein paar Schritte weiter hielt er inne und sammelte eine Laptoptasche und einen kleinen Trolley ein.

„Ich werde allerdings Ihre Bürgen anrufen“, warnte ich ihn. „Wenn da etwas faul ist, blasen wir die Sache ab.“

Er neigte zustimmend den Kopf und hielt die Tür für mich mit dem Ellbogen auf.

Ich sagte nichts, streifte aber seinen Arm, als ich hindurchging und war mir seiner Präsenz als Mann plötzlich sehr bewusst.

Ein Mann, der viel zu attraktiv und selbstbeherrscht für meinen Seelenfrieden war.

Kapitel 2

Theo saß im Taxi und fragte sich, ob sein Leben jemals wieder so wäre wie vorher.

Er hatte einen Sohn. Einen zehn Monate alten Sohn. Sein Blick wanderte dorthin, wo das Baby saß, festgeschnallt in einem Sitz zwischen ihm und Kiera. Ein Kind, das so aussah wie er, sodass er wusste, dass Nastya nicht einfach nur ans schnelle Geld kommen wollte. Nicht, dass er das wirklich gedacht hätte. Sie mochte viele Dinge sein, aber sie war zu einfach gestrickt, um auf so einen teuflischen Plan zu verfallen.

Das Gefühl der Verzweiflung, das alles lahmlegte, wusch über ihn hinweg, als er das Baby betrachtete, das neben ihm schlief. Wie zum Teufel konnte er ein Vater sein? Er bekam noch nicht einmal sein eigenes Leben auf die Reihe, also wie sollte es ihm möglich sein, ein Kind aufzuziehen, das nicht genauso ein großer Reinfall werden würde wie er?

Sein Bruder, Iakovos, war der perfekte Vater. Nicht er. Nicht der Trunkenbold, der fast eine unschuldige Frau und zwei ihrer ungeborenen Kinder umgebracht hatte.

Gott, er wollte einen Drink. Nein, nicht einfach nur wollte, er brauchte ihn, er verlangte nach dem Gefühl des Vergessens, das den Schmerz tilgen würde, der immer so nahe zu sein schien, ganz egal, was er tat.

Einen Sohn.

Er schaute wieder das Baby an und versuchte, seine Gefühle einzuordnen. Teile von ihm, die, von denen er dachte, dass es die guten waren, waren gerührt bei dem Anblick des Kindes. Dein Sohn, flüsterte die gute Seite in ihm, eine fremdartige Welle des Beschützerinstinkts stach ihn heftig in die Brust. Ein Sohn, den er beschützen und ernähren, den er lehren sollte. Einen Sohn, der aufwachsen würde, um ein besserer Mann zu werden als sein Vater.

Das Baby schlief mit zur Seite geneigtem Kopf. Theo runzelte die Stirn. Das konnte nicht bequem sein. Gerade als er den Kopf des Babys bewegen wollte, lehnte sich Kiera über Peter und brachte ihn in eine bequemere Position.

Ihr Blick traf seinen und er war sich wieder einmal der Verurteilung bewusst, die sie offensichtlich über ihn ausgesprochen hatte. Und warum sollte sie auch nicht – hatte sie nicht selbst gefragt, welche Art von Vater nicht wusste, dass er einen Sohn hatte, mal abgesehen davon, wie man für ihn sorgte?

„Ich wusste wirklich nichts von ihm“, erklärte er ihr, er hatte das Gefühl, dass irgendeine Erklärung nötig wäre. „Nastya rief heute Morgen an und sagte, dass sie nach Italien gehen würde und sie wollte mich sehen, bevor sie flog.“

„Italien?“, fragte Kiera.

„Sie ist ein Model.“ Ohne nachzudenken, ließ er seinen Blick über ihren Körper wandern und bewertete die positiven und negativen Dinge, ohne sich bewusst zu werden, was er tat. Sie war größer als der Durchschnitt, für seinen Geschmack ein bisschen zu dünn, mit Haaren, von denen er zuerst gedacht hatte, dass sie dunkelbraun waren, aber die im Licht des Nachmittages in einem satten Kastanienbraun schimmerten. Er konnte ihre Brüste nicht gut sehen in dem formlosen, weiten T-Shirt, das sie über Leggins trug, aber sie schienen nicht zum Träumen zu verleiten. Das Gesicht war herzförmig und hatte viele Sommersprossen und besaß die leichte Einbuchtung eines Grübchens auf einer Wange. Ihre Augen … Ihre Augen verfolgten ihn, auch wenn er mit seinen eigenen Sorgen beschäftigt war.

„Wovor laufen Sie davon?“, fragte er leise, damit der Taxifahrer sie nicht hören konnte.

Sie schrak gegen die Tür zurück, ihre Augen, mit der Farbe der Ägäis, plötzlich weit vor Angst. Sie leugnete es nicht; sie schaute ihn nur an mit diesen riesigen Augen wie eine Gazelle, die am Wasserloch überrascht worden war. Aus irgendeinem bizarren Grund, den er ganz und gar nicht verstand, war er sich bewusst, dass der frisch erwachte Drang, Peter zu beschützen, sich auch auf sie erstreckte.

Er kannte sie nicht, ermahnte er sich selbst. Tatsächlich wäre er innerhalb der nächsten Stunde im Besitz aller verfügbaren Fakten über sie und ihrer Geschichte, die in Einträgen in Akten gefunden werden konnten, dank der Textnachricht, die er an seine Assistentin gesendet hatte, während sie auf ein Taxi warteten, aber das würde ihm nur die Details über ihr Leben verschaffen. Er kannte sie nicht als Mensch. Und doch … Da war etwas an ihr, eine Art von Zerbrechlichkeit, als wäre sie so angespannt, dass ein kleines Detail sie zerbrechen würde. Das Bild des erschreckten Rehs, das drauf und dran war zu fliehen, blieb ihm.

„Wovor haben Sie Angst?“, fragte er erneut.

„Vor vielen Dingen“, sagte sie und ließ den Blick auf ihre Hände sinken. „Haie. Winzige, giftige Pfeile. Ent-Enthauptung.“

Seine Augen verengten sich, als sie das letzte Wort stotterte.

Sie hatte offensichtlich Angst vor etwas. Nein, jemandem. Warum sonst sollte sie zustimmen, bei einem Fremden zu bleiben? Irgendein Grund brachte sie dazu, ihm auszuhelfen, trotz des Fakts, dass sie ihm offensichtlich misstraute. Er war niemals zuvor das kleinere von zwei Übeln gewesen und er mochte dieses Gefühl nicht. Er wollte wissen, vor wem sie Angst hatte, bevor er ihr seinen Sohn anvertrauen würde.

Seinen Sohn. Würde er sich jemals daran gewöhnen, das zu hören? Würde er jemals auch nur ein halb so guter Vater sein wie Iakovos? Das Gefühl der Panik traf ihn tief im Magen, bevor er es niederrang und sich sagte, dass er keine Wahl hatte. Er hatte jetzt einen Sohn. Er musste ein Vater sein, auch wenn er nicht die geringste Ahnung hatte, wie er das machen sollte.

„Ich glaube, ich werde mir diese Bürgen anhören“, sagte Kiera und streckte die Hand nach dem Telefon aus, von dem er gesagt hatte, dass sie es benutzen konnte, um Anrufe zu tätigen.

Welche Art von Frau hatte heutzutage kein eigenes Handy?

Eine, die vor jemandem davonlief.

Er rief das Telefonbuch auf, wählte eine Nummer, drückte auf wählen und gab ihr das Handy. „Das ist Simon, mein Banker.“

Er hörte stumm zu, als sie sich für die Störung entschuldigte und dann erklärte, dass sie wegen eines Geschäftsvorschlags anrief, über den sie nachdachte.

„Was ich wirklich gerne wissen würde, ist, ob Sie das Gefühl haben, dass Mister Papaioannou ein gutes Risiko darstellt.“ Er hob eine Augenbraue, als sie darauf bedacht war, Blickkontakt zu vermeiden.

„Nein, nein, natürlich nicht, ich frage nicht nach finanziellen Details – ich will einfach nur wissen, ob Sie meinen, dass … Ein Geschäft mit ihm, hätten Sie kein Problem damit, das mit ihm zu tätigen? Also … Ich glaube nicht, dass die Art des Geschäfts wirklich relevant ist. Entweder vertrauen Sie jemandem oder nicht. Nein, Sir, ich will nicht –“

Theo seufzte, nahm ihr das Telefon ab und sagte abrupt: „Simon, sie will wissen, ob ich vertrauenswürdig bin. Das ist alles“, bevor er das Telefon zurückgab.

Ihr Gesicht überzog sich mit einem Hauch von Pink, etwas, das ihn sowohl amüsierte als auch erstaunte. Er hatte nicht gedacht, dass Frauen immer noch erröteten. Die Art von Frauen, die er normalerweise datete, hatten diese Fähigkeit sicherlich lange verloren. Er konnte sich nicht vorstellen, dass Nastya über irgendetwas errötete.

„Ich verstehe. Vielen Dank für Ihre Hilfe. Es tut mir leid, Sie gestört zu haben.“

Sie legte auf und biss sich auf die Unterlippe. Eine Welle der Hitze traf ihn, als er ihren Mund betrachtete. Sie hatte die süßesten kleinen, rosenfarbenen Lippen, die ihn dazu brachten, sie schmecken zu wollen.

„Cantalupe-Melonen“, sagte sie endlich.

„Golfbälle.“

Sie warf ihm einen überraschten Blick zu. Er lächelte.

„Oreokekse, wenn man sie von oben betrachtet“, antwortete sie mit herausfordernder Stimme und fügte dann hinzu: „Das war wirklich peinlich, aber wenn es Ihnen nichts ausmacht, dann würde ich jetzt gerne den zweiten Bürgen anrufen.“ Sie gab ihm das Telefon zurück.

Er schaute auf die Uhr und wählte eine Nummer. „Hallo, Henry. Tu mir einen Gefallen und sag der Dame, die ich dir gleich geben werde, ob du das Gefühl hast, dass du meinem Wort trauen kannst. Nein, mach es einfach.“

Sie nahm das Telefon und schaute ihn immer noch nicht an. „Hallo. Ja, danke. Tun Sie. Mit … oh.“ Der winzigste Teil ihres Mundwinkels bewegte sich zu einem Lächeln. „Und hat er … Nein, nein, natürlich nicht. Ich verstehe. Vielen Dank.“

„Habe ich was?“ Er konnte nicht anders, sondern musste sie fragen, als sie ihm das Telefon zurückgab, ihre Wangen immer noch pink, aber für einen Moment stand Lachen in ihren Augen.

„Er sagt, dass er Ihnen so vertrauen würde, dass er Sie seine achtzehnjährige Tochter daten lassen würde und er kann das von niemand anderem behaupten, am wenigsten von dem jungen Mann, den sie datet.“

„Zufrieden oder wollen Sie auch den letzten?“

Das Lächeln in ihren Augen erstarb, als sie sich wieder über Peter beugte und die leichte Decke zurechtschob, die über ihm ausgebreitet war. „Ich hätte auch gerne den letzten, wenn es Ihnen nichts ausmacht.“

„Nein, macht es mir nicht, aber das muss noch ein paar Minuten warten“, sagte er und nickte aus dem Fenster, als sie vor dem eleganten Hotel vorfuhren.

Sie schaute besorgt aus und als sie aus dem Auto stiegen, überprüfte er im Geheimen sein Telefon, wissend, dass selbst eine Assistentin, die so effizient war wie Annemarie, einen Hintergrund-Check nicht so schnell zustande brächte, aber er wollte so sehr wissen, was sie über Kiera hatte ausfindig machen können.

Er war nicht dumm – er würde seinen Sohn nicht einer potenziell gefährlichen Situation aussetzen, bis er nicht mehr über Kiera wusste, aber bis dahin hatte er das Recht, fasziniert von ihr zu sein.

Der Bericht über ihren Hintergrund sollte besser auch die Information enthalten, vor wem sie solche Angst hatte. Er hatte das Gefühl, dass er mit demjenigen ein oder zwei Takte reden wollte, wer auch immer es war.

Kapitel 3

Ich war mehr als nur ein bisschen unsicher, als ich mit einem völlig Fremden in die Lobby des Hotels ging, aber zwei Dinge beruhigten mich: Das erste war die Tatsache, dass das Hotel groß war, mit einem konstanten Strom von Leuten, die in die Lobby kamen oder sie verließen und das zweite war die Tatsache, dass Theo einen Anruf bekam, während er den Taxifahrer bezahlte. Das gab mir die Gelegenheit, in die Lobby zu schleichen, während er draußen stand und hastig auf Griechisch sprach.

„Schau, Peter, Leute. Viele Leute. Sind sie nicht interessant?“ Ich schob das Baby in seinem Kinderwagen gerade durch die Türöffnung und legte einen Stopp ein, um die Leute in der Lobby zu mustern. Keiner schenkte mir auch nur das kleinste bisschen Aufmerksamkeit. Keiner erhob sich, um Bösartigkeit und Schrecken zu verströmen oder mit dem Finger auf mich zu deuten und zu verlangen, dass die Polizei mich verhaftete. Keiner schaute auch nur in unsere Richtung, was Balsam für meine Nerven war, die am Zerfasern waren.

Wenigstens wäre ich für eine Nacht außerhalb von Mikhails Zugriff.

„Es tut mir leid“, sagte Theo und erschien plötzlich neben mir. Er nahm seine Laptoptasche und die Tasche des Babys und ließ die anderen für den Portier übrig, und erschreckte mich für eine Sekunde, als ich die Wärme seiner Hand auf meinem Rücken spürte, als wir die Lobby ganz betraten. „Ihr zwei bleibt hier. Ich brauche nicht lange.“

Das Baby fing wieder an zu strampeln, es war genau da aufgewacht, als wir im Hotel ankamen. Ich kniete mich nieder, um zu überprüfen, dass er nicht zu eng festgeschnallt war, nahm den Geruch von etwas Schrecklichem wahr und kräuselte die Nase in Richtung des täuschend süßen Babys.

„Mann, daran habe ich noch nicht einmal gedacht“, erklärte ich ihm und schickte ein kleines Gebet Richtung Himmel, dass Theo wusste, wie man Babys wickelte. „Es tut mir leid, dass du jetzt in deinen eigenen Fäkalien sitzt, Peter. Ich kann mir vorstellen, dass das sehr ungemütlich ist und außerdem ziemlich stinkt, aber sobald dein Papi uns zu seinem Zimmer gebracht hat, bin ich sicher, dass er dich sauber machen wird und dann wirst du wieder glücklich sein. Ich frage mich, was du essen möchtest.“

Peter, der an seinen Fingern genuckelt hatte, begann plötzlich zu rufen: „No no no“, als Theo erschien und deutete mit einem anklagendem nassen Finger auf ihn.

„Er kann reden“, sagte Theo und ein Blick von Begeisterung huschte über sein Gesicht. „Ich frage mich, was er noch sagen kann? Kannst du Papa sagen, Peter? Papa? Na vielleicht habe ich etwas Süßes …“ Theo stellte die Laptoptasche ab und begann, die Taschen seiner Anzugjacke abzuklopfen.

„Theo, er ist kein Papagei“, sagte ich und als Peters Gesicht sich wieder in Tränen auflöste, gab ich Instinkten nach, von denen ich nicht wusste, dass ich sie besaß, und nahm ihn aus dem Kinderwagen und balancierte ihn auf meiner Hüfte, während ich seinen Rücken rieb. „Ich will dir jetzt einen kleinen Ratschlag geben, von dem ich hoffe, dass du ihn beherzigst, Baby. Lass niemals andere Leute ihre Erwartungen auf dich projizieren. Du musst nicht Papa sagen, wenn du das nicht willst. Nur weil er dein Vater ist, heißt das nicht, dass er das Recht hat, Dinge von dir zu verlangen, mit denen du dich nicht wohlfühlst. Du sagst Papa, wenn du so weit bist. Und wenn du das nicht tun willst, kannst du ihn einfach nur no no no nennen. Wir sind nicht hier, um dich zu beurteilen. Finde einfach deinen inneren Frieden und mach dir um andere Leute keine Gedanken, okay?“

Theo schaute aus, als wollte er in Lachen ausbrechen, aber er brachte es fertig, ein ernstes Gesicht beizubehalten, als wir zum Aufzug gingen und ein Portier einen Wagen hinter uns herschob.

„Das ist ziemlich … Geräumig“, sagte ich einige Minuten später und schaute mich in der Suite um, die Theo gebucht hatte. Allein das Wohnzimmer hätte vermutlich mein früheres Apartment aufnehmen können.

Theo bezahlte den Portier und öffnete die Tür zu einem Schlafzimmer, dann schritt er durch das Wohnzimmer hinüber zu dem anderen. „Gibt es ein Zimmer, das du lieber möchtest?“

Ich schüttelte den Kopf und nahm immer noch die elegante Umgebung auf.

„Dann nehme ich dieses hier. Es hat zwei Betten.“ Er sammelte sein Gepäck ein und das des Babys und nahm es mit in sein Zimmer.

Hatte er nicht etwas zu seiner Ex darüber gesagt, dass er sich kein Kind leisten könnte? Wie zahlte er für dieses Zimmer, wenn das Geld knapp war? Er hätte eine niedrigere Kategorie buchen sollen. Oder war das so eine Geschäftssache? Einer der Anwälte in der Kanzlei, für die ich gearbeitet hatte, hat mir einmal gesagt, dass der äußere Schein alles war, und dass, wenn man aussah, als hätte man Geld, Leute auch glaubten, dass man Geld hätte. Vielleicht legte er Wert auf den äußeren Schein aus Geschäftsgründen?

Schuld klopfte an. Er hatte versprochen, das Doppelte des normalen Lohns für einen Babysitter zu zahlen und ich hätte das gerne genommen. „Reifen. Oliven. Das linke Ohrläppchen von Tante Talia.“

Andererseits, was machte ich hier? War ich wirklich gewillt, mit Peter zu helfen, nur wegen des Gedankens, dass ich eine Nacht schlafen könnte? „Traurigerweise ist das so“, sagte ich laut und zuckte zusammen, als eine weitere Welle des Babygestanks mich traf. „Wir sind hier und wir werden mit den Dingen fertig werden, so wie sie auftauchen, klar? Heiliger Bimbam, Baby. Das ist wirklich unerträglich.“

„Dein Zimmer ist hier“, sagte Theo, der wieder aufgetaucht war, um zu der anderen Tür hinüberzunicken. „Du solltest wahrscheinlich überprüfen, ob das Schloss funktioniert. Ich übernehme Peter.“

„Prima“, sagte ich, gab ihm das Baby und eilte zu meinem Zimmer. „Er muss gewickelt werden.“

„Was?“

Ich legte einen Stopp vor der Tür zu meinem Zimmer ein und erkannte den Moment, in dem er verstand. Sein Gesicht zuckte, als er das Baby auf Armeslänge von sich hielt, etwas auf Griechisch sagte, und er schaute aus, als könnte er nicht glauben, dass der Gestank von einem so kleinen Kind kam.

Dann schaute er auf und begann, sich auf mich zuzubewegen.

Ich wirbelte herum, warf die Tür zu und um auf der sicheren Seite zu sein, schloss ich auch ab.

„Kiera.“ Seine Stimme war leicht gedämpft.

„Ja?“

„Das Baby muss gewickelt werden.“

„Ja, das ist richtig.“

„Ich habe noch niemals ein Baby gewickelt.“

„Ich auch nicht.“

„Aber du bist eine Frau.“

Ich gab nach und kicherte ein bisschen, bevor ich die Tür öffnete. „Ich hasse es, dir das mitteilen zu müssen, aber nur, weil ich einen Uterus habe, heißt es nicht, dass ich instinktives Wissen darüber habe, wie man eine Windel wechselt.“

„Bitte“, sagte er und hielt mir Peter hin.

Das Gesicht des Babys verzog sich wieder, als wäre er kurz davor zu weinen. Theo sah auch so aus, als wollte er weinen.

„Er ist dein Sohn“, bemerkte ich.

„Und ich versuche sehr, mit dieser Tatsache klarzukommen, aber ich mache das zum ersten Mal und ich brauche Hilfe. Biiiiitte.“

„Oh, na gut, aber das machen wir in deinem Schlafzimmer.“ Ich fügte mich dem Unvermeidlichen, nahm das Baby und ging hinüber zu Theos Zimmer. „Ich will in der Lage sein, in meinem zu schlafen.“

„Ich muss einige Anrufe tätigen. Danach können wir Abendessen bestellen.“

Ich nickte und ging ins Badezimmer, das an Theos Schlafzimmer anschloss, legte eines der dicken blauen Handtücher des Hotels auf den Badvorleger, bevor ich das Baby obendrauf absetzte.

„Ich hoffe, du hast keine Erwartungen im Hinblick auf dieses Erlebnis, die ich nicht erfüllen kann“, erklärte ich dem Baby, öffnete seine Tasche und betrachtete den Inhalt. „Ich werde mein Bestes geben, aber bitte denk daran, das ist das erste Mal für mich. Was haben wir denn hier …? Windeln, Check. Eine Art von Wundsalbe. Puder. Und eine Box mit Feuchttüchern. Das sieht praktisch aus. Also, lass uns dich ausziehen. Das geht hier ab, fantastisch. Und das sieht aus, als würde es hier losgehen, und dann können wir das ausziehen und HIMMEL HERRGOTT!“

Die Erinnerung an die zehn Minuten, die darauf folgten, würde sehr lange sehr lebendig bleiben. Irgendwann hatte ich den Hintern des Babys halbwegs sauber, indem ich die Hälfte der Box mit den Feuchttüchern verbraucht hatte und zwei Extrawindeln, um den Überfluss aufzuwischen, während der Boden übersät war mit Trümmerteilen meiner Schlacht.

Obwohl die Belüftung auf vollen Touren lief, war der Gestank im Badezimmer stark genug, um Theo zurücktaumeln zu lassen, als er hereinkam, um nachzusehen, wie wir uns schlugen. „Bist du noch nicht fertig?“, fragte er und starrte ungläubig, als er erkannte, dass das Babypuder irgendwie über Peter, dem Fußboden und mir explodiert war und ich ein nacktes, sich windendes Baby an meine Hüfte gepresst hielt.

„Sieht es aus, als seien wir fertig?“, fauchte ich, mit den Nerven am Ende. „Mach dich nützlich. Hol eine Mülltüte und sammle all das ein. Ich habe Peter sauber gemacht, aber er stinkt noch immer. Ich glaube, ich werde seinen Hintern waschen müssen.“

„Unternimm irgendetwas“, stimmte Theo zu, während er zusammenzuckte und rückwärts aus dem Badezimmer ging.

Hoffnung keimte auf, als ich das Bidet sichtete. „In Ordnung, das ist, wofür es da ist. Lass uns einfach … Himmel, nein!“

Ich musste Peter wohl in der falschen Position gehalten haben, um den Wasserstrahl aufzufangen, denn dieser segelte fröhlich durch seine strampelnden Beine und erwischte mich direkt an der Brust.

Peter sah so aus, als würde er gleich wieder weinen und das erfüllte mich mit Panik und einer frisch gewonnenen Entschlossenheit. „In Ordnung, stress dich nicht. Denk an deinen inneren Frieden. Finde dein inneres Zen, und entspann dich, während ich eine wasserdichte Strategie überlege“, erklärte ich dem Baby und zog mein tropfnasses T-Shirt aus.

„Er braucht eine Dusche“, sagte Theo hilfreich, als er mit einem Müllsack zurückkam, um die Trümmerteile einzusammeln.

„Ich werde ihm ein Bad einlassen“, antwortete ich und ließ warmes Wasser einlaufen, das nasse nackte Baby immer noch an meiner Seite. Ich traute mich nicht, ihn abzusetzen, da ich nicht wusste, wie sauber der Boden war. Das heißt, bevor das Puder überall hingekommen war.

„Er pisst die Wand an.“

„Was? Oh, Peter, nein!“

Ein kleines bisschen zu spät erkannte ich, dass mich umdrehen, um zu sehen, was das Baby tat, bedeutete, dass ich einfach nur Pisse überall hin verteilen würde und das tat ich auch, direkt über die Vorderseite von Theos Hemd, als er dabei war, sich zu bücken, um eine Windel aufzuheben.

Theo sprang zurück und fluchte.

„Oh, mach nicht so einen Aufstand wegen ein kleines bisschen Pisse von einem Baby“, schnaufte ich, als er sich das Hemd vom Leib riss. „Ich hatte Kacke über meine ganzen Arme verteilt. Ich musste sie dreimal waschen, bevor ich aufhören konnte zu würgen.“

Er schaute auf, um zu antworten und hielt inne, seine Augen auf meine Brust fokussiert.

Ich schaute an mir herab und musste entdecken, dass mein letzter sauberer BH, ein durchsichtiges kleines Ding mit hübscher Stickerei auf den Cups, genauso durchweicht war wie mein Shirt und dass er nun genau genommen durchsichtig war.

Ich fühlte mich heiß und unangenehm und feucht und trotzdem zur gleichen Zeit seltsam erregt bei dem Blick, den er meinen Brüsten zuwarf. Aber ich würde sterben, bevor ich ihn das wissen ließ. „Es tut mir leid, dass der Anblick meiner Titten dich so beleidigt. Ich bin nass geworden, als ich versucht habe, das Baby im Bidet zu waschen.“

Theo riss seinen Blick von meiner Brust los und schenkte dem Bidet einen neugierigen Blick. „Du hast versucht, ihm ein Bad im Bidet einzulassen?“

„Ich habe versucht seinen Hintern zu waschen, ja. Das ist schließlich, wofür es da ist. Aber er mochte es nicht, also gibt es jetzt ein Vollbad. Du kannst uns jetzt alleine lassen.“

„Ich bleibe und helfe, jetzt wo er nicht … Ich helfe, ihn zu baden.“

„Du willst es tun? Super.“ Ich versuchte, ihm das nasse Baby zu überreichen.

Er wich zurück und hielt die Hände hoch. „Ich sagte, ich helfe. Du kannst es übernehmen und ich schau dir zu, sodass ich es beim nächsten Mal machen kann.“

„Entweder übernimmst du das oder ich, aber wenn ich das mache, dann musst du gehen“, erklärte ich ihm und wand das Toilettenpapier aus dem Griff des Babys, das es sich geklaut hatte.

„Warum kann ich nicht bleiben?“, fragte Theo und runzelte die Stirn.

Ich wollte nichts so sehr in diesem Moment, als ihn einfach in die Kniekehlen zu boxen. „Weil meine Unterhose zu meinem BH passt.“

„Das ist schön zu wissen, aber hat das irgendeinen Einfluss darauf, Peter zu baden?“

„Ja! Er ist ein Baby! Er kann nicht allein in der Badewanne sitzen, also muss ich mit ihm hinein.“

„Und?“

Ich schaute ihn böse an, als er zu meinen Brüsten hinabsah. „Ah. Also, das macht mir nichts aus.“

„Mir aber.“ Glaubte der Mann ernsthaft, dass ich mich quasi nackt in dem gleichen Zimmer wie er aufhalten würde?

„In Ordnung. Dann setze ich mich mit ihm in die Badewanne“, sagte er, mit den Händen auf seiner Gürtelschnalle.

Seine Hosen trafen auf den Boden auf, bevor ich mich überhaupt hastig zur Badewanne umdrehen konnte, um das Wasser aufzuwirbeln und mich selbst abzulenken. „Lass deine Unterwäsche an.“

„Warum? Im Gegensatz zu dir bin ich nicht schüchtern.“

„Lass sie einfach an“, knurrte ich und schloss meine Augen, bis ich ein Platschen hörte.

Als ich sie öffnete, fiel mein Blick sofort auf Theos nackte Brust, die nur ein paar Zentimeter von mir entfernt war. Ich starrte auf seine Brust. Ich schloss meine Augen wieder, dann öffnete ich sie. Nein, er war immer noch da, immer noch so attraktiv wie beim ersten Blick.

Lieber Himmel, der Mann war eine Schönheit.

„Baby“, sagte er und streckte die Hände aus.

„Was? Oh.“ Ich reichte ihm Peter und beschäftigte mich mit einem Waschlappen und Seife.

Es war einfach gemein von ihm, seine Brust so für mich zur Schau zu stellen. Was glaubte er, was ich war, eine Nonne?

Das Baby saß zwischen Theos Knien und planschte glücklich im Wasser, brabbelte Babysprache vor sich hin und kicherte, als Theo ihm half zu planschen.

Ich brauchte drei Versuche, aber endlich war ich in der Lage, meine Augen von der Breitseite dieser wunderbaren Brust abzuwenden, woraufhin ich erleichtert feststellte, dass Theo seine knappe schwarze Unterhose angelassen hatte. An diesem Punkt schwor ich einen feierlichen Eid, während ich versuchte, Peter zu waschen. Ich würde nicht auf Theos Schritt gucken. Es war überhaupt nicht interessant für mich. Es war mir absolut egal, was er in seiner Unterhose hatte. Es ging mich einfach nichts an.

Ich schaute und wäre fast in die Badewanne gefallen.

„Vorsichtig“, warnte Theo und schaute auf, seine Brust und sein Gesicht nass von seinem und Peters Spiel, und sein Grinsen verblasste ein bisschen, als er mich ansah. „Geht’s dir gut? Du siehst aus, als würdest du gleich ohnmächtig werden.“

„Ja, mir geht’s gut, absolut gut. Warum sollte es mir nicht gut gehen? Meine … äh … Meine Hand ist abgerutscht, das ist alles. Das kann jedem passieren. Es ist ein ganz normales, alltägliches Vorkommnis. Die Hände von Leuten rutschen ständig ab.“ Entschlossen wandte ich meinen Blick wieder dem Baby zu. Verdammt, ich würde Theo mich nicht so verwirren lassen. Er würde es lieben, zu wissen, dass ein bisschen nackte Brust und Arme und Bizeps mein inneres Selbst zu einem Ohnmachtsanfall verleiten könnte und dass er mich so durcheinanderbrachte.

Es fiel mir auf, dass ich mich nicht besonders bedroht von Theo fühlte. Ich warf einen schnellen Blick auf ihn, während ich die Beine des Babys wusch, und wunderte mich über diese Tatsache, untersuchte diese Feststellung, um zu sehen, was das bedeutete. Ich kannte den Mann nicht und doch, hier war er, fast nackt und alles, was ich fühlte, war ein überwältigendes Verlangen, seine Brust anzusehen. Und seine Beine. Und seine Arme.

Ich räusperte mich und fühlte die Hitze auf meinen Wangen. Ich musste aufhören, über Theos Muskeln und seine Haut und, oh Himmel, über seine Oberschenkel nachzudenken! Ich würde ihn ignorieren und mich komplett auf das Baby konzentrieren. Das war die Lösung.

Das Baby hatte andere Ideen und wand sich aus meinem Griff, jedes Mal, wenn ich versuchte, ihn festzunageln, um einen Arm oder ein Bein zu waschen.

„Entschuldige“, sagte ich, als ich versuchte, die Brust des Babys zu waschen und er sich zur Seite wand, und ich stattdessen Theos Unterschenkel erwischte.

„Er mag Wasser“, sagte Theo.

Ich versuchte, über Worte nachzudenken, um ihm eine Antwort zu geben, aber mein Gehirn schien den Dienst zu verweigern, während ich die lange Linie von Theos Beinen betrachtete. Er hatte dunkle Körperbehaarung, nicht so viel, dass ich ihm einen Rasierer kaufen wollte, aber genug, um mir den Unterschied zwischen seinem und meinem Körper sehr wohl bewusst zu machen.

Was zum Teufel tat ich, über seinen Körper nachzudenken? Baby! Wasch das Baby!

Ich erwischte Peters Arm mit der Absicht, seinen Hintern mit dem Waschlappen abzuwischen, aber bevor ich das tun konnte, warf er sich nach vorne, um Theos wackelnde Zehen zu erwischen und ich fiel über den Rand der Wanne.

„Alles okay?“, fragte er. Mein Gesicht war in seinen Magen gepresst, mein Atem war in der Kehle stecken geblieben, als ich versuchte, mich von ihm zu lösen und meine seifigen Hände auf den harten Muskeln seiner Oberschenkel lagen.

Ich schaffte es, mich in die Senkrechte zu bringen, aber ich fühlte, wie mein Gesicht flammend rot war vor Verlegenheit. „Entschuldige, er will nicht gewaschen werden.“

„Wenn du mich auch waschen willst, dann ziehe ich meine Unterwäsche aus“, sagte Theo und seine Augen tanzten, als ich versuchte, irgendwohin zu sehen außer auf seinen Schritt.

Ich würde nicht hinsehen, ich würde absolut nicht hinsehen …

Es schien so, als wäre ein Paar von Bulldoggen in seine Unterwäsche gestopft.

Oh, lieber Gott im Himmel.

„Kiera? Hast du dir den Magen an der Kante von der Badewanne wehgetan?“ fragte Theo, als ich eine Hand auf meine Brust legte, um etwas Sauerstoff in meine Lungen zu bekommen.

„Nein, mir geht’s gut“, sagte ich und bemerkte, dass meine Stimme wie ein Frosch klang. Ein weiblicher Frosch, fasziniert von der Ausstattung eines männlichen Frosches in der Nähe. Ich räusperte mich. „Ich … äh … Ich denke, das Baby ist sauber.“

„In Ordnung. Obwohl es eine Schande ist, er mag es wirklich.“

Ich hielt meinen Blick fest auf Peter gerichtet, und ließ ihn ein paarmal im Wasser auf und ab hüpfen, während Theo aus der Badewanne stieg und nahm abwesend das Handtuch entgegen, das er mir hinhielt, um das Baby abzutrocknen.

Das laute, nasse Geräusch von Unterwäsche, die auf dem Boden auftraf, ließ mich mitten im Abtrocknen erstarren. Für einen Moment drohte, Panik aufzuwallen, aber zu meiner Erleichterung verschwand sie wieder und ließ nur ein merkwürdiges Gefühl von Wut zurück.

Theo sagte: „Ich werde das Abendessen heraufbringen lassen, wenn es dir nichts ausmacht. Das wird für Peter einfacher sein.“

„Macht nichts aus“, sagte ich schnell und fragte mich, wo der Sauerstoff im Badezimmer hin war.

Er stand hinter mir, nackt. Ich konnte es fühlen, wie er dastand, nass und nackt und wie er aussah, und sich für mich zur Schau stellte. Wie konnte er es wagen, dazustehen ohne einen einzigen Faden am Leib, seine Haut ganz warm und nass und glitschig, ganz so, als hätte er keine Ahnung, welchen Effekt er auf mich haben würde? Männer, die aussahen wie er, wussten immer, wie Frauen auf sie reagierten. Sie sonnten sich darin.

Die Bastarde.

„Was glaubst du, was er isst?“, fragte Theo. „Fertignahrung ist in der Tasche, aber Nastya hat nicht gesagt, ob er auch etwas anderes isst. Ich nehme an, das kann ich online nachschlagen.“

Also, ich würde nicht zulassen, dass er an mich herankam. Ich würde ihm nicht die Befriedigung verschaffen, auf ihn zu reagieren, ganz männlich und nackt und nass, mit seinen zwei Bulldoggen zwischen den Beinen. Er konnte dort stehen, solange er wollte, mit seinen geschmeidigen Muskeln und seiner verlockenden Haut – ich würde sterben, bevor ich auch nur ein kleines bisschen sein Ego füttern würde.

„Alles in Häppchen, denke ich mir“, sagte ich und trocknete das Baby ab. „Cerealien vielleicht. Joghurt. Früchte, die leicht zu kauen sind. Ein bisschen Nudeln ohne Sauce.“

„Ich werde es bestellen.“

„Und vielleicht –“ Ich drehte mich herum und hielt inne. Er war gerade dabei, sein Gesicht und seine Brust abzutrocknen, und der Rest von ihm war genau auf Augenhöhe.

Ungläubig starrte ich seine Genitalien an.

„Vielleicht was?“ Er schaute auf mich herab, und das kleinste Lächeln verzog seine Lippen, während ich weiter starrte. „Gefällt dir, was du siehst?“

Seine Stimme drang durch den Nebel in meinem Kopf.

Ich räusperte mich und mit einem schier übermenschlichen Kraftakt brachte ich mich dazu, in seine Augen zu sehen. „Nicht wirklich, nein.“

Er hob seine Augenbrauen, er hatte offensichtlich nicht diese Antwort erwartet.

Ich nährte die Wut, die immer noch in mir brannte. Diese Wut würde mir Sicherheit verschaffen. „Ich mag keine Männer, die größer sind als ich. Ich mag keine Männer, die attraktiv sind. Ich mag keine Männer mit großen …“ Ich wedelte mit der Hand in Richtung seines Schritts. „… großen Körperteilen. Und ich mag wirklich keine Männer, die ihre äußere Erscheinung einsetzen, um zu bekommen, was sie wollen. Willst du Peter anziehen, oder soll ich das übernehmen?“

„Das kannst du machen.“ Er beobachtete mich für einen Moment, während ich mich durch die Babytasche wühlte und frische Kleider und eine frische Windel hervorzog. Er sagte nichts weiter, aber verließ das Badezimmer.

Idiot, sagte ich mir und beobachtete, wie er davonging. Hoooo, sogar die Rückansicht … Nein! Hör auf zu starren, du Narr! „Ich bin der schlechteste Lügner der Welt, Peter“, sagte ich leise und fühlte, dass ich errötete und heiß und unglaublich erregt war. Verärgert! Ich war unglaublich verärgert, nicht erregt.

Verdammt, Theo war das feinste Exemplar der Spezies Mann, das ich jemals gesehen hatte. Trotz der Tatsache, dass er keine meiner mentalen Alarmglocken in Gang setzte, musste ich schnell raus hier, oder ich wäre bis über beide Ohren verloren und ich war es satt, das Gefühl zu haben, dass ich ständig gegen die Strömung schwamm.

Als ich das Baby endlich angezogen hatte, war Theo am Telefon und bestellte das Abendessen.

Ich setzte Peter auf den Fußboden und zog mir mein nasses T-Shirt über, das Gefühl war unangenehm, aber es war besser, als meine Titten mehr oder minder nackt Theo zu zeigen. Das Baby sang mir einige Male no no no vor und krabbelte dann hinüber zum Bett, umklammerte die Tagesdecke und zog sich auf die Füße.

Ich kniete mich hinter ihn, meine Hände ausgestreckt, um ihn aufzufangen für den Fall, dass er umfiel, aber obwohl er ein bisschen wackelig schien, hüpfte er und klatschte seine Hände auf die Decke, ohne umzufallen. „Also, bist du nicht clever?“, sagte ich und lächelte, als er auf seinen kleinen dicken Beinchen durch die Gegend hüpfte. „Du kannst stehen.“

„Natürlich kann er das“, sagte Theo, dankenswerterweise angezogen. „Er kann wahrscheinlich sogar laufen. Das werden wir nach dem Abendessen feststellen.“

Stolz war ganz klar aus Theos Stimme herauszuhören, als er sprach und er war offensichtlich in seinen Augen, als er einen verschwörerischen Blick in meine Richtung warf, als Peter mithilfe seines Griffs am Bett noch ein paarmal auf und ab hüpfte. Aber es war der Ausdruck auf diesem Gesicht, der etwas tief in meinem Bauch erwärmte, und mich mit dem Bedürfnis zurückließ, dem schmerzhaften Wunsch, nur für einen Moment, Teil dieses Stolzes zu sein.

Das ist der Weg in die Katastrophe, sagte mein inneres Selbst und widerwillig ließ ich das Bedürfnis gehen und das sexuelle Interesse, das mich so ärgerte, ebenfalls.

„Ich werde mir irgendetwas überziehen, das weniger nach Badespaß aussieht“, erklärte ich Theo und kam auf die Füße, während Peter sich hinsetzte, um mit Theos Schuhen zu spielen.

„Wenn du glaubst, dass das Badespaß ist, dann muss ich dir etwas zeigen“, war seine Antwort, die er mit einem Blick aus halb geschlossenen Lidern begleitete, der trotz meiner guten Vorsätze ein langsames Brennen in meinem Magen entzündete, das sich zu einem wütenden Inferno der Lust entwickelte.

Unsere Blicke trafen sich, seiner neckend und meiner wachsam. Ich wollte ihm sagen, dass ich die letzten neun Monate damit verbracht hatte, mich vor jedem Schatten und jedem Fremden zu verstecken … Aber nichts hatte mich so durcheinandergebracht und besorgt gestimmt, wie ich es jetzt war.

Es war ganz einfach: Ich war die Beute für den Jäger Theo und es gab rein gar nichts, was ich dagegen unternehmen konnte. Warum lief ich also überhaupt weg? Ich schüttelte innerlich den Kopf über die Tatsache, dass ich genau in diesem Moment aus der Tür gehen sollte und stattdessen doch Entschuldigungen dafür fand zu bleiben.

Ich rannte quasi in mein Zimmer, um mich umzuziehen und mir selbst eine Predigt zu halten, während ich das tat.

Als ich ins Wohnzimmer zurückkehrte, mein Entschluss, Theo auf Armlänge von mir entfernt zu halten, so fest wie er eben werden würde, fand ich ihn auf dem Fußboden sitzend zusammen mit Peter und einem Stoffbuch, mit einem Kuscheltier in Form einer Giraffe, das Peter auf Theos Fuß haute und einem gelben knollenförmigen Gummiding.

„Ich habe gerade über all die Dinge nachgedacht, die ich erledigen muss.“ Theos Gesichtsausdruck war angespannt. „Das ist alles so neu für mich, aber ich will es richtig machen. Ich muss es richtig machen.“

„Es wird eine große Veränderung für euch beide sein“, sagte ich und schaute mich im Zimmer um.

„Das ist eine Untertreibung. Ich frage mich, wie ich mich um ein Baby kümmern soll, wenn ich nichts über sie weiß, aber dann sagt er no no zu mir und ich schmelze innerlich dahin.“

„Er ist aber auch süß.“ Ich beäugte all die elektrischen Kabel, die von diversen Lampen kamen und schüttelte innerlich den Kopf.

„Ich werde ihm richtige Spielsachen besorgen“, sagte Theo und beobachtete mich, als ich zu dem Glastisch hinübertrat. „Das ist alles, was Nastya für ihn eingepackt hat. Wenigstens hat er ein Kauspielzeug.“

„Ein was?“ Ich grunzte, als ich den Tisch so weit zurückschob, bis er gegen eines der beiden Sofas stand und die Lampen in der Nähe ausstöpselte.

„Er zahnt, glaube ich. Er hat ein paar Zähne, also nehme ich an, dass er zahnt und ich dachte, man gibt Babys etwas, auf dem sie kauen können, wenn sie das tun.“ Er hielt die gelbe Gummiknolle mit dem merkwürdig schmalen Ende hoch.

„Kauspielzeug.“

„Macht Sinn.“

Ich beäugte den Beistelltisch und nahm die Lampe herunter, um sie auf den kleinen Esstisch zu stellen, der zwischen uns und der winzigen Kitchenette stand.

„Was machst du da?“, fragte Theo, während Peter ihm das Kauspielzeug abnahm und es sich in den Mund stopfte und darauf herumnagte, während er mich auch beobachtete.

„Wenn Peter fallen sollte, dann könnte er sich seinen Kopf an dem Glastisch stoßen“, antwortete ich und nickte hinüber. „Und die Lampe könnte ihm auf den Kopf fallen.“

„Du bist sicher, dass du kein Kindermädchen bist?“, fragte Theo mit einem weiteren von diesen sexy schiefen Grinsen.

„Ziemlich sicher. Ich verfüge jedoch über gesunden Menschenverstand.“ Ich ging zum Schlafzimmer zurück und nahm eine Decke aus dem Schrank, die ich auf dem Teppich ausbreitete und setzte das Baby und seine Spielzeuge darauf.

Bevor er antworten konnte, zirpte Theos Telefon. Er zog es hervor, schaute darauf und sagte, während er auf die Füße kam: „Ich muss eine wichtige E-Mail auf meinem Laptop überprüfen. Kannst du für ein kleines bisschen auf ihn aufpassen? Das Abendessen sollte bald hier sein.“

„Sicher.“ Ich lächelte, als Peter, der wie verrückt no no no machte, meine Beine benutzte, um sich auf die Füße zu ziehen und schaute auf Theo, als er zögerte.

„Willst du immer noch den dritten Anruf tätigen?“

„Ich denke, das ist das Beste, meinst du nicht?“ Ich begegnete seinem suchenden Blick mit dem von Kontrolle, jetzt, wo ich meine streunenden Gefühle im Griff hatte.

Er zuckte mit den Schultern und wählte einen Eintrag aus der Kontaktliste seines Telefons aus, und gab es mir. „Versuch die erste Nummer zuerst. Wenn er nicht im Apartment ist, probier die zweite Nummer. Das ist die vom Haus.“

Ich nahm das Telefon und fragte mich, welche Art von Menschen sowohl ein Apartment als auch ein Haus hatte und wartete, bis er im anderen Zimmer verschwunden war und das Baby sich selbst beschäftigte, indem er die Farben versuchte, aus dem Stoffbuch zu kauen, bevor ich auf die Wahltaste drückte.

„Hallo. Ist Mister Papaioannou zu sprechen?“

„Nein, nicht hier. Kyrie Papaioannou ist weg.“

„Verstehe. Danke sehr.“ Ich legte auf und wählte die zweite Nummer, bevor ich die Nerven verlor.

Die Begrüßung war auf Griechisch. „Hallo. Ich würde gerne mit Mister Papaioannou sprechen.“

„Erwartet er Sie?“, fragte eine Frau und ihre Stimme war verärgert, als wäre sie gestört worden.

„Nein, nicht wirklich. Ich rufe wegen seines Bruders an, Theo.“

Die Frau schwieg für ein paar Sekunden. „Bleiben Sie dran“, befahl sie.

Ich blieb dran. Eine Minute später meldete sich eine andere Frauenstimme. „Wer ist da?“

Ich wollte meinen Namen nicht preisgeben, aber entschied, dass sie mit nur einem Teil davon nicht viel anfangen konnte. „Mein Name ist Kiera.“

„Rufen Sie wegen Theo an? Ist er verletzt?“

„Nein, überhaupt nicht.“ War das seine Schwägerin? Sie klang besorgt. „Es tut mir leid, wenn ich Sie erschreckt habe, aber ich habe versucht, Mister Papaioannou anzurufen, Theos Bruder.“

„Ich verstehe. Iakovos ist mit unseren Mädchen unterwegs und bringt ihnen bei, wie man schwimmt, nicht dass ich mich nicht später darum kümmern müsste und alles wieder rückgängig machen muss, was er ihnen beigebracht hat, denn er ist zwar sehr attraktiv, aber er kann ums Verrecken nicht schwimmen. Aber das macht wirklich keinen Unterschied, oder?“

„Nein“, stimmte ich zu und war etwas überrascht über die Wendung, die diese Unterhaltung genommen hatte.

„Ich bin übrigens Harry Papaioannou. Theos Schwägerin. Kann ich Ihnen mit irgendetwas helfen?“

„Ich hoffe doch. Das klingt jetzt erst einmal wie eine sehr seltsame Frage, aber ich würde gerne wissen, ob Sie Theo vertrauen.“

„Ihm vertrauen?“

„Ja.“

„Warum?“

Ich verzog wegen nichts Besonderem das Gesicht. „Also … Weil ich wissen muss, ob ich ihm vertrauen kann.“

„Ihm womit vertrauen?“

Ich hatte das starke Bedürfnis zu lachen. Das musste die bizarrste Unterhaltung sein, die ich jemals geführt hatte. „Na ja, es geht tatsächlich um mich.“

„Wirklich“, schnurrte Harry und klang da bei viel interessierter und viel weniger misstrauisch. „Also, um Ihre Frage zu beantworten, ja, ich vertraue ihm. Er hatte ein paar Probleme in der Vergangenheit, aber trotz diesen vertraue ich ihm. Wir haben ihn nicht mehr gesehen, seit Nicky eins geworden ist, aber … Also … Die Antwort ist Ja.“

„Alles klar, danke.“

„Es geht nicht um diese ganzen Listen-Sachen, oder?“

„Was für Listen-Sachen?“

„Dimitri hat uns gesagt, dass er von einem Herausgeber eines Magazins, der einen Mancrush wegen Theo hat, ihn unterstützen will, um auf die Liste zu kommen. Die Junggesellenliste.“

„Ich … Ich weiß nichts von irgendeiner Liste.“

„Wenn Sie meinen Rat wollen, dann lassen Sie ihn nicht auf diese Liste. Nicht nur braucht er nicht noch mehr Frauen, die sich ihm an den Hals werfen, aber es ist auch einfach bescheuert, sobald sie auf dieser Liste sind. Zum Beispiel nehmen Frauen das als Zeichen dafür, dass die Jagdsaison eröffnet ist.“

„In Ordnung“, sagte ich und fragte mich, ob die Frau, die Harry hieß, verrückt war, oder ob ich es war. „Das werde ich nicht zulassen.“

„Gut. Ist Theo da? Wo sind Sie? Warum hat er uns seit Ewigkeiten nicht mehr angerufen?“

Es war mir unangenehm, dieser Frau zu sagen, wo wir waren, besonders seitdem ich wusste, wie tödlich es war, seinen Aufenthaltsort preiszugeben. Vielleicht gab es einen Grund, warum Theo nicht in Kontakt blieb mit seiner Familie. Unabhängig von seiner Beziehung zu ihnen, war es nicht an mir, ihnen zu sagen, wo er war. „Tut mir leid, aber das kann ich nicht beantworten. Ich werde ihm mitteilen, dass Sie gefragt haben. Vielen Dank für die Information und es tut mir leid, dass ich Sie gestört habe.“

Ich legte in dem Moment auf, als Harry verlangte, mit Theo zu sprechen und starrte für einen Moment das Telefon an, und fragte mich, was ich eigentlich tat, in einem Hotelzimmer zu sitzen mit einem Mann zusammen, der offensichtlich nicht noch mehr Frauen brauchte, die sich ihm an den Hals warfen.

Er bedeutete schlicht und einfach Ärger.

„Na?“ Theo kam herein und ging neben Peter in die Hocke, sein Gesichtsausdruck merkwürdig wachsam. „Hat mein Bruder gesagt, wie instabil ich bin und dass du abhauen sollst, solange du noch eine Chance hast?“

„Ich habe nicht mit ihm gesprochen“, sagte ich und gab ihm sein Telefon wieder.

„Ich hab mit deiner Schwägerin gesprochen. Sie sagte, dass sie dir vertraut.“

„Harry“, sagte er mit einem liebevollen Lächeln, das seine Augen wärmte.

„Ich hatte den Eindruck, dass sie will, dass du dich meldest. Sie sagte auch …“ Ich schüttelte den Kopf über die Verrücktheit von dem allen. „Ich bin nicht ganz sicher, ob ich das verstanden habe, aber sie sagte irgendetwas darüber, dich nicht auf eine Liste zu lassen.“

Sein Lächeln wurde breiter. „Oh?“

„Ja. Offensichtlich ist es schlimm und ich soll dich aufhalten.“

„Hat sie sonst noch was gesagt?“

Ich kam auf die Füße und hatte das Bedürfnis, etwas zu tun, das etwas Abstand zwischen Theo und mich brachte und holte deshalb die Babynahrung und die Fläschchen. „Nicht wirklich, nur dass dein Bruder seinen Töchtern das Schwimmen beibringt und sie das später alles wieder rückgängig machen müsste.“

Theo lachte. „Das klingt nach Harry.“

Ich musste bald hier raus, sagte ich mir. Mich an diesen verlockenden Mann zu binden und das anbetungswürdige Baby, das war nicht die Antwort auf meine Probleme.

Das Richtige, das Vernünftige wäre, sofort morgen früh zu verschwinden. Ich kannte Theo kaum, obwohl ich mich mit ihm seltsam wohlfühlte und er brauchte mich nicht, um mit Peter zu helfen. Nicht wirklich. Er war nur ein kleines bisschen überwältigt von der Tatsache, ein frischgebackener Vater zu sein und fühlte sich besser, wenn er jemanden um sich hatte, der ihm helfen konnte, die größten Hindernisse dabei zu nehmen, zu lernen, wie man sich um ein Baby kümmerte.

Ich war nützlich, nichts weiter.

Ich hätte mir gewünscht, dass der Gedanke nicht so wehgetan hätte.

Theo brabbelte mit Peter, während letzterer lautstark an seinem Fläschchen dunkelte. Eine weitere Welle von Sehnsucht brach über mir zusammen, dieses Mal mit so viel Stärke, dass sie mich zum Zittern brachte. Es war etwas in Theos Augen, das Gefühl eines Mannes, der versuchte, den Kopf über Wasser zu halten, das mich mit ihm verband, Gleiches, das Gleiches suchte, meine Seele wollte ihn trösten, obwohl ich wusste, dass das nicht meine Aufgabe war. Ich war so kaputt, eine Gefahr für jeden, der mir nahe kam, mein Leben solch ein Knoten aus Schrecken, Angst und Verzweiflung, dass ich nicht das Gefühl hatte, dass jemand es entwirren könnte und trotzdem, da war ich und wollte nichts weiter, als den Schmerz zu lindern, der so deutlich in seinen Augen stand.

Der Himmel wusste, was ich in diesem Moment getan hätte, wenn Peter nicht sein Fläschchen leer getrunken und von Theo verlangt hätte, dass er es bewunderte.

Ich rannte zu meinem Zimmer, während Theo Peter für ein Spielzeug begeisterte und mich mit dem festen Entschluss zurückließ, dass ich von diesem verführerischen Mann wegkommen musste, der sich so leicht in meine Gedanken schlich, bevor es zu spät war.

Wenn es das nicht schon war.

Kapitel 4

Als Theo die E-Mail von seiner Assistentin sah, war er wütend. Annemarie war in allen Dingen zuverlässig, sogar wenn sie in Australien war, während er in Neuseeland weilte, und sie hatte ihn bei der Bearbeitung seiner Anfrage nicht enttäuscht, sofort Hintergrundinformationen über Kiera zu recherchieren oder wenigstens das aufzutreiben, was in der Kürze der Zeit ausfindig gemacht werden konnte. Sein Körper mochte sie begehren, aber sein Körper hatte in der Vergangenheit viele schlechte Entscheidungen getroffen und er würde die Sicherheit seines Sohnes nicht wegen einer Fremden aufs Spiel setzen, die so leicht zugesagt hatte, mit ihm zu kommen, ohne einen Blick zurück.

Außer, dass es so nicht wirklich gewesen war. Er musste jedes kleinste bisschen seines nicht gerade geringen Charmes einsetzen, um sie dazu zu bewegen, ihm zu helfen.

Er schaute auf den Computerbildschirm, und beim ersten Satz wallte Wut in ihm auf.

Die Verdächtige Kiera Taylor hat einen Haftbefehl, ausgestellt von der Polizei in Wellington.

Sie war eine Kriminelle auf der Flucht. Er wollte ihr ihre verdammten Lügen ins Gesicht schmettern, zusammen mit ihren sanften Blicken und der liebevollen Art, die sie bei Peter an den Tag legte, gar nicht zu reden von der Anziehung gegenüber ihm, die sie bekämpfte oder zumindest vorgab zu bekämpfen. Es war alles falsch, alles eine Lüge.

Dann las er die nächsten Sätze und er sackte im Stuhl zurück, in seinem Kopf arbeitete es.

Sie ist angeklagt, Eigentum eines Mikhail Girbac entwendet zu haben, genauer, ein wertvolles Teil von Computerausrüstung. Der Haftbefehl ist nicht eingelöst und ihr gegenwärtiger Aufenthaltsort ist unbekannt. Ich habe eine schnelle Recherche gestartet und herausgefunden, dass Mikhail Girbac drei Haftbefehle wegen häuslicher Gewalt, einen wegen Raubes und einen wegen Beteiligung an organisierter Kriminalität hat, alle in Australien. In Neuseeland hat er außerdem einen Haftbefehl wegen Raubes und Überfalls, aber bis dato keine Verurteilungen. Kiera Taylor hat keine vorhergehenden Verurteilungen oder andere ausstehende Haftbefehle in Neuseeland oder Australien. Ich werde nicht in der Lage sein herauszufinden, ob sie in den USA Anklagen hat, bis die Behörden dort wieder aufmachen.

Er konnte sich die Situation genau vorstellen: Ein Mann, wahrscheinlich ihr Liebhaber, schlägt sie und als Vergeltung lässt sie einen Computer mitgehen. Er erhebt Anklage und sie flüchtet. Das stimmte auch mit ihrer allgemeinen Angst und Wachsamkeit überein. Es war ihm aufgefallen, wie sorgfältig sie die Lobby des Hotels abgesucht hatte, bevor sie sie betreten hatte.

Die kleine Gazelle hatte Angst, sehr viel Angst, aber Theo war kein Narr. Sie hatte ihm nicht gesagt, dass sie auf der Flucht vor der Polizei war und eine ehrliche Frau hätte das getan. So verzweifelt er ihre Hilfe auch brauchte, es wäre der reinste Wahnsinn, ihr Peter anzuvertrauen.

Besorg mir alles, was du über sie finden kannst, schrieb er an Annemarie zurück. Such mir auch alles über diesen Mikhail Girbac.

Er klappte seinen Laptop zu und nach einem Moment des Nachdenkens steckte er ihn in die Tasche und stellte sie hinter den Sessel. Er glaubte wirklich nicht, dass sie ihn direkt unter seiner Nase bestehlen würde, aber aus den Augen, aus dem Sinn.

„Ich glaube, er ist hungrig“, sagte Kiera, als Theo aus seinem Zimmer auftauchte. Sie war in der winzigen Küche zusammen mit einer Packung wiederverwendbarer Babyflaschen und der Babynahrung und las die Zubereitungshinweise. „Oh, gut, hier steht, dass ich es ihm bei Zimmertemperatur füttern kann. Ich habe mir darüber Gedanken gemacht, wie ich es warm bekommen würde.“

Für einige Minuten lenkte Peter Theo ab, indem er ihn mit no no no aufforderte und zufrieden an seinem Stoffbuch saugte.

„Füttern wir ihm das einfach?“, fragte Kiera und kniete sich neben die beiden mit der Flasche in der Hand. „Oder musst du ihn halten, wenn ich ihn füttere?“

„Ich weiß nicht“, sagte Theo und fühlte, wie die bekannte Panik zurückkam, bevor er sie hinunterschluckte. „Vielleicht halte ich ihn auf meinem Schoß, aufrecht?“

Sie versuchten das und zu Theos unglaublicher Erleichterung langte Peter nach der Flasche und saugte zufrieden daran, während er mit den Augen Kiera beobachtete, als sie sich wegbewegte.

„Ich schaue nur nach, ob hier etwas drin ist, das er essen kann.“

Er beobachtete, wie Kiera die Minibar untersuchte und war erstaunt darüber, dass jemand so unschuldig und echt aussehen konnte, der die Wahrheit völlig versteckte. Er fragte sich, ob sie dazu gezwungen gewesen war, vor ihrem Freund zu fliehen oder ob es da noch mehr gab. Vielleicht war sie die perfekte Schauspielerin und er war direkt in ihre seidig weiche und verführerische Falle getappt.

Es lag ihm auf der Zunge, sie nach dem Haftbefehl zu fragen, als sie eine winzige Flasche Wein hochhielt und fragte, was er wollte.

„Nichts.“

Kiera schaute ihn seltsam an, ohne Zweifel hatte sie seine erstickte Stimme bemerkt. Sein Magen zog sich zusammen, aber er war nicht durch die Hölle und zurück gewandert, um dem Bedürfnis nach Alkohol wieder die Kontrolle in seinem Leben zu geben. Er bemühte sich, sich zu entspannen und nutzte die Mechanismen, die er auch in der Vergangenheit angewandt hatte, um ihn durch soziale Situationen zu bringen, wo Alkohol ausgeschenkt wurde.

„Du trinkst nicht?“

„Nein.“

Sie schüttete zwei Miniaturflaschen, die sie geöffnet hatte, in die Spüle, kam herüber, um sich neben ihn zu setzen. Peter war mit seinem Fläschchen fertig und hielt sich an der Couch fest, und versuchte, unter eines der Kissen zu krabbeln. „Wie lange bist du schon trocken?“

Theo warf ihr einen fragenden Blick zu.

„Mein Vater“, antwortete sie.

Sein Blick fiel auf Peter. Er brauchte ein paar Minuten, bevor er antwortete: „Fünf Jahre, vier Monate, zwölf Tage.“

„Das ist ein guter Anfang“, sagte sie und ihre Stimme war weich vor Verständnis.

Theo wollte sich darin einwickeln. „Ich habe viele Fehler gemacht, bevor ich in die Klinik gegangen bin“, gab er zu und seine Stimme war schroff.

„Jetzt hast du noch einen weiteren Grund, trocken zu bleiben.“

Kiera nickte zu Peter hinüber.

Sein Blick traf ihren und er sah, dass sich in ihren schönen Augen das Gleiche spiegelte, was er im Spiegel sah, wenn er an einem Tiefpunkt angekommen war: Zweifel, Angst und Schmerz. „Mein Vater hatte drei Kinder. Das hat ihn nicht davon abgehalten, sich zu Tode zu trinken, als meine Mutter starb. Warum glaubst du, dass ein Kind in der Lage sein wird, mich von diesem Weg abzuhalten?“

Sie betrachtete ihn und schüttelte dann langsam den Kopf. „Du bist nicht dein Vater, Theo.“

„Nein.“ Er schaute Peter an. „Das bin ich nicht.“

Sie streckte die Hand aus und legte sie auf seine, versuchte, ihn offensichtlich zu trösten. „Das klingt jetzt lächerlich, weil wir uns gerade erst kennengelernt haben, aber trotzdem, ich habe Vertrauen in dich. Du magst ein frischgebackener Vater sein, aber ich glaube, du bist ein ganz hervorragender.“

Theo schloss die Augen und drehte seine Hand so, dass seine Finger sich mit ihren verflochten, hob ihre Hand an seine Lippen.

Sexuelles Interesse flammte wieder in ihm auf und verbreitete eine Wärme, die in seinem Schwanz anfing und sich nach außen ausbreitete. Er umarmte sie und ließ das Gefühl kommen, weil es den Drang nach Alkohol verdrängte. Nichts weiter im Kopf als einen kleinen Vorläufer zur Verführung, küsste er ihre Finger und schenkte ihr seinen erotischsten Blick, einer von denen, der niemals fehlschlug, wenn es darum ging, Frauen in sein Bett zu kriegen.

Sie versteifte sich und mit einer gemurmelten Entschuldigung rannte sie quasi in ihr Zimmer.

„No no no“, sagte Peter und beobachtete sie.

„Verdammt“, fluchte Theo bei sich und war wütend, dass seine Lust ihn dazu gebracht hatte, zu vergessen, dass sie vorsichtig behandelt werden musste. „Ich bin ein Depp, Peter. Ich habe sie erschreckt.“

Ein Teil von ihm wollte in dieser Situation wütend sein. Was zur Hölle hatte er getan, das so schlimm war? Er mochte es nicht, behandelt zu werden, als wäre er ein Vergewaltiger. Er mochte es nicht, wie sie alles, was er tat, als Bedrohung ihrer persönlichen Sicherheit auffasste. Er mochte die Tatsache nicht, dass sie ihn anscheinend überhaupt nicht mochte. „Frauen mögen mich nicht nicht, Peter. Einige mögen vielleicht nicht wahnsinnig interessiert an mir sein, aber sie machen nicht grundsätzlich einen Bogen um mich. Ich habe meine eigenen persönlichen Dämonen, aber ich habe niemals eine Frau schlecht behandelt. Ich habe niemals einer das Verlangen gegeben, vor mir davonzulaufen. Um Himmels willen, Harry hat mir die Nase gebrochen, als ich versucht habe, sie zu küssen. Nein, Peter, das alles gefällt mir ganz und gar nicht. Kiera hat Angst und ich würde wetten, dass sie bei diesem Mikhail-Kerl misshandelt wurde, der die ganzen Haftbefehle wegen häuslicher Gewalt hat. Aber warum läuft sie davon? Warum schaltet sie nicht die Polizei ein, wenn sie so viel Angst hat?“

Und welche Art von Frau wäre in einer solch schlechten mentalen Verfassung, dass sie mit einem völlig Fremden in sein Hotelzimmer ging? Er kannte die Antwort, bevor die Frage in seinem Kopf vollständig Form angenommen hatte: Eine, die täuschte, die eine Lügnerin war, eine Diebin … Oder eine, die ganz und gar verängstigt war.

Dieser letzte Gedanke brachte ihn dazu, sich wie der größte Vollidiot des Planeten zu fühlen. Wenn sie wirklich vor ihm Angst hatte, dann konnte er sehen, dass das, was für ihn ein völlig normaler Flirt war, plötzlich in einem ganz anderen Licht erschien.

Es war ein sehr verstörender Gedanke.

„Kein Wunder, dass sie es nicht aushält, um mich zu sein. Andererseits, vielleicht ist es fake? Verdammt, ich wünschte, ich würde es wissen. Entweder ist sie eine verdammt gute Schauspielerin und plant, mich komplett auszurauben, oder sie ist verzweifelt.“ Er nahm das Kauspielzeug, das Peter ihm gebracht hatte, entgegen, der etwas behauptete, das nur er verstand. „Und, ehrlich gestanden, ich mag keine der beiden Varianten. So sehr ich das auch bereue, ich fürchte, sie muss gehen. Wir können dich keiner Gefahr aussetzen, alter Junge, oder nicht?“

Die nächsten zwanzig Minuten verbrachte er damit, mit Peter zu spielen und das nagende Unwohlsein, das Sorge um Kiera war, in den Hintergrund zu drängen, während er abwechselnd fasziniert und verängstigt von seinem Sohn war.

„Es ist nicht so, dass er mir Angst macht“, erklärte er Kiera, als sie endlich wieder aus ihrem Zimmer auftauchte. Er lag platt auf dem Rücken, hielt Peter über sich, während er eine grobe Nachahmung von Flugzeuggeräuschen von sich gab. Peter kreischte vor Vergnügen, seine Arme und Beine wedelten wild umher, während er kicherte und glückliche no no nos von sich gab.

Für einen Moment sah sie überrascht aus, mitten in eine Unterhaltung hineinzuplatzen, die er in seinem Kopf geführt hatte. „Aha?“

„Es ist so, als wüsste ich nicht, was ich tue. Was, wenn ich etwas falsch mache? Was, wenn ich sein Leben zu einem solchen Maß versaue, dass er mich hasst und Jahre in Therapie verbringen muss? Was, wenn ich doch mein Vater bin?“ Er setzte sich auf und brachte Peter wieder auf den Boden. Sofort begann das Baby, Kiera mit no no no einzudecken und krabbelte dann hinüber zu Theos Fuß, um an seinem Knöchel zu nagen. „Das hätte mir nicht passieren sollen.“

„Verhütung ist keine Einbahnstraße“, sagte Kiera und gab Peter eine leere Rolle Toilettenpapier und lächelte, als das Baby sie sich prompt in den Mund steckte.

Er warf ihr einen fragenden Blick zu: „War das eine Anspielung?“

Für einen Moment sah sie erschrocken aus; dann zog ein kleines Stirnrunzeln ihre gewölbten Augenbrauen zusammen. „Ganz und gar nicht. Ich meinte nur, dass es nicht fair ist, zu erwarten, dass die Frauen immer diejenigen sind, die sich darum kümmern müssen. Vielleicht hatte deine Nastya die Nase voll davon, als Spiralträgerin durch die Gegend zu laufen, ein Implantat im Arm zu haben, Spritzen zu bekommen.“

„Das ist nicht ganz das, was ich gemeint hatte …“

„So wie du dir auch Peter nicht leisten kannst?“ Aus dem Blick, den sie ihm zuwarf, tropfte kühle Verachtung.

Theo schenkte ihr einen fragenden Blick. „Ich was?“

„Am Bahnhof hast du deiner Ex gesagt, dass du dir Peter nicht leisten kannst.“

„Aha, das.“ Theo lächelte das Baby an. „Ich meinte, dass ich es mir zeitlich nicht leisten kann, ein Vater zu sein und in dem Moment, als es heraus war, war mir schon klar, was für ein Esel ich war. Ich sage nicht, dass es leicht sein wird, ein Baby und mein Geschäft zu handeln, aber ich werde das schon hinkriegen. Er ist die Anstrengung definitiv wert.“

In diesem Moment kam ihr Abendessen, ein Kellner brachte einen Wagen mit einer Auswahl an Gerichten und wurde gefolgt von einer Dame vom Zimmerservice, die einen Hochstuhl brachte. Kiera schaute den Teppich an und nahm Peter hoch, während Theo angab, dass der kleine runde Tisch gedeckt werden sollte und in sein Zimmer ging. Für einen Moment fragte er sich, ob er sein Portemonnaie gut sichtbar hatte liegen lassen, aber er schämte sich für sich selbst, als sie mit zwei Handtüchern in der Hand zurückkam.

„Der Teppich sieht teuer aus“, erklärte sie ihm, als sie das größte der Handtücher unter den Kinderstuhl legte und Peter darauf absetzte, bevor sie ihn ebenfalls mit einem Handtuch eindeckte.

„Für jemanden, der kein Kindermädchen ist, bist du erstaunlich gut in dem Ganzen. Ich glaube, das ist deins.“ Er schob ihr einen Teller hin.

Sie ignorierte ihr Essen, um Peter ein paar Stückchen Nudeln zu füttern, bevor sie eine Scheibe Orange in sehr kleine Stücke schnitt, die sie auf seinem Tablett arrangierte. „Willst du ihm etwas davon füttern?“, fragte sie und nickte zu einer kleinen Schüssel mit Apfelmus.

„Sicher.“ Er stellte die Schüssel auf das Tablett und fing sie gerade noch auf, als Peter seine Faust hineinhaute und die Schüssel das Fliegen lehrte, die mit einem nassen Platschen auf dem Tisch landete.

„Das Schlüsselwort in dem Satz war füttern, nicht ihm geben“, sagte Kiera und reichte ihm das Handtuch.

Theo wischte die Kleckse von Apfelmus, die auf dem Tisch verteilt waren, auf. „Er kann nach Dingen greifen. Ich dachte, er könnte einen Löffel benutzen.“

„Vielleicht. Vielleicht braucht er noch Hilfe. Lass nicht zu, dass die Erwartungen deines Vaters über deine Fähigkeiten mit einem Löffel dich dazu bringen, dass du dich irgendwie minderwertig fühlst“, erklärte sie Peter und nahm das, was von dem Apfelmus übrig geblieben war und schaffte es mit einem Löffel, etwas davon in seinen Mund zu befördern. Er brabbelte lediglich vor sich hin und Apfelmus tropfte von seinen Lippen, während er ein Stückchen Nudel in seinen Mund schob. „Du tanzt zu deiner ganz eigenen Musik und scherst dich nicht darum, was irgendwer sonst tut.“

„Swami Betelbaum?“, fragte Theo und war amüsiert, obwohl er schwere Verdächtigungen gegen sie hatte. Er nahm an, dass er ihr ein Essen schuldete, nach allem, was sie erduldet hatte, um Peter sauber zu bekommen. Sobald das vorüber war, würde er ihr allerdings erklären, dass er sie trotz allem nicht behalten konnte und würde ihr als Kompensation Lohn für ein paar Tage geben. Vielleicht den von einer Woche.

Sein Blick fiel auf ihre Brüste bei der Erinnerung an ihre heldenhafte Tat, Peter sauber zu bekommen und er musste zu seiner Enttäuschung feststellen, dass ihre Brust schon wieder in einem weiten, ausgebeulten T-Shirt unsichtbar war.

„Swami Betelbaum ist voll hervorragender Ratschläge. Er hat mir geholfen, meine Panikattacken in den Griff zu bekommen.“ Sie schielte in Richtung der Auswahl an Getränken, die auf dem Tisch stand. „Ich frage mich, ob er eine andere Flüssigkeit als den Babybrei zu sich nehmen kann. Glaubst du, er ist laktoseintolerant?“

Er hielt inne, eine Gabel voll mit Steak fast bei seinem Mund. „Swami Betelbaum? Das wirst du besser wissen als ich.“

„Klugscheißer.“ Sie zog eine Grimasse in seine Richtung, bevor sie zu Peter hinübernickte.

Theo grinste und war von der Tatsache begeistert, dass sie sich offensichtlich entspannt hatte, obwohl sie so hyperwachsam war und sich sehr wohl der Ironie bewusst, dass er sich über ihre mentale Verfassung Gedanken machte, während er gleichzeitig plante, sie direkt nach dem Essen loszuwerden. „Ich weiß nicht. Sieht er für dich danach aus?“

„Ich weiß nicht, ob man danach aussieht, aber ich würde es nicht riskieren.“ Sie schüttete etwas Apfelsaft in einen Plastikbecher und hielt ihn Peter hin. Er schob ihn zur Seite und machte gierige Handbewegungen Richtung Theo, während er ernsthaft vor sich hin brabbelte. „Ich glaube, das ist Antwort genug. Es sieht aus, als wollte er dein Steak.“

„Also, das kann er nicht haben“, sagte Theo und schob seinen Teller etwas weiter weg. „Nein“, erklärte Theo. „Das ist Essen für Erwachsene. Nicht gut für Babys.“

„No no no no!“, sagte Peter und streckte weiter die Hände aus.

„Ich bin sehr hungrig“, fuhr er fort und schenkte seinem Sohn einen strengen Blick, von dem er hoffte, dass er väterliche Festigkeit ausdrückte. „Ich habe heute hart gearbeitet und einen Tritt in die Magengrube kassiert, als ich herausgefunden habe, dass es dich gibt. Ich würde gerne mein Abendessen in Frieden zu mir nehmen. Du wirst feststellen, dass du dein eigenes Essen hast. Bitte iss es. Nein, du sollst es nicht auf Kiera werfen. Siehst du den Gesichtsausdruck von ihr? Das sagt, dass sie es nicht mag, ein Stückchen Nudel auf ihren Arm geworfen zu bekommen.“

„Halb zerkaute, angesabberte und mit Apfelmus vermischte Nudel“, korrigierte Kiera ihn, entfernte das widerwärtige Ding von ihrem Arm und wischte ihn ab, bevor sie ein paar Stücke gekochter Karotten mit einer Gabel zerdrückte und Peter etwas davon auf einem Löffel anbot. „Ich bin froh, dass du mit ihm redest, als wäre er intelligent, Theo. Swami Betelbaum sagt, dass es sehr wichtig ist, die Fähigkeiten anderer Leute nicht zu unterschätzen. Und hier, siehst du? Er mag Karotten.“

Peter langte nach ihm. Oder eher, seinem Abendessen.

„Soll ich?“, fragte er Kiera und war zögerlich, seinem neu gefundenen Sohn irgendetwas zu verweigern, das er wollte. Für einen Moment hatte er die Vorstellung von Ponys und einem Mountainbike und später sehr schnellen Sportwagen in der Zukunft seines Sohnes. Es war eine schöne Vision, entschied er, eine, in der eine ältere Version seiner selbst vorkam – etwas älter, vielleicht mit ein oder zwei silbernen Strähnen an seinen Schläfen, die ihn distinguiert erscheinen ließen, aber immer noch sehr attraktiv – neben seinem erwachsenen Sohn. Seltsamerweise kam in dieser Vision auch Kiera vor, die auf Peters anderer Seite stand, ihr Gesicht voller Stolz.

„Ich sehe keinen Grund, warum nicht, obwohl du das alles plattdrücken musst. Vielleicht eher klein schneiden und dann mit ein paar Kartoffeln vermischen?“

„Hmmm?“ Es kostete etwas Mühe, aber er hörte auf, sich diesen schönen Moment auszumalen, in dem er Iakovos erzählte, wie sein Sohn gerade mit Bestnoten von Oxford abgegangen war. Wieder kam Kiera in die Szene, stand neben ihm, bei ihm untergehakt, während sie Harry erklärte, welche weltbewegenden wissenschaftlichen Entdeckungen Peter gemacht hatte, bevor er seinen Abschluss bekommen hatte.

„Stimmt etwas nicht?“, fragte Kiera ihn und hätte fast ein Stück ihrer Lasagne gegessen, die sie als Abendessen bestellt hatte, aber ließ den Bissen unangetastet wieder sinken, als Peter mit dem Löffel auf das Tablett einhämmerte, den sie ihm gegeben hatte, um damit zu spielen und Stückchen von Apfelmus, Orange und Nudeln auf den Fußboden beförderte. „Joghurt, Peter? Magst du Joghurt?“

Welches Recht hatte sie, sich in seine privaten Fantasien von Peters umwerfenden Erfolgen einzumischen, die er in der Zukunft haben würde? Das war nicht richtig, dass sie, eine Diebin, verlangen sollte, dass sie bei Peters Triumphen dabei sein sollte, einfach nur, weil sie ihn fütterte und badete und es ertrug, dass er Essen nach ihr warf, ohne sich zu beschweren?

Er war verärgert und erregt gleichzeitig. Verdammt sei seine Lust. Wenn das anhielt, dann würde er eine Frau finden müssen, um diesen besonderen Drang zu stillen.

Außer, dass er nicht irgendeine Frau wollte. Keine, die nicht Sommersprossen, ein herzförmiges Gesicht hatte und Augen wie das ägäische Meer. Er fragte sich, wie sie schmecken würde. War sie salzig wie die See?

Er räusperte sich und hatte ein Auge auf Peter, der jetzt Joghurt über den Hochstuhl verteilte und dabei fröhlich vor sich hin brabbelte. „Also, was bringt eine Anwaltsassistentin von Kalifornien nach Neuseeland?“, fragte er in einer Tonlage, die ihm wie leichte Konversation vorkam und nicht so, als würde er sich verzweifelt davon ablenken wollen, wie ihre Lippen wohl schmeckten. Und ihre Brüste. Und ihr Bauch. Und all die versteckten Teile, von denen er annahm, dass sie so heiß waren wie die Sonne am Mittag.

Sie schwieg für einen Moment und die mit Essen beladene Gabel hatte immer noch nicht ihren Mund erreicht. Ihr Blick huschte hinüber zu Peter. Es brauchte fast eine halbe Minute, aber dann sagte sie endlich: „Ein Mann.“

„Ah. Freund?“

„Jetzt Ex-Freund, ja.“ Sie starrte auf ihren Teller und legte die Gabel ab.

„Neuseeland ist sehr weit weg, um nur für einen Mann hierherzukommen“, sagte er, schwankend zwischen dem Verlangen, sie direkt nach dem Haftbefehl zu fragen oder sie auf das nächste Bett zu werfen und jeden Quadratzentimeter von ihr zu lecken.

„Fehler Nummer eins“, sagte sie und rupfte ein Brötchen in Stücke, um das weiche Innenleben daraus zu entfernen und Peter zu geben. Er matschte es in das Joghurt-Pasta-Desaster auf seinem Tablett, bevor er es sich auf den Kopf schmierte. Ihr Blick traf Theos, ihre Augen funkelten vor Ärger und Hass in kleinen blauen und grünen Punkten. „Er war groß, so wie du. Gut aussehend, so wie du. Er hatte –“ Sie gestikulierte zu seinem Schritt. „So wie du.“

Theo wollte beleidigt sein, aber er wusste, dass er sie rücksichtsvoll behandeln musste. Sie hatte etwas überlebt, das er sich noch nicht einmal vorstellen konnte und er wollte ihr erklären, dass er nicht vorhatte, sie zu beunruhigen. „Wenn du auf die Episode im Bad anspielst, dann entschuldige ich mich. Ich wäre nicht so entspannt damit umgegangen, mich vor dir auszuziehen, wenn ich gewusst hätte, dass es dich so mitnimmt. Obwohl ich auch darauf aufmerksam machen möchte, dass ich vielleicht so groß bin wie dein Ex, aber ich bin nicht er“, sagte er und wiederholte damit absichtlich ihren Kommentar über seinen Vater.

Sie ließ den Blick sinken. „Das sagst du.“

„Ich lasse diese Beleidigung durchgehen, weil ich ein verständnisvoller Mann bin, und kein Monster, der seine Größe und sein Gesicht und seinen Schwanz dazu benutzt, Frauen einzuschüchtern. Noch einmal, es tut mir leid wegen der Sache im Bad, aber ich hatte keine Ahnung, dass es dich so verstören würde. Was den Rest angeht, ich kann nichts dafür, dass ich aussehe, wie ich aussehe – genauso wenig wie du. Besonders, weil es ein bisschen auffällig wäre, wenn ich Make-up tragen würde.“

Peter angelte sich die Schüssel mit den zerdrückten Karotten, die Kiera zu nah in seiner Reichweite hatte stehen lassen. Er hämmerte sie auf das Tablett und sang sich ein Lied vor, dann tauchte er zwei Finger hinein und deutete auf sie.

„Niemand will zugeben, dass er ein Monster ist“, sagte sie und schluckte, ihr Blick immer noch auf den Tisch gerichtet. „Das, von dem du glaubst, dass es dich zu dem verständnisvollsten Mann auf Erden macht, mag für jemand anderen komplett anders aussehen.“

Peter schnappte sich eine Handvoll Kartoffelbrei von Theos Teller und mit einem zufriedenen Kichern steckte er sich die Finger erst in den Mund und schmierte sich den Rest dann noch auf den Kopf.

„Ich habe nicht gesagt, dass ich der verständnisvollste Mann der Welt bin. Ich meinte einfach nur, dass ich verstehe, warum du so verstört warst. Außerdem nehme ich an, dass du auf die Tatsache referierst, dass ich mein Problem mit Alkohol erwähnt habe.“ Er war plötzlich verärgert. Er wusste nicht, wie sie von den weniger großartigen Dingen wusste, die er getan hatte, als er betrunken war, aber es war klar, dass sie das tat und es ärgerte ihn. „Weil ich mich bei Harry entschuldigt habe, als ich sie belästigt habe.“

Peter drehte die Schüssel mit den Karotten um und stülpte sie sich auf den Kopf.

Kieras Blick traf Theos, ihre Augen wachsam. „Du hast deine Schwägerin belästigt?“

„Ja.“ Er deutete mit einem Stück Fleisch auf sie, das er gerade für Peter in Stücke schneiden wollte. „Aber du musst mich nicht ansehen, als sei ich der Abschaum auf dem Angesicht der Erde. Ich wusste nicht nur nicht, was ich tat, weil ich sturzbetrunken war, sondern Jake hat mich auch ordentlich dafür verprügelt und wie ich gerade gesagt habe, habe ich mich am nächsten Tag dafür entschuldigt.“

„Jake?“, fragte sie und schaute verwirrt aus.

„Iakovos“, sagte er mit einer heftigen Geste. „Das ist Griechisch für Jakob. Ich nenne ihn manchmal Jake.“

„Oh.“ Sie schaute zu Peter hinüber und ihre Augen weiteten sich, ein merkwürdiges kleines Zwitschern von Lachen kam zwischen ihren wundervollen Lippen hervor. Er schaute hinüber, um zu sehen, was so witzig war und erstarrte vor Entsetzen bei dem Anblick. Peter hatte den Kopf beschmiert mit Karotten, Kartoffelbrei und Joghurt. Sein einst mal sauberes T-Shirt war nicht mehr zu erkennen. Ein Tropfen von Karotte tropfte von der Schüssel, die er über seinen Kopf entleert hatte, platschte auf das Tablett, das fast unerkennbar war. „Ich glaube, er braucht noch ein Bad.“

Bedauernd schaute er auf sein teilweise aufgegessenes Steak und legte die Gabel ab. „Diese Vaterschaftssache nimmt mehr Ressourcen in Anspruch, als ich mir das gedacht hätte. Nein, bleib einfach sitzen. Ich werde ihn baden, jetzt, wo ich weiß, wie.“

„Warte. Solange er dreckig ist, versuche ich, ihm noch etwas Essen einzutrichtern.“

Zehn Minuten später nahm Theo das immer noch vor sich hin brabbelnde Baby mit in sein Badezimmer, zog sie beide aus und nahm das zweite Bad für diesen Tag. Eine weitere Welle von Panik traf ihn, als Peter im Wasser planschte. Was zur Hölle wusste er darüber, wie man ein Kind großzog, ganz zu schweigen davon, wie man sich um ein Baby kümmerte? Wie sollte er das alleine hinkriegen? Selbst wenn er ein Kindermädchen hätte, wäre er immer noch verantwortlich für das Wohlergehen von Peter und Glück und eine Million andere Dinge, die er nicht ertragen konnte.

Theo fühlte sich völlig und komplett überfordert, aber er wusste, dass er wegen Peter nicht das Handtuch werfen durfte. Er hoffte einfach nur, dass er das hinkriegen würde, ohne komplett die Kontrolle zu verlieren.

Peter planschte und brabbelte und trat mit seinen kleinen Füßen für eine Weile um sich, aber als er gegen Theos Bein sackte und langsam an seiner Kniescheibe knabberte, entschied Theo, dass der Badespaß vorüber war. „Müde? Prima. Ich glaube nicht, dass du mit ansehen solltest, wie Kiera geht. Ich will nicht, dass du traumatisiert wirst, wenn du so jung bist.“

Er brauchte mindestens fünf Minuten, um Peter trocken zu bekommen und dann musste er sich all die Dinge ansehen, die in der Tasche waren, die offensichtlich dafür gedacht waren, auf ihm verteilt zu werden und er musste entscheiden, was davon anwendbar war. „Du bist nicht wundgescheuert, also werden wir das zur Seite stellen. Sorgt Puder normalerweise nicht bei Frauen dafür, dass sie einen Harnwegsinfekt bekommen, wenn man es dort benutzt?“ Er beäugte das Babypuder und schaute dann auf Peter, der Hände von Theos Brusthaar umklammert hielt und es dazu nutzte, auf die Füße zu kommen. Er war zufrieden zu sehen, dass Peter nicht beschnitten war. „Nur für den Fall, dass es für kleine Jungs so ist wie für Frauen, werden wir es weglassen.“ Am Ende hatte er Peter in die Windel verpackt und in einen Einteiler, der aussah, als könnte man darin schlafen.

„No no“, sagte Peter, steckte seine Finger in den Mund und nagte daran.

„Ich besorge dein Kauspielzeug“, versprach er und öffnete die Badezimmertür.

Kiera stand an der Kommode gegenüber der Tür, halb abgewandt, sein Portemonnaie in der Hand, mit einem Blick von erschrockenem Entsetzen auf ihrem Gesicht.

Wut erfüllte ihn, Wut, dass er selbst so dumm gewesen war, so blind gegenüber der Wahrheit über sie, und Wut, dass sie seine Gutmütigkeit mit so viel Falschheit belohnte.

„Was zur Hölle glaubst du, was du da machst?“, brüllte er und setzte Peter auf dem Fußboden ab, bevor er hinüberspazierte, dort, wo sie wie festgewachsen stand und ihre Gazellen-Augen waren riesig. Er schnappte sich sein Portemonnaie aus ihrer Hand und die Frustration, die sich an diesem schrecklichen Tag in ihm aufgestaut hatte, ließ die einfache Geste in ein umfassendes Wedeln seiner Hand wachsen.

Kiera keuchte und fiel auf die Knie, ihre Hände hatte sie schützend über ihren Kopf zusammengeschlagen.

Theo stand da und schaute auf sie herab, verblüfft von ihrer automatischen Reaktion, schaute zuerst auf seine Hand, die er bis zum Kopf erhoben hatte, dann dorthin, wo sie zwischen herzerweichenden Schluchzern Worte japste.

„Es tut mir leid – ich habe nichts genommen, ich schwöre. Ich wollte nur sicherstellen, dass du der Theo bist, von dem du behauptest, dass du das bist –“

In ihrer Stimme schwang so viel Entsetzen mit, das er niemals in seinem gesamten Leben bei einem anderen Menschen gehört hatte. Vorsichtig ließ sie die Arme sinken und krabbelte rückwärts, bis sie gegen die Wand gepresst war, ihr ganzer Körper versuchte, sich offensichtlich kleiner zu machen, um weniger Angriffsfläche zu bieten.

Er ließ langsam seine Hand sinken und fühlte sich, als wäre er gerade von einem Maultier in den Magen getreten worden. Sie beobachtete ihn mit Augen, die nun dunkel vor Angst waren und, als er keine Anstalten machte, sich zu ihr hin zu bewegen, kam sie zögerlich auf die Füße und ging rückwärts aus dem Zimmer, murmelte immer noch eine Erklärung und eine Entschuldigung. Sie machte zwei Schritte zurück, dann wirbelte sie herum und rannte in ihr Zimmer, warf die Tür hinter sich zu. Er glaubte, dass er sogar hören konnte, wie sie den Schlüssel umdrehte.

Alles, was er bis dahin gewusst hatte, änderte sich in diesem Moment. Die Welt hörte auf, ein Ort zu sein, an dem er sich wohlfühlte, wo er wusste, wer er war und was sie ihm schuldete. Statt dieses bekannten Lebens trat eine neue Realität auf, eine, wo eine schöne verwundbare Frau so misshandelt worden war, dass sie bei der kleinsten Geste seiner Hand vor ihm kroch.

Er hatte ein Kind, das seine Liebe und seine Fürsorge brauchte und nun … Er schaute auf die geschlossene Tür und glaubte zu fühlen, wie Wellen der Angst aus ihrem Raum rollten. Und nun hatte er Kiera.

Das erste Mal in seinem Leben stellte Theo sein eigenes Glück, sein eigenes Wohlergehen und seine Bedürfnisse hintan und ersetzte sie stattdessen mit denen einer zerbrechlichen, verängstigten Frau und eines Babys, das einen Vater verdiente.

Er nahm Peter hoch und hatte plötzlich das Bedürfnis, ihn zu halten, die Wärme des Babys an seiner Brust zu spüren. Er musste fühlen, dass er nicht das Monster war, das er in Kieras Augen gesehen hatte.

„Was zur Hölle hat ihr Ex ihr angetan?“, fragte er Peter flüsternd. „Was zur tiefsten Hölle hat er ihr angetan?“

Das Baby gurgelte schläfrig an seinem Nacken.

„Was fange ich mit dir an? Wie werde ich ein so guter Vater, wie du ihn verdienst? Ich bin nicht Iakovos – ich bin nicht sicher, ob ich das auf die Reihe kriege.“

Peter bekam einen Schluckauf und das Gefühl des Babys, das an ihm einschlief mit so viel Vertrauen, erfüllte Theo mit dem scharfen Gefühl der Liebe, gefolgt von der sofortigen tiefgreifenden Entschlossenheit, dass er alles unternehmen würde, was nötig war, um Peter ein glückliches Leben zu bescheren. „Ich weiß noch nicht, wie ich das anstellen werde, aber ich werde der Vater sein, den du brauchst. Ich werde einen weiteren Assistenten einstellen, wenn ich muss, obwohl der Himmel weiß, dass Annemarie fast übermenschlich ist in ihrer Fähigkeit, mit Dingen klarzukommen. Aber so ist das eben, stimmt’s? Wir werden das zusammen hinbekommen. Nur sei nicht so streng mit mir für eine Weile, bis ich den Dreh raus habe, in Ordnung, alter Junge?“

Dann dachte er an Kiera in ihrem Zimmer, offensichtlich voller Angst vor ihm und ein zweiter Entschluss begann, sich zu formen, dieser saß tief in seinem Magen, begleitet von einem Gefühl, das ihn plötzlich unbesiegbar machte. Er legte Peter in die Wiege, die er vom Hotel geordert hatte und deckte das Baby mit einer Decke zu, während er versprach: „Wir werden das richtig machen, Peter. Irgendwie werden wir ihr zeigen, dass sie uns vertrauen kann und dann werden wir es richtig machen. Denn sie braucht uns und ich fange an zu glauben, dass wir sie auch brauchen.“

Theo seufzte, als er die Rezeption anrief, um zu fragen, ob sie einen Drucker hatten, den er benutzen konnte. War es just an diesem Morgen gewesen, als sein Leben unkompliziert und leicht gewesen war? Er fühlte sich, als wären Millionen Jahre seitdem vergangen.

Und trotzdem, zum ersten Mal fühlte er sich merkwürdig zufrieden mit dem Leben. Er hatte ein Ziel – zwei Ziele – und bei Gott, er würde sie umsetzen. Dieses Mal würde er sein Leben nicht versauen. Es war zu viel abhängig von seinem Erfolg.

Kapitel 5

„Pizza“, sagte ich, als ich auf dem Boden des Badezimmers saß, mein Rücken an die Wand gelehnt, während ich meine Knie an meiner Brust umklammert hielt und mich verzweifelt davon abzuhalten versuchte, zu hyperventilieren. „Münzen. Einige Sorten von Melonen. CD-ROMs. Fäuste.“

Mein Magen zog sich beim letzten Wort zusammen. Ich versuchte verzweifelt, das wilde Klopfen meines Herzens zu beruhigen, aber der falsche Gegenstand verstörte mich. Ich verdankte es Swami Betelbaum, dass ich wenigstens das verdrängen konnte. „Keine Fäuste“, sagte ich und versuchte, das Bild von Theos wütendem Gesicht aus meinem Gedächtnis zu löschen. Dieses schöne Gesicht, schrecklich verzerrt durch seine Wut.

Und warum sollte er nicht wütend sein? Für mich macht es absolut Sinn, zu verifizieren, ob er der Mann war, für den er mir seine Referenzen gegeben hatte, aber ich wusste tief in meinem Inneren, dass er das nicht so sehen würde. Männer wie er wollten nicht herausgefordert werden. Oder infrage gestellt werden.

Mir stockte wieder der Atem und drohte, mich zu strangulieren. „Globen. Jo-Jos. Schallplatten. Fleischpasteten.“

Wie hatte ich nur so dumm sein können? Ich hatte zugelassen, dass ich mich in einer falschen Sicherheit wiegte mit Theo, einfach weil er so nett erschien. So bedürftig. Und so dankbar für meine Hilfe mit Peter.

„Das ist, was du für diesen Grad der Dämlichkeit bekommst“, sagte ich laut und stemmte mich mit Mühe auf die Füße. Für einen Moment starrte ich mich im Spiegel an und mochte nicht, was ich sah. „Swami Betelbaum wäre enttäuscht“, erklärte ich meinem Spiegelbild und öffnete dann die Badezimmertür einen Spaltbreit, um in mein Zimmer zu spähen.

Ich hasste die Tatsache, dass ich so ein Feigling war, dass ich nicht einfach wie ein normaler Mensch ins Zimmer gehen konnte, aber in diesem Moment war das jenseits meiner Fähigkeiten.

Das Zimmer war so, wie ich es verlassen hatte. Theo war nicht darin, der wütete und mich anschrie, er pochte auch nicht an die Tür und verlangte, dass ich sofort ging, beides hatte ich halb erwartet. Ich setzte mich für dreißig Minuten aufs Bett, saß einfach da und dachte nach, versuchte, einen Plan zu entwickeln, versuchte, einen Weg zu finden, um Theo zu erklären, was ich getan hatte, aber mein Gehirn verweigerte die Zusammenarbeit.

Ich hatte zu viele Nächte ohne Schlaf verbracht. Zu viele Tage, in denen ich über meine Schulter gespäht hatte.

Das Beste, was mein verwirrtes Gehirn sich ausdenken konnte, war zu warten, bis ich sicher war, dass Theo schlief und dann aus der Suite zu huschen.

Aber wohin würde ich gehen?

„Hurn?“ Ein Geräusch brachte meinen Kopf dazu, nach oben zu rucken und der verwirrte Ausruf war ein halbes Schnarchen. Ich musste fast eingenickt sein, obwohl ich kerzengrade auf der Kante des Bettes saß. Mein Blick wanderte zu Tür und starrte überrascht auf das weiße Ding, das am unteren Türspalt flatterte und sich wand.

Es war ein Stück Papier. Es wand sich und ruckelte, zerknitterte ein bisschen, als eine silberne Klinge es hindurchschob.

War das ein Messer vom Tisch? Theo hatte ein Messer? Die Panik wollte wiederkommen, wollte mich wieder in ihren atemlosen, herzrasenden Griff zwingen, aber das weiße, zerknitterte Ding lag halb unter meiner Tür und schien so merkwürdig, dass es mich stattdessen dazu brachte aufzustehen. Ein Blick versicherte mir, dass die Tür immer noch verschlossen war und ich kam leise näher, hielt den Atem an für den Fall, dass er mich hören konnte.

Aber es gab kein Geräusch. Ich untersuchte das weiße Ding. Es schien ein Umschlag zu sein. Meine Finger zuckten ein bisschen und ich zupfte zögerlich daran. Es gab ohne viel Mühe nach. Ich schaute es an und drehte es um. In großer Schrift war auf der Vorderseite mein Name gekritzelt.

„Theo hat mir einen Brief geschrieben?“, flüsterte ich. „Ist das die formelle Aufforderung, dass ich gehen soll?“

Das wollte ich wirklich nicht lesen. Ich wusste, was ich dort finden würde: Hetze, wütende Worte, Verwünschungen und schließlich die Forderung, dass ich verschwinden sollte. Er würde vielleicht sogar drohen, die Polizei zu rufen. „Merkur. Venus. Erde. Mars.“

Während ich mich mit allerlei Schimpfworten bedachte, setzte ich mich aufs Bett und riss den Umschlag auf, einige Seiten ergossen sich auf die Bettdecke.

Das erste, das ich aufnahm, war eine Art von Bild. Ich schaute es überrascht an. Es war die Kopie eines griechischen Führerscheins, ausgestellt auf Theodor Christos Orien Papaioannou, mit einer Adresse in Athen. Das Bild von Theo war nicht großartig, es tat seinem hübschen Gesicht sicherlich keine Gefallen, aber es war offensichtlich er.

„Was zum …“ Ich schaute auf die nächste Seite. Es war ein Ausdruck irgendeiner Finanzinstitution und beinhaltete eine Biografie von ihm. Hier war das Bild besser, aber sein Lächeln projizierte ein Selbstbewusstsein, bei dem alle möglichen Alarmglocken in meinem Kopf angingen.

Die dritte Seite schien ein Kontoauszug von einer neuseeländischen Bank zu sein. Die Kontodaten waren geschwärzt worden, aber die Beträge waren so hoch, dass ich die Augenbrauen hochzog. Am oberen Ende hatte jemand in den gleichen großen Buchstaben wie auf dem Umschlag geschrieben: Nur für den Fall, dass du dir Sorgen um meine Zahlungsfähigkeit machst.

„So viel zum Thema, ich bezahle meinen Anteil am Abendessen“, sagte ich zu mir, bevor ich mich der letzten Seite widmete, eine, die mit dieser ganz unverwechselbaren Handschrift bedeckt war.

Kiera, es tut mir mehr leid, als du wissen kannst, dass ich dich erschreckt habe. Du hast jedes Recht sicherzustellen, dass ich der bin, für den ich mich ausgegeben habe und zu meinem tiefsten Bedauern habe ich da nicht früher dran gedacht. Ich habe ein paar Ausdrucke beigefügt, von denen ich hoffe, dass sie dich rückversichern werden, dass ich kein Axtmörder bin oder ein Vergewaltiger oder der Anführer eines Kults, der verlangt, dass du den Harem von zweiundzwanzig schwarzen Frauen komplettierst, obwohl ich dich zu meiner Hauptfrau machen würde und ich würde sogar die anderen zweiundzwanzig vor die Tür setzen, wenn du das verlangst. Gerne gebe ich dir weitere Beweise für meine Identität, wenn du möchtest. Du musst mich nicht sehen – du kannst einfach auf die Rückseite von dem hier schreiben, wenn du mehr willst. Peter und ich gehen ins Bett. Meine Tür wird zu sein, aber nicht abgeschlossen. Ich habe mein Portemonnaie auf dem Tisch im Wohnzimmer liegen lassen. Wenn du möchtest, kannst du es so lange inspizieren, wie du magst. Falls du dich über die Bilder darin wunderst: Die eine Frau ist meine Schwester, Elena, und die Babys sind meine Nichten und Neffen. Danke, dass du dich um Peter gekümmert hast. Er ist in seiner Wiege mit dem Kauspielzeug und produziert anbetungswürdige leise, schläfrige Geräusche. Es tut mir leid. Es tut mir wirklich leid. Theo

Ich drängte die Tränen zurück, die mir in den Augen stachen bei den ersten paar Sätzen, und war mehr als nur ein bisschen erstaunt, dass er nicht wütend war auf mich, nicht das kleinste bisschen. Er hatte verstanden. Und, was noch erstaunlicher war, er hatte sich entschuldigt. „Verdammt, er ist lieb, und das will ich nicht“, sagte ich und wischte mir wütend über die Augen. „Ich komme mit allem klar, nur nicht damit, dass er lieb ist.“

Ich las den Brief wieder und zog die laufende Nase hoch, die immer zu den Tränen auftauchte. Nachdem ich ein paar Minuten nachgedacht hatte, schrieb ich auf die Rückseite des Papiers:

Lass ihn nicht mit dem Kauspielzeug einschlafen. Er könnte daran ersticken.

Es brauchte ein paar tiefe Atemzüge und einen Durchmarsch durch alle Marken von runden Crackern, die mir einfielen, aber dann endlich entriegelte ich die Tür und schaute hinaus.

Das Wohnzimmer war leer. Das Portemonnaie lag in großartiger Einsamkeit auf dem Tisch. Ich nahm es und schlich zu seiner Tür, bevor ich mich hinkniete und meine Notiz auf den Boden legte. Das Portemonnaie lag obendrauf für den Fall, dass Theo den Brief nicht sehen würde.

Es brauchte eine geschlagene Minute von gutem Zureden, um mich dazu zu bringen, aber schließlich klopfte ich zweimal an seine Tür und rannte dann durch das Wohnzimmer zurück in die Sicherheit meines eigenen Schlafzimmers, schloss die Tür und verriegelte sie, bevor ich mein Gepäck beäugte. Ich hatte nicht ausgepackt, damit ich bereit wäre, mich mitten in der Nacht davonzustehlen, aber nun …

Ich setzte mich wieder aufs Bett und berührte die Seite, auf der Theos Führerschein abgedruckt war. „Ich mag dieses Bild viel lieber, wo du so wunderbar verwuschelt und informell bist, als das im Anzug, gekämmt in diesem Finanzbericht.“

Stille herrschte für weitere zehn Minuten in meinem Zimmer; dann fällte ich eine Entscheidung.

„Ich werde bleiben“, sagte ich und fühlte mich plötzlich sehr tapfer. Swami Betelbaum wäre stolz auf mich, dachte ich, als ich mir selbst zunickte, ganz so, als könnte er mich sehen, wie ich mich mit einem anderen Menschen verband. Swami Betelbaum hielt sehr viel von Verbindungen mit anderen. „Theo hat sich entschuldigt. Er war gar nicht wütend und es tat ihm leid, dass er falsch verstanden hat, was ich tat. Das ist ein gutes Zeichen. Das ist ein Zeichen, dass er nicht denkt, dass er immer recht hat und niemals falschliegen kann.“ Ich saß eine weitere Minute da, bevor ich die Worte aussprach, von denen ich nie gedacht hätte, dass ich sie wieder sagen würde: „Ich vertraue ihm.“

Aber für wie lange?, fragte meine innere Stimme.

Ich ignorierte sie, denn ich wollte nicht zulassen, dass sie dieses seltsame neue Gefühl verdarb, das darin resultierte, Kontrolle zu haben und kletterte voll bekleidet ins Bett. Ich wusste, dass die meisten Menschen es seltsam fanden, so ins Bett zu gehen, dass man jederzeit bereit war, wieder aufzuspringen und innerhalb einer Sekunde davonzustürmen, aber ich fand es beruhigend zu wissen, dass, wenn ich mitten in der Nacht vor Misha davonrennen müsste, dann wäre ich bereit, das zu tun.

„Zweiundzwanzig schwarze Ehefrauen“, schnaubte ich und dachte über Theos Brief nach, während ich das Licht der Stadt betrachtete, das durch die Vorhänge fiel und auf der Decke flackerte. „In deinen Träumen, Theo.“

Bedeutungsschwangere Worte, stellte sich heraus.

Es fing so an, wie es immer begann, wenn ich erschöpft war: Ein vage unangenehmer Traum, einer mit beliebigen Bildern, die über mein inneres Auge huschten, ineinander verliefen und sich änderten, bevor die Szene in Wellington sich wieder abspielte. Das Geräusch der Klimaanlage in Mishas Apartment lieferte das Hintergrundrauschen, über das hinweg er mich anschrie und die Worte unterstrichen wurden von dem Geräusch von zersplitterndem Glas, während er wütete und alles zerstörte, was in seine Reichweite kam.

In meinem Traum kroch ich vor ihm und versuchte zu verstehen, warum er so wütend war, meine Frage erhielt nur eine Rückhand als Antwort, die mich rückwärts in die Wand schickte. Bevor die Sternchen wieder verschwunden waren, war er über mir, eine Hand auf meinem Nacken und würgte mich, als er sein Gesicht in meines schob und Speichel flog, während er mir erklärte, sehr detailversessen, was er mit mir anstellen würde, wenn ich es wagen würde, ihn jemals zu betrügen.

Die Angst, die über mich hinwegschwappte in meinem Traum, war schrecklich, aber es war nichts verglichen mit dem, was ich zu dieser Zeit gefühlt hatte: Angst und das kranke Wissen, dass es keinen Ausweg gab von Misha. Er hatte zu viele Freunde, zu viele Leute, die ihm einen Gefallen schuldeten.

Der Traum änderte sich: Ich schnappte mir meine wenigen kostbaren Besitztümer – ein paar Bücher, Kleidung, die winzigen Zengartensteine, die ich benutzte, weil sie rund waren – all das wanderte in einen Seesack. Das Gefühl der Sinnlosigkeit und der Hoffnungslosigkeit, das ich gefühlt hatte, als ich aus dem Apartment geschlichen war, fehlte, während ich betete, dass ich längst weit weg wäre, bevor Misha feststellte, dass ich verschwunden war, aber ich hatte es damals gefühlt. Und ich hatte es zwei Wochen später gefühlt, nachdem meine Zeit im Frauenhaus abgelaufen war. Ich fühlte die Spuren auch jetzt noch.

Ein Schatten schob sich über mich und in meinem Traum wusste ich – wusste ohne den geringsten Zweifel –, dass Misha mich gefunden hatte. Er würde mich so in Stücke schneiden, wie er es versprochen hatte, wenn ich ihn jemals verlassen würde und ein Schrei brach sich in mir Bahn, einer gefüllt mit dem Wissen, dass ich es schließlich doch nicht geschafft hatte zu entkommen. Er hatte mich gefunden und nun würde ich den Preis zahlen.

Ich dachte zuerst, dass das Klopfen das Blut in meinen Ohren war, aber plötzlich war ich wach, blinzelte und schaute mich wild um. Das Zimmer war leer.

„Kiera? Verdammt, öffne die Tür!“ Das Klopfen ertönte wieder über Theos gedämpfter Stimme. Ich rieb mir das Gesicht.

„Was? Was ist los?“, rief ich in dem Moment, als mich eine schreckliche Angst ergriff, eine, die genauso schlimm war wie in meinem Traum.

Ohne nachzudenken, rannte ich zur Tür, schloss auf, bevor ich sie aufriss. „Was ist mit Peter? Geht es ihm gut? Verdammt, ich habe gesagt, du sollst ihm das Kauspielzeug wegnehmen, während er schläft!“

Theo stand vor mir, eine Hand erhoben, um wieder gegen die Tür zu pochen. Ich zuckte zurück und instinktiv machte ich einen Schritt nach hinten beim Anblick der erhobenen Hand, aber dieses Mal war meine Panik nach außen gerichtet. Ich drückte mich an ihm vorbei und rannte in sein Zimmer, mein Herz klopfte einen hektischen Trommelwirbel, als ich neben der Wiege stand und leicht keuchte.

Peter lag auf dem Rücken, eine kleine Faust neben seinem Gesicht und schlief tief und fest. Ich durchsuchte die Wiege, aber konnte das Kauspielzeug dort nicht finden. „Was ist los mit ihm?“, fragte ich mit leiser Stimme und hob die leichte Decke an, um sicherzugehen, dass seine kleinen knubbeligen Beine nicht verknotet waren. Er sah aus, als wäre alles absolut in Ordnung.

„Nichts, von dem ich wüsste. Sollte etwas los sein?“ Theos Gesicht sprach von Sorge, als er die Decke wieder an Ort und Stelle brachte, die ich bei meiner Suche verschoben hatte. „Ich habe ihn auf den Rücken gelegt. Ich dachte, das ist das, was ich machen sollte?“

„Solltest du. Himmelherrgott, warum hast du mich dann so erschreckt?“ Ich konnte nicht anders, als über Peters schwarzes Haar zu streicheln, jetzt glatt, aber es zeigte Anzeichen, dass es sich locken würde.

„Ich habe dich erschreckt?“ Er sah fassungslos aus und sprach in einem heiseren Flüstern. „Du hast mir fast einen Herzanfall beschert, als du geschrien hast. Ich dachte, jemand würde dich umbringen.“

In diesem Moment fielen mir zwei Dinge auf: Theo war komplett nackt und ich hatte wieder geträumt.

„Ich … Ich …“ Ich musste mich sehr bemühen, meinen Blick von der nackten Brust vor mir abzuwenden. Ich hatte Männerbrüste vorher gesehen, aber Theos ließ die Kategorie ganz hübsch einfach aus und ging direkt über in absolut fantastisch. Er war muskulös, aber nicht auf obszöne Weise, sein Brusthaar machte die Konturen vager, aber nicht so sehr, dass es die schönen Kurven und Täler völlig verdeckt hätte. Ich hatte den schlimmsten Drang, die Hand auszustrecken und sie direkt auf die Mitte seiner Brust zu legen, meinen Fingern zu erlauben, mit den weichen schwarzen Locken zu spielen. Ich schluckte, wie es schien, mehrere Liter von Speichel herunter und versuchte, meine sieben Sinne wieder zusammenzusuchen. „Ich träume manchmal.“

„Nur manchmal?“ Einer seiner Mundwinkel zuckte. Ich wusste nicht, ob das daher kam, dass er mich ertappt hatte, wie ich seine Brust anstarrte oder ob ihn irgendetwas anderes an mir amüsierte. „Ich träume die ganze Zeit.“

Ich machte einen Schritt zurück und schaute überall hin, nur nicht auf diese großartige Männlichkeit, die vor mir stand, mich reizte, mich bat, ihn zu berühren und in meinem Körper plötzlich das Bedürfnis zum Leben erwachen ließ, dass ich ihn sofort auf Theo befördern sollte, wenn nicht schneller. Ich bemühte mich, meine Gedanken zu sammeln und mein Stolz bestand darauf, dass ich mich benahm, als würde nicht der attraktivste Mann, den ich jemals gesehen hatte, vor mir stehen und sich überhaupt nicht darum kümmern, dass er splitterfasernackt war. „Du hast nicht diese Art von Träumen, die ich habe. Solltest du nicht …“ Ich machte eine vage Geste in Richtung des offenen Koffers, der auf einer Gepäckablage stand.

„Sollte ich nicht was?“ Er kam nicht näher, aber das musste er nicht. Ich konnte fühlen, wie er mir all seine männliche Nacktheit aufdrängte. Und plötzlich brachte mich das in Rage. Wie konnte er es wagen, sich so wohlzufühlen mit der Tatsache, dass er so umwerfend war, dass er mich dazu brachte, zu sabbern? Er machte es wahrscheinlich absichtlich. Wahrscheinlich zog er sich nackt aus bei jeder Gelegenheit, sodass er Frauen zum Sabbern brachte, die es nicht fertig brachten, von seiner fantastischen Brust wegzusehen. Und seinen Armen. Er hatte sehr hübsche Arme. Nicht mit vielen Venen und zu vielen Haaren, aber solide. Muskulös. Die Art von Armen, die man an einem Mann wollte. Und seine Hände – ich musste aufhören, darüber nachzudenken, ich wusste sehr wohl, dass ich eine Schwäche für Männerhände hatte.

„Kiera?“

„Hmm?“ Er schaute mich an, als wäre ich diejenige, die da stand und skandalös wäre.

„Was sollte ich tun?“

Und seine Oberschenkel. Mein Blick huschte über seinen Penis, dankbarerweise nicht in erregtem Zustand und gestattete mir, den Anblick seiner langen Oberschenkelmuskeln zu genießen. Ich liebte die Oberschenkel von Männern. Da stand Theo und reizte mich mit seinen Oberschenkeln.

„Gut. Ich warte, bis du fertig bist. Wenn du bei der Brust fertig bist, kann ich dann die Arme verschränken?“

Wut sammelte sich in mir an, eine Art von beschützender Wut, die darauf aus war, mich davor zu bewahren, was mein Körper wollte. Und weil mich meine Lust schon zuvor auf Abwege gebracht hatte, fütterte ich die Wut und nährte sie, fachte die Flammen höher an, denn wenn ich nicht wütend war, dann würde ich einfach nur dastehen und diesen Mann anstarren und ihn ansabbern wollen.

Und das war, was er wollte, dieser Bastard mit der erotischen Brust, den schönen Armen und den belästigungswürdigen Oberschenkeln.

„Soll ich mich umdrehen? Man hat mir gesagt, mein Hintern sei nett.“

„Ja“, sagte ich, ohne nachzudenken. Ich musste meine Wut weißglühend halten. Es war wichtig, dass ich das tat, damit … Der Gedanke vertrocknete in meinem Hirn, während Theo sich umdrehte und zuließ, dass mein Blick von seinen schönen Unterschenkeln nach oben zu der Rückseite dieser Oberschenkel wanderte, die ich plötzlich ablecken wollte, nur damit meine Augen stotternd bei seiner Rückseite zum Halten kamen.

Heilige Gottesmutter, ich war in Schwierigkeiten. Mein Kiefer gab ein bisschen nach beim Anblick dieser Rückseite. Der kurzen Blick, den ich zuvor erhascht hatte, war nett gewesen, aber das … Mein Gehirn legte einen Feiertag ein, um ihn zu bewundern. Sein Hintern war heller als der Rest von ihm, mit schönen Schwüngen und Kurven, die nach meinen Händen riefen. Ich fluchte bei mir, meine Hände juckten regelrecht, diese süße, süße Kurve seiner Pobacken zu halten. Mehr als nur ein bisschen verwirrt, ließ ich meinen Blick am oberen Ende beginnen und ihn nach unten wandern, einfach nur um zu sehen, ob ich die Schönheit seiner Rückseite falsch eingeschätzt hatte.

Die Muskeln seiner breiten Schultern verengten sich nach unten zu seiner Hüfte und dann zu seinem Hintern. Nein, dachte ich bei mir selbst, und schüttelte innerlich den Kopf, ich lag nicht falsch. Sein Hintern war großartig. Ich wollte unbedingt die zwei kleinen Grübchen küssen, die darüber waren. Zur Hölle, ich wollte alles von ihm küssen, Vorder- und Rückseite.

„Reicht es? Ich hoffe doch, denn es ist ein bisschen langweilig, die Wand anzuschauen.“ Er drehte sich um, aber er musste meinen perplexen Gesichtsausdruck bemerkt haben, denn er streckte die Hand aus, als er auf mich zutrat.

Mein Instinkt brachte mich dazu, zurückzuweichen, bis ich in einen Stuhl stolperte.

Theo kam zum Halten, ließ die Hand sinken, der spielerische Gesichtsausdruck, der seine Augen mit Lachen gefüllt hatte, verschwand. Er betrachtete mein Gesicht für einen Moment, dann schritt er hinüber zu dem Koffer und zog ein Paar Jeans an. Er drehte sich zu mir und fragte: „Besser?“

Ich nickte und fühlte mich, als wäre nicht einmal ansatzweise genug Sauerstoff im Raum.

„Darf ich näher kommen? Es ist ziemlich schwierig, auf diese Distanz zu flüstern.“

Ein kleines bisschen Wärme machte sich in meinem Bauch breit. Er fragte um Erlaubnis, um näher zu kommen? Ich schüttelte bei dem Gedanken meinen Kopf. Kein Mann hatte mich jemals gefragt, was ich wollte.

„In Ordnung, dann bleibe ich hier“, sagte er und interpretierte die Geste offensichtlich falsch.

„Nein, das Kopfschütteln war für mich“, erklärte ich ihm und nannte mich einen Feigling, dann bewegte ich mich auf ihn zu, sodass ich ungefähr einen halben Meter von ihm entfernt war. „Niemand hat mich jemals gefragt, ob er näher kommen dürfte. Ich bin nicht … Ich bin kein seltsamer Mensch, der sich vor Keimen fürchtet, Theo.“

„Nein, aber ich habe dich vorher erschreckt.“ Er hob seine Hand, langsam, und ich wusste, dass er die Bewegung absichtlich so ausführte, um mich nicht wieder zu erschrecken. Seine Finger strichen eine Haarsträhne von dort fort, wo sie an meinen Lippen klebte. „Wenn ich dir hier und jetzt verspreche, dass ich dich niemals verletzen werde, wirst du mir dann glauben?“

Ich antwortete nicht. Er gab sich so viel Mühe, lieb zu sein, mich nicht zu erschrecken, dass ich auf diese Nettigkeit nicht mit der Wahrheit reagieren wollte.

„Das habe ich auch nicht geglaubt.“ Sein Daumen strich für eine kurze Sekunde über meine Unterlippe. „Es macht keinen Unterschied, ich schwöre dir, dass ich niemals im Zorn die Hand gegen dich erheben werde. Ich hoffe, dass du es eines Tages glauben wirst.“

Ich seufzte und wünschte, dass es wahr wäre, aber ich hatte zu viele ähnliche Versprechen von Misha gehört, um es zu glauben. „Ich weiß es zu schätzen“, sagte ich endlich, weil ich das Gefühl hatte, dass ich sein Versprechen in irgendeiner Weise anerkennen müsste.

„Willst du mir von dem Traum erzählen?“, fragte er und ich ließ zu, dass seine Hand meinen Arm hinabglitt, runzelte die Stirn, als er darauf sah. „Schläfst du … Das ist vielleicht nicht meine Angelegenheit, aber schläfst du immer vollständig bekleidet?“

„Ja.“ Ich machte eine vage Geste. „Wenn du so schläfst, dann musst du nur noch deine Schuhe anziehen und du kannst los.“

„Wohin?“

Ich begegnete seinem Blick und ließ dann meinen sinken. Leider wieder direkt auf seine Brust. „Wo auch immer du hinmusst.“

Details

Seiten
0
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783960879534
ISBN (Buch)
9783960879541
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v508308
Schlagworte
Griech-isch-e-n-land Chick Lit Roman roman-tisch-e Komödie Milliard-e-är-in Play-boy Bachelor Jung-geselle

Autor

  • Katie MacAlister (Autor)

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Titel: (K)ein Womanizer für eine Nacht