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Summer Wine

Endloses Verlangen

von Rose Rivers (Autor)

2020 0 Seiten

Leseprobe

Über dieses E-Book

Als Liana überraschend ein Weingut auf Lanzarote erbt, ist sie unschlüssig, was sie damit anfangen soll und beschließt, sich vor Ort ein Bild zu machen. Auf dem Weingut angekommen trifft sie direkt auf den Bauunternehmer Raul, der ihr das Land abkaufen möchte, um ein Hotel zu errichten. Sofort entbrennt ein unbändiges Verlangen zwischen den beiden und obwohl Liana ahnt, dass Raul sie nur benutzt, lässt sie sich auf das Abenteuer ein. Aber dann trifft sie auf den mysteriösen, schweigsamen Weinbauer Iago, der ein Geheimnis zu verbergen scheint. Liana gibt alles, um einen Blick hinter seine Fassade zu erhaschen und als sie endlich Erfolg hat, können die beiden ihre Leidenschaft kaum noch zügeln. Doch was verbirgt Iago vor ihr?

Impressum

Secret Desires

Erstausgabe August 2020

Copyright © 2020 Secret Desires, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Made in Stuttgart with ♥
Alle Rechte vorbehalten

E-Book-ISBN: 9783968172217

Covergestaltung: Vivien Summer
unter Verwendung von Motiven von
shutterstock.com: © radionastya, © EstudiosOMH, © Pongstorn Pixs, © Dean Drobot, © Svitlana Sokolova
Lektorat: Astrid Rahlfs

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

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I.

„Nimmst du mich so mit?“

Ich lasse das Treppengeländer durch meine Fingerspitzen gleiten und eile auf hohen Absätzen über die Stufen in den Flur.

Max steht vor dem Spiegel und nestelt konzentriert an seinem Krawattenknoten herum. Er seufzt, ohne sich umzudrehen.

Ich schmiege mich an seinen Rücken, kneife ihm frech in die festen Pobacken und schiebe mich demonstrativ zwischen meinen Freund und sein Ebenbild. Fast zwei Stunden habe ich im Bad verbracht, meine roten Locken geföhnt und aufgesteckt, die Augen dunkel geschminkt und jedes Haar entfernt, das nicht auf meinem Kopf wächst. Dazu trage ich das enge, bodenlange Kleid aus schwarzer Spitze. Wenn ihn das nicht beeindruckt, was dann?

Aber Max schüttelt verärgert den Kopf. „Liana, ich habe dir doch gesagt: Böhme will Haut sehen.“

„Ich dachte, dir gefällt das Kleid!“ Schmollend lege ich eine Handfläche auf seinen Brustkorb und streiche über das maßgeschneiderte Hemd, das ich am Vormittag noch gebügelt habe.

Er sieht mir ins Gesicht – zumindest einen Augenblick lang –, runzelt die Stirn und drückt mich dann unsanft beiseite. „Du weißt, um wie viel Geld es heute geht. Wenn er unterschreibt, kaufe ich dir was Schönes, ja? Und jetzt zieh dir etwas Anderes an, sonst kommen wir noch zu spät.“

Das sitzt, aber Max hat recht: Wenn sein neuer Kunde nach dem gemeinsamen Abendessen nicht endlich den Vertrag unterschreibt, sind wir ruiniert. Schon jetzt können wir uns die Leasingraten für den Jaguar kaum leisten. Aber wie hatte er gesagt? Als Vermögensberater kann ich nicht in deinem alten Fiat vorfahren. Man muss immer zuerst Geld investieren, bevor man etwas zurückbekommt.

Also warum fühle ich mich, als ob mir jemand ein Messer mitten ins Herz gerammt hätte?

Du bist mit dem wohl schönsten Mann zusammen, den man sich vorstellen kann, denke ich. Leuchtend blaue Augen und ein Körper wie Michelangelos David. Wenn nur diese Augen nicht so kalt wären und er nicht diesen Körper meist für sich behalten würde …

***

Mit einem Ruck schrecke ich hoch und sehe mich um: Das Flugzeug hat unsanft auf der Landebahn aufgesetzt. Sind wir schon da? Und warum träume ich immer noch von Max, diesem Idioten, der mir nichts als Geldsorgen hinterlassen hat? Ich hatte mir doch fest vorgenommen, keinen Gedanken mehr an ihn zu verschwenden – Traumkörper hin oder her. Er hat mich sowieso nicht zu schätzen gewusst, dieser kalte Fisch. Außerdem liegt Deutschland jetzt in weiter Ferne. Stattdessen wartet Lanzarote, die sonnige Vulkaninsel, darauf, von mir entdeckt zu werden. Und obwohl ich hier bin, weil ich mich um das Erbe meiner Großmutter kümmern muss, hätte ich nichts gegen einen unverfänglichen Urlaubsflirt einzuwenden.

Eilig schnalle ich mich ab, nehme meinen kleinen Trolley aus dem Gepäckfach und dränge mich zusammen mit den anderen Passagieren aus dem Flugzeug.

Die Landebrücke führt in eine übersichtliche Ankunftshalle, die mit Plakaten der lokalen Sehenswürdigkeiten dekoriert ist: zoologische und botanische Gärten, Vulkantouren und Wasserparks mit Delfinshow. Ich bleibe nur kurz stehen, um mir die Bilder anzusehen. Die Heimat meiner geliebten Oma Estela möchte ich lieber aus nächster Nähe kennenlernen.

Ich trete aus dem Gebäude und genieße den Schirokko, der warm und kräftig über meine Haut bläst. Im selben Moment weiß ich, dass ich wirklich angekommen bin. Zwar ist der zubetonierte Parkplatz mit etlichen Taxiständen und Bushaltestellen auch nicht einladender als in Deutschland, aber am Horizont kann ich die endlosen Lavafelder erahnen, von denen Estela immer geschwärmt hat. Dazwischen sind schmale Straßen, die sich durch die schwarz-grüne Landschaft aus Asche, Reben und Basalt schlängeln.

Während ich über den Parkplatz schlendere, gehen meine Gedanken auf Wanderschaft: So oft habe ich mir vorgenommen, einmal zusammen mit meiner Oma auf die Insel zu fliegen. Und immer ist etwas dazwischengekommen. Jetzt ist es zu spät und einzig das Weingut in der Nähe von San Bartolomé, das jetzt mir gehört, erinnert noch an Estelas Verbundenheit zu ihrer alten Heimat. Aber das wird nicht mehr lange so bleiben, denn ich kann es mir bestimmt nicht leisten, das Gut zu unterhalten, während ich noch die horrenden Leasingraten bezahle. Und das muss ich – Max ist auf mich angewiesen.

Ich habe sogar schon einen Interessenten für die „Bodega Las Higueras“, was auf Deutsch so viel wie „Feigenhain“ heißen müsste, wenn acht Jahre Schulspanisch mich nicht trügen. Kein Wunder – die Bilder, die ich mir im Internet von der beliebten Weinregion angesehen habe, waren vielversprechend: Weinberge, umrahmt von Feigenbäumen, unter der gleißenden Mittagssonne der Kanareninsel.

Aber ist es wirklich die richtige Entscheidung, Estelas lang gehegten Traum wieder zu zerstören und ihre Bodega in die Hände irgendeines schmierigen alten Immobilienmaklers zu legen?

In genau diesem Moment kommt ein Auto mit quietschenden Bremsen vor mir zum Stehen. Ich wende den Blick von dem Vulkanpanorama ab und betrachtete den Mann, der aus dem schwarzen Land Rover steigt. Raúl Perez ist weder schmierig noch alt: Er ist groß, mindestens eins achtzig und sportlich gebaut. Zu seiner engen Jeans trägt er ein dunkles Hemd mit schwarzem Sakko. Dunkelblonde Locken fallen ihm in die Stirn – etwas länger, aber trotzdem gepflegt – und verleihen ihm zusammen mit dem Dreitagebart einen verwegenen Charme. Leider verdeckt die Sonnenbrille einen Teil seines markanten Gesichts.

Sofort schießt mir das Blut in den Kopf. Mein Empfangskomitee hat ein etwas zu einladendes Lächeln auf den Lippen. Anscheinend ist Herr Perez es gewohnt, allein reisende Frauen zu umgarnen.

Er zieht die Sonnenbrille vom Kopf und entblößt ein Paar blaugraue Augen, die spitzbübisch funkeln. Entschlossen streckte er mir seine kräftige, gebräunte Hand entgegen. „Guten Tag, Frau Pfaff – oder darf ich Liana sagen? Wir werden ja sicher ein bisschen Zeit zusammen verbringen.“

Ich ergreife zaghaft seine Hand. Er hat einen sehr festen Händedruck und sein Lächeln erinnert mich an Max.

„Hola“, entgegne ich. „Nennen Sie mich wie Sie mögen.“

Der Unternehmer nimmt mir mit einer Hand den Koffer ab und hält mit der anderen galant die Beifahrertür auf.

„Sehr schön. Also dann: Ich bin Raúl.“

Irgendetwas an seiner tiefen, rauen Stimme und dem siegessicheren Blick beunruhigt mich. Ich kann mir nicht vorstellen, mit diesem Mann um Geld zu verhandeln: Das wäre ein Kampf zwischen David und Goliath – mit dem Unterschied, dass David keine Steinschleuder hatte.

„Vielen Dank, dass Sie mich abholen, Raúl“, beginne ich und lasse mich auf den weichen Ledersitz fallen. „Eigentlich steige ich ja nicht zu Fremden ins Auto – und ich weiß nicht mal, wie Sie überhaupt an meine E-Mail-Adresse gekommen sind.“

Er grinst verschmitzt. „Es versteht sich doch von selbst, dass ich Sie nicht mit dem Taxi fahren lasse, wo Sie extra den weiten Weg aus Deutschland hergekommen sind. Ich behandle meine Geschäftspartner wie meine Mitarbeiter – mit Fingerspitzengefühl.“ Er lächelt mich an und mein Herz schlägt ein bisschen schneller. „Alles, was Sie über mich wissen wollen, können Sie googeln – vielleicht fühlen Sie sich dann wohler. Ich habe nichts zu verstecken.“

Natürlich habe ich das schon getan. Google hat mir verraten, dass Raúl Perez der wohlhabendste Immobilienmogul der Kanaren und Inhaber einer Luxushotelkette, den RP Resorts, ist.

Trotzdem braucht es mehr als ein charmantes Lächeln und eine Dauerkarte im Fitnessstudio, um mich zu beeindrucken.

„Ich möchte nur, dass Sie fair zu mir sind. Meine Großmutter hätte gewollt, dass die Bodega in gute Hände kommt. Ich warne Sie: Ich bin mit einem drei Jahre älteren Bruder aufgewachsen und kann mich durchsetzen, wenn es sein muss.“

Raúl schmunzelt. „Das glaube ich sofort.“

Ich schnalle mich an und werfe ihm einen Seitenblick zu. Sein scharf geschnittenes Profil wird von der sich senkenden Sonne in goldenes Licht getaucht. Er zieht einen Mundwinkel hoch und tritt aufs Gas.

„Sie sollten nicht denken, dass ich Sie über den Tisch ziehen will, Liana.“

Er schaltet einen Gang herunter und hebt die Hand. „Ich werde Ihnen zeigen, was ich mit dem Land vorhabe. Dann können Sie selbst entscheiden, was Sie davon halten. Man muss einiges in den Umbau investieren, denn die Bodega ist wirklich heruntergekommen.“

Ich ziehe die Augenbrauen hoch. „Ach ja? Ich habe nur das Bild aus der Annonce gesehen.“

Estela hatte die Anzeige des Immobilienportals, über die sie ihr Weingut vor einigen Jahren entdeckt hatte, ausgedruckt und feinsäuberlich abgeheftet. Trotzdem war das verpixelte, schwarz-weiße Bild nicht gerade aussagekräftig gewesen.

„Allerdings“, bestätigt Raúl, als wir an einem Feld vorbeifahren, auf dem die Kakteen voller hellroter Früchte hängen, „es gibt kein fließendes Wasser und keinen Strom.“

Ich überkreuze die Arme vor der Brust, aber ich erwidere nichts.

Das scheint ihn zu belustigen. Er legt lässig einen Arm um die Kopfstütze des Beifahrersitzes.

„Sie hat durchaus ihren Reiz“, haucht er. „Aber nicht alles, was reizvoll ist, ist auch eine lohnende Investition für die Zukunft, verstehen Sie?“

Ich halte seinem Blick stand. Das verstehe ich nur zu gut.

„Zerbrechen Sie sich nicht Ihren hübschen Kopf“, bemerkt er lachend. „Ich kriege das schon in den Griff.“

Ich schweige und sehe aus dem Fenster. Die rasante Fahrt führt an der Küstenstraße entlang. Staunend beobachte ich, wie der Horizont sich hinter den weißen Villen mit dem Meer verbindet. Der Kontrast zu den schwarzen Lavafeldern lässt die hellen Bauten selbst im schwindenden Sonnenlicht eindrucksvoll strahlen.

Raúl scheint meinen Blick zu bemerken. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie er mit einem wissenden kleinen Lächeln die Finger über das lederbezogene Lenkrad gleiten lässt. Dabei berührt er das Material sanft, beinahe zärtlich. Ob er eine Frau auch so anfassen würde? Fast will ich es glauben, aber dagegen sprechen der protzige Wagen, die Rolex und der selbstsichere Ausdruck auf seinem Gesicht. Nein, wahrscheinlich ist er eher der Typ, der seine Partnerin fesselt und knebelt, sie in die Knie zwingt und nur zu seiner eigenen Befriedigung benutzt. Trotz der eingeschalteten Klimaanlage ist die Luft im Wagen plötzlich stickig und heiß.

Als könne er meine Gedanken lesen, gleitet Raúls rechte Hand vom Lenkrad und bleibt auf meinem Oberschenkel liegen. Ich spüre die Berührung durch den dünnen Stoff meines Kleides hindurch. Obwohl Raúls Blick hinter der Sonnenbrille verborgen bleibt, weiß ich, dass er zu mir herübersieht. Er atmet tief ein und lässt die Luft dann langsam wieder durch seine vollen Lippen strömen, als wolle er sich abzukühlen.

Meine Finger liegen nur wenige Zentimeter neben seinen, aber ich berühre ihn nicht. Wenn er mich zu einem Abenteuer überreden will, muss er sich schon mehr Mühe geben. Mich erobern.

Mit einer geschickten Bewegung löse ich den Knoten, zu dem ich meine Haare heute Morgen aufgesteckt habe. Ich fahre mir mit den Fingern durchs Haar, bis die roten Locken über meine Schultern fallen. Mit dieser Farbe kannst du sie nicht offen tragen, hat Estela immer scherzhaft zu mir gesagt. Es stimmt: Das Rostrot leuchtet wie Feuer. Max ist nie müde geworden, zu betonen, dass er eigentlich mehr auf Blondinen steht und ob ich sie mir nicht mal färben wollte. Aber das Rot gehört zu mir – es erzählt von der Leidenschaft, die in mir schlummert. Wenn sie denn noch da ist. Vielleicht ist es an der Zeit, das herauszufinden?

Raúls Finger sind dazu übergegangen, sanft meinen Oberschenkel zu massieren. Seine Nägel drücken sich in den Stoff des Kleides. Mit einem gekonnten Handgriff schiebt er das Rockteil so weit hoch, dass es gerade noch das Nötigste bedeckt. Seine Fingerspitzen tanzen über die Innenseite meines Schenkels. Sie sind ein dunkler Kontrast zu der blassen Haut. Ein Kribbeln wandert von meinen Haarspitzen über meinen Oberkörper bis zu der Stelle, die er liebkost.

Ich glaube nicht, dass ich jemals so intensiv auf die Berührung eines Mannes reagiert habe. Vielleicht bin ich nur zu lange allein gewesen, aber jedes Mal, wenn Raúls Fingerkuppen auf das weiche Fleisch treffen, schicken sie kleine Stromschläge in mein Becken.

Inzwischen hat er sich fast bis zu meinem Slip hochgearbeitet, der feucht zwischen meinen Beinen klebt. Ich drückte mich ein wenig aus dem Sitz hoch, seinen spielenden Fingern entgegen. Es kostete mich alle Kraft, nicht die Beherrschung zu verlieren. Am liebsten würde ich ihn auffordern, in der nächsten Parkbucht zu halten, um ausgiebig den muskulösen Körper unter seinen teuren Kleidern zu erkunden. Aber ich will die Oberhand behalten, zumindest für den Moment, und mich ihm nicht – wie sicher etliche vor mir – auf der Rücksitzbank seines Autos hingeben.

Stillschweigend ertrage ich die süßen Qualen, die mir seine geschickten Finger bereiten. Schwere, kostbare Essenzen seines Parfums erfüllen die Luft im Auto – Bergamotte und Zedernholz –, durchdrungen von Raúls männlichem Geruch. Ich lehne mich in das Lederpolster zurück, schließe die Augen und sehne mir den Moment herbei, in dem ich endlich meine Kleider loswerden kann. Vielleicht werde ich mich sogar fesseln und knebeln lassen, wenn wir ungestört sind.

Als wir ankommen, geht mein Atem nur noch in flachen Stößen, dabei hat mich Raúl kaum berührt. Jedenfalls nicht auf eine Weise, auf die es nicht auch Max und eine Handvoll Männer vor ihm getan hätten. Aber irgendetwas ist heute anders – ich bin anders. Ich bin ihm zu nichts verpflichtet und alles, was wir miteinander teilen werden, ist nur zu unser beider Vergnügen.

Raúl parkt den Land Rover direkt vor dem Haupteingang einer eindrucksvollen Hotelanlage. Ein Page in Uniform eilt herbei, aber der Unternehmer macht eine abweisende Handbewegung und öffnet mir stattdessen selbst die Tür. Ich schenke ihm ein verheißungsvolles Lächeln und lasse meinen Blick noch einmal an seiner muskulösen Statur hinabgleiten. Voller Genugtuung nehme ich zur Kenntnis, dass ihn unser kleines Spiel auf der Autofahrt anscheinend nicht kalt gelassen hat: Der Schritt seiner ohnehin schon engen Jeans ist jetzt prall gefüllt.

Ich wende den Blick ab und sehe mich um. Das Hotel erinnert an einen arabischen Sultanspalast: Dutzende maurische Türmchen mit goldenen Kuppeln ragen in die Höhe. Der verglaste Eingangsbereich wird von Säulen getragen und von saftig grünen Palmen umrahmt. Allein die Gärten zu unterhalten, dürfte hier, wo Wasser ein knappes und kostbares Gut ist, ein Vermögen kosten.

„Das ist nicht die Bodega“, stelle ich fest.

Raúl lacht und legt lässig eine Hand auf meine Hüften. Sein kräftiger Arm drückt mich an sich. „Nein, meine Liebe. Zuerst wollte ich dir mein Lebenswerk zeigen.“

„Sind wir schon beim Du?“, necke ich ihn, während wir durch das Foyer schlendern.

Plötzlich bleibt er stehen und kommt mir noch näher. „Ich kann dich auch siezen, wenn dich das anmacht“, haucht er. Die Worte streifen mit seinem warmen Atem mein Ohr und ich werde augenblicklich rot.

Immer noch stehen wir mitten in der Lobby. In diesem Moment spüre ich seine Zähne an meinem Ohrläppchen. Ich unterdrücke ein Kichern und drehe meinen Kopf weg. „Nicht … hier.“

Raúl zieht lachend die Augenbrauen hoch. Das Geräusch dringt dunkel durch die weitläufige Loggia, der polierte Marmor wirft den Schall zurück. „Das ist mein Hotel, schon vergessen?“ Aber dann zuckt er mit den Schultern. „Du hast recht: Es wäre wohl nicht gut fürs Image.“

Ich höre den Schalk in seiner Stimme. Gleich darauf packt er mich an der Hüfte, zieht mir den Boden unter den Füßen weg und hebt mich in die Luft. Mir bleibt nichts anderes übrig, als meine Arme um seinen Hals zu schlingen und mich von ihm über die Korridore tragen zu lassen.

Raúls Schritte sind so leichtfüßig, als wäre ich aus Luft. Zielstrebig eilt er auf eine Mahagonitür am Ende des Flurs zu. Er hält mich mit einer Hand und zieht mit der anderen eine weiße Checkkarte aus seiner hinteren Hosentasche.

„Die öffnet jede Tür?“, frage ich, obwohl ich die Antwort bereits kenne.

Er grinst mich an, die Karte zwischen den Zähnen. Ich ziehe sie heraus. „Das hoffe ich doch.“

Vor mir erstreckt sich die luxuriöseste Suite, die ich jemals gesehen habe. Eine riesige Fensterfront führt auf eine Terrasse, die das Meer überblickt. Davor steht ein King Size Bett, in dem auch drei oder vier Personen Platz finden könnten. Ich erschaudere beim Gedanken daran, dass das wahrscheinlich Sinn und Zweck der Sache ist. An der Stirnseite schließt sich nahtlos ein Bereich mit einem freistehenden Whirlpool und einer bodentiefen Dusche an. Die Wände sind mit hellem Holz verkleidet und auf dem Boden funkelt schwarzer Granit. Eine Wendeltreppe führt ins Obergeschoss.

„Was ist oben?“, frage ich.

„Die Bar und der Fitnessraum“, antwortet Raúl. „Aber du siehst nicht aus, als müsstest du Sport machen. Jedenfalls nicht diese Art von Sport.“

Ich erröte. Es stimmt – in den letzten Wochen habe ich vor lauter Trennungsschmerz eher noch ein paar Kilo abgenommen.

Raúl mustert mich, dann setzt er mich behutsam auf dem Bett ab. Obwohl ich erleichtert bin, wieder festen Boden unter mir zu haben, vermisse ich das Gefühl seines harten Körpers an meiner Wange und die würzige Mischung aus Erregung und Parfum in meiner Nase.

„Möchtest du etwas trinken?“, fragt er. „Champagner? Wir haben schließlich Grund zum Feiern.“

Ich schnaube. „Noch habe ich nichts unterschrieben. Genau genommen hast du mir ja noch nicht mal ein Angebot gemacht.“

Aber Raúl hat schon den Telefonhörer am Ohr.

Er nuschelt ein paar eilige Worte auf Spanisch, die so schnell sind, dass ich kaum etwas verstehe. Dann dreht er sich um und kommt lächelnd auf mich zu.

„Ich habe kein Angebot gemacht?“

Ich nicke stumm und sehe zu ihm auf.

„Das müssen wir umgehend ändern.“ Er legt das Jackett ab und knöpft den Kragen seines Hemdes auf, ohne seinen Blick von mir abzuwenden. Ich rutschte auf dem Bett ein Stück nach oben, um eine bessere Sicht auf ihn zu haben. In dem Moment, als er sein Hemd endlich ganz abstreift, klopft es an der Tür.

Raúl zieht sein Portemonnaie aus der Hosentasche und steckt dem Pagen einen Geldschein zu, nachdem dieser das Tablett abgestellt hat.

Der Bedienstete geht und endlich dreht sich Raúl wieder zu mir um, sodass ich meinen Blick über seinen bloßen Oberkörper gleiten lassen kann. Ich sauge jedes Detail auf: die breiten Schultern, die kräftigen Oberarme und die eindrucksvollen Brustmuskeln, die nur von ein paar Stoppeln bedeckt werden. Als er nach dem Champagner greift und die Agraffe der Flasche löst, kann ich sehen, wie sie sich anspannen. Raúl lacht, lässt den Korken in einer routinierten Bewegung aus dem Flaschenhals gleiten und schenkt uns ein. „Auf gute Geschäfte!“

Nachdem wir unsere Gläser geleert haben, führt mich Raúl zu einem privaten Aufzug, der direkt in den Wellnessbereich des Hotels führt. Ich werfe einen letzten Blick aus der Fensterfront, auf den rötlich gefärbten Himmel. „Wie spät ist es?“

Raúl schüttelt sein Handgelenk. „Gleich halb neun. Möchtest du lieber zuerst Abendessen, bevor ich dir alles zeige?“

Ich schüttele den Kopf. „Nein, ich muss nur schnell meiner Vermieterin Bescheid geben, dass es später wird – ich habe eine Ferienwohnung in Guime gebucht.“

Raúl schüttelt langsam den Kopf und drückt auf den Knopf, der die Aufzugtür schließt. „Du bist herzlich eingeladen, hier zu übernachten. Um ehrlich zu sein, habe ich fest damit gerechnet.“

Ich kann spüren, dass ich wieder rot anlaufe. „Du meinst hier, in deiner Suite?“

Er zieht verschmitzt einen Mundwinkel hoch und streicht mir zärtlich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Nein. In deiner Suite – ich bekomme auch ohne Voranmeldung ein Zimmer.“

Einen Moment lang starre ich perplex in seine hellen Augen, die erwartungsvoll auf mir ruhen. Ich schlucke. „Was kostet denn eine Übernachtung in der Suite?“

Raúl schmunzelt: „Für dich nur dieses bezaubernde Lächeln.“

„Und für die anderen Gäste?“

Er zuckt mit den Schultern. „5.000 Euro. Ein echtes Schnäppchen – der Zimmerservice ist schon inkludiert.“

Ich räuspere mich und wende den Kopf ab. „Vielen Dank, aber ich glaube nicht, dass ich dein großzügiges Angebot annehmen kann.“

Raúl kommt auf mich zu, bis ich an der Stahlwand der Aufzugskabine klebe. Er stützt beide Hände neben meinem Kopf auf und sieht mir tief in die Augen. „Du kannst.“

Der Aufzug ist inzwischen zum Stehen gekommen und die Tür geht auf, aber das interessiert ihn nicht. Durch den Spalt erspähe ich einen breiten, marmorgefliesten Flur. Raúls Lippen kommen meinen gefährlich nahe, als er flüstert: „Warte, bis du das Spa gesehen hast. Es schließt montags um acht, also sind wir jetzt allein.“

Der warme Luftzug seiner Worte streift über meine Wange und ich erschaudere. Obwohl ich nichts außer dem blauen Kranz um seine Pupillen sehen kann, spüre ich die samtigen, warmen Lippen beinahe auf meinen.

Ich schließe erwartungsvoll die Augen. Etwas Weiches streichelt meine Wange. Raúls Stirn liegt auf meiner, seine Wimpern kitzeln mich und seine Bartstoppeln reiben über mein Kinn. Das Sehnen wird unerträglich, aber er küsst mich nicht. Ich mache die Augen auf. Raúl nimmt lächelnd meine Hand und zieht mich aus dem Aufzug.

Auch das Spa ist im maurischen Stil gestaltet und erinnert an ein Hamam. Kunstvolle Mosaike schmücken die Wände, die von indirekter Beleuchtung in ein schummriges Licht getaucht werden. Von dem Flur gehen verschiedene Türen ab und an einer entdecke ich das Symbol für die Umkleidekabinen. Raúl reicht mir ein Handtuch aus einem Regal und will mich wieder an sich ziehen, aber ich tänzele eilig auf die Tür zu. Ich möchte ungern, dass er dabei zusieht, wie ich mich ungelenk aus meiner Unterwäsche schäle. Und wenn er wollte, dass es zur Sache geht, hätte er die Gelegenheit in seiner Suite genutzt, oder? Also muss er doch zum Schwimmen hier sein.

Er lässt mich widerstandslos ziehen und erst als die Tür hinter mir zufällt, bemerke ich, dass ich keine Badesachen mitgenommen habe. Mein Koffer steht noch auf dem Zimmer. Soll ich etwa nackt in den Pool steigen? Ob ihm das gefallen würde? Ich muss an meinen Albtraum im Flugzeug denken. Bei dieser Vorstellung klopft mir das Herz ängstlich bis zum Hals. Aber ich will mich nicht länger verstecken. Und Raúl werde ich, wenn ich erst mal in Deutschland bin, nie wiedersehen. Warum also nicht den Moment genießen?

Ich ziehe die Sandalen aus und streife mein dünnes Sommerkleid, den Slip und den BH ab. Eilig bedecke ich meinen Körper mit dem flauschigen Badetuch. Dann drücke ich vorsichtig die Milchglastür auf, die zum Poolbereich führt.

Raúl ist schon da und lehnt lässig an dem Durchgang zu den Duschen. Außer einem Handtuch, das er sich um die Hüften gewickelt hat, trägt er nichts.

Ich kralle meine Hände in den Frotteestoff und sehe verschämt zu ihm auf. Wo ist mein Selbstbewusstsein auf einmal hin?

„Alles in Ordnung?“, fragt er und verschränkt die muskulösen Arme vor der beinahe glattrasierten Brust.

Ich bemühe mich, gelassen zu klingen: „Mein Bikini ist noch oben.“

Grinsend kommt Raúl auf mich zu. „Den wirst du sowieso nicht brauchen. Wie gefällt es dir?“ Er macht eine Kopfbewegung in Richtung des dampfenden Pools zu unserer Linken und legt seine Hände auf meine Hüften.

„Sehr beeindruckend“, gestehe ich und sehe aus den bodentiefen Fenstern, die einen Palmengarten überblicken.

„In Las Higueras werde ich einen Spa-Bereich bauen, der fast doppelt so groß ist.“

Einen Moment lang sehe ich ihn verständnislos an – es muss am Champagner liegen. „Las Higueras?“

Seine Mundwinkel zucken. „Deine Bodega, schon vergessen? Zumindest, was den gegenwärtigen Stand der Dinge betrifft. Ich dachte, ich behalte den Namen: RP Resort Las Higueras – was hältst du davon?“

„Hmm.“ Ich seufze und lege den Kopf schief. Raúl ist mir so nahe, dass sich unsere Oberkörper fast berühren. „Gefällt mir.“

„Das dachte ich mir.“ Er knabbert verführerisch an meinem Ohrläppchen, nimmt meine Hand und zieht mich zu den Sonnenliegen im verglasten Wintergarten, der sich neben dem Pool anschließt. „Leg dich hin.“

Plötzlich ist Raúls Stimme kühl und gebieterisch. Ehe ich weiß, was ich tue, gehorcht mein Körper seinem Befehl. Der Champagner kribbelt noch auf meiner Zunge und ich fühle mich federleicht. Die Liege ist aus schwarzem beheiztem Stein. Ich ziehe das Handtuch ein Stück herunter, bis ich die glatte, warme Oberfläche unter meinen Brüsten fühlen kann.

Mit einem dumpfen Geräusch fällt Raúls Handtuch auf die Dolomitfliesen, dann kniet er sich über mich, ohne sein gesamtes Gewicht auf mich herabzulassen. Seine strammen Oberschenkel umschließen sanft meinen Po. Geschickt zieht er mein Handtuch hervor und wirft es beiseite. Seine Hände gleiten über meinen Rücken. Er muss sie eben eingeölt haben; Ein aufregender Duft nach Vanille erfüllt die Luft. Ich atme tief ein und genieße Raúls geschickte Berührungen, die meinen verspannten Nacken kneten, bis ich zu zerfließen glaube.

„Du machst das wohl öfter“, hauche ich.

Er lacht. „Um genau zu sein, ist die Rollenverteilung meistens andersherum. Aber du sollst wissen, woran du bei mir bist und was ich mit deinem hübschen Stück Land vorhabe, Liana.“

Ich seufze lange. Aus seinem Mund klingt mein Name wie eine Melodie – nicht so abgehackt wie in Deutschland, sondern mehr wie die spanische Langform Aureliana.

Raúls Hände wandern weiter, von den Schultern an meine Seite. Langsam fahren sie über die Rundungen meiner Brüste, die zum Großteil noch vor ihm verborgen sind. Das Gefühl seines nackten Körpers auf meiner bloßen Haut macht mich beinahe verrückt. Seine Erektion presst sich hart gegen mein Hinterteil. Dabei rieselt ein wohliger Schauer meine Wirbelsäule herab und ich kann nicht verhindern, dass mir ein leises Stöhnen entweicht. Raúls Handflächen wandern weiter nach unten, umfassen meine Pobacken und massieren sie kräftig. Schmerz mischt sich in meine Erregung und durchzuckt mich wie helle Blitzschläge während eines Gewitters. Ich drücke Raúl meinen Unterleib entgegen, um mehr von seiner fordernden Männlichkeit zu spüren, aber er schnalzt tadelnd mit der Zunge. „Wir haben alle Zeit der Welt.“

Seufzend gebe ich nach und entspanne jeden Muskel. „Du kannst mit mir machen, was du willst“, raune ich.

Raúl hält in seinen Berührungen inne. „Alles?“, fragt er und ich meine, den Triumph in seiner Stimme zu hören.

„Ja.“

Er packt meine Schultern und dreht mich herum. Zufrieden gleitet sein Blick über meinen nackten Körper. Die festen kleinen Brüste, das schmale Becken und die kupferfarbene Verheißung zwischen meinen langen Beinen – nichts bleibt ihm verborgen. Sein Blick glüht vor Begierde, als er die Lippen auf mich senkt und eine brennende Spur aus Küssen meinen Hals entlanglegt. Er umfasst meine Brüste und knetet sie sanft, bevor er die Brustwarzen zwischen Daumen und Zeigefinger einklemmt. Ich schlinge meine Arme um ihn und drücke seinen erhitzten Körper fester auf mich herunter. Seine Lippen ersetzen seine Finger und schließen sich heiß und feucht um eine meiner Spitzen, die sich ihm hart entgegenreckt. Geschickt umspielt seine Zunge die empfindliche Knospe. Er beißt zärtlich in das rote Fleisch. Der Schmerz schießt direkt in meinen Unterleib und breitet sich aus wie ein loderndes Feuer.

Raúls Mund wandert zu meinem Bauchnabel. Gierige Küsse bedecken jeden Zentimeter. Immer wieder fährt seine Zunge in kreisenden Bahnen die Innenseite meiner Oberschenkel entlang, bis ich vor Verlangen zu zittern beginne. Meine Fingernägel kratzen fordernd über seinen Rücken, aber er schnaubt nur amüsiert, ohne von der Tortur abzulassen. Wie viel Selbstbeherrschung kann ein Mann eigentlich aufbringen?

Endlich streichen seine Hände über meinen Venushügel – sanft, wie ein Windhauch. Ganz langsam werden die Berührungen kräftiger. Er leckt seine Finger ab und teilt meine Lippen. Dann lässt er die Kuppen über meine geschwollene Perle kreisen, die vor Sehnsucht pulsiert. Nicht mal Max hat mich so kunstvoll verführt.

Das ist der letzte klare Gedanke, den ich fassen kann – dann senkt Raúl sein Gesicht zwischen meine Beine. Die Lust überrollt mich mit ungeahnter Kraft. Heiße Wellen der Seligkeit umspülen meinen Körper und drohen mich mitzureißen. Ich drehe und winde mich unter Raúls federleichten Zungenschlägen. Sein Geruch mischt sich in den Duft des Massageöls und hüllt mich ein. Jede Liebkosung bringt mich dem Höhepunkt näher und ich weiß, dass er anders sein wird als alles, was ich bisher erlebt habe. Wenn Raúl nicht bald aufhört – und ich bete, dass das nicht passiert – werde ich meine Lust herausschreien, bis das ganze Hotel weiß, was wir hier treiben. Aber selbst wenn: Alles was zählt, ist dieser Augenblick.

Mein ganzer Körper erschaudert und die Muskeln in meinem Becken spannen sich an, bereit, jeden Moment der süßen Versuchung nachzugeben.

Jetzt steht Raúl auf. Kurz kann ich den Anblick genießen und seine makellosen – und wirklich gut bestückten – Körper bestaunen. Seine Männlichkeit streckt sich mir samtig glatt entgegen wie ein Speer. Die Haut ist nur ein wenig blasser als seine gebräunten Arme und von blauen Adern durchzogen, die vor Erregung hervorgetreten sind.

Er lächelt wissend und geht zu den Regalen an der Wand. Ich bestaune seinen wohlgeformten Hintern und höre das Rascheln von Plastik. Als er sich umdreht, hat er ein Kondom übergestreift.

„Wir wollen doch keinen Fehler machen, den wir beide unser Leben lang bereuen.“ Er zwinkert und ich wälze irgendwo in meinem Hinterkopf den Gedanken, ihm von meiner Spirale zu erzählen, aber dann fällt mir ein, dass es wohl besser so ist.

Mühelos hebt Raúl mich von der Liege. Mein Haar fällt in wilden Strähnen über seinen Arm. Er trägt mich behutsam an den Rand des Beckens und beißt zärtlich in meine Halsbeuge, bevor er mich in das wohlig warme Salzwasser gleiten lässt. Hier kann ich gerade noch stehen – trotzdem sind meine Knie so weich, dass ich mich an seinen starken Schultern festhalten muss.

Ich vergrabe mein Gesicht in Raúls Nacken. Behutsam taste ich nach seiner Erektion, die sich im Wasser zwischen meine Beine drückt. Ich umschließe den Schaft mit einer Hand, erkunde seine Formen mit meinen Fingerspitzen und massiere ihn sanft. Raúl stöhnt auf, stützt mich mit einer Hand unter dem Hintern ab und dreht mit der anderen mein Gesicht zu sich, um mir in die Augen zu sehen, bevor er den Kopf in den Nacken wirft.

Ich beschleunige meine Bewegungen und beobachte, wie seine geschlossenen Lider vor Lust erzittern. Plötzlich pressen sich seine Lippen heiß und hart auf meine. Seine Zunge drängt stürmisch an meine Zähne, bis ich ihr Einlass gewähre. In einer Explosion der Endorphine treffen unsere Münder aufeinander. Er schmeckt herb und noch ein bisschen nach Champagner.

Ich erkunde ihn im funkensprühenden Tanz unserer Zungen. Raúl schiebt mich ein Stück nach oben, bis seine Spitze an meinem Eingang reibt. Ich erschaudere und hebe die Hüften. Sein Schaft gleitet langsam in mich, füllt mich aus und dehnt mich. Mit einem kräftigen Stoß dringt Raúl tiefer in mich. Er berührt meinen Muttermund und Feuer schießt durch meinen Unterleib. Unsere Bewegungen sind fließend. Obwohl uns das Wasser bremst, stößt er immer schneller zu.

Ich umfasse Raúls Gesicht mit beiden Händen. Sein Bart kratzt unter meiner Haut und auf seiner Stirn, die angestrengt in Falten liegt, glänzen Wassertropfen. Er hat die Augen halb geschlossen und gräbt die Zähne in seine Unterlippe. Allein dieser Anblick lässt mich fast den Verstand verlieren. Seine Finger kneten meine Pobacken immer fester, während er sich aus mir herauszieht und umso heftiger wieder zustößt. Flüssiges Feuer fließt durch meinen Körper. Es ist viel zu lange her, dass mich jemand so genommen hat – und ich bin kurz davor, die Beherrschung zu verlieren. Ein tiefes Stöhnen dringt aus Raúls Kehle und gibt mir den Rest.

Die Wogen schaukeln sich hoch und türmen sich zu schwindelerregenden Höhen, bis die Welle über mir bricht. In ekstatischen Zuckungen umschließen meine Muskeln Raúls Stab, massieren und liebkosen ihn frenetisch. Stöhnend lasse ich meiner Lust freien Lauf, dann ringe ich nach Luft. Mein Kopf sinkt mit einem erschöpften Seufzer auf Raúls Schultern.

Er küsst mein Haar und zieht meinen Unterkörper wieder enger an sich heran. Seine Atmung geht hektisch und ich bewege meine Hüften im Rhythmus seiner Erregung. Er stößt noch ein paarmal zu, dann presst er ein tiefes Raunen hervor und hält meinen Hintern reglos an sich gedrückt. Ich spüre, wie er in mir zuckt und spanne jeden Muskel an, um das Letzte aus ihm herauszuholen.

Schließlich nimmt er meinen Kopf, sieht mich an und streichelt mit dem Daumen über meine Stirn, während sein Brustkorb sich hektisch hebt und senkt.

„Konnte ich dich jetzt vielleicht überzeugen?“ Seine Stimme ist heiser und das gierige Funkeln, das immer noch in seinen Augen leuchtet, entgeht mir nicht.

Ich versinke in dem herausfordernden Blick, der das glimmende Feuer in mir wieder neu entfachen will, und begnüge mich mit einem: „Vielleicht.“

II.

Am nächsten Tag erwache ich erst, als die heiße Mittagssonne durch die Fensterfront scheint und meine Nase kitzelt. Ich erinnere mich, dass Raúl gestern Abend nach dem Spa noch hier war. Er hat uns eine üppige Tapasplatte mit Meeresfrüchten, Oliven, Trauben und Manchego bestellt und dazu den halbtrockenen Malvasía-Weißwein, der angeblich das Lieblingsgetränk des lanzarotenischen Künstlers César Manrique gewesen sein soll. Sonst weiß ich nicht mehr viel, aber wir müssen das, was wir im Pool getan haben, noch ein paarmal wiederholt haben, weil ich irgendwann erschöpft und durchströmt von Endorphinen eingeschlafen bin – ohne mich wenigstens dürftig zu bedecken. Das weiße Laken liegt zerwühlt neben dem Bett, mein Kopf ist schwer wie Blei und manche Stellen meines Körpers scheinen ziemlich wund zu sein.

Als ich einen Blick in den Spiegel werfe, erschrecke ich und beschließe, heute nur mit der Sonnenbrille auf die Straße zu gehen. Meine Lippen sind noch gerötet von Raúls fordernden Küssen. Oh Gott, wann habe ich das letzte Mal eine Nacht so durchgemacht?

Ich steige in die Dusche, drehe das Wasser auf und lasse den heißen Strahl hart auf meine Schultern prasseln. Auf was habe ich mich da eingelassen? Noch immer haben Raúl und ich nicht über das Geschäftliche gesprochen.

Dabei habe ich eine Vorstellung davon, was die Bodega wert ist. Im Internet habe ich die Grundstückspreise verglichen und beschlossen, dass ich 50.000 Euro fordern werde. Das würde reichen, um den Leasingvertrag für Max‘ Jaguar abzulösen. Auf jeden Fall bin ich fest entschlossen, mir das Weingut heute endlich persönlich anzusehen. Während ich meinen Gedanken nachhänge, klopft es an der Tür.

Eilig werfe ich ein Handtuch über und öffne. Draußen steht ein Page mit einem großen Frühstückstablett. „Guten Morgen die Dame. Herr Perez lässt ausrichten, dass er Sie um zwölf in der Lobby erwartet.“

Ich nicke und bedanke mich. Raúl hat an alles gedacht: frische Croissants, Obst, Espresso und sogar eine Packung Aspirin. Schmunzelnd werfe ich eine der kleinen weißen Tabletten ein und nehme einen großen Schluck Espresso. Mühsam zwinge ich mich, auch etwas zu essen, bevor ich aufstehe, Unterwäsche und mein Jeanskleid anziehe, und einen letzten Blick in den Spiegel werfe. Kurz überlege ich, etwas Make-up aufzulegen, aber dann kommt mir der Gedanke, dass unser Ausflug wieder im Spa enden könnte.

Vielleicht habe ich es Raúl zu leicht gemacht, denke ich plötzlich. Heute will ich ihn ein bisschen länger quälen. Kurzentschlossen ziehe ich meinen Slip wieder aus und werfe ihn auf das Bett. Dann schnappe ich grinsend mein Handy – es ist schon Viertel vor zwölf – und lasse es in die kleine Umhängetasche gleiten. Ich schiebe mir die Sonnenbrille ins Haar und trete auf den Flur, um mit dem Aufzug nach unten zu fahren.

Tatsächlich ist Raúl schon da: Er steht am Rezeptionstresen und spricht mit einer hübschen Blondine. Seine Hand, die auf ihrer liegt, zieht er hastig zurück, als er mich sieht.

Unwillkürlich macht sich ein eifersüchtiges Ziehen in meiner Brust breit. Aber dann besinne ich mich: Was macht es schon, dass ich nicht die Einzige bin? Ich möchte mit ihm doch ohnehin nur ein paar Tage Spaß haben – und ein gutes Geschäft abschließen.

Jetzt kommt er auf mich zu. Sein Lächeln ist genauso charmant wie gestern, die Haare sitzen perfekt und nur die leichten Schatten unter seinen Augen verraten, dass wir eine lange Nacht hinter uns haben. Er trägt ein elegantes schwarzes Hemd, das er an den Ärmeln aufgerollt hat, und eine helle Chinohose. „Hallo“, sagt er und gibt mir einen Kuss auf die Wange. „Gut geschlafen?“

Ich schnaube und unterdrücke ein verräterisches Grinsen, das sich auf meine Lippen legen will. „Ich weiß nicht, haben wir überhaupt geschlafen?“

Er zieht eine Augenbraue hoch. „Viel zu viel, meine Liebe. Komm, jetzt zeige ich dir, wo das neue Resort entstehen wird – mit Blick auf die Vulkane, einer künstlich angelegten Lagune und ganz im Stil Manriques.“

Ich lege die Stirn in Falten. „Eine Lagune? So weit weg von der Küste? Wieso baust du nicht direkt am Meer und lässt mir meine Bodega?“

Raúl schmunzelt und legt eine Hand um meine Taille, um mich aus der Lobby zu geleiten. „Na ja, zum einen sind die Badeorte an der Küste völlig überfüllt – dem Massentourismus sei Dank. Zum anderen möchte ich etwas Neues, Einzigartiges schaffen. Für Individualurlauber mit einem Faible für Luxus. Ich bin ein Mann mit Visionen, verstehst du?“ Er hält mir die Wagentür auf. „Außerdem: Was willst du überhaupt mit dem staubigen alten Schuppen?“

Ich ziehe die Schultern hoch und werfe ihm einen koketten Blick zu. Vor meinem inneren Auge sehe ich weitläufige Weinberge vor mir, durchbrochen von einem imposanten Gutshaus aus Bruchstein, in das nur durch schmale Ritzen Licht fällt. Mir würde da schon etwas einfallen.

Die Fahrt nach San Bartolomé ist malerisch. Je weiter wir uns vom Resort entfernen, desto urtümlicher wird die Gegend. Drillingsblumen in Purpur und Fuchsia ranken an Mauern aus schwarzem Lavagestein empor, die statt einer Leitplanke die Straßen säumen. Die Hotels weichen allmählich den ein- oder zweistöckigen lokaltypischen Flachbauten aus weißem Kalkputz mit grün angestrichenen Fensterläden. Bald entdecke ich auch diese Häuser nur noch vereinzelt. Stattdessen erstreckt sich vor der Kulisse gewaltiger roter Vulkane eine schwarze Kraterlandschaft entlang der Straße.

Hier wird also der Wein angebaut: Die niedrigen, knorrigen Pflanzen, die sich in die halbkreisförmigen Trockenmauern ducken, erkenne ich sofort. Von der Westsahara bläst kräftig der Passat herüber und lässt die zarten grünen Blätter im Wind erzittern. Wir passieren einen Kreisverkehr, auf dem drei riesige Kamele aus Sandstein thronen, biegen noch einmal ab und fahren ein paar hundert Meter den Berg hinauf, dann sind wir da.

Ich drücke die Beifahrertür auf, bevor Raúl sie für mich öffnen kann. Erst als ich ausgestiegen bin, gibt das unwegsame Gelände den Blick auf die Landschaft frei. Vor mir erhebt sich ein Gebäudekomplex, der von einer Mauer mit schmalen Fensterschlitzen und einem großen Eisentor umschlossen wird. Die gekalkten Wände reflektieren die Strahlen der gleißenden Mittagssonne. Das Ganze wirkt wie die Miniatur einer maurischen Festung. Rund um das Gebäude erstrecken sich schwarze Lavafelder, die nur von grünen Tupfen unterbrochen werden. Unwillkürlich halte ich die Luft an.

Obwohl ich es mir nicht anmerken lasse, klopft mir das Herz bis zum Hals. Mit wackeligen Schritten stolpere ich über den steilen, staubigen Fußweg zum Vorplatz. Raúl bietet mir die Hand und da ich nur Sandalen trage, fasse ich zu, um nicht zu fallen. Entgegen der schwülwarmen Luft liegen seine Finger angenehm kühl in meinen.

Ich ignoriere das sehnsuchtsvolle Kribbeln, das bei dieser Berührung durch meinen Körper strömt, und fokussiere meinen Blick auf die Bodega. Aus der Nähe erkenne ich, dass der Kalk an einigen Stellen bröckelt und das darunterliegende rotbraune Mauerwerk freigibt. In einem Fenster fehlt die Scheibe und die Fensterläden stehen offen, sodass ich den Staub sehen kann, der innen im Licht der einfallenden Sonne zur Decke schwebt.

Trotzdem ist die Haustür, über der in grünen Lettern der Schriftzug Las Higueras prangt, verschlossen.

Raúl legt seine Hände an meine Hüften, während ich in meiner Tasche nach dem Schlüsselbund krame, den Estela mir hinterlassen hat. Meine Finger zittern, als ich die Tür vorsichtig aufdrücke.

Raúl folgt mir. „Wie ich‘s mir gedacht habe: eine Bruchbude.“

Seine Worte dringen kaum zu mir durch, als ich mich umsehe. Das einzige Tageslicht im Raum dringt durch das kaputte Fenster und eine breite, offenstehende Tür, die zu einem überwucherten Innenhof führt. Trotzdem bin ich überwältigt vom Charme des Hauses, das zugegebenermaßen in einem ruinösen Zustand ist. An einer Wand erspähe ich einen alten, wurmstichigen Holztresen, außerdem ein paar einfache Möbelstücke. Es gibt Tisch und Stuhl, ein schmales Bett und eine Kommode. Von den tief liegenden Deckenbalken hängen dichte Spinnweben und in der Ecke stapeln sich staubbedeckte Kisten voller leerer Weinflaschen.

Trotzdem haftet dem Ort etwas ganz Besonderes an. Ich kann nicht genau sagen, was, aber in diesem Moment verstehe ich Estelas Entscheidung. In der Luft liegt ein eigentümlich schwerer Geruch nach Fichtenholz und süffigem Rotwein, der so einnehmend ist, das er mir beinahe stechend ins Gesicht schlägt.

Ich werfe einen Blick in den Innenhof. Hier stehen die namensgebenden Feigenbäume. Noch sind die Früchte nicht reif. Ich nehme eines der grobzackigen Blätter zwischen Daumen und Zeigefinger. Es fühlt sich pelzig an. Neben den Spätfeigen wachsen buschige Agaven, deren gelb blühende Stängel mannshoch in den Himmel ragen. Es ist beinahe windstill, eine angenehme Abwechslung im Vergleich zu der kräftigen Brise, die mich am Flughafen begrüßt hat.

Um den Hof windet sich ein Säulengang, der auf der einen Seite zu einem Holzschuppen führt und auf der anderen an einem grün angestrichenen Eisentor endet.

„Was ist hier drüben?“ Ich deute auf das Tor.

Raúl zuckt mit den Schultern. „Da müsste es bloß zu den Weinfeldern gehen. Das andere sind Lagerräume, Stallgebäude und so weiter.“

Ich nicke und sehe mir das Tor genauer an, das früher recht eindrucksvoll gewesen sein muss. Das Eisen ist mit gedrechselten Holzstäben verziert, die wie kleine Speere angespitzt in die Höhe ragen. Auch sie sind grün lackiert, aber die Farbe blättert großzügig ab.

Vorsichtig drücke ich das angelehnte Tor auf und halte die Luft an: Vor mir erstreckt sich ein endloses Feld aus schwarzem Lavagestein. Überall sind Mulden in den Boden gegraben und mit halbkreisförmigen Mauern aus unregelmäßigen Felsbrocken umschlossen worden, um den zarten Reben Schutz vor Wind und Sonne zu bieten. Die niedrigen Weinstöcke hängen voller reifer Trauben.

Raúls Lederschuhe knirschen hinter mir auf dem Basaltsplitt. „Es müsste auch einen Weinkeller geben – die Katakomben sozusagen“, scherzt er.

Wir gehen zurück zu den Nebengebäuden, vorbei an großen, aus Brettern gezimmerten Bottichen, die vielleicht einmal zum Traubenpressen genutzt worden sind. Unsere Schritte wirbeln in der Mittagshitze dichte Staubwolken auf.

„Wird das Gut noch bewirtschaftet?“, frage ich.

Raúl schüttelt abfällig den Kopf und hält mir die Tür auf. „Ach was. Für den Weinbau ist das Land doch sowieso nicht geeignet. Es regnet hier so gut wie nie. Was für einen Ertrag kann man ohne Bewässerungsanlagen erwarten? Sicher nicht genug, um davon zu leben.“

Raúl führt mich in ein niedriges Gebäude, in dem es süffig nach vergorenen Trauben duftet. Wir gehen über eine Empore aus Metallstreben. Von hier aus kann ich in die riesigen, mit Keramik ausgegossenen Weintanks unter uns blicken.

„Wie du siehst, gibt es hier nicht viel. Die Gerätschaften sehen ziemlich veraltet aus und ehrlich gesagt ist wohl das meiste davon Schrott.“

Mein Herz sinkt bei diesen Worten ein Stück tiefer.

Raúl legt mir eine Hand auf die Schulter, als wir die Treppe heruntergehen.

„Aber mach dir keine Sorgen – ich werde natürlich die Entsorgung übernehmen. Nicht, dass du dir deine hübschen Finger dabei schmutzig machst …“ Er küsst sich zärtlich über meinen Hals bis zu meinem Ohrläppchen.

Ich versuche hilflos, die Gänsehaut, die sich über meinen Nacken ausbreiten will, zu ignorieren. Der Gedanke, die Bodega zu entrümpeln und so viele Erinnerungen einfach wegzuwerfen – Zeugen des harten Lebens, das meine Vorgänger hier geführt haben müssen, sorgt dafür, dass sich mein Magen verkrampft. Estela konnte überhaupt nichts wegwerfen, sie hat sich nur selten von einem Gegenstand getrennt, an dem Erinnerungen hingen. Selbst mein erstes Paar Babysöckchen hatte sie aufgehoben – Falls du sie mal brauchst, hatte sie zwinkernd gesagt. Aber das hat sich jetzt – und vielleicht auch für immer – erledigt.

Raúl scheint meine Anspannung nicht zu bemerken. Seine Finger wandern weiter, unter den Ausschnitt meines Jeanskleides. „Ich kann verstehen, dass dir das Loslassen schwerfällt. Du hast ja gesagt, dass du das Gut von deiner Oma geerbt hast – Emanuela, richtig?“

Ich korrigiere ihn nicht.

„Aber vielleicht würde es dir mit einem würdigen Abschied leichterfallen.“ Er senkt seine Stimme zu einem Flüstern: „Ich könnte dafür sorgen, dass du nur gute Erinnerungen mit diesem Ort verbindest. Ich könnte dich den Dreck und den Verfall vergessen lassen.“

Raúls Finger umschließen kühl meine Brüste. Bevor ich einen klaren Gedanken fassen kann, schiebt er die andere Hand unter mein Kleid, wo sie direkt auf meine bloße, hitzige Haut trifft. Er seufzt genießerisch. „Mhh, böses Mädchen.“

Ich ziehe einen Mundwinkel hoch und unterdrücke ein Stöhnen, als seine Finger die Feuchtigkeit zwischen meinen Schenkeln verteilen. Fast bin ich versucht, mich ihm hier und jetzt hinzugeben. Er schiebt langsam zwei Finger in mich und stimuliert genau den richtigen Punkt. Eine heiße Welle der Erregung flutet meinen Unterleib.

Ich zwänge die Augen auf und drücke mich entschlossen von ihm weg. Fragend sucht er meinen Blick. Seine Augen sind düster und fast ein wenig bedrohlich, seine Lippen stehen offen und glänzen vor Verlangen.

Aber ich will die Kontrolle nicht abgeben – diesmal nicht. Er soll mich nicht für schwach und naiv halten und mich dann, wenn es ums Geschäft geht, über den Tisch ziehen. Das ist mein Gut und ich mache jetzt die Regeln. Wenn wir nachher verhandeln, sollen seine Sinne so benebelt sein, dass er mir jeden Wunsch erfüllt. Vielleicht kann ich ihn dann sogar zu einer Klausel überreden, die ihn dazu verpflichtet, einen Teil der Weinberge intakt zu lassen, anstatt alles mit importierten Pflanzen und Bewässerungsschläuchen zu zerstückeln. Es wäre wirklich schade um diese einmalige Landschaft.

Ich stemme meine Hände gegen Raúls Brustkorb und drücke ihn von mir, bis er nicht weiter zurück kann, weil er an der Kalksteinmauer steht. Langsam gleite ich an seinem Körper herunter, fahre mit den Händen über die gestählten Muskeln und nehme Raúls erdigen Geruch in mich auf. Die Mischung aus seinem Parfum, Schweiß und Testosteron zeigt mir, dass er weiß, was jetzt kommt. Seine Erektion zeichnet sich deutlich unter dem Twill seiner Hose ab und als ich den Reißverschluss aufziehe, drückt sie sich mir erwartungsvoll in den engen Retroshorts entgegen. Behutsam ziehe ich den schwarzen Stoff herunter und grabe meine Hände in seine festen Pobacken. Der süßliche Geruch der Erregung steigt mir in die Nase. Ich seufze und bedecke seinen Bauch mit Küssen. Die Haut ist samtweich, im Gegensatz zu den Muskeln darunter.

Raúl legt eine Hand auf mein Haar und drückt mich sanft weiter herunter, bis meine Nase seine pralle Spitze berührt. Ich schließe die Augen und lecke langsam einen Tropfen von der Eichel, der wie Honig an meinem Gaumen klebt. Raúls Atemzüge werden schneller. Ich spüre, wie sein Körper vibriert. Geschickt umspielen meine Lippen den geschwollenen Kopf, während eine Hand seinen Schaft fest umschlossen hat und die andere seine Hoden krault. Gierig stößt er sich mir entgegen, aber ich weiche zurück und quäle ihn, bis ich die Spannung, die zwischen meinen eigenen Beinen pulsiert, kaum noch ertrage. Millimeter für Millimeter lasse ich die bläuliche Spitze in den Mund gleiten und schließe meine feuchten Lippen zärtlich um Raúls Erektion. Sie füllt mich bis zum Anschlag aus und ich schlucke, um meinen Rachen zu entspannen. Raúl stöhnt tief. Seine Finger krallen sich fest in mein Haar und geben den Rhythmus vor, in dem er sich in mich stößt. Allmählich werden die Bewegungen schneller. Ich genieße das Zittern seines Körpers und die hektischen Atemzüge, die die Stille durchdringen. Endlich verliert er die Beherrschung. Frenetisch stößt er sich in mich, zerrt an meinen Haaren und schiebt mir stöhnend sein Becken entgegen.

In diesem Moment höre ich hinter mir Schritte. Augenblicklich erstarre ich. Ist es möglich, dass wir nicht allein sind? Es war doch niemand zu sehen gewesen!

Mein Hals verkrampft sich schmerzhaft und mein Herz hämmert wild gegen meinen Brustkorb. Ich will den Kopf zurückziehen und hebe die Hände, um Raúl zu bedeuten, dass er aufhören soll. Ich sehe zu ihm hoch, aber sein Gesicht ist vor Lust verzerrt. Die Augenbrauen sind zusammengezogen und sein Kiefer spannt sich an. Hektisch packt Raúl meinen Kopf und zieht mich an sich heran. Sein Schaft gleitet noch tiefer und die Spitze stößt hart gegen meinen Rachen. Einmal, zweimal. Dann ergießt er sich zitternd in meine Mundhöhle. Salzig und heiß läuft mir sein Saft die Kehle hinunter. Ich schlucke und verharre, bis die dunklen Laute seiner Lust verstummen. Dann drehe ich mich verschämt weg, wische mir mit dem Unterarm über den Mund, rücke hastig mein Kleid zurecht und sehe mich um.

Ängstlich wandert mein Blick durch den Raum, aber hier ist niemand. Ich wende mich wieder zu Raúl, der die Augen noch immer geschlossen hat. Ein selbstzufriedenes Lächeln liegt auf seinen Lippen. Da räuspert sich jemand.

Ich fahre herum und sehe zur Empore. Da oben steht ein Mann, die Ellenbogen auf das Geländer gestützt. Er ist groß und schlank, sein kurzärmeliges, halbherzig zugeknöpftes Hemd gibt den Blick auf eine behaarte Brust frei, auf der ein zierliches Goldkettchen glänzt. Seine Haut ist so dunkel gebräunt, dass er die Farbe zweifellos nicht beim Sonnenbaden, sondern bei harter körperlicher Arbeit bekommen haben muss. Unter dem wirren schwarzen Pony sieht ein skeptisches dunkelbraunes Augenpaar hervor. Seine Lippen hingegen biegen sich zu einem amüsierten Lächeln und kerben feine Grübchen in seine Wangen. Über die Stirn zieht sich ein brauner Streifen, der nach Erde aussieht.

Erst als er langsam den Kopf schüttelt, wird mir bewusst, wie perplex ich zu dem Fremden hochgestarrt habe.

„Seid ihr jetzt fertig?“, fragt er auf Englisch – wahrscheinlich sieht er mir an, dass ich eine Touristin bin. Der Fremde stützt die Hand auf das Kinn und zieht die Augenbrauen hoch.

Macht er sich etwas über mich lustig? Wut steigt heiß in meinem Bauch auf und spült das letzte bisschen Erregung fort. Was ist eben passiert? Ich fühle mich schmutzig und benutzt.

Raúl hat seine Hose geschlossen und tritt vor. „Was wir hier tun, geht Sie gar nichts an.“

Der andere stößt ein höhnisches Lachen aus. „Das denke ich aber schon. Ich könnte Sie anzeigen, wissen Sie. Wegen Hausfriedensbruch. Das hier ist meine Bodega, ich wohne hier.“

„Wie bitte?“ Meine Kinnlade klappt herunter und in die Scham mischt sich Empörung. „Es ist meine Bodega. Was glauben Sie denn …“

Raúl legt beschwichtigend eine Hand auf meine Schulter. „Ist schon gut. Sie sind der Pächter?“ Er sieht zu dem Fremden auf.

Der nickt. „Volltreffer.“

Plötzlich dreht sich alles. Ich stützte mich an der Wand ab, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. „Der Pächter? Raúl, ich dachte, das Gut wird nicht mehr bewirtschaftet.“

Bevor ich eine Antwort bekomme, wendet der Mann ein: „Sie dachten falsch. Wenn Sie jetzt bitte gehen würden, um ihr … Schäferstündchen woanders fortzusetzen?“

Das Blut schießt mir ins Gesicht. „Erstens ist das kein Schäferstündchen und zweitens habe ich die Bodega von meiner Großmutter, Estela Gonzalez, geerbt und kann hier tun und lassen, was ich will.“

Beim Namen meiner Oma wird sein Gesichtsausdruck ernst. „Meinetwegen: Tun Sie, was Sie nicht lassen können.“

Ohne ein weiteres Wort wendet er sich zum Gehen und lässt mich wieder mit Raúl allein.

Fassungslos sehe ich in sein unbekümmertes Gesicht. „Du hast mich angelogen!“

Er seufzt schwer und massiert mit zwei Fingern die Haut zwischen seinen Augenbrauen. „Ach komm, diesen Eigenbrötler kannst du doch nicht ernstnehmen …“

Ich stemme die Arme in die Hüften. „Er hat einen Pachtvertrag! Wie soll das gehen, wenn du hier alles abreißen lässt? Sitzt er dann vielleicht auf der Straße?“

Raúl knirscht mit den Zähnen. „Ich habe ihn schneller hier rausgeklagt, als du überhaupt den Kaufvertrag unterschreiben kannst. Glaub mir, ich kenne die richtigen Leute.“

Ich schüttele stumm den Kopf.

Er nimmt meine Hand und will mich zu sich ziehen. „Komm schon, wir hatten doch hier viel Spaß, oder nicht? Lass uns beim Mittagessen drüber reden. Ich kenne das beste Fischrestaurant der ganzen Insel.“

Allmählich überkommt mich das Gefühl, einen großen Fehler gemacht zu haben. Ich ziehe meine Hand zurück und verschränke die Arme. „Ich möchte jetzt erst mal meine Ferienwohnung beziehen. Bringst du mich bitte noch zum Hotel zurück, damit ich meine Sachen holen kann?“

Mürrisch kommt Raúl meiner Bitte nach. Die ganze Autofahrt lang versucht er vergeblich, die Stimmung zu retten. „Was willst du denn alleine in der kleinen Wohnung? Du kannst so lange in der Suite bleiben, wie du möchtest – aufs Haus natürlich.“

Ich starre stur auf die staubige Landstraße.

„Bitte, Liana. Ich habe ja selbst bis vor kurzem nicht geahnt, dass in dem Gemäuer tatsächlich noch jemand wohnt – oder was auch immer er da treibt. Weißt du was? Ich verdoppele mein Angebot: Eigentlich wollte ich dir 30.000 Euro anbieten und das ist schon zu viel für die Bruchbude. Aber anscheinend hängst du ja daran und ich bin kein Unmensch – ich gebe dir 60.000, wenn wir noch heute zu meinem Notar nach Arrecife fahren. Einen Vertragsentwurf habe ich bereits aufsetzen lassen.“

Ein dicker Kloß sitzt in meinem Hals. Glaubt er etwa, jedes Problem lässt sich mit Geld lösen?

Obwohl mich Raúls Großspurigkeit plötzlich anwidert, kann ich nicht verhindern, dass sich meine Gedanken überschlagen. So viel Geld habe ich noch nie besessen. Die Sorgen wegen des Leasingvertrags, der noch auf meinen Namen läuft, wären passé. Und ich hätte sogar noch etwas übrig, um die neue kahle Singlewohnung, in die ich nach der Trennung gezogen bin, zu renovieren. Ich könnte endlich meinen Fiat in die Werkstatt und durch den TÜV bringen und vielleicht meinen Eltern die langersehnte Kreuzfahrt schenken, die sie mehr als verdient haben.

Trotzdem: Das Gesicht des Fremden will mir nicht mehr aus dem Kopf. Er sah nicht aus wie jemand, der halbe Sachen macht. Was, wenn ich ihm damit alles wegnehme? Den Job, das Zuhause, wie dürftig es auch sein mag.

Entschlossen beiße ich die Zähne zusammen. „Danke für dein Angebot, Raúl. Ich weiß zu schätzen, was du für mich getan hast. Aber ich brauche Zeit zum Nachdenken, ich muss eine Nacht darüber schlafen, verstehst du?“

Er gibt sich keine Mühe, sein Unverständnis zu verhehlen. Ungeduldig trommelt er mit den Fingern auf das Lenkrad. „Von mir aus, tu das. Ich rufe dich morgen an.“

Als wir am Hotel ankommen, fügt er hinzu: „Liana, mein Angebot steht nicht ewig. Und du solltest inzwischen wissen, dass ich immer einen Weg finde, um zu bekommen, was ich will. Also überleg dir deine Entscheidung gut.“

Er gibt mir einen frechen Klaps auf den Hintern, als ich aussteige, lässt den Motor aufheulen und wendet auf dem Vorplatz.

Ich eile die Stufen zur Lobby hinauf und in den Aufzug, ohne mich noch einmal umzusehen. Mein Kopf dröhnt von der brennenden Mittagssonne und meine Gedanken kreisen unaufhörlich, ohne dass ich zu einem Entschluss kommen könnte. Als ich meine Sachen zusammengepackt habe und den kleinen Koffer an der Rezeption vorbeiziehe, fällt mein Blick auf einen Ständer mit Prospekten. Auf die überfüllten Touristenattraktionen habe ich jetzt keine Lust, trotzdem liegt der halbe Tag noch vor mir und es wäre wohl an der Zeit, etwas mehr von der Insel zu sehen als dieses protzige Luxushotel, das genauso in jedem anderen Land der Welt stehen könnte.

Auf einem Flyer ist ein Gebäudekomplex zu sehen, der mich an Las Higueras erinnert – nur ohne den bröckelnden Putz und die Risse im Mauerwerk. Ich ziehe ihn aus dem Ständer und lese: La Pantera – Besuchen Sie unser Weinmuseum und erleben Sie die 250-jährige Geschichte des Weinbaus auf Lanzarote. Tägliche Führungen durch das Gut und die Weinberge.

Ich seufze und beschließe, einen Abstecher dorthin zu unternehmen, nachdem ich meine Wohnung bezogen habe. Vielleicht hat Raúl ja recht und die Bodega meiner Oma hat ohnehin keine Zukunft, weil es Konkurrenz gibt, die mit der Zeit gegangen ist. In dem Prospekt entdecke ich Bilder einer stylischen Bar – es gibt sogar ein kleines Restaurant. Das Hauptgeschäft scheint heutzutage nicht mehr mit den edlen Tropfen gemacht zu werden, die man dem kargen Land nur in schweißtreibender Handarbeit abringen kann, sondern mit den Touristen. Natürlich. Wie naiv von mir, überhaupt zu glauben, dass das alte Weingut zukunftsfähig wäre. Was hatte Raúl gesagt? Kein fließendes Wasser und kein Strom. Und trotzdem scheint der junge Mann, dessen Namen ich nicht mal kenne, dort zu leben. Ich seufze. Nach all dem überflüssigen Luxus der letzten Tage, der in mir nichts als ein Gefühl der Leere zurückgelassen hat, sehne ich mich beinahe nach dem einfachen Leben.

III.

Glücklicherweise ist meine Vermieterin eine freundliche ältere Dame, die kein vorwurfsvolles Wort darüber verliert, dass ich einen Tag verspätet anreise. „Es tut mir wirklich leid“, entschuldige ich mich. „Ich hatte noch etwas Geschäftliches zu erledigen – und natürlich bezahle ich die Nacht trotzdem.“

Sie streicht ihre Schürze glatt, schüttelt den Kopf und macht eine wegwerfende Handbewegung. „Kommen Sie erst mal an.“, erwidert sie in gebrochenem Englisch, „Machen Sie es sich gemütlich und fühlen Sie sich ganz wie zu Hause.“

Ich nicke und bedanke mich überschwänglich.

„Was haben Sie da?“ Sie deutet auf meinen Prospekt, den ich im Taxi ausführlich studiert habe und immer noch in der Hand halte. „Ah, La Pantera – wunderschön. Waren Sie schon da?“

Ich schüttele den Kopf. „Nein, aber ich wollte es mir heute ansehen.“

Meine Vermieterin lächelt. „Machen Sie das – es ist das schönste Weingut auf der Insel. Und bezahlen Sie bloß nicht mehr als zehn Euro für ein Taxi, das ist Wucher.“

Ich bedanke mich, beobachte, wie die Tür hinter ihr zufällt, und mache mich im Bad ein wenig frisch. Mein Magen knurrt und ich bin froh, dass ich gleich ein Taxi finde – es steht gerade an der Tankstelle gegenüber.

Tatsächlich fährt mich der Fahrer für zehn Euro zähneknirschend zu La Pantera. Schon von weitem erkenne ich, dass der Komplex mindestens doppelt so groß ist wie mein bescheidenes Feigenhainchen. Eine breite, asphaltierte Straße führt zu dem Gut hinauf. Als wir das kunstvolle Eisentor passieren, erhasche ich einen Blick auf den liebevoll gestalteten Vorplatz: Von Opuntien gesäumte Bänke laden zum Verweilen ein, Aloepflanzen in rustikalen Holzkübeln verleihen dem Platz frische grüne Farbtupfer. Sogar ein kleiner Springbrunnen plätschert vor dem verglasten Eingang zum Museum fröhlich vor sich hin. Hier hängt auch ein Schild, das zur Bar weist.

Ich bezahle mein Taxi und beschließe, vor dem Rundgang meinen knurrenden Magen zu beruhigen. Der Eingangsbereich ist als moderner Souvenir- und Ticketshop gestaltet. Es gibt handgemachte Kosmetik aus der Aloe Vera und Badesalz mit Weinextrakt. Ich kaufe eine überteuerte Eintrittskarte und trete durch einen Torbogen in einen schattigen Innenhof hinaus, der von grün gestrichenen, filigranen Holzbalkonen umrahmt wird. Überall stehen alte Weinfässer, die den Besuchern als Stehtische dienen. Darüber sind breite Sonnenschirme aufgespannt, die nur wenig der prallen Mittagssonne durchlassen.

In der Ecke ist eine Bar aus schwarzem Lavastein gemauert. Weingläser hängen verkehrt herum von einem Regal an der Wand und ein gutaussehender Barkeeper im weißen Hemd ist gerade dabei, eine Weinflasche zu entkorken. Er nickt mir freundlich zu.

„Was darf es sein?“

Ich werfe einen Blick auf die Karte, die er mir reicht.

„Ich kann Ihnen heute den Rosado de Lágrima empfehlen – er wird ausschließlich aus Blütenmost hergestellt und hat ein besonders zartes Aroma.“

Ich nicke, obwohl ich mich dunkel erinnere, dass las lágrimas auf Spanisch die Tränen sind. Dann bestelle ich noch einen kleinen Tapas-Teller mit Baguette, Jamón und eingelegte Oliven dazu und suche mir einen Stehtisch. Ein kleiner, laminierter Zettel, der auf dem Weinfass klebt, weckt mein Interesse. Da steht: Aushilfe für Bar und Museum gesucht. Kenntnisse über den Weinbau erwünscht. Bitte melden Sie sich an der Bar.

Ich halte inne und stütze nachdenklich das Kinn auf die Hände. Vielleicht kann ich doch noch etwas für den Pächter meiner Bodega tun.

Ich hebe die Hand, als der Kellner meine Bestellung bringt. „Entschuldigen Sie, ist die Stelle noch zu besetzen?“

Er zieht lächelnd die Augenbrauen hoch. „Ja – interessieren Sie sich dafür?“

Ich schüttele den Kopf. „Nein, aber ich kenne vielleicht jemanden. Er kennt sich mit dem Weinbau bestens aus.“

„Wunderbar“, meint der Kellner. „Schicken Sie ihn her.“

Ich nicke und genieße zufrieden die zartrosafarbenen Tränen der Weinberge und meine Tapas. Selbst der folgende Rundgang, bei dem ich die modernsten Produktionsräume bestaunen kann, schafft es nicht, meine Laune allzu sehr zu trüben.

 

Nach einer kleinen Siesta mache ich mich auf den Weg zur Bodega. Mit etwas Glück kann ich in Ruhe mit dem Pächter reden und noch heute Abend Raúl anrufen, um zuzusagen. Zwar ist da immer noch diese leise Stimme in meinem Hinterkopf, die mich zweifeln lässt, ob das wirklich die richtige Entscheidung ist – aber welche Wahl habe ich schon?

Als ich aus dem Taxi steige, geht die Sonne bereits unter. Mühsam erklimme ich die letzten Meter bis zur Bodega. Vor der Tür fällt mir ein, dass ich wohl anklopfen sollte, also poche ich mit den Knöcheln zaghaft gegen das verwitterte Holz.

Nichts geschieht.

Ich versuche es noch einmal kräftiger. „Hallo?“, rufe ich, aber nur der auffrischende Abendwind rauscht durch die Stille. Probeweise drehe ich den Messingknauf herum und tatsächlich: Es ist offen.

Ich trete ein und sehe mich im Halbdunkeln um. Außer mir scheint niemand hier zu sein. Jetzt, wo ich die Gelegenheit habe, den Raum genauer zu inspizieren, fällt mir auf, dass sich neben dem feinsäuberlich gemachten Bett einige Bücher in Weinkisten stapeln. In der Ecke steht eine schwere Holztruhe, in der sich wahrscheinlich noch mehr Habseligkeiten befinden. Kann man hier wirklich wohnen? Im Winter muss es ziemlich kalt werden, denn schon jetzt zieht der Wind durch das kaputte Fenster, das notdürftig von den klapprigen Läden verschlossen wird.

Ich lasse mich auf die Bettkante sinken und hebe eine Weinflasche an, die neben den Büchern steht. Laut des vergilbten Etiketts heißt die Sorte Tinto Listán Negro, ein Rotwein also. Sogar ein Glas steht daneben. Sicher hat der Pächter nichts dagegen, wenn ich einen Schluck probiere. Ich seufze tief, öffne den Schraubverschluss und schenke mir ein. Dann lasse ich den Blick durch das trostlose Zimmer schweifen, ohne wirklich hinzusehen. Meine Gedanken wandern zu den letzten Besuchen bei Estela im Pflegeheim – sie hatte mich nicht mehr erkannt. Schließlich reise ich noch weiter zurück, bis ich wieder acht oder neun bin und im verwunschenen Garten meiner Oma spiele. Es ist Erntezeit und von der Streuobstwiese steigt der Geruch von vergorenen Äpfeln in meine Nase.

Ich erinnere mich noch an Omas gedeckten Apfelkuchen, an die Marmeladen und das Kompott. Ja, vielleicht hätte ich ahnen können, dass sie auch vor dem Weinkeltern nicht zurückschrecken würde.

Und während ich mich noch dieser absurden Vorstellung hingebe – es ist fast, als säße Estela neben mir auf dem Bett –, blitzt plötzlich eine Erinnerung auf, die lange verschüttet gewesen sein muss. „Lianita“, höre ich sie sagen, „weißt du, was Heimat bedeutet? Das ist mehr als nur ein Zuhause. Es ist der Ort, an dem dein Herz Wurzeln geschlagen hat. Irgendwann, pequeñita, kehre ich in die Heimat zurück.“

Gänsehaut breitet sich auf meinen nackten Armen aus. Mein Glas ist leer. Ich schenke mir nach und mit einem Mal verstehe ich, warum dieses baufällige Gebäude, die Weinkeller und das karge Weinland so viel mehr wert sind als 60.000 Euro. Warum sie in Wirklichkeit für jemanden unbezahlbar sind.

IV.

Wieder einmal erwache ich mit höllischen Kopfschmerzen, aber diesmal lässt mir kein Gentleman eine Packung Aspirin bringen. Ich blinzele mit schweren Lidern und drücke mich von der Matratze hoch. Morgenlicht fällt durch den verzogenen Türspalt. Verdammter Mist! Habe ich etwa hier übernachtet? In einer fremden Wohnung? Jetzt bemerke ich, dass ich zugedeckt bin und meine Sandalen feinsäuberlich vor dem Bett stehen – so, als würde ich tatsächlich hier wohnen. Ich kann mich aber nicht erinnern, meine Schuhe ausgezogen zu haben und bei meiner momentanen Verfassung ist es unwahrscheinlich, dass ich noch dazu in der Lage gewesen sein soll.

Die Erinnerung kommt allmählich zurück und ich bemerke, dass die leere Weinflasche nicht mehr neben dem Bett steht. Auch mein Glas ist nicht zu sehen – jemand muss hier gewesen sein. Bei dieser Erkenntnis springe ich mit einem Satz auf. Erleichtert stelle ich fest, dass ich noch mein Jeanskleid trage. Mein Zopf ist aufgegangen und ich versuche vergeblich, die Locken mit den Fingern zu entwirren. Oh Mann! Ein Schauer rieselt durch meinen Körper. Als ob es nicht genügen würde, dass mich dieser Winzer gestern in der unmöglichsten Lage gesehen hat – und wer weiß, wie lange er dort gestanden und mich mit Raúl beobachtet hat. Als wäre es nicht genug, dass der Fremde tiefe braune Augen hatte und ein Lächeln, das meine Knie butterweich hat werden lassen – nein, jetzt habe ich auch noch völlig unverfroren in seinem Bett geschlafen. Wo hat er denn dann übernachtet? Es wäre wirklich an der Zeit für eine aufrichtige Entschuldigung.

Als ich aus dem Haus trete, höre ich in einiger Entfernung das leise Plätschern von Wasser. Gibt es vielleicht doch ein Badezimmer? Ich möchte ungern so zerzaust in die Stadt zurückfahren.

Mit vorsichtigen Schritten umrunde ich das Gut und folge den Geräuschen. Auf der Rückseite des Gebäudes, wo ein schmaler Arkadengang um den Innenhof verläuft, wird das Plätschern lauter. Ich folge dem Weg bis zu einer Mauer an der Ecke. Das Mauerwerk bröckelt und an einer Stelle fehlt ein Stein, sodass man hindurchsehen kann. Davor stapeln sich alte Weinkisten zu wackeligen Türmen. Ich trete näher, knie mich auf eine der Kisten und spähe durch den Spalt.

Im selben Moment trifft mich der Schlag: Hier, im Freien, am frühen und noch kühlen Morgen, steht der namenlose Winzer unter einem Duschsack und fährt sich mit einem kleinen Stück Seife über den splitternackten Körper. Natürlich! Er wohnt ja hier. Und das anscheinend wirklich ohne die Annehmlichkeiten des modernen Lebens, ganz wie ein Einsiedler.

Obwohl ich weiß, dass es sich nicht gehört, kann ich meinen Blick nicht abwenden. Fasziniert folge ich seinen Bewegungen, die routiniert über den sonnengebräunten Körper gleiten. Um den Hals, der von dunklen Bartstoppeln übersät ist, trägt er noch das schmale goldene Kettchen mit dem runden Anhänger. Die breiten Schultern sind mit weißem Seifenschaum bedeckt, ebenso die Haare auf seiner Brust, die sich bis fast zum Bauchnabel ziehen. Seine kräftigen Oberschenkel glänzen nass, als das Wasser an ihnen herunterläuft und auf seine Füße prasselt. Sein Körper ist schlank und von der Arbeit im Weinberg geformt – er ist kein Bodybuilder wie Raúl, sondern hart und sehnig wie ein Ausdauerläufer.

Mein interessierter Blick wird unaufhaltsam von dem verlockenden Geheimnis zwischen seinen Beinen angezogen. Dunkles, krauses Haar umschmiegt sein bestes Stück, das zu dieser Morgenstunde nicht gerade klein unter einem Schaumberg in die Höhe ragt. Ich ertappe mich bei der Feststellung, dass ein rauer, ursprünglicher Zauber von diesem Körper ausgeht. In Gedanken nehme ich dem Fremden die Seife ab und mache alle möglichen Dinge mit ihm, die nicht gerade dazu beitragen, dass wir sauberer werden – im Gegenteil.

Ich seufze und schüttele den Kopf, um mich zur Besinnung zu rufen. Was tue ich hier? Ich wollte mich entschuldigen. Jetzt greift er nach etwas, das auf der Mauer liegt – es scheint ein Rasiermesser zu sein – und setzt es an seine Kehle. Der Stahl gleitet geschmeidig und routiniert über den gebräunten Hals und den markanten Adamsapfel, bis auch das letzte Barthaar entfernt ist. Er ist wohl Perfektionist. Ich muss mich wirklich von diesem Anblick losreißen, wie erregend er auch sein mag.

Gerade als ich mich umdrehen will, um zurückzuschleichen und so schnell wie möglich zu verschwinden, legt der Winzer das Messer weg und fasst in sich in den Schritt. Die großen, von Adern durchzogenen Hände umfassen seine Männlichkeit, fahren am Schaft entlang und ziehen langsam die Vorhaut zurück, bis die Spitze prall in der Sonne glänzt.

Mein Mund wird trocken. Ich schlucke, aber vergeblich. Die Feuchtigkeit in meinem Körper scheint an andere Stellen zu wandern. Ich bin unfähig, den Blick abzuwenden, so sehr ich es auch versuche. Seine Bewegungen werden schneller und mit der anderen Hand massiert er jetzt die festen Hoden. Ich beobachte sein Gesicht: Die Augen sind geschlossen, der Mund ist entspannt. Er legt den Kopf in den Nacken und atmet tief ein, um die Luft dann in einem Seufzer wieder auszustoßen. Seine Finger bewegen sich hastig und trotzdem wirken die Berührungen sanft.

Inzwischen ist seine Erektion beachtlich angeschwollen und streckt sich lang und glatt in den Himmel. Ich weiß nicht, ob ich jemals einen so schönen Mann gesehen habe. Wie gebannt starre ich hin und traue mich nicht einmal zu blinzeln, um nichts zu verpassen. Meine Brustwarzen sind hart geworden und reiben unangenehm an der Spitze meines BHs, was mich nur noch mehr erregt. Mit aller Mühe versuche ich, flach und leise zu atmen, um nicht entdeckt zu werden – dabei würde ich am liebsten die Hand unter mein Kleid schieben und meiner Fantasie freien Lauf lassen.

Der Fremde stößt einen unterdrückten, kehligen Laut aus. Fasziniert beobachte ich, wie seine Stirn sich in Falten legt. Sein Kiefer ist angespannt und die Zähne knirschen übereinander. Ich sehe, dass sein Brustkorb zittert und seine Augäpfel sich unter den geschlossenen Lidern verdrehen. Im nächsten Moment zuckt er zusammen, sein Oberkörper sackt ein Stück nach vorn und all die Anspannung scheint sich augenblicklich zu entladen. Der weiße Saft quillt dickflüssig aus der geschwollenen Spitze. Sein harter Körper gibt nach und bewegt sich mit den Wellen des Höhepunkts wie ein Grashalm im Wind, während ein langgezogenes Stöhnen aus seinem Hals dringt, das etwas höher ist als die tiefe, samtige Stimme, mit der er mich noch am Nachmittag verspottet hat. Seine Lust greift auf mich über. Mir wird schwindelig, meine Hände sind eiskalt und ich zittere am ganzen Körper.

Der Winzer dreht den Duschsack zu – es wird höchste Zeit, zu gehen. Als ich mit wackeligen Beinen aufstehen will, stoße gegen eine der aufgestapelten Weinkisten. Sie scheppert mit einem lauten Krachen zu Boden. Mein Herz setzt aus. So schnell ich kann, raffe ich mich hoch und eile auf Zehenspitzen den Gang entlang. Aber zu spät: Hinter mir ertönen langsame Schritte auf dem gepflasterten Arkadengang.

Ich bleibe stehen, atme einmal tief durch, in der Hoffnung, die Hitze aus meinem Gesicht zu vertreiben, und drehe mich um.

Der Fremde starrt mich aus finsteren Augen an. Er hat sich ein Handtuch um die Hüften gebunden und das Wasser tropft von seinen schwarzen Haaren.

„Was machen Sie hier?“ Seine Stimme klingt forsch, aber nicht beschämt – hat er vielleicht gar nicht bemerkt, dass ich ihn beobachtet habe?

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    Rose Rivers (Autor)

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Titel: Summer Wine